Schritt für Schritt
aus der Krankheit
Hypothyreose

Frau geht Treppe hinauf

Isabel Mittmann - Ernährungsberaterin und Medizinredakteurin

Experte/Expertin:

Isabel Mittmann

Ernährungsberaterin und Medizinredakteurin

Letzte Aktualisierung: 20. Mai 2021

Schritt 1: Mikronährstoffe optimieren

Aus meiner Erfahrung ist es am Anfang einer Therapie entscheidend, den Körper in die Lage zu versetzen, seine eigenen Heilungsprozesse anzukurbeln. Dafür eignet sich die Mikronährstofftherapie als Einstieg hervorragend, da damit alle Zellen mit den notwenigen Betriebsstoffen versorgt werden.

Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

 

Warum das zu Beginn so wichtig ist, hat mehrere Gründe:

Zum einen stehen die Stoffwechselabläufe vom Jod und Selen im engen Zusammenhang und sind besonders wichtig für die Schilddrüse.Selen ist Bestandteil der Jod-spaltenden Enzyme und damit an der Umwandlung des Schilddrüsenhormons T4 in die wirksame Form T3 beteiligt. Die Umwandlung von T4 zum biologisch aktiven T3 erfolgt unter anderem in Leber und Niere durch die selenhaltigen Thyroxin-5´-Dejodasen. Bei einem Mangel wird weniger T3 gebildet, was eine Unterfunktion fördern kann. Selen schützt zudem die Schilddrüse vor oxidativen Prozessen. Denn bei der Produktion der Schilddrüsenhormone entsteht Wasserstoffperoxid, das das Schilddrüsengewebe schädigt. Selen inaktiviert diesen Stoff durch seine antioxidativen Eigenschaften. In Studien konnte gezeigt werden, dass ein Selenmangel bei gleichzeitigem Jodmangel eine Autoimmunthyreoiditis auslösen kann.

Zufuhrempfehlung Selen

Laut der DGE sollten Erwachsene etwa 60-70 µg Selen pro Tag zu sich nehmen. Kinder und Jugendliche haben einen geringeren Bedarf, bei Stillenden steigt die empfohlene Zufuhr hingegen auf 75 µg pro Tag an.

Hinweis

Selen beeinflusst Schilddrüsenmedikamente positiv

Selen hat nicht nur eine positive Wirkung auf den Schilddrüsenhormonstoffwechsel, sondern auch auf Medikamente, die bei Schilddrüsenunterfunktion eingesetzt werden. Zu ihnen zählt der Wirkstoff Levothyroxin, abgekürzt L-Thyroxin. Selen verbesserte in einer klinischen Studie mit 60 Teilnehmern nachweislich die Wirksamkeit von Levothyroxin. Während eine Gruppe nur Levothyroxin erhielt, bekam die andere Gruppe zusätzlich Selen. Die Blutwerte der zweiten Gruppe waren deutlich besser als bei der reinen Monotherapie mit Levothyroxin. Zudem ist Vitamin C begleitend sinnvoll: Es verbessert die Aufnahme von Levothyroxin.

 

Unter Umständen kann also unter Selen- und Vitamin-C-Gabe die Dosierung des Medikamentes verringert werden. Wer Levothyroxin einnimmt, sollte prinzipiell seinen Selen-Spiegel kontrollieren lassen und mit seinem Arzt eine mögliche Selenunterstützung durch Supplemente besprechen.

Zum anderen haben Menschen mit Hypothyreose einen erhöhten Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Vitamine und Mineralstoffe sind als Cofaktoren Bestandteil von vielen Enzymen im Schilddrüsenstoffwechsel. Ein Mangel kann den gesamten Stoffwechsel empfindlich stören. Einige Vitamine wirken als Antioxidantien und schützen die Schilddrüse vor oxidativen Schäden.

Schritt 2: Ernährungsumstellung

Eine spezifische Ernährungsform bei einer Schilddrüsenunterfunktion gibt es, trotz zahlreicher in diese Richtung deutender Ratgeber, nicht. Sie können jedoch einige Hinweise beachten, um nicht nur Ihre Schilddrüse, sondern Ihren ganzen Organismus zu stärken.

Der Mangel an Schilddrüsenhormonen bei einer Unterfunktion führt zu einem herabgesetzten Grundumsatz und damit zu einem geringeren Energiebedarf. Gleichzeitig leiden Betroffene an Müdigkeit und Erschöpfung, wodurch der Leistungsumsatz häufig zurück geht. Durch weniger Bewegung bei gleichzeitig geringerem Grundumsatz kommt es schnell zu einer positiven Energiebilanz. Eine unerklärliche, teils massive Gewichtszunahme ist daher häufig das erste spürbare Symptom bei Betroffenen.

 

Deshalb sollten Patienten nach der Diagnosestellung erst einmal kalorienreduziert essen, bis sie medikamentös gut eingestellt sind oder die Ursache der Unterfunktion behoben ist. Danach kann zu einer energiemoderaten Kostform gewechselt werden, die dem Bedarf angepasst ist und zu einer ausgeglichenen Energiebilanz beiträgt.

Von drastischen Kalorienreduktionen ist abzuraten, da dies den Grundumsatz noch weiter reduziert und langfristig wieder zur Gewichtszunahme führt. Es ist besser, langsamer, aber nachhaltiger, vorzugehen, am besten mit fachkundiger Betreuung durch eine Ernährungsberatung.

 

Kalorienreduziert essen bedeutet nicht, zu hungern. Die richtige Auswahl an Lebensmitteln ist entscheidend. Geeignet sind kalorienarme, aber nährstoffreiche Lebensmittel, die möglichst frisch zubereitet und wenig verarbeitet sind. Für eine gute Sättigung braucht es ausreichend Ballaststoffe und Eiweiß. Eine zu fettarme Ernährung wird ebenfalls nicht empfohlen, da wichtige fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) sonst nicht ausreichend resorbiert werden können. Viele fettlösliche Vitamine wirken als Antioxidantien und schützen das Schilddrüsengewebe vor freien Radikalen. Außerdem sind sie wichtig bei der Immunabwehr.

Schritt 3: Nutzen Sie die Kraft der Heilpflanzen

Heilpflanzen können eine Ergänzung zur Schulmedizin darstellen. Sie enthalten generell viele entzündungshemmende und antioxidativ wirkende Stoffe und sind deshalb auch für die Schilddrüse sehr wertvoll. Einige Heilkräuter können die Schilddrüse stimulieren und unterstützen, andere helfen Begleitsymptome einer Schilddrüsenunterfunktion zu lindern, wie Schlaflosigkeit, Kältegefühl oder Wassereinlagerungen.

Einige Heilpflanzen, die sogenannten Adaptogene – biologisch aktive Pflanzenstoffe – können den Organismus unterstützen, sich erhöhten körperlichen und emotionalen Stresssituationen anzupassen. Sie lindern auch mentale Erschöpfung und steigern die Konzentrationsfähigkeit. Zudem helfen sie die Nebennierenfunktion zu stabilisieren.

 

Heilkräuter können als Tee, Gewürz oder gezielt als Therapeutikum Verwendung finden. Sprechen Sie mit einem erfahrenen Heilpraktiker über deren Einsatzmöglichkeiten.

 

Heilpflanzen, die die Schilddrüse anregen oder Begleitsymptome mildern:

Heilpflanzen, die hohe Jodgehalte aufweisen, sollten nur in Absprache mit einem erfahrenen Therapeuten eingenommen werden, da Überdosierungen möglich sind.

  • Kleines Fettblatt: wirkt hormonstimulierend, antioxidativ, entzündungshemmend
  • Rosmarin und Thymian: wirken durchblutungsfördernd auf die Schilddrüse
  • Efeu: enthält hohe Gehalte an Jod – Vorsicht vor Überdosierung!
  • Schwarznuss: gilt als eine gute Quelle für Jod
  • Isländisch Moos: die Flechte enthält Jod und antioxidative Stoffe
  • LavendelKamillePassionsblume und Hopfen: wirken beruhigend und helfen bei Schlafstörungen
  • Zimt, Ingwer und Ginko: stärken die Nebennieren und helfen bei Kältegefühl
  • BeifußFrauenmantelMönchspfefferSchafgarbe: können die Wirkung von Östrogen mildern
  • Süßholz: wirkt aktivierend auf den Stoffwechsel, entzündungshemmend und gegen oxidativen Stress

 

Hilfreiche Adaptogene sind:

  • Rosenwurz: bewährt bei der Begleittherapie von Angststörungen und Depressionen und zur Förderung der Leistungsfähigkeit besonders in Stresssituationen.
  • Schlafbeere/Ashwaghanda: wirkt angst- und stresslösend, entspannt die Nerven, hat ausgleichende Wirkung auf die Schilddrüse
  • Koreanischer Ginseng: hilft gegen Müdigkeit und Erschöpfung sowie zur Erholung nach einer Erkrankung
  • Sibirischer Ginseng: hilft die Stressfähigkeit des Körpers zu steigern, da es den körpereigenen Stresshormonen ähnelt. Reguliert die Hormonspiegel.