Schritt für Schritt
aus der Krankheit
Nesselsucht

Frau geht Treppe hinauf

Isabel Mittmann - Ernährungsberaterin und Medizinredakteurin

Experte/Expertin:

Isabel Mittmann

Ernährungsberaterin und Medizinredakteurin

Letzte Aktualisierung: 20. Mai 2021

Schritt 1: Eliminationsdiäten

Eine gesunde Ernährungsweise kann vorbeugend, aber auch heilend auf verschiedene Erkrankungen wirken. Ernährungsempfehlungen für Urtikaria zielen besonders darauf ab, auslösende Substanzen zu vermeiden (hypoallergene Kost) und das Immunsystem sowie den Darm zu stabilisieren. Eine Nesselsucht-Diät im engeren Sinne gibt es nicht, jedoch erzielen hypoallergene Kostformen bei der chronisch-spontanen Urtikaria, die aufgrund von Unverträglichkeiten auftreten, wissenschaftlich untermauerte Verbesserungen.

 

Eliminationsdiäten bei Nesselsucht

Generell auf bestimmte Lebensmittel bei Urtikaria zu verzichten, wird nicht empfohlen. Hat man jedoch den Verdacht, dass sich die Quaddel-Schübe nach dem Verzehr von bestimmten Nahrungsmitteln häufen, sind Eliminationsdiäten eine Möglichkeit die Symptome zu verbessern. Beschrieben sind folgende Konzepte:

  • pseudoallergenarme Diät
  • histaminarme Diät
  • Verzicht auf Fisch und Fischprodukte

 

Alle drei Eliminationsdiäten sind nicht scharf voneinander abgegrenzt, und es gibt einige Lebensmittel, die in mindestens zwei der drei Kostformen auftauchen. Über mindestens drei Wochen sollten Betroffene zunächst alle Pseudoallergene weglassen. Tritt eine Verbesserung der Beschwerden auf, können Stück für Stück einzelne Lebensmittel wieder zugeführt und auf Verträglichkeit getestet werden. Laut wissenschaftlichen Untersuchungen konnte die Krankheitsaktivität bei mehr als einem Drittel der Patienten gesenkt werden, und 5 % waren sogar komplett beschwerdefrei. Die stärksten Erfolge konnten bei der pseudoallergen- und histaminarmen Diät erzielt werden.

Schritt 2: Nutzen Sie die Kräfte der Natur

Neben den konventionellen Therapiemöglichkeiten gibt es für die Urtikaria auch ganzheitliche Therapieansätze, die ergänzend eingesetzt werden können oder bei akuten Schüben zusätzlich Linderung bringen.

 

Wasser und Kälte – zwei gute Alternativen zum Kratzen

Der Juckreiz ist häufig das unangenehmste Symptom der Urtikaria. Um nicht zu kratzen, können auch feucht-kalte Umschläge, Kühlakkus oder Kneippsche Wechselbäder eingesetzt werden. Patienten, die unter einer aquagenen Urtikaria oder Kälteurtikaria leiden, sind diese beiden Hausmittel natürlich nicht zu empfehlen.

 

Phytotherapie mit Heilpflanzen

Die Pflanzenheilkunde gehört in nahezu allen Kulturen der Welt zu den ältesten medizinischen Behandlungen. Sie kann bei verschiedensten chronischen Erkrankungen eingesetzt werden. Im Gegensatz zu konventionellen Medikamenten werden keine isolierten Einzelstoffe verwendet, sondern ganze Pflanzen oder Pflanzenteile mit verschiedenen Wirkstoffkombinationen. In Bezug auf die Nesselsucht können folgende Pflanzen für Linderung sorgen:

 

  • Virginische Zaubernuss (Hamamelis virginiana)

Die Zaubernuss wird als Zier- und Heilpflanze verwendet und ist hauptsächlich in Nordamerika und Ostasien beheimatet. Sie wirkt entzündungshemmend, juckreizlindernd und blutstillend. Diese als Strauch wachsende Pflanze wird daher bei kleineren Hautverletzungen und Entzündungen der Haut bzw. Schleimhaut eingesetzt.

 

  • Extrakte aus Eichenrinde (Quercus robur)

Die Rinde der Stieleiche ist eine beliebte Heilpflanze, weil die enthaltenen Gerbstoffe die Haut zusammenziehen lassen (verfestigende und blutstillende Wirkung) und die Reizweiterleitung hemmen (juckreizstillender Effekt). Die Rindenextrakte kommen besonders häufig bei Hämorrhoiden zum Einsatz und bei juckenden Hauterkrankungen wie der Nesselsucht.

 

  • Kamille (Matricaria chamomilla oder Matricaria recutita)

Dass Kamille eine hilfreiche Heilpflanze gegen Erkältungssymptome und Magen-Darm-Probleme ist, wissen viele Menschen. Aber sie hat auch eine entzündungshemmende, reizlindernde und wundheilungsfördernde Wirkung auf Haut und Schleimhäute. Welche Inhaltsstoffe sind für diese Effekte verantwortlich? Den enthaltenen ätherischen Ölen (Bisabolol, Matricin) sowie dem sekundären Pflanzenstoff Apigenin werden vielerlei gesundheitliche Wirkungen nachgesagt. Kamille ist ein Universalmittel für viele Hautkrankheiten von Neurodermitis, über Schuppenflechte bis zur Nesselsucht.

 

  • Zistrosenkraut (Cistus incanus herba)

Die Zistrose wurde bereits seit mehreren tausend Jahren im Mittelmeerraum als Heilpflanze eingesetzt, insbesondere bei Erkältungs-, Verdauungs- und Hautkrankheiten. Sie enthält sehr viele Polyphenole, die eine antivirale und entzündungshemmende Wirkung haben. Besonders gerne wird daher der Cistus-Tee zum Auftragen auf die Haut bei Akne, Neurodermitis und Nesselsucht verwendet.

 

  • Ringelblume (Calendula officinalis)

Die Ringelblumenblüten sehen nicht nur ansprechend aus, sie enthalten auch viele bioaktive Stoffe wie ätherische Öle, Saponine, Flavonoide, Triterpene und Bitterstoffe. Als Extrakt wirken sie entzündungshemmend und unterstützen die Heilung von Wunden. Ekzeme und Entzündungen auf Haut und Schleimhaut gehen dadurch deutlich zurück.

 

  • Schwarzer Tee (ohne Aroma, Camellia sinensis)

Ähnlich wie die Eichenrinde enthält auch der Schwarztee sehr viele Gerbstoffe, die antientzündlich und juckreizlindernd wirken. Dermatologen empfehlen Teeaufbereitungen für Patienten mit Ekzemen, Neurodermitis oder Nesselsucht. In einer wissenschaftlichen Studie mit Neurodermitis-Patienten konnten die Symptome durch eine 3-tägige Behandlung um 70 % gesenkt werden.58

 

  • Bittersüßstängel (Solanum Dulcamara)

Bittersüßstängel-Extrakte haben eine sehr gute anti-entzündliche Wirkung und können sich auch positiv auf den Juckreiz auswirken. Die Kletterpflanze wird daher gerne bei wiederkehrenden Ekzemen und Neurodermitis eingesetzt. Da es die Pflanze in Salben, Tropfen oder Tabletten gibt, kann sie äußerlich wie innerlich angewendet werden und eignet sich daher auch sehr gut für Patienten mit einer aquagenen Urtikaria oder Kälte-Urtikaria.

Schritt 3: Darmsanierung

Dass der Darm und seine bakteriellen Bewohner sich enorm auf das Immunsystem auswirken können, ist spätestens seit dem Buchklassiker “Darm mit Charme” in aller Munde. Eine Darmsanierung ist sehr sinnvoll, um ein fehlgesteuertes Immunsystem wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Sie setzt sich aus einer Darmreinigung und dem Wiederaufbau der Darmflora zusammen.

Durch die Sanierung der Darmflora wird die Darmbarriere gestärkt und ihre Schutzfunktionen wiederhergestellt sowie das Immunsystem mobilisiert. Entscheidend für einen erfolgreichen Aufbau der Darmflora ist die Qualität der verwendeten Bakterienstämme, deren Vermehrung im Darm und die Resistenz gegen die Magensäure sowie den Gallensaft. Eine gezielte Zufuhr von Probiotika (Darmbakterien) wirkt sich nachweislich positiv auf das Darmmilieu und chronisch-entzündliche Hautkrankheiten aus.60 Den Darm einmal im Jahr, nach Antibiotika-Behandlungen auch häufiger, zu sanieren ist eine Investition in seine Haut und als zusätzliche Therapieoption auf jeden Fall zu empfehlen. Welche Bakterien über welchen Zeitraum eingenommen werden sollten, besprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt oder Therapeuten.