Chronisches Erschöpfungs-
syndrom (ME/CFS): Symptome, Behandlung & Ernährung

Chronic Fatigue Syndrom (CFS): Die Müdigkeit, die sich nicht „wegschlafen“ lässt, hat verschiedene Ursachen. Nicht wenige Patienten, die sich wegen ständiger Erschöpfung bei ihrem Hausarzt einfinden, werden von diesem wieder nach Hause geschickt, da er keine Diagnose stellen konnte. Weil das Beschwerdebild medizinisch so schwer zu erfassen ist, fühlen sich viele Betroffene als Hypochonder stigmatisiert oder gelten als psychisch krank. Da weder die genaue Ursache bekannt ist noch es verlässliche Kriterien für eine Diagnose gibt, zweifeln manche Experten die Existenz der Erkrankung als eigenständiges Beschwerdebild an. Hier erfahren Sie, was sie selbst aktiv tun können durch Veränderungen in Ihrem Lebensstil und Ihrer Ernährung, um Ihre Energiespeicher wieder aufzufüllen, und welche ganzheitlichen Therapieansätze Ihnen helfen können, um Ihren Alltag wieder eigenständig zu meistern und in Ihre Kraft zu kommen.

Experte/Expertin:

Barbara Tayler

Heilpraktikerin und Expertin für Alternativmedizin und Psychosomatik

Letzte Aktualisierung: 17. März 2021

CFS – die wichtigsten Fakten im Überblick

  • CFS (Chronic Fatigue Syndrome) – was ist das? CFS, auch als ME (Myalgische Enzephalomyelitis) bezeichnet, ist ein neuroimmunologischer Symptomenkomplex, dessen Entstehung und Ursache noch nicht eindeutig bekannt ist. Die Krankheit geht einher mit konstanter, schwerer Erschöpfung bis hin zu Bettlägerigkeit und Arbeitsunfähigkeit.
    • Vorkommen: Weltweit sind schätzungsweise 17 Millionen betroffen, in Deutschland etwa 300.000, davon deutlich mehr Frauen als Männer. Auch Kinder und Jugendliche können an CFS leiden.
    • Ähnliche Krankheitsbilder: Andere Erkrankungen, die ebenso mit schwerer Erschöpfung, Müdigkeit und fehlender körperlicher wie geistiger Belastbarkeit einhergehen, sind das Tumor-Fatigue-Syndrom, das Burnout-Syndrom, Depressionen und Fibromyalgie.
  • Ursachen & Risikofaktoren: nicht ausgeheilte virale Erkrankungen, Stress, traumatische Erlebnisse, Phasen hoher psychischer Belastung, hoher oxidativer/nitrosativer Stress mit Schädigung der Mitochondrien
  • Symptome: ungewöhnlich schwere körperliche und mentale Erschöpfungszustände über mehr als sechs Monate, anhaltende Müdigkeit, Infektanfälligkeit, Schlafstörungen, Schmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Reiz- und Temperaturempfindlichkeit
  • Diagnose und Tests: Ausschlussdiagnose anderer schwerer Erkrankungen, Differentialdiagnose zu BurnoutDepression und Fibromyalgie, Messwerte für Mitochondrienfunktion und nitrosativen Stress, keine eindeutigen Diagnosemöglichkeiten.
  • Prognose und Verlauf: schubweiser Verlauf mit Verschlimmerung bei Stress, geringster Anstrengung oder Überforderung, Fortschreiten der Erschöpfung bis hin zu Arbeitsunfähigkeit, Bettlägerigkeit und Invalidität, Begleit- und Folgeerkrankungen, Verbesserung möglich, in einigen Fällen vollständige Ausheilung
  • Empfohlene Ernährung: antientzündliche, basenbildende Kost, bestehend aus frischen, unverarbeiteten Lebensmitteln, möglichst aus biologischem Anbau; viel Obst und Gemüse, Nüsse und Saaten, hochwertige Fette und Eiweiße, probiotische Lebensmittel, weizenfreie Ernährung
  • Therapie: 
    • Mikronährstoffe: Grundsätzlich ist die tägliche Versorgung mit allen Mikronährstoffen erforderlich. Besonders wichtig sind:
      • für die Stärkung der Mitochondrien: Vitamin-B-Komplex, Coenzym Q10, Selen und D-Ribose
      • für Darmflora und Immunsystem: Vitamin A, Vitamin C, Vitamin D, Vitamin K, Eisen, Magnesium, Kupfer, Zink, Aminosäuren (z. B. Carnitin, L-Glutamin, Cystein), Polyphenole, Grüntee-Catechine, D-Ribose
    • Lebensstil: Stressreduzierung und Resilienztraining, Entspannungstechniken, ausreichend Schlaf, mäßige, aber regelmäßige Bewegung, Verzicht auf Rauchen und Alkohol, viel Trinken, positive Lebenshaltung
    • Konventionelle Therapie: symptomatische medikamentöse Behandlung je nach Art der Beschwerden
    • Ganzheitliche Therapie: Darmsanierung, Entsäuerung, hochdosierte Vitamin-C-Infusionen, Bewegungstherapie, Ordnungstherapie, Psychotherapie, Heilpflanzen wie Ginseng, Rosenwurz, Baldrian, Lavendel und Passionsblume.
  • Checkliste und Empfehlungen bei CFS: Das können Sie selbst tun.

Was ist das chronische Erschöpfungssyndrom?

Das-Wichtigste-in-Kürze

Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS)/ Myalgische Enzephalomyelitis (ME) in der Übersicht

  • Das CFS umfasst zahlreiche Symptome und körperliche Erscheinungen, die einem Burnout, einer Depression, dem Tumor-Fatigue-Syndrom oder der Fibromyalgie ähneln.
  • Die lähmende körperliche und geistige Erschöpfung, die auch bei ausreichend Schlaf nicht besser wird, kann bis hin zur Arbeitsunfähigkeit führen.
  • Weltweit sind schätzungsweise etwa 17 Millionen Menschen betroffen, vorwiegend Frauen. Doch auch im Kindes- und Jugendalter kann CFS bereits auftreten.
  • Wissenschaftler sind sich uneinig, was die Definition sowie die Entstehung der Krankheit betrifft. Daher bezeichnen CFS, ME sowie ME/CFS den gleichen Symptomenkomplex.

Das chronische Erschöpfungssyndrom (Chronic Fatigue Syndrome, kurz CFS) wird auch Myalgische Enzephalomyelitis (ME) oder kurz als ME/CFS bezeichnet und stellt einen neuroimmunologischen Symptomenkomplex dar. Oft wird sie als Verlegenheitsdiagnose gestellt, wenn der Arzt keine andere Ursache für die anhaltende Müdigkeit und Abgeschlagenheit der Patienten finden kann.

Auch gibt es in Deutschland, wie in vielen anderen Ländern, keine ausreichende Abgrenzung zu psychisch bedingten Erschöpfungszuständen wie Depressionen, Burnout oder dem Fibromyalgie-Syndrom, das dem rheumatischen Formenkreis zugeordnet wird und ebenfalls mit Erschöpfungssymptomen einhergehen kann. Ursprünglich wurde ME/CFS oft als psychische Erkrankung betrachtet, was jedoch widerlegt wurde. Heute wird ME/CFS als eine Multisystemerkrankung bezeichnet, die neben anderen Körpersystemen den Energiestoffwechsel und das Immunsystem betrifft.

 

Typisch dafür ist ein dauerhafter Erschöpfungszustand mit bleierner Müdigkeit und begleitendem Krankheitsgefühl, der plötzlich beginnt und länger als sechs Monate andauert. Insgesamt betrifft die Erkrankung Frauen häufiger als Männer. Durch die lähmende körperliche und geistige Erschöpfung und Müdigkeit kommt es bei den Betroffenen zu einer verminderten Leistungsfähigkeit und körperlichen Beschwerden. Sie reichen von Kopfschmerzen, grippalen Symptomen bis hin zu Magen- und Darmproblemen. Außerdem finden die Betroffenen im Schlaf keine Erholung. Die Beschwerden lassen sich durch keine bekannten körperlichen oder psychischen Ursachen erklären.

Laut einer Untersuchung der Aalborg Universität aus dem Jahr 20151 ist die Lebensqualität von ME/CFS-Erkrankten oft noch niedriger als die von Multiple Sklerose-, Schlaganfall– oder Lungenkrebspatienten. Ein Viertel aller Betroffenen kann das Haus nicht mehr verlassen, viele sind bettlägerig und geschätzt über 60% arbeitsunfähig. In Folge des CFS kann eine behandlungsbedürftige depressive Verstimmung oder Depression auftreten.

 

 

Weiterführende Informationen und Ansprechpartner

Bei der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS finden Betroffene umfangreiche Informationen und Ansprechpartner. Auch können sich dort Ärzte Fachinformationen zum Krankheitsbild wie auch zu Diagnose- und Behandlungsmethoden einholen.

Die Charité Berlin bietet neben einer CFS-Sprechstunde in ihrer Immundefekt-Ambulanz auch telefonische Beratung für Ärzte an. Außerdem gibt es Internet-Foren, in denen sich Angehörige und Patienten mit ME/CFS austauschen können.

 

Grad der Behinderung (GdB)

In Deutschland kann der Antrag auf einen Grad der Behinderung (GdB) gestellt werden. Da die Krankheit jedoch nicht einheitlich definiert ist und oftmals in ihrer Ausprägung und Belastung für die Betroffenen nicht richtig erfasst wird, ist die Unterstützung durch einen Facharzt unabdinglich. Außerdem sollten Betroffene einen Sozialverband (VdK, SoVD) oder Beratungsstellen der Caritas, Diakonie, AWO etc. bei der Antragsstellung hinzuziehen. Die Sozialverbände stehen auch bei der Prüfung des amtlichen Bescheids fachlich zur Seite und übernehmen bei Bedarf das Widerspruchs- und Klageverfahren.

Vorkommen, Auftreten und Differenzierung

Weltweit sind, Schätzungen zufolge, etwa 17 Millionen Menschen von der Erkrankung betroffen, in Deutschland 250.000, davon vermutlich mehr als 40.000 Kinder und Jugendliche.

Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Grundsätzlich kann die Erkrankung in jedem Alter auftreten. Nach Angabe der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS e.V. hat die Erkrankung zwei Altersgipfel: Der erste betrifft Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren, beim zweiten liegt das durchschnittliche Alter der Betroffenen bei etwa 30 bis 39 Jahren.

In Dänemark überlegt man, ME/CFS als schwere neuroimmunologische Erkrankung anzuerkennen. Auch andere skandinavische Länder und Großbritannien sehen in dem Krankheitsbild vielmehr eine chronische Entzündung des Gehirns und des Rückenmarks.

 

Erkrankungen, die mit einem ähnlichen Symptomenkomplex einhergehen und im fließenden Übergang zum CFS stehen, sind:

  • Tumor-Fatigue-Syndrom: Eine schwere Erschöpfung und Müdigkeit, die mit einer Krebserkrankung einhergeht oder während bzw. nach der Behandlung auftritt.
  • Fibromyalgie: Eine Krankheit aus dem rheumatischen Formenkreis, bei sich der neben körperlichen Schmerzen auch Erschöpfung und Beeinträchtigung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit zeigen.
  • Burnout-Syndrom: Eine schwere psychische Erschöpfung oft nach Phasen von enormem Stress oder Überforderung oder nach Lebenskrisen, die ebenfalls massiv die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit einschränken.
  • Depression: Eine psychische Erkrankung, die mit Müdigkeit, Antriebslosigkeit und einer Vielzahl körperlicher und psychischer Begleiterscheinungen einhergeht.

 

 

Klassifikation und Diagnosekriterien

Die unterschiedlichen Bezeichnungen der Krankheit rühren daher, dass sie international nicht einheitlich benannt wird und ihre Entstehung bzw. Definition teils umstritten ist.

Daher gibt es verschiedene Begriffe für den Symptomenkomplex: Chronic Fatigue Syndrome (CFS), Myalgische Enzephalomyelitis (ME), Chronisches Erschöpfungs- oder Müdigkeitssyndrom sowie das Kürzel CFS/ME. Die oft von Betroffenen als verharmlosend empfundenen Begriffe umfassen nicht das gesamte Erscheinungsbild, das weit über eine reine Erschöpfung hinausgeht.

Da sich die Krankheit bei einem Teil der Betroffenen schleichend entwickelt, bei anderen wiederum plötzlich, meist nach einer Virusinfektion, werden zur Diagnose Kriterienkataloge wie die Canadian Consensus Criteria (CCC) oder die Internationalen Konsenskriterien (ICC) hinzugezogen.

Anhand der Uneinigkeit der Wissenschaftler und der unterschiedlichen Betrachtungsweise des chronischen Erschöpfungssyndroms lässt sich die Komplexität des Erscheinungsbilds erkennen. Aus diesem Grund erklären sich auch die unterschiedlichen Herangehensweisen.

Ursachen und Risikofaktoren von ME/CFS

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Ursachen und Risikofaktoren von ME/CFS in der Übersicht

  • Die genauen Ursachen und auslösenden Faktoren von ME/CFS sind unklar.
  • Vermutet wird, dass vorausgegangene Virusinfekte nitrosativen Stress und damit das chronische Erschöpfungssyndrom auslösen.
  • Auch psychische oder körperliche Traumata, Autoimmungeschehen, Immunschwäche, eine gestörte Darmflora, Mikronährstoffmängel oder geschädigte Mitochondrien infolge von hohem oxidativem/ nitrosativem Stress werden als Ursache diskutiert.

Die Ursachen der Krankheit sind bislang von Wissenschaftlern noch wenig erforscht. Man vermutet jedoch, dass vorausgegangene virale Erkrankungen, Stress, Phasen schwerer psychischer Belastung sowie traumatische Erfahrungen an der Entstehung von ME/CFS beteiligt sind.

Oft setzt ein chronisches Erschöpfungssyndrom plötzlich nach einem schweren Infekt ein, einem der Auslöser für nitrosativen Stress.

Häufig beobachtet wurde die Auslösung eines CFS auch nach Virusinfektionen (postvirales Erschöpfungssyndrom) mit dem Epstein-Barr-Virus, mit Grippeviren oder Enteroviren (z. B. nach einem Magen-Darm-Infekt).3 Auch die Lyme-Borreliose (übertragen durch Zecken) kann Auslöser des CFS sein.

Oxidativer und nitrosativer Stress

Unser Körper bildet bei vielen Reaktionen freie Radikale (z. B. in der Zellatmung und bei Immunreaktionen), die in normalen Konzentrationen nicht schädlich sind. Erst bei einem Zuviel (z. B. chronische Entzündungen, Medikamente etc.) entsteht der sogenannte oxidative Stress. Hält der oxidative Stress über einen längeren Zeitraum an, steigt das Risiko für die Entstehung einer Vielzahl von Erkrankungen an wie Multiple Sklerose, Alzheimer, Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen und Parkinson.

 

Nitrosativer Stress bezeichnet die Überproduktion des lebensnotwendigen Botenstoffs Stickstoffmonoxid (NO).

Nitrosativer Stress ist vergleichbar mit dem oxidativen Stress der freien Radikale: auch beim Stoffwechsel des Stickstoffmonoxids (NO) ist eine geringe Grundproduktion für unsere Gesundheit unabdingbar:

  • NO wirkt bakterientötend
  • NO wirkt erweiternd auf Blutgefäße
  • NO reguliert den Stoffwechsel von Mitochondrien
  • NO ist notwendig für die Weiterleitung von Nervenimpulsen

Erst bei einer Überproduktion, die der Körper nicht mehr abfangen kann, kommt es zu einer zunehmenden Schädigung von Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle).

Darüber hinaus werden auch Autoimmungeschehen, Immunschwäche sowie ein chronisch aktiviertes und fehlgeleitetes Immunsystem diskutiert.

Auch körperliche Traumata, Operationen, Schwangerschaften oder Geburten können ME/CFS auslösen, ebenso wie seelische Traumata wie der (plötzliche) Tod eines nahestehenden Menschen oder Arbeitslosigkeit. Die hohe psychische Belastung kann das Immunsystem derart schwächen, dass die Erschöpfung und Kraftlosigkeit auch über einen längeren Zeitraum hinweg andauert und chronisch wird.

Oft besteht bei den Betroffenen ein Mangel an Antikörpern (Immunglobulinen). Auch bestimmte Entzündungsstoffe sollen ebenfalls eine Rolle spielen. Aber: Bislang fehlt den Experten ein Biomarker zur eindeutigen Diagnose.

 

Ausflug in die Wissenschaft

Dauerhaft aktiviertes Immunsystem

Während einer akuten Infektion ist das Immunsystem hoch aktiv, was dazu führt, dass der Patient müde, erschöpft, appetitlos und nahezu bewegungsunfähig ist.

Diese natürliche Reaktion des Körpers sorgt dafür, dass das Immunsystem mit einem Maximum an Energie versorgt wird und andere Körperfunktionen wie Verdauung oder Bewegungsfähigkeit in dieser Zeit deutlich eingeschränkt werden. Gegebenenfalls kann Fieber auftreten. Bei einem gesunden Organismus klingt dieser Zustand innerhalb von drei Wochen wieder ab.

Beim chronischen Erschöpfungssyndrom verbleibt das Immunsystem im hoch aktivierten Zustand. Die Betroffenen fühlen sich daher auch über diesen Zeitraum hinaus noch müde, erschöpft und kraftlos bis hin zur Bettlägerigkeit.

Naturheilkundlich orientierte Ärzte vermuten, dass das CFS mit einem unverarbeiteten, chronischen Infekt in Zusammenhang steht.

Die Stanford University in Kalifornien hat sich der verstärkten Erforschung des chronischen Erschöpfungssyndroms gewidmet und bereits etliche Erkenntnisse veröffentlicht.4

Allerdings sind diese noch weitgehend unbekannt, weshalb sich Patienten, die an ME/CFS leiden nach wie vor von der konventionellen Medizin nicht verstanden fühlen.

Möglicherweise wird bei Betroffenen die Leistungsfähigkeit der Mitochondrien, das sind die Kraftwerke in der Zelle, heruntergefahren, wodurch die Energieproduktion des Körpers dramatisch sinkt. Ausgelöst wird dieser Prozess beispielsweise durch eine Infektion mit Viren. Aber auch schwelende Entzündungsprozesse (silent inflammation), Giftstoffe in Umwelt und Ernährung, eine Stoffwechselschwäche, Medikamente (v. a. Antibiotika und Chemotherapeutika) sowie ein Mikronährstoffmangel können der Schädigung der Mitochondrien zugrunde liegen. Infolge des hohen oxidativen bzw. nitrosativen Stresses verlieren die Mitochondrien ihre Struktur, liefern zu wenig Energie, und es kommt zu einem allgemeinen Energiemangel im Körper.

Mitochondrien und Mitochondriopathie

Mitochondrien sind die Energiekraftwerke in unseren Körperzellen und produzieren Adenosintriphosphat (ATP), den Treibstoff für unseren Organismus. Jede Zelle enthält, je nach Energiebedarf, bis zu mehreren tausend Mitochondrien.

Neben der Energiebildung haben Mitochondrien noch mindestens zwei weitere wichtige Aufgaben für unseren Körper. Sie sind für die Entsorgung von krankhaften oder nicht mehr benötigten Zellen zuständig. Über die sogenannte Apoptose sterben diese Zellen dann ab. Zusätzlich bilden Mitochondrien sogenannte Eisen-Schwefel-Cluster. Sie werden für die Funktion zahlreicher Enzyme und der Mitochondrien selbst benötigt.

Werden Mitochondrien nachhaltig geschädigt, so spricht man von Mitochondriopathie. In den letzten Jahren wurde klar, dass die Schädigung der Mitochondrien an der Entwicklung praktisch aller chronischer Krankheiten beteiligt ist. Organe, die viel Energie benötigen spüren den Energiemangel in der Regel zuerst.

Dazu zählen:

  • der Herzmuskel
  • die Nervenzellen von Gehirn und peripheren Nerven
  • die Leber
  • unsere Immunzellen

 

Die Folgen der Mitochondriopathie können dementsprechend sehr vielfältig sein. Symptome wie weniger Leistungsfähigkeit, andauernde Müdigkeit, Gedächtnisstörungen und höhere Infektanfälligkeit können auf geschädigte Mitochondrien hindeutet.

 

Folgende Faktoren sind die häufigsten Gründe für geschädigte Mitochondrien:

  • Mangel an Mikronährstoffen mit erhöhtem oxidativem Stress
  • Fehlernährung mit zu vielen Kohlenhydraten und zu viel Geräuchertem
  • Medikamente wie Antibiotika, Antiepileptika oder Zytostatika
  • latente chronische Entzündung (silent inflammation)
  • Belastung des Organismus mit Schwermetallen oder Umweltgiften

Diskutiert wird auch, ob etwa eine gestörte Darmflora ein Mitauslöser von chronischen Erschöpfungssyndromen ist. Daraus könnten sich neue Möglichkeiten der Behandlung, zum Beispiel durch spezielle Ernährungspläne und eine umfassende Darmsanierung, ergeben.5 Jedoch ist bis jetzt unklar, ob das veränderte Mikrobiom Auslöser oder Folge der Erkrankung ist.

Symptome des chronischen Erschöpfungssyndroms

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Symptome in der Übersicht

  • Die Symptome wie schwere Erschöpfung, Müdigkeit, Bewegungsunfähigkeit, geringe Belastbarkeit, fehlende Ausdauer und deutliche Einschränkungen in der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit dauern über mehr als sechs Monate.
  • Post-Exertional Malaise: Typisch ist, dass geringe körperliche oder geistige Belastung die Symptome hervorrufen oder verschlimmern kann.
  • immunologische Störungen: Infektanfälligkeit, wiederkehrende Atemwegserkrankungen, grippeähnliche Symptome oder Lymphknotenschwellung
  • neurologische und kognitive Beschwerden: Gedächtnisschwäche, Konzentrationsstörungen, Schwindel, Störungen der Bewegungskoordination, Brain Fog
  • orthostatische Intoleranz: Schwindel, Kreislaufschwäche, Blutdruckschwankungen, Herzrasen, Blässe, Atemnot
  • Schmerzzustände: ungewöhnlich schwere Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Schlafstörungen: Ein- und Durchschlafstörungen, andauernde, bleierne Müdigkeit, nicht erholsamer Schlaf
  • Die Beschreibung der Symptome im Kanadischen Kriterienkonsens sind wegweisend bei der Diagnosestellung.

Charakteristisch für das CFS ist ein konstanter, schwerer Erschöpfungs- und Müdigkeitszustand, der länger als sechs Monate anhält und für dessen Ursache es keine eindeutige Erklärung gibt.

Kennzeichnend ist, dass sich die ME/CFS-Symptome bereits nach geringer körperlicher oder geistiger Anstrengung verstärken. Ausgiebige Zeiten der Erholung und Ruhe oder eine Verlängerung der Schlafenszeiten bringen keine deutliche Besserung.

Typischerweise fühlen sich die Betroffenen in ihrer Leistungsfähigkeit und Lebensqualität massiv beeinträchtigt, mitunter sogar über Jahre hinweg. Die Krankheit geht mit einem hohen Leidensdruck einher, der meist deshalb so hoch ist, weil die Patienten von ihrem privaten Umfeld und sogar von Ärzten oft nicht ernst genommen werden und die Krankheit erst – wenn überhaupt – nach einer Odyssee von Beratungen, Untersuchungen und Therapien erkannt wird.

Die Symptome des chronischen Erschöpfungs- oder Müdigkeitssyndroms werden nach Kriterienkatalogen definiert, den Kanadischen Konsenskriterien (Canadian Consensus Criteria, CCC) sowie den Internationalen Konsenskriterien (International Consensus Criteria, ICC).

Nicht jeder ME/CFS-Betroffene zeigt alle Symptome. Vorkommen, Art und Stärke der Anzeichen können bei jedem Betroffenem variieren.

 

Post-Exertional Malaise (PEM): Verschlechterung der Symptomatik nach körperlicher und geistiger Aktivität. Sie wird als das Leitsymptom von ME/CFS angesehen. Die Post-Exertional Malaise tritt in unterschiedlichen Schweregraden auf. Bei manchen Betroffenen ist schon die Zubereitung einer Mahlzeit ein Auslöser, der die Symptome verschlimmert, bei anderen der Einkauf im Supermarkt. Aber auch angenehme Aktivitäten wie Lesen, ein längerer Spaziergang oder ein Telefongespräch können die PEM auslösen.

Typischerweise wird ein körperlicher Zusammenbruch, eine Art „Crash“, ausgelöst: Es kommt spätestens am Folgetag zu Symptomen wie grippalem Krankheitsgefühl, leichtem Fieber, geschwollenen Lymphknoten, Muskelschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, »brain fog« (Gehirnnebel), Kopfschmerzen, Herzrasen, Atemnot, Schwindel und einer bleiernen Erschöpfung. Die Symptome können tage- oder sogar wochenlang anhalten.

 

Neben der PEM leiden die Betroffenen unter zahlreichen weiteren Symptomen. Dazu gehören:

Chronische, krankhafte Erschöpfungszustände

  • Einschränkung der Leistungsfähigkeit von über 50%
  • schwere Erschöpfung, die tagelang anhalten kann
  • Erschöpfung macht sogar Körperpflege, Ernährung oder Sprechen unmöglich
  • keine Linderung durch Schlaf oder Erholungszeiten

 

Orthostatische Intoleranz (Kreislaufprobleme im Stehen oder Sitzen)

  • Symptomverschlimmerung im Stehen oder Sitzen
  • Schwindel, Kreislaufprobleme
  • Herzrasen, Herzrhythmusstörungen
  • Blässe
  • Kurzatmigkeit
  • Benommenheit
  • Blutdruckschwankungen

 

Neurologische und kognitive Beschwerden

  • Konzentrationsstörungen
  • Gedächtnisstörungen
  • Sprachschwierigkeiten, Wortfindungsstörungen
  • „Gehirnnebel“ (brain fog)
  • Ataxien (gestörte Bewegungskoordination)
  • Reizempfindlichkeit (Licht, Geräusche, Berührung, Temperatur)
  • Kälte-Wärme-Intoleranz

 

Immunschwäche und Infektanfälligkeit

  • häufige Infektionen der Atemwege und des Rachenraums
  • lang andauernde Rekonvaleszenz
  • Symptome einer schweren Dauergrippe
  • allgemeines Krankheitsgefühl mit Abgeschlagenheit
  • Lymphknotenschwellungen, oft schmerzhaft

 

Schmerzzustände

  • migräneartige Kopfschmerzen, oft tagelang andauernd
  • Muskel- und Gliederschmerzen
  • Muskelkrämpfe und Muskelzucken
  • muskelkaterähnliche Beschwerden nach geringer körperlicher Anstrengung
  • geringe körperliche und geistige Belastbarkeit

 

Schlafstörungen

  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • nicht erholsamer Schlaf
  • Schläfrigkeit tagsüber
  • bleierne Müdigkeit, die die Lebensqualität drastisch einschränkt

Diagnose und Tests

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Diagnose in der Übersicht

  • ME/CFS ist eine Ausschlussdiagnose.
  • Diagnosestellung ist erst möglich, wenn andere schwere Erkrankungen eindeutig ausgeschlossen werden können.
  • Differentialdiagnostisch müssen bei Verdacht auf ME/CFS auch das Burnout-Syndrom, Fibromyalgie oder Depression in Betracht gezogen werden.
  • Kriterienkataloge führen Leitlinien zur Diagnosestellung auf.
  • Messwerte für Mitochondrienfunktion und nitrosativen Stress
  • Neuere Forschungen haben Diagnosemöglichkeiten durch Blut- und Stuhluntersuchungen entdeckt, um Mikronährstoffdefizite, Darmflorastörungen und immunologische Prozesse zu ermitteln.

Das chronische Erschöpfungs- oder Müdigkeitssyndrom ist eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass der Arzt andere schwere Krankheiten ausschließen muss, bevor er die Diagnose ME/CFS stellen darf. Dazu zählen zum Beispiel Anämie (Eisenmangel), chronische Hepatitis, rheumatologische Erkrankungen, Multiple Sklerose, Schilddrüsenerkrankungen, Krebserkrankungen, Herzinsuffizienz, Depression sowie Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch

 

Differentialdiagnostisch sind auch das Burnout-Syndrom, Fibromyalgie und Depression in Betracht zu ziehen, wenn auch das CFS in fließendem Übergang zu den genannten Krankheiten steht, da sie alle mit einem ähnlichen Symptomenkomplex einhergehen und sich nur schwierig voneinander abgrenzen lassen.

 

Richtlinie bei der Diagnosestellung sind die Kanadischen Konsenskriterien für Kliniker (Canadian Consensus Criteria, CCC) sowie die Internationale Consensus-Kriterien (ICC).

Ein typisches Leitsymptom ist der meist plötzliche Beginn nach einem (viralen) Infekt. Die Beschwerden müssen laut CCC mindestens seit sechs Monaten bestehen, bei Kindern seit drei Monaten. Nach den ICC kann eine Diagnose auch schon früher gestellt werden.

 

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Kanadische CFS-Kriterien (CCC)

Beim Chronischen Erschöpfungssyndrom müssen die Beschwerden über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten bestehen (Kinder drei Monate) und folgende Symptome vorliegen, um die Diagnose gemäß dem Kanadischen CFS-Kriterienkatalog zu stellen:

  • Fatigue: körperliche oder mentale anhaltende Erschöpfung, die neu aufgetreten ist und die Leistungsfähigkeit des Betroffenen erheblich einschränkt und für die es keine eindeutige Erklärung gibt.
  • Post-exertional Malaise und/oder Fatigue: Nach körperlicher oder geistiger Belastung tritt eine unverhältnismäßig starke Erschöpfung auf, die Symptome bzw. Schmerzen verstärken sich und halten mindestens 24 Stunden bis über Tage hinweg an. Maßnahmen zur Erholung verbessern die Symptomatik nicht.
  • Schlafstörungen: Ein- und Durchschlafstörungen, Müdigkeit selbst nach ausgiebigem Schlaf, verschobener Tag-Nacht-Rhythmus
  • Schmerzen: ungewohnte Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Gliederschmerzen

 

Eine weitere Voraussetzung ist, dass mindestens zwei Begleiterscheinungen aus dem neurologisch-kognitiven Bereich hinzukommen müssen: Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Wortfindungsstörungen, Verwirrtheit, gestörte Bewegungskoordination, gesteigerte Reizempfindlichkeit.

Außerdem muss zusätzlich mindestens je ein Symptom aus zwei der folgenden Kategorien hinzukommen:

  • Immunologie: häufig wiederkehrende grippale Symptome oder Atemwegsinfekte, häufig geschwollene Lymphknoten, neu hinzugekommene Empfindlichkeit bzgl. Medikamenten, chemischen Substanzen oder Nahrungsmitteln
  • Neuroendokrinologie: Schweißausbrüche, niedrige Körpertemperatur, Hitze-/Kälteintoleranz, Heißhunger oder Appetitlosigkeit, auffällige Gewichtszu- oder -abnahme, Verstärkung der Symptome bei Stress und Belastungen
  • Autonome Erscheinungen: Schwindelgefühle, Reizdarmsyndrom, Herzrasen/ Herzrhythmusstörungen, Kreislauflabilität, Kurzatmigkeit, Inkontinenz/ Schwierigkeit beim Urinieren, Übelkeit, extreme Blässe, Schwächegefühl, bleierne Müdigkeit, Muskelschwäche

Um im Labor nitrosativen Stress nachzuweisen und damit auf den Zustand der Mitochondrien Rückschlüsse zu ziehen, wird meist Nitrotyrosin und Citrullin im Urin bestimmt. Auch Methylmalonsäure und Cystathionin sind Parameter, die zum Nachweis von nitrosativen Stress herangezogen werden.

Es gibt noch zahlreiche weitere Parameter, die sowohl über die Ausatemluft sowie durch Blutanalysen bestimmt und ausgewertet werden können.6

Neuere Forschungen7,8, die sich mit Ursachen, die ME/CFS auslösen, beschäftigen, haben weitere Zusammenhänge und Diagnosemöglichkeiten entdeckt. Besonders hervorzuheben ist die Professorin für Molekularbiologie und Genetik, Dr. Maureen Hanson, die das chronische Erschöpfungssyndrom mit Blut- und Stuhluntersuchungen diagnostizieren konnte.

 

Moderne Diagnosemöglichkeiten zur Ursachenforschung und zu Ermittlung der möglichen auslösenden Faktoren der Erschöpfungszustände sind:

  • Laboruntersuchungen zur Feststellung der Leistungsfähigkeit der Mitochondrien und Störungen der Atmungskette
  • Laboruntersuchungen zum Nachweis von nitrosativen Stress
  • Laboruntersuchung hinsichtlich eines Autoimmungeschehens Fehlregulationen des Immunsystems und Ermittlung zugrundeliegender Ursachen
  • Laboruntersuchung, um aktive oder chronische Infektionsherde ausfindig zu machen
  • Laboruntersuchungen zur Ermittlung von Allergien, Unverträglichkeiten, Umweltgiften oder Entzündungsparametern
  • Neurostress-Laboruntersuchung, um Neurotransmitter in Speichel und Urin zu ermitteln
  • LTT-Tests (Lymphozyten-Transformations-Test)
  • Ermittlung des Homocysteinwerts oder der Methyl-Malon-Säure für Rückschlüsse auf die Zellgesundheit
  • Stuhluntersuchung: Bakterienstatus, Zusammensetzung der Darmflora, Pilzerkrankungen

 

Die Wissenschaftlerin Dr. Hanson fand auch heraus, dass die Darmflora von Patienten, die an CFS leiden, erheblich gestört war und eine wesentlich geringere Bakterienvielfalt als bei Gesunden vorlag, woraus auch verschiedene Magen-Darm-Probleme resultierten.

Außerdem wurden spezifische Entzündungsmarker (z. B. alpha-1-Antitrypsin im Stuhl) gefunden, die auf ein Leaky-Gut-Syndrom hinwiesen.9

Leaky-gut

Mit Leaky Gut wird eine krankhaft durchlässige Darmschleimhaut bezeichnet, die aufgrund einer Störung der Darmflora und eines Überhangs an schädlichen Darmbakterien zu chronischer Entzündung neigt. Infolgedessen können Bakterien, Giftstoffe und Stoffwechselabfälle sowie nicht vollständig verdaute Nahrungspartikel durch die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen und an verschiedenen Stellen im Körper entzündliche Immunreaktionen auslösen. Dadurch können nicht nur schwelende Entzündungsprozesse entstehen, sondern sich auch Unverträglichkeiten, Allergien und Autoimmunerkrankungen entwickeln. Außerdem weiten sich die Symptome des CFS aus.

Krankheitsverlauf und Prognose

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Krankheitsverlauf in der Übersicht

  • individuelle Verlaufsformen der Erkrankung
  • Verschlimmerung oder Wiederaufflammen der Beschwerden durch andauernden psychischen oder körperlichen Stress
  • Belastung der Psyche aufgrund schwerer Erschöpfung und fehlender Unterstützung bzw. fehlendem Verständnis von Seiten der Umwelt
  • körperliche und psychische Überlastung führt zu einem Wiederaufflammen oder einer kontinuierlichen Verschlimmerung der Beschwerden
  • mögliche Folgeerkrankungen sind z. B. Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hashimoto-Thyreoiditis oder Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis

Der weitere Verlauf der Erkrankung lässt sich aufgrund der sehr individuellen Verlaufsformen nicht genau prognostizieren.

Geringe körperliche oder geistige Belastung, Stress oder Aufregung können die Beschwerden wieder aufflammen lassen oder noch verschlimmern.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Erkrankung vollständig ausheilt, liegt, je nach Quelle, zwischen 6 und 12%.

ME/CFS ist keine tödlich verlaufende Erkrankung, jedoch können lebensbedrohliche Begleiterkrankungen auftreten. Aufgrund der geringen Lebensqualität und fehlender Perspektiven kann bei Betroffenen mit einer schweren Verlaufsform Suizid als einziger Ausweg erscheinen.

Es gibt Patienten, die nach einigen Monaten intensivster Beschwerden und ausgeprägter Erschöpfung eine allmähliche Besserung erleben.

Bei anderen wiederum kehren die Symptome zyklisch wieder, dazwischen liegen Phasen, in denen sie weitestgehend einen normalen Alltag erleben.

Der geringere Teil der Betroffenen erfährt eine kontinuierliche Verschlechterung der Erkrankung, was im weiteren Verlauf zu Arbeitsunfähigkeit und Bettlägerigkeit führen kann. Einige werden sogar pflegebedürftig bis hin zur Invalidität.

Betroffene leiden nicht nur unter der massiven Erschöpfung und Kraftlosigkeit, sondern auch unter den Vorurteilen, die ihnen aufgrund ihrer Schwäche und ihren Einschränkungen entgegengebracht werden.

Ständige körperliche Überbelastung, psychische Überforderung, fehlende Unterstützung  oder vom Umfeld, von Behörden, Sozialversicherungsträgern oder Ärzten nicht ernst genommen zu werden, stellen eine massive Belastung für die Patienten dar, denen die Kraft für diese Auseinandersetzungen fehlt.

Auch lang andauernde Infektionskrankheiten, Unfälle oder Operationen können die Beschwerden massiv verschlimmern und noch zusätzliche, neue Symptome auslösen.

Es entsteht ein Teufelskreis, der zunehmend auch die Psyche belastet.

Die anhaltende Leistungsschwäche und die schweren Erschöpfungszustände können dazu führen, dass die Patienten das Haus nicht mehr verlassen, was zu einer sozialen Isolation führt und zusätzlich Depressionen auslösen kann.

Grundsätzlich können bei Erkrankten weitere, sekundäre Krankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Hashimoto-Thyreoiditis oder Rheuma hinzukommen, die zusätzliche Beschwerden und Einschränkungen mit sich bringen.

Grad der Behinderung (GdB)

In Deutschland kann der Antrag auf einen Grad der Behinderung (GdB) gestellt werden. Da die Krankheit jedoch nicht einheitlich definiert ist und oftmals in ihrer Ausprägung und Belastung für die Betroffenen nicht richtig erfasst wird, ist die Unterstützung durch einen Facharzt unabdinglich. Außerdem sollten Betroffene einen Sozialverband (z.B. VdK, SoVD) bei der Antragsstellung hinzuziehen, der auch bei der Prüfung des amtlichen Bescheids fachlich zur Seite steht und bei Bedarf das Widerspruchs- und Klageverfahren übernimmt. Beratungsstellen der Caritas, Diakonie, AWO etc. geben Unterstützung bei bürokratischen Hürden und klären die Betroffenen über ihre Möglichkeiten und Rechte auf. Diese Stellen beraten Sie auch bei der Antragsstellung auf eine Erwerbsminderungs- oder Erwerbsunfähigkeitsrente.

Ernährung bei chronischem Erschöpfungssyndrom

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Ernährung in der Übersicht

  • Ob das, was wir täglich essen für uns gesund oder ungesund ist, liegt vor allem an der Ausgewogenheit der einzelnen Nährstoff-Gruppen, die wir essen.
  • Eine gesunde Ernährung ist vor allem anti-entzündlich und abwechslungsreich – das Gegenteil der Western Diet, die pro-entzündlich wirkt.
  • Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten. Praktisch heißt das: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fetter Fisch, Nüsse, Saaten und kaltgepresste pflanzliche Öle.
  • Da CFS den gesamten Organismus betrifft, ist es empfehlenswert, mit Hilfe einer gesunden Ernährung
    • für den Aufbau einer gesunden Darmflora zu sorgen.
    • das Immunsystem sowie die Mitochondrien zu stärken.
    • die Leber als zentrales Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan zu entlasten.
  • Immunsystem, Leber und Darmflora stehen in enger Verbindung zueinander. Daher ist die Kombination der verschiedenen Lebensmittel und die tägliche Aufnahme in den Speiseplan Voraussetzung für eine Stärkung des gesamten Organismus.
  • Mikronährstoffreiche Lebensmittel sind beispielsweise:
    • Gemüse und Obst wie Äpfel, Zitronen, Fenchel, dunkles Blatt- und Kohlgemüse, Artischocken, dunkle Beeren und Trauben, Chicorée, Endivie, Oliven, Rote Bete, Rosenkohl, Radieschen und Radicchio
    • Kräuter und Gewürze wie Kurkuma, Ingwer, Chili, Knoblauch, Löwenzahn, Rucola, Meerrettich, Pfefferminze
    • Omega-3-reiche Fette in Leinöl und Hanföl
    • probiotische Lebensmittel wie Kefir, Kombucha, Kimchi, Misopaste oder Sauerkraut
    • Ballaststoffe in Hülsenfrüchten, Vollkorngetreide (außer Weizen) sowie glutenfreie getreideähnliche Sorten wie Reis, Amaranth, Hirse oder Buchweizen

Eine pro-entzündliche Ernährung ist oft Risikofaktor oder Auslöser bei zahlreichen Erkrankungen. Sie fördert chronische Entzündungen, die Arterien verkalken lässt, unseren Darm und unser Immunsystem schwächt, unsere Psyche negativ beeinflusst und letztlich Zellstress entstehen lässt. Wie im Kapitel Ursachen ausführlich dargestellt, sind entzündliche Prozesse auch bei CFS an der Entstehung beteiligt. Mit einer gesunden, anti-entzündlichen Ernährung können Sie das Krankheitsgeschehen bei chronischer Erschöpfung in Ihrem Körper selbst mitbeeinflussen:

  • Sie können das Entzündungsgeschehen in Ihrem Körper mildern/nicht zusätzlich durch entzündungsfördernde Lebensmittel befeuern.
  • Sie versorgen Ihren Körper mit lebenswichtigen Mikronährstoffen.
  • Sie schützen sich präventiv vor Begleiterkrankungen, die sich zusätzlich negativ auf ME/CFS auswirken.
  • Sie erreichen und halten langfristig Ihr Normalgewicht.

 

Probleme der heutigen Ernährung

Obwohl in Deutschland kein Mangel an Nahrungsmittelvielfalt herrscht, wird eine naturbelassene Ernährung mit vielen qualitativ hochwertigen und unverarbeiteten Produkten immer seltener. Volle Arbeitstage, Alltagsstress, keine Zeit zu kochen und auch der Mangel an Wissen und Fähigkeiten führen zunehmend zu einer ungesunden Ernährung.

 

Fertigprodukte statt frisch kochen: Western Diet

Diese Art der Ernährung wird oft unter dem Begriff Western Diet zusammengefasst, weil sie vor allem in den westlichen Industrieländern weit verbreitet ist und sich zunehmend auch in Ländern mit traditionell gesunder Ernährung ausbreitet – mit gravierenden Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung.

Merkmale der Western Diet

hochkalorisch, zuckerreich, gesättigte Fettsäuren, Transfettsäuren, salzreich, viele Konservierungsstoffe und hochverarbeitete Produkte (Fastfood, Fertigprodukte, „Junkfood“) – dagegen wenig frisches Obst und Gemüse, keine hochwertigen Pflanzenöle, wenig komplexe Kohlenhydrate, wenige Ballaststoffe, Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe

Nährstoffzufuhr aus dem Gleichgewicht

Ob das, was wir täglich essen für uns gesund oder ungesund ist, liegt vor allem an der Ausgewogenheit der einzelnen Nährstoff-Gruppen, die wir essen. Unsere Lebensmittel setzen sich zum einen aus Makronährstoffen zusammen, die uns Energie und Baumaterial liefern: Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße.

Auf der anderen Seite enthalten Lebensmittel auch unzählige Mikronährstoffe, die das Umsetzen der Makronährstoffe im Stoffwechsel erst möglich machen: Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Fettsäuren, Enzyme und sekundäre Pflanzenstoffe.

Ungesund wird eine Ernährung dann, wenn die einzelnen Gruppen nicht mehr im Gleichgewicht zueinander stehen. Arbeit findet z. B. heute sehr oft als sitzende Tätigkeit am Schreibtisch statt, wo keine bis kaum Kalorien verbrannt werden – jedoch dominieren Kohlenhydrate nach wie vor zu einem großen Anteil unsere tägliche Ernährung, was die Entwicklung einer chronischen Entzündung besonders fördert – das ständige Zuviel.

 

Anti-entzündliche Ernährung: Profitieren Sie auf allen Ebenen

Erst gravierende Erkrankungen und Ereignisse wie das chronische Erschöpfungssyndrom lassen uns aufhorchen und führen oft zu einem Wendepunkt im Leben: Lassen Sie es gar nicht erst soweit kommen!

Sich gesund zu ernähren heißt nicht sich selbst zu kasteien, zu verzichten oder strikte Pläne einzuhalten. Es bedeutet Neues kennenzulernen, alte Wege zu verlassen und sich jeden Tag fitter, gesünder und leistungsfähiger zu fühlen statt immer müde, abgeschlagen und energielos. Sie können dabei Schritt für Schritt etwas an Ihrer Ernährung ändern, statt zu versuchen, von heute auf morgen alles auf den Kopf zu stellen. Eine gesunde Ernährung ist vor allem anti-entzündlich und abwechslungsreich– das Gegenteil der Western Diet, die pro-entzündlich wirkt.

 

Was ist antientzündliche Ernährung?

Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten. Eine pro-entzündliche Ernährung ist einer der Hauptauslöser für eine chronisch-schwelende Entzündung in unserem Körper, die stille Entzündung (silent inflammation).

Die folgende Tabelle stellt Ihnen wichtige anti- und pro-entzündliche Nahrungsmittelgruppen vor:

Anti-entzündliche Nahrungsmittel und pro-entzündliche Nahrungsmittel

 

PRO Anti-entzündliche Ernährung (mediterrane Diät)KONTRA
Pro-entzündliche Ernährung („Westliche“ Diät)
Olivenöl, Walnussöl, Leinöl, Hanfölfrittierte Lebensmittel, Margarine, Sonnenblumenöl, Schweineschmalz, Sojaöl, Maiskernöl
Obst (zuckerarme Sorten bevorzugen: Beeren, Zitrusfrüchtw, Äpfel
Gemüse (mindestens „5 am Tag“: grüne Blattgemüse, Brokkoli, Spinat, Kohlsorten, Topinambur, alle Salate, Wildkräuter
Fast Food, Fertigprodukte, Süßigkeiten, industriell gefertigte Snacks
Vollkornprodukte: Getreideprodukte aus dem vollen Korn inklusive aller BallaststoffeProdukte aus Auszugsmehlen („Weiß“), Weizen
Hülsenfrüchte: Linsen, Kichererbsen, Bohnen, Tofu, Eier: moderater Konsum (mind. Bio-Freiland-HaltungWurstwaren, viele Milchprodukte
fetter Seefisch: Lachs, Makrele, SardinenSchweinefleisch
frische Kräuter, antientzündliche Gewürze wie Chilli, Kurkuma, Ingwer
Sulfide: Knoblauch, Zwiebeln, Meerettich
sehr salzreich
Getränke und Tee: Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees, grüner TeeSoftdrinks, häufiger Alkoholkonsum Milchmixgetränke
Nüsse und Saaten: Walnüsse, Leinsamen, Pinienkerne, Kürbiskerne, MacadamianüsseErdnüsse, gesalzene und aromatisierte „Knabbernüsse“
Probiotika: Kefir, Joghurt, milchsauer eingelegte Gemüse, Misopaste

Weitere Eckpunkte einer gesunden Ernährung sind:

  • Flexitarismus: Insgesamt sollte Ihre Ernährung vorwiegend pflanzenbasiert ausgerichtet sein – Fleisch, Fisch und Milchprodukte sind in Maßen zu genießen, dafür in hochwertiger Qualität.
  • Mittelmeer-Diät: Gute Orientierung bei einer anti-entzündlichen Ernährung bietet die mediterrane Ernährung – Menschen, die sich traditionell nach der Mittelmeerdiät ernähren, leiden seltener unter der chronischen Entzündung und deren Folgen, z. B. weniger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Regional und saisonal: Produkte aus der Region, die keinen weiten Anreiseweg hatten, sind frischer und oft nährstoffreicher. Viele Superfoods haben einheimische „Verwandte“ wie z. B. Leinsamen (statt Chiasamen) oder Hagebutten (statt Goji-Beeren).
  • Gesunde Fette: Fett reduzieren ist passé, viel wichtiger, ist die richtigen Fette aufzunehmen: Die optimalen Quellen sind kaltgepresste, hochwertige Öle. Dabei sollte der Anteil der Omega-3-Fettsäuren möglichst hoch sein, da sie im Gegensatz zu den Omega-6-Fettsäuren entzündungs- und schmerzhemmend wirken.
  • Kohlenhydrate reduzieren: Essen Sie insgesamt weniger Kohlenhydrate, also weniger weißes Brot, weniger weiße Nudeln und Reis. Zu viele dieser getreidehaltigen Sattmacher fördern Entzündungen und stören das Gleichgewicht der Botenstoffe.
  • Vegetarismus und Veganismus sind Ernährungsformen, die sehr gesund und ausgewogen sein können, aber nicht automatisch sind: Wenn viele oben genannte Nahrungsmittel integriert werden und auf ausreichend Mikronährstoffzufuhr geachtet wird. Auch der vegane Trend hat viele Fertigprodukte auf den Markt gebracht, die oft mit einer gesunden Ernährung nichts mehr gemeinsam haben. Achten Sie also weniger auf ein „Label“, sondern auf Ausgewogenheit.
  • Achtsamkeit beim Essen: Genuss, Freude und Langsamkeit gehören zu einer gesunden Ernährung genauso wie hochwertige Nahrungsmittel.
  • Fastenperioden: Intervallfasten oder Buchinger-Fasten können sinnvoll sein für einen Neustart oder ein jährliches Ritual, hier müssen Sie selbst abwägen, ob es zu Ihnen passt.
  • In Bewegung bleiben: Zu einer gesunden Ernährung gehört Bewegung – neben vielen anderen positiven Effekten, wirkt die Verdauung angeregt und die Darmpassage gefördert.

So sollte Ihr Teller aussehen

Mit dieser Telleraufteilung versorgen Sie Ihren Organismus optimal mit wichtigen Mikronährstoffen und ausreichend Energie-Lieferanten (Fette, Kohlenhydrate und Eiweiß). Achten Sie also darauf nicht nur Beilagen und Fleisch/ Fisch zu sich zu nehmen, sondern variieren Sie vor allem mit verschiedenen Gemüse- und Obstkombinationen. So gehen Sie Übergewicht aus dem Weg und vermeiden Speisen mit zu hohen Kalorienwerten.

Da dem CFS vermutlich eine gestörte Darmflora sowie ein geschwächtes Immunsystem zugrunde liegen, sollten in die Ernährung verstärkt probiotische Lebensmittel sowie Ballaststoffe eingebaut werden, die für eine gesunde Darmflora wichtig sind.

Grundsätzlich ist eine ausgewogene, mikronähstoffreiche Kost Voraussetzung, damit die geschwächten Mitochondrien mit ausreichen Mikronährstoffen versorgt werden.

Nicht zuletzt sorgt eine Entlastung der Leber und Anregung ihrer Entgiftungsfunktion für eine spürbare Verbesserung der Symptome und für mehr Vitalität. Es heißt nicht umsonst „Müdigkeit ist der Schmerz der Leber“.

Mikronährstoffreich sind vor allem frische Obst- und Gemüsesorten sowie frische Kräuter. Die sekundären Pflanzenstoffe, die darin enthalten sind, haben eine große Bedeutung für unsere Gesundheit und die verschiedenen Stoffwechselvorgänge und Zellprozesse. Die Forschung dazu steht noch am Anfang, die bisherigen Erkenntnisse sind jedoch vielversprechend.

 

Da aufgrund einer gestörten Darmflora Rohkost manchmal anfangs nicht gut vertragen wird, können Sie das Obst und Gemüse auch leicht dünsten, damit es bekömmlicher wird.

Auch die Fermentierung der frischen Produkte macht diese leichter bekömmlich und unterstützt aufgrund der Milchsäurebakterien den Aufbau einer gesunden Darmflora.


Das HTM-Team empfiehlt

Wissenswertes über Kombucha – unser Buchtipp:


 

Probiotische Lebensmittel

Probiotische Lebensmittel enthalten eine große Anzahl lebender Mikroorganismen, etwa Hefen oder Bakterien, die auch Teil der gesunden Darmflora sind. In Lebensmitteln kommen Bakterienstämme wie Bifidobakterien, Enterococcus, Lactococcus, Lactobacillus oder Streptococcus am häufigsten vor. Sie entstehen z.B. bei der Milchsäurefermentation, mit der Lebensmittel seit Jahrtausenden haltbar gemacht wurden.

Die Milchsäurebakterien im Darm können sich leichter vermehren, aber auch die Ansiedelung von Laktobazillen bei einer gestörten Darmflora wird erleichtert.

 

Gesunde Beispiele für probiotische (meist fermentierte) Lebensmittel sind:

  • Sauerkraut und Sauerkrautsaft
  • Brottrunk
  • Sauerteig
  • Kefir
  • Kombucha
  • Kimchi
  • fermentiertes Gemüse (Karotten, Gurken, Zucchini etc.)

Diese Lebensmittel sollten frisch und nicht konserviert sein, denn die Konservierung zerstört den größten Teil der Milchsäurebakterien. Fermentiertes Gemüse, Kefir oder Kombucha lassen sich jedoch auch leicht zuhause herstellen.

 

 


Das HTM-Team empfiehlt

Um einen Einstieg in die Fermentation zu finden, gibt es sehr gute Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die es jedem ermöglicht, darmgesunde Lebensmittel selbst herzustellen. Unsere Empfehlung:


 

Ausflug in die Wissenschaft

Entzündungsfördernde Eigenschaften des Weizens

Neuere Forschungen haben festgestellt, dass Weizenproteine im Darm und darüber hinaus chronische Entzündungsprozesse auslösen sowie das Fortschreiten chronischer Erkrankungen noch befeuern können.10

Besonders schädlich ist das Weizengluten, das zu einer zöliakieunabhängigen Sensitivität gegenüber Gluten beitragen kann. Moderne Züchtungsverfahren haben den Glutengehalt in Weizen erhöht, unser Organismus ist jedoch auf die Menge an Gluten nicht vorbereitet.11 Zudem kommt isoliertes Weizengluten häufig als Bindemittel in Saucen, Süßigkeiten und Fertigprodukten vor. Die negativen Auswirkungen auf unseren Körper sind drastisch.

Außerdem enthält Weizen eine bestimmte Proteingruppe, sogenannte Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI). Diese können umfassende Immunreaktionen auslösen, die im gesamten Organismus Entzündungen und möglicherweise sogar für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen verantwortlich sind.12

Die Weizenunverträglichkeit trägt vermutlich zur Entstehung des Krankheitsbilds bei chronischer Erschöpfung bei, wie eine Studie ergeben hat.13

 


Das HTM-Team empfiehlt

Wer sich eingehender mit den Auswirkungen von Weizen auf unsere Gesundheit und insbesondere bei CFS auseinandersetzen möchte, dem empfehlen wir das Buch von Prof. Schuppan:


 

Therapie und Prävention

Jede Behandlung enthält präventive Aspekte und jede Prävention wirkt auch als Therapie. Die Grundpfeiler jeder Vorbeugung und Therapie basieren auf unserem Lebensstil: Wie ernähren Sie sich? Ist Ihr Organismus ausreichend mit Mikronährstoffen versorgt? Wieviel Bewegung ist in Ihren Alltag integriert? Rauchen Sie und wieviel Alkohol konsumieren Sie? Bestimmt Stress Ihr ganzes Leben?

Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, können sich diese Basispfeiler positiv auf Ihre Gesundheit auswirken, aber auch jahrelange Risikofaktoren für viele Erkrankungen darstellen.

Gerade bei einer CFS ist die Änderung des Lebensstils die wichtigste Therapie.

In diesem Kapitel werden zahlreiche ganzheitliche Methoden vorgestellt, die Ihre Gesundheit und Lebensqualität stärken können – präventiv und / oder auch als Therapie.

Im Zentrum steht dabei die Stärkung der mitochondrialen Funktion, damit der Organismus wieder selbständig in der Lage ist, Energie zu bilden und Ihre Vitalität und Leistungsfähigkeit zurückkehren.

Mikronährstoffe

Das-Wichtigste-in-Kürze

Mikronährstoffe in der Übersicht

  • Mikronährstoffe sind unentbehrliche Mikrohelfer in unserem Organismus.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit allen Mikronährstoffen bei CFS. Besonders wichtig sind:
  • für die Stärkung der Mitochondrien: Vitamin B-Komplex, Coenzym Q10, Selen und D-Ribose
  • für das Immunsystem: Vitamin A, Vitamin C, Vitamin D, Vitamin K, Eisen, Magnesium, Kupfer, Zink, Aminosäuren (z. B. Carnitin, L-Glutamin, Cystein), Polyphenole, Grüntee-Catechine, D-Ribose
  • Einige der typischen Medikamente, die symptomatisch gegen die größten Beschwerden verordnet werden, erhöhen zusätzlich Ihren Mikronährstoffbedarf.
  • Wenn Sie Schwierigkeiten haben, Ihren Mikronährstoffbedarf ausreichend über die Ernährung zu decken, können moderat dosierte, natürliche Mikronährstoffmischungen sinnvoll sein. Gerade bei CFS scheint ein umfassender Mikronährstoffmangel zugrundezuliegen.
  • Wir haben mehrere Mikronährstoffkonzentrate getestet und auf wichtige Kriterien unabhängig und neutral geprüft. Das Testergebnis finden Sie hier.

Eine wichtige Basis für alle Therapien wird oft bei der Beratung außer Acht gelassen: Eine gesunde, ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung. Der Körper muss mit Mikronährstoffen optimal versorgt sein, damit Folgen von ME/CFS abgemildert und Nebenwirkungen der Medikamente reduziert werden können.

 

Mikronährstoffe – was ist das?

Zu den Mikronährstoffen gehören in erster Linie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die einen wichtigen Teil dazu beitragen, damit unser Organismus funktioniert. Im weiteren Sinne lassen sich auch essentielle Fettsäuren, Aminosäuren, sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme hinzuzählen. Makronährstoffe wie Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette sind unsere Energielieferanten, während die Mikronährstoffe an Prozessen wie z. B. Blutgerinnung, Immunabwehr und Knochengesundheit beteiligt sind. Einige Mikronährstoffe kann unser Körper selbst herstellen, die meisten jedoch müssen mit der Nahrung aufgenommen werden.

 

Der menschliche Organismus – ein Blick in die Zellen

Der Mensch besteht aus über 70 Billionen Zellen. Diese können alle nur optimal funktionieren, wenn sie mit Vitaminen und Spurenelementen versorgt sind. Es gibt nahezu keinen Stoffwechselschritt, an dem nicht mehrere Mikronährstoffe beteiligt sind. Dazu zählen unter anderem die:

  • Aktivierung von Enzymen und Hormonen (Stoffwechselaktivität)
  • Abwehrleistung des Immunsystems (Immunstoffwechsel)
  • Energieproduktion in den Kraftwerken unserer Zellen, den sogenannten Mitochondrien (Energiestoffwechsel)
  • Leistungsfähigkeit des Herzmuskels (Herzkraft und -rhythmus)
  • Kontraktion der Skelettmuskulatur (Muskelkraft und -koordination)
  • Impulsübertragung in und der Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen (Nerven- und Gehirnstoffwechsel)

Mitochondrien  

Mitochondrien sind unsere Zellkraftwerke. Sie stellen die Energie für alle Lebensprozesse in unserem Körper her. Aus Zucker, Fett und Eiweiß bilden die Mitochondrien das Energie-Molekül ATP (Adenosin-Tri-Phosphat).

In einem Zwischenschritt wird der Sauerstoff verarbeitet. Dadurch werden viele freie Radikale freigesetzt, die sehr aggressiv sind und Zellschäden verursachen können. Wenn der antioxidative Schutz der Zellkraftwerke durch Mikronährstoffe nicht ausreicht, können Eiweißstrukturen zerstört oder so geschädigt werden, dass sie ihre Aufgaben nicht mehr optimal erfüllen können.

 

Warum wir Mitochondrien schützen sollten

Entstehen während der Herstellung des ATP aufgrund eines Mikronährstoffmangels vermehrt freie Radikale, wird die mitochondriale DNA geschädigt, was zu einem weiteren Anstieg der freien Radikale führt. Dadurch wird der Stoffwechsel der Zellen empfindlich gestört und kann zu unzähligen Krankheiten führen.

Entsprechend wichtig ist die optimale Versorgung der Zellen und Zellkraftwerke mit Mikronährstoffen. Nicht nur der antioxidative Schutz muss zu jeder Zeit gewährleistet sein, auch die Energieproduktion selbst benötigt zahlreiche Mikronährstoffe.

 


Das HTM-Team empfiehlt

Unser Buchtipp zur Erhöhung des Energieniveaus dank Erkenntnissen aus der Mitochondrienforschung:


Für alle Stoffwechselreaktionen im Körper sind Enzyme notwendig, sie wirken wie ein Katalysator. Enzyme können ihren Aufgaben jedoch nur mithilfe von Mikronährstoffen nachkommen. Je besser der Körper mit Nährstoffen versorgt ist, desto besser funktioniert der gesamte Organismus. Ein Mikronährstoffmangel kann sich also negativ auf den Stoffwechsel und das Immunsystem auswirken. Um Ihre Gesundheit zu schützen und Ihre weiteren Therapien zu unterstützen, sollten Sie also auf Ihren Mikronährstoffhaushalt achten.

 

Gehören Sie auch zu den Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen?

Egal ob Schmerzmittel, Blutdrucksenker, Cholesterinsenker oder die Antibabypille. Schon ein einzelnes Medikament kann unsere optimale Versorgung mit Mikronährstoffen ungünstig beeinflussen. Je mehr Medikamente gleichzeitig eingenommen werden, desto intensiver wird in den Mikronährstoffhaushalt eingegriffen, was Wechselwirkungen der Arzneimittel untereinander sowie das Auftreten von Nebenwirkungen erhöht. Hierdurch kann nicht nur die Wirkung des Medikaments negativ beeinflusst werden, sondern auch die Funktion der Mikronährstoffe. Welche Medikamente welche Nebenwirkungen beim Chronischen Erschöpfungssyndrom haben können, führen wir weiter unten noch genauer aus.

 

Welche Lebensphasen führen noch zu einem erhöhten Mikronährstoff-Bedarf?

Aber nicht nur die regelmäßige Einnahme von Medikamenten führt zu einem erhöhten Mikronährstoffbedarf. Es gibt bestimmte Lebensphasen und Umstände, die ein erhöhtes Risiko für einen Nährstoffmangel aufweisen:

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangere und Stillende
  • ältere Menschen

 

Diesen erhöhten Bedarf zu decken, ist nicht immer einfach. Trotz des reichhaltigen Angebotes an verschiedenen Lebensmitteln verringern verschiedene Faktoren den Mikronährstoffgehalt in Lebensmitteln:

  • nicht ausgereiftes Obst und Gemüse
  • größere Erträge in der Landwirtschaft
  • Einsatz von Pestiziden

 

Es ist wichtig, die Ernährung mit einer breiten und möglichst natürlichen Basis an allen Vitaminen, Spurenelementen sowie sekundären Pflanzenstoffen zu optimieren.

 

Mikronährstoffkonzentrat als Grundlage

Gut versorgt sind Sie mit moderaten Mikronährstoffmischungen – von einzelnen hochdosierten Mikronährstoffen raten wir ohne Absprache mit Ihrem Arzt und vorherigen Untersuchungen ab.

Das Angebot an Mikronährstoffpräparaten ist groß und unübersichtlich. Entscheidend beim präventiven Ansatz ist die natürliche Vielfalt. Das ideale Mikronährstoffpräparat ist auf natürlicher Basis produziert, enthält neben allen klassischen Mikronährstoffen auch sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme, ist flüssig, glutenfrei und vegan. Die Bioverfügbarkeit sollte wissenschaftlich belegt sein und es sollten keine künstlichen Aroma- oder Konservierungsstoffe enthalten.

 

Mikronährstoffkonzentrate Testsieger

 

Testsieger

LaVita Mikronährstoffkonzentrat

LaVita Mikronährstoffkonzentrat 500ml

  • wissenschaftlich fundiertes Naturprodukt auf pflanzlicher Basis
  • alle wichtigen Vitamine und Spurenelemente enthalten
  • ganzheitliche Optimierung der täglichen Ernährung
  • ohne Konservierungs- und andere Zusatzstoffe

Wir haben mehrere Mikronährstoffkonzentrate getestet und auf wichtige Kriterien unabhängig und neutral geprüft. Das Testergebnis finden Sie hier.

Ein Mikronährstoffkonzentrat sichert auch die Versorgung der bei chronischem Erschöpfungssyndrom wichtigen Mikronährstoffe.

 

Eine optimale Mikronährstoffversorgung sorgt für gesunde Haut und Schleimhäute, wodurch sich Krankheitserreger nicht ausbreiten können. Außerdem werden physiologisch wichtige Bakterienstämme angesiedelt und schädliche an der Ausbreitung gehindert.

Darüber hinaus können kontinuierlich gesunde Abwehrzellen produziert sowie überalterte und geschwächte Zellen regelmäßig erneuert werden. Auch die Zellkommunikation wird optimiert, da die Botenstoffe und Enzyme von den essentiellen Vitaminen und anderen Nährstoffen abhängig sind.

Eine intakte Darmschleimhaut verhindert das Eindringen von krankheitsverursachenden Keimen und die Entstehung eines Leaky Gut.

Die meisten gesundheitsförderlichen Keime der Darmflora benötigen für ihre Entwicklung die Verstoffwechslung von sekundären Pflanzenstoffen und präbiotischen Ballaststoffen aus frischen Lebensmitteln. Die unerwünschten Fäulnis- und Entzündungskeime können diese Stoffe nicht verarbeiten und werden somit durch die „gesunden“ Bakterien, denen sie als Nahrung dienen, verdrängt. Zudem scheinen manche Abbauprodukte von Polyphenolen auch direkt das Wachstum einiger Mikroorganismen zu behindern.

Das Leaky-Gut-Syndrom

Unser Darm hat die Aufgabe, nur ganz bestimmte Nahrungsbestandteile aufzunehmen und in den Blutkreislauf zu übergeben. Bei einem Leaky-Gut-Syndrom (übersetzt: undichter Darm) sind die Verbindungen zwischen den Zellen nicht mehr ganz so dicht. In der Folge können Toxine, Stoffwechselprodukte und unverdaute Nahrungsbestandteile in den Blutkreislauf gelangen, wodurch unsere Immunabwehr aktiviert wird.

Auf Dauer kommt es zu einer Überlastung und zunehmenden Schwächung unseres Immunsystems. Als Folge davon können beispielsweise Nahrungsmittelallergien oder Autoimmunerkrankungen entstehen und eine Vielzahl körperlicher Beschwerden ausgelöst werden.

 

Antibiotika, Stress und Fehlernährung tragen hauptsächlich zur Entstehung des Leaky-Gut-Syndroms und der daraus resultierenden Störung des Immunsystems bei. Selbst wenn keine offensichtlich erkennbaren Magen-Darm-Erkrankungen vorliegen, kann das Leaky-Gut-Syndrom (Mit-)Ursache zahlreicher Krankheiten sein.

Eine ganzheitliche Behandlung, die eine Sanierung der Darmflora mit einschließt, kann zu einer vollständigen Regeneration der Darmschleimhaut führen.

Um den Zusammenhang zwischen Mikronährstoffen und dem Organismus, speziell bei ME/CFS, bildlich zu veranschaulichen:

Unterversorgte Zellen „haben Hunger“ und reduzieren ihre Leistungsfähigkeit daher auf das Niveau, das mit der jeweiligen Nährstoffversorgung möglich ist. Auch Abwehrzellen haben eine herabgesetzte Funktion, wodurch die vorhandenen Zellen mit weniger Kraft arbeiten und weniger neue Zellen produziert werden können.

Zudem teilt der Körper die Mikronährstoffe im Organismus unterschiedlich auf: Die Zellen der für den Organismus lebenserhaltenden Organe und Funktionen, sowie Bereiche, in denen Abwehr- oder Heilungsprozesse stattfinden, werden so gut als möglich mit Mikronährstoffen versorgt, nachrangige Systeme werden weniger gut versorgt (erkennbar an Anzeichen wie z. B. brüchigen Nägeln, Haarausfall, fahler, trockener Haut, Abgeschlagenheit).

Die Mitochondrien können aufgrund der Unterversorgung mit Mikronährstoffen nicht in ihrer vollen Leistungsfähigkeit arbeiten, wodurch Stoffwechselprozesse verlangsamt ablaufen und die gesamte Leistungsfähigkeit des Organismus herabgesetzt ist: Müdigkeit und Erschöpfung und chronische bzw. degenerative Krankheiten sind die Folge.14,15

Da der Körper aufgrund der Notfallsituation praktisch alle verfügbaren Mikronährstoffe im Blutkreislauf behält, um diese an die wichtigsten Abnehmer weiterzuverteilen, sind die Blutwerte bei einer Mikronährstoffanalyse noch lange Zeit im „normalen“ Bereich, obwohl in den Zellen schon längst ein erheblicher Mangel herrscht.

Vielleicht ist so leichter verständlich, dass ein „Organismus, der andauernd Hunger hat“, das heißt aufgrund einer Unterversorgung mit Nährstoffen geschwächt ist, nicht optimal funktionieren und alle Aufgaben erfüllen kann und versucht, Energie zu sparen. Er arbeitet nur noch auf einem insgesamt reduzierten Leistungsniveau.

Wichtig zu wissen

Bestehen oxidativer Stress und Entzündungen über längere Zeit sind die Mikronährstoff-Speicher erschöpft. Dann braucht unser Körper eine Extraportion Mikronährstoffe, um in Balance zu bleiben und alle Funktionen regulieren zu können.

Grundsätzlich benötigt der Organismus alle Mikronährstoffe, um optimal zu funktionieren und die Abwehrfunktion aufrechterhalten zu können. Einige Mikronährstoffe, die eine besondere Bedeutung für Menschen, die unter chronischer Erschöpfung leiden, finden Sie im Folgenden aufgelistet16,17.

NährstoffBedeutung beim Chronischen Erschöpfungssyndrom
Vitamin ABildung neuer Immunzellen und Antikörper, stärkt Immunbarriere von Haut und Schleimhaut, v. a. Hals- und Nasenschleimhäute, erhöht körperliche Belastbarkeit
Vitamin-B-Komplexstärkt Immunbarriere von Haut und Schleimhaut, stärkt das Nervensystem, fördert die Bildung von Neurotransmittern, verbessert die nervliche Belastbarkeit, stellt Energieversorgung des Organismus sicher; baut entzündungsförderndes Homocystein ab
Vitamin CAntioxidans, senkt das Risiko von Infektionskrankheiten, verkürzt Dauer von Infekten, verbessert die Aufnahme von Eisen, verbessert die körperliche Leistungsfähigkeit (18), Bekämpfung akuter und chronischer Virusinfekte (19,20)
Vitamin Dessentiell für das gesamte Immunsystem: verbessert Kommunikation zwischen Immunzellen und Leistungsfähigkeit der Abwehrkräfte, wirkt entzündungshemmend, verdrängt pathogene Keime im Mikrobiom, erhöht Serotoninbildung und reduziert Ermüdungssymptomatik (21)
Vitamin Efängt freie Radikale, fördert Erneuerung von Abwehrzellen, stärkt Haut- und Schleimhautbarriere, senkt oxidativen Stress bei CFS (22)
Vitamin Kspielt eine Rolle im Energiestoffwechsel und steht in enger Verbindung mit Vitamin D
Zinkunterstützt Antikörperproduktion, verkürzt Infektdauer, wichtig bei zahlreichen Prozessen der Immunabwehr, Prävention von Infekten
Kupferwichtig für die Bildung von Abwehrzellen und im Neurotransmitterhaushalt, beteiligt am Energiestoffwechsel und an der Eisenverwertung
Coenzym Q10erforderlich zur Energieproduktion in den Mitochondrien, reguliert Energiestoffwechsel, schützt vor oxidativem Stress in den Zellen
Magnesiumreduziert die Folgen von Stress, beteiligt am Energiestoffwechsel
Eisenwichtig für die Immunabwehr und Sauerstofftransport, fördert die Bildung von Neurotransmittern, beteiligt am Energiestoffwechsel, reduziert Erschöpfungssymptome
Selenunterstützt das Immunsystem beim Abbau freier Radikale, aktiviert die Bildung neuer Abwehrzellen und Antikörper, reduziert Schmerzempfinden (23)
Omega-3-Fettsäurenfördert Diversität der Darmflora, entzündungshemmend, antioxidativ, fördern Darmbakterien, die entzündungshemmend wirken
Aminosäuren (Carnitin, Cystein, L-Glutamin etc.)wichtige Energiequellen für Dünn- und Dickdarmschleimhaut, antioxidativ, entzündungshemmend, Regulation des Energiestoffwechsels
Quercetinantioxidative, antivirale und entzündungshemmende Eigenschaften, lindert Erkältungsbeschwerden (24), schützt vor Schädigung der Mitochondrien (25), Anregung der Neubildung von Mitochondrien (26)
Polyphenoleals Nährstoffgrundlage für gesundheitsförderliche Bakterienstämme
Senfölglykosidehaben entgiftende, krebshemmende und entzündungshemmende Eigenschaften und wirken antibiotisch bei bakteriellen Infektionen
D-RiboseVerbesserung des Energieniveaus, der Schlafqualität, der mentalen Leistungsfähigkeit, des Wohlbefindens und des Schmerzempfindens (27)
Grüntee-Catechineentzündungshemmend, antioxidativ, reduzieren Müdigkeit und Erschöpfung, erhöhen Energieniveau und körperliche Leistungsfähigkeit (28)

Das HTM-Team empfiehlt

Grüner Tee hat eine Vielzahl an gesundheitsförderlichen Eigenschaften. Er ist reich an sekundären Pflanzenstoffen. Besonders hervorzuheben sind dabei die Catechine und Polyphenole. Aufgrund des hohen antioxidativen Potenzials können sich diese Stoffe positiv auf unsere Gesundheit auswirken. Zudem enthält grüner Tee natürlicherweise Koffein, wodurch zeitweise Müdigkeit unterdrückt werden kann, da die Rezeptoren für den Neurotransmitter Adenosin blockiert werden. Gleichzeitig steigt die Konzentration der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin, was eine stimmungsaufhellende Wirkung hervorruft. Wir empfehlen Ihnen:


 

Lebensstil

Das-Wichtigste-in-Kürze

Lebensstil in der Übersicht

  • Sport und Bewegung sollten an das eigene Leistungsniveau angepasst sein; Bewegung verbessert die Immunabwehr und die Sauerstoffversorgung der Zellen und regt Entgiftungsprozesse an
  • Verzicht auf Rauchen und Alkohol: Diese Substanzen sind Zellgifte und schwächen nachweislich die Abwehrkräfte und die Zellkommunikation, fördern Entzündungsprozesse und erhöhen die Infektanfälligkeit.
  • Die Erhöhung der Resilienz und die Reduzierung von Stress lässt uns mit Konflikten, Sorgen und in Krisenzeiten besser zurechtkommen, wir bleiben in unserer Mitte und können unser Leben aus verschiedenen Perspektiven betrachten.
  • Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga, Qi Gong oder Autogenes Training sowie guter Schlaf senken den Stresspegel, fördern die Zellregeneration und stärken die Abwehrkräfte.
  • Ausreichendes Trinken verbessert die Durchblutung sowie Stoffwechsel-, Ausscheidungs- und Entgiftungsprozesse. Wasser ist Hauptbestandteil aller Körperflüssigkeiten und Zellen.

Das Wichtigste, was Sie tun können, um Ihren Energiehaushalt und Ihr Immunsystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen, liegt in Ihren Händen. Die Basis für einen gesunden Körper bildet neben der gesunden, mikronährstoffreichen Ernährung ein ausgeglichener und gesundheitsfördernder Lebensstil. Forscher haben herausgefunden, dass unser westlicher Lebensstil die Entstehung chronisch entzündlicher Erkrankungen stimuliert und die Regeneration des Körpers verhindert.29

 

Sport und Bewegung

Da die meisten CFS-Patienten aufgrund der enormen Erschöpfung keine Kraft haben, um sich sportlich zu betätigen, beginnt auch hier ein Teufelskreis.

Bewegung fördert die körperliche und geistige Gesundheit, verbessert die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung des Körpers, regt Entgiftungsprozesse an und stärkt die Immunabwehr.

Voraussetzung für die positiven Auswirkungen von Sport und Bewegung auf den Körper bei CFS ist jedoch, dass mit Hilfe einer umfassenden Mikronährstofftherapie die Neubildung der Mitochondrien angeregt wurde und die Energieproduktion in den Zellen wieder funktioniert.

Dies kann anhand der Blutwerte für die Mitochondrienfunktion oder anhand der Werte für Nitrostress kontrolliert werden.

Wer sich noch dazu jeden Tag, auch an grauen Wintertagen, an der frischen Luft in der Natur bewegt und Tageslicht aufnimmt, stärkt die Widerstandskräfte zusätzlich. Das Lichtspektrum im natürlichen Sonnenlicht ist selbst bei bedecktem Himmel um ein Vielfaches größer als in Kunstlicht. Diese Lichtdusche aktiviert Stoffwechselprozesse  und tut der Seele gut. Zudem verhindert der Sauerstoff in seiner Funktion als natürliches freies Radikal die Vermehrung krankmachender Erreger auf den Schleimhäuten und fördert gleichzeitig die Besiedelung mit den wichtigen aeroben Bakterienstämmen. Frische Luft sorgt für die Befeuchtung der Schleimhäute, wodurch diese widerstandsfähiger gegen das Eindringen von schädlichen Keimen werden.

Bei CFS-Patienten ist es wichtig, dass sie das eigene Belastungsniveau kennen und nicht über ihre Grenzen gehen, um eine Verschlimmerung der Symptome zu verhindern.

Wenn ein Spaziergang an der frischen Luft schon zu viel ist, sind vielleicht Dehn- und Streckübungen am offenen Fenster möglich. Auch einfache Yogaübungen, die im Bett im Liegen ausgeführt werden, können auch bei extremer Kraftlosigkeit eine Möglichkeit sein, um in Bewegung zu kommen. Wichtig ist, tägliche Bewegung in den Alltag einzubauen, die gut tut und die Betroffenen nicht an den Rand der Leistungsfähigkeit bringt.

 

Verzicht auf Rauchen und Alkohol

Dass Nikotin und Alkohol schädlich für die Gesundheit sind und überall im Körper Störungen anrichten können, ist weitreichend bekannt.

Alkoholmissbrauch ist ein Auslöser für viele Erkrankungen. Unter dem Einfluss von Alkohol wird die Leistungsfähigkeit des Immunsystems drastisch herabgesetzt, wodurch eingedrungene Krankheitserreger nur unzureichend eingedämmt werden können.30

Nikotin schwächt ebenso die Abwehrkräfte und macht den Körper anfälliger für Viren und Bakterien. Die Substanz stört die Funktion der Zytokine, das sind Botenstoffe, die für die Zellekommunikation zuständig sind und eine wichtige Aufgabe bei der Bekämpfung von Entzündungsprozessen haben.

 

Stärkung der psychischen Widerstandskräfte: Resilienz

  • durch Lebensfreude und Humor: Die Fähigkeit, das Leben leicht zu nehmen und von Herzen lachen zu können, hilft uns, unsere Sorgen weniger schwer erscheinen zu lassen. Humor weitet unseren Blick, um neue Perspektiven und Wege erkennen zu können und unser Energieniveau zu erhöhen.
  • durch Dankbarkeit: Dankbarkeit lenkt unseren Blick weg vom Leiden und hin zu den vielen Momenten, Menschen und Umständen, die uns gut tun und positive Gefühle in uns auslösen. Eine dankbare Lebenshaltung bringt uns wieder in unser inneres Gleichgewicht. Sie macht es uns leichter, das Leben optimistisch zu betrachten, wenn wir uns bewusst machen, wieviel Gutes unseren Tag und unser Leben bereichert.
  • durch soziale Kontakte: Umarmungen, menschliche Nähe und vertrauensvolle Gespräche sind wichtig für unser psychisches und körperliches Wohlbefinden. Berührungen und Umarmungen bewirken ein deutliches Absinken des Cortisolspiegels im Blut31 und fördern das Selbstwertgefühl.32 Ein niedriger Blutspiegel an Stresshormonen ist Voraussetzung für ein gut funktionierendes Immunsystem.
  • durch Reduzierung von Stress: Stress ist an allen Krankheitsprozessen und degenerativen Prozessen beteiligt. Die erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen erhöht den Verbrauch der B-Vitamine. Dadurch steigt auch der Homocystein-Spiegel, was zu einer direkten Schädigung der Mitochondrien führt.

Auch auf das Immunsystem hat Stress schädliche Auswirkungen.33 Untersuchungen haben ergeben, dass Menschen, die andauerndem Stress ausgesetzt sind, signifikant häufiger unter chronischen Entzündungen oder Autoimmunkrankheiten leiden.34 Auch wenn sich Stress im Alltag oft nicht vermeiden lässt, in erster Linie ist er eine Reaktion von uns selbst auf äußere Umstände.

 


Das HTM-Team empfiehlt

Wenn Sie sich mit Atemtechniken näher beschäftigen möchten, empfehlen wir Ihnen dieses Buch:


 

Ausflug in die Wissenschaft

Ausflug in die Psychoneuroimmunologie und Psychoendokrinologie

Die Psychoneuroimmunologie befasst sich mit dem Zusammenwirken von psychischen Einflüssen auf das Immun- und Nervensystem, die Psychoendokrinologie mit dem Zusammenspiel von Psyche, Hormon- und Immunsystem.

Als im Labor nachweisbar war, dass Emotionen im Körper biochemische Reaktionen auslösen, erlebte die Psychoneuroimmunologie einen Durchbruch: Der Zusammenhang von Stress auf das Immunsystem wurde nachweisbar35. Probanden sollten ihre Gefühls- und Stimmungslage protokollieren und gleichzeitig ihren Urin sammeln. Dabei stellte sich heraus, dass Phasen emotionaler Belastung mit einem Anstieg von Entzündungsmarkern einhergingen.

Die Forschungen haben seither immer mehr nachweisen können, dass Gedanken und Gefühle einen direkten Einfluss auf unser Immunsystem haben36. Insbesondere negative Emotionen wie lange Phasen der Trauer, Angst, Hilflosigkeit oder Groll ebenso wie Stress und andauernde psychische Belastungen schwächen unser Abwehrsystem und begünstigen die Entstehung bzw. Verschlimmerung von Krankheiten. Stress setzt die Anzahl und Funktionsfähigkeit von Abwehrzellen herab und erhöht die Infektanfälligkeit.

Neue Kräfte tanken: Entspannungstechniken und guter Schlaf

Es gibt zahlreiche Methoden die, regelmäßig praktiziert, zu einer nachhaltigen Entspannung auf körperlicher und psychischer Ebene beitragen, den Schlaf verbessern und die Lebensqualität insgesamt erhöhen. Insbesondere Qi Gong und Yoga sind gleichzeitig sanfte Bewegungsübungen, die oft auch von CFS-Betroffenen ausgeführt werden können.

 


Das HTM-Team empfiehlt

Malen stellt eine Möglichkeit dar, innere Prozesse und Gefühle auf die Leinwand zu bringen. Um verschiedene Maltechniken und Materialien auszuprobieren, empfiehlt das HTM-Team ein Mal- und Zeichenset, damit Sie gleich loslegen können:


 

Darüber hinaus bieten auch Malen, Singen oder rhythmischer Tanz Raum für den Rückzug in sich selbst und die Möglichkeit, ganz in einer entspannenden Tätigkeit aufzugehen. Innere Anspannungen lösen sich, Emotionen können Ausdruck finden und innere Prozesse können ganz ohne bewusstes Zutun neu geordnet werden.

Für den Einstieg in das Malen bietet sich das Ausmalen von Mandalas oder das freie Malen mit Acryl-, Öl- oder Aquarellfarben an.

 


Das HTM-Team empfiehlt

Bereits C.G. Jung erkannte, dass das Betrachten und Malen von Mandalas eine heilsame Wirkung auf die Psyche hat. Es hilft uns, die Gedanken zur Ruhe zu bringen, uns zu fokussieren und Stress zu reduzieren:


  • Meditation (lat. meditari = nachdenken, nachsinnen, die Mitte finden) ist eine spirituelle Praxis, die in vielen Religionen und Kulturen bekannt ist und sich leicht in den Alltag integrieren lässt. Verschiedene Wahrnehmungs-, Achtsamkeits- und Konzentrationsübungen helfen, den Geist zur Ruhe kommen zu lassen, die eigene Mitte wieder zu spüren und Kraftressourcen in sich zu entdecken.

Das HTM-Team empfiehlt

Unser Tipp, um mit Hilfe von Meditation einen Ausstieg aus der chronischen Erschöpfung zu finden:


  • Autogenes Training verbessert mittels autosuggestiver Übungen die Fähigkeit, sich selbst besser entspannen zu können. Über bewusste Konzentration auf die Wahrnehmung des eigenen Körpers wird ein Zustand tiefer innerer Entspannung, Ruhe und Ausgeglichenheit erzeugt.

 

  • Qi Gong ist eine aus China stammende Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform zum Training von Körper und Geist. Verschiedene Atem-, Bewegungs-, Konzentrations- und Meditationsübungen werden miteinander kombiniert. Die Übungen dienen der Harmonisierung und Regulierung des Qi-Flusses im Körper. In der chinesischen Philosophie dient das regelmäßige Praktizieren des Qi Gong sowohl der Gesundheitsvorsorge als auch durch die Förderung und Stabilisierung des Energiehaushaltes der Behandlung von Krankheiten.

 

  • Yoga: Der Begriff Yoga stammt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie „Vereinigung, Integration“ als auch „Anspannen“. Der Ursprung des Yoga liegt in Indien und ist eine philosophische Lehre, die eine Vielzahl geistiger und körperlicher Übungen bzw. Praktiken, Atemübungen und Meditationstechniken umfasst. Ziel ist es Körper und Seele auf dem Weg der Selbsterkenntnis wieder in Einklang zu bringen. Yoga hat bei uns im Westen weite Verbreitung gefunden, da das regelmäßige Praktizieren nachweislich positive Effekte sowohl auf die körperliche als auch auf die psychische Gesundheit hat. Auch die CFS-Symptome verbesserten sich durch isometrische Yogaübungen, die Müdigkeit reduzierte sich und das Schmerzempfinden war geringer.37

 

  • Schlaf & Schlafhygiene: Im Schlaf erholt und regeneriert sich der Körper, die Zellerneuerung läuft auf Hochtouren, der Geist kommt zur Ruhe, und wir verarbeiten die Erlebnisse des Tages. Ein chronischer Schlafmangel verursacht im Körper ähnliche Beschwerden wie langanhaltender Stress, da der Körper vermehrt Stresshormone ausschüttet. Ausreichend Schlaf hat daher auch wesentlich Einfluss auf die Zellregeneration und unsere Abwehrkräfte. Unser Immunsystem ist in der Nacht besonders aktiv. Förderlich für einen gesunden Schlaf sind leicht verdauliche Kost am Abend, ein Spaziergang, Lesen oder Musikhören, statt die Zeit am Computer oder Fernseher zu verbringen (das blaue Licht stört die Bildung des Schlafhormons Melatonin), störende Gedanken aufschreiben, um den Geist zur Ruhe zu bringen, der Verzicht auf koffeinhaltige Getränke und vor dem Schlafengehen für gedimmtes Licht und eine angenehm kühle Temperatur im Schlafzimmer sorgen.

 

Ausreichend Trinken

Die Empfehlung, täglich ausreichend stilles Wasser zu trinken, ist grundsätzlich für jeden Menschen bedeutsam, da Wasser mehr als zwei Drittel unseres Körpers ausmacht.

Wasser ermöglicht unseren Stoffwechsel und ist Lösungs- und Transportmittel für Nährstoffe und andere Substanzen und Hauptbestandteil des Blutserums und der Lymphflüssigkeit, die es unseren Abwehrzellen ermöglichen, im gesamten Organismus zu zirkulieren.

Zudem werden die Schleimhäute befeuchtet, wodurch die Barriere gegen das Eindringen von Krankheitserregern verstärkt wird.

Wasser führt den Zellen Nährstoffe und Salze zu, sorgt für die Ausscheidung von Stoffwechselabfällen und Giftstoffen und reguliert die Körpertemperatur über die Schweißproduktion. Eine ausreichende Trinkmenge fördert die gesunde Nierenfunktion, stabilisiert den Kreislauf und verbessert die Durchblutung.

Konventionelle Therapie

Das-Wichtigste-in-Kürze

Konventionelle Therapie in der Übersicht

  • Die Behandlung erfolgt meist symptomatisch, entsprechend den Hauptbeschwerden.
  • Zum Einsatz kommen Medikamente wie z. B. Schmerzmittel, Cortison, Antidepressiva, schlaffördernde Arzneimittel oder Antibiotika.
  • Bei schweren Mikronährstoffdefiziten werden die jeweiligen Mikronährstoffe über eine gewisse Zeit substituiert.
  • Psychotherapie und Ergotherapie können hilfreich sein, um Wege aus der Erschöpfung und Isolation zu finden.
  • Ein klar geregelter Tagesablauf und die Vermeidung von Überanstrengung sollen helfen, Stress zu vermeiden und eine Verschlimmerung zu verhindern.

Da die Ursachen des chronischen Erschöpfungssyndroms sowie das Zusammenspiel der auslösenden Faktoren noch nicht eindeutig erforscht sind, steht bislang noch keine gezielte Therapie zur Verfügung.

Daher orientiert sich die konventionelle Therapie an der Linderung der am stärksten ausgeprägten Beschwerden bzw. Begleiterkrankungen.

So kommen beispielsweise Schmerzmittel, Cortison, Antidepressiva, schlaffördernde Mittel oder Antibiotika bzw. Virostatika zum Einsatz.

Sogenannte Immunmodulatoren, deren Wirkstoffe die Immunantwort aktivieren sollen, gelten als erfolgversprechend.

Auch ein Krebsmedikament wird derzeit bei Autoimmunerkrankungen getestet und könnte künftig bei ME/CFS zum Einsatz kommen.

Da die Medikamente jedoch oft mit zum Teil schweren Nebenwirkungen einhergehen, sollten Vor- und Nachteile sorgfältig abgewogen werden.

Wenn große Mikronährstoffdefizite nachweisbar sind, werden diese entsprechend substituiert, bis der Mangel ausgeglichen ist.

Auch Psychotherapie und Verhaltenstherapie werden verordnet, um die Patienten psychisch zu stabilisieren, depressiven Episoden therapeutisch zu begegnen und destruktive Gedanken- und Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern.

Ein weiterer Behandlungsansatz kann in der Ergotherapie gefunden werden. Dort trainieren die Patienten, ihre Körperwahrnehmung zu schulen, Strategien zur Stressbewältigung und Entlastung im Alltag zu erlernen, Schritt für Schritt ihre Leistungsfähigkeit zu steigern, ohne sich zu überfordern und Kraftquellen zu entdecken.

Meist raten Ärzte zu einem klar geregelten, gut strukturierten Tagesablauf und zur Vermeidung von Stress und Überanstrengung, um eine weitere Verschlimmerung der Beschwerden zu vermeiden.

Ganzheitliche Therapie

Das-Wichtigste-in-Kürze

Ganzheitliche Therapie in der Übersicht

  • Eine Darmsanierung steht am Anfang jeder immunstärkenden Therapie, da sich 80% unserer Immunzellen im Darm befinden.
  • Hochdosiertes Vitamin C wirkt am besten in Kombination mit Zink und als Infusion verabreicht. Erkältungen und Entzündungsprozesse klingen schneller ab, die Abwehrbarrieren werden gegen das Eindringen von Krankheitserregern gestärkt.
  • Eigenblutbehandlungen können als unspezifische Reiztherapie das Immunsystem anregen, indem das Blut als Fremdkörperreiz dient und im Serum enthaltene Schadsubstanzen und Erreger als solche erkannt und die Immunabwehr aktiviert werden.
  • Entsäuerung und Entgiftung entlasten den Stoffwechsel und die Ausscheidungsorgane. Die Befreiung von Giftstoffen und Stoffwechselabfällen, die meist in schlecht durchbluteten Geweben und Körperteilen abgelagert werden, verbessert die Gesundheit ganzheitlich und stellt einen wesentlichen Bestandteil zur Stärkung des Immunsystems dar.
  • Bewegungstherapie fördert die körperliche Belastbarkeit und integriert Alltagstätigkeiten, ohne die Belastbarkeitsgrenze zu überschreiten.
  • Ordnungstherapie unterstützt die Patienten, einen strukturierten Alltag zu schaffen, der es ihnen ermöglicht, die wichtigsten Aufgaben zu erledigen, feste Zeiträume für die Mahlzeiten, für Aktivitäten und Ruhe einzuplanen sowie den Tag-Nacht-Rhythmus einzuhalten.
  • Psychotherapie kann den CFS-Betroffenen helfen, eine andere Perspektive zu ihrer Lebenssituation zu finden, mit der psychischen Belastung umgehen zu lernen und Strategien zur Abgrenzung sowie zum Umgang mit Rückfällen zu erarbeiten. Auch der Krankheit zugrundeliegende traumatische Erlebnisse können bearbeitet werden.
  • Phytotherapie: Heilpflanzen wie Ginseng oder Rosenwurz wirken stressreduzierend, stärken die mentale Leistungsfähigkeit und reduzieren Erschöpfungssymptome. Baldrian, Lavendel und Passionsblume verringern innere Anspannung und Unruhe und fördern einen erholsamen Schlaf.

Darmsanierung 

Da etwa 80% des Immunsystems im Darm sitzen, ist eine gesunde Darmschleimhaut und eine intakte Darmflora Grundlage jeder Therapie einer Immunschwäche. Außerdem hat Prof. Dr. Maureen Hanson in ihren Forschungen7,8,9 herausgefunden, dass eine gestörte Darmflora ursächlich mit dem CFS zusammenhängt.

Eine Darmsanierung kann das Mikrobiom wieder in die Balance bringen. Die Darmsanierung besteht aus einer Darmreinigung und dem Wiederaufbau der Darmflora. Durch die Sanierung der Darmflora wird die Darmbarriere gestärkt, ihre Schutzfunktion reaktiviert sowie das Immunsystem mobilisiert. Außerdem ist eine gesunde Darmflora wichtig für die optimale Aufspaltung und Verwertung der Nährstoffe.

Ausflug in die Wissenschaft

Ausflug in die Wissenschaft: Psychobiotika und ihre Wirkung auf Körper, Geist und Seele

Der Begriff Psychobiotika ist eine wissenschaftliche Definition für bestimmte Darmbakterien, die eine positive Wirkung auf unsere Psyche haben. In der Neuropsychoimmunologieforschung ebenso wie in der Mikrobiologieforschung haben die Wissenschaftler immer mehr Erkenntnisse darüber, wie eng Bauch und Gehirn miteinander vernetzt sind – man spricht ja nicht umsonst vom Bauchhirn – und welche Auswirkungen die Darmgesundheit auf unser psychisches Wohlbefinden hat. Der Darm sendet über Nervenimpulse Informationen ans Gehirn wie zum Beispiel Hungergefühle und Verdauungsprozesse, aber auch Unbehagen oder Übelkeit.

Darüber hinaus jedoch fanden die Forscher heraus, dass es Bakterienstämme in unserer Darmflora gibt, die Neurotransmitter (= Botenstoffe, durch die Nervenimpulse weitergeleitet werden) wie Serotonin oder Dopamin, umgangssprachlich auch „Glückshormone“ genannt, produzieren und darüber mit dem Gehirn kommunizieren. Ist unsere Darmflora geschädigt, z. B. aufgrund von einer Antibiotikatherapie, dauerhaftem Stress, Fehlernährung oder einer entzündlichen Darmerkrankung, nimmt die Anzahl der „guten“ Darmbakterien ab, was zu verschiedenen Verdauungsbeschwerden, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien führen kann. Darüber hinaus sinkt auch die Produktion des Serotonins und Dopamins, was Stimmungslabilität, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder nachlassende Leistungsfähigkeit mit sich bringt. Inzwischen gehen die Wissenschaftler davon aus, dass selbst ernsthafte psychische Erkrankungen wie Depressionen teilweise ihren Ursprung im Darm haben.

Das Sprichwort „Du bist, was Du isst“ zeigt ganz deutlich den Zusammenhang zwischen Psyche und Darm bzw. Ernährung auf. Um unsere Darmflora zu pflegen, können wir selbst vieles tun, um die „guten“ Bakterien zu nähren und ein Milieu zu schaffen, wo diese sich vermehren und ein dichtes Netz aufbauen können. Neben einer ballaststoffreichen Ernährung mit einem großen Anteil an Frischkost freuen sich unsere Darmbakterien über fermentierte bzw. milchsauer vergorene Lebensmittel wie Sauerkraut oder Gemüsesäfte sowie eine bunte Mischung aus Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen, wie wir sie in biologisch angebautem Obst und Gemüse finden.

Entscheidend für einen erfolgreichen Aufbau der Darmflora ist die Qualität der verwendeten Bakterienstämme, deren Vermehrung im Darm und die Resistenz gegen die Magensäure sowie den Gallensaft. Eine gezielte Zufuhr von Probiotika (Darmbakterien) wirkt sich positiv auf das Darmmilieu aus. Begleitende Maßnahmen wie eine darmgesunde Ernährung unterstützen die Darmsanierung zusätzlich.

Besprechen Sie mit Ihrem Therapeuten nach einer Stuhlanalyse, welche Probiotika in Ihrem Fall substituiert werden sollten. Probiotische Lebensmittel unterstützen die Darmsanierung und pflegen Ihre Darmflora.

 


Das HTM-Team empfiehlt

Unser Buchtipp für ein starkes Immunsystem:


 

Mikrobiologische Therapie

Eine Störung in der Zusammensetzung des Mikrobioms (Dysbiose) ist Hauptursache für geschwächte Abwehrkräfte.
Eine mikrobiologische Therapie (Symbioselenkung) setzt lebende oder abgetötete Bakterien ein, die keine krankheitserregenden Eigenschaften besitzen. Diese sollen einerseits immunstimulierend wirken, indem sie verschiedene Abwehrmechanismen aktivieren und somit zunehmend zu einer Normalisierung der natürlichen Abwehrkräfte beitragen. Auch überschießende Immunreaktionen sollen dadurch eingedämmt werden. Andererseits soll die Verabreichung lebender Bakterienkulturen bestehende Defizite in der Darmflora ausgleichen. Häufig sind die Milchsäurebakterien, die vorrangig im Dünndarm angesiedelt sind, in zu geringer Anzahl vorhanden.

Vitamin-C-Infusionen

Hochdosierte Vitamin C-Infusionen können bei immungeschwächten Patienten die Abwehrbarrieren stärken, die Zahl und Aktivität von Fresszellen erhöhen, Entzündungsprozesse rascher bekämpfen und oxidativen Zellstress signifikant reduzieren.38

In einer Studie wurde beobachtet, dass die Verabreichung von hochdosiertem Vitamin C in Kombination mit Zink die Dauer von Erkältung gegenüber einer Placebogruppe signifikant kürzer war.23 Vitamin C ist eines der stärksten Antioxidantien und tötet in hohen Konzentrationen, die nur bei einer parenteralen Verabreichung erzielt werden, sogar Viren ab.39

 

Eigenbluttherapie

Aus einer Vene wird Blut entnommen und in einen Muskel injiziert. Um die Injektionsstelle entsteht eine Entzündung, die verschiedene Immunreaktionen auslöst. Alternativ kann das Blut zusammen mit einer Infusionslösung wieder in den Körper gebracht werden.

Der therapeutische Ansatz ist, dass das injizierte Blut als fremd erkannt und von den Abwehrzellen analysiert wird, die Immuntätigkeit wird also aktiviert. Zugleich werden auch Erreger, die tatsächlich den Körper schwächen, von den Abwehrzellen erkannt. Diese „Reinfektion“ kann dazu beitragen, eine chronische Infektion in einen akuten Zustand zu überführen und durch die Anregung der Abwehrkräfte die Krankheitserreger nun endgültig zu vernichten.

Die Aktivierung des Immunsystems regt langanhaltend die Selbstheilungskräfte und den Heilungsprozess der bestehenden Erkrankung(en) an, es werden vermehrt Leukozyten gebildet. Auch Allergien lassen sich mit dieser Therapie gut behandeln.

 

Entsäuerung & Entgiftung

Unser Körper verstoffwechselt alles, was wir essen und trinken, je nach Zusammensetzung der Lebensmittel, zu Säuren oder Basen. Für die Gesundheit wichtig ist eine basenüberschüssige Ernährung.

Ein übersäuerter Organismus ist nicht mehr in der Lage adäquat auf Infektionen zu reagieren. Zudem führen Säuren zu Gewebsschädigungen und Mikroentzündungen. Langfristig führt Übersäuerung zu zahlreichen Erkrankungen, allen voran Entzündungen, Stoffwechselkrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose.

Daher ist es wichtig, langfristig für eine Harmonisierung des Säure-Basen-Haushalts und damit für eine optimale Funktion des Immunsystems zu sorgen. Zudem können sich Erschöpfungs- und Müdigkeitssymptome reduzieren und die Vitalität deutlich verbessern.


Das HTM-Team empfiehlt

Wer sich eingehender mit den Auswirkungen von Säuren und Basen auf unseren Organismus beschäftigen möchte, empfehlen wir dieses Buch:


Ursachen für einen übersäuerten Organismus sind:

  • Ernährungsgewohnheiten, die viele Säurebildner enthalten wie Fleisch, Wurst-, und Milchprodukte, Auszugsmehl, Zucker, Süßigkeiten, alle industriell gefertigten Nahrungsmittel, Alkohol und Kaffee
  • Medikamente
  • wenig Bewegung
  • fehlende Erholungszeiten
  • psychische Belastung, Sorgen und Konflikte, Stress
  • Sauerstoffmangel durch flache Atmung und wenig frische Luft

Das HTM-Team empfiehlt

Ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt ist Grundvoraussetzung, damit der pH-Wert unseres Blutes im Idealbereich zwischen 7,34 – 7,45 liegt. Unser Organismus ist stets damit beschäftigt, unseren Säure-Basen-Haushalt zu regulieren. Eine Möglichkeit der Unterstützung bietet die regelmäßige Verwendung eines Basensalzes im Vollbad, Fußbad oder vielem mehr. Wir empfehlen Ihnen:


 

Um das Säure-Basen-Gleichgewicht wiederherzustellen und damit die Immunabwehr zu stärken, gibt es einige Grundsätze, die zu festen Lebensgewohnheiten werden sollten und gleichzeitig Therapie eines geschwächten Immunsystems darstellen:

  • basenüberschüssige, mikronährstoffreiche Ernährung mit viel Rohkost oder schonend gedünstetem Gemüse, Zitrusfrüchten, Kartoffeln, Mandeln, Samen, Hirse, Quinoa, Amaranth, Buchweizen, frischen Kräutern und Gewürzen
  • mäßige Bewegung, die zu einer vermehrten Atmung und damit Säureausscheidung über die Lungen führt; außerdem baut Bewegung Stresshormone ab, die wiederum die Säureproduktion im Organismus anregen und Entzündungen begünstigen
  • basische Körperpflege wie Bäder oder tägliche Körperwaschungen bzw. Wickel mit Wasser, dem Basensalz hinzugefügt wurde
  • Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation, Qi Gong etc., die ebenfalls Stresshormone reduzieren
  • trinken von Wasser oder Kräutertees, um Säuren über die Nieren auszuscheiden
  • ausreichend Schlaf und Ruhezeiten
  • Säureausscheidung über die Haut durch Sauna und Dampfbad 40

 

Bewegungstherapie

Als Ergänzung zu einer vorausgehenden und begleitenden Mikronährstofftherapie können Ergotherapeuten oder Physiotherapeuten gemeinsam mit dem Patienten Bewegungsmöglichkeiten im Alltag herausfinden, die die Leistungsfähigkeit des Patienten nicht übersteigen. Zudem kann ein Plan erarbeitet werden, wie die Aktivitäten langsam gesteigert werden können. Zu den Alltagsaktivitäten zählen auch Tätigkeiten wie Putzen, Kochen, Aufräumen oder Einkaufen. Der Schwerpunkt liegt darauf, dass Patienten Wege für sich erarbeiten, wie sie bei Ermüdungserscheinungen oder einer Verschlimmerung der Symptome verfahren sollen.

Bewährt haben sich Schrittzähler, die dem Patienten die Kontrolle über die tägliche Bewegung ermöglichen und auch Fortschritte erkennen lassen.

Darüber hinaus sind Aktivitäten an der frischen Luft empfehlenswert wie Radfahren, Nordic Walking oder Spazierengehen.


Das HTM-Team empfiehlt

Mit Hilfe eines Schrittzählers können Sie Ihr tägliches Bewegungspensum festlegen, ohne sich zu überfordern, und auch Fortschritte erkennen. Das HTM-Team empfiehlt:


Ordnungstherapie

Die Ordnungstherapie soll dazu beitragen, dass den CFS-Betroffenen ein geregelter Tagesablauf ermöglicht wird und Zeiten für Aktivität wie auch Ruhephasen Raum finden.

Die Patienten erarbeiten zusammen mit dem Therapeuten einen Plan, der Mahlzeiten, Aktivitäten, Pausen, Wach- und Schlafenszeiten festlegt. ME/CFS-Betroffene neigen dazu, tagsüber viel zu schlafen, wodurch sich eine Verschiebung des Tag-Nacht-Rhythmus ergibt.

Ziel ist es, dass die Patienten sich selbst eine Tagesstruktur schaffen können, die es ihnen ermöglicht, die wichtigsten Aufgaben zu erledigen und ein Gleichgewicht zwischen Aktivität und Ruhephasen zu finden.

 

Psychotherapie als Rückhalt für die Seele

Auch wenn das chronische Erschöpfungssyndrom nicht zu den psychosomatischen Erkrankungen zählt, stellt die andauernde Müdigkeit und Kraftlosigkeit, die normale Alltagstätigkeiten oft unmöglich macht, eine hohe psychische Belastung dar.

Auch die bei vielen Patienten damit einhergehende soziale Isolation kann zu Stimmungsveränderungen führen.

  • Gesprächstherapie

Da besonders beim chronischen Erschöpfungssyndrom die psychosomatischen Begleiterscheinungen nicht zu unterschätzen sind, kann eine begleitende Gesprächstherapie die Betroffenen dabei unterstützen, sich in Gegenwart eines Therapeuten, dem sie vertrauen, die Sorgen und Belastungen von der Seele zu reden. So können sie aus einer anderen Perspektive auf die eigene Lebenssituation blicken und einen neuen Umgang mit der Krankheit finden, um mit den Einschränkungen besser zurechtzukommen

  • Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie hilft dem Betroffenen, das Problem klar zu erkennen und auch benennen zu können sowie eingefahrene, schwächende Denk- und Verhaltensweisen zu ändern. Der Therapeut begleitet den Patienten dabei, sich neue Reaktionen und Sichtweisen anzueignen und aus dem negativen Gedankenkreisen und Selbstbild auszusteigen.

Der Patient lernt, mit der Krankheit, mit Rückschlägen sowie mit Ängsten, negativen Gedanken, Stimmungsschwankungen und Phasen großer Kraftlosigkeit und Erschöpfung umzugehen. Außerdem eignen sich die Betroffenen Strategien an, wie sie sich nach Rückfällen motivieren können, wieder Aktivitäten nachzugehen, welche (kleinen) Schritte ihnen den Weg zurück in den Alltag erleichtern und wie sie sich gegenüber verständnislosen Mitmenschen oder Behörden besser abgrenzen können.

Besonders effektiv zeigte sich die kognitive Verhaltenstherapie in Kombination mit einer auf den Patienten abgestimmten Bewegungstherapie, wie eine Studie zeigte.41

  • Brainspotting

Brainspotting ist ein relativ neues und noch wenig bekanntes psychotherapeutisches Verfahren, das besonders in der Traumatherapie eingesetzt wird. Es nutzt die Erkenntnisse, dass als belastend erlebte Erfahrungen mit bestimmten Augenpositionen zusammenhängen und mit Körpergefühlen oder Schmerzen korrespondieren. Dies hängt mit meist unbewussten negativen Erfahrungen oder traumatischen Erlebnissen zusammen.42

Oft jahrelang bestehende Reaktions- und Verhaltensmuster lassen sich so umstrukturieren, wodurch die Selbstregulationsfähigkeit des Gehirns reaktiviert wird. Der Brainspotting-Therapeut leitet den Patienten an, sich auf das derzeit am stärksten belastende Gefühl zu konzentrieren, die entsprechende Augenposition (Blickrichtung) zu finden und über Wahrnehmung und Blick die emotionale Blockade aufzulösen.

Auch beim chronischen Erschöpfungssyndrom liegen meist unbewusste Verhaltensmuster zugrunde, die uns steuern und die Veränderung von Lebensgewohnheiten erschweren.

Brainspotting hilft den Betroffenen, tiefsitzende Überzeugungen, Ängste und Verhaltensmuster oder eine Opferhaltung aufzulösen, dadurch wieder handlungsfähig zu werden und das eigene Leben selbstbestimmt zu leben.

 

Phytotherapie – Heilpflanzen bei CFS

Beim chronischen Erschöpfungssyndrom kommen vor allem Heilpflanzen zum Einsatz, die die Stressresilienz, Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit stärken.

  • Ginseng 

Laut einer Studie senkte die Verabreichung eines Präparats aus dem sibirischen Ginseng (borstige Taigawurzel;  (Eleutherococcus senticosus) über zwei Monate hinweg die Müdigkeit und Erschöpfungssymptome signifikant gegenüber einer Kontrollgruppe, die mit einem Placebo behandelt wurde.43

  • Rosenwurz (Rhodiola rosea)

Die Rosenwurz stammt aus den Höhenlagen des Himalaya-Gebirges und wird dort traditionell bei Erschöpfung, Erkältung und als Stärkungsmittel eingesetzt.

Wissenschaftler untersuchten die Wirkung von Rhodiola über einen Zeitraum von 8 Wochen und einer täglichen Dosierung von 400 mg. Die mentale Leistungsfähigkeit sowie die Konzentrationsfähigkeit wurden deutlich verbessert. Auch die Müdigkeit verbesserte sich und der Cortisolspiegel im Blut sank.44

  • Baldrian, Passionsblume und Lavendel

Um Unruhezuständen und Schlafstörungen entgegenzuwirken, können die positiven Eigenschaften von Baldrian, Passionsblume und Lavendel hilfreich sein. Sie wirken entspannend, stresslösend und fördern einen gesunden Schlaf.

Entsprechende Kombinationspräparate nutzen die Wirkstoffe aller drei Heilpflanzen und können auch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, da sie gut verträglich sind und kein Gewöhnungseffekt entsteht.

 


Das HTM-Team empfiehlt

Die heilsame und entspannende Wirkung des Lavendelöls hilft bei innerer Anspannung und Schlafstörungen ohne Gewöhnungseffekt. Das HTM-Team empfiehlt Ihnen, Lavendelöl in Kapselform:


 

Checkliste

Checkliste

Checkliste und Empfehlungen: Das können Sie selbst tun bei ME/CFS

  • Gut informiert sein: Informieren Sie sich und Ihre Angehörigen zu gut wie möglich über Ihre Erkrankung.
  • „Richtige“ Therapeuten: Der Draht zu Ihren Therapeuten (Ärzte, Ernährungsberater, Heilpraktiker…) muss stimmen. Die Beziehung zwischen Patienten und Therapeut muss auf Vertrauen und Sympathie aufbauen.
  • Mikronährstoffe: Achten Sie auf Ihren Mikronährstoffhaushalt. Nur wenn alle Mikronährstoffe ausreichend im Organismus vorhanden sind, können lebenswichtige Prozesse optimal ablaufen. Bei einem chronischen Erschöpfungssyndrom stehen alle Mikronährstoffe im Fokus – eine Breitbandversorgung ist daher unerlässlich. Wir haben für Sie eine Liste empfohlener Mikronährstoffkonzentrate zusammengestellt.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, Nüssen, (pflanzlichen) Eiweißquellen, hochwertigen Ölen und Vollkornprodukten versorgt Ihren Körper mit allen wichtigen Mikro- und Makronährstoffen.
  • Lebensstil: Verzichten Sie auf Rauchen und Alkohol, trinken Sie ausreichend, achten Sie auf guten Schlaf und ausreichend Zeiten der Entspannung und Erholung. Entspannungstechniken, Stressreduzierung und Resilienztraining sind wichtige Bausteine, um der chronischen Erschöpfung entgegenzuwirken.
  • Darmsanierung: Eine gesunde Darmflora ist Voraussetzung für eine intakte Immunabwehr und wesentlicher Baustein in der ganzheitlichen CFS-Therapie. Ein Aufbau des Mikrobioms sowie eine darmgesunde Ernährung verbessern rasch Ihr Wohlbefinden und lassen Infekte schneller abklingen.
  • Ganzheitliche Therapieansätze: Eine Kombination aus Bewegungs-, Ordnungs- und Verhaltenstherapie hilft den Patienten, ihren Alltag strukturieren und mit ihrer Krankheit besser zurechtzukommen. Entsäuerung und Entgiftung entlasten den gesamten Organismus, verbessern die Regeneration und stärken das Immunsystem. Zusätzlich können Eigenblutbehandlungen oder Vitamin C hochdosiert eine Verbesserung der Immunlage bewirken und die Erschöpfungssymptome reduzieren. Heilpflanzen wie Ginseng oder Rosenwurz wirken stärkend und verringern Müdigkeit sowie Kraftlosigkeit. Baldrian, Lavendel und Passionsblume wirken auf natürliche Weise beruhigend, senken innere Anspannung und fördern den erholsamen Schlaf.

Quellenangaben

1 Hvidberg et al. (2015), The Health-Related Quality of Life for Patients with Myalgic Encephalomyelitis / Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS), PlosOne, DOI: 10.1371/journal.pone.0132421.

2 Giloteaux, L., Goodrich, J.K., Walters, W.A. et al. Reduced diversity and altered composition of the gut microbiome in individuals with myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome. Microbiome 4,30 (2016). https://doi.org/10.1186/s40168-016-0171-4

4 http://med.stanford.edu/chronicfatiguesyndrome.html

5 Giloteaux, L., Goodrich, J.K., Walters, W.A. et al. Reduced diversity and altered composition of the gut microbiome in individuals with myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome. Microbiome 4, 30 (2016). https://doi.org/10.1186/s40168-016-0171-4

6 https://www.dr-kuklinski.info/wp-content/uploads/2019/08/kuklinski-praxisrelevanz-nitrosativer-stress-1.pdf

7 https://www.nih.gov/news-events/news-releases/study-finds-differences-energy-use-immune-cells-me/cfs

8 https://mbg.cornell.edu/people/maureen-hanson/

9 https://www.sciencealert.com/researchers-find-chronic-fatigue-syndrome-markers-in-gut-bacteria

10 Nichols, Hannah. „Wheat proteins may cause inflammation beyond the gut.“Medical News Today. MediLexicon, Intl., 17 Oktober 2016.

11 Detlef Schuppan: Weizen, Gluten und ATI: Ein Überblick; September 2019; DOI: 10.1007 / 978-3-030-19023-1_2

12 www.unimedizin-mainz.de/fileadmin/kliniken/tim/Dokumente/Allergieportal_Autoimmunerkrankungen_und_Zoeliakie.pdf

13 Uhde M, Indart AC, Yu XB, et al: Markers of non-coeliac wheat sensitivity in patients with myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome; Gut 2019;68:377-378.

14 Bruce N. Ames: Low micronutrient intake may accelerate the degenerative diseases of aging through allocation of scarce micronutrients by triage; Proceedings of the National Academy of Sciences Nov 2006, 103 (47) 17589-17594; DOI: 10.1073/pnas.0608757103

15 Bailey RL, West KP Jr, Black RE. The epidemiology of global micronutrient deficiencies. Ann Nutr Metab. 2015;66 Suppl 2:22-33. doi: 10.1159/000371618. Epub 2015 Jun 2. PMID: 26045325.

16 Bjørklund G, Dadar M, Pen JJ, Chirumbolo S, Aaseth J. Chronic fatigue syndrome (CFS): Suggestions for a nutritional treatment in the therapeutic approach. Biomed Pharmacother. 2019 Jan;109:1000-1007. doi: 10.1016/j.biopha.2018.10.076. Epub 2018 Nov 5. PMID: 30551349.

17 Bourre JM. Effects of nutrients (in food) on the structure and function of the nervous system: update on dietary requirements for brain. Part 1: micronutrients. J Nutr Health Aging. 2006 Sep-Oct;10(5):377-85. PMID: 17066209.

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