Ernährung & Mikronährstoffe bei einer Alkoholvergiftung

Mikronährstoffe spielen bei einer Alkoholvergiftung eine wichtige Rolle. Die elementare Basis aller Therapien sollte eine gesunde, ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung sein. Eine umfassende, tägliche Versorgung mit Mikronährstoffen ist die Grundlage zur Aufrechterhaltung sämtlicher Funktionen eines gesunden Organismus. In diesem Artikel wollen wir uns eingehender mit diesem Thema beschäftigen und Ihnen hilfreiche Tipps geben, wie Sie selbst die Initiative ergreifen können, um Körper und Psyche ganzheitlich zu stärken.




Alkoholvergiftung: Abstinenz lohnt sich

Barbara Tayler Heilpraktikerin und Expertin für Alternativmedizin und Psychosomatik

Experte/Expertin:

Barbara Tayler

Heilpraktikerin und Expertin für Alternativmedizin und Psychosomatik

Letzte Aktualisierung: 13. Juli 2021

Mikronährstoffe bei Alkoholvergiftung

Eine Alkoholvergiftung tritt nicht unbedingt nur nach dem Konsum großer Mengen Alkohols, wie bei dem bei Jugendlichen unguten Trend des „Komasaufens“, auf. Die körperliche Verfassung (Körpermasse, Grunderkrankungen, letzte Nahrungsaufnahme, Alter etc.) ist mit ausschlaggebend, welche Menge Alkohol der Körper noch verarbeiten kann und wann erste Vergiftungssymptome auftreten.

Mikronährstoffe spielen nach einer Alkoholvergiftung eine wesentliche Rolle, um die Entgiftung des Körpers und die Regeneration von Leber und Nervensystem bzw. Gehirn zu unterstützen. Übermäßiger (und häufiger) Alkoholkonsum verursacht zudem einen hohen Verbrauch an Mikronährstoffen, so dass es schleichend zu einem Mikronährstoffmangel kommen kann. Dadurch büßt die Leber an Leistungsfähigkeit ein, wodurch chronische Lebererkrankungen und -schäden begünstigt werden, aber auch die Nieren, das Nervensystem sowie die Leistungsfähigkeit des Gehirns werden stark beeinträchtigt.

 

Oxidativer Stress steht im Zentrum nach einer Alkoholvergiftung. Er entsteht durch ein Überangebot an freien Radikalen, die gesunde Zellen schädigen können. Alkohol zerstört Mitochondrien und verursacht ein Massensterben von gesunden Zellen.

Um die freien Radikale unschädlich zu machen, sind sogenannte Antioxidantien erforderlich. Antioxidantien aus natürlichen Quellen binden die freien Radikale und verhindern dadurch Zellschäden in der Leber, im Gehirn und anderen Körperregionen.

Beispiele sind Coenzym Q10, Selen, Zink, Mangan, die Vitamine A, C und E und sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole, Carotinoide oder Anthocyane. Wichtig zu wissen ist, dass sich die antioxidative Wirkung der Mikronährstoffe am besten in einer Kombination der verschiedenen Antioxidantien entfaltet, da die einzelnen Mikronährstoffe einander in ihrer Wirksamkeit ergänzen.

 

Nach wiederholten oder schweren Alkoholvergiftungen wird auch der Fettstoffwechsel beeinträchtigt, wodurch es zu einem Mangel an den fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K kommen kann. Vitamin D kann Entzündungen in der Leber oder dem Gehirn stoppen und schwere Leberschäden, wie z.B. eine Zirrhose, verhindern, Vitamin A ist für die Regeneration von Haut- und Schleimhäuten erforderlich und Vitamin K wichtig für die Blutgerinnung. Alkoholiker neigen eher zu schwer stillbaren Blutungen, was durch die Gabe von Vitamin K verbessert werden kann. Vitamin E verbessert die Leberzellstruktur, unterstützt die Regeneration des Lebergewebes und senkt die Leberwerte GOT und GPT.

 

Für die begleitende Behandlung nach einer Alkoholvergiftung werden u. a. folgende Mikronährstoffe empfohlen:

  • B-Vitamine sind im Stoffwechsel und in der Energieproduktion von Bedeutung. Außerdem bauen sie Homocystein, ein entzündungsförderndes Protein, ab und regenerieren Nerven- und Gehirnzellen. Häufiger Alkoholkonsum führt zu einem chronischen Vitamin B-Mangel.
  • Vitamin C ist ein wichtiges Antioxidans, aktiviert und stimuliert die Bildung lebenswichtiger Leberenzyme, stoppt ebenso Entzündungsprozesse und verbessert die Durchblutung und damit die Ausscheidung des Restalkohols und Stoffwechselgifte. Es scheint hochdosiert zu einer signifikanten Verbesserung der Leberwerte beizutragen und eine Leberentzündung zu stoppen.
  • Zink ist an über 300 enzymatischen Reaktionen im Körper beteiligt, ist – zusammen mit anderen Mikronährstoffen – wichtig für Entgiftungsprozesse und entzündlichen Vorgänge.
  • Magnesium ist essentiell im Stoffwechsel und hat antientzündliche Eigenschaften. Es wird beim Abbau von Alkohol von der Leber in großen Mengen verbraucht und kann einen Mangel herbeiführen.
  • Omega-3-Fettsäuren unterstützen die Bildung neuer Zellen und haben eine entzündungshemmende Wirkung. Wissenschaftliche Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass diese essentiellen Fettsäuren die Schädigung der Leber eindämmen und die Leberwerte verbessern.
  • Coenzym Q10 senkt Entzündungswerte im Blut, reguliert den Blutzuckerspiegel, ist an der Energieproduktion in den Mitochondrien beteiligt und schützt vor oxidativem Stress. Besonders nach einer Alkoholvergiftung sollte Coenzym Q10 in größeren Mengen verabreicht werden.
  • Sekundäre Pflanzenstoffe können ebenso den Organismus nach einer Alkoholvergiftung unterstützen:
    • Curcumin trägt zu verbesserter Zellstruktur und damit zur Senkung der Leberwerte GOT und GPT bei.
    • Resveratrol reguliert den Fett- und Zuckerstoffwechsel, baut eingelagertes Fett in der Leber ab, senkt das Risiko der Entartung der Leberzellen und unterstützt die Entgiftung.
    • Sulforaphan wirkt entzündungshemmend, aktiviert antioxidative Enzyme und Proteine im Immunsystem, unterstützt den Zuckerstoffwechsel und fördert die Entgiftung.
    • Senfölglykoside haben entgiftende und entzündungshemmende Eigenschaften.
    • Grüntee-Catechine sind Bitterstoffe im grünen Tee mit antioxidativen, entzündungshemmenden, stoffwechselanregenden und entgiftungsfördernden Eigenschaften. Sie können nachweislich das Risiko von Leberschäden senken.
    • Artischocken-Extrakt schützt die Zellen vor oxidativem Stress, verhindert ein Absterben der Leberzellen und senkt den Blutfettspiegel.
    • Bitterstoffe aus Mariendistel, Schöllkraut, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut oder Wirkstoffe der Süßholzwurzel helfen der Leber bei ihrer Entgiftungsarbeit an und verbessern Stoffwechselprozesse.

 

Experten-Tipp

Darauf sollten Sie achten

  • Ergänzen Sie Ihre Ernährung täglich mit Mikronährstoffen.
  • Achten Sie auf ein ganzheitliches Präparat, das neben allen essentiellen Vitaminen und Spurenelementen möglichst auch Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und sekundäre Pflanzenstoffe enthält.
  • Flüssige Mikronährstoffkonzentrate können vom Körper besser verwertet werden als Tabletten.
  • Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Mikronährstoffe kommen in der Natur niemals isoliert, sondern stets im Verbund mit unzähligen weiteren Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen vor. Am besten können Mikronährstoffe von der Zelle aufgenommen werden, wenn sie in ihrem natürlichen Verbund belassen werden, denn die einzelnen Vitalstoffe ergänzen und verstärken einander in ihrer Wirkkraft. Diese Synergieeffekte erhöhen zudem die Bioverfügbarkeit und führen somit zu einer verbesserten Zellfunktion, was sich spürbar positiv auf Ihre Symptomatik auswirkt.

 

In der modernen Mikronährstofftherapie wird daher heute als Basistherapie nach einer Alkoholvergiftung eine natürliche Mikronährstoffmischung bevorzugt, die isolierten oder synthetisch hergestellten Mikronährstoffen überlegen ist.

Von vielen Fachleuten empfohlen werden flüssige Mikronährstoffkonzentrate  – diese können vom Körper besser aufgenommen werden als Tabletten oder Pulver, da durch die flüssige Form die Nährstoffe bereits über die Schleimhäute resorbiert werden. Zudem liefern sie alle Mikronährstoffe, die der Körper täglich benötigt (Hier finden Sie eine Checkliste zur Unterstützung bei der Produktauswahl).

Empfohlene Ernährung

  • Achten Sie darauf, sich anti-entzündlich und abwechslungsreich zu ernähren. Eine pro-entzündliche Ernährung ist oft Risikofaktor oder Auslöser bei zahlreichen Erkrankungen.
  • Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten.
  • Praktisch heißt das: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fetter Fisch, Nüsse, Saaten und kaltgepresste pflanzliche Öle.
  • Verwenden Sie vermehrt Bitterstoffe. Sie regen die Fettverdauung an und aktivieren die Leberenzyme. Entgiftung und Stoffwechsel werden angeregt ebenso wie die Regeneration des erkrankten Lebergewebes.
  • Mit einer gesunden, anti-entzündlichen Ernährung können Sie das Krankheitsgeschehen in Ihrem Körper selbst mitbeeinflussen:
    • Sie können das Entzündungsgeschehen in Ihrem Körper mildern/ nicht zusätzlich durch entzündungsfördernde Lebensmittel befeuern.
    • Sie versorgen Ihren Körper mit lebenswichtigen Mikronährstoffen.
    • Sie schützen sich präventiv vor Begleiterkrankungen, die sich zusätzlich negativ auf die Beschwerden auswirken können.
    • Sie erreichen und halten langfristig Ihr Normalgewicht – Übergewicht begünstigt eine Alkoholvergiftung.
  • Züchten Sie frische Sprossen. Die darin enthaltenen Enzyme unterstützen die Leberfunktionen.
  • Trinken Sie viel Wasser und Kräutertee (v. a. mit Bitterstoffen), um den Flüssigkeitsverlust nach einer Alkoholvergiftung auszugleichen.
  • Heilfasten entlastet den Organismus, unterstützt die Regeneration der Leber, lindert Entzündungen und fördert die Entgiftung und Ausscheidung von Restalkohol, Säuren und Stoffwechselgiften. Nach einer Alkoholvergiftung ist es ratsam mehrere Tage nur Wasser und Tee zu sich zu nehmen, um die Entgiftung zu erleichtern.

 

Anpassungen im Lebensstil

Doch nicht nur die Ernährung und Mikronährstofftherapie tragen ihren Teil dazu bei, die Krankheit und ihre Symptome lindern oder ganz zu verhindern. Auch Lebensgewohnheiten und Lebenseinstellungen haben einen wesentlichen Einfluss auf den Verlauf von Krankheiten.

  • Sport stabilisiert das Immunsystem, gleicht das vegetative Nervensystem aus und aktiviert den Stoffwechsel und die Darmaktivität. So kann regelmäßiger Sport nachweislich sowohl die Krankheitshäufigkeit als auch die Häufigkeit von Komplikationen senken. Nach einer Alkoholvergiftung sollten Sie Ihren Körper jedoch nicht überlasten. Spazierengehen oder schwimmen ohne körperliche Überanstrengung regt die Durchblutung an und fördert die Entgiftung.
  • Zeiten der Erholung und Entspannung können Symptome lindern und fördern den Schlaf und das psychische Wohlbefinden. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Qi Gong haben darüber hinaus viele weitere positive Auswirkungen auf Ihre Gesundheit.
  • Erholsamer Schlaf ist wichtig für die körperliche und psychische Regeneration. Außerdem nutzt die Leber die nächtliche Ruhe, um sich zu entgiften und die Zellerneuerung anzuregen.
  • Nicht nur bei einer Erkrankung fördert eine positive Lebenseinstellung und eine Haltung der Dankbarkeit das Wohlbefinden und trägt dazu bei, mit den Widrigkeiten des Lebens leichter fertig zu werden, ohne zum Alkohol greifen zu müssen.
  • Nehmen Sie fachliche Hilfe in Anspruch! Besonders wenn Sie häufiger zum Alkohol greifen, sollten Sie der tieferen Ursache auf den Grund gehen. Beratungsstellen für Suchtberatung oder die Anonymen Alkoholiker sind eine erste Anlaufstelle. Dort erhalten Sie weitere Informationen und Kontaktadressen.
  • Verzicht auf Nikotin und Alkohol verbessert die Durchblutung des Organismus sowie die Mikronährstoff- und Sauerstoffversorgung der Zellen und kann Ihren Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Die Leber wird zudem in ihrer Entgiftungsfunktion entlastet und die Zellregeneration verbessert. Nach einer Alkoholvergiftung sollte Alkohol tabu sein!
  • Regelmäßige Leberwickel und Entgiftungstage unterstützen sanft die Arbeit der Leber und tragen dazu bei, dass sie sich rasch erholt und gesund bleibt.