Ernährung bei einer Bipolaren Störung: Darauf sollten Sie achten

Mikronährstoffe spielen bei einer bipolare Störung eine wichtige Rolle. Die elementare Basis aller Therapien sollte eine gesunde, ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung sein. Eine umfassende, tägliche Versorgung mit Mikronährstoffen ist die Grundlage zur Aufrechterhaltung sämtlicher Funktionen eines gesunden Organismus. In diesem Artikel wollen wir uns eingehender mit diesem Thema beschäftigen und Ihnen hilfreiche Tipps geben, wie Sie selbst die Initiative ergreifen können, um Körper und Psyche ganzheitlich zu stärken.

 

Bipolare Störung: Frau verkörpert mehrere Gefühlszustände

Theresa Müller - Ernährungsberaterin, Selfcare- & Achtsamkeitstrainerin

Experte/Expertin:

Theresa Müller

Ernährungsberaterin, Selfcare- & Achtsamkeitstrainerin

Letzte Aktualisierung: 1. Juni 2021

Ernährung & Mikronährstoffe bei Bipolarer Störung

Bipolare Störung sind schwere chronisch verlaufende psychische Erkrankungen, die durch manische und depressive Stimmungsschwankungen gekennzeichnet sind. Die Manie stellt sich als übersteigertes Hochgefühl dar und die Betroffenen sind gleichzeitig oftmals überaktiv, euphorisch oder gereizt. Darauf folgt eine Phase einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Depression, die mit gedrückter Stimmung, Antriebslosigkeit und Traurigkeit einhergeht. In den letzten Jahren wurden in Studien neben der medikamentösen Therapie der Erkrankung auch große Verbesserungen durch die Gabe von Mikronährstoffen erzielt. Vitamine, Mineralstoffe (Mineralien und Spurenelemente), Antioxidantien und Omega-Fettsäuren haben die Fähigkeit sich positiv auf eine Vielzahl von körperlichen Abläufen auszuwirken und so auch Symptome der Erkrankung natürlich zu mindern.

 

Die Aminosäure Tryptophan ist die Vorstufe des Glückshormons Serotonin, welches für eine gute Stimmung verantwortlich ist. Studien zeigen, dass der Tryptophanspiegel im Blut von Erkrankten oftmals niedriger ist als bei Gesunden. Die Ursache ist vermutlich ein gestörter Tryptophanstoffwechsel, denn Enzyme im Körper bauen bei einer Depression diese Aminosäure verstärkt ab. Somit kann sie nicht mehr in das Glückshormon Serotonin umgewandelt werden.

 

S-Adenosyl-Methionin (SAM) ist ein Aminosäureabkömmling, der natürlich in den Zellen des Körpers vorkommt. Er beeinflusst den Stoffwechsel im Gehirn, zum Beispiel die Genaktivitäten und Botenstoffe, darunter auch den Serotoninstoffwechsel. Er verändert die Membranen der Nervenzellen und damit auch ihre Empfindlichkeit für Botenstoffe. So hilft er zusammen mit Omega-3-Fettsäuren Botenstoffe und Signale im Körper zu optimieren.

 

Aber auch Vitamine der B-Gruppe (insbesondere Vitamin B1, B2, B6, B12 und Folsäure), Vitamin D und bestimmte Mineralstoffe wie Magnesium, Selen und Zink sind für einen ausgeglichenen Gehirnstoffwechsel wichtig. So ist Vitamin B6 am Aufbau wichtiger Botenstoffe (Neurotransmitter) wie Serotonin und des Schlafhormons Melatonin beteiligt. So werden ein Vitamin-B6-Mangel und depressive Verstimmungen oft in Zusammenhang gebracht.

 

Folsäure und Vitamin B12 sind wichtig für den Abbau eines erhöhten Homocysteinspiegel, der ebenfalls in Verdacht steht Depressionen hervorzurufen. Vitamin B1 ist wichtig für einen gesunden Kohlenhydratstoffwechsel und für die Energiegewinnung im Gehirn. Vitamin B2 wird wiederum für die Aktivierung von Vitamin B6 und in der Verstoffwechslung von Folsäure benötigt.

 

Für eine ganzheitliche Betrachtung und Verbesserung der Symptome darf auch der Darm nicht vergessen werden, denn in ihm stecken etwa 70 % des Immunsystems. Die dort vorhandenen Bakterienstämme und deren Gleichgewicht sind maßgeblich für die Stimmungen und eine hohe Lebensqualität verantwortlich. So sorgen Probiotika für einen gesunden Darm. Sie regulieren die Bauchnerven sowie die Stoffe, die über den Vagusnerv über das Blut ins Gehirn wandern.




Experten-Tipp

Darauf sollten Sie achten

  • Ergänzen Sie Ihre Ernährung täglich mit Mikronährstoffen.
  • Achten Sie auf ein ganzheitliches Präparat, das neben allen essentiellen Vitaminen und Spurenelementen möglichst auch Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und sekundäre Pflanzenstoffe enthält.
  • Flüssige Mikronährstoffkonzentrate können vom Körper besser verwertet werden als Tabletten.
  • Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Mikronährstoffe kommen in der Natur nämlich niemals isoliert, sondern stets im Verbund mit unzähligen weiteren Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen vor. Am besten können Mikronährstoffe von der Zelle aufgenommen werden, wenn sie in ihrem natürlichen Verbund belassen werden, denn die einzelnen Vitalstoffe ergänzen und verstärken einander in ihrer Wirkkraft. Diese Synergieeffekte erhöhen zudem die Bioverfügbarkeit und führen somit zu einer verbesserten Zellfunktion, was sich spürbar positiv auf Ihre Symptomatik auswirkt.

 

In der modernen Mikronährstofftherapie wird daher heute als Basistherapie bei einer bipolaren Störung eine natürliche Mikronährstoffmischung bevorzugt, die isolierten oder synthetisch hergestellten Mikronährstoffen überlegen ist.

Von vielen Fachleuten empfohlen werden flüssige Mikronährstoffkonzentrate  – diese können vom Körper besser aufgenommen werden als Tabletten oder Pulver, da durch die flüssige Form die Nährstoffe bereits über die Schleimhäute resorbiert werden. Zudem liefern sie alle Mikronährstoffe, die der Körper täglich benötigt (Hier finden Sie eine Checkliste zur Unterstützung bei der Produktauswahl).

Empfohlene Ernährung

  • Achten Sie darauf, sich anti-entzündlich und abwechslungsreich zu ernähren. Eine pro-entzündliche Ernährung ist oft Risikofaktor oder Auslöser bei zahlreichen Erkrankungen.
  • Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten.
  • Praktisch heißt das: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fetter Fisch, Nüsse, Saaten und kaltgepresste pflanzliche Öle.
  • Mit einer gesunden, anti-entzündlichen Ernährung können Sie das Krankheitsgeschehen in Ihrem Körper selbst mitbeeinflussen:
    • Sie können das Entzündungsgeschehen in Ihrem Körper mildern/ nicht zusätzlich durch entzündungsfördernde Lebensmittel befeuern.
    • Sie versorgen Ihren Körper mit lebenswichtigen Mikronährstoffen.
    • Sie schützen sich präventiv vor Begleiterkrankungen, die sich zusätzlich negativ auf die Beschwerden auswirken können.
    • Sie erreichen und halten langfristig Ihr Normalgewicht.
  • Eine probiotische Ernährung kann eine gute Darmgesundheit unterstützen und so auch die Stimmung positiv beeinflussen. Konsumieren Sie daher vermehrt Produkte wie Joghurt, Kefir, Sauerkraut, Kombucha (fermentierter Tee), Apfelessig oder Käse.
  • Konsumieren Sie Lebensmittel die reich an der Aminosäure Tryptophan sind um die Stimmung zu heben. So sind zum Beispiel Käse, Fisch, Fleisch, Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse und Eier reich an diesem natürlichen Eiweißstoff.
  • Auch Pflanzenstoffe wie Rosenwurz und Grüntee, können für eine bessere Stimmung sorgen

Anpassungen im Lebensstil

Doch nicht nur die Ernährung und Mikronährstofftherapie tragen ihren Teil dazu bei, die Krankheit und ihre Symptome lindern oder ganz zu verhindern. Auch Lebensgewohnheiten und Lebenseinstellungen haben einen wesentlichen Einfluss auf den Verlauf von Krankheiten.

  • Sport stabilisiert das Immunsystem, gleicht das vegetative Nervensystem aus und aktiviert den Stoffwechsel und die Darmaktivität. So kann regelmäßiger Sportnachweislich sowohl die Krankheitshäufigkeit als auch die Häufigkeit von Komplikationen senken.
  • Zeiten der Erholung und Entspannung können Symptome lindern und fördern den Schlaf und das psychische Wohlbefinden. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Qi Gong haben darüber hinaus viele weitere positive Auswirkungen auf Ihre Gesundheit.
  • Erholsamer Schlaf ist wichtig für die körperliche und psychische Regeneration.
  • Nicht nur bei einer Erkrankung fördert eine positive Lebenseinstellung und eine Haltung der Dankbarkeit das Wohlbefinden und trägt dazu bei, mit den Widrigkeiten des Lebens leichter fertig zu werden.
  • Verzicht auf Nikotin und Alkohol verbessert die Durchblutung des Organismus sowie die Mikronährstoff- und Sauerstoffversorgung der Zellen.
  • Nutzen Sie regelmäßige kardiometabolische Untersuchungen um körperliche Beschwerden in Schach zu halten, welche oftmals als Begleiterscheinung mit der Erkrankung einhergehen können.
  • Besuchen Sie speziell zugeschnittene Ernährungsberatungen, denn über die Ernährung kann viel Gutes für eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden. Auch einer zu starken Gewichtszunahme aufgrund der Einnahme bestimmter Medikamente kann frühzeitig entgegengewirkt werden.
  • Besuchen Sie eine Selbsthilfegruppe. Denn diese Gruppen können eine wichtige Anlaufstelle sein, für Angehörige oder Erkrankte um besser mit der Erkrankung umzugehen. Auch wird diese Unterstützung oft als sehr hilfreich und haltgebend erlebt.
  • Achten Sie aber darauf, dass diese Gruppen nicht nur virtuell bestehen oder in Chats oder Foren, denn das soziale Leben sollte nicht komplett auf die virtuelle Welt verlagert werden (Suchtgefahr).