Ernährung während der Chemotherapie: Darauf sollten Sie achten

Mikronährstoffe spielen während einer Chemotherapie eine wichtige Rolle.

Die elementare Basis aller Therapien sollte eine gesunde, ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung sein. Eine umfassende, tägliche Versorgung mit Mikronährstoffen ist die Grundlage zur Aufrechterhaltung sämtlicher Funktionen eines gesunden Organismus. In diesem Artikel wollen wir uns eingehender mit diesem Thema beschäftigen und Ihnen hilfreiche Tipps geben, wie Sie selbst die Initiative ergreifen können, um Körper und Psyche ganzheitlich zu stärken.

Frau unterzieht sich einer Chemotherapie und wird von Helferin versorgt

Dr. med. Harald Hüther Prakt. Arzt, Experte für Naturheilverfahren

Experte/Expertin:

Dr. med. Harald Hüther

Prakt. Arzt, Experte für Naturheilverfahren

Letzte Aktualisierung: 1. Juni 2021

Mikronährstoffe während einer Chemotherapie

Bei Tumorpatienten ist der Bedarf an Mikronährstoffen (Vitamine, Mineralien, Spurenelemente sekundäre Pflanzenstoffe etc.) krankheits- und therapiebedingt stark erhöht und kann auch durch eine vollwertige Kost nicht mehr gesichert werden. In der Phase der Chemotherapie ist eine ausgewogene Ernährung aufgrund der Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen praktisch unmöglich. Schleimhautschäden durch die Therapie beeinträchtigen zudem die Aufnahme von Mikronährstoffen und verursachen zusätzlich teils erhebliche Mikronährstoffverluste.

 

Im Gegensatz zu gesunden Menschen sind bei Tumorpatienten schon bei der Diagnosestellung und weit vor dem Auftreten klinisch relevanter Mangelsymptome erniedrigte Konzentrationen zahlreicher Mikronährstoffe (z.B. Selen, Vitamin B12, Vitamin C, Vitamin D, Vitamin E) im Blut nachweisbar. Zusätzliche Mikronährstoffe sind deshalb vor, während und nach einer Chemotherapie dringend anzuraten.

Das ist vorab wichtig zu wissen: Viele Krebsärzte betrachten die Einnahme von Vitaminen und anderen Mikronährstoffen noch immer skeptisch oder raten sogar davon ab. Dies rührt vor allem von veralteten Vorstellungen über die Wirkmechanismen der Chemotherapie her. Lange Zeit glaubte man, eine Chemotherapie wirke hauptsächlich über die vermehrte Produktion von (aggressiven) freien Radikalen. Da ja bekanntlich Mikronährstoffe auch freie Radikale bekämpfen, wäre die gleichzeitige Einnahme dann tatsächlich wenig sinnvoll.
Heute wissen wir aber sehr genau, dass beide Annahmen falsch sind:

  • Die Hauptmechanismen, mit denen Zytostatika die Tumorzellen bekämpfen, haben nichts mit der Bildung von freien Radikalen zu tun.
  • Es gibt deutliche Hinweise aus zahlreichen Studien, dass zusätzliche Mikronährstoffe während der Chemotherapie für die Patienten erhebliche Vorteile bringen.

 

Eines der größten Probleme vieler Patienten während der Chemotherapie ist die Mangelernährung. Bei Tumorerkrankungen werden Therapieerfolg und Heilungsprozess maßgeblich vom Ernährungsstatus beeinflusst. So zählt die Mangelernährung zu den häufigsten Todesursachen bei Krebspatienten. Die Mangelernährung wird durch verschiedene Faktoren begünstigt: Dazu zählen der hohe Verbrauch des Tumors selbst und die zahlreichen, oben aufgeführten Nebenwirkungen der Chemotherapie.

Der Ausgleich dieser Mängel durch eine breit gefächerte, möglichst natürliche Mikronährstoffkombination führt zu weniger Nebenwirkungen, zu einer höheren Überlebensrate der Patienten und zu einem besseren Ansprechen der Chemotherapie.

 

Des Weiteren müssen auch die Einflüsse der Zytostatika auf den Mikronährstoffhaushalt mit einbezogen werden. So führt beispielsweise der Einsatz verschiedener Zytostatika zu einer vermehrten Ausscheidung von Magnesium, Kalium und L-Carnitin mit akuten Mangelzuständen dieser Mikronährstoffe und entsprechenden Folgen wie beispielsweise häufig einem Müdigkeitssyndrom.

 

Zusätzliche Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E, natürliche Carotinoide und Flavonoide oder Selen agieren nicht nur als Radikalfänger und schützen dadurch die gesunden Körperzellen, sie haben auch sonst zahlreiche wichtige Funktionen: Zum einen wirken sie sich positiv auf das Immunsystem aus, fördern den programmierten Zelltod der Krebszellen (Apoptose) und haben wesentliche Aufgaben bei der Regulation des Zellwachstums.

 

Ein guter, zusätzlich eingenommener Mikronährstoffkomplex enthält daher nicht nur alle Vitamine und Spurenelemente, sondern auch Omega-3-Fettsäuren, sekundäre Pflanzenstoffe, Coenzym Q10 und L-Carnitin. Die beiden letztgenannten haben in Studien zur Behandlung des Müdigkeitssyndroms nach einer Chemotherapie besonders zu überzeugen gewusst.

 

So gelten heute Coenzym Q10 und L-Carnitin als die beiden wichtigsten Mikronährstoffe für die Energieherstellung in unserem Körper. Coenzym Q10 schützt dazu unsere Zellkraftwerke, die Mitochondrien, und hilft bei deren Regeneration, wenn sie durch eine Chemotherapie geschädigt wurden. L-Carnitin ist neben einer Verbesserung der Energieproduktion auch für die Steuerung der Ausschüttung von Neurotransmittern (Nervenbotenstoffen) zuständig und hilft so, die gefährdeten Nerven zu schützen.

Zunehmend mehr lernen wir heute über die Bedeutung von sekundären Pflanzenstoffen. Diese, nur in natürlichen Mikronährstoffkomplexen vorkommenden Substanzen, sind zum einen für den Schutz der Mitochondrien zuständig, zum anderen können sie auch die Neubildung der Zellkraftwerke anregen. In einer amerikanischen Studie wurde beispielweise untersucht, welchen Einfluss die zusätzliche Gabe des in Äpfeln, Zwiebeln oder Tomaten vorkommenden Quercitin auf die Neubildung von Mitochondrien bei jungen untrainierten Männern hat. Im Vergleich zur Placebo-Gruppe konnte schon nach zwei Wochen ein Anstieg der Mitochondrienzahl festgestellt werden. Dazu kommt noch der sehr wichtige Effekt, dass zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe die Wirksamkeit einer Chemotherapie verstärken, indem sie resistente Krebszellen wieder empfindlicher für die Chemotherapie machen.




Experten-Tipp

Darauf sollten Sie achten

  • Ergänzen Sie Ihre Ernährung täglich mit Mikronährstoffen.
  • Achten Sie auf ein ganzheitliches Präparat, das neben allen essentiellen Vitaminen und Spurenelementen möglichst auch Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und sekundäre Pflanzenstoffe enthält.
  • Flüssige Mikronährstoffkonzentrate können vom Körper besser verwertet werden als Tabletten.
  • Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Mikronährstoffe kommen in der Natur niemals isoliert, sondern stets im Verbund mit unzähligen weiteren Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen vor. Am besten können Mikronährstoffe von der Zelle aufgenommen werden, wenn sie in ihrem natürlichen Verbund belassen werden, denn die einzelnen Vitalstoffe ergänzen und verstärken einander in ihrer Wirkkraft. Diese Synergieeffekte erhöhen zudem die Bioverfügbarkeit und führen somit zu einer verbesserten Zellfunktion, was sich spürbar positiv auf Ihre Symptomatik auswirkt.

 

In der modernen Mikronährstofftherapie wird daher heute als Basistherapie bei Chemotherapien eine natürliche Mikronährstoffmischung bevorzugt, die isolierten oder synthetisch hergestellten Mikronährstoffen überlegen ist.

Von vielen Fachleuten empfohlen werden flüssige Mikronährstoffkonzentrate  – diese können vom Körper besser aufgenommen werden als Tabletten oder Pulver, da durch die flüssige Form die Nährstoffe bereits über die Schleimhäute resorbiert werden. Zudem liefern sie alle Mikronährstoffe, die der Körper täglich benötigt (Hier finden Sie eine Checkliste zur Unterstützung bei der Produktauswahl).

Empfohlene Ernährung

  • Achten Sie darauf, sich anti-entzündlich und abwechslungsreich zu ernähren. Eine pro-entzündliche Ernährung ist oft Risikofaktor oder Auslöser bei zahlreichen Erkrankungen.
  • Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten.
  • Praktisch heißt das: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fetter Fisch, Nüsse, Saaten und kaltgepresste pflanzliche Öle.
  • Mit einer gesunden, anti-entzündlichen Ernährung können Sie das Krankheitsgeschehen in Ihrem Körper selbst mit beeinflussen:
    • Sie können das Entzündungsgeschehen in Ihrem Körper mildern/nicht zusätzlich durch entzündungsfördernde Lebensmittel befeuern.
    • Sie versorgen Ihren Körper mit lebenswichtigen Mikronährstoffen.
    • Sie schützen sich präventiv vor Begleiterkrankungen, die sich zusätzlich negativ auf die Beschwerden auswirken können.
    • Sie erreichen und halten langfristig Ihr Normalgewicht.

Anpassungen im Lebensstil

Doch nicht nur die Ernährung und Mikronährstofftherapie trägt ihren Teil dazu bei, die Krankheit und ihre Symptome lindern oder ganz zu verhindern. Auch Lebensgewohnheiten und Lebenseinstellungen haben einen wesentlichen Einfluss auf den Verlauf von Krankheiten.

  • Sport stabilisiert das Immunsystem, gleicht das vegetative Nervensystem aus und aktiviert den Stoffwechsel und die Darmaktivität. So konnte regelmäßiger Sport nachweislich sowohl die Krankheitshäufigkeit als die Häufigkeit von Komplikationen senken.
  • Zeiten der Erholung und Entspannung können Symptome lindern und fördern den Schlaf und das psychische Wohlbefinden. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Qi Gong haben darüber hinaus viele weitere positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit
  • Erholsamer Schlaf ist wichtig für die körperliche und psychische Regeneration.
  • Nicht nur bei einer Erkrankung fördert eine positive Lebenseinstellung und eine Haltung der Dankbarkeit das Wohlbefinden und trägt dazu bei, mit den Widrigkeiten des Lebens leichter fertig zu werden.
  • Verzicht auf Nikotin und Alkohol verbessern die Durchblutung des Organismus, die Mikronährstoff- und Sauerstoffversorgung der Zellen und kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.