Ernährung & Mikronährstoffe bei Legasthenie

Mikronährstoffe spielen bei Legasthenie eine wichtige Rolle. Die elementare Basis aller Therapien sollte eine gesunde, ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung sein. Eine umfassende, tägliche Versorgung mit Mikronährstoffen ist die Grundlage zur Aufrechterhaltung sämtlicher Funktionen eines gesunden Organismus. In diesem Artikel wollen wir uns eingehender mit diesem Thema beschäftigen und Ihnen hilfreiche Tipps geben, wie Sie selbst die Initiative ergreifen können, um Körper und Psyche ganzheitlich zu stärken.




Kind wird bei Legasthenie betreut

Barbara Tayler Heilpraktikerin und Expertin für Alternativmedizin und Psychosomatik

Experte/Expertin:

Barbara Tayler

Heilpraktikerin und Expertin für Alternativmedizin und Psychosomatik

Letzte Aktualisierung: 29. Juli 2021

Mikronährstoffe bei Legasthenie

Bei Legasthenikern ist die Fähigkeit des Schreibens und des Lesens eingeschränkt. Betroffene verwechseln oder vergessen Buchstaben, sie haben Probleme, Worte richtig zu entziffern und Rechtschreibung zu erlernen. Dabei geht die Lese- und Rechtschreibstörung weit über Flüchtigkeitsfehler hinaus, wie sie oft bei Kindern vorübergehend auftreten kann. Die Betroffenen leiden oft still und entwickeln psychosomatische Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen, auch Depressionen sind möglich.

Mikronährstoffe spielen bei der ganzheitlichen Behandlung von Legasthenie eine immer größere Rolle. Wissenschaftler konnten einen Zusammenhang zwischen Mikronährstoffmängeln und der Bildung wichtiger Botenstoffe im Gehirn sowie der kognitiven Leistungsfähigkeit feststellen.

 

Wichtige Mikronährstoffe bilden die B-Vitamine wie Vitamin B6, Vitamin B12 und Folsäure. Denn diese Vitamine spielen eine wichtige Rolle im Hirnstoffwechsel und werden für die Bildung von Neurotransmittern sowie für die Nervenfunktion verantwortlich. Außerdem werden B-Vitamine für die Energiegewinnung benötigt, das Gehirn hat einen hohen Energiebedarf. Liegt eine Mangel an B-Vitaminen vor, kann es zu einem Leistungsabfall oder zu ausgeprägten Gedächtnisstörungen kommen. Zudem bauen B-Vitamine das Zellgift Homocystein zu ungefährlichen Stoffen ab, das ansonsten Zellen im Körper schädigen könnte.

 

Omega-3-Fettsäuren wie Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) sind ebenso essentiell für die optimale Nervenfunktion. Die Fettsäuren schützen nachweislich vor Entzündungen und vor oxidativem Stress und schützen so die Zellen vor weiteren Schädigungen. Außerdem tragen Omega-3-Fettsäuren zur Weiterleitung der Nervensignale bei und fördern die Bildung von körpereigenen Substanzen, die zur Regeneration von Nervenzellen wichtig sind. Zudem haben Omega-3-Fettsäuren eine entzündungshemmende und nervenzellschützende Wirkung.

 

Auch Vitamin D ist für eine optimale Gehirnleistung von großer Bedeutung. Vitamin D wird mit einer positiven Wirkung auf den Verlauf von entzündlichen Krankheiten assoziiert und reguliert das Immunsystem – bei vielen Gehirnleistungsstörungen geht die moderne Forschung von entzündlichen Vorgängen aus, die zu Leistungsschwächen und Fehlfunktionen, wie z. B. Legasthenie, führen. Ebenso ist Vitamin D für die normale Entwicklung und eine gesunde Funktion des Gehirns unerlässlich, da es die Nervenzellen schützt und an vielen Nervenfunktionen beteiligt ist.

Außerdem scheinen Menschen mit Vitamin-D-Mangel verstärkt unter Gedächtnisproblemen und Nervenerkrankungen zu leiden

 

Zudem werden Antioxidantien wie Vitamin C und E, Zink, Selen, Alpha-Liponsäure oder Glutathion verabreicht, um oxidativen Stress zu reduzieren. Oxidativer Stress steht unter Verdacht, die körpereigenen Zellen zu schädigen. Laut Forschung kann oxidativer Stress bei Gehirnleistungsstörungen verstärkt auftreten. Man geht davon aus, dass dies mit einer reduzierten Aktivität der körpereigenen antioxidativen Systeme in Zusammenhang steht.

Selen verbessert laut einer Studie die Merkfähigkeit und geistige Leistungsfähigkeit. Zudem unterstützt Selen die Bindung und Ausscheidung von Quecksilber, das für Entzündungen in den Nervenzellen und für Störungen im Gehirnstoffwechsel und Beeinträchtigungen der kognitiven Fähigkeiten mitverantwortlich ist.

 

Coenzym Q10 wird bei gesunden Menschen ausreichend vom Körper selbst hergestellt. Liegt eine Beeinträchtigung vor, ist es sinnvoll, Coenzym 10 zumindest vorübergehend zu substituieren. Dieser Mikronährstoff ist wichtig, damit die Kraftwerke der Körperzellen (Mitochondrien) richtig funktionieren und aus Glucose Energie gewonnen werden kann. Ein Mangel sollte unbedingt ausgeglichen werden, um Funktionsstörungen der Mitochondrien zu vermeiden.

 

Sekundäre Pflanzenstoffe wie Curcumin, Grüntee- und Gingko-Extrakt haben eine antientzündliche und antioxidative Wirkung und können die Gehirnleistung verbessern. Grüntee-Extrakt soll beispielsweise die Konzentration der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin verbessern und dadurch die geistigen Funktionen verbessern. Curcumin verbessert Gedächtnisleistung und schützt vor Nervenerkrankungen. Gingko stoppt zudem Entzündungen in Nervenzellen, verbessert die Gehirndurchblutung und fördert so die Merkfähigkeit.

 

Experten-Tipp

Darauf sollten Sie achten

  • Ergänzen Sie Ihre Ernährung täglich mit Mikronährstoffen.
  • Achten Sie auf ein ganzheitliches Präparat, das neben allen essentiellen Vitaminen und Spurenelementen möglichst auch Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und sekundäre Pflanzenstoffe enthält.
  • Flüssige Mikronährstoffkonzentrate können vom Körper besser verwertet werden als Tabletten.
  • Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Mikronährstoffe kommen in der Natur niemals isoliert, sondern stets im Verbund mit unzähligen weiteren Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen vor. Am besten können Mikronährstoffe von der Zelle aufgenommen werden, wenn sie in ihrem natürlichen Verbund belassen werden, denn die einzelnen Vitalstoffe ergänzen und verstärken einander in ihrer Wirkkraft. Diese Synergieeffekte erhöhen zudem die Bioverfügbarkeit und führen somit zu einer verbesserten Zellfunktion, was sich spürbar positiv auf Ihre Symptomatik auswirkt.

 

In der modernen Mikronährstofftherapie wird daher heute als Basistherapie bei Legasthenie eine natürliche Mikronährstoffmischung bevorzugt, die isolierten oder synthetisch hergestellten Mikronährstoffen überlegen ist.

Von vielen Fachleuten empfohlen werden flüssige Mikronährstoffkonzentrate  – diese können vom Körper besser aufgenommen werden als Tabletten oder Pulver, da durch die flüssige Form die Nährstoffe bereits über die Schleimhäute resorbiert werden. Zudem liefern sie alle Mikronährstoffe, die der Körper täglich benötigt (Hier finden Sie eine Checkliste zur Unterstützung bei der Produktauswahl).

Empfohlene Ernährung

  • Achten Sie darauf, sich anti-entzündlich und abwechslungsreich zu ernähren. Eine pro-entzündliche Ernährung ist oft Risikofaktor oder Auslöser bei zahlreichen Erkrankungen. Eine antientzündliche Ernährung senkt nachweislich das Risiko von Gehirn- und Nervenerkrankungen.
  • Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten.
  • Praktisch heißt das: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fetter Fisch, Nüsse, Saaten und kaltgepresste pflanzliche Öle.
  • Mit einer gesunden, anti-entzündlichen Ernährung können Sie das Krankheitsgeschehen in Ihrem Körper selbst mitbeeinflussen:
    • Sie können das Entzündungsgeschehen in Ihrem Körper mildern/ nicht zusätzlich durch entzündungsfördernde Lebensmittel befeuern.
    • Sie versorgen Ihren Körper mit lebenswichtigen Mikronährstoffen.
    • Sie schützen sich präventiv vor Begleiterkrankungen, die sich zusätzlich negativ auf die Beschwerden auswirken zu können, wie psychosomatische Erkrankungen oder Depressionen.
    • Sie erreichen und halten langfristig Ihr Normalgewicht.
    • Sie stärken Ihre Nervenkraft und verbessern Ihre Gehirn- und Gedächtnisleistung.
  • Eine glutenfreie Ernährungkann helfen, positive Effekte auf die kognitive Funktion und die psychosomatischen Beschwerden zu erzielen. Folgende Lebensmittel mit dem Klebereiweiss sollten daher vermieden werden: Weizen-, Dinkel-, Gersten- und Roggenmehle sowie das ganze Korn, Bulgur und Couscous, Weizenkleie, Hartweizenpasta, Haferflocken, Malzprodukte (z.B. Ovomaltine und Bier) etc. Greifen Sie lieber zu Lebensmittel wie Amaranth, Hirse, Buchweizen, glutenfreier Hafer, Reis, Mais, Quinoa und Soja. Aber auch alle Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Kichererbsen), naturbelassene Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Eier, Kartoffeln, Obst, Gemüse, Nüsse und Honig können bei einer glutenfreier Ernährung genossen werden.

 

Anpassungen im Lebensstil

Doch nicht nur die Ernährung und Mikronährstofftherapie tragen ihren Teil dazu bei, die Krankheit und ihre Symptome zu lindern oder ganz zu verhindern. Auch Lebensgewohnheiten und Lebenseinstellungen haben einen wesentlichen Einfluss auf den Verlauf von Krankheiten.

  • Sport stabilisiert das Immunsystem, gleicht das vegetative Nervensystem aus und aktiviert den Stoffwechsel und die Darmaktivität. So kann regelmäßiger Sport nachweislich sowohl die Krankheitshäufigkeit als auch die Häufigkeit von Komplikationen senken. Regelmäßige Bewegung verbessert die Durchblutung auch des Gehirns und regt den Körper zur Bildung neuer Zellen und Nervenzellen an.
  • Zeiten der Erholung und Entspannung können Symptome lindern und fördern den Schlaf und das psychische Wohlbefinden. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Qi Gong haben darüber hinaus viele weitere positive Auswirkungen auf Ihre Gesundheit.
  • Erholsamer Schlaf ist wichtig für die körperliche und psychische Regeneration. Besonders bei Kindern ist ausreichend Schlaf wichtig, da die Gehirnentwicklung damit zusammenhängt.
  • Nicht nur bei einer Erkrankung fördert eine positive Lebenseinstellung und eine Haltung der Dankbarkeit das Wohlbefinden und trägt dazu bei, mit den Widrigkeiten des Lebens leichter fertig zu werden.
  • Verzicht auf Nikotin und Alkohol verbessert die Durchblutung des Organismus sowie die Mikronährstoff- und Sauerstoffversorgung der Zellen und kann Ihren Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Kinder sollten von Zigarettenrauch ferngehalten werden.
  • Neurofeedback hilft, neue Nervenverbindungen im Gehirn zu schaffen.  Lassen Sie sich von entsprechend ausgebildeten Ärzten oder Ergotherapeuten beraten.