Ernährung bei Morbus Crohn: Darauf sollten Sie achten

Mikronährstoffe spielen bei Morbus Crohn eine wichtige Rolle.

Die elementare Basis aller Therapien sollte eine gesunde, ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung sein. Eine umfassende, tägliche Versorgung mit Mikronährstoffen ist die Grundlage zur Aufrechterhaltung sämtlicher Funktionen eines gesunden Organismus. In diesem Artikel wollen wir uns eingehender mit diesem Thema beschäftigen und Ihnen hilfreiche Tipps geben, wie Sie selbst die Initiative ergreifen können, um Körper und Psyche ganzheitlich zu stärken.

 

Frau leidet auf einem Sofa an Morbus Crohn

Dr. med. Harald Hüther Prakt. Arzt, Experte für Naturheilverfahren

Experte/Expertin:

Dr. med. Harald Hüther

Prakt. Arzt, Experte für Naturheilverfahren

Letzte Aktualisierung: 9. Dezember 2020

Mikronährstoffe bei Morbus Crohn

Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, sekundäre Pflanzenstoffe etc.) spielen bei praktisch allen Stoffwechselreaktionen eine große Rolle. Sie steuern die Produktion und Ausschüttung von Hormonen und Botenstoffen und sind auch an deren Abbau beteiligt. Bei Morbus Crohn sind Mikronährstoff-Mängel sehr häufig. Zum einen wegen der Nahrungsmittelunverträglichkeiten und der damit verbundenen einseitigen Ernährung. Zum anderen natürlich wegen der Aufnahmestörung, die durch die Entzündung des Darmes und die Durchfälle bedingt ist, aber auch durch die eingesetzten Medikamente. Eine der häufigsten Komplikationen bei Morbus Crohn ist die Blutarmut oder Anämie. Diese Blutarmut, hervorgerufen durch Eisen- und Vitamin-B-Mangel, führt oft zu Energiedefiziten und geringer Leistungsfähigkeit bei den Patienten.

 

Auch für Vitamin D und Vitamin K wurden bei Morbus-Crohn-Patienten deutliche Mängel nachgewiesen. Vitamin-D-Mangel erhöht das Risiko, dass die Krankheit ausbricht.
Die Spurenelemente Zink und Selen spielen bei Morbus Crohn ebenso eine wichtige Rolle. So wurde erst vor kurzem belegt, dass schon ein geringfügiger Zinkmangel einen Entzündungsschub auslösen kann. Selen ist ein wichtiger Teil des antioxidativen Schutzes vor freien Radikalen. Diese freien Radikale sind offensichtlich ein Faktor, der die Entzündung im Darm am Laufen hält.

 

Im Kampf gegen freie Radikale haben sich im Übrigen natürliche Antioxidantien-Mischungen deutlich besser bewährt als synthetische. Die natürlichen Mikronährstoffe besitzen eine 200-mal stärkere antioxidative Wirkung als vergleichbare isolierte, synthetische Stoffe. Dazu kommt, dass für diese Mikronährstoff-Mischungen auch deutliche entzündungshemmende Wirkungen im Darm nachgewiesen sind.

 

Auf zwei wichtige Mikronährstoffe, die erst seit kurzer Zeit in den Fokus bei Morbus Crohn gerückt sind, soll noch hingewiesen werden. Das ist zum einen Lecithin: Ein Eiweißstoff, der u.a. zur Herstellung von Botenstoffen benötigt wird, aber auch ein wichtiger Bestandteil der Darmschleimhaut ist. Erste in Deutschland durchgeführte Untersuchungen haben ermutigende Ergebnisse für die Einnahme von Lecithin bei aktivem Morbus Crohn erbracht.

 

Des Weiteren wurde zuletzt auch erkannt, dass mit Mikronährstoffen zahlreiche Komplikationen von Morbus Crohn verhindert werden können. Besonders gefürchtet ist eine Beteiligung des Herzens. Hier kommt Carnitin ins Spiel: Denn ein Carnitin-Mangel kann zu einer fortschreitenden Herzschwäche bei Morbus Crohn-Patienten führen. Daneben zeigt Carnitin auch noch deutliche Wirkungen gegen die Darmentzündung.

 

Sekundäre Pflanzenstoffe haben ähnliche Effekte. Erst vor Kurzem konnten die positiven Auswirkungen von Curcumin bei Kindern und Erwachsenen mit Morbus Crohn festgestellt werden. Auch für Polyphenole aus Beeren, Trauben und grünem Tee wurden diese Ergebnisse entdeckt. Das Besondere an diesen pflanzlichen Vitalstoffen ist, dass sie sich in höherer Konzentration in den Darmzellen anreichern, als in jedem anderen Gewebe des Körpers.




Experten-Tipp

Darauf sollten Sie achten

  • Ergänzen Sie Ihre Ernährung täglich mit Mikronährstoffen.
  • Achten Sie auf ein ganzheitliches Präparat, das neben allen essentiellen Vitaminen und Spurenelementen möglichst auch Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und sekundäre Pflanzenstoffe enthält.
  • Flüssige Mikronährstoffkonzentrate können vom Körper besser verwertet werden als Tabletten.
  • Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Mikronährstoffe kommen in der Natur niemals isoliert, sondern stets im Verbund mit unzähligen weiteren Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen vor. Am besten können Mikronährstoffe von der Zelle aufgenommen werden, wenn sie in ihrem natürlichen Verbund belassen werden, denn die einzelnen Vitalstoffe ergänzen und verstärken einander in ihrer Wirkkraft. Diese Synergieeffekte erhöhen zudem die Bioverfügbarkeit und führen somit zu einer verbesserten Zellfunktion, was sich spürbar positiv auf Ihre Symptomatik auswirkt.

 

In der modernen Mikronährstofftherapie wird daher heute als Basistherapie bei Morbus Crohn eine natürliche Mikronährstoffmischung bevorzugt, die isolierten oder synthetisch hergestellten Mikronährstoffen überlegen ist.

Von vielen Fachleuten empfohlen werden flüssige Mikronährstoffkonzentrate  – diese können vom Körper besser aufgenommen werden als Tabletten oder Pulver, da durch die flüssige Form die Nährstoffe bereits über die Schleimhäute resorbiert werden. Zudem liefern sie alle Mikronährstoffe, die der Körper täglich benötigt (Hier finden Sie eine Checkliste zur Unterstützung bei der Produktauswahl).

Empfohlene Ernährung

  • Achten Sie darauf, sich anti-entzündlich und abwechslungsreich zu ernähren. Eine pro-entzündliche Ernährung ist oft Risikofaktor oder Auslöser bei zahlreichen Erkrankungen.
  • Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten.
  • Praktisch heißt das: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fetter Fisch, Nüsse, Saaten und kaltgepresste pflanzliche Öle.
  • Mit einer gesunden, anti-entzündlichen Ernährung können Sie das Krankheitsgeschehen in Ihrem Körper selbst mit beeinflussen:
    • Sie können das Entzündungsgeschehen in Ihrem Körper mildern/nicht zusätzlich durch entzündungsfördernde Lebensmittel befeuern.
    • Sie versorgen Ihren Körper mit lebenswichtigen Mikronährstoffen.
    • Sie schützen sich präventiv vor Begleiterkrankungen, die sich zusätzlich negativ auf die Beschwerden auswirken können.
    • Sie erreichen und halten langfristig Ihr Normalgewicht.

Anpassungen im Lebensstil

Doch nicht nur die Ernährung und Mikronährstofftherapie trägt ihren Teil dazu bei, die Krankheit und ihre Symptome lindern oder ganz zu verhindern. Auch Lebensgewohnheiten und Lebenseinstellungen haben einen wesentlichen Einfluss auf den Verlauf von Krankheiten.

  • Sport stabilisiert das Immunsystem, gleicht das vegetative Nervensystem aus und aktiviert den Stoffwechsel und die Darmaktivität. So konnte regelmäßiger Sport nachweislich sowohl die Krankheitshäufigkeit als die Häufigkeit von Komplikationen senken.
  • Zeiten der Erholung und Entspannung können Symptome lindern und fördern den Schlaf und das psychische Wohlbefinden. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Qi Gong haben darüber hinaus viele weitere positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit
  • Erholsamer Schlaf ist wichtig für die körperliche und psychische Regeneration.
  • Nicht nur bei einer Erkrankung fördert eine positive Lebenseinstellung und eine Haltung der Dankbarkeit das Wohlbefinden und trägt dazu bei, mit den Widrigkeiten des Lebens leichter fertig zu werden.
  • Verzicht auf Nikotin und Alkohol verbessern die Durchblutung des Organismus, die Mikronährstoff- und Sauerstoffversorgung der Zellen und kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.