Ernährung & Mikronährstoffe bei Mukoviszidose

Mikronährstoffe spielen bei Mukoviszidose eine wichtige Rolle. Die elementare Basis aller Therapien sollte eine gesunde, ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung sein. Eine umfassende, tägliche Versorgung mit Mikronährstoffen ist die Grundlage zur Aufrechterhaltung sämtlicher Funktionen eines gesunden Organismus. In diesem Artikel wollen wir uns eingehender mit diesem Thema beschäftigen und Ihnen hilfreiche Tipps geben, wie Sie selbst die Initiative ergreifen können, um Körper und Psyche ganzheitlich zu stärken.

 

Arzt erkennt auf Röntgenbild COPD

Theresa Müller - Ernährungsberaterin, Selfcare- & Achtsamkeitstrainerin

Experte/Expertin:

Theresa Müller

Ernährungsberaterin, Selfcare- & Achtsamkeitstrainerin

Letzte Aktualisierung: 1. Juni 2021

Mikronährstoffe bei Mukoviszidose

Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, sekundäre Pflanzenstoffe etc.) spielen bei der ganzheitlichen Behandlung der Mukoviszidose, einer angeborenen Stoffwechselerkrankung, eine immer größere Rolle. Mikronährstoffe sind am Aufbau einer gesunden Lungenschleimhaut beteiligt, sie unterstützen die Ausscheidung von Giftstoffen über die Atmung sowie die Bildung von Schleim, um Krankheitserreger und Reizstoffe aus der Lunge zu entfernen. Außerdem regeln sie die Energieproduktion in den Zellen und sind von essentieller Bedeutung im Stoffwechsel, für das Immunsystem und für die Bildung von Drüsensekreten.

 

Bei der Mukoviszidose steht im Vordergrund, Entzündungsprozesse zu stoppen, den zähen Schleim in den Atemwegen zu lösen, die Darm- und Lungenschleimhaut zu regenerieren und zu stärken und Mikronährstoffmängel aufgrund von Verdauungsstörungen und fehlenden Verdauungsenzymen auszugleichen. Die Mikronährstofftherapie stellt eine ideale Ergänzung zur konventionellen Therapieverfahren dar.

 

Oxidativer Stress ist für das Entzündungsgeschehen im Körper mitverantwortlich. Er entsteht durch ein Überangebot an freien Radikalen, die gesunde Zellen schädigen, die Durchblutung der feinen Gefäße in den Lungen beeinträchtigen und die Regeneration der Schleimhaut stören können. Auch die Schleimbildung kann durch die Ansammlung von schädigenden Substanzen noch befeuert werden.

Um die freien Radikale unschädlich zu machen, sind sogenannte Antioxidantien erforderlich.

Dazu zählen u.a. die Vitamine A, C und E sowie Coenzym Q10, Selen und Zink. Antioxidantien verhindern die Zerstörung gesunder Zellen, hemmen Entzündungen und beeinflussen so den weiteren Krankheitsverlauf.

 

Vitamin C wird zudem benötigt, um die Abwehrkräfte anzuregen und die Barrierefunktion der Schleimhäute gegen das Eindringen von Krankheitserregern zu stärken. Außerdem fanden Wissenschaftler heraus, dass ein Vitamin C-Mangel mit einer gesteigerten Schleimproduktion und Atembeschwerden einhergeht.

 

Weitere Mikronährstoffe, die für Mukoviszidose-Patienten von Bedeutung sind:

  • Vitamin D ist im Immunsystem von großer Bedeutung. Es regt die Bildung von Abwehrzellen an, verbessert die Wirkung von Antibiotika, regt den Heilungsprozess von geschädigtem Gewebe an und reduziert die Infektanfälligkeit und hemmt Entzündungsprozesse.
  • B-Vitamine: Viele Vitamine aus dem B-Komplex sind wichtig für die Zellneubildung und Zellteilung. Zudem senken die Vitamine den Homocysteinspiegel im Blut, der entzündliche Prozesse noch befeuert.
  • Hefe-Beta-Glucan kommt in Pilzen, Hafer oder Bäckerhefe vor. Es regt die Ausschüttung von Botenstoffen des Immunsystems an und verstärkt seine Abwehrbereitschaft. Eine Studie konnte belegen, dass die Anfälligkeit für virale Infekte bei den Studienteilnehmern um bis zu 25 % sank, die ein Beta-Glucan-Präparat einnahmen. Bei Kindern mit chronischen Atemwegserkrankungen wurde zudem die Schleimhautbarriere gestärkt. Auch die Beschwerden waren deutlich verringert.
  • N-Acetylcystein ist u. a. Bestandteil von schleimlösenden Arzneimitteln gegen Husten. Dieser Mikronährstoff verflüssigt zähen Schleim und erleichtert das Abhusten.
  • Bromelain, ein Enzym aus der Ananas, wirkt antientzündlich, aktiviert die Abwehrkräfte und zersetzt zähen Schleim. Zudem lindert es Schwellungen der Schleimhäute und erleichtert die Atmung.
  • Sekundäre Pflanzenstoffe wie Quercetin, OPC, Grüntee-Catechine oder Resveratrol haben ebenfalls entzündungshemmende Eigenschaften und reduzieren den oxidativen Zellstress.
  • Omega 3-Fettsäuren (v. a. EPA und DHA) können Entzündungen vorbeugen oder bei chronischen Lungenerkrankungen eine antientzündliche Wirkung entfalten und so das weitere Fortschreiten der Erkrankung verzögern. Zwar liegen explizit für Mukoviszidose noch keine Studien vor, jedoch wurde der Zusammenhang einer ausreichenden Versorgung mit Omega 3-Fettsäuren und anderen chronischen bzw. entzündlichen Erkrankungen bereits gut erforscht.
  • Magnesium erleichtert das Abhusten von Schleim wie auch das Atmen, da es die Atemmuskulatur und die feinen Muskeln in den Bronchien entspannt und so die Atemwege erweitert. Außerdem haben Forscher einer kalifornischen Universität belegt, dass Magnesium zu den Mikronährstoffen zählt, die die höchste antientzündliche Wirkung haben. Somit haben Mukosviszidose-Patienten einen doppelten Nutzen, wenn sie auf ihre tägliche Magnesiumzufuhr achten.




Experten-Tipp

Darauf sollten Sie achten

  • Ergänzen Sie Ihre Ernährung täglich mit Mikronährstoffen.
  • Achten Sie auf ein ganzheitliches Präparat, das neben allen essentiellen Vitaminen und Spurenelementen möglichst auch Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und sekundäre Pflanzenstoffe enthält.
  • Flüssige Mikronährstoffkonzentrate können vom Körper besser verwertet werden als Tabletten.
  • Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Denn Mikronährstoffe kommen in der Natur niemals isoliert, sondern stets im Verbund mit unzähligen weiteren Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen vor. Am besten können Mikronährstoffe von der Zelle aufgenommen werden, wenn sie in ihrem natürlichen Verbund belassen werden, denn die einzelnen Vitalstoffe ergänzen und verstärken einander in ihrer Wirkkraft. Diese Synergieeffekte erhöhen zudem die Bioverfügbarkeit und führen somit zu einer verbesserten Zellfunktion, was sich spürbar positiv auf Ihre Symptomatik auswirkt.

 

In der modernen Mikronährstofftherapie wird daher heute als Basistherapie bei Mukoviszidose eine natürliche Mikronährstoffmischung bevorzugt, die isolierten oder synthetisch hergestellten Mikronährstoffen überlegen ist.

Von vielen Fachleuten empfohlen werden flüssige Mikronährstoffkonzentrate  – diese können vom Körper besser aufgenommen werden als Tabletten oder Pulver, da durch die flüssige Form die Nährstoffe bereits über die Schleimhäute resorbiert werden. Zudem liefern sie alle Mikronährstoffe, die der Körper täglich benötigt. Dies ist insbesondere von Bedeutung, da Mukoviszidose-Patienten aufgrund der fehlenden Verdauungsenzyme leicht in einen Mikronährstoffmangel geraten (Hier finden Sie eine Checkliste zur Unterstützung bei der Produktauswahl).

Empfohlene Ernährung

  • Achten Sie darauf, sich anti-entzündlich und abwechslungsreich zu ernähren. Eine pro-entzündliche Ernährung ist oft Risikofaktor oder Auslöser bei zahlreichen Erkrankungen.
  • Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten.
  • Praktisch heißt das: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fetter Fisch, Nüsse, Saaten und kaltgepresste pflanzliche Öle.
  • Essen Sie fettreich, da Ihr Körper aufgrund der Erkrankung und der Fettverwertungsstörung u. a. leicht in einen Mangel fettlöslicher Vitamine gerät.
  • Mit einer gesunden, anti-entzündlichen Ernährung können Sie das Krankheitsgeschehen in Ihrem Körper selbst mitbeeinflussen:
    • Sie können das Entzündungsgeschehen in Ihrem Körper mildern/ nicht zusätzlich durch entzündungsfördernde Lebensmittel befeuern.
    • Sie versorgen Ihren Körper mit lebenswichtigen Mikronährstoffen.
    • Sie schützen sich präventiv vor Begleiterkrankungen, die sich zusätzlich negativ auf die Beschwerden auswirken können.
    • Sie erreichen und halten langfristig Ihr Normalgewicht.
  • Vermeiden Sie ein Übermaß an Kohlenhydraten, da diese Entzündungsprozesse befeuern, das Stress-System unseres Organismus aktivieren und Ihre Beschwerden noch verschlimmern können.
  • Trinken Sie ausreichend stilles Wasser und schleimlösende, lungenstärkende Kräutertees (Süßholzwurzel, Thymian, Huflattich, Lungenkraut, Königskerze). Die Flüssigkeit ist wichtig, um die Schleimbildung und Ausscheidung von Giftstoffen und Krankheitserregern über die Lunge anzuregen.

Anpassungen im Lebensstil

Doch nicht nur die Ernährung und Mikronährstofftherapie tragen ihren Teil dazu bei, die Krankheit und ihre Symptome lindern oder ganz zu verhindern. Auch Lebensgewohnheiten und Lebenseinstellungen haben einen wesentlichen Einfluss auf den Verlauf von Krankheiten.

  • Sport stabilisiert das Immunsystem, gleicht das vegetative Nervensystem aus und aktiviert den Stoffwechsel und die Darmaktivität. So kann regelmäßiger Sport nachweislich sowohl die Krankheitshäufigkeit als auch die Häufigkeit von Komplikationen senken. Außerdem wird die körperliche Belastbarkeit verbessert und die Lungenfunktion gestärkt.
  • Zeiten der Erholung und Entspannung können Symptome lindern und fördern den Schlaf und das psychische Wohlbefinden. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Qi Gong haben darüber hinaus viele weitere positive Auswirkungen auf Ihre Gesundheit.
  • Erholsamer Schlaf ist wichtig für die körperliche und psychische Regeneration.
  • Nicht nur bei einer Erkrankung fördert eine positive Lebenseinstellung und eine Haltung der Dankbarkeit das Wohlbefinden und trägt dazu bei, mit den Widrigkeiten des Lebens leichter fertig zu werden.
  • Verzicht auf Nikotin und Alkohol verbessert die Durchblutung des Organismus sowie die Mikronährstoff- und Sauerstoffversorgung der Zellen und kann Ihren Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Gerade bei Mukoviszidose sollten diese Substanzen tabu sein, da sie das Fortschreiten der Erkrankung noch befeuern.
  • Atemübungen trainieren und entspannen Ihre Atemmuskulatur, unterstützen das Abhusten des Schleims und die Ausscheidung von entzündungsfördernden Stoffen über die Schleimhäute.