Ernährung bei Progesteronmangel: Darauf sollten Sie achten

Mikronährstoffe spielen bei Progesteronmangel eine wichtige Rolle. Die elementare Basis aller Therapien sollte eine gesunde, ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung sein. Eine umfassende, tägliche Versorgung mit Mikronährstoffen ist die Grundlage zur Aufrechterhaltung sämtlicher Funktionen eines gesunden Organismus. In diesem Artikel wollen wir uns eingehender mit diesem Thema beschäftigen und Ihnen hilfreiche Tipps geben, wie Sie selbst die Initiative ergreifen können, um Körper und Psyche ganzheitlich zu stärken.

 

Endometriose Krankheit

Corina Hajak Prakt. Ärztin, Expertin für integrative Medizin

Experte/Expertin:

Corina Hajak

Prakt. Ärztin, Expertin für integrative Medizin

Letzte Aktualisierung: 1. Juni 2021

Mikronährstoffe bei Progesteronmangel

Mikronährstoffe spielen bei der Behandlung von Progesteronmangel (Sexualhormonmangel aufgrund einer Gelbkörperschwäche) eine große Rolle. Bei Progesteronmangel nisten sich die Eizellen erst gar nicht in der Gebärmutter ein oder es kommt zu verfrühten Abgängen.

Beinahe jedes 10. Paar in Deutschland bleibt ungewollt kinderlos. Neben Rauchen, Stress, zu vielen Genussmitteln wie Kaffee, schwarzem Tee und Alkohol, Umweltgiften, Extremsport, langjähriger Einnahme der „Pille“ und oft als Folge einer ungesunden Ernährung ist Mikronährstoffmangel einer der Gründe für Progesteronmangel, die den Kinderwunsch unerfüllt bleiben lässt.

Schon vor einer Schwangerschaft ist es wichtig, den Organismus optimal mit Mikronährstoffen zu versorgen (übrigens auch beim Mann) – und dazu gehören mehr als nur Folsäure und Eisen.

Um die Eizellreifung zu stimulieren, sind vor allem auch die Vitamine B6, B12, Vitamin D, Magnesium, Selen, Zink und Arginin wichtig. Studien in renommierten Fachjournalen wie The Lancet zeigten, dass eine komplexe Mikronährstoffergänzung bereits zwei bis drei Jahr vor einer geplanten Schwangerschaft sinnvoll ist.

Diese Mikronährstoffe sind wichtig bei Progesteronmangel:

  • B-Vitamine: Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 sind signifikant wichtig bei Zellbildung und Zellteilung. Vitamin B6 erhöht die Konzeptionswahrscheinlichkeit, eine gute Versorgung mit Folsäure beugt bereits Neuralrohrdefekten beim Kind vor, wenn es zu einer Schwangerschaft kommt.
  • Vitamin D ist einer der wichtigsten Mikronährstoffe bei Kinderwunsch. Eine gute Versorgung mit dem Sonnenvitamin (ein Prohormon) wird mit einer deutlich höheren Fruchtbarkeitsrate assoziiert. Vitamin D ist bedeutend für eine normale Entwicklung von Eizellen, Gebärmutterschleimhaut und Mutterkuchen. Besonders Frauen mit PCO-Syndrom haben oft einen Vitamin-D-Mangel.
  • Magnesium sorgt für eine hormonelle Balance im Körper, entspannt Muskeln und hat eine entzündungshemmende Wirkung.
  • Zink wirkt entzündungshemmend und fördert die Bildung von Progesteron und ist an unzähligen Stoffwechselprozessen beteiligt.
  • Eisen ist essentiell für die Blutbildung und spielt eine Rolle bei der Einnistung der Eizelle.
  • Antioxidantien wie Vitamin A und Vitamin C wehren freie Radikale ab und stärken das Immunsystem. Vitamin C lässt den Progesteronspiegel ansteigen.
  • Omega-3-Fettsäuren sind an der Synthese der für die Fertilität wichtigen Hormone beteiligt.
  • L-Carnitin und Coenzym Q10 verbessern die Reifung weiblicher Eizellen, einem sehr energieaufwendigen Prozess.




Experten-Tipp

Darauf sollten Sie achten

  • Ergänzen Sie Ihre Ernährung täglich mit Mikronährstoffen.
  • Achten Sie auf ein ganzheitliches Präparat, das neben allen essentiellen Vitaminen und Spurenelementen möglichst auch Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und sekundäre Pflanzenstoffe enthält.
  • Flüssige Mikronährstoffkonzentrate können vom Körper besser verwertet werden als Tabletten.
  • Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Mikronährstoffe kommen in der Natur niemals isoliert, sondern stets im Verbund mit unzähligen weiteren Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen vor. Am besten können Mikronährstoffe von der Zelle aufgenommen werden, wenn sie in ihrem natürlichen Verbund belassen werden, denn die einzelnen Vitalstoffe ergänzen und verstärken einander in ihrer Wirkkraft. Diese Synergieeffekte erhöhen zudem die Bioverfügbarkeit und führen somit zu einer verbesserten Zellfunktion, was sich spürbar positiv auf Ihre Symptomatik auswirkt.

 

In der modernen Mikronährstofftherapie wird daher heute als Basistherapie bei Progesteronmangel eine natürliche Mikronährstoffmischung bevorzugt, die isolierten oder synthetisch hergestellten Mikronährstoffen überlegen ist.

Von vielen Fachleuten empfohlen werden flüssige Mikronährstoffkonzentrate  – diese können vom Körper besser aufgenommen werden als Tabletten oder Pulver, da durch die flüssige Form die Nährstoffe bereits über die Schleimhäute resorbiert werden. Zudem liefern sie alle Mikronährstoffe, die der Körper täglich benötigt (Hier finden Sie eine Checkliste zur Unterstützung bei der Produktauswahl).

 

Achten Sie auch auf eine gute Mikronährstoffversorgung bei Ihrem Partner! Die Fertilität von Männern (Spermienqualität) ist entscheidend von den gleichen Kriterien abhängig wie die der Frau. Eine gesunde, ausgewogene Lebensweise beider Partner ist essentiell für die Erfüllung des Kinderwunschs und die beste Voraussetzung für ein gesundes Kind.

Empfohlene Ernährung

  • Achten Sie darauf, sich anti-entzündlich und abwechslungsreich zu ernähren. Eine pro-entzündliche Ernährung ist oft Risikofaktor oder Auslöser bei zahlreichen Erkrankungen, auch bei unerfülltem Kinderwunsch.
  • Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten.
  • Praktisch heißt das: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fetter Fisch, Nüsse, Saaten und kaltgepresste pflanzliche Öle.
  • Mit einer gesunden, anti-entzündlichen Ernährung können Sie die Bereitschaft Ihres Körpers für eine Schwangerschaft selbst mitbeeinflussen:
    • Sie können das Entzündungsgeschehen in Ihrem Körper mildern/ nicht zusätzlich durch entzündungsfördernde Lebensmittel befeuern.
    • Sie versorgen Ihren Körper mit lebenswichtigen Mikronährstoffen.
    • Sie schützen sich präventiv vor anderen Begleiterkrankungen, die sich zusätzlich negativ auf die Beschwerden auswirken können.
    • Sie erreichen und halten langfristig Ihr Normalgewicht – erhebliche Abweichungen wie Unter- und Übergewicht haben einen negativen Einfluss auf Ihre Fruchtbarkeit.
    • Achten Sie auf regionale, saisonale Bio-Nahrungsmittel – Umweltgifte wie Pestizide können einen Progesteronmangel verstärken.

Anpassungen im Lebensstil

Doch nicht nur die Ernährung und Mikronährstofftherapie tragen ihren Teil dazu bei, den Progesteronmangel bzw. die Fruchtbarkeit zu verbessern. Auch Lebensgewohnheiten und Lebenseinstellungen haben einen wesentlichen Einfluss auf die Bereitschaft des Körpers für eine Schwangerschaft.

  • Sport stabilisiert das Immunsystem, gleicht das vegetative Nervensystem aus und aktiviert den Stoffwechsel und die Darmaktivität. So kann regelmäßiger moderater Sport nachweislich sowohl die Krankheitshäufigkeit als auch die Häufigkeit von Komplikationen senken. Exzessiver Sport wirkt sich jedoch negativ auf einen Progesteronmangel aus.
  • Zeiten der Erholung und Entspannung können Symptome lindern und fördern den Schlaf und das psychische Wohlbefinden. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Qi Gong haben darüber hinaus viele weitere positive Auswirkungen auf Ihre Gesundheit. Stressreduktion und Gelassenheit sind wichtige Faktoren bei unerfülltem Kinderwunsch.
  • Erholsamer Schlaf ist wichtig für die körperliche und psychische Regeneration.
  • Nicht nur bei einer Erkrankung fördert eine positive Lebenseinstellung und eine Haltung der Dankbarkeit das Wohlbefinden und trägt dazu bei, mit den Widrigkeiten des Lebens leichter fertig zu werden.
  • Verzicht auf Nikotin und Alkohol verbessert die Durchblutung des Organismus sowie die Mikronährstoff- und Sauerstoffversorgung der Zellen und ist einer der wichtigsten Faktoren für eine komplikationslose Schwangerschaft und ein gesundes Kind.
  • Halten Sie auch den Konsum von koffeinhaltigen Getränken bei einem Progesteronmangel moderat.
  • Nehmen Sie Hilfe in Anspruch: Ein unerfüllter Kinderwunsch ist häufig eine große Belastung und der permanente Stress wirkt sich wiederum negativ auf die Fruchtbarkeit aus – professionelle Beratungen können Ihnen eine wertvolle Hilfe sein.