Ernährung bei Reizdarm: Darauf sollten Sie achten

Wie Sie in unserem Artikel „Reizdarm-Syndrom: Ernährungsumstellung ist essentieller Grundpfeiler der Therapie“ bereits lesen konnten, spielen Mikronährstoffe eine wichtige Rolle bei Reizdarm.

Die elementare Basis aller Therapien sollte eine gesunde, ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung sein. Eine umfassende, tägliche Versorgung mit Mikronährstoffen ist die Grundlage zur Aufrechterhaltung sämtlicher Funktionen eines gesunden Organismus. In diesem Artikel wollen wir uns eingehender mit diesem Thema beschäftigen und Ihnen hilfreiche Tipps geben, wie Sie selbst die Initiative ergreifen können, um Körper und Psyche ganzheitlich zu stärken.

Frau leidet an Reizdarm Syndrom

Dr. med. Harald Hüther Prakt. Arzt, Experte für Naturheilverfahren

Experte/Expertin:

Dr. med. Harald Hüther

Prakt. Arzt, Experte für Naturheilverfahren

Letzte Aktualisierung: 1. Juni 2021

Mikronährstoffe bei Reizdarm

Eine gestörte Zusammensetzung der Darmflora begünstigt latente Entzündungen der Darmschleimhaut oder eine Verdauungsschwäche und damit die Entwicklung eines Reizdarms. Zusätzlich entsteht schleichend ein Nährstoffmangel, der die funktionellen Darmbeschwerden verstärkt.

 

Aufgaben der Darmflora

  • Aufspaltung der unverdaulichen Ballast- und Faserstoffe
  • Herstellung von Fettsäuren, bestimmten Vitaminen und Enzymen
  • Abbau von Giftstoffen
  • Herstellung von Serotonin und Dopamin
  • Trainieren des Immunsystems

 

Um den Nährstoffmangel auszugleichen, seien im Folgenden einige relevante Mikronährstoffe beschrieben, die sich günstig auf die Ausheilung eines Reizdarms auswirken.

 

Vitamin D
Vitamin D wird oftmals als das „antibiotische Vitamin“ bezeichnet. Es hindert Bakterien aus dem Dickdarm an einer Besiedlung des Dünndarms und schützt vor einer zu hohen Anzahl schädlicher Darmbakterien.
Unser Körper bildet in der Haut unter Einwirkung von Sonnenlicht Vitamin D. Im Winter oder bei einer überwiegenden Tätigkeit in geschlossenen Räumen sollten aber gerade Darmpatienten ihren Vitamin-D-Spiegel regelmäßig überprüfen lassen und supplementieren.

 

L-Glutamin
Die Aminosäure L- Glutamin ist ein wichtiger Baustein der Darmbarriere. In Studien zeigte sich die Verringerung einer bereits erhöhten Darmdurchlässigkeit (Leaky Gut) bei regelmäßigen Gaben von L- Glutamin. L- Glutamin wird neben Ernährungsumstellung und der Einnahme von Probiotika als eine der wichtigsten Elemente der Darmsanierung angesehen.

 

Melatonin
Das Hormon Melatonin, das während des Schlafens gebildet wird, entsteht nicht nur in der Zirbeldrüse, sondern zum Großteil im Darmtrakt, reduziert dort Entzündungen und repariert die Darmschleimhaut.

 

Omega-3-Fettsäuren
Omega-3- Fettsäuren sind natürliche Entzündungshemmer und bieten Schutz vor zahlreichen Erkrankungen. Sie fördern die Besiedelung des Darms mit nützlichen Bakterien. Omega-3-Fettsäuren kommen natürlicherweise in fettem Seefisch vor. Es gibt jedoch auch pflanzliche Quellen wie Leinöl, Walnüssen oder bestimmten Mikroalgen.

 

Vitamin E
Die Einnahme von Vitamin E verbessert die Darmfunktion und vermindert die Symptome, indem das Immunsystem verbessert und Entzündungsprozesse gelindert werden.

 

Vitamin B-Komplex
Die B-Vitamine spielen eine bedeutende Rolle bei der Energiegewinnung und Zellteilung. Für den Darm ist das besonders wichtig, da sich die Zellen der Darmschleimhaut häufiger teilen als beispielsweise Hautzellen. Eine ausreichende Versorgung mit B-Vitaminen stellt sicher, dass Darmschäden heilen können und die Darmschleimhaut somit über eine ausreichende Resorptionsfähigkeit (Aufnahmefähigkeit von Nährstoffen) verfügt. Zudem sind B-Vitamine erforderlich für die Bildung und Funktion des Nervengewebes. Das dichte Nervengeflecht im Darm verbraucht einen großen Teil der B-Vitamine, um seine Funktion aufrecht erhalten zu können.




Experten-Tipp

Darauf sollten Sie achten

  • Ergänzen Sie Ihre Ernährung täglich mit Mikronährstoffen.
  • Achten Sie auf ein ganzheitliches Präparat, das neben allen essentiellen Vitaminen und Spurenelementen möglichst auch Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und sekundäre Pflanzenstoffe enthält.
  • Flüssige Mikronährstoffkonzentrate können vom Körper besser verwertet werden als Tabletten.
  • Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Mikronährstoffe kommen in der Natur niemals isoliert, sondern stets im Verbund mit unzähligen weiteren Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen vor. Am besten können Mikronährstoffe von der Zelle aufgenommen werden, wenn sie in ihrem natürlichen Verbund belassen werden, denn die einzelnen Vitalstoffe ergänzen und verstärken einander in ihrer Wirkkraft. Diese Synergieeffekte erhöhen zudem die Bioverfügbarkeit und führen somit zu einer verbesserten Zellfunktion, was sich spürbar positiv auf Ihre Symptomatik auswirkt.

 

In der modernen Mikronährstofftherapie wird daher heute als Basistherapie bei Reizdarm eine natürliche Mikronährstoffmischung bevorzugt, die isolierten oder synthetisch hergestellten Mikronährstoffen überlegen ist.

Von vielen Fachleuten empfohlen werden flüssige Mikronährstoffkonzentrate  – diese können vom Körper besser aufgenommen werden als Tabletten oder Pulver, da durch die flüssige Form die Nährstoffe bereits über die Schleimhäute resorbiert werden. Zudem liefern sie alle Mikronährstoffe, die der Körper täglich benötigt (Hier finden Sie eine Checkliste zur Unterstützung bei der Produktauswahl).

Empfohlene Ernährung

  • Bislang gibt es noch keine Hinweise auf eine geeignete Diät, die die Symptome eines Reizdarms abklingen lässt. Vielmehr sollte die Ernährung so gestaltet werden, dass Lebensmittel, die schwer verdaulich sind oder reizend auf die Schleimhaut wirken, vermieden werden.
  • Achten Sie darauf, sich anti-entzündlich und abwechslungsreich zu ernähren. Eine pro-entzündliche Ernährung ist oft Risikofaktor oder Auslöser bei zahlreichen Erkrankungen.
  • Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten.
  • Praktisch heißt das: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fetter Fisch, Nüsse, Saaten und kaltgepresste pflanzliche Öle.
  • Mit einer gesunden, anti-entzündlichen Ernährung können Sie das Krankheitsgeschehen in Ihrem Körper selbst mit beeinflussen:
    • Sie können das Entzündungsgeschehen in Ihrem Körper mildern/nicht zusätzlich durch entzündungsfördernde Lebensmittel befeuern.
    • Sie versorgen Ihren Körper mit lebenswichtigen Mikronährstoffen.
    • Sie schützen sich präventiv vor Begleiterkrankungen, die sich zusätzlich negativ auf die Beschwerden auswirken können.
    • Sie erreichen und halten langfristig Ihr Normalgewicht.

 

 

 

 

Anpassungen im Lebensstil

Doch nicht nur die Ernährung und Mikronährstofftherapie trägt ihren Teil dazu bei, die Krankheit und ihre Symptome lindern oder ganz zu verhindern. Auch Lebensgewohnheiten und Lebenseinstellungen haben einen wesentlichen Einfluss auf den Verlauf von Krankheiten.

  • Sport stabilisiert das Immunsystem, gleicht das vegetative Nervensystem aus und aktiviert den Stoffwechsel und die Darmaktivität. So konnte regelmäßiger Sport nachweislich sowohl die Krankheitshäufigkeit als die Häufigkeit von Komplikationen senken.
  • Zeiten der Erholung und Entspannung können Symptome lindern und fördern den Schlaf und das psychische Wohlbefinden. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Qi Gong haben darüber hinaus viele weitere positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit
  • Erholsamer Schlaf ist wichtig für die körperliche und psychische Regeneration.
  • Nicht nur bei einer Erkrankung fördert eine positive Lebenseinstellung und eine Haltung der Dankbarkeit das Wohlbefinden und trägt dazu bei, mit den Widrigkeiten des Lebens leichter fertig zu werden.
  • Verzicht auf Nikotin und Alkohol verbessern die Durchblutung des Organismus, die Mikronährstoff- und Sauerstoffversorgung der Zellen und kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
  • Bauchmassage: Nicht nur bei akut auftretenden Beschwerden lohnt es sich, wenn Sie den Bauch sanft um den Nabel herum in kreisenden Bewegungen massieren. Wichtig ist dabei, die Bewegung kreisend im Uhrzeigersinn auszuführen, das heißt, 12 Uhr wäre oben am Rippenbogen, sechs Uhr unten am Schambein. Wenn druckempfindliche Punkte bemerkt werden, sollten Sie diese ausdauernd und weiterhin sanft, ebenfalls im Uhrzeigersinn, massieren.
  • Darmsanierung: Wie bei allen Darmbeschwerden setzt die Naturheilkunde an der Wurzel an und unterstützt mittels Einnahme von Probiotika (für den Körper wichtige, lebende Darmbakterien), um die Fehlbesiedelung der Darmflora auszugleichen. Diese Darmbakterien ernähren sich von den Ballast- und Faserstoffen, die für unseren Körper unverdaulich sind, und produzieren kurzkettige Fettsäuren, die von den Zellen der Darmschleimhaut aufgenommen werden, wodurch sich die Schleimhaut wieder beruhigt und die Symptome zurückgehen. Zusätzlich ist die Einnahme von Präbiotika sinnvoll. Präbiotika sind selektiv fermentierte Substanzen, die für den Menschen nicht verdaulich sind, jedoch den „guten“ Darmbakterien als Nahrung dienen, wodurch deren Vermehrung angeregt wird