Ernährung in der Schwangerschaft: Darauf sollten Sie achten

Mikronährstoffe spielen in der Schwangerschaft eine besonders wichtige Rolle. Sie sind für die Gesundheit von Mutter und Kind wichtig.

Die elementare Basis aller Therapien sollte eine gesunde, ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung sein. Eine umfassende, tägliche Versorgung mit Mikronährstoffen ist die Grundlage zur Aufrechterhaltung sämtlicher Funktionen eines gesunden Organismus. In diesem Artikel wollen wir uns eingehender mit diesem Thema beschäftigen und Ihnen hilfreiche Tipps geben, wie Sie selbst die Initiative ergreifen können, um Körper und Psyche ganzheitlich zu stärken.

 

Schwangerschaftsbauch bei Pärchen

Dr. med. Harald Hüther Prakt. Arzt, Experte für Naturheilverfahren

Experte/Expertin:

Dr. med. Harald Hüther

Prakt. Arzt, Experte für Naturheilverfahren

Letzte Aktualisierung: 1. Juni 2021

Mikronährstoffe in der Schwangerschaft

Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, sekundäre Pflanzenstoffe etc.) spielen für eine gesunde Schwangerschaft eine enorme Rolle. Sie steuern die Produktion und Ausschüttung der Nerven-Botenstoffe, regeln die Energieproduktion in den Zellen, sind wichtig für das Immunsystem und helfen bei der Entgiftung. In der Praxis wird das Thema Mikronährstoffe für Schwangere immer noch sehr stiefmütterlich behandelt.

Die Frau hat zu keinem anderen Zeitpunkt in ihrem Leben einen höheren Vitamin- und Nährstoffbedarf als während der Schwangerschaft. Der sich entwickelnde Fötus wird ausschließlich aus Nährstoffen gebildet, die aus der Nahrung der Mutter stammen.

Daher ist die bestmögliche Ernährung und eine perfekte Versorgung mit allen Mikronährstoffen eine Grundvoraussetzung für die Gesundheit der Mutter und das gesunde Wachstum der Föten. Die besten Voraussetzungen haben Mutter und Kind, wenn die Mikronährstoffdepots schon vor der Schwangerschaft aufgefüllt sind.

 

Schwangere brauchen mehr Mikronährstoffe

Die Plazenta steuert sehr sorgfältig die Konzentrationen von Vitaminen und Mineralien im Blut des Fötus. So ist beispielsweise der Vitamin-C-Spiegel im Blut des Fötus um 50 % höher als im Blut der Mutter, auch der Zinkspiegel ist höher, während man Kupfer beim Fötus niedriger findet als bei der Mutter. Die Nährstoffübertragung wird in den letzten Wochen beschleunigt, damit das Baby bei der Geburt genügend Reserven hat. So werden beispielsweise an jedem Tag des letzten Monats über 300 mg Kalzium via Plazenta zum Fötus weitergeleitet.

Wichtig für eine gesunde Schwangerschaft ist eine ausgewogene, sehr nährstoffreiche Ernährung, die Schwangere soll aber auf keinen Fall „für zwei essen“. Bei uns nehmen viele Frauen während der Schwangerschaft zu stark an Gewicht zu, was sowohl dem Kind als auch der Mutter schaden kann.

Die Schwangere benötigt während der letzten sechs Schwangerschaftsmonate nur etwa 300 Kalorien pro Tag zusätzlich aber z.B. mehr als das Doppelte an Vitamin D, Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin C und etwa 50 % mehr von den übrigen B-Vitaminen!

Das ist natürlich ein schier unlösbares Dilemma, denn wie soll es die Frau schaffen, mit fast unveränderter Nahrungsmenge das Doppelte an Mikronährstoffen zu sich zu nehmen? Ohne vernünftige Mikronährstoffergänzung geht das nicht.

Bisher wird meist nur Folsäure und Eisen substituiert. Hier muss rasch ein Umdenken stattfinden. Neue Studienübersichten zeigen einen deutlichen Vorteil für die Gesundheit von Mutter und Kind, wenn nicht einzelne Substanzen sondern eine komplexe Mischung von Mikronährstoffen gegeben wird.

In der Schwangerschaft und Stillzeit ist eine komplexe Mikronährstoffergänzung doppelt wichtig – für die Gesundheit von Mutter und Kind.

 

Gesundheit der Mutter

Oxidativer Stress ist wohl ein wichtiger Faktor bei der Entstehung der Präeklampsie. Antioxidantien senken dieses Risiko eindeutig. Dabei werden die klassischen antioxidativen Vitamine durch sekundäre Pflanzenstoffe in ihrer Schutzwirkung unterstützt. Ebenso senken beispielweise Kalzium und Magnesium das Risiko für die Entwicklung einer Hypertonie in der Schwangerschaft.

Vitamin B6 wird effektiv bei der Behandlung von Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft eingesetzt. Und gegen Wochenbettdepression hilft eine gute Versorgung mit Omega-3-Fetsäuren.

Wichtig ist eine perfekte Mikronährstoffversorgung auch für den Allgemeinzustand der Frauen. Zudem können Mikronährstoffe das Bindegewebe stabilisieren und damit Schwangerschaftsstreifen und Haarausfall verhindern.

Es wurde auch festgestellt, dass Immunfunktionen während der Schwangerschaft zunehmend leiden und dies durch eine moderate Substitution von Mikronährstoffen verhindert werden kann.  Außerdem sinkt natürlich auch das Risiko für eine Anämie (Blutarmut), die zu den wichtigsten Auslösern von schweren Schwangerschaftskomplikationen gehört.

 

Gesundheit des Kindes

Allgemein anerkannt ist sicherlich, dass eine ausreichende Folsäure-Versorgung das Kind vor Neuralrohrdefekten und anderen Fehlbildungen schützt. Übrigens steigt der Folsäurebedarf von Frauen bei der Einnahme von Ovulationshemmern (Die “Pille“) deutlich an, so dass in diesem Fall schon vor der Schwangerschaft eine Substitution mit Folsäure und anderen Mikronährstoffen empfohlen wird.

Ebenfalls wichtig für eine gesunde Entwicklung des Fötus ist die Versorgung der Mutter mit Omega-3-Fettsäuren und B-Vitaminen. Selbst Jahre nach der Geburt wurde in diesen Studien noch eine bessere Leistungsfähigkeit des Gehirns nachgewiesen.

Die Mikronährstoffversorgung vor der Geburt beeinflusst auch das Immunsystem des Kindes nach der Geburt. So konnte eine deutlich bessere Immunfunktion bei Gabe von Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Zink und Selen nachgewiesen werden.




Experten-Tipp

Darauf sollten Sie achten

  • Ergänzen Sie Ihre Ernährung täglich mit Mikronährstoffen.
  • Achten Sie auf ein ganzheitliches Präparat, das neben allen essentiellen Vitaminen und Spurenelementen möglichst auch Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und sekundäre Pflanzenstoffe enthält.
  • Flüssige Mikronährstoffkonzentrate können vom Körper besser verwertet werden als Tabletten.
  • Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Mikronährstoffe kommen in der Natur niemals isoliert, sondern stets im Verbund mit unzähligen weiteren Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen vor. Am besten können Mikronährstoffe von der Zelle aufgenommen werden, wenn sie in ihrem natürlichen Verbund belassen werden, denn die einzelnen Vitalstoffe ergänzen und verstärken einander in ihrer Wirkkraft. Diese Synergieeffekte erhöhen zudem die Bioverfügbarkeit und führen somit zu einer verbesserten Zellfunktion, was sich spürbar positiv auf Ihre Symptomatik auswirkt.

 

In der modernen Mikronährstofftherapie wird daher heute als Basistherapie in der Schwangerschaft eine natürliche Mikronährstoffmischung bevorzugt, die isolierten oder synthetisch hergestellten Mikronährstoffen überlegen ist.

Von vielen Fachleuten empfohlen werden flüssige Mikronährstoffkonzentrate  – diese können vom Körper besser aufgenommen werden als Tabletten oder Pulver, da durch die flüssige Form die Nährstoffe bereits über die Schleimhäute resorbiert werden. Zudem liefern sie alle Mikronährstoffe, die der Körper täglich benötigt (Hier finden Sie eine Checkliste zur Unterstützung bei der Produktauswahl).

Empfohlene Ernährung

  • Achten Sie darauf, sich anti-entzündlich und abwechslungsreich zu ernähren. Eine pro-entzündliche Ernährung kann den Verlauf Ihrer Schwangerschaft positiv beeinflussen.
  • Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten.
  • Praktisch heißt das: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fetter Fisch, Nüsse, Saaten und kaltgepresste pflanzliche Öle.
  • Mit einer gesunden, anti-entzündlichen Ernährung können Sie das Geschehen in Ihrem Körper selbst mit beeinflussen:
    • Sie können das Entzündungsgeschehen in Ihrem Körper mildern/nicht zusätzlich durch entzündungsfördernde Lebensmittel befeuern.
    • Sie versorgen Ihren Körper mit lebenswichtigen Mikronährstoffen.
    • Sie schützen sich präventiv vor Erkrankungen, die sich zusätzlich negativ auf die Schwangerschaft auswirken können.
    • Sie erreichen und halten nach der Schwangerschaft langfristig Ihr Normalgewicht.

Anpassungen im Lebensstil

Doch nicht nur die Ernährung und Mikronährstofftherapie trägt ihren Teil dazu bei, die Gesundheit zu fördern. Auch Lebensgewohnheiten und Lebenseinstellungen können einen Einfluss auf den Verlauf einer Schwangerschaft nehmen.

  • Sport stabilisiert das Immunsystem, gleicht das vegetative Nervensystem aus und aktiviert den Stoffwechsel und die Darmaktivität. So konnte regelmäßiger Sport nachweislich den Schwangerschaftsverlauf positiv beeinflussen.
  • Zeiten der Erholung und Entspannung können den positiven Verlauf der Schwangerschaft fördern, den Schlaf und das psychische Wohlbefinden. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Qi Gong haben darüber hinaus viele weitere positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit
  • Erholsamer Schlaf ist wichtig für die körperliche und psychische Regeneration.
  • Eine positive Lebenseinstellung und eine Haltung der Dankbarkeit das Wohlbefinden und trägt dazu bei, mit den Widrigkeiten des Lebens leichter fertig zu werden.