Ernährung in der Stillzeit: Darauf sollten Sie achten

Mikronährstoffe spielen beim Stillen eine wichtige Rolle. Die elementare Basis stillender Mütter sollte eine gesunde, ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung sein. Eine umfassende, tägliche Versorgung mit Mikronährstoffen ist die Grundlage zur Aufrechterhaltung sämtlicher Funktionen eines gesunden Organismus. In diesem Artikel wollen wir uns eingehender mit diesem Thema beschäftigen und Ihnen hilfreiche Tipps geben, wie Sie selbst die Initiative ergreifen können, um Körper und Psyche während der Stillzeit ganzheitlich zu stärken und Mangelerscheinungen zu verhindern.

 

Junge Frau stillt ihr Neugeborenes

Barbara Tayler Heilpraktikerin und Expertin für Alternativmedizin und Psychosomatik

Experte/Expertin:

Barbara Tayler

Heilpraktikerin und Expertin für Alternativmedizin und Psychosomatik

Letzte Aktualisierung: 1. Juni 2021

Mikronährstoffe in der Stillzeit

Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, sekundäre Pflanzenstoffe etc.) spielen während der Stillzeit eine bedeutende Rolle. Sie steuern die Produktion, Zusammensetzung und Ausschüttung der Muttermilch, regeln die Energieproduktion in den Zellen, sind wichtig für das Immunsystem und für die Rückbildung der Gebärmutter und die Regeneration des Körpers nach der Schwangerschaft.

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass sich der Beckenboden rascher regenerierte und die Hormonumstellung nach der Geburt wesentlich leichter und mit weniger Begleiterscheinungen einherging, wenn die stillende Mutter mit allen Mikronährstoffen ausreichend versorgt war. Auch die Milchbildung und Anpassung der Milchmenge an den wachsenden Säugling löste für die Mutter keine größeren Beschwerden wie Milchstau, Milchbildungsstörungen, große Müdigkeit oder Brustentzündungen aus.

 

Die Mikronährstoffe, die in der Muttermilch enthalten sind, müssen von der Mutter über eine gesunde Ernährung ausreichend aufgenommen werden. Sie sind einerseits für die Versorgung des Kindes von Bedeutung, andererseits muss die Stillende darauf achten, selbst keine Mangelerscheinungen zu entwickeln.

Gerade Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Silicium oder Zink sind im Körper in großen Mengen vorhanden und werden auch beim Säugling für ein gesundes Wachstum der Knochen, die Entwicklung der Muskulatur und zur Reizweiterleitung im Nervensystem benötigt. Auch für die Entwicklung des Immunsystems sind diese Mikronährstoffe erforderlich. Nimmt die Mutter nicht genug von diesen Mineralstoffen zu sich, bedient sich der mütterliche Organismus der eigenen Depots in Knochen, Zähnen und dem Haarboden, um die Muttermilch mit ausreichend Mikronährstoffen anzureichern. Die Folge sind zunächst Hautveränderungen, vermehrter Haarausfall, brüchige Nägel und Kariesanfälligkeit. Medizinische Studien belegen zudem, dass während einer Stilldauer von sechs Monaten die Knochendichte in der Wirbelsäule und der Hüfte um etwa 5% reduziert wird.

 

Vitamin D wird benötigt, um einerseits Calcium im Darm zu resorbieren und für den Knochenaufbau verwenden zu können. Somit kann bei der Mutter die verlorene Knochenmasse wieder eingelagert werden, beim Säugling ist ein gesundes und stabiles Knochenwachstum gewährleistet. Andererseits ist Vitamin D wichtig für das Immunsystem, für einen optimalen Stoffwechsel, für die Entgiftung über Leber und Nieren und die Bildung, Vernetzung und Gesunderhaltung der Nervenzellen und des Gehirns. Da in den Wintermonaten das Sonnenlicht oft nicht ausreicht, um ausreichend Vitamin D in der Haut zu bilden, sollte eine Substitution in Erwägung gezogen werden. Sprechen Sie Ihren Arzt oder einen Mikronährstofftherapeuten darauf an.

 

Die B-Vitamine haben großen Einfluss auf das Wachstum und die Zellteilung des Säuglings. Außerdem sind sie Bestandteil von Neurotransmittern, die die Reize im Nervensystem weiterleiten und auf die Muskeln übertragen. Auch an der Gehirnreifung und der Bildung neuer Nervenzellen und -verbindungen sind B-Vitamine beteiligt. Vitamin B1 und B2 sind u.a. Bestandteil wichtiger Enzyme im Stoffwechsel, um Fette, Proteine und Kohlenhydrate optimal aufspalten und verwerten zu können. Ein Mangel kann beim Kind z.B. zu Entwicklungs- und Wachstumsverzögerungen führen, bei der Mutter Entzündungsprozesse, Nervenreizungen oder Gedächtnisprobleme auslösen.

Aber auch Spurenelemente wie Jod, Eisen, Selen, Chrom, Mangan oder Kupfer sind für Mutter und Kind während der Stillzeit wichtig. Zwar kommen diese Mikronährstoffe nur in winzigen Mengen im Organismus vor, dennoch sind sie für beispielsweise die Blutbildung, den Energiestoffwechsel, die Knochenstabilität oder die Hormonproduktion von großer Bedeutung. Mangelerscheinungen an Spurenelementen können ebenso zu Entwicklungs- und Wachstumsverzögerungen beim Säugling wie auch zu Beschwerden bei der Mutter führen.

 

Da alle Mikronährstoffe erforderlich sind, damit der gestillte Säugling sich gesund entwickelt, aber auch die Mutter mit allen Mikronährstoffen optimal versorgt ist, sollten Stillende ein Mikronährstoffpräparat wählen, das aus natürlichen Quellen hergestellt wird. Es sollte nicht nur Vitamine und Mineralstoffe, sondern auch sekundäre Pflanzenstoffe und Omega 3-Fettsäuren enthalten.

Gerade letztere kann der Körper nicht selbst bilden, sie sind jedoch wichtig für die Bildung von Nervenzellen, für die gesunde Gehirnentwicklung und die Entwicklung der Sehfähigkeit. Der Großteil der Gehirnzellen wird in der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr gebildet! Außerdem wird die Entwicklung der Feinmotorik und der Sprache gefördert.

Bei der Mutter verhindert eine gute Versorgung mit Omega 3-Fettsäuren Entzündungen, wie beispielsweise eine Brustentzündung. Außerdem stärken die Fettsäuren ihre Nerven, unterstützen den Stoffwechsel und regulieren ihren Hormonhaushalt.




Experten-Tipp

Darauf sollten Sie achten

  • Ergänzen Sie Ihre Ernährung täglich mit Mikronährstoffen.
  • Achten Sie auf ein ganzheitliches Präparat, das neben allen essentiellen Vitaminen und Spurenelementen möglichst auch Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und sekundäre Pflanzenstoffe enthält.
  • Flüssige Mikronährstoffkonzentrate können vom Körper besser verwertet werden als Tabletten.
  • Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Mikronährstoffe kommen in der Natur niemals isoliert, sondern stets im Verbund mit unzähligen weiteren Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen vor. Am besten können Mikronährstoffe von der Zelle aufgenommen werden, wenn sie in ihrem natürlichen Verbund belassen werden, denn die einzelnen Vitalstoffe ergänzen und verstärken einander in ihrer Wirkkraft. Diese Synergieeffekte erhöhen zudem die Bioverfügbarkeit und führen somit zu einer verbesserten Zellfunktion, was sich spürbar positiv auf Ihre Vitalität und Ihren gesamten Organismus in der Stillzeit auswirkt.

 

In der modernen Mikronährstofftherapie wird daher heute für Stillende eine natürliche Mikronährstoffmischung empfohlen, die isolierten oder synthetisch hergestellten Mikronährstoffen überlegen ist.

Von vielen Fachleuten empfohlen werden flüssige Mikronährstoffkonzentrate  – diese können vom Körper besser aufgenommen werden als Tabletten oder Pulver, da durch die flüssige Form die Nährstoffe bereits über die Schleimhäute resorbiert werden. Zudem liefern sie alle Mikronährstoffe, die der Körper täglich benötigt (Hier finden Sie eine Checkliste zur Unterstützung bei der Produktauswahl).

 

Empfohlene Ernährung

  • Achten Sie darauf, sich anti-entzündlich und abwechslungsreich zu ernähren. Eine pro-entzündliche Ernährung ist oft Risikofaktor oder Auslöser bei zahlreichen Erkrankungen oder unangenehmen Begleiterscheinungen beim Stillen.
  • Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten.
  • Praktisch heißt das: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fetter Fisch, Nüsse, Saaten und kaltgepresste pflanzliche Öle.
  • Mit einer gesunden, anti-entzündlichen Ernährung können Sie die gesunde Entwicklung Ihres Babys sowie die Regeneration Ihres Körpers nach der Schwangerschaft selbst mitbeeinflussen:
    • Sie können Entzündungen in Ihrem Körper verhindern/ nicht zusätzlich durch entzündungsfördernde Lebensmittel befeuern.
    • Sie versorgen Ihren Körper und den Ihres Kindes mit lebenswichtigen Mikronährstoffen.
    • Sie schützen sich präventiv vor Mangelerscheinungen, vor Erschöpfung oder Folgeerscheinungen wie eine zu geringe Knochendichte, Beckenbodenschwäche oder Infektanfälligkeit, die mit einem Mikronährstoffmangel in der Stillzeit einhergehen können.
    • Sie erreichen und halten langfristig Ihr Normalgewicht wieder.
    • Sie schützen Ihr Baby vor einem wunden Po, Verdauungsproblemen und Schlafstörungen.
  • Essen Sie nicht mehr als sonst, denn der Kalorienbedarf ist nur unwesentlich erhöht. Achten Sie vielmehr darauf, eine ausgewogene, mikronährstoffreiche Mischkost zu sich zu nehmen.
  • Trinken Sie ausreichend stilles Wasser oder Kräutertees. Das Baby benötigt am Tag durchschnittlich 0,8 Liter Milch. Diese Flüssigkeitsmenge muss mindestens ausgeglichen werden.

Anpassungen im Lebensstil

Doch nicht nur die Ernährung und Mikronährstofftherapie tragen ihren Teil dazu bei, damit das Stillen klappt und Sie und Ihr Kind optimal versorgt sind. Auch Lebensgewohnheiten und Lebenseinstellungen haben einen wesentlichen Einfluss auf den Verlauf der Stillzeit und auf die Milchbildung.

  • Bewegung stabilisiert das Immunsystem, gleicht das vegetative Nervensystem aus und aktiviert den Stoffwechsel und die Darmaktivität. So kann regelmäßige Bewegung nachweislich sowohl die Infektanfälligkeit senken als auch Stress und Anspannung abbauen.
  • Zeiten der Erholung und Entspannung regen die Milchbildung an, können den Schlafmangel in der Nacht ausgleichen und fördern den Schlaf sowie das psychische Wohlbefinden. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Qi Gong haben darüber hinaus viele weitere positive Auswirkungen auf Ihre Gesundheit.
  • Erholsamer Schlaf ist wichtig für die körperliche und psychische Regeneration. Nutzen Sie die Zeit, wenn Ihr Baby schläft, um auch sich Ruhe zu gönnen und fehlenden Schlaf nachzuholen.
  • Nicht nur bei einer Erkrankung fördert eine positive Lebenseinstellung und eine Haltung der Dankbarkeit das Wohlbefinden und trägt dazu bei, mit den Widrigkeiten des Lebens leichter fertig zu werden. Auch in der Stillzeit hilft eine positive Denkweise mit dem Schlafmangel und der großen Umstellung für den Körper wie auch für Sie und Ihre Familie besser zurechtzukommen.
  • Verzicht auf Nikotin und Alkohol sollte in der Stillzeit selbstverständlich sein. Der Verzicht tut nicht nur Ihrem Baby gut und fördert seine gesunde Entwicklung, er verbessert auch die Durchblutung des Organismus sowie die Mikronährstoff- und Sauerstoffversorgung der Zellen.