Die wichtigsten Fakten
zur Krankheit Hyperthyreose

Holzklötze symbolisieren Bausteine für die Gesundheit

Corina Hajak Prakt. Ärztin, Expertin für integrative Medizin

Experte/Expertin:

Corina Hajak

Prakt. Ärztin, Expertin für integrative Medizin

Letzte Aktualisierung: 16. April 2021

Schilddrüsenüberfunktion – die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Schilddrüsenüberfunktion – was ist das?

Bei der Schilddrüsenüberfunktion werden zu viele Schilddrüsenhormone produziert. TSH ist durch die negative Rückkopplung verringert, und T3,T4 oder beide Hormone sind im Serum erhöht. Bei latenten Hyperthyreosen ist das TSH bereits erniedrigt, T3 und T4 jedoch noch im Normalbereich. Die häufigsten Ursachen für eine Hyperthyreose sind die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow, eine Autonomie der Schilddrüse oder eine falsche Einstellung mit Schilddrüsenmedikamenten. Vorkommen: Unter einer Schilddrüsenüberfunktion leidet ca. 1% der deutschen Bevölkerung, 80% der Erkrankten sind weiblich.

  • Ursachen & Risikofaktoren:

häufige Grunderkrankungen, die für eine Schilddrüsenüberfunktion verantwortlich sind (95%): Autoimmunerkrankung Morbus Basedow und Autonomie der Schilddrüse; Faktoren, die diese Erkrankungen begünstigen/auslösen, sind: chronischer Stress, Rauchen, Mikronährstoffmangel, Verschiebungen im Darm-Mikrobiom und auf Zellebene oxidativer Stress. Eine Überfunktion der Schilddrüse wird zu den Mitochondriopathien gezählt.

  • Symptome:

Leitsymptome: Herzklopfen, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen; Nervosität, Zittern, nervöse Unruhe, Unausgeglichenheit, Schlafstörungen; Empfindlichkeit auf Hitze, verstärktes Schwitzen, feuchte warme Haut; weitere Symptome: Gewichtsabnahme, Magen-Darm-Beschwerden, Schwäche, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Vergrößerung der Schilddrüse, brüchige Haare und Fingernägel, Störungen der Regelblutung, Unfruchtbarkeit; Morbus Basedow: Merseburger Trias mit erhöhter Herzfrequenz, Struma und hervortretenden Augen mit starrem Blick

  • Diagnose und Tests:

Anamnese und körperliche Untersuchung; Blutuntersuchung: TSH, fT4 und fT3 geben Auskunft über den Status der Schilddrüsenhormone; TSH normal = fast immer Ausschluss einer Hyperthyreose; TAK und TPO-AK bei Morbus Basedow; Sonografie: Größe, Form, Struktur und evtl. Knoten in der Schilddrüse können ermittelt werden; Szintigrafie: Funktionsstörungen der Schilddrüse können definiert werden in heiße und kalte Knoten; Feinnadelpunktion: gutartige können von bösartigen Strukturen unterschieden werden

  • Prognose und Verlauf:

frühzeitig erkannt und behandelt, können Betroffene mit Hyperthyreose ein weitgehend unbeschränktes Leben führen; selten kann es aufgrund von körperlichen Stresssituationen, jodhaltigem Kontrastmittel oder L-Thyroxin zur gefährlichen thyreotoxischen Krise kommen

  • Empfohlene Ernährung:

Eine anti-entzündliche, antioxidative Ernährung entspricht einer gesunden, vollwertigen Ernährung, die reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, fettem Fisch, Nüssen, Saaten und pflanzlichen Ölen ist. Bei Hyperthyreose sollten Sie auf eine basische Ernährung, auf ausreichende Eiweißzufuhr mit hochwertigen Proteinen, auf moderaten Konsum von Kaffee und Alkohol und eine normale Zufuhr an Jod (keine Algen und Seetangprodukte) und ausreichend Selen, Zink und Eisen über Nahrungsmittel besonders achten.

  • Therapie und Prävention: 
    • Mikronährstoffe

Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit allen Mikronährstoffen bei Schilddrüsenüberfunktion; besonders wichtig sind Jod, Selen, Vitamin D, Zink, Eisen und Coenzym Q10.

    • Lebensstil:
      • basische Lebensweise: anti-entzündlich, immunstärkend und harmonisierend;
      • Sport und Bewegung: bei latenter Hyperthyreose moderater Ausdauersport und Kraftsport
      • Reduzieren von Alkohol und Nikotin
      • Stressreduktion und Entspannungstechniken: Gestalten Sie Ihren Alltag um und nutzen Sie die positive Wirkung von Yoga, autogenem Training, Meditation oder einfachen Atemübungen
      • positive Lebenseinstellung
      • Schlaf und Schlafhygiene: Schlafbeschwerden sind häufig bei Menschen mit Hyperthyreose – beachten Sie einige Tipps zur Schlafhygiene, um erholsamen Schlaf zu fördern
    • Konventionelle Therapie:

Reduktion der Jodaufnahme; Behandlung mit Thyreostatika (und evtl. weiteren symptomatisch wirkenden Medikamenten); Radiojodtherapie: nuklearmedizinische Methode, um gezielt überaktives Schilddrüsengewebe zu zerstören; Schilddrüsenoperation: Teile der Schilddrüse oder das gesamte Organ werden entnommen

    • Ganzheitliche Therapie:
      • Heilpflanzen: Wolfstrapp wirkt direkt auf das hormonelle System; Zitronenmelisse, Salbei, Melisse, Lavendel und Hopfen wirken symptomatisch bei vegetativen Beschwerden und nervösen Unruhezuständen
      • Hydrotherapie: Wickel mit Quark, Kohl und Heilerde und kalte Waschungen wirken kühlend, entzündungshemmend und beruhigend
      • Darmsanierung: Erneuerung des Mikrobioms
      • Psychotherapie: psychosomatische Komponenten, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung einer Hyperthyreose beitragen, adressieren, bearbeiten und auflösen

Checkliste

Checkliste und Empfehlungen: Das können Sie selbst tun bei einer Schilddrüsenüberfunktion

  • Gut informiert sein: Informieren Sie sich und Ihre Angehörigen zu gut wie möglich über Ihre Erkrankung.
  • „Richtige“ Therapeuten: Der Draht zu Ihren Therapeuten (Ärzte, Ernährungsberater, Heilpraktiker…) muss stimmen. Die Beziehung zwischen Patienten und Therapeut muss auf Vertrauen und Sympathie aufbauen.
  • Mikronährstoffe: Achten Sie auf Ihren Mikronährstoffhaushalt. Nur wenn alle Mikronährstoffe ausreichend im Organismus vorhanden sind, können lebenswichtige Prozesse optimal ablaufen. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion stehen alle Mikronährstoffe im Fokus – eine Breitbandversorgung ist daher unerlässlich.  Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.
  • Ernährung: Versuchen Sie mehr anti-entzündliche und antioxidative Lebensmittel wie grüne Gemüse, Beeren und kaltgepresste hochwertige Öle in Ihren Speiseplan zu integrieren. Vermeiden Sie zu viele Kohlenhydrate, Kaffee, Alkohol und Algenprodukte mit sehr hohem Jodgehalt.
  • Entspannungstechnik: Erlernen Sie eine Entspannungstechnik, die Ihnen Freude bereitet und die Sie regelmäßig durchführen – in Gruppen mit Anleitung oder allein.
  • Pausen: Schalten Sie, so oft es geht, einen Gang runter: Bei Hyperthyreose läuft der Organismus auf Hochtouren – steuern Sie bewusst gegen das endlose Hamsterrad an, machen Sie aktiv Pausen und fragen sich öfter, was tatsächlich wichtig in diesem Moment ist.
  • Bewegung und frische Luft: Gehen Sie täglich in einem moderaten Tempo spazieren, tanken Sie frische Luft und Sonne und atmen Sie tief und regelmäßig.
  • Naturheilkunde: Äußere kühlende Anwendungen und Heilkräuter (z. B. Wolfstrappkraut, Zitronenmelisse, Baldrian und Melisse) können bei einer latenten Schilddrüsenüberfunktion Wirkung zeigen – lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Heilpraktiker beraten. Wichtig ist auch hier Kontinuität – nur regelmäßig können z. B. Wickel etwas bewirken.