Die wichtigsten Fakten
zur Krankheit Reizdarm-Syndrom

Holzklötze symbolisieren Bausteine für die Gesundheit

Melanie Wirtgen - Ökotrophologin, Expertin für Ernährungstherapie und Prävention

Experte/Expertin:

Dipl. oec. troph. Melanie Wirtgen

Ökotrophologin, Expertin für Ernährungstherapie und Prävention

Letzte Aktualisierung: 21. April 2021

Reizdarm-Syndrom – die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Reizdarm-Syndrom – was ist das?

Der Reizdarm ist eine funktionelle Darmerkrankung ohne erkennbare organische Ursache, die die Lebensqualität sehr stark einschränken kann.

  • Ursachen & Risikofaktoren:

Diskutiert werden als Ursachen und Risikofaktoren eine Fehlbesiedelung des Darms mit ungünstigen Keimen, eine Störung der Barrierefunktion des Darms, Entzündungen der Darmschleimhaut, eine fehlgeleitete Darmmuskulatur und ein empfindliches darmeigenes Nervensystem, zudem Ernährungs- und Lebensstilfaktoren sowie psychische Belastungen und Stress.

  • Symptome:

Stuhlgangveränderungen (Durchfall, Verstopfung, wechselnde Stuhlkonsistenz, Schleim im Stuhl etc.), Blähungen, Schmerzen, aufgetriebener Bauch, Völlegefühl und verschiedene zusätzliche Symptome.

  • Diagnose und Tests:

Der Reizdarm wird über eine sogenannte Ausschlussdiagnostik festgestellt. Alle für die Symptome in Frage kommenden Erkrankungen sollten medizinisch abgeklärt werden. Eine gute Anamnese und das Führen eines Symptomtagebuchs bringen wichtige Hinweise. Einen Test, mit dem ein Reizdarm zweifelsfrei feststellbar wäre, gibt es nicht.

  • Prognose und Verlauf:

So unterschiedlich die Ausprägung und die Symptome sein können, so verschieden ist auch der Verlauf eines Reizdarms. Fakt ist, dass die Symptome sehr einschränkend werden können, es aber kein erhöhtes Risiko für Darmkrebs oder andere schwerwiegende Erkrankungen gibt.  

  • Empfohlene Ernährung:

Eine anti-entzündliche Ernährung entspricht einer gesunden, vollwertigen Ernährung, die reich an Gemüse, Obst, Vollwertprodukten, fettem Fisch, Nüssen, Saaten und pflanzlichen Ölen ist. Eine darmgesunde Ernährung orientiert sich an den Beschwerden und zusätzlichen Unverträglichkeiten. Essen Sie so wenig einschränkend wie möglich, dafür abwechslungsreich sowie frisch und bekömmlich zubereitet.

  • Therapie und Prävention: 
    • Mikronährstoffe

Sie sind wichtige Unterstützer einer gesunden Darmschleimhaut, wirken antientzündlich, antioxidativ, und ihr Bedarf ist u. a. bei Stress erhöht. Wichtig sind vor allem:

      • Mineralstoffe: Zink, Selen, Magnesium, Eisen
      • die fettlöslichen Vitamine A, D, und E
      • die wasserlöslichen Vitamine C und B-Vitamine
      • weitere Antioxidantien und Omega-3-Fettsäuren
    • Ballaststoffe und Probiotika:

Verstopfung, Durchfall und Blähungen lassen sich mit löslichen Ballaststoffen und auf die Symptome abgestimmten Probiotika gut behandeln.

    • Spezielle Ernährungsformen und -diäten:

Antientzündliche Ernährung, angepasste Vollkost, Low-FODMAP-Diät, Darmsanierung, Heilfasten:

All diese Ernährungsformen und Diäten bringen Vorteile mit sich und können Symptome lindern. Manche sind jedoch nur als vorübergehende Diät oder zur Entlastung des Darms gedacht und nicht als Dauerernährung geeignet. Finden Sie eine gut umsetzbare und verträgliche Ernährung, die Sie dauerhaft beibehalten können.

    • Lebensstil:
      • Patientenschulung, Basispflege, und Erlernen von Entspannungstechniken, guter Schlaf
    • Konventionelle Therapie:
      • antiallergisch wirkende Medikamente, lokale Glucocorticoide
    • Ganzheitliche Therapie:
      • Darmsanierung, pflanzliche Medikamente/Salben, bewährte Hausmittel

Checkliste

Checkliste und Empfehlungen: Das können Sie selbst tun bei Reizdarm-Syndrom

  • Gut informiert sein: Informieren Sie sich und Ihre Angehörigen zu gut wie möglich über Ihre Erkrankung.
  • „Richtige“ Therapeuten: Der Draht zu Ihren Therapeuten (Ärzte, Ernährungsberater, Heilpraktiker…) muss stimmen. Die Beziehung zwischen Patienten und Therapeut muss auf Vertrauen und Sympathie aufbauen.
  • Mikronährstoffe: Achten Sie auf Ihren Mikronährstoffhaushalt. Nur wenn alle Mikronährstoffe ausreichend im Organismus vorhanden sind, können lebenswichtige Prozesse optimal ablaufen. Bei Reizdarm stehen alle Mikronährstoffe im Fokus – eine Breitbandversorgung ist daher unerlässlich. Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.
  • Ausprobieren: Finden Sie die für Sie richtige Therapie – Reizdarmbeschwerden sind sehr individuell.
  • Ernährung: Sorgen Sie für eine ausgewogene, antientzündliche und für Sie verträgliche Ernährung.
  • Ganzheitliche Behandlung: Unterstützen können Sie Ihre Darmgesundheit durch Heilpflanzen, Probiotika, Ballaststoffe und Heilerde.
  • Gesunder Lebensstil: Bleiben Sie in Bewegung, sorgen Sie für Entspannung und einen guten Schlaf, erlernen Sie Stressbewältigungsstrategien.
  • Medikamente: Greifen Sie nur selten zu Medikamenten und immer in Absprache mit Ihrem Arzt – sie sind keine Dauerlösung.
  • Psychotherapie: Holen Sie sich Hilfe, wenn Ihre Psyche bei Reizdarm leidet oder psychische Probleme ihre Beschwerden verschlechtern.