Gicht & Gichtanfall – Ursachen, Ernährung und ganzheitliche Therapie

Meist beginnt Gicht mit einem anfallsartigen, heftigen, anhaltenden Schmerz aus heiterem Himmel. Das Grundgelenk einer Großzehe ist häufig als erstes betroffen. Selbst sanfter Druck kann bereits unerträgliche Schmerzen auslösen. Die Ursache eines solchen Gichtanfalls sind Ablagerungen von Harnsäurekristallen im Gelenk aufgrund eines chronisch erhöhten Harnsäurespiegels, der lange Zeit unbemerkt bleiben kann. Da die Gicht zu den Zivilisationskrankheiten zählt und meist mit ungesunden Ernährungsgewohnheiten in Zusammenhang steht, ist sie mit Veränderungen im Lebensstil sowie im Speiseplan gut behandelbar. Erfahren Sie im folgenden Artikel, wodurch die Erkrankung entsteht, und was Sie selbst alles dazu beitragen können, um ein Fortschreiten zu verhindern und weitere Gichtanfälle zu vermeiden.

Experte/Expertin:

Barbara Tayler

Heilpraktikerin und Expertin für Alternativmedizin und Psychosomatik

Letzte Aktualisierung: 17. März 2021

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Fakten in der Übersicht

  • Gicht – was ist das? Gicht ist eine Purinstoffwechselerkrankung, die mit einem erhöhten Harnsäurespiegel im Blut einhergeht und anfallsweise auftritt. Die Harnsäurekristalle lagern sich in Gelenken und Geweben ab und verursachen dort Schmerzen und Entzündungen
  • Ursachen & Risikofaktoren: Fehlernährung, meist eiweiß- und purinlastig, chronische Übersäuerung, übermäßiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, strenge Diäten, (Hoch-) Leistungssport, Nierenerkrankungen, Medikamente
  • Symptome:
    • akuter Gichtanfall: plötzliche, starke Schmerzen in einem Gelenk, meist Großzehengrundgelenk, mit Schwellung, Rötung und Berührungsempfindlichkeit, evtl. Fieber
    • chronische Gicht: abwechselnd symptomlose und entzündliche Phasen, Bildung von Gichttophi, zunehmende Gelenkschmerzen und -veränderungen
  • Diagnose und Tests: Anamnese, körperliche Untersuchung, Laborwerte, Röntgen
  • Prognose und Verlauf: unbehandelt Gefahr des chronischen Verlaufs mit Gelenkdeformation, Potenzstörungen, Nierensteine, Nierenerkrankungen bis hin zum Nierenversagen, Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall
  • Empfohlene Ernährung: Eine anti-entzündliche Ernährung entspricht einer gesunden, vollwertigen Ernährung, die reich an Gemüse, Obst, Vollwertprodukten, fettem Fisch, Nüssen, Saaten und pflanzlichen Ölen ist. Bei Gicht ist der Verzicht auf Alkohol, Fleisch und Innereien und fructosehaltige Produkte dringend angeraten.
  • Therapie und Prävention: 
    • Mikronährstoffe: Vitamin B, C, D, E, Magnesium, Zink, Omega 3-Fettsäuren, sekundäre Pflanzenstoffe, z. B. in Sauerkirschextrakt
    • Lebensstil: Stressreduktion, Abbau von Übergewicht, mäßiger Sport und Bewegung, Erhöhung der Trinkmenge
    • Konventionelle Therapie: schmerz- und entzündungshemmende Arzneimittel wie Cortison, Diclofenac, Ibuprofen; Medikamente mit Wirkstoffen, die die Harnsäureproduktion hemmen oder die Ausscheidung fördern (Allopurinol, Benzbromaron); Änderungen in Lebensstil und Ernährung (purinarme Kost, Alkoholverzicht)
    • Ganzheitliche Therapie: Heilpflanzen, die die Nierentätigkeit anregen und die Harnsäureausscheidung fördern (z. B. Brennnessel, Birke, grüner Hafer, Schwarzpappel, Chanca Piedra, Goldrute, Clerodendranthus spicatus), Bindung und Ausleitung der Harnsäure mit Bentonit, Entsäuerung & Entgiftung, Homöopathie
  • Checkliste und Empfehlungen bei Gicht: Das können Sie selbst tun.

Was ist Gicht?

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Gicht in der Übersicht

  • anfallsweise, entzündliche und schmerzhafte Erkrankung des Purinstoffwechsels
  • dauerhaft erhöhter Harnsäurespiegel mit Ablagerung von Harnsäurekristallen in Gelenken und Geweben
  • Zivilisationskrankheit in den Industriestaaten aufgrund Fehlernährung und schädlichem Lebensstil, möglich auch als Begleiterkrankung
  • überwiegend Männer betroffen, Frauen meist erst nach den Wechseljahren

Gicht, in der Fachsprache Arthritis urica oder Urikopathie genannt, ist eine Erkrankung des Purinstoffwechsels, die meist anfallsartig auftritt. Bei der Labordiagnostik findet man eine deutlich erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut.

Harnsäure ist das Endprodukt im Purinstoffwechsel und wird zu 80% über die Nieren ausgeschieden, der Rest über den Darm. Infolge des hohen Harnsäurespiegels lagern sich in den Gelenken, Schleimbeuteln und Sehnen sowie in der Haut und im Ohrknorpel spitze Harnsäurekristalle (Urat-Kristalle) ab, die sehr schmerzhafte Entzündungen, vor allem in den Gelenken, verursachen können. Die Folge sind dauerhafte Gelenkschäden.

Allerdings können sich die Urat-Kristalle auch zunächst völlig schmerzfrei in den Nieren ablagern, ihre Filtrationsleistung beeinträchtigen und das Organ zunehmend schädigen. Diese Schädigung führt langfristig zur (dialysepfichtigen) Niereninsuffizienz bis hin zum Nierenversagen.

Hinweis

Purine

Purine sind für den Aufbau neuer Zellen und der Erbsubstanz erforderlich. Beim Abbau alter Zellen oder bei der Verdauung der Nahrung entsteht als Stoffwechselendprodukt Harnsäure.

Besonders purinreiche Nahrungsmittel sind Fleisch- und Wurstprodukte, Meerestiere, Innereien und Hefe. Bei den pflanzlichen Nahrungsquellen sind Purine vor allem in Hülsenfrüchten (Bohnen, Linsen, Soja), Spargel und Kohl enthalten, jedoch ist deren Auswirkung auf den Körper – vermutlich aufgrund des hohen Mikronährstoffgehalts – weniger negativ als bei tierischen Produkten.1

Gicht zählt zu den sogenannten Wohlstandskrankheiten. Das bedeutet, dass sie in Industrieländern wesentlich weiter verbreitet ist als in Ländern, die zu den weniger entwickelten Staaten zählen und ein niedriges Bruttonationaleinkommen erzielen. Faktoren, die die Entstehung der Gicht begünstigen, sind unter anderem Überernährung, übermäßiger Fleischverzehr, Alkoholkonsum, Übergewicht sowie Bewegungsmangel.

 

 

Vorkommen und Auftreten

Die Gicht zählt in den Industriestaaten zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen neben Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen.

In der Gesamtbevölkerung sind etwa 2% von der Gicht betroffen. Der Anteil der Männer liegt mit 3% von der gesamten männlichen Bevölkerung höher als bei Frauen, bei denen bei weniger als 1% Gicht diagnostiziert wird. Bei Kindern kommt die juvenile Gicht äußerst selten vor.

Der Erkrankungsgipfel liegt bei etwa 40-60 Jahren bei Männern. Bei Frauen tritt die Gicht meist erst 20 Jahre nach den Wechseljahren auf, da das weibliche Sexualhormon Östrogen die Harnsäureausscheidung über die Nieren erhöht.

Ein zu hoher Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) kann jedoch bei 20-25% der Bevölkerung unabhängig vom Alter gemessen werden. Die Ursache liegt in der Ernährung, wie beispielsweise einer purinreichen, eiweiß- und fleischlastigen Kost, und dem Lebensstil (z. B. erhöhter Alkoholkonsum, Bewegungsmangel). Da die vermehrte Harnsäure im Blut anfangs keine Symptome auslöst, jedoch stille Entzündungen (silent inflammation) provoziert, können sich chronische Erkrankungen wie die Gicht und damit verbundene Schäden in Gelenken und Organen schleichend entwickeln.

Hinweis

Gicht – die Krankheit der Könige

Noch im 19. Jahrhundert galt Gicht als die Krankheit der Könige. Doch natürlich erkrankten nicht nur Könige in früheren Jahrhunderten an Gicht, sondern auch andere wohlhabende Menschen, Reiche und Privilegierte, die sich auch durch ihre Ernährung und ihre mangelnde Bewegung vom Gros der Bevölkerung abhoben. Hinzu kamen besondere Berufsgruppen wie Metzger und Gastwirte, die unter Gicht litten. Heute kann sich ein Großteil der Bevölkerung Nahrungsmittel wie Fleisch und Fisch leisten, wenn auch die Qualitäts- und Preisunterschiede sehr hoch sind. Sie begünstigen die Erkrankung, weshalb Gicht inzwischen weit verbreitet ist und zu den klassischen Zivilisationskrankheiten zählt.

Differenzierung

Man unterscheidet die juvenile Gicht sowie die primäre und sekundäre Gicht.

Die juvenile Gicht betrifft Kinder und Jugendliche und kommt als alleinige Krankheit sehr selten vor. In diesem Fall liegen ein angeborener Gendefekt (Lesch-Nyhan-Syndrom) oder massive Ernährungsstörungen vor. Meist geht die juvenile Gicht einher mit anderen schweren Erkrankungen wie chronischen Nierenerkrankungen, einer Überfunktion der Nebenschilddrüse, Leukämie oder anderen Bluterkrankungen.2

Die primäre Gicht ist die häufigste Form in den Industriestaaten. Sie tritt aufgrund einer genetischen Vorbelastung oder aufgrund von gesundheitsschädigenden Ernährungs- und Lebensgewohnheiten auf.

Die sekundäre Gicht ist eine erworbene Störung und steht in Zusammenhang mit Vorerkrankungen, erhöhtem Zelluntergang und der regelmäßigen Einnahme bestimmter Medikamente, die den Harnsäurespiegel im Blut erhöhen.

Auslöser einer sekundären Gicht sind z. B. Nierenerkrankungen, die Einnahme von Zytostatika (Chemotherapie), Strahlentherapie, unzureichend eingestellter Diabetes mellitus und Bluterkrankungen.

 

 

Vererbung

Da die Gicht als Wohlstandskrankheit gilt und in engem Zusammenhang mit unseren Ernährungsgewohnheiten und unserem Lebensstil steht, ist sie keine klassische Erbkrankheit.

Wissenschaftler haben jedoch beobachtet, dass die Neigung zu dieser Krankheit familiär gehäuft auftritt. Jedoch muss das Zusammenspiel zwischen der Veranlagung zur Gicht und umwelt- und lebensstilbedingter Faktoren berücksichtigt werden, damit es zum tatsächlichen Ausbruch der Krankheit kommt.3

In dem Zusammenhang kommen die Erkenntnisse der Epigenetik ins Spiel. Dieser Wissenschaftszweig erforscht die Zusammenhänge der Fähigkeit des Organismus, bestimmte Gene an- und wieder abschalten zu können, und warum nicht bei allen Menschen im Laufe ihres Lebens bestimmte Krankheiten ausbrechen,

Ausflug in die Wissenschaft

Epigenetik

  • Bis zur Entdeckung der Epigenetik ging man davon aus, dass unsere Gene unveränderbar sind und somit Persönlichkeitsmerkmale oder die Veranlagung für bestimmte Krankheiten oder Neigungen von Geburt an feststehen.
  • Die Epigenetikbeschäftigt sich mit der Frage, inwieweit das uns vererbte Genmaterial durch äußere Einflüsse wie Ernährung, Lebensstil, Stress, Umweltgift und Lebenseinstellung veränderbar ist und Gensequenzen schwächer oder stärker abgelesen bzw. ein- oder ausgeschaltet werden können (Methylierung).
  • Erkenntnisse zeigen, dass wir zwar einerseits durch negative Einflüsse Schäden und Veränderungen an unserer DNA verursachen können, die über Generationen weitervererbt werden, anderseits jedoch auf die gleiche Weise geschädigte DNA-Sequenzen positiv beeinflussen können, deren Ausprägung wir bislang für unveränderbar gehalten haben.
  • Eine ausgewogene Ernährung, eine umfassende Versorgung mit den lebenswichtigen Mikronährstoffen, positive Gedanken und eine optimistische Lebenseinstellung sowie die Vermeidung von Schadstoffen, Elektrosmog, Chemikalien und Stress sind nach den Erkenntnissen der Epigenetik somit elementar für Gesundheit und Vitalität.
  • Hoffnung besteht, dass mit Hilfe der Forschungsergebnisse zur Epigenetik in der Zukunft auch derzeit als unheilbar betrachtete Erkrankungen heilbar sein werden.

Ursachen und Risikofaktoren

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Ursachen und Risikofaktoren in der Übersicht

  • purinhaltige Ernährung, kohlenhydratreiche, fettreiche Kost
  • fructosehaltige Nahrungsmittel wie Softdrinks, Fruchtjoghurts, Fruchteis, Multivitaminsäfte, Desserts
  • strenge Diäten, bei denen rasch Gewicht abgebaut wird und Muskelmasse verloren geht
  • Mikronährstoffmangel
  • Stress
  • chronische Übersäuerung (Azidose)
  • körperliche Überanstrengung, (Hoch-)Leistungssport
  • übermäßiger Alkoholkonsum, vor allem Bier
  • Medikamente wie harntreibende Mittel (Diuretika), regelmäßiger Gebrauch von Abführmitteln
  • Vorerkrankungen wie Niereninsuffizienz oder Nierenfunktionsstörungen, Tumorerkrankungen, Leukämie, Diabetes insipidus, Hormonstörungen
  • Chemotherapie und Strahlentherapie
  • Östrogenmangel

Bei den meisten Gichtkranken ist eine Funktionsstörung der Niere entweder angeboren, oder eiweißlastige und purinreiche Ernährung sowie ein ungesunder Lebensstil lösen einen Gichtanfall im Laufe des Lebens aus. Der damit einhergehende erhöhte Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) ist verantwortlich für die Bildung von Harnsäurekristallen, die in Gelenken, Bindegewebe und Nieren abgelagert werden. Meist wirken mehrere Ursachen zusammen, die das Gichtrisiko erhöhen.

Entscheidend ist, dass im Körper zu viel Harnsäure hergestellt wird und über die Nieren nicht mehr in ausreichender Menge ausgeschieden werden kann.

 

Der Harnsäurespiegel steigt folglich,

  • wenn die Nahrung zu viele Purine enthält oder
  • wenn die Nieren zu wenig Harnsäure ausscheiden.

 

Harnsäure entsteht u. a. beim Abbau von Purinen aus der Nahrung. Einige Nahrungsmittel haben einen besonders hohen Puringehalt und gehen mit einer erhöhten Harnsäureproduktion einher. Dazu gehören Innereien, Fleisch, Wurst, bestimmte Fischarten, Hefe und einige Gemüsesorten wie Kohl oder Spargel.

Auch Fruktose und Nahrungsfette verursachen einen erhöhten Harnsäurespiegel, da sie die Ausscheidung über die Nieren hemmen.

In einer Langzeitstudie wurde beobachtet, dass der regelmäßige Alkoholkonsum das Gichtrisiko stark erhöht. Der Bierkonsum birgt im Vergleich zu anderen Spirituosen das höchste Risiko, an Gicht zu erkranken.4

Alkohol begünstigt, ähnlich wie ein Übermaß an Fructose oder Nahrungsfette, einen Gichtanfall, da auch er die Harnsäureausscheidung über die Nieren beeinträchtigt.

Bier, unabhängig vom Alkoholgehalt, enthält pro 100 ml zwar nur 10-15 mg Purine. Allerdings wird Bier meist in größeren Mengen getrunken, wodurch der Purinspiegel rasch ansteigt, zumal der Biergenuss oft mit einer üppigen Mahlzeit einhergeht.

 

Bei Fructose gilt: Nicht der Obstverzehr ist die hauptsächliche Quelle für Fructose – Obst enthält eine Vielzahl an Mikronährstoffen, die Fructose kommt hier in ihrem natürlichen Verbund vor und wird anders verstoffwechselt. Problematisch ist die isolierte Fructose (z. B. Glucose-Fructose-Sirup), die als „natürliches Süßungsmittel“ vermarktet und Softdrinks, Fruchtjoghurts und -desserts, Süßigkeiten oder Multivitaminsäften zugesetzt wird.

 

Weitere Ursachen für die Entstehung der Gicht bzw. die Auslösung eines Gichtanfalls sind:

  • strenge Diäten/ Fastenkuren: Der rasche Gewichtsabbau und Verlust von Muskelmasse führt zu vermehrtem Untergang körpereigener Zellen, wodurch Purine frei werden und der Harnsäurespiegel in Folge ansteigt. Außerdem werden körpereigene Proteinspeicher genutzt, um die fehlende Energie aufgrund des Fastens auszugleichen. Dadurch entstehen in kurzer Zeit große Mengen an Harnsäure, die die Niere nicht ausscheiden kann.
  • Übergewicht und Bewegungsmangel: Adipositas geht meist mit einem ungesunden Lebensstil und Fehlernährung einher. Das Übergewicht belastet Muskeln, Gelenke und Organe erheblich und begünstigt die Entstehung jeglicher Art von Funktionsstörungen und chronischen Erkrankungen.
  • Körperliche Überanstrengung/ Hochleistungssport: Die dabei vermehrt gebildete Milchsäure wird über die Niere ausgeschieden und stört gleichzeitig die Harnsäureausscheidung.
  • Harntreibende Medikamente/ Abführmittel: Sie senken die Flüssigkeitsmenge im Körper, führen zu einer Blutverdickung und somit einer erhöhten Harnsäurekonzentration. Außerdem werden wichtige Mikronährstoffe ausgeschieden.
  • Mikronährstoffmangel/ oxidativer Stress: Eine Fehlernährung und andauernder Stress führen zu einer verminderten Aufnahme von lebenswichtigen Mikronährstoffen und einer Übersäuerung des Organismus. Zeitgleich kommt es zu einem erhöhten Mikronährstoffverbrauch, um die Stoffwechselgifte zu binden und auszuscheiden. Fehlende Antioxidantien begünstigen Entzündungsprozesse und Zellschädigung.
  • Kälte/ Unterkühlung: Kälte fördert die Bildung von Harnsäurekristallen, da das Gewebe weniger gut durchblutet und damit die Harnsäureausscheidung verringert wird. Insbesondere Gelenke, die ohnehin nicht von Blutgefäßen durchzogen sind, reagieren zuerst auf Unterkühlung.
  • Medikamente/ Zytostatika: Bestimmte Medikamente stören die Harnsäureausscheidung oder beeinträchtigen die Nierenfunktion. Zytostatika (z. B. Chemotherapeutika) und Strahlentherapie lösen einen hohen Zellverfall aus, wodurch körpereigene Purine freigesetzt werden und die Harnsäurekonzentration im Blut steigt.
  • Östrogenmangel: Das weibliche Sexualhormon fördert die Harnsäureausscheidung. Nach den Wechseljahren oder bei erheblichen Hormonstörungen erhöht sich das Gichtrisiko, wenn weitere Risikofaktoren hinzukommen.
  • Vorerkrankungen: Bluterkrankungen wie Leukämie oder andere Erkrankungen, die mit einem hohen Blutzellsterben einhergehen, Tumorerkrankungen, Nierenfunktionsstörungen, Niereninsuffizienz, Diabetes insipidus (Wasserharnruhr), Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) etc. erhöhen das Risiko einer sekundären Gicht erheblich.

 

 

Gichtanfall

Lange Zeit kann eine Gicht symptomlos verlaufen, ein zu hoher Harnsäurespiegel macht anfangs keine Beschwerden.

Wenn die Harnsäurewerte jedoch eine bestimmte Grenze (über 6,5 mg/dl) übersteigen, werden vermehrt Harnsäurekristalle gebildet und in den Gelenken und Geweben abgelagert. Diese spitzen Kristalle verursachen Schmerzen in den Gelenken sowie Entzündungen.

Meist beginnt die Erkrankung im Grundgelenk einer Großzehe. Generell können alle Gelenke von einem Gichtanfall betroffen sein oder im Laufe der Zeit weitere Gelenke hinzukommen.

 

Der erste Gichtanfall wird häufig in der (Vor-)Weihnachtszeit, an Fasching oder im Rahmen einer großen Feierlichkeit beobachtet. Der Grund ist, dass meist mehrere Faktoren zusammenkommen, die die latente Gicht dann zum Ausbruch bringen, wie z. B. fleischlastige Festessen, Softdrinks, hoher Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und Kälte.

Symptome der Gicht und eines akuten Gichtanfalls

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Symptome in der Übersicht

  • lange Zeit scheinbar symptomloser, erhöhter Harnsäurespiegel
  • akuter Gichtanfall: plötzlich extreme Schmerzen, Schwellung und Rötung eines Gelenks – meist Großzehengrundgelenk, evtl. einhergehend mit Fieber
  • chronische Gicht: zunehmende Gelenkdeformierungen, knotenartige Ablagerungen der Uratkristalle in Gelenken, Weichteilen und Bindegewebe, Nierensteine und Nierenentzündungen

Lange Zeit bleibt die latente Gicht scheinbar symptomlos. Der hohe Harnsäurespiegel verursacht die „silent inflammation“ (unbemerkte Entzündungen) in verschiedenen Teilen unseres Organismus.

Die Harnsäurekristalle, die sich im Bindegewebe und in den Gelenken ablagern, können ggf. leichte Schmerzen oder Durchblutungsstörungen verursachen.

 

Symptome eines akuten Gichtanfalls

Grundsätzlich lassen sich die Symptome von akuten Gichtanfällen und chronischer Gicht unterscheiden. Direkter Auslöser einer Gichtattacke kann eine vorangegangene üppige Mahlzeit mit Fleisch, Innereien oder Wurst, fructosehaltigen Desserts und Softdrinks sowie Bier im Übermaß sein. Akute Gichtanfälle treten deshalb vermehrt nach Feiertagen auf.

Ein akuter Gichtanfall zeigt sich mit plötzlichen, extremen Schmerzen, Schwellungen und Rötungen eines Gelenks. Häufig betroffen sind das Großzehengrundgelenk, seltener das Sprunggelenk oder das Kniegelenk.

Es ist berührungsempfindlich und überwärmt, selbst das Gewicht der Bettdecke kann unerträglich sein. Innerhalb weniger Stunden kann der Patient zu frösteln beginnen und Fieber entwickeln. Grundsätzlich kann jedoch jedes andere Gelenk ebenso betroffen sein.

 

Dauer eines akuten Gichtanfalls

Auch ohne Behandlung verschwinden die Symptome wieder – allerdings kann dies bis zu zwei Wochen dauern. Ein Gang zum Arzt ist zu empfehlen, um andere Ursachen auszuschließen.

Im weiteren Verlauf wechseln sich. wenn unbehandelt, Schübe akuter Gichtanfälle mit symptomfreien Phasen ab.

 

Symptome chronischer Gicht (Arthritis urica)

Wiederholen sich akute Gichtanfälle und bleibt die Erkrankung unbehandelt, was heutzutage eher selten der Fall ist, ist es wahrscheinlich, dass die Erkrankung in einem Zeitraum von 5-15 Jahren chronisch wird.

Die Ablagerungen von Urat-Kristallen in den Gelenken nehmen zu, es entstehen sogenannte gelenknahe Stanzdefekte der Gelenkschleimhaut, wodurch Entzündungen und Schmerzen entstehen. Die Gelenke werden in der Folge immer mehr zerstört und deformiert.

Die Ablagerung der Harnsäurekristalle in Weichteilen und Knochen sind als erbsen- bis walnussgroße Knoten (Gichttophi) sichtbar. Vor allem bilden sie sich an den Fingern, Zehen, Ellbogengelenken und entlang der Ohrmuschel.

Zudem erhöht sich die Belastung für die Nieren. Nierensteine können gehäuft auftreten, die Ablagerungen der Uratkristalle können Nierenentzündungen auslösen.

Die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität der Betroffenen sinken zunehmend.

Diagnose und Tests bei Gicht

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Diagnose in der Übersicht

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Die Diagnose kann aufgrund der meist eindeutigen Symptome bei einem akuten Gichtanfall rasch gestellt werden.
  • sichtbare Gichttophi an Gelenken, Ohrmuschel, Händen und Füßen
  • Blutwerte: erhöhter Harnsäurewert, BSG erhöht, Leukozyten erhöht
  • Röntgen der Gelenke: Nachweis von Gelenkveränderungen bzw. Uratsteinen in den Harnwegen

Anamnese und körperliche Untersuchung

Bei einem akuten Gichtanfall sind die Symptomatik und der körperliche Befund meist so eindeutig, dass die Diagnose auch ohne weitergehende Untersuchungen von einem Allgemeinmediziner gestellt werden kann.

Die Beschwerden mit heftigen Schmerzen, Entzündung, Schwellung und Rötung eines Gelenks entwickeln sich rasch, innerhalb von 2 Stunden, und klingen innerhalb von etwa 2 Wochen wieder ab.

Die Anamnese ergibt meist, dass der Patient in der letzten Zeit oder am Tag vor dem Gichtanfall besonders üppige purinreiche Speisen zu sich genommen und häufig auch Alkohol (Bier, Schnaps) getrunken hat.

Bei der körperlichen Untersuchung sind – im fortgeschrittenen Stadium – sichtbare Gichttophi, schmerzfreie kleine kugelige Ablagerungen von Harnsäure unter der Haut, erkennbar. Sie sind ein Hinweis darauf, dass der Patient bereits länger mit einem erhöhten Harnsäurewert lebt und die Gichterkrankung nicht oder nicht ausreichend behandelt wurde. Gichtknoten können überall auftreten, sie bilden sich jedoch in der Regel in kühleren, schlecht durchbluteten Körperregionen, da dort die Harnsäure leichter auskristallisiert. Typische Stellen sind im Bereich der Gelenke, an den Händen und Füßen und entlang der Ohrmuschel.

 

 

Blutwerte

Bei den Blutwerten ergibt sich meist folgender Befund:

  • Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG): deutlich mehr als 20 mm
  • Harnsäure im Blut (Hyperurikämie): mehr als 6,5 mg/ dl
  • Weiße Blutkörperchen (Leukozyten): über 10.000 Zellen/ µl

 

Wichtig: Der Harnsäurewert kann jedoch in den ersten Tagen nach einem Gichtanfall unauffällig sein, da sich die Harnsäure in den Gelenken abgelagert hat. Erst nach einigen Tagen steigt der Harnsäurewert im Blut nachweisbar wieder an.

Darüber hinaus ist es sinnvoll, die Nierenwerte wie Kreatinin und Harnstoff zu bestimmen, da Gicht oft mit einer (angeborenen) Nierenschwäche einhergeht.

Die Kreatinin-Clearance eignet sich zur Frühdiagnose von Nierenerkrankungen und zeigt an, wieviel Kreatinin die Nieren innerhalb von 24 Stunden aus dem Blut herausfiltern können.

 

Die Untersuchung der Gelenkflüssigkeit mittels einer Gelenkpunktion weist die Harnsäurekristalle nach.

Nach einem akuten Gichtanfall wie auch in den symptomfreien Intervallen gehört die Bestimmung des Harnsäurespiegels im Blut zur Diagnostik. Ist er stark erhöht, ist eine chronische Gichterkrankung wahrscheinlich. Bei einem Harnsäurewert von mehr als 9 mg/dl erleidet nahezu jeder Patient einen Gichtanfall.

Da der Harnsäurespiegel zum Zeitpunkt des Gichtanfalls bereits wieder auf einen normalen Wert gesunken sein kann, wie oben beschrieben, wird der Wert mehrfach auch während der symptomfreien Intervalle bestimmt. Ist der Harnsäurespiegel bei keiner Probe erhöht, kann man chronische Gicht ausschließen.

 

 

Bildgebende Verfahren

Chronische Gicht lässt sich mit Röntgenbildern bestätigen, die den Gelenkschwund und die Zerstörung des Knochens zeigen. Auch ein Röntgenbild der Harnwege kann die Diagnose stützen, etwa wenn Urat-Steine zu erkennen sind.

Selten wird die Gelenkpunktion zum Nachweis von Urat-Kristallen in der Gelenkflüssigkeit angewandt.

Darüber hinaus müssen die Nieren untersucht werden, um eine (latente) Nierenerkrankung, Nierensteine oder bereits bestehende Organschädigungen (Gichtniere) nachzuweisen.

 

Differenzialdiagnostisch sollten bei unklarem Befund andere entzündliche Gelenkerkrankungen oder bakterielle Ursachen ausgeschlossen werden. Auch z. B. ein Erysipel (Wundrose), Sportverletzungen, rheumatoide Arthritis, Psoriasis, ein entzündeter Hallux valgus (Überbein) oder Borreliose können Gelenkentzündungen verursachen.

Die Pseudogicht (Chondrokalzinose) zeigt ein ähnliches Beschwerdebild wie die „echte“ Gicht. Oft ist ein einzelnes der großen Gelenke wie das Schulter-, Ellbogen-, Hüft- oder Sprunggelenk betroffen und reagiert mit Entzündung und Schwellung. In den meisten Fällen ist es das Kniegelenk, das die Beschwerden aufweist. Im Gegensatz zur Hyperurikämie (erhöhter Harnsäurespiegel) kommt es hier zur Ablagerung von Kalziumkristallen im Gelenkknorpel.

 

Krankheitsverlauf und Prognose

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Krankheitsverlauf in der Übersicht

  • aufgrund meist eindeutiger Symptomatik eher selten schwerer, chronischer Verlauf
  • Verlauf in vier Stadien
  • Häufige Begleiterkrankungen bei unbehandelter Gicht:
    • Potenzstörungen
    • Bluthochdruck
    • Gelenkentzündungen, Gelenkdeformation, Gelenkzerstörung
    • Herzinfarkt, Schlaganfall
    • silent inflammation (im gesamten Organismus)
    • (bakterielle) Nierenbeckenentzündung
    • Gichtniere, die zunehmend an Leistungsfähigkeit verliert bis hin zum Nierenversagen

Aufgrund der eindeutigen Symptomatik und entsprechender Behandlung kommt es eher selten zu einem chronischen Verlauf der Gicht.

Unbehandelt kann der hohe Harnsäurespiegel jedoch, je nach Lebens- und Ernährungsgewohnheiten und bereits bestehender Schädigung der Niere, zu erheblichen Schädigungen der Gelenke und insbesondere der Niere führen. Außerdem entwickeln sich weitere Begleiterkrankungen.

Man unterscheidet vier Stadien der Gicht:

StadiumSymptomatik
Ierhöhte Harnsäurewerte ohne offensichtlich krankhafte Symptome, meist über Jahre hinweg
IIerster akuter Gichtanfall mit entsprechend starker Symptomatik; unbehandelt klingt die Entzündung nach Tagen bis ca. 2 Wochen ab
IIIsymptomfreies Intervall über Wochen bis Jahre, individueller Verlauf
IVchronischer Verlauf; zunehmende Schädigung von Gelenken, Bindegewebe und Nieren; Bildung von Gichttophi entlang der Ohrmuschel, an Händen, Füßen und Gelenken; Gichtanfälle dauern zunehmend länger

Der hohe Harnsäuregehalt führt einerseits zu Schädigungen in den Blutgefäßen, was die Ursache für Durchblutungsstörungen, Ablagerungen an der Gefäßwand und die Bildung von Thromben sein kann. Folgen sind Blutdruckanstieg, Potenzstörungen (erektile Dysfunktion), Erhöhung des Schlaganfall- und Herzinfarktrisikos.

 

Andererseits können sich stille Entzündungsprozesse (silent inflammation) entwickeln, z. B. in der Niere, im Bindegewebe, in den Gelenken wie auch in den Blutgefäßen, die die betreffende Körpersubstanz schädigen und bakterielle Superinfektionen begünstigen können. In den Gefäßen führen diese Entzündungsprozesse zu Veränderungen und Gefäßwandverdickung, wodurch ebenso die Durchblutung gestört wird mit den oben genannten Folgen.

Die hohe Harnsäurelast, die von den Nieren nicht mehr ausgeschieden werden kann und sich im Nierengewebe und den feinen Nierenkanälchen ablagert, schränkt zunehmend die Nierenfunktion ein. Die Durchblutungsstörungen der Nieren können eine (bakterielle) Nierenbeckenentzündung begünstigen.

Im Laufe der Jahre kann sich aus einer unbehandelten, chronischen Hyperurikämie eine Gichtniere entwickeln, die in eine (dialysepflichtige) Niereninsuffizienz übergehen kann bis hin zum Nierenversagen.

Etwa 20-25% der Patienten, die unter der chronischen Gicht leiden, sterben an Nierenversagen.

Ernährung bei Gicht

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Ernährung in der Übersicht

  • Ob das, was wir täglich essen für uns gesund oder ungesund ist, liegt vor allem an der Ausgewogenheit der einzelnen Nährstoff-Gruppen, die wir essen.
  • Eine gesunde Ernährung ist vor allem anti-entzündlich und abwechslungsreich– das Gegenteil der Western Diet, die pro-entzündlich wirkt. Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten. Praktisch heißt das: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fetter Fisch, Nüsse, Saaten und kaltgepresste pflanzliche Öle.
  • Da Gichtanfälle hauptsächlich durch Ernährungsfehler ausgelöst werden, beginnt hier bereits die Therapie:
    • purinarme Kost, das heißt im Idealfall vegetarisch mit einem hohen Anteil an frischem Gemüse
    • hochwertige Fette wie Leinöl, Nussöle, Weizenkeimöl, Kokosöl oder die in Nüssen, Samen und Avocado enthaltenen natürlichen Fette
    • fructosearme Ernährung: Verzicht auf Produkte, denen Fructose zugesetzt ist, und maßvoller Genuss fruchtzuckerhaltiger Obstsorten wie Äpfel, Bananen, Weintrauben oder Orangen
    • Verwendung frischer Kräuter und Gewürze

Eine pro-entzündliche Ernährung ist oft Risikofaktor oder Auslöser bei zahlreichen Erkrankungen. Sie fördert chronische Entzündungen, die Arterien verkalken lässt, unseren Darm und unser Immunsystem schwächt, unsere Psyche negativ beeinflusst und letztlich Zellstress entstehen lässt. Wie im Kapitel Ursachen ausführlich dargestellt, sind entzündliche Prozesse auch bei Gicht an der Entstehung beteiligt. Mit einer gesunden, anti-entzündlichen Ernährung können Sie das Krankheitsgeschehen bei Gicht in Ihrem Körper selbst mitbeeinflussen:

  • Sie können das Entzündungsgeschehen in Ihrem Körper mildern/nicht zusätzlich durch entzündungsfördernde Lebensmittel befeuern.
  • Sie versorgen Ihren Körper mit lebenswichtigen Mikronährstoffen.
  • Sie schützen sich präventiv vor Begleiterkrankungen, die sich zusätzlich negativ auf eine Gicht
  • Sie erreichen und halten langfristig Ihr Normalgewicht.

 

Probleme der heutigen Ernährung

Obwohl in Deutschland kein Mangel an Nahrungsmittelvielfalt herrscht, wird eine naturbelassene Ernährung mit vielen qualitativ hochwertigen und unverarbeiteten Produkten immer seltener. Volle Arbeitstage, Alltagsstress, keine Zeit zu kochen und auch der Mangel an Wissen und Fähigkeiten führen zunehmend zu einer ungesunden Ernährung.

 

Fertigprodukte statt frisch kochen: Western Diet

Diese Art der Ernährung wird oft unter dem Begriff Western Diet zusammengefasst, weil sie vor allem in den westlichen Industrieländern weit verbreitet ist und sich zunehmend auch in Ländern mit traditionell gesunder Ernährung ausbreitet – mit gravierenden Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung.

Hinweis

Merkmale der Western Diet

hochkalorisch, zuckerreich, gesättigte Fettsäuren, Transfettsäuren, salzreich, viele Konservierungsstoffe und hochverarbeitete Produkte (Fastfood, Fertigprodukte, „Junkfood“) – dagegen wenig frisches Obst und Gemüse, keine hochwertigen Pflanzenöle, wenig komplexe Kohlenhydrate, wenige Ballaststoffe, Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe

Nährstoffzufuhr aus dem Gleichgewicht

Ob das, was wir täglich essen für uns gesund oder ungesund ist, liegt vor allem an der Ausgewogenheit der einzelnen Nährstoff-Gruppen, die wir essen. Unsere Lebensmittel setzen sich zum einen aus Makronährstoffen zusammen, die uns Energie und Baumaterial liefern: Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße.

Auf der anderen Seite enthalten Lebensmittel auch unzählige Mikronährstoffe, die das Umsetzen der Makronährstoffe im Stoffwechsel erst möglich machen: Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Fettsäuren, Enzyme und sekundäre Pflanzenstoffe.

Ungesund wird eine Ernährung dann, wenn die einzelnen Gruppen nicht mehr im Gleichgewicht zueinander stehen. Arbeit findet z. B. heute sehr oft als sitzende Tätigkeit am Schreibtisch statt, wo keine bis kaum Kalorien verbrannt werden – jedoch dominieren Kohlenhydrate nach wie vor zu einem großen Anteil unsere tägliche Ernährung, was die Entwicklung einer chronischen Entzündung besonders fördert – das ständige Zuviel.

 

Anti-entzündliche Ernährung: Profitieren Sie auf allen Ebenen

Erst gravierende Erkrankungen und Ereignisse wie Gicht lassen uns aufhorchen und führen oft zu einem Wendepunkt im Leben: Lassen Sie es gar nicht erst soweit kommen!

Sich gesund zu ernähren heißt nicht sich selbst zu kasteien, zu verzichten oder strikte Pläne einzuhalten. Es bedeutet Neues kennenzulernen, alte Wege zu verlassen und sich jeden Tag fitter, gesünder und leistungsfähiger zu fühlen statt immer müde, abgeschlagen und energielos. Sie können dabei Schritt für Schritt etwas an Ihrer Ernährung ändern, statt zu versuchen, von heute auf morgen alles auf den Kopf zu stellen. Eine gesunde Ernährung ist vor allem anti-entzündlich und abwechslungsreich– das Gegenteil der Western Diet, die pro-entzündlich wirkt.

 

Was ist antientzündliche Ernährung?

Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten. Eine pro-entzündliche Ernährung ist einer der Hauptauslöser für eine chronisch-schwelende Entzündung in unserem Körper, die stille Entzündung (silent inflammation).

Die folgende Tabelle stellt Ihnen wichtige anti- und pro-entzündliche Nahrungsmittelgruppen vor:

Anti-entzündliche Nahrungsmittel und pro-entzündliche Nahrungsmittel

 

Anti-entzündliche ErnährungPro-entzündliche Ernährung
Olivenöl, Walnussöl, Leinöl, Hanfölfrittierte Lebensmittel, Margarine, Sonnenblumenöl, Schweineschmalz, Sojaöl, Maiskernöl
Obst (zuckerarme Sorten bevorzugen): Beeren, Zitrusfrüchte, Äpfel
Gemüse, mindestens „5 am Tag“: grüne Blattgemüse, Brokkoli, Spinat, Kohlsorten, Topinambur, alle Salate, Wildkräuter
Fast Food, Fertigprodukte, Süßigkeiten, industriell gefertigte Snacks
Vollkornprodukte: Getreideprodukte aus dem vollen Korn inklusive aller BallaststoffeProdukte aus Auszugsmehlen („Weiß“), Weizen
Hülsenfrüchte: Linsen, Kichererbsen, Bohnen, Tofu
Eier: moderater Konsum (mind. Bio-Freiland-Haltung
Wurstwaren, viele Milchprodukte, Schweinefleisch, Fisch
frische Kräuter, antientzündliche Gewürze wie Chili, Kurkuma, Ingwer
Sulfide: Knoblauch, Zwiebeln, Meerrettich
sehr salzreich
Getränke und Tee: Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees, grüner TeeSoftdrinks, häufiger Alkoholkonsum, Milchmixgetränke
Nüsse und Saaten: Walnüsse, Leinsamen, Pinienkerne, Kürbiskerne, MacadamianüsseErdnüsse, gesalzene und aromatisierte „Knabbernüsse“
Probiotika: Kefir, Joghurt, milchsauer eingelegte Gemüse, Misopaste

Weitere Eckpunkte einer gesunden Ernährung sind:

  • Flexitarismus: Insgesamt sollte Ihre Ernährung vorwiegend pflanzenbasiert ausgerichtet sein – Fleisch, Fisch und Milchprodukte sind in Maßen zu genießen, dafür in hochwertiger Qualität.
  • Mittelmeer-Diät: Gute Orientierung bei einer anti-entzündlichen Ernährung bietet die mediterrane Ernährung – Menschen, die sich traditionell nach der Mittelmeerdiät ernähren, leiden seltener unter der chronischen Entzündung und deren Folgen, z. B. weniger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Regional und saisonal: Produkte aus der Region, die keinen weiten Anreiseweg hatten, sind frischer und oft nährstoffreicher. Viele Superfoods haben einheimische „Verwandte“ wie z. B. Leinsamen (statt Chiasamen) oder Hagebutten (statt Goji-Beeren).
  • Gesunde Fette: Fett reduzieren ist passé, viel wichtiger, ist die richtigen Fette aufzunehmen: Die optimalen Quellen sind kaltgepresste, hochwertige Öle. Dabei sollte der Anteil der Omega-3-Fettsäuren möglichst hoch sein, da sie im Gegensatz zu den Omega-6-Fettsäuren entzündungs- und schmerzhemmend wirken.
  • Kohlenhydrate reduzieren: Essen Sie insgesamt weniger Kohlenhydrate, also weniger weißes Brot, weniger weiße Nudeln und Reis. Zu viele dieser getreidehaltigen Sattmacher fördern Entzündungen und stören das Gleichgewicht der Botenstoffe.
  • Vegetarismus und Veganismus sind Ernährungsformen, die sehr gesund und ausgewogen sein können, aber nicht automatisch sind: Wenn viele oben genannte Nahrungsmittel integriert werden und auf ausreichend Mikronährstoffzufuhr geachtet wird. Auch der vegane Trend hat viele Fertigprodukte auf den Markt gebracht, die oft mit einer gesunden Ernährung nichts mehr gemeinsam haben. Achten Sie also weniger auf ein „Label“, sondern auf Ausgewogenheit.
  • Achtsamkeit beim Essen: Genuss, Freude und Langsamkeit gehören zu einer gesunden Ernährung genauso wie hochwertige Nahrungsmittel.
  • Fastenperioden: Intervallfasten oder Buchinger-Fasten können sinnvoll sein für einen Neustart oder ein jährliches Ritual, hier müssen Sie selbst abwägen, ob es zu Ihnen passt.
  • In Bewegung bleiben: Zu einer gesunden Ernährung gehört Bewegung – neben vielen anderen positiven Effekten, wirkt die Verdauung angeregt und die Darmpassage gefördert.

Besonderheiten bei der Ernährung für Gicht-Patienten

Wie bereits in vorherigen Kapiteln erwähnt, zählt die Gicht zu den Zivilisationskrankheiten. Das heißt, dass zwar einerseits eine Veranlagung zu Gicht und eine Störung im Harnstoffwechsel angeboren sein kann, andererseits jedoch eine gesunde, ausgewogene und mikronährstoffreiche Ernährung sowie ein gesundheitsfördernder Lebensstil das Gichtrisiko deutlich verringern bzw. Gichtanfälle sogar verhindern können.

Sinnvoll ist es zusätzlich darauf zu achten, wie viele Purine in Nahrungsmitteln enthalten sind und diese, wie empfohlen, nur in geringem Maß, maximal 500 mg pro Tag, zu sich zu nehmen.

Zusätzlich sind Nahrungsmittel und Getränke zu vermeiden, denen Fructose als Süßungsmittel zugesetzt ist bzw. die einen hohen Fruchtzuckergehalt haben, da sie die Ausscheidung der Harnsäure hemmen.

Grundsätzlich scheint, laut einer umfassenden Studie, eine vegetarische Ernährung das Gicht-Risiko erheblich zu reduzieren sowie gichtbedingte Entzündungen zu hemmen und die Harnsäureproduktion zu senken.1


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Damit die Umstellung auf eine überwiegend vegetarische Ernährung leichter fällt, lassen Sie sich von den abwechslungsreichen Rezepten der purinarmen Küche inspirieren:


Hier finden Sie eine Übersicht über Nahrungsmittel, auf die Sie verzichten und welche Sie bevorzugen sollten. Die Übersicht ist nicht vollständig.

 

Folgende Lebensmittel und Getränke sind bei einer Gichterkrankung empfehlenswert:

  • Gemüse aller Art und Speisepilze, z. B. Kartoffeln, Rüben, Rettich, Rote Bete, Kohlgemüse, Blattgemüse, Salate, Paprika, Tomaten, Gurken, Champignons, Steinpilze
  • Nüsse und Samen, z. B. Haselnüsse, Walnüsse, Mandeln, Kürbiskerne, Leinsamen, Sesam
  • Obst, z. B. Beeren, Melonen, Pfirsiche, Kirschen, v. a. Sauerkirschen, Pflaumen, Birnen, Grapefruit, Ananas
  • hochwertige pflanzliche Öle, z. B. kaltgepresstes natives Olivenöl extra vergine, Leinöl, Sesamöl, Mandelöl, Kokosöl
  • Getreideprodukte in Maßen, z. B. Reis, Hirse, Nudeln, Roggenvollkornbrot
  • Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen, Erbsen, Soja in Maßen
  • pflanzliche Milch-Alternativen (Hafer- oder Mandelmilch)
  • Getränke: Wasser, Tee, Gemüsesaft

 


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Omega-3-Fettsäuren zählen zusammen mit den Omega-6-Fettsäuren zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Ungesättigt bedeutet, dass diese Fettsäuren zwei oder mehrere Doppelbindungen enthalten – anders als die gesättigten Fettsäuren. Sie sind lebensnotwendig und können ausschließlich über die Nahrung aufgenommen werden, da sie unser Körper nicht selbst synthetisieren kann. Sie sind besonders wichtig für den Aufbau von Zellmembranen, unterstützen die Zellteilung, wirken entzündungslindernd und haben auch positive Effekte auf das Herz-Kreislaufsystem. Wichtig ist also, dass Sie diese „gesunden Fette“ täglich über Ihre Mahlzeiten zu sich nehmen. Dabei empfiehlt sich die Verwendung eines natürlichen, kaltgepressten Leinöls. Es ist reich an Omega-3-Fettsäuren und verfeinert Salate, warme Speisen oder Frühstück mit einem mild-nussigen Geschmack. Wir empfehlen Ihnen:


 

Folgende Lebensmittel und Getränke sollten Sie unbedingt meiden:

  • Fleisch und Wurst aller Art, z. B. Geflügel (besonders Haut und Fett), Wild, Schwein, Rind, Innereien (Leber, Nieren, Kalbsbries etc.)
  • tierische Fette wie Gänse- oder Schweineschmalz
  • Fisch, Fischkonserven und Meeresfrüchte
  • fructosehaltige Produkte, z. B. Softdrinks (Limonaden, Eistee, Cola), Cocktails, Fruchteis, Fruchtjoghurt, Fruchtsäfte und -nektar, Konfitüre, Süßigkeiten
  • Koch- und Backzutaten wie Bäckerhefe, Fleischbrühe, Brüh- und Suppenwürfel
  • Alkoholika (Bier, Liköre, Schnaps etc.), Alkoholmischgetränke
  • Sonstiges (in Maßen zu genießen): fruchtzuckerreiches Obst (Bananen, Weintrauben, Orangen), Trockenfrüchte, getrocknete Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen, Erbsen), Eigelb, Kohlenhydrate jeglicher Art, vor allem Weißmehlprodukte

Ausflug in die Wissenschaft

Sauerkirschen zur Prävention von Gichtanfällen und erhöhtem Harnsäurespiegel

Die positive Wirkung von Sauerkirschen auf den Harnsäurespiegel wurde bereits mehrfach untersucht.

Probanden mit Gicht wurden gebeten, über mehrere Tage Sauerkirschextrakt einzunehmen. Bereits innerhalb von zwei Tagen sank das Risiko, einen Gichtanfall zu erleiden, um 35%. Zusammen mit der Einnahme des Arzneimittels Allopurinol sank das Risiko sogar um 75%.5

Auch der Harnsäurespiegel sank signifikant durch die regelmäßige Einnahme von Sauerkirschen, unabhängig davon, ob sie als Saft oder in Pulverform verabreicht wurden.6

Der Grund liegt darin, dass Sauerkirschen einerseits eine harntreibende Wirkung haben und die Harnsäureproduktion senken. Außerdem haben sie einen hohen Gehalt des Pflanzenfarbstoffs Anthocyan, der antientzündliche und antioxidative Eigenschaften hat.

Therapie und Prävention

Jede Behandlung enthält präventive Aspekte und jede Prävention wirkt auch als Therapie. Die Grundpfeiler jeder Vorbeugung und Therapie basieren auf unserem Lebensstil: Wie ernähren Sie sich? Ist Ihr Organismus ausreichend mit Mikronährstoffen versorgt? Wieviel Bewegung ist in Ihren Alltag integriert? Rauchen Sie und wieviel Alkohol konsumieren Sie? Bestimmt Stress Ihr ganzes Leben? Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, können sich diese Basispfeiler positiv auf Ihre Gesundheit auswirken, aber auch jahrelange Risikofaktoren für viele Erkrankungen darstellen. In diesem Kapitel werden zahlreiche ganzheitliche Methoden vorgestellt, die Ihre Gesundheit und Lebensqualität stärken können – präventiv und/oder auch als Therapie.

Tipps

Erste Maßnahmen aus der Hausapotheke bei einem akuten Gichtanfall

Der erste akute Gichtanfall tritt meist nachts auf und kommt scheinbar aus heiterem Himmel. Folgende Maßnahmen können Sie ergreifen, um sich im Akutfall selbst helfen zu können:

  • Lagern Sie das betroffene Gelenk hoch und stellen Sie es ruhig. Bewegung, Berührung oder Erschütterung können weitere heftige Schmerzen auslösen.
  • Kühlen Sie das entzündete Gelenk mit kalten Umschlägen. Quarkwickel oder Umschläge mit essigsaurer Tonerde können die Wirkung noch verstärken.
  • Wenn der Druck einer leichten Kompresse die Schmerzen noch verschlimmert, tauchen Sie das betroffene Gelenk in kaltes Wasser oder lassen sie das kalte Wasser in einem sanften Strahl über die betroffene Stelle laufen.
  • Trinken Sie viel stilles Wasser, mehr als 2 Liter täglich, um die Harnsäureausscheidung über die Nieren zu erhöhen.
  • Vitamin C als Nahrungsergänzungsmittel kann helfen, den Gichtanfall rascher abklingen zu lassen.
  • Schonen Sie sich, ruhen Sie, vermeiden Sie Stress.
  • Ernähren Sie sich während der Zeit, bis die Entzündung abgeklungen ist, ausschließlich vegetarisch mit einem hohen Gemüseanteil, um die Harnsäureproduktion zu senken. Behalten Sie die gemüselastige Ernährung dauerhaft bei.

Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Damit Sie für den Notfall vorbereitet sind: Essigsaure Tonerde mit einer Baumwollkompresse


 

Mikronährstoffe

Das-Wichtigste-in-Kürze

Mikronährstoffe in der Übersicht

  • sind unentbehrliche Mikrohelfer in unserem Organismus.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit allen Mikronährstoffen bei Gicht. Besonders wichtig sind die Vitamine B, C, D und E, Magnesium, Zink sowie Omega-3-Fettsäuren und sekundäre Pflanzenstoffe.
  • Einige der typischen Gicht-Medikamente erhöhen zusätzlich Ihren Mikronährstoffbedarf. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, Ihren Mikronährstoffbedarf ausreichend über die Ernährung zu decken, können moderat dosierte, natürliche Mikronährstoffmischungen sinnvoll sein.
  • Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Eine wichtige Basis für alle Therapien wird oft bei der Beratung außer Acht gelassen: Eine gesunde, ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung. Der Körper muss mit Mikronährstoffen optimal versorgt sein, damit Folgen der Gicht abgemildert und Nebenwirkungen der Medikamente reduziert werden können.

 

Mikronährstoffe – was ist das?

Zu den Mikronährstoffen gehören in erster Linie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die einen wichtigen Teil dazu beitragen, damit unser Organismus funktioniert. Im weiteren Sinne lassen sich auch essentielle Fettsäuren, Aminosäuren, sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme hinzuzählen. Makronährstoffe wie Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette sind unsere Energielieferanten, während die Mikronährstoffe an Prozessen wie z. B. Blutgerinnung, Immunabwehr und Knochengesundheit beteiligt sind. Einige Mikronährstoffe kann unser Körper selbst herstellen, die meisten jedoch müssen mit der Nahrung aufgenommen werden.

 

Der menschliche Organismus – ein Blick in die Zellen

Der Mensch besteht aus über 70 Billionen Zellen. Diese können alle nur optimal funktionieren, wenn sie mit Vitaminen und Spurenelementen versorgt sind. Es gibt nahezu keinen Stoffwechselschritt, an dem nicht mehrere Mikronährstoffe beteiligt sind. Dazu zählen unter anderem die:

  • Aktivierung von Enzymen und Hormonen (Stoffwechselaktivität)
  • Abwehrleistung des Immunsystems (Immunstoffwechsel)
  • Energieproduktion in den Kraftwerken unserer Zellen, den sogenannten Mitochondrien (Energiestoffwechsel)
  • Leistungsfähigkeit des Herzmuskels (Herzkraft und -rhythmus)
  • Kontraktion der Skelettmuskulatur (Muskelkraft und -koordination)
  • Impulsübertragung in und der Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen (Nerven- und Gehirnstoffwechsel)

 

Für alle Stoffwechselreaktionen im Körper sind Enzyme notwendig, sie wirken wie ein Katalysator. Enzyme können ihren Aufgaben jedoch nur mithilfe von Mikronährstoffen nachkommen. Je besser der Körper mit Nährstoffen versorgt ist, desto besser funktioniert der gesamte Organismus. Ein Mikronährstoffmangel kann sich also negativ auf den Stoffwechsel und das Immunsystem auswirken. Um Ihre Gesundheit zu schützen und Ihre weiteren Therapien zu unterstützen, sollten Sie also auf Ihren Mikronährstoffhaushalt achten.

 

Gehören Sie auch zu den Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen?

Egal ob Schmerzmittel, Blutdrucksenker, Cholesterinsenker oder die Antibabypille. Schon ein einzelnes Medikament kann unsere optimale Versorgung mit Mikronährstoffen ungünstig beeinflussen. Je mehr Medikamente gleichzeitig eingenommen werden, desto intensiver wird in den Mikronährstoffhaushalt eingegriffen, was Wechselwirkungen der Arzneimittel untereinander sowie das Auftreten von Nebenwirkungen erhöht. Hierdurch kann nicht nur die Wirkung des Medikaments negativ beeinflusst werden, sondern auch die Funktion der Mikronährstoffe.

 

Welche Lebensphasen führen noch zu einem erhöhten Mikronährstoff-Bedarf?

Aber nicht nur die regelmäßige Einnahme von Medikamenten führt zu einem erhöhten Mikronährstoffbedarf. Es gibt bestimmte Lebensphasen und Umstände, die ein erhöhtes Risiko für einen Nährstoffmangel aufweisen:

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangere und Stillende
  • ältere Menschen
  • Menschen mit Magen-Darm-Störungen
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen

 

Diesen erhöhten Bedarf zu decken, ist nicht immer einfach. Trotz des reichhaltigen Angebotes an verschiedenen Lebensmitteln verringern verschiedene Faktoren den Mikronährstoffgehalt in Lebensmitteln:

  • nicht ausgereiftes Obst und Gemüse
  • größere Erträge in der Landwirtschaft
  • Einsatz von Pestiziden

Es ist wichtig, die Ernährung mit einer breiten und möglichst natürlichen Basis an allen Vitaminen, Spurenelementen sowie sekundären Pflanzenstoffen zu optimieren.

 

Mikronährstoffkonzentrat als Grundlage

Gut versorgt sind Sie mit moderaten Mikronährstoffmischungen – von einzelnen hochdosierten Mikronährstoffen raten wir ohne Absprache mit Ihrem Arzt und vorherigen Untersuchungen ab.

 

Das Angebot an Mikronährstoffpräparaten ist groß und unübersichtlich. Entscheidend beim präventiven Ansatz ist die natürliche Vielfalt. Das ideale Mikronährstoffpräparat ist auf natürlicher Basis produziert, enthält neben allen klassischen Mikronährstoffen auch sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme, ist flüssig, glutenfrei und vegan. Die Bioverfügbarkeit sollte wissenschaftlich belegt sein und es sollten keine künstlichen Aroma- oder Konservierungsstoffe enthalten.

 

Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Die vermehrte Bildung von freien Radikalen (oxidativer Stress) sowie ein Mangel an natürlichen Radikalfängern wie bestimmte Vitamine oder sekundäre Pflanzenstoffe sind wichtige Faktoren, die mit den Gichtanfällen in Zusammenhang stehen. Vor allem während der Entzündungsschübe begünstigt der Mangel an natürlichen Antioxidantien die fortschreitende Zerstörung der Gelenke und Knorpel und kann das Abklingen des Gichtanfalles verzögern.

 

Durch eine optimale Mikronährstoffversorgung kann der Krankheitsverlauf jedoch verlangsamt und im Idealfall sogar gestoppt werden. Auch das Risiko für Folgeerkrankungen wird deutlich gesenkt. Dabei kommen vor allem die Vitamine und Pflanzenstoffe zum Tragen, die dem Körper helfen, den Harnsäurespiegel im Blut zu senken und Entzündungsprozesse zu verringern.

 

Vorsicht ist allerdings geboten, isolierte Mikronährstoffe ohne vorherige Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Heilpraktiker einzunehmen. Wenn die Nierenfunktion aufgrund von Harnsäureablagerungen bereits herabgesetzt ist, kann beispielsweise ein Zinküberschuss nicht mehr vollständig ausgeschieden werden und der Zinkspiegel im Blut zu hoch sein. Ähnliches gilt für Magnesium, Quercetin und andere isolierte Mikronährstoffe. Außerdem können einzelne Mikronährstoffe die Wirkung von bestimmten Medikamenten beeinflussen.

Aus diesem Grund ist ein Mikronährstoffkonzentrat, das die zahlreichen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in ihrem natürlichen Verbund enthält, einer isolierten Einnahme von zum Teil auch synthetisch hergestellten Mikronährstoffen unbedingt vorzuziehen.

  • Vitamin B

B-Vitamine sind essentiell, um das entzündungsfördernde Homocystein, ein Abfallprodukt im Eiweißstoffwechsel, im Blut abzubauen. Ein zu hoher Homocysteinspiegel begünstigt Gelenkserkrankungen und Gichtanfälle. Es schädigt Zellen und Mitochondrien und erhöht die Bildung freier Radikale, wodurch es zu Entzündungen kommen kann und die betroffenen Zellen irreversibel zerstört werden. Die Folge sind u. a. chronische Beschwerden und Deformation der Gelenke.

 

  • Vitamin C

Mehrere Studien haben gezeigt, dass zwischen der täglichen Vitamin-C-Zufuhr und dem Gichtrisiko ein eindeutiger Zusammenhang besteht. Ab einer Zufuhr von mindestens 1.500 mg Vitamin C am Tag verringert sich das Gichtrisiko bei Männern um 45 % Bereits ab einer täglichen Dosis von 500 mg sinkt der Harnsäurespiegel deutlich, und die Anzahl der Gicht-Anfälle geht zurück.7 Gleichzeitig ist Vitamin C ein starkes Antioxidans und kann die Schwere der Entzündung und damit die Schmerzen lindern. Bei bereits geschwächten Nieren sollte nicht mehr als 500 mg isoliertes Vitamin C täglich eingenommen werden, da in dem Fall die Ausscheidung der Oxalsäure, einem Abbauprodukt von Vitamin C, über die Nieren beeinträchtigt ist und die Bildung von Nierensteinen begünstigt.

  • Vitamin D

Ein Mangel an Vitamin D ist in Mitteleuropa weit verbreitet. Zu niedrige Vitamin-D-Spiegel sind ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung chronischer und besonders auch entzündlicher Erkrankungen. Da bei der Gicht auch die Nieren in Mitleidenschaft gezogen werden, die an der Umwandlung des Vitamin D in seine aktive Form beteiligt ist, kann ein Vitamin-D-Mangel die Folge sein. Vitamin-D-Gaben haben bei Nierenerkrankungen positive Ergebnisse gezeigt.8 Vitamin-D-Mangel bei einer Gicht scheint nach neuesten Erkenntnissen auch der Grund zu sein, warum so viele Männer mit erhöhten Harnsäurewerten an erektiler Dysfunktion leiden. Zusammen mit anderen Vitaminen (v. a. B-Vitaminen) und sekundären Pflanzenstoffen ist Vitamin D auch in der Lage, die Harnsäureausscheidung anzukurbeln.9

 

  • Vitamin E

Vitamin E wirkt ebenfalls stark antioxidativ und kann Entzündungen und Schmerzen im Körper reduzieren.10 Hochdosiertes Vitamin E kann begleitend zur Behandlung von entzündlichen Gelenkerkrankungen eingesetzt werden. In der Praxis wurde festgestellt, dass dadurch sogar die Dosis der Medikamente herabgesetzt werden konnte. Ideal wirkt Vitamin E, wenn es zusammen mit Vitamin C aufgenommen wird.11 Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob der Einsatz von hochdosiertem Vitamin E in Ihrem Fall sinnvoll ist.

 

  • Magnesium

Magnesium lindert Entzündungsprozesse. Da Magnesium darüber hinaus eine leicht abführende Wirkung hat, kann die Ausscheidung der Harnsäure über den Stuhl angeregt werden, wodurch die Nieren Entlastung erfahren. Zudem hat Magnesium, ebenso wie Kalium, Zink und andere Mineralstoffe, eine basische Wirkung. Diese unterstützt den Organismus in der Neutralisierung der überschüssigen Säuren und verhindert damit die Bildung von Harnsäurekristallen.

 

  • Zink

Zink ist ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems und ist ebenso wie Magnesium beteiligt an der Bekämpfung von Entzündungsprozessen und fungiert als Radikalfänger. Außerdem schützt eine ausreichende Versorgung mit Zink vor einem Harnsäureüberschuss.12 Zinkcitrat hat darüber hinaus eine basische Wirkung auf den Organismus. Bei einer täglichen Versorgung mit 15 mg Zink sank das Gichtrisiko bei Männern um 44 %.13

 

  • Omega-3-Fettsäuren

Auch Omega-3-Fettsäuren haben entzündungshemmende Eigenschaften. Leider überwiegen in der modernen Ernährung die entzündungsfördernden Omega-6-Fettsäuren. Diese kommen vor allem in Fleisch und Wurst vor und verhindern die Aufnahme der Omega-3-Fettsäuren. Eine ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren wirkt sich außerdem positiv auf andere Zivilisationserkrankungen wie Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauferkrankungen aus, welche häufig mit der Gicht einhergehen. Ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren wird mit vermehrten Gicht-Anfällen in Verbindung gebracht.14

 

  • Sekundäre Pflanzenstoffe:

Zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe (z. B. Grüntee-Extrakt, Curcumin, Resveratrol, Polyphenole) sind hilfreich, um den Harnsäurewert im Blut zu senken, und helfen auch, Gichtanfälle zu verhindern. Dazu gehören u. a. gesundheitsfördernde Substanzen in grünem Tee, in roten Trauben, Äpfeln, Zwiebeln und Kräutern. Zudem schützt der sekundäre Pflanzenstoff Quercetin auch die Gelenkknorpel und kann Gelenkentzündungen verhindern.15 Sauerkirschextrakt wurde hinsichtlich seiner Wirkung bei Gichtpatienten bereits gut erforscht. So senken die Inhaltsstoffe von Sauerkirschen nachweislich den Harnsäurespiegel und vermindern die Bildung von Harnsäurekristallen sowie die Entzündungsparameter im Blut.16 Außerdem verringert sich die Häufigkeit von Gichtanfällen um bis zu 45 %.17


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Unser Produkt-Tipp für ein hochkonzentriertes Konzentrat aus Sauerkirschen:


Sollten Sie Bedenken haben, den empfohlenen täglichen Bedarf an Mikronährstoffen mit Obst, Gemüse und Kräutern nicht decken zu können, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Gesundheitsvorsorge (DGG) eine natürliche Nahrungsergänzung.

 

Lebensstil

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Lebensstil in der Übersicht

  • Gewichtsreduktion: langsamer Gewichtsabbau durch moderate Bewegung und Ernährungsumstellung
  • Sport und Bewegung: regelmäßige Bewegung ohne Überanstrengung regt Entgiftungs- und Ausscheidungsprozesse an, reduziert Übergewicht und baut Stress ab
  • Entspannungstechniken: Yoga, Meditation, Qi Gong oder autogenes Training helfen, dauerhaft Stress und Anspannung zu reduzieren
  • Verzicht auf Rauchen und Alkohol: Alkohol erhöht den Harnsäurespiegel und hemmt die Ausscheidung der Harnsäure, Nikotin stört die Durchblutung und begünstigt Entzündungsprozesse.
  • Wasser trinken: Zur Förderung der Ausscheidung über die Nieren sollten mindestens 40 ml stilles Wasser pro Kilogramm Körpergewicht getrunken werden.

Das Wichtigste, was Sie für Ihren Körper tun können, um Ihren Harnsäurespiegel wieder zu senken und damit die schädlichen Langzeitfolgen der Gicht zu verhindern, haben Sie selbst in der Hand. Die Basis für einen gesunden Körper bildet neben der gesunden, mikronährstoffreichen Ernährung ein ausgeglichener und gesundheitsfördernder Lebensstil. Forscher haben herausgefunden, dass unser westlicher Lebensstil die Entstehung chronisch entzündlicher Erkrankungen stimuliert und die Regeneration des Körpers verhindert.18

 

Gewichtsreduktion

Um die Gelenke und den gesamten Organismus zu entlasten, sollte Übergewicht dringend abgebaut werden.

Vorsicht jedoch vor Crash-Diäten, radikalen Fastenkuren oder generell raschem Gewichtsverlust: Wenn zu viele körpereigene Zellen abgebaut werden, wird Purin frei, das zu Harnsäure verstoffwechselt wird und erneut einen Gichtanfall auslösen kann.

Besser ist es, mit moderater Bewegung und gleichzeitigem Muskelaufbau sowie einer konsequenten Ernährungsumstellung das Gewicht zu regulieren und mit der Zufuhr von ausreichend Mikronährstoffen und Flüssigkeit, Säuren und andere Substanzen, die freigesetzt werden, entsprechend binden und ausscheiden zu können.

Forscher haben herausgefunden, dass der Gewichtsverlust insgesamt positive Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Gicht hat. Beispielsweise sinkt der Harnsäurewert nachweislich, auch Gichtanfälle werden verringert.19

 

Sport & Bewegung

Sport und Bewegung fördern die körperliche und geistige Gesundheit, verbessern die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung des Körpers, regen Entgiftungsprozesse an und sind Teil eines gesünderen Lebensstils. Sport macht im Idealfall Spaß und dient auch als Ventil im Alltag, um Stress abzubauen.

Für gesunde Personen gilt: Mit einem mäßigen Ausdauertraining von 3×30 Minuten/Woche Schwimmen, Walking, Radfahren oder Skilanglauf tragen Sie erheblich zu Fitness, einem gesunden Organismus und Wohlbefinden bei. Überanstrengung und Hochleistungssport sind zu vermeiden, da der Harnsäurespiegel dadurch ansteigt.

Wer sich jeden Tag, auch an grauen Wintertagen, an der frischen Luft in der Natur bewegt und Tageslicht aufnimmt, tut seinem Körper und seiner Seele zusätzlich Gutes. Das Lichtspektrum im natürlichen Sonnenlicht ist selbst bei bedecktem Himmel um ein Vielfaches größer als Kunstlicht. Diese Lichtdusche aktiviert Stoffwechselprozesse und tut der Seele gut. Die vermehrte Einatmung von Sauerstoff und schadstofffreier Luft fördert die Abatmung von Säuren über die Lunge.

 

Hinweis

Prophylaxe der Hyperurikämie durch Förderung der Insulinsensitivität

Das Inselhormon ist erforderlich, um Kohlenhydrate in die Zelle als Energielieferant aufnehmen zu können (Insulinsensitivität).

Eine Insulinresistenz führt zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel und zu erhöhten Insulinwerten im Blut. Zudem wird die überschüssige Glucose in Speicherfette (z. B. Triglyceride) umgewandelt.

Ist der Insulinspiegel im Blut zu hoch, wird die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren gehemmt, u. a. deshalb, weil Insulin die Rückresorption von Harnsäure in den Nieren fördert.

Um die Insulinsensitivität zu erhöhen, sollten folglich Maßnahmen ergriffen werden, den Organismus anzuregen, mehr Glucose aus dem Blut zu verbrauchen und somit auch den Blutfettspiegel zu senken.

Durch Gewichtsabbau, langsames Muskelaufbautraining, moderaten Sport und die Reduzierung von Kohlenhydraten in der Ernährung, allen voran Fructose, wird der Blutzuckerspiegel gesenkt und die Harnsäureausscheidung gesteigert.

Außerdem wird Fett verbraucht, anstatt in Form von Triglyceriden und anderen Erscheinungsformen des Fettstoffwechsels gespeichert zu werden. Die sinkenden Blutfettwerte tragen ebenso dazu bei, dass die Nieren vermehrt Harnsäure ausscheiden können.

Verzicht auf Rauchen und Alkohol

Dass Nikotin und Alkohol schädlich für die Gesundheit sind und überall im Körper Störungen anrichten können, ist weitreichend bekannt.

Übermäßiger Alkoholkonsum ist ein Auslöser für viele Erkrankungen und häufig auch Auslöser für Gichtanfälle. Regelmäßig größere Mengen an Alkohol führen zu einer Erhöhung der Harnsäureproduktion. Gleichzeitig hemmt der Alkohol die Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren, wodurch der Harnsäurespiegel ansteigt. Insbesondere bei Bier wurde der Zusammenhang mit der Gicht nachgewiesen.20

Nikotin erhöht ebenso das Gichtrisiko indirekt. Einerseits werden zur Entgiftung der im Zigarettenrauch enthaltenen Stoffe vermehrt Mikronährstoffe verbraucht. Andererseits verschlechtern diese Substanzen den Blutfluss im Körper, wodurch die Ablagerung von Stoffwechselabfällen im Gewebe begünstigt wird. Außerdem stört Rauchen die Funktion der Zytokine, das sind Botenstoffe, die eine wichtige Aufgabe bei der Bekämpfung von Entzündungsprozessen haben.21

 

 

Entspannungstechniken

Es gibt zahlreiche Methoden die, regelmäßig praktiziert, zu einer nachhaltigen Entspannung auf körperlicher und psychischer Ebene beitragen, den Schlaf verbessern und die Lebensqualität insgesamt erhöhen.

  • Meditation (lat. meditari = nachdenken, nachsinnen, die Mitte finden) ist eine spirituelle Praxis, die in vielen Religionen und Kulturen bekannt ist und sich leicht in den Alltag integrieren lässt. Verschiedene Wahrnehmungs-, Achtsamkeits- und Konzentrationsübungen helfen, den Geist zur Ruhe kommen zu lassen, die eigene Mitte wieder zu spüren und Kraftressourcen in sich zu entdecken.

Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Unser Tipp, um im Alltag künstlerisch Stress abzubauen:


  • Autogenes Training verbessert mittels autosuggestiver Übungen die Fähigkeit, sich selbst besser entspannen zu können. Über bewusste Konzentration auf die Wahrnehmung des eigenen Körpers wird ein Zustand tiefer innerer Entspannung, Ruhe und Ausgeglichenheit erzeugt.

 

  • Qi Gong ist eine aus China stammende Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform zum Training von Körper und Geist. Verschiedene Atem-, Bewegungs-, Konzentrations- und Meditationsübungen werden miteinander kombiniert. Die Übungen dienen der Harmonisierung und Regulierung des Qi-Flusses im Körper. In der chinesischen Philosophie dient das regelmäßige Praktizieren des Qi Gong sowohl der Gesundheitsvorsorge als auch durch die Förderung und Stabilisierung des Energiehaushaltes der Behandlung von Krankheiten.

 

  • Yoga: Der Begriff Yoga stammt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie „Vereinigung, Integration“ als auch „Anspannen“. Der Ursprung des Yoga liegt in Indien und ist eine philosophische Lehre, die eine Vielzahl geistiger und körperlicher Übungen bzw. Praktiken, Atemübungen und Meditationstechniken umfasst. Ziel ist es Körper und Seele auf dem Weg der Selbsterkenntnis wieder in Einklang zu bringen. Yoga hat bei uns im Westen weite Verbreitung gefunden, da das regelmäßige Praktizieren nachweislich einige positive Effekte sowohl auf die körperliche als auch auf die psychische Gesundheit hat.

 

 

Ausreichend Trinken

Die Empfehlung, täglich ausreichend stilles Wasser zu trinken, ist grundsätzlich für jeden Menschen bedeutsam, da Wasser mehr als zwei Drittel unseres Körpers ausmacht.

Wasser ermöglicht unseren Stoffwechsel und ist Lösungs- und Transportmittel für Nährstoffe und andere Substanzen sowie Hauptbestandteil des Blutserums und der Lymphflüssigkeit, die es unseren Abwehrzellen ermöglichen, im gesamten Organismus zu zirkulieren.

Wasser führt den Zellen Nährstoffe und Salze zu, sorgt für die Ausscheidung von Stoffwechselabfällen, Säuren und Giftstoffen und reguliert die Körpertemperatur über die Schweißproduktion.

Eine ausreichende Trinkmenge fördert die gesunde Nierenfunktion, stabilisiert den Kreislauf und verbessert die Durchblutung. Als Faustregel gilt für einen Erwachsenen eine Trinkmenge von 30-40 ml Wasser pro Kilogramm Körpergewicht.

Die tägliche Urinmenge sollte bei Gicht mindestens 2 Liter betragen, um zu verhindern, dass sich Uratkristalle in den Nieren ablagern und Harnsäuresteine bilden. Wenn zusätzlich basische Präparate mit der erhöhten Flüssigkeitsmenge eingenommen werden, wird die Behandlung von bereits bestehenden Harnsäuresteinen dadurch noch verbessert.22

Konventionelle Therapie

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Konventionelle Therapie in der Übersicht

  • Akuter Gichtanfall: medikamentöse Behandlung zur Linderung der Schmerzen, der Entzündung und der Schwellung
  • Vermeidung weiterer Gichtanfälle: Ernährungsumstellung, Verzicht auf Alkohol, Änderung des Lebensstils, ggf. medikamentöse Senkung des Harnsäurespiegels
  • Chronische Gicht: Medikamente zur Reduzierung des Harnsäuregehalts im Blut

Die erste Maßnahme bei einem akuten Gichtanfall ist, das betroffene Gelenk zu kühlen und ruhig zu stellen. Eine kalte Kompresse mit essigsaurer Tonerde verstärkt den entzündungshemmenden Effekt noch zusätzlich. Bei anhaltenden Schmerzen sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Der konventionelle Therapieansatz ist meist symptomatisch ausgerichtet. Das heißt, dass der Harnsäurespiegel medikamentös gesenkt wird, und (Begleit-)Symptome der Gicht gelindert werden.

 

Behandlung eines akuten Gichtanfalls

Zur Behandlung der gichtbedingten Schmerzen und der Entzündung werden entsprechende Arzneimittel verordnet und anfangs vergleichsweise hoch dosiert. Da die Medikamente alle Nebenwirkungen haben, einige davon z. B. auch den Blutdruck erhöhen können, sollten häufige Blutdruckkontrollen bei den Patienten durchgeführt werden, um die Belastung des Herzens im Blick zu behalten.

Folgende Medikamente können bei einem akuten Gichtanfall die Schmerzen verringern, Entzündungen und Schwellungen lindern:

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Diclofenac
  • Colchicin
  • Cortison (Glukokortikoide), ggf. auch als Injektion ins Gelenk
  • Interleukin-Antagonisten

 

Langzeitbehandlung: Verhinderung weiterer Gichtanfälle

Grundlage der Langzeit-Gichttherapie ist eine konsequente Ernährungsumstellung und eine Änderung des Lebensstils. Dadurch lässt sich der Harnsäurespiegel gut unter Kontrolle halten.

Dazu gehört eine purinarme Ernährung und Umstellung auf eine pflanzenlastige Kost, Verzicht auf Alkohol und mit Fructose angereicherte Getränke und Desserts.23

Darüber hinaus sollte das Übergewicht langsam (!) abgebaut werden, da zu rascher Gewichtsverlust Purine aus körpereigenen Zellen freisetzt.

Zur Ausleitung der Harnsäure und abgelagerter Giftstoffe trägt unterstützend bei, täglich mindestens 2 Liter stilles Wasser zu trinken.

Außerdem zielt die Gicht-Behandlung darauf ab, die Harnsäurekristalle aufzulösen und deren erneute Bildung zu verhindern. Dazu ist erforderlich, den Harnsäurespiegel im Blut dauerhaft auf unter 6,5 mg/dl zu senken.

 

 

Behandlung bei chronischer Gicht

Wenn die Ernährungsumstellung und die Veränderung des Lebensstils allein nicht ausreichen, werden zur Behandlung von chronischer Gicht Medikamente eingesetzt, die die Harnsäure senken und das Risiko für Folgekrankheiten verringern. Meist muss die medikamentöse Gichttherapie lebenslang fortgesetzt werden.

Da die Medikamente eine Reihe unerwünschter Wirkungen aufweisen, sollte alles unternommen werden, um eine Dauermedikation zu vermeiden.

  • Urikostatika wie Allopurinol hemmen die Bildung von Harnsäure im Körper.
  • Urikosurika wie Benzbromaron oder Probenecid verbessern die Harnsäureausscheidung über die Nieren und werden eingesetzt, wenn andere Maßnahmen keinen Erfolg gezeigt haben.
  • Colchicin kommt zum Einsatz, wenn innerhalb des ersten halben Jahres der Langzeitbehandlung weiterhin Gichtanfälle auftreten.

Ganzheitliche Therapie

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Ganzheitliche Therapie in der Übersicht

  • Allgemeine Maßnahmen für eine nachhaltige Senkung des Harnsäurespiegels: Ernährungsumstellung, Änderungen im Lebensstil, Ausgleich von Mikronährstoffmängeln
  • Heilkräuter zur Anregung der Nierenfunktion und zur Auflösung von Nierensteinen: Brennessel, Goldrute, Birkenblätter, Schwarzpappel, Clerodendranthus spicatus (chin. Nierenkraut)
  • Bentonit zur Behandlung von Hyperurikämie und Gicht
  • Entsäuerung: Umstellung auf basenreiche Kost und Ausleitung überschüssiger Säuren über Lunge, Darm, Nieren und Haut
  • Homöopathie: Ledum als Hauptmittel bei akuten Gichtanfällen, homöopathische Komplexmittel zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen und zur Ausleitung der Harnsäure über das Lymphsystem

Grundsätzliches zur ganzheitlichen Gicht-Therapie

Gicht zählt zu den Zivilisationskrankheiten und kann daher in den meisten Fällen durch einen gesundheitsfördernden Lebensstil sowie eine ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung verhindert werden.

Liegt eine angeborene oder im Laufe des Lebens erworbene Nierenschwäche vor, ist es umso wichtiger, schädliche Faktoren, die einen Gichtanfall begünstigen, zu meiden.

Grundsätzlich geht die ganzheitliche Gichttherapie mit entsprechenden gesundheitsfördernden Maßnahmen einher, die die Eigeninitiative des Patienten erfordern.

Ziel ist es, den Harnsäurespiegel nachhaltig und dauerhaft zu senken, um Niere und Gelenke von den schädlichen Auswirkungen der Hyperurikämie zu schützen.

 

Heilpflanzen: Anregung der Nierentätigkeit und Förderung der Harnbildung

  • Birke (Betula): Ein Tee aus Birkenblättern oder Knospen hat eine harntreibende und stoffwechselanregende Wirkung. Über mehrere Wochen hinweg getrunken, kann er sogar dazu beitragen, Nierensteine aufzulösen.
  • Brennnessel (Urtica dioica): Die Brennnessel erhöht die Harnbildung und regt die Nierentätigkeit an. Ihre Inhaltsstoffe fördern zudem die Stoffwechselaktivität und unterstützen die Ausscheidung von Stoffwechselgiften und -ablagerungen im Gewebe.
  • Chanca piedra (Phyllantus niruri, „Steinbrecherkraut“): Das aus Südamerika, vorwiegend aus der Amazonas-Region, stammende Kraut wird dort erfolgreich u. a. zur Prävention und bei der Behandlung von Nieren-, Blasen- und Gallensteinen eingesetzt.24 Zudem senkt es nachweislich den Harnsäurespiegel und regt sanft die Nierentätigkeit an.

Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Unser Tipp für die Behandlung und Vorbeugung von Nierensteinen:


  • Chinesischer Nierentee (Clerodendranthus spicatus): Dieses Kraut wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin zur Behandlung von Nierenerkrankungen verwendet. Studien haben herausgefunden, dass seine Wirkung zur Senkung des Harnsäurespiegels sogar die des Arzneiwirkstoffs Benzbromaron übersteigt. Außerdem konnten Schwellung und Schmerzen signifikant gelindert werden.25
  • Echte Goldrute (Solidago virgaurea): Wie die Brennessel regt auch die Goldrute die Harnproduktion an und fördert damit die Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren. Trinken Sie dazu reichlich Wasser, da aufgrund der erhöhten Flüssigkeitsausscheidung der Körper sonst zu sehr austrocknet. Wenn Ihre Nierenfunktion bereits geschwächt ist, verzichten Sie auf die Verwendung der Goldrute, da jegliche weitere Belastung für die Nieren vermieden werden muss.
  • Grüner Hafer (Avena sativa): Auch die Wirkstoffe des ungereiften Haferkrauts regen die Ausscheidung der Harnsäure an. Zudem lösen sie Stoffwechselablagerungen aus dem Gewebe, wirken entwässernd und entgiftend und fördern einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt.
  • Schwarzpappel (Populus nigra): In der Volksheilkunde gilt die Schwarzpappel, ebenso wie die Birke, als Gicht-Heilmittel.26 Sie enthält entzündungshemmende, schmerzstillende, harntreibende und schwellungsmindernde Wirkstoffe. Sie kann innerlich als Tee oder äußerlich als Umschlag verwendet werden.

 

Bentonit

Bentonit ist eine Mineralerde, hat eine stark entgiftende Wirkung und zählt zur Klasse der Silikate. Seine überwiegend negativ geladene Oberfläche hat eine hohe Resorptionsfähigkeit für schädliche Substanzen wie (Schwer-)Metalle, Krankheitserreger, Säuren und Giftstoffe, deren Oberfläche überwiegend positiv geladen ist.

Im Verdauungstrakt werden die krankmachenden Substanzen und Organismen gebunden und mit dem Stuhl ausgeschieden.

Auch die überschüssige Harnsäure wird durch Bentonit gebunden und die Ausscheidung über den Darm gefördert, wodurch Nieren, Harnwege und Gelenke entlastet werden und Entzündungen vorgebeugt wird.27 Außerdem fördert Bentonit die Regulierung des Säure-Basen-Haushalts.

Da Bentonit jedoch auch Nährstoffe im Darm bindet, sollte die Einnahme, zusammen mit einem großen Glas Wasser (mind. 400 ml), etwa 30 Minuten vor einer Mahlzeit oder 2-3 Stunden nach einer Mahlzeit erfolgen. Ideal ist auch die Einnahme vor dem Schlafengehen.

Während des gesamten Einnahmezeitraum sollte die tägliche Flüssigkeitsaufnahme erhöht werden. Bentonit bindet während der Darmpassage Wasser, das durch vermehrtes Trinken ausgeglichen werden sollte.

 

Tipps

Empfehlenswert ist eine kurmäßige Anwendung von Bentonit:

Nehmen Sie zweimal täglich 1 Teelöffel Bentonit zusammen mit 400 ml Wasser ein. Da Bentonit viel Flüssigkeit bindet, trinken Sie möglichst die gleiche Menge Wasser (400 ml) anschließend noch einmal.

Führen Sie die Anwendung über drei Wochen mit einer einwöchigen Pause durch und wiederholen Sie diesen Anwendungszyklus über drei Monate.

Da jeder Organismus individuell reagiert und seine Vorgeschichte hat, sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Therapeuten ab, ob die Anwendung von Bentonit für Sie geeignet ist.

 


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Achten Sie beim Kauf von Bentonit darauf, dass es als Medizinprodukt der Klasse IIB zertifiziert wurde und daher zur medizinischen Anwendung geeignet ist. Unser Tipp:


Entsäuerung & Entgiftung

Unser Körper verstoffwechselt alles, was wir essen und trinken, je nach Zusammensetzung der Lebensmittel, zu Säuren oder Basen. Für die Gesundheit wichtig ist eine basenüberschüssige Ernährung.

Stress in Zusammenhang mit einem übersäuerten Organismus führt zu einer Überstimulation des Sympathikus und der erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen, wodurch die Entzündungsprozesse und die Bildung von schädlichen Säuren im Stoffwechsel gefördert werden.

Zudem führen Säuren zu Gewebsschädigungen und Mikroentzündungen, was durch einen erhöhten Harnsäurespiegel auch schon lange im Vorfeld des ersten Gichtanfalls begünstigt wird. Diese silent inflammation stellt für den Körper und besonders auch das Immunsystem eine hohe Belastung dar, auch wenn der Körper scheinbar gesund ist.

Zur Pufferung der überschüssigen Säuren verbraucht der Körper Mineralstoffe aus der Nahrung und greift auch körpereigene Mineralstoffspeicher an, welche beispielsweise den Zähnen entzogen werden und diese anfälliger machen für Karies. Langfristig führt Übersäuerung zu zahlreichen Erkrankungen, allen voran Entzündungen, Stoffwechselkrankheiten wie Gicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose.


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Wer sich eingehender mit den Auswirkungen von Säuren und Basen auf unseren Organismus beschäftigen möchte, dem empfehlen wir dieses Buch:


Ebenso werden die enzymatischen Prozesse geschwächt, da Enzyme vor allem ein neutrales bis leicht basisches Milieu benötigen, um reibungslos zu funktionieren. Im übersäuerten Milieu können ihre vielfältigen Funktionen im Stoffwechsel, zur Bekämpfung von entzündlichen Prozessen, als Botenstoffe oder intrazelluläre Transportmittel nicht mehr reibungslos erfüllen.

Basenbildende Kost, eine Zufuhr basenbildender Nährstoffe, Reduzierung säurebildender Nahrungsmittel, Durchführung von Basenbädern, Stressreduktion und ein ausgeglichener Mikronährstoffhaushalt sorgen langfristig für eine Harmonisierung des Säure-Basen-Haushalts und beugen damit einem zu hohen Harnsäurespiegel sowie den gefürchteten Gichtanfällen vor.

 

Ursachen für einen übersäuerten Organismus sind:

  • Ernährungsgewohnheiten, die viele Säurebildner enthalten wie Fleisch, Wurst-, und Milchprodukte, Auszugsmehl, Zucker, Süßigkeiten, alle industriell gefertigten Nahrungsmittel, Alkohol und Kaffee
  • Medikamente
  • wenig Bewegung
  • fehlende Erholungszeiten
  • psychische Belastung, Sorgen und Konflikte, Stress
  • Sauerstoffmangel durch flache Atmung und wenig frische Luft

Hinweis

Übersäuerung und Gicht

Ein gesunder Körper scheidet überschüssige Säuren, die im Stoffwechselprozess entstanden sind, über Darm, Niere, Haut und Lunge aus.

Aufgrund der purinreichen Kost, die die Harnsäureproduktion steigert, und/oder andere schädliche Faktoren, wie z. B. ungesunder Lebensstil, Medikamente oder körperliche Überlastung, gerät der Säure-Basen-Haushalt aus dem Gleichgewicht.

Um die überschüssige Harnsäure zu neutralisieren, bindet sie der Körper mit basischen Mineralstoffen wie Magnesium, Zink, Kalium oder Kalzium. Damit können Gewebeschädigungen durch die Säure vermieden werden.

Die „sauren Salzkristalle“ (Nieren-, Gallengrieß, Nieren-, Blasen-, Gallensteine), die bei diesem Prozess gebildet werden, stellen folglich einen Schutzmechanismus des Körpers auf den Säureüberschuss dar.

Setzen sich diese Kristalle in den Gelenken fest, können durch die Reizung Entzündungen entstehen und ein Gichtanfall ausgelöst werden.

Um das Säure-Basen-Gleichgewicht wiederherzustellen und dadurch den Stoffwechsel anzuregen und die Ausscheidung von Harnsäure zu erleichtern, gibt es einige Grundsätze, die zu festen Lebensgewohnheiten werden sollten und gleichzeitig eine begleitende Therapie des erhöhten Harnsäurespiegels darstellen:

  • basenüberschüssige, mikronährstoffreiche Ernährung mit viel Rohkost oder schonend gedünstetem Gemüse, Zitrusfrüchten, Kartoffeln, Mandeln, Samen, Hirse, Quinoa, Amaranth, Buchweizen, frischen Kräutern und Gewürzen
  • Sanfter Sport und regelmäßige Bewegung, die zu einer vermehrten Atmung und damit Säureausscheidung über die Lungen führt; außerdem baut Sport Stresshormone ab, die wiederum die Säureproduktion im Organismus anregen
  • basische Körperpflege wie Bäder oder tägliche Körperwaschungen mit Wasser, dem Basensalz hinzugefügt wurde
  • Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation, Qi Gong etc., die ebenfalls Stresshormone reduzieren
  • trinken von Wasser oder Kräutertees, um Säuren über die Nieren auszuscheiden
  • ausreichend Schlaf und Ruhezeiten

Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt ist Grundvoraussetzung, damit der pH-Wert unseres Blutes im Idealbereich zwischen 7,34 – 7,45 liegt. Unser Organismus ist stets damit beschäftigt, unseren Säure-Basen-Haushalt zu regulieren. Eine Möglichkeit der Unterstützung bietet die regelmäßige Verwendung eines Basensalzes. Lernen Sie selbst die wohltuende Wirkung der basischen Anwendungen kennen und beginnen Sie mit einem täglichen Fußbad, dem Sie 1-2 Teelöffel Basensalz zusetzen: 


 

Homöopathie bei Gicht

Die Klassische Homöopathie kennt über 6.500 geprüfte Einzelarzneimittel. Homöopathische Mittel werden aus Substanzen pflanzlicher, mineralischer oder tierischer Herkunft hergestellt. Während des Herstellungsprozesses werden die Wirkstoffe so stark verdünnt (potenziert), dass sie in den Globuli oder Tropfen praktisch nicht mehr nachweisbar sind. Wodurch der Behandlungserfolg erklärt werden kann, ob durch die energetische Essenz des ursprünglichen Wirkstoffs oder durch einen Placebo-Effekt, ist in der Schulwissenschaft umstritten. Gegen ein Placebo spricht der Heilungserfolg bei Babys, Tieren oder Pflanzen.

Wer als Gicht-Patient auf eine sanfte Therapie der Beschwerden setzt und eine nebenwirkungsarme Methode vorzieht, ist mit der Homöopathie als Begleittherapie gut beraten.

 

Um einen wirklichen Behandlungserfolg zu erzielen, sollte ein erfahrener Homöopath aufgesucht werden, da die klassische Homöopathie nicht einzelne Symptome behandelt, sondern den ganzen Menschen. Um das passende Einzelmittel oder eine Kombination aus den vielen Tausend Arzneimitteln herauszufinden, wird eine detaillierte Anamnese (Erfragung der persönlichen Krankengeschichte) durchgeführt. Dabei werden vom Homöopathen neben den Gichtsymptomen auch die individuellen Lebensumstände des Patienten berücksichtigt.

Ein homöopathisches Arzneimittel, das sich bei einem akuten Gichtanfall mehrfach bewährt hat, ist Ledum in der Potenz C30 oder C200. Es zählt zu den Hauptarzneimitteln bei Gichtanfällen.

Auch homöopathische Komplexmittel können die vielfältigen Beschwerden lindern. Zum Einsatz kommen sehr wirksame Mischungen homöopathischer Arzneien zur Linderung der Schmerzen und der Entzündung, andere Mittel fördern die Ausscheidung der Entzündungsfaktoren und der Harnsäure über das Lymphsystem.

Checkliste

Checkliste

Checkliste und Empfehlungen: Das können Sie selbst tun bei Gicht

  • Gut informiert sein: Informieren Sie sich und Ihre Angehörigen so gut wie möglich über Ihre Erkrankung.
  • „Richtige“ Therapeuten: Der Draht zu Ihren Therapeuten (Ärzte, Ernährungsberater, Heilpraktiker…) muss stimmen. Die Beziehung zwischen Patienten und Therapeut muss auf Vertrauen und Sympathie aufbauen.
  • Mikronährstoffe: Achten Sie auf Ihren Mikronährstoffhaushalt. Nur wenn alle Mikronährstoffe ausreichend im Organismus vorhanden sind, können lebenswichtige Prozesse optimal ablaufen. Bei Gicht stehen alle Mikronährstoffe im Fokus – eine Breitbandversorgung ist daher unerlässlich. Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.
  • Ernährungsumstellung: Wichtig ist eine purinarme Kost, das heißt Verzicht auf Wurst- und Fleischprodukte, Innereien und bestimmte Fischarten. Auch fructosehaltige Produkte wie Fruchtjoghurts, Süßigkeiten, Softdrinks, Fruchtsäfte sind zu meiden. Obst ist grundsätzlich unbedenklich, lediglich große Mengen fruchtzuckerreicher Sorten wie Weintrauben, Äpfel oder Orangen können Beschwerden verursachen.
  • Zwischenmahlzeiten sind zu vermeiden, da durch den erhöhten Insulinspiegel die Harnsäureausscheidung behindert wird
  • Erhöhung der Trinkmenge: Stilles Wasser ist zu bevorzugen. Als Faustregel gilt: 40 ml Wasser pro Kilogramm Körpergewicht; bei einem Gewicht von 80 kg sind das ca. 3 Liter.
  • Lebensstil:
    • Sport und Bewegung: Beginnen Sie mit einem mäßigen Muskeltraining und nehmen Sie sich täglich etwas Zeit für Bewegung wie Spazierengehen oder Nordic Walking.
    • Gewichtsreduktion: Bauen Sie langsam Übergewicht ab. Fasten oder Crash-Diäten sind bei Gicht verboten. Anzustreben ist eine langsame Gewichtsreduktion in Kombination mit mäßiger sportlicher Betätigung.
    • Entspannung & Stressreduzierung: Fehlende Ruhephasen, körperliche Überlastung und Stress können Gichtanfälle auslösen. Daher sind ausreichend Schlaf und (psychische) Entspannung wichtig für eine erfolgreiche Gichttherapie.
    • Verzichten Sie konsequent auf Nikotin und Alkohol. Vor allem Bier, Liköre und Alkoholmischgetränke begünstigen einen Gichtanfall.
  • Ganzheitliche Therapie:
    • Wärmeanwendungen: Während der symptomfreien Phase ist es wichtig, den Körper vor Unterkühlung zu schützen, Gelenke und andere schlecht durchblutete Körperregionen warm zu halten. Regelmäßige Saunabesuche oder die Nutzung von Dampfbädern fördern zusätzlich die Ausleitung von Säuren und Giftstoffen.
    • Entsäuerung: Basenbildende Kost, Säureausscheidung durch basische Anwendungen und die Einnahme von Bentonit
    • Heilpflanzen: harntreibende, entzündungshemmende, nierenanregende und harnsäureausleitende Wirkstoffe aus Brennessel, Birke, Clerodendranthus spicatus, Schwarzpappel, Goldrute, Chanca Piedra oder Grüner Hafer
    • Homöopathie: Ledum als eines der homöopathischen Hauptarzneimittel bei einem Gichtanfall; homöopathische Komplexmittel zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen sowie zur Ausleitung der Harnsäure über das Lymphsystem

Quellenangaben

1 www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/medizin/vegetarische-ernaehrung-senkt-das-risiko-an-gicht-zu-erkranken-13373146

2 www.aerzteblatt.de/archiv/158095/Juvenile-Gichtarthritis

3Alvsaker JO. Genetische Untersuchungen bei primärer Gicht. Untersuchungen zu den Plasmaspiegeln des uratbindenden Alpha-1-Alpha-2-Globulins bei Personen aus zwei Gichtverwandten. J Clin Invest . 1968; 47 (6): 1254 & ndash; 1261. doi: 10.1172 / JCI105817

4 Choi HK, Atkinson K, Karlson EW, Willett W, Curhan G. Alcohol intake and risk of incident gout in men: a prospective study. Lancet. 2004 Apr 17;363(9417):1277-81. doi: 10.1016/S0140-6736(04)16000-5. PMID: 15094272.

5 Zhang Y, Neogi T, Chen C, Chaisson C, Hunter DJ, Choi HK. Cherry consumption and decreased risk of recurrent gout attacks. Arthritis Rheum. 2012 Dec;64(12):4004-11. doi: 10.1002/art.34677. PMID: 23023818; PMCID: PMC3510330.

6 Chen PE, Liu CY, Chien WH, Chien CW, Tung TH. Effectiveness of Cherries in Reducing Uric Acid and Gout: A Systematic Review. Evid Based Complement Alternat Med. 2019 Dec 4;2019:9896757. doi: 10.1155/2019/9896757. PMID: 31885677; PMCID: PMC6914931.

7 Choi HK, Gao X, Curhan G. Vitamin C intake and the risk of gout in men: a prospective study. Archives of Internal Medicine. 2009 Mar;169(5):502-507. DOI: 10.1001/archinternmed.2008.606.

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9 ZHENG-TAO LV and AN-MIN CHEN: Vitamin D Deficiency May Explain the Possible Link Between Gout and Erectile Dysfunction. The Journal of Rheumatology August 2016, 43 (8) 1617. doi: 10.3899/jrheum.160056.

10 Jiang Q. Natural forms of vitamin E: metabolism, antioxidant, and anti-inflammatory activities and their role in disease prevention and therapy. Free Radic Biol Med. 2014 Jul;72:76-90. doi: 10.1016/j.freeradbiomed.2014.03.035. Epub 2014 Apr 3. PMID: 24704972; PMCID: PMC4120831.

11www.gesundheit.de/krankheiten/rheuma-erkrankungen/arthritis/vitamin-e-bringt-gelenke-in-schwung-therapie-bei-arthritis-co EMNID Umfrage „Erfahrungen mit hochdosiertem Vitamin E“, N= 100 niedergelassene Rheumatologen, Juni 2006

12 Kiyani MM, Butt MA, Rehman H, Ali H, Hussain SA, Obaid S, Arif Hussain M, Mahmood T, Bokhari SAI. Antioxidant and anti-gout effects of orally administered zinc oxide nanoparticles in gouty mice. J Trace Elem Med Biol. 2019 Dec;56:169-177. doi: 10.1016/j.jtemb.2019.08.012. Epub 2019 Aug 24. PMID: 31479800.

13 www.vitamindoctor.com/gesund-werden/stuetz-bewegungsapparat/gicht/#c16263

14 Zhang M, Zhang Y, Terkeltaub R, Chen C, Neogi T. Effect of Dietary and Supplemental Omega-3 Polyunsaturated Fatty Acids on Risk of Recurrent Gout Flares. Arthritis Rheumatol. 2019 Sep;71(9):1580-1586. doi: 10.1002/art.40896. Epub 2019 Aug 1. PMID: 30908893; PMCID: PMC6717014.

15 Ruiz-Miyazawa KW, Staurengo-Ferrari L, Mizokami SS, Domiciano TP, Vicentini FTMC, Camilios-Neto D, Pavanelli WR, Pinge-Filho P, Amaral FA, Teixeira MM, Casagrande R, Verri WA Jr. Quercetin inhibits gout arthritis in mice: induction of an opioid-dependent regulation of inflammasome. Inflammopharmacology. 2017 May 15. doi: 10.1007/s10787-017-0356-x. Epub ahead of print. PMID: 28508104.

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23 Torralba KD, De Jesus E, Rachabattula S. The interplay between diet, urate transporters and the risk for gout and hyperuricemia: current and future directions. Int J Rheum Dis. 2012 Dec;15(6):499-506. doi: 10.1111/1756-185X.12010.

24 Cealan A, Coman RT, Simon V, Andras I, Telecan T, Coman I, Crisan N. Evaluation of the efficacy of Phyllanthus niruri standardized extract combined with magnesium and vitamin B6 for the treatment of patients with uncomplicated nephrolithiasis. Med Pharm Rep. 2019 Apr;92(2):153-157. doi: 10.15386/mpr-1246. Epub 2019 Apr 25. PMID: 31086843; PMCID: PMC6510356.

25 Chen WD, Zhao YL, Sun WJ, He YJ, Liu YP, Jin Q, Yang XW, Luo XD. „Kidney Tea“ and Its Bioactive Secondary Metabolites for Treatment of Gout. J Agric Food Chem. 2020 Aug 26;68(34):9131-9138. doi: 10.1021/acs.jafc.0c03848. Epub 2020 Aug 14. PMID: 32786873.21 Havlik J, Gonzalez de la Huebra R, Hejtmankova K, Fernandez J, Simonova J, Melich M, Rada V. Xanthine oxidase inhibitory properties of Czech medicinal plants. J Ethnopharmacol. 2010 Nov 11;132(2):461-5. doi: 10.1016/j.jep.2010.08.044. Epub 2010 Aug 26. PMID: 20800669

26 Havlik J, Gonzalez de la Huebra R, Hejtmankova K, Fernandez J, Simonova J, Melich M, Rada V. Xanthine oxidase inhibitory properties of Czech medicinal plants. J Ethnopharmacol. 2010 Nov 11;132(2):461-5. doi: 10.1016/j.jep.2010.08.044. Epub 2010 Aug 26. PMID: 20800669.

27 Ma Z, Long LH, Liu J, Cao YX. Montmorillonite adsorbs uric acid and increases the excretion of uric acid from the intestinal tract in mice. J Pharm Pharmacol. 2009 Nov;61(11):1499-504. doi: 10.1211/jpp/61.11.0009. PMID: 19903375.