Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose):
Ganzheitliche Medizin setzt
bei den Ursachen an

Wenn die „Dirigentin des Stoffwechsels“, unsere Schilddrüse, aus dem Takt gerät, wird unser ganzer Organismus gravierend beeinträchtigt. Unser Lebensstil hat entscheidenden Einfluss auf die Entstehung und den Verlauf einer Schilddrüsenüberfunktion. Wir stellen Ihnen alles Wichtige rund um die Erkrankung Hyperthyreose vor und zeigen Ihnen ganzheitliche Möglichkeiten, wie Sie selbst neben konventionellen Therapien aktiv werden können, um Ihre Gesundheit positiv zu beeinflussen.

Ultraschall-Untersuchung zur Erkennung einer Schilddrüsenüberfunktion

Corina Hajak Prakt. Ärztin, Expertin für integrative Medizin

Experte/Expertin:

Corina Hajak

Prakt. Ärztin, Expertin für integrative Medizin

Letzte Aktualisierung: 14. April 2021

Das-Wichtigste-in-Kürze

Fakten in der Übersicht

  • Schilddrüsenüberfunktion – was ist das? Bei der Schilddrüsenüberfunktion werden zu viele Schilddrüsenhormone produziert. TSH ist durch die negative Rückkopplung verringert, und T3,T4 oder beide Hormone sind im Serum erhöht. Bei latenten Hyperthyreosen ist das TSH bereits erniedrigt, T3 und T4 jedoch noch im Normalbereich. Die häufigsten Ursachen für eine Hyperthyreose sind die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow, eine Autonomie der Schilddrüse oder eine falsche Einstellung mit Schilddrüsenmedikamenten. Vorkommen: Unter einer Schilddrüsenüberfunktion leidet ca. 1% der deutschen Bevölkerung, 80% der Erkrankten sind weiblich.
  • Ursachen & Risikofaktoren: häufige Grunderkrankungen, die für eine Schilddrüsenüberfunktion verantwortlich sind (95%): Autoimmunerkrankung Morbus Basedow und Autonomie der Schilddrüse; Faktoren, die diese Erkrankungen begünstigen/auslösen, sind: chronischer Stress, Rauchen, Mikronährstoffmangel, Verschiebungen im Darm-Mikrobiom und auf Zellebene oxidativer Stress. Eine Überfunktion der Schilddrüse wird zu den Mitochondriopathien gezählt.
  • Symptome: Leitsymptome: Herzklopfen, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen; Nervosität, Zittern, nervöse Unruhe, Unausgeglichenheit, Schlafstörungen; Empfindlichkeit auf Hitze, verstärktes Schwitzen, feuchte warme Haut; weitere Symptome: Gewichtsabnahme, Magen-Darm-Beschwerden, Schwäche, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Vergrößerung der Schilddrüse, brüchige Haare und Fingernägel, Störungen der Regelblutung, Unfruchtbarkeit; Morbus Basedow: Merseburger Trias mit erhöhter Herzfrequenz, Struma und hervortretenden Augen mit starrem Blick
  • Diagnose und Tests: Anamnese und körperliche Untersuchung; Blutuntersuchung: TSH, fT4 und fT3 geben Auskunft über den Status der Schilddrüsenhormone; TSH normal = fast immer Ausschluss einer Hyperthyreose; TAK und TPO-AK bei Morbus Basedow; Sonografie: Größe, Form, Struktur und evtl. Knoten in der Schilddrüse können ermittelt werden; Szintigrafie: Funktionsstörungen der Schilddrüse können definiert werden in heiße und kalte Knoten; Feinnadelpunktion: gutartige können von bösartigen Strukturen unterschieden werden
  • Prognose und Verlauf: frühzeitig erkannt und behandelt, können Betroffene mit Hyperthyreose ein weitgehend unbeschränktes Leben führen; selten kann es aufgrund von körperlichen Stresssituationen, jodhaltigem Kontrastmittel oder L-Thyroxin zur gefährlichen thyreotoxischen Krise kommen
  • Empfohlene Ernährung: Eine anti-entzündliche, antioxidative Ernährung entspricht einer gesunden, vollwertigen Ernährung, die reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, fettem Fisch, Nüssen, Saaten und pflanzlichen Ölen ist. Bei Hyperthyreose sollten Sie auf eine basische Ernährung, auf ausreichende Eiweißzufuhr mit hochwertigen Proteinen, auf moderaten Konsum von Kaffee und Alkohol und eine normale Zufuhr an Jod (keine Algen und Seetangprodukte) und ausreichend Selen, Zink und Eisen über Nahrungsmittel besonders achten.
  • Therapie und Prävention: 
    • Mikronährstoffe: Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit allen Mikronährstoffen bei Schilddrüsenüberfunktion; besonders wichtig sind Jod, Selen, Vitamin D, Zink, Eisen und Coenzym Q10.
    • Lebensstil:
      • basische Lebensweise: anti-entzündlich, immunstärkend und harmonisierend;
      • Sport und Bewegung: bei latenter Hyperthyreose moderater Ausdauersport und Kraftsport
      • Reduzieren von Alkohol und Nikotin
      • Stressreduktion und Entspannungstechniken: Gestalten Sie Ihren Alltag um und nutzen Sie die positive Wirkung von Yoga, autogenem Training, Meditation oder einfachen Atemübungen
      • positive Lebenseinstellung
      • Schlaf und Schlafhygiene: Schlafbeschwerden sind häufig bei Menschen mit Hyperthyreose – beachten Sie einige Tipps zur Schlafhygiene, um erholsamen Schlaf zu fördern
    • Konventionelle Therapie: Reduktion der Jodaufnahme; Behandlung mit Thyreostatika (und evtl. weiteren symptomatisch wirkenden Medikamenten); Radiojodtherapie: nuklearmedizinische Methode, um gezielt überaktives Schilddrüsengewebe zu zerstören; Schilddrüsenoperation: Teile der Schilddrüse oder das gesamte Organ werden entnommen
    • Ganzheitliche Therapie:
      • Heilpflanzen: Wolfstrapp wirkt direkt auf das hormonelle System; Zitronenmelisse, Salbei, Melisse, Lavendel und Hopfen wirken symptomatisch bei vegetativen Beschwerden und nervösen Unruhezuständen
      • Hydrotherapie: Wickel mit Quark, Kohl und Heilerde und kalte Waschungen wirken kühlend, entzündungshemmend und beruhigend
      • Darmsanierung: Erneuerung des Mikrobioms
      • Psychotherapie: psychosomatische Komponenten, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung einer Hyperthyreose beitragen, adressieren, bearbeiten und auflösen

Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?

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Schilddrüsenüberfunktion in der Übersicht

  • Die Schilddrüse ist in zahlreiche wichtige Prozesse im Organismus eingebunden und Störungen im hormonellen Regelkreis haben große Auswirkungen auf körperliches und psychisches Befinden.
  • Wichtige Akteure im hormonellen Regelkreis der Schilddrüse: Hypophyse, Hypothalamus und Schilddrüse; Hormone: TRH, TSH, T3 und T4; optimale Versorgung mit Mikronährstoffen für eine normale Schilddrüsenfunktion
  • Werden mehr T3 und T4 ausgeschüttet und zirkulieren im Blut, erhöht sich der Energieverbrauch im Körper: das Herz schlägt schneller, die Körpertemperatur steigt an, Energiereserven werden abgebaut und die Aktivität des Nervensystems erhöht sich
  • Schilddrüsenüberfunktion: Produktion von zu vielen Schilddrüsenhormonen: TSH ist durch die negative Rückkopplung verringert und T3,T4 oder beide Hormone sind im Serum erhöht. Bei latenten Hyperthyreosen ist das TSH bereits erniedrigt, T3 und T4 jedoch noch im Normalbereich.
  • Die häufigsten Ursachen für eine Hyperthyreose sind die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow, eine Autonomie der Schilddrüse (heiße Knoten) oder eine falsche Einstellung mit Schilddrüsenmedikamenten.

Die Schilddrüse: Dirigentin des Stoffwechsels

 

Die Schilddrüse (Glandula thyroidea) ist eine schmetterlingsförmige Drüse, die sich unterhalb des Kehlkopfes vor der Luftröhre befindet und in zahlreiche wichtige Prozesse für unseren Organismus eingebunden ist, v. a. in Stoffwechsel, Wachstum und Reifung des Gehirns. Die Hauptaufgaben der Schilddrüse sind das Speichern von Jod und die Bildung der Schilddrüsenhormone. Die Schilddrüse ist anatomisch gesehen ein sehr kleines Organ (Gewicht 20g), jedoch mit beträchtlichem Einfluss auf unseren ganzen Organismus – körperlich und psychisch.

 

Die Schilddrüse produziert drei Hormone: T3 (Trijodthyronin), T4 (Tetrajodthyronin oder Thyroxin), die in den Follikelepithelzellen der Schilddrüse gebildet werden und Kalzitonin, welches in den C-Zellen synthetisiert wird. T3 und T4 haben einen wichtigen Bestandteil, der nur über die Nahrung aufgenommen werden kann: das Spurenelement Jod. Die Produktion der Hormone wird über einen sensiblen Regelkreis reguliert, um sich an die jeweiligen Umstände des Organismus anpassen zu können.

 

T4 stellt die Speicherform von T3 dar und wird 17-fach häufiger produziert als das biologisch aktive T3. Erst in den Zielzellen wird T4 durch verschiedene Enzyme in T3 umgewandelt. Wichtig für diese enzymatischen Reaktionen sind ausreichend Mikronährstoffe, v. a. Selen, Zink und Eisen.

 

Eine störungsfreie Funktion der Schilddrüse ist lebenswichtig. Im Neugeborenen-Screening wird die Schilddrüsenfunktion bereits kurz nach der Geburt überprüft, um schwere Gedeihstörungen im Fall einer Schilddrüsenerkrankung zu erkennen und zu behandeln.

 

Hormoneller Regelkreis der Schilddrüse (thyreotroper Regelkreis)

 

Am hormonellen Regelkreis der Schilddrüse sind verschiedene Strukturen beteiligt. Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) und Hypothalamus sitzen im Gehirn. Der Hypothalamus regelt als oberstes Regulationszentrum vegetative und endokrine Prozesse in unserem Körper, u. a. Atmung, Körpertemperatur, Schlaf-Wach-Rhythmus, Schmerzempfinden, sexuelles Verhalten, Hunger und Durst.

 

  • Hypothalamus schüttet TRH (Thyrotropin Releasing Hormone, Thyreotropin freisetzendes Hormon) aus
  • TRH regt die Hypophyse an, TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) auszuschütten
  • TSH regt die Schilddrüse an, vermehrt T3 und T4 auszuschütten
  • T3 und T4 gelangen über das Blut zu den Zielzellen; im Blut an Proteine gebunden (Speicher, damit bei Bedarf direkt mehr Hormone in freier Form fT3 und fT4 zur Verfügung stehen)
  • negative Rückkopplung: Hohe T3- und T4-Konzentrationen hemmen wiederum die TRH- und TSH-Ausschüttung aus Hypothalamus und Hypophyse

Allgemein gilt: Werden mehr T3 und T4 ausgeschüttet und zirkulieren im Blut, erhöht sich der Energieverbrauch im Körper: das Herz schlägt schneller, die Körpertemperatur steigt an, Energiereserven werden abgebaut und die Aktivität des Nervensystems erhöht. Bei Kindern werden außerdem das Wachstum und die Reifung des Gehirns gesteuert.

Der Hypothalamus bildet Hormone normalerweise nach einem festen Rhythmus, jedoch beeinflussen zahlreiche Faktoren wie emotionaler Stress, Kälte oder physische Anstrengung die Synthese und Ausschüttung.

 

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

 

Bei der Schilddrüsenüberfunktion werden zu viele Schilddrüsenhormone produziert. TSH ist durch die negative Rückkopplung verringert, und T3, T4 oder beide Hormone sind im Serum erhöht. Bei latenten Hyperthyreosen ist das TSH bereits erniedrigt, T3 und T4 jedoch noch im Normalbereich. Die häufigsten Ursachen für eine Hyperthyreose sind die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow, eine Autonomie der Schilddrüse (heiße Knoten) oder eine falsche Einstellung mit Schilddrüsenmedikamenten. Seltenere Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion ist eine Entzündung (Hashimoto-Thyreoiditis). Im Kapitel Ursachen und Risikofaktoren gehen wir im Detail auf begünstigende Faktoren ein, die genannte Krankheiten auslösen.

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann, aber muss nicht mit einem Kropf (Struma), der sichtbar vergrößerten Schilddrüse, einhergehen. Auch bedeutet ein Kropf nicht immer, dass eine Schilddrüsenüberfunktion vorhanden ist.

Der Leidensdruck ist oft sehr hoch: Betroffene leiden v. a. unter Schwitzen, Gewichtsabnahme, erhöhtem Puls, Händezittern, Muskelschwäche und innerer Unruhe mit Schlaflosigkeit und Konzentrationsstörungen bis zu aggressivem Verhalten und Depressionen.

 

Auftreten und Vorkommen

Schilddrüsenerkrankungen sind in Deutschland und global sehr weit verbreitet. Ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland leidet einmal im Leben unter einer krankhaften Veränderung der Schilddrüse. Schilddrüsenunterfunktion ist dabei häufiger vertreten als eine Überfunktion. Global steht ursächlich Morbus Basedow an 1. Stelle, in Deutschland ist die Schilddrüsenautonomie die Hauptursache.

Unter einer Schilddrüsenüberfunktion leidet ca. 1% der deutschen Bevölkerung, 80% der Erkrankten sind weiblich.

 

Vom Morbus Basedow sind vor allem Frauen in Pubertät, Schwangerschaft und in den Wechseljahren betroffen, den Phasen der hormonellen Umstellung. Die Schilddrüsenautonomie macht ca. 70-80% der Schilddrüsenerkrankungen bei älteren Menschen aus, sie entsteht durch unabhängige (autonome) Zellen, die nicht mehr auf die entsprechenden Steuerungsmechanismen reagieren und somit vermehrt Hormone abgeben.

 

Frauen in den Wechseljahren müssen besonders darauf achten, dass die Symptome für eine Schilddrüsenüberfunktion nicht mit dem Klimakterium verwechselt werden. Die Beschwerdebilder überschneiden sich in vielen Punkten und es sollte immer auch differentialdiagnostisch an eine Schilddrüsenüberfunktion gedacht werden.

Ursachen und Risikofaktoren

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Ursachen und Risikofaktoren in der Übersicht

  • Ursachen: Schilddrüsenautonomie, Autoimmunerkrankung Morbus Basedow und Schilddrüsenentzündung
  • Hyperthyreose wird zu den Mitochondriopathien (Störungen unserer „Zellkraftwerke“) gezählt.
  • Trigger und Auslöser:
    • Mikronährstoffmangel: Menschen mit Hyperthyreose weisen oft Mikronährstoffmängel auf, v. a. Selen, Zink, Eisen, Magnesium und Vitamin D.
    • Rauchen: Nikotin und andere Giftstoffe, die im Tabakrauch enthalten sind, wirken sich negativ auf den Körperstoffwechsel, die Nervenaktivität und die Hormonproduktion aus – Raucher erkranken nachweislich häufiger an Morbus Basedow (und anderen Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse) und leiden unter einem schwereren Verlauf als Nichtraucher.
    • Verschiebungen im Darm-Mikrobiom: Die Mikroorganismen, die im Darm leben, haben einen erheblichen Einfluss auf die Schilddrüsengesundheit und das Hormonsystem.
    • psychischer Stress: Eine instabile Psyche trägt außerdem zu schweren Verläufen der Erkrankung bei. Umgekehrt wirkt die Basedow-Erkrankung selbst als Stressor für Patienten – Verfahren zur Stressbewältigung sind wichtig für das Durchbrechen dieses Teufelskreises.
    • oxidativer Stress: Bei autoimmunen Entzündungsprozessen entsteht oxidativer Stress, der wie ein Katalysator bei der Zerstörung des Schilddrüsengewebes wirkt. Eine Mangelversorgung mit Mikronährstoffen wie Antioxidantien (Vitamin A, C und E, sekundäre Pflanzenstoffe) begünstigt die destruktiven Prozesse.
    • hohe Homocystein-Spiegel: Verstärker des oxidativen Stress‘ und Mitursache bei der Entstehung von Mitochondriopathien

Warum die Schilddrüse zu viele Hormone herstellt, hat verschiedene Ursachen. Diese können in der Schilddrüse selbst liegen (primär) oder in Krankheiten außerhalb der Schilddrüse begründet sein (sekundär). In Deutschland ist die häufigste Ursache die Autonomie der Schilddrüse, weltweit Morbus Basedow.

 

Schilddrüsenautonomie

Bei einer Autonomie der Schilddrüse funktioniert der hormonelle Regelkreis nicht mehr, und die Schilddrüse produziert „selbstständig“ Hormone. Meist befinden sich in der Schilddrüse gutartige heiße Knoten (autonome Adenome), die unkontrolliert Hormone produzieren (fokale Autonomie). Wenn die ganze Schilddrüse zu viele Hormone produziert, spricht man von einer disseminierten Autonomie.

 

Morbus Basedow

Bei Autoimmunerkrankungen bildet unser Immunsystem fälschlicherweise Antikörper gegen körpereigene Zellen, bei Morbus Basedow (in Deutschland erstmals benannt von Carl Adolph von Basedow, engl. Graves‘ disease) gegen die TSH-Rezeptoren der Schilddrüse. Auch hier wird der hormonelle Regelkreis außer Kraft gesetzt, und dem tatsächlichen Bedarf des Körpers an Schilddrüsenhormonen kann nicht mehr Folge geleistet werden: Die Schilddrüsenzellen produzieren unabhängig von der Regelung über TSH zu viele Hormone. Diese Autoantikörper sind bei der Diagnosestellung von Bedeutung und können im Blut gemessen werden: TSH-Rezeptor-Autoantikörper (TRAK). Die Autoantikörperbildung kann zum Wachstum der Schilddrüse (Struma, Kropf) führen.

Hinweis

Stärken Sie Ihr Immunsystem

Autoimmunkrankheiten wie Morbus Basedow, Rheuma oder Multiple Sklerose stellen eine Form der Immunschwäche dar. Sie entstehen aufgrund einer Fehlleitung oder Überaktivität des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe. Wegen des permanenten Entzündungsgeschehens werden unsere Abwehrkräfte geschwächt. Eine gezielte Stärkung des Immunsystems kann zu einer Reduzierung der Autoimmunprozesse führen, worauf im Kapitel „Therapie & Prävention“ näher eingegangen wird.

 

Schilddrüsenentzündung

Symptome einer Überfunktion der Schilddrüse können auch durch Entzündungen der Schilddrüse auftreten. Die bereits vorproduzierten und gespeicherten Hormone werden im Überfluss freigesetzt und lösen die typischen Symptome der Überfunktion aus, die meist von beschränkter Dauer über mehrere Wochen ist. Eine Schilddrüsenentzündung kann autoimmun bedingt sein (Hashimoto-Thyreoiditis) oder subakut verlaufen (De Quervain).

 

Hinweis

Falsche Einstellung mit Schilddrüsenmedikamenten (Hyperthyreose factitia)

Wenn Sie aufgrund einer Schilddrüsenunterfunktion zu viele Schilddrüsenhormone (L-Thyroxin) einnehmen, können auch daraus Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion entstehen. Eine Anpassung der Medikation ist in diesem Fall angezeigt.

Auslöser/Trigger für die Entwicklung einer Hyperthyreose

Wenn Sie Verwandte in der Familie mit einer Hyperthyreose haben, besteht ein erhöhtes Risiko, auch selbst zu erkranken. Bei Morbus Basedow ist das Risiko erhöht, weitere Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Zöliakie zu bekommen. Verschiedene Trigger können bei einer bestehenden Disposition die Entwicklung einer Hyperthyreose begünstigen. Alle diese Auslöser führen auf Zellebene zu einer Mitochondriopathie, der chronischen Unterfunktion unserer Zellkraftwerke.

 

Ausflug in die Wissenschaft

Hyperthyreose gehört wohl zu Mitochondriopathien

Obwohl bei einer Hyperthyreose der Organismus auf den ersten Blick „überfunktioniert“, sieht es in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle, ganz anders aus: Die Mitochondrien stellen zu wenig Energie für den Körper zur Verfügung – mittlerweile wird vermutet, dass bei allen chronischen Erkrankungen eine Mitochondriopathie mit am Krankheitsprozess beteiligt ist und die Krankheit aufrechterhält, auch bei Schilddrüsenerkrankungen (ursächlich autoimmun wie bei Morbus Basedow oder chronisch-entzündlichen Komponenten).

Der Einfluss der zu viel produzierten Schilddrüsenhormone scheint direkt Arbeitsprozesse in den Mitochondrien zu verändern, welche in Folge für die hypermetabolischen Symptome verantwortlich sind, wie Tierversuche nahelegen.1

 

Mitochondrien sind die Energiekraftwerke in unseren Körperzellen und produzieren Adenosintriphosphat (ATP), den Treibstoff für unseren Organismus. Jede Zelle enthält, je nach Energiebedarf, bis zu mehreren tausend Mitochondrien.

 

Neben der Energiebildung haben Mitochondrien noch mindestens zwei weitere wichtige Aufgaben für unseren Körper. Siesind für die Entsorgung von krankhaften oder nicht mehr benötigten Zellen zuständig. Über die sogenannte Apoptose sterben diese Zellen dann ab. Zusätzlich bilden Mitochondrien sogenannte Eisen-Schwefel-Cluster. Sie werden für die Funktion zahlreicher Enzyme und der Mitochondrien selbst benötigt.

 

Werden Mitochondrien nachhaltig geschädigt, so spricht man von Mitochondriopathie. In den letzten Jahren wurde klar, dass die Schädigung der Mitochondrien an der Entwicklung praktisch aller chronischer Krankheiten beteiligt ist. Organe, die viel Energie benötigen, spüren den Energiemangel in der Regel zuerst.

 

Folgende Faktoren sind die häufigsten Gründe für geschädigte Mitochondrien:

  • Mangel an Mikronährstoffen mit erhöhtem oxidativem Stress
  • Fehlernährung mit zu vielen Kohlenhydraten, Fastfood und hochverarbeiteten Produkten
  • Medikamente wie Antibiotika, Antiepileptika oder Zytostatika
  • latente chronische Entzündung (silent inflammation)
  • Belastung des Organismus mit Schwermetallen oder Umweltgiften
  • Viren und DNA-Schäden

 


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Unser Lese-Tipp für Sie, wenn Sie ihr Wissen um die Erkrankung der Mitochondrien noch vertiefen wollen.


 

Trigger/Auslöser der Hyperthyreose im Detail:

  • Mikronährstoffmängel: Die Autonomie entsteht vor allem über einen Jodmangel in Verbindung mit Mikronährstoffmängeln an Selen, Eisen, Coenzym Q10 und Zink, die essentiell für die Umwandlung der nichtaktiven Form T4 in die biologisch aktive Form T3 nötig sind. Auch bei der Entwicklung eines Morbus Basedow spielt die Versorgung mit Mikronährstoffen eine wichtige Rolle. Der Einfluss des Vitamin Ds auf die Aktivität verschiedener Immunzellen hat einen insgesamt antientzündlichen Effekt. Bei Patienten mit Morbus Basedow wurden gehäuft Vitamin-D-Mängel festgestellt.2 Mikronährstoffmängel entstehen vor allem durch einen ungesunden Lebensstil, permanente Medikamenteneinnahme und chronische Erkrankungen.
  • Rauchen: Nikotin und andere Giftstoffe, die im Tabakrauch enthalten sind, wirken sich negativ auf den Körperstoffwechsel, die Nervenaktivität und die Hormonproduktion aus. Die im Tabakrauch enthaltene Blausäure führt zu einem Verlust von Jod in der Schilddrüse. Raucher erkranken nachweislich häufiger an Morbus Basedow (und anderen Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse) und leiden unter einem schwereren Verlauf als Nichtraucher.3
  • Verschiebungen im DarmMikrobiom: Die Mikroorganismen, die im Darm leben, haben einen erheblichen Einfluss auf die Schilddrüsengesundheit und das Hormonsystem. Im gesunden Darm werden 1/5 der Schilddrüsenhormone in die aktive Form T3 umgewandelt – Störungen in der Balance des Mikrobioms können Schilddrüsenerkrankungen fördern und befeuern. Eine Darmsanierung sollte daher obligatorisch bei Schilddrüsenerkrankungen wie einer Hyperthyreose ergänzend zu anderen Therapien erfolgen.
  • psychischer Stress: Stress ist ein gut untersuchter Auslöser einer Hyperthyreose, v. a. bei Morbus Basedow.4 Epidemiologische Daten zeigten, dass in Krisengebieten kurz nach Beginn eines Kriegs die Inzidenz des Morbus Basedow sprunghaft in die Höhe ging aufgrund des großen erlebten Stresses der Einwohner. Umgekehrt wirkt die Basedow-Erkrankung selbst als Stressor für Patienten – Verfahren zur Stressbewältigung sind wichtig für das Durchbrechen dieses Teufelskreises. Eine instabile Psyche trägt außerdem zu schweren Verläufen der Erkrankung bei.
  • oxidativer Stress: Bei Entzündungsprozessen entsteht oxidativer Stress, der wie ein Katalysator bei der Zerstörung des Schilddrüsengewebes wirkt. Eine Mangelversorgung mit Mikronährstoffen wie Antioxidantien (Vitamin A, C und E, sekundäre Pflanzenstoffe) begünstigt die destruktiven Prozesse.

 

Hinweis

Oxidativer Stress

Oxidativer Stress entsteht durch das Überangebot an freien Radikalen. Freie Radikale sind Verbindungen, die auf Grund eines „verlorenen“ Elektrons chemisch instabil, kurzlebig und hoch reaktiv sind. Sie „entreißen“ anderen Molekülen Elektronen, um selbst wieder in einen stabilen Zustand übergehen zu können. Dadurch ändern sich jedoch deren Eigenschaften. In unserem Körper kann es durch zu viele freie Radikale (oxidativer Stress) zu Funktionsstörungen innerhalb der Zellen und zu Krankheiten kommen.

Freie Radikale entstehen als Nebenprodukte bei verschiedenen Stoffwechselvorgängen in unserem Organismus. Vor allem bei der Produktion von Energie für die Zellen in den Mitochondrien, wo aggressiver Sauerstoff verarbeitet wird, entstehen sehr viele freie Radikale. Sie sind aber nicht nur schädlich. Unter anderem erfüllen freie Radikale wichtige Aufgaben in der Immunabwehr, da sie Fremdorganismen, zum Beispiel Bakterien und Viren attackieren.

Damit körpereigene Strukturen wie die Bausteine der Erbsubstanz, Eiweiße wie Enzyme und besonders ungesättigte Fettsäuren der Zellwand keinen Schaden nehmen, muss die Zelle sich selbst vor Angriffen von freien Radikalen schützen. Dies übernehmen Radikalfänger, sogenannte Antioxidantien.

Sie können Elektronen abgeben, dadurch freie Radikale entgiften und sich selbst in einem Kreislauf von Reaktionen regenerieren. Bekannte Radikalfänger sind die Vitamine C, E und A. Jedoch spielen in der Zelle vor allem auch antioxidative Enzyme wie Superoxiddismutase (SOD), Katalase (KAT) und Glutathionperoxidase (GPX) eine bedeutende Rolle. Diese Enzyme benötigen als Cofaktoren die Spurenelemente Zink, Mangan und Selen sowie Kupfer und Eisen.

 

  • hohe Homocystein-Spiegel im Blut: Ein Verstärker des oxidativen Stresses bei Hyperthyreose ist Homocystein.5,6 Homocystein löst eine Steigerung der Zellschädigung, Erhöhung der Radikalbildung und Eingriff in die Funktion der Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen) aus. Für den Abbau von Homocystein im Blutplasma sind Vitamin B2, B6, B12 und Folsäure nötig.
  • Übersäuerung des Organismus: Unser Körper verstoffwechselt alles, was wir essen und trinken, je nach Zusammensetzung der Lebensmittel, zu Säuren oder Basen. Für die Schilddrüsengesundheit wichtig ist eine basenüberschüssige Ernährung. Ein übersäuerter Organismus ist nicht mehr in der Lage adäquat auf Infektionen zu reagieren. Zudem führen Säuren zu Gewebsschädigungen und Mikroentzündungen. Langfristig führt Übersäuerung zu zahlreichen Erkrankungen, allen voran Entzündungen, Stoffwechselkrankheiten, Drüsendysfunktionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose. Daher ist es wichtig, langfristig für eine Harmonisierung des Säure-Basen-Haushalts und damit für eine optimale Funktion der Schilddrüse zu sorgen. Ursachen für einen übersäuerten Organismus sind:
    • Ernährungsgewohnheiten, die viele Säurebildner enthalten wie Fleisch, Wurst- und Milchprodukte, Auszugsmehl, Zucker, Süßigkeiten, alle industriell gefertigten Nahrungsmittel
    • Alkohol und Kaffee
    • Medikamente
    • wenig Bewegung
    • fehlende Erholungszeiten
    • psychische Belastung, Sorgen und Konflikte, Stress
    • Sauerstoffmangel durch flache Atmung und wenig frische Luft

Symptome der Schilddrüsenüberfunktion

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Symptome in der Übersicht

  • Leitsymptome: Herzklopfen, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen; Nervosität, Zittern, nervöse Unruhe, Unausgeglichenheit, Schlafstörungen; Empfindlichkeit auf Hitze, verstärktes Schwitzen, feuchte warme Haut
  • Weitere Symptome: Gewichtsabnahme, Magen-Darm-Beschwerden, Schwäche, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Vergrößerung der Schilddrüse, brüchige Haare und Fingernägel, Störungen der Regelblutung, Unfruchtbarkeit
  • Morbus Basedow: Merseburger Trias mit erhöhter Herzfrequenz, Struma und hervortretenden Augen mit starrem Blick
  • weitere Drüsenerkrankungen autoimmuner Herkunft können assoziiert sein.

Wenn im Blut zu viele Schilddrüsenhormone zirkulieren, laufen viele Funktionen des Körpers auf Hochtouren, v. a. Stoffwechsel und vegetatives Nervensystem. Bei vielen Betroffenen sind die Symptome jedoch eher unspezifisch und treten auch nicht in den typischen Kombinationen auf. Bei älteren Patienten ist die Symptomatik meist insgesamt abgeschwächt und lässt sich leicht mit Tumorerkrankungen verwechseln (z. B. bei einer isolierten Gewichtsabnahme).

 

Die Leitsymptome der Hyperthyreose betreffen vor allem die Herzfunktion, die Körpertemperatur und die Psyche:

  • Herzklopfen, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen
  • Nervosität, Zittern, nervöse Unruhe, Unausgeglichenheit, Schlafstörungen
  • Empfindlichkeit auf Hitze, verstärktes Schwitzen, feuchte warme Haut

 

Weitere Symptome:

  • 90 % der Betroffenen entwickeln eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma: tastbare Schwellung/Knoten am Hals)
  • erhöhter Blutdruck
  • Gewichtsabnahme bei gleichzeitigen normalem Essverhalten (oder sogar Heißhungerattacken)
  • Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall
  • unruhiger Schlaf
  • Schwäche, Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • brüchige Haare und Fingernägel
  • Frauen: Störungen der Regelblutung, Unfruchtbarkeit

 

Bei Morbus Basedow mit drei typischen Leitsymptomen „Merseburger Trias“ (50 % der Betroffenen):

  • Struma
  • hervortretende Augen (Exopthalmus) und starrer Blick, chronische Bindehautentzündung: tränende Augen, Fremdkörpergefühl im Auge, gerötete Augen, Lichtempfindlichkeit, Sehstörungen wie Doppelbilder
  • erhöhte Herzfrequenz (Tachkardie > 100/Minute)

Weitere Symptome bei Morbus Basedow:

  • Schwellungen am Unterschenkel (Tibiaödeme)
  • verdickte Finger- und Zehenspitzen
  • oben genannte Hyperthyreose-Symptomatik

 

Assoziierte autoimmune Drüsenerkrankungen, die gehäuft mit einer Hyperthyreose auftreten:

  • Typ-1-Diabetes
  • Morbus Addison (Nebenniereninsuffizienz)
  • rheumatische Erkrankungen

 

Diagnose und Tests bei Schilddrüsenüberfunktion

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Diagnose in der Übersicht

  • Anamnese und körperliche Untersuchung
  • Blutuntersuchung: TSH, fT4 und fT3 geben Auskunft über den Status der Schilddrüsenhormone; TSH normal = fast immer Ausschluss einer Hyperthyreose; TAK und TPO-AK bei Morbus Basedow
  • Sonografie: Größe, Form, Struktur und evtl. Knoten in der Schilddrüse können ermittelt werden
  • Szintigrafie: Funktionsstörungen der Schilddrüse können definiert werden in heiße und kalte Knoten
  • Feinnadelpunktion: gutartige können von bösartigen Strukturen unterschieden werden

Anamnese und körperliche Untersuchung

Als Erstes wird Ihr Arzt Sie in der Anamnese eingehend zu Ihren Symptomen (Schwere, Dauer, …) befragen, zu Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme, Erkrankungen in der Familie, Ernährung und Gewichtsveränderungen, zur privaten und beruflichen Lebenssituation, zum Genussmittelkonsum (Rauchen, Alkohol), um sich ein Bild von Ihnen und der bestehenden Symptomatik zu machen.

 

Als nächstes folgt die körperliche Untersuchung. Manchmal zeigt sich eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma), eine feuchtwarme Haut, evtl. hervortretende Augäpfel, leichtes Zittern der Hände (Tremor). Die Auskultation des Herzens/Messung des Pulses kann eine erhöhte Herzfrequenz anzeigen (> 100/Minute in Ruhe). Die Schilddrüsenüberfunktion kann zu einer vermehrten Durchblutung der Schilddrüse führen, was der Arzt mit einem Stethoskop als Schwirren über der Schilddrüse hören (und manchmal auch fühlen) kann.

 

Anamnese und körperliche Untersuchung ergeben jedoch meist keine eindeutige Diagnose, da die Symptomatik oft unspezifisch ist und sich wenig eindeutig darstellt.

 

 

Blutuntersuchung

Bei der Diagnose von Schilddrüsenerkrankungen spielt die Labordiagnostik eine entscheidende Rolle. Wenn der Verdacht auf eine Störung der Schilddrüse vorliegt, wird Ihnen Blut abgenommen und folgende Werte bestimmt und ausgewertet: TSH, fT4 und fT3 (die „freien“ Schilddrüsenhormone). Die typische Konstellation bei einer Hyperthyreose sind niedrige TSH-Werte und hohe fT4 und fT3-Werte. Ein normaler TSH-Wert spricht mit hoher Wahrscheinlichkeit dafür, dass keine Hyperthyreose vorliegt.

 

Jedoch werden in der Medizin verschiedene Stufen der Hyperthyreose unterschieden – die Blutwertkonstellation muss bei einer Hyperthyreose nicht typisch ausfallen, sondern kann variieren.

  • latente Hyperthyreose: TSH niedrig, fT3 und fT4 normal
  • Grenzwerthyperthyreose: TSH niedrig, fT3 und fT4 im oberen Bereich der Norm
  • manifeste Hyperthyreose: TSH niedrig, fT3 und fT4 erhöht

 

Schilddrüsenwert (Erwachsene)Normalwert (Blutserum)
TSH basal0,27-4,2 µlU/ml
freies T3 (fT3)3,4-7,2 pmol/l
freies T4 (fT4)0,73-1,95 ng/dl

 

Es müssen auch nicht beide Schilddrüsenhormone erhöht sein – in 10 % der Fälle ist nur fT3 erhöht.

Besteht ein Verdacht auf die Immunhyperthyreose Morbus Basedow, können Autoantikörper bestimmt werden:

  • TRAK (TSH-Rezeptor stimulierenden Antikörper): TRAK sind in 90 % der Fälle nachweisbar. Die TRAK-Werte sind auch prognostisch wertvoll – bei sehr hohen Werten ist auch nach einer medikamentösen Therapie von einem Rückfall auszugehen, auch die Schwere der hervortretenden Augäpfel ist mit der Höhe des TRAK-Werts assoziiert.
  • TPO-AK (Thyreoperoxidase-Antikörper): TPO-AK sind in 70 % der Fälle nachweisbar.

Hinweis

Blutwerte allein ergeben keine Diagnose!

Einzelne Laborergebnisse sind nicht aussagekräftig, sondern müssen immer im Zusammenhang beurteilt und auch mehrmals gemessen werden. Außer tages- und jahreszeitlichen Schwankungen treten auch Unterschiede von Labor zu Labor auf. Lassen Sie sich Ihre Werte genau von Ihrem Arzt erklären – im Zusammenhang mit den anderen Untersuchungsergebnissen.

Sonografie

Eine schmerzlose, strahlenfreie und häufig angewandte Untersuchung ist der Ultraschall. Der untersuchende Arzt kann sonografisch die Lage, Größe und Struktur der Schilddrüse bestimmen. Bei einer Hyperthyreose ist die Schilddrüse häufig vergrößert und die Durchblutung durch zahlreiche Gefäßneubildungen erhöht. Im Ultraschall können auch knotige Veränderungen in der Schilddrüse bereits gesichtet werden. Für Rückschlüsse über die Funktion der Schilddrüse und Störungen, wie z. B. Art der Knoten, wird jedoch vom Endokrinologen oder Nuklearmediziner eine Szintigrafie durchgeführt.

 

 

Szintigrafie

Die Szintigrafie ist eine nuklearmedizinische Methode, mit der sich messen lässt, welche Teile der Schilddrüse wie stark Jod aufnehmen und ob heiße oder kalte Knoten vorliegen. Sie hilft die Ursache und entsprechende Therapie der Hyperthyreose zu ermitteln.

 

Hierfür werden radioaktive Substanzen (meist 99mTechnetium-Pertechnetat (PTT) oder 123I-Jodid) verwendet, die in der Schilddrüse wie Jod aufgenommen und anschließend mithilfe von Gammastrahlung gemessen und ausgewertet werden. Wieviel Jod/Technetium die unterschiedlichen Bereiche der Schilddrüse aufnehmen ist gleichbedeuten mit deren Aktivität/Hormonproduktion. Eine normale Schilddrüse nimmt gleichmäßig in allen Bereichen Technetium bei der Untersuchung auf. Die Szintigrafie ist oft das entscheidende diagnostische Mittel bei Schilddrüsenerkrankungen.

 

  • „heiße Knoten“ nehmen mehr Jod auf als normales Schilddrüsengewebe
  • „kalte Knoten“ nehmen weniger Jod auf als normales Schilddrüsengewebe

 

Die radioaktive Belastung für den Körper, die bei einer Szintigrafie entsteht, ist mit der eines Röntgenbildes zu vergleichen. Schwangere sollten nicht szintigrafisch untersucht werden, stillende Mütter müssen das Stillen für eine kurze Zeit pausieren.

 

 

Feinnadelpunktion

Um Gutartigkeit oder Bösartigkeit von Knoten genauer zu untersuchen, kann mit einer Feinnadelpunktion Material aus der Schilddrüse entnommen werden. Dieses wird anschließend histologisch untersucht.

 

 

Differentialdiagnosen

Erkrankungen, die sich in ähnlicher Symptomatik wie eine Hyperthyreose äußern und ausgeschlossen werden müssen, sind ein unbehandelter Diabetes mellitus, Psychosen, Drogenabusus (Kokain und Amphetamine) oder ein Hypophysenadenom.

Krankheitsverlauf und Prognose

Das-Wichtigste-in-Kürze

Krankheitsverlauf in der Übersicht

  • Wird die Hyperthyreose frühzeitig erkannt und behandelt, können Betroffene ein weitgehend unbeschränktes Leben führen.
  • Selten kann es aufgrund von körperlichen Stresssituationen, jodhaltigem Kontrastmittel oder L-Thyroxin zur gefährlichen thyreotoxischen Krise kommen, bei der der Körper mit Schilddrüsenhormonen „überschwemmt“ wird.
  • Eine schilddrüsenfreundliche Lebensweise kann das Risiko für einen Krankheitsausbruch reduzieren, v. a. wenn bereits eine familiäre Disposition vorliegt.

Die Prognose bei einer Schilddrüsenüberfunktion hängt von der Ursache der Erkrankung ab. Bei Morbus Basedow bilden sich bei ca. 50 % der Betroffenen die Symptome zurück und es wird keine lebenslange Behandlung benötigt. Bei einer Schilddrüsenautonomie müssen meist lebenslang Hormonstatus und Ausweitung der betroffenen Areale der Schilddrüse überprüft werden.

 

Wird eine Hyperthyreose frühzeitig erkannt und behandelt, können Betroffene ein weitgehend unbeschränktes Leben führen. Bei Nicht-Behandlung können die zu viel produzierten Hormone und der permanent auf Hochtouren laufende Stoffwechsel zu Folgeerkrankungen wie Stoffwechselstörungen (Diabetes), Herzerkrankungen (Herzschwäche, Herzmuskelschäden) oder Osteoporose führen. Auch das Risiko, an einer Depression zu erkranken, ist mit einer unbehandelten Hyperthyreose erhöht.7

 

Hyperthyreose-Patienten leiden außerdem häufiger unter Gicht: Männer haben ein 1,4-fach erhöhtes Risiko, Frauen sogar 2,1-fach erhöht.

 

Hinweis

Schilddrüsenüberfunktion bei Kinderwunsch

Wenn Sie einen Kinderwunsch haben, sollten Sie eine mögliche Überfunktion unbedingt vorab behandeln lassen, da eine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion zu Früh- oder Totgeburten führen kann und die Säuglinge mit starkem Untergewicht geboren werden können. Gerade in den ersten Wochen der Schwangerschaft ist eine einwandfrei funktionierende Schilddrüse von großer Bedeutung für die Entwicklung des ungeborenen Kindes. Auch die Empfängnisbereitschaft betroffener Frauen kann stark eingeschränkt sein.

 

Bei Schwangeren kann Morbus-Basedow an der Entstehung einer Überfunktion beteiligt sein, oder sie wird durch das Schwangerschaftshormon Choriongonadotropin  verursacht, da dieses Hormon dem TSH aus der Hypophyse sehr ähnlich ist und somit auch anregend auf die Schilddrüse wirkt. Insgesamt erkranken bis zu 2% aller Schwangeren an einer der beiden Formen. In der Regel muss diese Art der Überfunktion nicht behandelt werden und verschwindet nach der 20. Schwangerschaftswoche wieder von selbst. Eine Wochenbettdepression wird fälschlicherweise auch oft diagnostiziert, obwohl eine Schilddrüsenerkrankung ursächlich ist.

In seltenen Fällen kann es zu einer thyreotoxischen Krise kommen, die zu 20-30% tödlich verläuft. Diese gravierende Stoffwechselentgleisung entsteht durch die plötzliche Freisetzung von T3 und T4, da die Bindung an die Plasmaproteine vermindert wird. Auslöser sind Stressereignisse wie Operationen, Verbrennungen oder Unfälle. Auch die Verwendung von jodhaltigem Kontrastmittel oder zu hoch dosiertem L-Thyroxin können die Ursachen einer thyreotoxischen Krise sein. Die thyreotoxische Krise äußert sich in hohem Fieber, erhöhtem Herzschlag (über 100 Schläge/Minute in Ruhe), Erbrechen, Durchfall und Bewusstseinsstörungen und muss intensivmedizinisch behandelt werden.

Hinweis

Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko für einen Krankheitsausbruch reduzieren

Sie selbst können die Schilddrüsenüberfunktion durch Ihren Lebensstil, v. a. eine gesunde Ernährung, angepassten Genussmittelkonsum (anregende Substanzen wie Alkohol, Tabak und Kaffee vermeiden), regelmäßige Bewegung und gezielten Stressabbau beeinflussen. Eine schilddrüsenfreundliche Lebensweise kann das Risiko für einen Krankheitsausbruch reduzieren, v. a. wenn bereits eine familiäre Disposition vorliegt.

Ernährung bei Schilddrüsenüberfunktion

Das-Wichtigste-in-Kürze

Ernährung in der Übersicht

  • Ob das, was wir täglich essen für uns gesund oder ungesund ist, liegt vor allem an der Ausgewogenheit der einzelnen Nährstoff-Gruppen, die wir essen.
  • Eine gesunde Ernährung ist vor allem anti-entzündlich und abwechslungsreich– das Gegenteil der Western Diet, die pro-entzündlich wirkt. Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten. Praktisch heißt das: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fetter Fisch, Nüsse, Saaten und kaltgepresste pflanzliche Öle.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Eiweißzufuhr, da besonders Proteine bei hohem Grundumsatz verbraucht werden.
  • Vermeiden Sie anregende Getränke wie Kaffee und Alkohol und trinken Sie stattdessen vermehrt grünen Tee.
  • Achten Sie bei einer Schilddrüsenüberfunktion auf eine normale Zufuhr an Jod über Nahrungsmittel (in Deutschland ist die Gefahr einer Überversorgung durch Jod kaum gegeben) – gemieden werden sollten nur besonders jodhaltige Lebensmittel wie Algen und Seetangprodukte.

Eine pro-entzündliche Ernährung ist oft Risikofaktor oder Auslöser bei zahlreichen Erkrankungen. Sie fördert eine chronische Entzündung, die Arterien verkalken lässt, unseren Darm und unser Immunsystem schwächt, unsere Psyche negativ beeinflusst und letztlich Zellstress entstehen lässt. Wie im Kapitel Ursachen ausführlich dargestellt, sind entzündliche Prozesse auch bei Schilddrüsenüberfunktion an der Entstehung beteiligt. Mit einer gesunden, anti-entzündlichen Ernährung können Sie das Krankheitsgeschehen bei Schilddrüsenüberfunktion in Ihrem Körper selbst mitbeeinflussen:

  • Sie können das Entzündungsgeschehen in Ihrem Körper mildern/nicht zusätzlich durch entzündungsfördernde Lebensmittel befeuern.
  • Sie versorgen Ihren Körper mit lebenswichtigen Mikronährstoffen.
  • Sie schützen sich präventiv vor Begleiterkrankungen, die sich zusätzlich negativ auf eine Schilddrüsenüberfunktion
  • Sie erreichen und halten langfristig Ihr Normalgewicht.

 

Probleme der heutigen Ernährung

Obwohl in Deutschland kein Mangel an Nahrungsmittelvielfalt herrscht, wird eine naturbelassene Ernährung mit vielen qualitativ hochwertigen und unverarbeiteten Produkten immer seltener. Volle Arbeitstage, Alltagsstress, keine Zeit zu kochen und auch der Mangel an Wissen und Fähigkeiten führen zunehmend zu einer ungesunden Ernährung.

 

Fertigprodukte statt frisch kochen: Western Diet

Diese Art der Ernährung wird oft unter dem Begriff Western Diet zusammengefasst, weil sie vor allem in den westlichen Industrieländern weit verbreitet ist und sich zunehmend auch in Ländern mit traditionell gesunder Ernährung ausbreitet – mit gravierenden Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung.

Hinweis

Merkmale der Western Diet

hochkalorisch, zuckerreich, gesättigte Fettsäuren, Transfettsäuren, salzreich, viele Konservierungsstoffe und hochverarbeitete Produkte (Fastfood, Fertigprodukte, „Junkfood“) – dagegen wenig frisches Obst und Gemüse, keine hochwertigen Pflanzenöle, wenig komplexe Kohlenhydrate, wenige Ballaststoffe, Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe

Nährstoffzufuhr aus dem Gleichgewicht

Ob das, was wir täglich essen für uns gesund oder ungesund ist, liegt vor allem an der Ausgewogenheit der einzelnen Nährstoff-Gruppen, die wir essen. Unsere Lebensmittel setzen sich zum einen aus Makronährstoffen zusammen, die uns Energie und Baumaterial liefern: Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße.

Auf der anderen Seite enthalten Lebensmittel auch unzählige Mikronährstoffe, die das Umsetzen der Makronährstoffe im Stoffwechsel erst möglich machen: Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Fettsäuren, Enzyme und sekundäre Pflanzenstoffe.

Ungesund wird eine Ernährung dann, wenn die einzelnen Gruppen nicht mehr im Gleichgewicht zueinander stehen. Arbeit findet z. B. heute sehr oft als sitzende Tätigkeit am Schreibtisch statt, wo keine bis kaum Kalorien verbrannt werden – jedoch dominieren Kohlenhydrate nach wie vor zu einem großen Anteil unsere tägliche Ernährung, was die Entwicklung einer chronischen Entzündung besonders fördert – das ständige Zuviel.

 

Anti-entzündliche Ernährung: Profitieren Sie auf allen Ebenen

Erst gravierende Erkrankungen und Ereignisse wie Schilddrüsenüberfunktion lassen uns aufhorchen und führen oft zu einem Wendepunkt im Leben: Lassen Sie es gar nicht erst soweit kommen!

Sich gesund zu ernähren heißt nicht sich selbst zu kasteien, zu verzichten oder strikte Pläne einzuhalten. Es bedeutet Neues kennenzulernen, alte Wege zu verlassen und sich jeden Tag fitter, gesünder und leistungsfähiger zu fühlen statt immer müde, abgeschlagen und energielos. Sie können dabei Schritt für Schritt etwas an Ihrer Ernährung ändern, statt zu versuchen, von heute auf morgen alles auf den Kopf zu stellen. Eine gesunde Ernährung ist vor allem anti-entzündlich und abwechslungsreich– das Gegenteil der Western Diet, die pro-entzündlich wirkt.

 

Was ist antientzündliche Ernährung?

Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten. Eine pro-entzündliche Ernährung ist einer der Hauptauslöser für eine chronisch-schwelende Entzündung in unserem Körper, die stille Entzündung (silent inflammation).

Die folgende Tabelle stellt Ihnen wichtige anti- und pro-entzündliche Nahrungsmittelgruppen vor:

Anti-entzündliche Nahrungsmittel und pro-entzündliche Nahrungsmittel

 

Anti-entzündliche Ernährung Pro-entzündliche Ernährung
Olivenöl, Walnussöl, Leinöl, Hanfölfrittierte Lebensmittel, Margarine, Sonnenblumenöl, Schweineschmalz, Sojaöl, Maiskernöl
Obst (zuckerarme Sorten bevorzugen): Beeren, Zitrusfrüchte, Äpfel
Gemüse, mindestens „5 am Tag“: grüne Blattgemüse, Brokkoli, Spinat, Kohlsorten, Topinambur, alle Salate, Wildkräuter
Fast Food, Fertigprodukte, Süßigkeiten, industriell gefertigte Snacks
Vollkornprodukte: Getreideprodukte aus dem vollen Korn inklusive aller BallaststoffeProdukte aus Auszugsmehlen („Weiß“), Weizen
Hülsenfrüchte: Linsen, Kichererbsen, Bohnen, Tofu
Eier: moderater Konsum (mind. Bio-Freiland-Haltung)
Wurstwaren, viele Milchprodukte
fetter Seefisch: Lachs, Makrele, SardinenSchweinefleisch
frische Kräuter, antientzündliche Gewürze wie Chili, Kurkuma, Ingwer
Sulfide: Knoblauch, Zwiebeln, Meerrettich
sehr salzreich
Getränke und Tee: Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees, grüner TeeSoftdrinks, häufiger Alkoholkonsum, Milchmixgetränke
Nüsse und Saaten: Walnüsse, Leinsamen, Pinienkerne, Kürbiskerne, MacadamianüsseErdnüsse, gesalzene und aromatisierte „Knabbernüsse“
Probiotika: Kefir, Joghurt, milchsauer eingelegte Gemüse, Misopaste

Weitere Eckpunkte einer gesunden Ernährung sind:

  • Flexitarismus: Insgesamt sollte Ihre Ernährung vorwiegend pflanzenbasiert ausgerichtet sein – Fleisch, Fisch und Milchprodukte sind in Maßen zu genießen, dafür in hochwertiger Qualität.
  • Mittelmeer-Diät: Gute Orientierung bei einer anti-entzündlichen Ernährung bietet die mediterrane Ernährung – Menschen, die sich traditionell nach der Mittelmeerdiät ernähren, leiden seltener unter der chronischen Entzündung und deren Folgen, z. B. weniger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Regional und saisonal: Produkte aus der Region, die keinen weiten Anreiseweg hatten, sind frischer und oft nährstoffreicher. Viele Superfoods haben einheimische „Verwandte“ wie z. B. Leinsamen (statt Chiasamen) oder Hagebutten (statt Goji-Beeren).
  • Gesunde Fette: Fett reduzieren ist passé, viel wichtiger, ist die richtigen Fette aufzunehmen: Die optimalen Quellen sind kaltgepresste, hochwertige Öle. Dabei sollte der Anteil der Omega-3-Fettsäuren möglichst hoch sein, da sie im Gegensatz zu den Omega-6-Fettsäuren entzündungs- und schmerzhemmend wirken.
  • Kohlenhydrate reduzieren: Essen Sie insgesamt weniger Kohlenhydrate, also weniger weißes Brot, weniger weiße Nudeln und Reis. Zu viele dieser getreidehaltigen Sattmacher fördern Entzündungen und stören das Gleichgewicht der Botenstoffe.
  • Vegetarismus und Veganismus sind Ernährungsformen, die sehr gesund und ausgewogen sein können, aber nicht automatisch sind: Wenn viele oben genannte Nahrungsmittel integriert werden und auf ausreichend Mikronährstoffzufuhr geachtet wird. Auch der vegane Trend hat viele Fertigprodukte auf den Markt gebracht, die oft mit einer gesunden Ernährung nichts mehr gemeinsam haben. Achten Sie also weniger auf ein „Label“, sondern auf Ausgewogenheit.
  • Achtsamkeit beim Essen: Genuss, Freude und Langsamkeit gehören zu einer gesunden Ernährung genauso wie hochwertige Nahrungsmittel.
  • Fastenperioden: Intervallfasten oder Buchinger-Fasten können sinnvoll sein für einen Neustart oder ein jährliches Ritual, hier müssen Sie selbst abwägen, ob es zu Ihnen passt.
  • In Bewegung bleiben: Zu einer gesunden Ernährung gehört Bewegung – neben vielen anderen positiven Effekten, wirkt die Verdauung angeregt und die Darmpassage gefördert.

Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Unser Produkt-Tipp: Bio-Leinöl, reich an den Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA


 

So sollte Ihr Teller aussehen

Mit dieser Telleraufteilung versorgen Sie Ihren Organismus optimal mit wichtigen Mikronährstoffen und ausreichend Energie-Lieferanten (Fette, Kohlenhydrate und Eiweiß). Achten Sie also darauf nicht nur Beilagen und Fleisch/ Fisch zu sich zu nehmen, sondern variieren Sie vor allem mit verschiedenen Gemüse- und Obstkombinationen. So gehen Sie Übergewicht aus dem Weg und vermeiden Speisen mit zu hohen Kalorienwerten.

 

Ernährung bei Schilddrüsenüberfunktion

Eine spezifische Ernährungsform bei einer Schilddrüsenüberfunktion gibt es, trotz zahlreicher in diese Richtung deutender Ratgeber, nicht. Sie können jedoch einige Hinweise beachten, um nicht nur Ihre Schilddrüse, sondern Ihren ganzen Organismus zu stärken. Achten Sie jedoch darauf, sich vorwiegend basisch zu ernähren – mehr zu Entsäuerung im Kapitel ganzheitliche Therapien.

 

Hochwertige Proteine bei erhöhtem Grundumsatz und weniger Kohlenhydrate

Hyperthyreote Personen haben meist einen erhöhten Grundumsatz. Nehmen Sie jedoch trotzdem keine leeren, mikronährstoffarmen Kalorien zu sich, sondern hochwertige, abwechslungsreiche Lebensmittel. Achten Sie auf eine ausreichende Eiweißzufuhr, da besonders Proteine bei hohem Grundumsatz verbraucht werden. Reduzieren dagegen sollten Sie die allgemein verbreitete viel zu hohe tägliche Zufuhr an v. a. leeren, schnell resorbierbaren Kohlenhydraten. Eine Studie legt nahe, dass der erhöhte Appetit auf Kohlenhydrate bei Hyperthyreose mit der erhöhten Aktivität des sympathischen Systems einhergeht8 – dabei sollten gerade Menschen mit Hyperthyreose darauf achten, Blutzuckerspitzen zu vermeiden: 57 % der Patienten mit unbehandelter Schilddrüsenüberfunktion weisen eine gestörte Glukosetoleranz auf.

 

Getränke: Wasser und grüner Tee statt Kaffee und Alkohol

Der Organismus bei einer Schilddrüsenüberfunktion läuft auf Hochtouren. Alkohol und koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, schwarzer Tee und Cola regen den Stoffwechsel zusätzlich an, was Sie vermeiden sollten. Nutzen Sie stattdessen die antioxidativen Effekte des grünen Tees: Grüner Tee hat eine Vielzahl von Eigenschaften, die bei einer Hyperthyreose hilfreich sein können. Grüner Tee wirkt entzündungshemmend und schützt vor freien Radikalen. Wichtig für die optimale Wirkung von grünem Tee sind die richtige Auswahl der Teesorte und vor allem die richtige Zubereitung.


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Die Sorten Sencha und Gyokuro haben den höchsten Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen. Außerdem sollten Sie bei grünem Tee auf Bio-Qualität achten und Tee aus erster Ernte kaufen.


 

Jod- und Selenversorgung bei Hyperthyreose

Die Schilddrüse braucht für die Herstellung der Schilddrüsenhormone das Spurenelement Jod. Nur die isolierte Jod-Zufuhr im Auge zu behalten, hat bei Schilddrüsenerkrankungen jedoch wenig Sinn. Nicht nur Jod ist für eine ungestörte Funktion der Schilddrüsenzellen erforderlich, sondern auch u. a. Selen, Calcium, Eisen, Vitamin A und Vitamin D. Auf die Bedeutung der einzelnen Mikronährstoffe werden wir im Kapitel Therapie genauer eingehen. Wichtig bei einer Hyperthyreose ist eine insgesamt abwechslungsreiche, antientzündliche, antioxidative Ernährung. Achten Sie bei einer Schilddrüsenüberfunktion auf eine normale Zufuhr an Jod über Nahrungsmittel (in Deutschland ist die Gefahr einer Überversorgung durch Jod kaum gegeben) – gemieden werden sollten nur besonders jodhaltige Lebensmittel wie Algen und Seetangprodukte. Die Gefahr durch eine Jod-Überdosierung ist eher durch eine zu hohe Dosierung an Jodtabletten oder Untersuchungen mit Röntgenkontrastmitteln gegeben als durch eine falsche Ernährung.

 

Hinweis

Jodiertes Speisesalz

Auch mit jodiertem Speisesalz ist eine Überversorgung kaum möglich. Dennoch sollten Sie von isolierten Nahrungsmittelzusätzen, wie in Jodsalz, absehen, da Mikronährstoffe immer am besten im Verbund aus natürlichen Lebensmitteln vom Organismus aufgenommen werden können.

Jod und Selen sind „Partner“ bei der Herstellung und Aktivierung der Schilddrüsenhormone. Selen ist ein wichtiger Bestandteil antioxidativ wirkender Enzyme und an vielen Stellen im Körper unabdingbar: Selen schützt das Schilddrüsengewebe als Teil von Enzymen vor oxidativen Stress und somit vor voranschreitender Zerstörung. Außerdem wird Selen benötigt, um T4 in die aktive Form T3 umzuwandeln. Deutsche Böden enthalten sehr wenig Selen, weshalb besonders tierische Lebensmittel gute Quellen sind: Fetter Fisch wie Makrele, Bückling und Thunfisch, Fleisch und Innereien, Eier und Käse. Vegetarier und Veganer müssen besonders auf eine ausreichende Selen-Zufuhr achten; pflanzliche Quellen sind Paranüsse, Kokosnüsse, Linsen und Sojabohnen und Kohlsorten wie z. B. Grünkohl.

 

Auch Eisen wird bei enzymatischen Reaktionen in der Schilddrüse benötigt, um freie Radikale abzuwehren. Achten Sie auf eine ausreichende Eisenversorgung durch Fleisch, grünes Gemüse und rote Beeren. Eisenhaltige Nahrungsmittel sollten immer in Kombination mit Vitamin C verzehrt werden, schwarzer Tee dagegen hemmt die Aufnahme.

Therapie und Prävention

Jede Behandlung enthält präventive Aspekte und jede Prävention wirkt auch als Therapie. Die Grundpfeiler jeder Vorbeugung und Therapie basieren auf unserem Lebensstil: Wie ernähren Sie sich? Ist Ihr Organismus ausreichend mit Mikronährstoffen versorgt? Wieviel Bewegung ist in Ihren Alltag integriert? Rauchen Sie und wieviel Alkohol konsumieren Sie? Bestimmt Stress Ihr ganzes Leben? Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, können sich diese Basispfeiler positiv auf Ihre Gesundheit auswirken, aber auch jahrelange Risikofaktoren für viele Erkrankungen darstellen. In diesem Kapitel werden zahlreiche ganzheitliche Methoden vorgestellt, die Ihre Gesundheit und Lebensqualität stärken können – präventiv und/oder auch als Therapie.

Mikronährstoffe

Das-Wichtigste-in-Kürze

Mikronährstoffe in der Übersicht

  • Mikronährstoffe sind unentbehrliche Mikrohelfer in unserem Organismus.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit allen Mikronährstoffen bei Schilddrüsenüberfunktion. Besonders wichtig sind Jod, Selen, Vitamin D, Zink, Eisen und Coenzym Q10.
  • Einige der typischen Medikamente, die bei einer Schilddrüsenüberfunktion verordnet werden, erhöhen zusätzlich Ihren Mikronährstoffbedarf. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, Ihren Mikronährstoffbedarf ausreichend über die Ernährung zu decken, können moderat dosierte, natürliche Mikronährstoffmischungen sinnvoll sein.
  • Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Eine wichtige Basis für alle Therapien wird oft bei der Beratung außer Acht gelassen: Eine gesunde, ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung. Der Körper muss mit Mikronährstoffen optimal versorgt sein, damit Folgen der Schilddrüsenüberfunktion abgemildert und Nebenwirkungen der Medikamente reduziert werden können.

 

Mikronährstoffe – was ist das?

Zu den Mikronährstoffen gehören in erster Linie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die einen wichtigen Teil dazu beitragen, damit unser Organismus funktioniert. Im weiteren Sinne lassen sich auch essentielle Fettsäuren, Aminosäuren, sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme hinzuzählen. Makronährstoffe wie Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette sind unsere Energielieferanten, während die Mikronährstoffe an Prozessen wie z. B. Blutgerinnung, Immunabwehr und Knochengesundheit beteiligt sind. Einige Mikronährstoffe kann unser Körper selbst herstellen, die meisten jedoch müssen mit der Nahrung aufgenommen werden.

 

Der menschliche Organismus – ein Blick in die Zellen

Der Mensch besteht aus über 70 Billionen Zellen. Diese können alle nur optimal funktionieren, wenn sie mit Vitaminen und Spurenelementen versorgt sind. Es gibt nahezu keinen Stoffwechselschritt, an dem nicht mehrere Mikronährstoffe beteiligt sind. Dazu zählen unter anderem die:

  • Aktivierung von Enzymen und Hormonen (Stoffwechselaktivität)
  • Abwehrleistung des Immunsystems (Immunstoffwechsel)
  • Energieproduktion in den Kraftwerken unserer Zellen, den sogenannten Mitochondrien (Energiestoffwechsel)
  • Leistungsfähigkeit des Herzmuskels (Herzkraft und -rhythmus)
  • Kontraktion der Skelettmuskulatur (Muskelkraft und -koordination)
  • Impulsübertragung in und der Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen (Nerven- und Gehirnstoffwechsel)

 

Für alle Stoffwechselreaktionen im Körper sind Enzyme notwendig, sie wirken wie ein Katalysator. Enzyme können ihren Aufgaben jedoch nur mithilfe von Mikronährstoffen nachkommen. Je besser der Körper mit Nährstoffen versorgt ist, desto besser funktioniert der gesamte Organismus. Ein Mikronährstoffmangel kann sich also negativ auf den Stoffwechsel und das Immunsystem auswirken. Um Ihre Gesundheit zu schützen und Ihre weiteren Therapien zu unterstützen, sollten Sie also auf Ihren Mikronährstoffhaushalt achten.

 

Gehören Sie auch zu den Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen?

Egal ob Schmerzmittel, Blutdrucksenker, Cholesterinsenker oder die Antibabypille. Schon ein einzelnes Medikament kann unsere optimale Versorgung mit Mikronährstoffen ungünstig beeinflussen. Je mehr Medikamente gleichzeitig eingenommen werden, desto intensiver wird in den Mikronährstoffhaushalt eingegriffen, was Wechselwirkungen der Arzneimittel untereinander sowie das Auftreten von Nebenwirkungen erhöht. Hierdurch kann nicht nur die Wirkung des Medikaments negativ beeinflusst werden, sondern auch die Funktion der Mikronährstoffe.

 

Welche Lebensphasen führen noch zu einem erhöhten Mikronährstoff-Bedarf?

Aber nicht nur die regelmäßige Einnahme von Medikamenten führt zu einem erhöhten Mikronährstoffbedarf. Es gibt bestimmte Lebensphasen und Umstände, die ein erhöhtes Risiko für einen Nährstoffmangel aufweisen:

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangere und Stillende
  • ältere Menschen
  • Menschen mit Magen-Darm-Störungen
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen

 

Diesen erhöhten Bedarf zu decken, ist nicht immer einfach. Trotz des reichhaltigen Angebotes an verschiedenen Lebensmitteln verringern verschiedene Faktoren den Mikronährstoffgehalt in Lebensmitteln:

  • nicht ausgereiftes Obst und Gemüse
  • größere Erträge in der Landwirtschaft
  • Einsatz von Pestiziden

Es ist wichtig, die Ernährung mit einer breiten und möglichst natürlichen Basis an allen Vitaminen, Spurenelementen sowie sekundären Pflanzenstoffen zu optimieren.

 

Mikronährstoffkonzentrat als Grundlage

Gut versorgt sind Sie mit moderaten Mikronährstoffmischungen – von einzelnen hochdosierten Mikronährstoffen raten wir ohne Absprache mit Ihrem Arzt und vorherigen Untersuchungen ab.

 

Das Angebot an Mikronährstoffpräparaten ist groß und unübersichtlich. Entscheidend beim präventiven Ansatz ist die natürliche Vielfalt. Das ideale Mikronährstoffpräparat ist auf natürlicher Basis produziert, enthält neben allen klassischen Mikronährstoffen auch sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme, ist flüssig, glutenfrei und vegan. Die Bioverfügbarkeit sollte wissenschaftlich belegt sein und es sollten keine künstlichen Aroma- oder Konservierungsstoffe enthalten.

Mikronährstoffe bei Schilddrüsenüberfunktion/Hyperthyreose

Die normal ablaufende Herstellung und der Stoffwechsel der Schilddrüsenhormone sind signifikant abhängig von einer optimalen Versorgung mit Mikronährstoffen. Obwohl Jod, Selen, Zink und Eisen Hauptrollen im Schilddrüsenstoffwechsel spielen9, sind noch viele weitere Mikronährstoffe für die Schilddrüsengesundheit wichtig. Des Weiteren ist eine optimale Mikronährstoffversorgung einer der größten Pfeiler bei der Behandlung von Mitochondriopathien10.

Hinweis

Mikronährstoffe wirken am besten natürlich im Verbund

Um eine optimale Mikronährstoffversorgung sicher zu stellen, eigenen sich am besten natürliche Mikronährstoffkombinationen. Laut einer US-amerikanischen Studie wirken diese 200-mal stärker antioxidativ als isolierte künstlich hergestellte Vitamine.11 Die Kombination aus Obst, Gemüse und sekundären Pflanzenstoffen kreiert den wirksamen positiven Effekt. Durch eine bessere Versorgung mit Mikronährstoffen verbessert sich der antioxidative Status und macht die freien Radikale unschädlich, die Schilddrüsengewebe auf Dauer zerstören.

Antioxidantien: Bei Entzündungs- und Autoimmunprozessen (Morbus Basedow) kommt es verstärkt zur Bildung freier Radikale, deren destruktiver Effekt durch eine optimale Versorgung mit Antioxidantien abgefangen werden kann. Auch bei der Produktion von Schilddrüsenhormonen fallen freie Radikale an, die durch Antioxidantien neutralisiert werden müssen. Ein guter antioxidativer Status ist ebenfalls wichtig, um Folge- und Begleiterkrankungen bei Hyperthyreose vorzubeugen, wie z. B. Herz-Kreislauferkrankungen.12

 

Zu den wichtigsten Antioxidantien gehören die Vitamine A, C und E, Zink, Selen, Coenzym Q10 und sekundäre Pflanzenstoffe.

  • Vitamin E: Vitamin E ist signifikant wichtig beim Schutz der Mitochondrien vor oxidativem Stress bei Hyperthyreose.13
  • Selen: Selen ist aufgrund seiner großen antioxidativen, entzündungshemmenden und immunmodulierenden Kapazität eines der meistbeforschten Spurenelemente. Selen ist im Schilddrüsengewebe in hohen Konzentrationen vorhanden, v. a. als Kofaktor der Enzyme Dejodasen, die T4 in das aktive T3 umwandeln. Auch die Glutathionperoxidasen, die den bei der Synthese der Schilddrüsenhormone anfallenden Wasserstoff (oxidativen Stress) abbauen, sind selenhaltig. Bei Morbus Basedow konnte nachgewiesen werden, dass hohe Selenspiegel (mehr als 120 µg/ l im Serum) den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können.14
  • Coenzym Q10 ist wichtig für die Energiesynthese in den Zellen, ein störungsfrei funktionierendes Immunsystem und gehört zu den wichtigsten Antioxidantien. In Studien wurde festgestellt, dass Hyperthyreose-Patienten häufig erhebliche Mängel aufweisen (genauso wie Patienten, die sich stark den Auslösern einer Hyperthyreose exponieren: Rauchen, Stress, ungesunde Ernährung, Störungen des Darmmikrobioms) – wohl als Folge der gestörten Mitochondrienfunktion. Coenzym Q10 wird bei der Energieproduktion in den Mitochondrien der Zellen verbraucht – ohne Coenzym Q10 kann kein ATP in den Zellen produziert werden.
  • Zink: Zink wirkt antioxidativ, antientzündlich und ist an zahlreichen Vorgängen im Körper, besonders an immunmodulatorischen Prozessen, beteiligt. Neben Selen ist Zink nötig bei der Umwandlung von T4 in das aktive T3 und weiteren endokrinologischen Prozessen der Schilddrüse.15
  • Sekundäre Pflanzenstoffe: Bekannt und erforscht sind v. a. Flavonoide, Phytosterine, Polyphenole, Phytoöstrogene, Sulfide, Carotinoide und Glucosinolate. Die Wirkung der Heilpflanze Wolfstrappkraut bei Hyperthyreose basiert auf den sekundären Pflanzenstoffen Flavonoiden und Phenolcarbonsäuren. Sie hemmen den Jodtransport und können eine latente Schilddrüsenüberfunktion mildern.16

Ausflug in die Wissenschaft

Sekundäre Pflanzenstoffe sind Alleskönner

Sekundäre Pflanzenstoffe haben für Pflanzen wichtige Effekte: Sie wehren Schädlinge ab, locken Insekten an, schützen vor UV-Licht und sind Aromabildner. Die Bedeutung dieser Stoffe für den Menschen wurde erst in den letzten Jahren zunehmend bekannt. So können zahlreiche Erkrankungen präventiv durch einen hohen Gemüse- und Obstkonsum, Getreide, Nüsse und Saaten verhindert werden. Nicht nur Atherosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall stehen ganz oben auf der Liste, auch rheumatoide Arthritis, Osteoporose, Asthma und Augenerkrankungen (Makuladegeneration).17

 

Es existieren wahrscheinlich mehr als 250.000 sekundäre Pflanzenstoffe. 80.000 konnten bereits identifiziert werden – die Forschungen der nächsten Jahrzehnte werden zeigen, welche weiteren zahlreichen positiven Wirkungen sekundäre Pflanzenstoffe im menschlichen Organismus haben können.

Jod: Die Schilddrüse braucht für die Herstellung der Schilddrüsenhormone das Spurenelement Jod. Bis zu 80% der gesamten Jodmenge des Körpers befinden sich in der Schilddrüse. Nur die isolierte Jod-Zufuhr im Auge zu behalten, hat bei Schilddrüsenerkrankungen jedoch wenig Sinn. Nicht nur Jod ist für eine ungestörte Funktion der Schilddrüsenzellen erforderlich, sondern auch u. a. Selen, Calcium, Eisen, Vitamin A und Vitamin D.

 

Kalzium und Vitamin D: Vitamin D, das Sonnenvitamin, wirkt immunmodulierend und hat einen positiven Einfluss auf den Verlauf bei einem Morbus Basedow. Der konstant erhöhte Stoffwechsel bei einer Hyperthyreose führt auch zu einem erhöhten Umsatz von Vitamin D und Kalzium im Knochen. Beobachtungsstudien zeigten außerdem, dass ein Vitamin-D-Mangel das Risiko an Morbus Basedow zu erkranken erhöht18 und vor Rückfällen schützen kann.19 Vor allem in den Wintermonaten ist der Sonneneinstrahlwinkel in Deutschland jedoch zu gering, um ausreichend Vitamin D zu produzieren – eine ergänzende Versorgung ist hier essentiell wichtig.

 

Vitamin-B-Komplex

Die B-Vitamine sind u. a. wichtig für ein stabil funktionierendes Nervensystem. Ohne eine optimale Versorgung mit Vitamin B2, B6, B12 und Folsäure kann das in hohen Dosen toxische Homocystein, einem Verstärker des oxidativen Stresses, nicht abgebaut werden und zu zahlreichen Begleiterkrankungen bei Hyperthyreose führen.

Hinweis

Homocystein

Ein Verstärker des oxidativen Stresses ist Homocystein: Homocystein löst eine Steigerung der Zellschädigung, Erhöhung der Radikalbildung und Eingriff in die Funktion der Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen aus). Für den Abbau von Homocystein im Blutplasma sind Vitamin B2, B6, B12 und Folsäure nötig. Chronisch erhöhte Homocystein-Werte haben eine Schädigung der Blutgefäße zur Folge.

Eisen: Eisenmangel, Anämien und Schilddrüsenerkrankungen sind häufig miteinander assoziiert. Eisen ist beteiligt an der Umwandlung von T4 in T3, und eine optimale Eisenversorgung trägt zu einer gesunden Schilddrüse bei. Besonders Frauen leiden häufig unter Eisenmangel (Menstruation, Schwangerschaft) und dessen Folgen. Eisenmangel wird häufig bei einer Vergrößerung der Schilddrüse festgestellt.20 Eisen wird am besten vom Körper in Kombination mit Vitamin C absorbiert.

 

Magnesium: Ein Magnesiummangel bei Hyperthyreose wird durch eine erhöhte Ausscheidung von Magnesium über die Nieren erklärt. Eine optimale Magnesiumversorgung ist jedoch notwendig für u. a. die Aktivierung von Vitamin D, der Verhinderung von Knochenabbau (Osteoporose) und Energiebereitstellung in den Mitochondrien. Studien konnten die positive Wirkung einer guten Magnesiumversorgung bei Schilddrüsenerkrankungen belegen.21

 

Omega-3-Fettsäuren: Omega-3-Fettsäuren senken die Entzündungsneigung des Gewebes und unterstützen das Immunsystem.22 Zusätzlich zeigen neuere Untersuchungen, dass Omega-3-Fettsäuren auch die Schwere von Autoimmunerkrankungen positiv beeinflussen können. Omega-3-Fettsäuren werden vom Verdauungssystem besser aufgenommen, wenn sie in einer flüssigen Emulsion (z. B. einem Saft) und nicht in Kapseln eingenommen werden.23

Lebensstil

Das-Wichtigste-in-Kürze

Lebensstil in der Übersicht

  • basische Lebensweise: anti-entzündlich, immunstärkend und harmonisierend
  • Sport und Bewegung: Bei latenter Hyperthyreose werden moderater Ausdauersport und Kraftsport empfohlen. Achten Sie auf ausreichend Ruhephasen und eine gute Mikronährstoffversorgung; bei unbehandelter manifester Hyperthyreose sollte kein Sport betrieben werden.
  • Reduzieren von Alkohol und Nikotin: Verzichten Sie weitgehend auf alkoholische Getränke und geben Sie das Rauchen auf – Zigaretteninhaltsstoffe wirken sich besonders toxisch auf die Schilddrüse aus.
  • Stressreduktion und Entspannungstechniken: Andauernde Stresssituationen sind Gift für die Schilddrüse – Veränderungen in der psychischen Stressverarbeitung und aktiver Stressabbau können auch organisch positive Folgen haben. Gestalten Sie Ihren Alltag um und nutzen Sie die positive Wirkung von Yoga, autogenem Training, Meditation oder einfachen Atemübungen.
  • positive Lebenseinstellung: eine positive Lebenseinstellung wirkt sich in vielfacher Hinsicht günstig auf die Gesundheit aus
  • Schlaf und Schlafhygiene: Schlafbeschwerden sind häufig bei Menschen mit Hyperthyreose. Ein chronischer Schlafmangel verursacht im Körper ähnliche Beschwerden wie langanhaltender Stress, da der Körper vermehrt Stresshormone ausschüttet. Beachten Sie einige Tipps zur Schlafhygiene, um erholsamen Schlaf zu fördern.

Unser Lebensstil hat erheblichen Einfluss auf die Funktionalität der Schilddrüse. Neben ungesunder pro-entzündlicher, mikronährstoffarmer Ernährung gehören Rauchen und Stress zu den größten Triggern einer Hyperthyreose. Eine gezielte Raucherentwöhnung, eine basische Lebensweise und Strategien zur Stressbewältigung bzw. Erhöhung der Stresskompetenz wie Entspannungstechniken und Bewegung können einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf bei einer Schilddrüsenüberfunktion haben.

 

Basische Lebensweise

Ausgleichend, anti-entzündlich, immunstärkend und harmonisierend für den ganzen Organismus ist eine basische Lebensweise als Grundlage bei Schilddrüsenerkrankungen. Um das Säure-Basen-Gleichgewicht wiederherzustellen und damit Ihre Schilddrüse zu stärken, gibt es einige Grundsätze, die zu festen Lebensgewohnheiten werden sollten:

  • basenüberschüssige, mikronährstoffreiche Ernährung mit viel Rohkost oder schonend gedünstetem Gemüse, Zitrusfrüchten, Kartoffeln, Mandeln, Samen, Hirse, Quinoa, Amaranth, Buchweizen, frischen Kräutern und Gewürzen
  • mäßige Bewegung, die zu einer vermehrten Atmung und damit Säureausscheidung über die Lungen führt; außerdem baut Bewegung Stresshormone ab, die wiederum die Säureproduktion im Organismus anregen und Entzündungen begünstigen
  • basische Körperpflege wie Bäder oder tägliche Körperwaschungen bzw. Wickel mit Wasser, dem Basensalz hinzugefügt wurde
  • Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation, Qi Gong etc., die ebenfalls Stresshormone reduzieren
  • trinken von Wasser oder Kräutertees, um Säuren über die Nieren auszuscheiden
  • ausreichend Schlaf und Ruhezeiten

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Sport und Bewegung

Sport und Bewegung fördern die körperliche und geistige Gesundheit: Sport macht im Idealfall Spaß und dient auch als Ventil im Alltag, um Stress abzubauen. Wenn unser Körper unbeweglich wird, können kognitive Störungen entstehen wie Depressionen und Konzentrationsstörungen. Regelmäßige Bewegung hilft außerdem, das Normalgewicht zu erreichen und zu halten. Für gesunde Personen gilt: Mit einem moderaten Ausdauertraining von 3×30 Minuten/Woche Schwimmen, Walken, Radfahren und Skilanglauf tragen Sie erheblich zu Fitness, einem gesunden Organismus und Wohlbefinden bei. Ausdauersport ist auch bei einer latenten Hyperthyreose unproblematisch nach dem Motto: Anstrengung, jedoch keine Überanstrengung (z. B. ein Marathonlauf). Besonders wichtig ist auch, dass Ruhephasen sich mit Bewegung abwechseln.

 

Bei einer latenten Schilddrüsenüberfunktion ist außerdem regelmäßiger moderater Kraftsport sinnvoll, um dem Abbau von Muskulatur durch den erhöhten Grundumsatz entgegenzuwirken.

 

Muskelschwäche und Muskelschmerzen treten häufig auf und sind Symptome, die man zuerst mal nicht auf eine Schilddrüsenüberfunktion zurückführt. Doch durch den ständig erhöhten Stoffwechsel der Schilddrüse versucht der Körper die benötigte Energie aus den Muskeln zu gewinnen. Die Muskulatur wird angegriffen und abgebaut – die Folgen sind Muskelschwäche und -verspannungen. Regelmäßige Bewegung kann diese Symptome deutlich lindern, sie stärkt die Muskeln und baut sie wieder auf.

Hinweis

Sport und Hyperthyreose

  • Bei einer manifesten unbehandelten Schilddrüsenüberfunktion sollte kein Sport getrieben werden. Herz- und Kreislaufsystem können schnell überlastet werden, was gefährliche Komplikationen auslösen kann.
  • Mehr körperliche Aktivität muss immer mit einer erhöhten Mikronährstoffversorgung einhergehen.

Reduzieren von Genussgiften

  • Alkohol und Koffein

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion ist der Stoffwechsel ohnehin schon erhöht, Sie sollten daher auf Getränke, die den Stoffwechsel noch weiter anregen, besser verzichten oder sie zumindest stark reduzieren. Dies gilt für Alkohol, Kaffee, schwarzen Tee und Cola-Getränke.

 

  • Rauchen

Nikotin und andere Giftstoffe, die im Tabakrauch enthalten sind, wirken negativ auf den Körperstoffwechsel, die Nervenaktivität und die Hormonproduktion ein. Die im Tabakrauch enthaltene Blausäure führt zu einem Verlust von Jod in der Schilddrüse. Raucher erkranken nachweislich häufiger an Morbus Basedow (und anderen Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse) und leiden unter einem schwereren Verlauf als Nichtraucher. Eine Zwillings-Studie konnte nachweisen: Das Risiko, manifest an einer Schilddrüsenerkrankung zu erkranken, erhöht sich bei Rauchern um 200 %.

Tipps

Raucherentwöhnung

Wenn Sie sich entscheiden sollten, mit dem Rauchen aufzuhören, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, diesen Vorsatz zu unterstützen:

  • medikamentengestützt durch Nikotinpflaster oder Nikotinkaugummis
  • Akupunktur, v. a. Ohrakupunktur, um die Entzugssymptome zu mildern und den Wunsch nach Nikotin abzuschwächen
  • Hypnose, um evtl. Verhaltensweisen, die im Unterbewusstsein schlummern, zu finden. Diese Behandlung muss meist nach ½ – 1 Jahr wiederholt werden.
  • Verhaltenstherapie, um herauszufinden, weshalb Sie rauchen

Sie können Ihre Raucherentwöhnung noch unterstützen, indem Sie alle Rauchertreffpunkte meiden und sämtliche Rauchutensilien wegwerfen. Am wichtigsten ist jedoch Ihre eigene Motivation, mit dem Rauchen dauerhaft aufhören zu wollen.


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Stressreduktion und Entspannungstechniken

Stress ist ein wichtiger auslösender Faktor einer Schilddrüsenüberfunktion und umgekehrt sind Menschen mit einer Hyperthyreose anfälliger für Stress und leiden häufig bereits ohne Stress an Nervosität, Zittern, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und einer inneren Unruhe.

 

Ganzheitlich betrachtet ist das Ungleichgewicht zwischen Belastung und Entlastung und die fehlende Stressresilienz einer der größten Ursachen einer Hyperthyreose. Andauernde Stresssituationen sind Gift für die Schilddrüse – Veränderungen in der psychischen Stressverarbeitung und aktivem Stressabbau kann umgekehrt auch organisch positive Folgen haben.

 

Wie entsteht Stress häufig? Zu hohe Ansprüche an sich selbst, permanent überquellender Terminkalender, Perfektionismus und Versagensängste lösen schnell negativen Stress aus – im Gegensatz zu einer freundlichen, geduldigen Haltung zu sich selbst und der Welt. Stress entsteht jedoch nicht nur durch den typischen hektischen Alltag, sondern auch durch psychische Probleme wie langanhaltenden Kummer, Minderwertigkeitsgefühle, Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit.

Die Frage “Tut/tat das Leben mir in der Form wirklich gut, wie ich es lebe?“ werden Sie sich vielleicht verstärkt auch nach der Diagnose Hyperthyreose stellen – Reflexion und der Wunsch nach Veränderung werden oft mit einer Erkrankung stärker.

 

 

Stress im Alltag konkret begegnen

Hilfreich sind beispielsweise fest eingeplante Termine im Kalender, die der eigenen Regeneration dienen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der „Termin“ mit einem Hobby, einen ausgedehnten Spaziergang, Treffen mit Freunden oder einfach dem Nichtstun gefüllt wird. Alles was dem eigenen Wohlbefinden dient, ist richtig.

Hinweis

Wichtig

Diese Wohlfühl-Termine haben die gleiche Priorität wie das Fußballtraining der Kinder, wie das Geschäftsessen mit den Kunden oder die Geburtstagsfeier der Schwägerin

Ebenso empfehlenswert sind kleine Alltagsrituale, die uns am besten mehrmals täglich aus dem Hamsterrad aussteigen lassen. Beispiele hierzu sind die morgendliche Dusche mit der Lieblingsseife, die Viertelstunde am Nachmittag, die ausschließlich einer Tasse Tee gewidmet wird, während die Kinder oder das Handy Pause haben, die Runde um den Block bei jedem Wetter oder mehrmals am Tag kurze Pausen, in denen alles liegen bleibt und wir uns ausgiebig strecken und dehnen, mehrere Male tief atmen und erst dann wieder die nächste Aufgabe unsere Aufmerksamkeit erhält.

Zur Erinnerung an die Alltags-Oasen empfiehlt es sich, den Handywecker auf feste Zeiten zu programmieren. Dadurch gilt die Ausrede nicht mehr, dass wir die Pausen vergessen.

 

 

Entspannungstechniken

Entspannungstechniken können Ihnen helfen, regelmäßige Auszeiten für sich selbst zu schaffen, eine positivere Haltung zu entwickeln, die Stress-Resilienz zu erhöhen, und gezielt Anspannung und Entspannung für Körper und Geist zu trainieren. Oft sind auch meditative Elemente integriert. Bei Hyperthyreose läuft er Organismus beständig auf Hochtouren, Entspannungstechniken zur „Entschleunigung“ sind hier besonders gute therapeutische Maßnahmen, die dem Körper ganzheitlich Gutes tun. Besonders hervorzuheben sind bei Hyperthyreose Yoga und Meditation.

 

Meditation

Meditation (lat. meditari = nachdenken, nachsinnen, die Mitte finden) ist eine spirituelle Praxis, die in vielen Religionen und Kulturen bekannt ist. Verschiedene Wahrnehmungs-, Achtsamkeits- und Konzentrationsübungen helfen, den Geist zur Ruhe kommen zu lassen, die eigene Mitte wieder zu spüren und Kraftressourcen in sich zu entdecken. Es wird unterschieden in passive und aktive Meditationstechniken. Zu den passiven Varianten zählen die Kontemplation, Stille und Schweigen, Achtsamkeitsübungen und transzendentale Meditation. Aktive Techniken sind z. B. Yoga, Geh-Meditationen, Mantra- oder Gebetrezitationen, Tanz und Musizieren mit Rhythmusinstrumenten. Die Stressreduktion durch regelmäßiges Meditieren und in Folge positive Wirkungen auf endokrinologische Prozesse konnten in ersten Studien bereits nachgewiesen werden.24

 

Yoga

Der Begriff Yoga stammt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie „Vereinigung, Integration“ als auch „Anspannen“. Der Ursprung des Yoga liegt in Indien und ist eine philosophische Lehre, die eine Vielzahl geistiger und körperlicher Übungen bzw. Praktiken, Atemübungen und Meditationstechniken umfasst. Ziel ist es Körper und Seele auf dem Weg der Selbsterkenntnis wieder in Einklang zu bringen.

 

Yoga hat bei uns im Westen weite Verbreitung gefunden, da das regelmäßige Praktizieren nachweislich einige positive Effekte sowohl auf die körperliche als auch auf die psychische Gesundheit hat25, auch bei Erkrankungen der Schilddrüse. Yoga kann nach Erlernen der Grundpraxis überall und unkompliziert in Gruppen oder individuell praktiziert werden. Yoga-Experten halten die folgenden Asanas (Yogapositionen) bei Hyperthyreose für besonders wirksam im Sinne der Stärkung des Hals-Chakras:

  • Kind
  • Brücke
  • Sonnengruß
  • Totenstellung
  • Ujjayi-Atmung

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Autogenes Training

Das Autogene Training ist ein Entspannungsverfahren, das von einem Psychiater bereits vor fast 100 Jahren entwickelt wurde. Es geht darum, die Fähigkeit der Selbstentspannung zu entwickeln, die sich mittels autosuggestiver (sich selbst beeinflussender) Übungen verbessern soll. Über bewusste Konzentration auf die Wahrnehmung des eigenen Körpers wird ein Zustand tiefer innerer Entspannung, Ruhe und Ausgeglichenheit erzeugt. Regelmäßig angewendet, kann das Autogene Training insbesondere stressbedingte Beschwerden lindern oder sogar dauerhaft beheben.26

Tipp

Atemübungen

Unsere Atmung können wir gezielt beeinflussen und auch therapeutisch zum Stressabbau nutzen27 Bei Stress ist die Atmung meist flach und schnell, statt die möglichen 6 Liter (!) Atemvolumen voll auszuschöpfen. Atemübungen, wie sie auch Teil der Yogapraxis sind, können Sie selbst einfach und regelmäßig durchführen:

  • Wechselatmen: ein Nasenloch beim Einatmen zuhalten, beim Ausatmen das andere; ruhig und gleichmäßig atmen, beliebig lang wiederholen (mind. 10x).
  • Bauchatmung: Legen Sie sich hin und konzentrieren Sie sich ganz auf Ihre Atmung. Die ersten Atemzüge können nur beobachtend ohne Beeinflussung sein: Wie atme ich? Dann legen Sie die Hände auf den Bauch und atmen jetzt tief und bewusst gegen die Hände ein und wieder aus. Wiederholen Sie diese Übung beliebig oft (mind. 10x).

Positive Lebenseinstellung

Forscher haben festgestellt, dass sich eine positive optimistische Lebenseinstellung in vielfacher Hinsicht positiv auf die Gesundheit auswirkt, unsere Gedanken und Vorgänge in unserem Körper ganzheitlich den Organismus beeinflusst.28

Eine positive Haltung dem Leben gegenüber verändert nicht augenblicklich unsere Umstände und Beschwerden. Wer jedoch durch den Tag geht und seinen Blick auf all die vielen Momente richtet, die Schönes mit sich bringen, auf die netten Begegnungen, die guten Gespräche oder auf den freien Parkplatz vor dem Geschäft, verändert mit der Zeit seine Perspektive und nimmt immer mehr von dem wahr, was uns dankbar sein lässt.

 

Um zu lernen, die eigene Wahrnehmung auf all das Gute zu richten, das uns trotz allem Unwohlsein, trotz aller Widrigkeiten und Sorgen jeden Tag widerfährt, ist es hilfreich, ein Dankbarkeitstagebuch zu führen. Das Schreiben lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das, wofür wir dankbar sind. Widmen wir uns dem Tagebuch am Abend vor dem Schlafengehen, ist es zugleich ein schönes Ritual, das uns den Tag mit positiven Gefühlen beschließen lässt und unsere Gedanken zur Ruhe bringt.

 

Schlaf & Schlafhygiene

Im Schlaf erholt und regeneriert sich der Körper, die Zellerneuerung läuft auf Hochtouren, der Geist kommt zur Ruhe, wir verarbeiten die Erlebnisse des Tags und nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird während der Nacht das Yin gestärkt. Ein chronischer Schlafmangel verursacht im Körper ähnliche Beschwerden wie langanhaltender Stress, da der Körper vermehrt Stresshormone ausschüttet.

 

Schlafbeschwerden sind häufig bei Menschen mit Hyperthyreose. Bei einer stark ausgeprägten Schilddrüsenüberfunktion ist der Energieumsatz erhöht, und Betroffene fühlen sich am Ende des Tages nur mehr körperlich erschöpft und psychisch ausgelaugt. Eine etablierte Schlafhygiene kann nachgewiesen Ein- und Durchschlafstörungen verbessern.29

Tipps

Tipps für einen guten Schlaf

  • morgens eine ausgiebige Lichtdusche, auch tagsüber viel Tageslicht tanken, um den Melatoninspiegel auf natürliche Weise zu regeln
  • ab dem Nachmittag keine koffeinhaltigen Getränke mehr wie Kaffee oder Colagetränke (bei Hyperthyreose sollten der Konsum insgesamt sehr moderat gehalten werden)
  • leicht verdauliche Kost am Abend
  • mäßige Bewegung am Abend wie ein gemütlicher Abendspaziergang
  • vor dem Schlafengehen Handy, Computer und Fernseher aus – das blaue Licht stört die Melatoninbildung (Schlafhormon)
  • Einschlafrituale schaffen wie ruhige Musik, eine Tasse Kräutertee, ein Buch lesen
  • störende oder kreisende Gedanken aufschreiben, um den Geist zur Ruhe zu bringen – am nächsten Tag ist noch genug Zeit, um sich damit zu beschäftigen
  • das Schlafzimmer gut lüften und abdunkeln

Konventionelle Therapie

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Konventionelle Therapie in der Übersicht

Behandlung abhängig von Ausprägung, Ursache der Hyperthyreose und Ihrem Wunsch.

  • Reduktion der Jodaufnahme
  • Behandlung mit Thyreostatika (und evtl. weiteren symptomatisch wirkenden Medikamenten)
  • Radiojodtherapie: nuklearmedizinische Methode, um gezielt überaktives Schilddrüsengewebe zu zerstören
  • Schilddrüsenoperation: Teile der Schilddrüse oder das gesamte Organ werden entnommen

Eine Hyperthyreose wird entsprechend ihrer Ausprägung und ihrer Ursache (M. Basedow, Schilddrüsenautonomie, etc.) und auch Ihren persönlichen Wünschen behandelt. In der konventionellen Behandlung werden häufig neben der Jodreduktion drei Therapie-Möglichkeiten verwendet: Medikamente, Radiojodtherapie und Operation.

 

Reduktion der Jodaufnahme

Hierbei spielt in Deutschland weniger die Jodaufnahme über die Nahrung eine Rolle (Ausnahme sind Algen), sondern vielmehr Untersuchungen mit Röntgenkontrastmittel und z. B. die Einnahme von Herzmedikamenten. Häufig ist auch eine falsche Einnahme von Jodtabletten (ursprüngliche Unterfunktion).

 

Thyreostatika (und symptomatische Medikamente)

Da bei einer Schilddrüsenüberfunktion vermehrt Schilddrüsenhormone gebildet werden, kommen bei der medikamentösen Behandlung Thyreostatika (am häufigsten Thionamide) zum Einsatz. Thionamide blockieren entweder die Bildung oder Freisetzung der Schilddrüsenhormone. Hormone, die bereits im Körper sind, werden durch Thionamide nicht beeinflusst, was den Effekt zeitlich etwas verzögert. Thyreostatika sind sehr effektiv, haben aber gravierende Nebenwirkungen (Juckreiz/Hautausschlag, Fieber, Erhöhung der Leberenzyme, Verminderung der Leukozyten und Gelenk-/Muskelbeschwerden) und sind daher für eine Langzeittherapie nur eingeschränkt zu empfehlen. Wenn Sie mit Thyreostatika behandelt werden, ist eine regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsenhormone im Blut durch Ihren behandelnden Arzt (Endokrinologe) erforderlich. Die Dauer der medikamentösen Therapie ist abhängig von der Ursache – bei Morbus Basedow müssen z. B. mindestens ein Jahr lang Thyreostatika eingenommen werden.

 

Bei ca. der Hälfte der Patienten kehren nach Absetzen der Medikamente die Symptome wieder zurück. Hier wird dann eine Radiojodtherapie oder eine Operation empfohlen.

 

Die die durch die Überfunktion entstehenden Symptome wie hoher Puls und hoher Blutdruck werden häufig symptomatisch mit Beta-Blockern behandelt. Kortisonhaltige Medikamente kommen bei stark hervortretenden Augen (Exopthalmus) bei Morbus Basedow zum Einsatz.

 

Radiojodtherapie

Bei Schilddrüsenautonomie und Morbus Basedow wird die nuklearmedizinische Methode Radiojodtherapie besonders häufig eingesetzt bei einer nicht bereits eklatant vergrößerten Schilddrüse. Mit dieser Therapie soll gezielt überaktives Schilddrüsengewebe ausgeschaltet; Zysten, kalte Knoten oder Vernarbungen können jedoch nicht behandelt werden. Durch eine Radiojodtherapie soll eine Operation (mit entsprechenden Risiken) vermieden werden, jedoch ist ein stationärer Aufenthalt von im Durchschnitt 5 Tagen in der durchführenden Klinik durch die Strahlenschutzverordnung vorgeschrieben.

Hinweis

Prinzip der Radiojodtherapie

  • Sie bekommen radioaktives Jod via Kapsel oder intravenös verabreicht.
  • Schilddrüsenzellen, die Hormone produzieren, sind die einzigen Zellen im Körper, die das radioaktive Jod aufnehmen.
  • Falls genau richtig dosiert wurde, werden normal arbeitende Schilddrüsenzellen nicht zerstört. In den überaktiven Zellen gibt das radioaktive Jod Beta-Strahlung ab und führt letztlich bei diesen zum programmierten Zelltod.
  • Die Radiojodtherapie hat eine hohe Erfolgsrate, jedoch dauert es einige Zeit, bis der gewünschte Effekt eintritt. Oft entwickeln Patienten auch in Folge eine Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion), die dann lebenslang mit L-Thyroxin behandelt werden muss.

Operation der Schilddrüse

Operative Eingriffe an der Schilddrüse werden v. a. dann in Frage kommen, wenn die Struma bereits stark vergrößert ist und auf die Luftröhre drückt oder bösartige Knoten und Tumoren diagnostiziert wurden. Auch in akuten Situationen, bei denen schnell eine Überfunktion „ausgeschaltet“ werden soll (und dies medikamentös nicht gelingt), ziehen Mediziner eine Schilddrüsenoperation in Betracht. Bei einer Operation an der Schilddrüse werden entweder Teile der Schilddrüse oder das gesamte Organ entnommen. Je mehr Gewebe entfernt wird, umso weniger Hormone können danach noch produziert werden.

Zu den Risiken einer Schilddrüsenoperation gehört die Verletzung des Stimmbandnervs und Verletzung der Nebenschilddrüsen (u. a. zuständig für die Kalziumstoffwechsel). Nach einer Operation müssen Sie lebenslang Schilddrüsenhormone und Jodid einnehmen.

Ganzheitliche Therapie

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Ganzheitliche Therapie in der Übersicht

  • Heilpflanzen: Wolfstrapp wirkt direkt auf das hormonelle System; Zitronenmelisse, Salbei, Melisse, Lavendel, Hopfen wirken symptomatisch bei vegetativen Beschwerden und nervösen Unruhezuständen
  • Hydrotherapie: Wickel mit Quark, Kohl und Heilerde und kalte Waschungen wirken kühlend, entzündungshemmend und beruhigend
  • Darmsanierung: Erneuerung des Mikrobioms
  • Psychotherapie: psychosomatische Komponenten, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung einer Hyperthyreose beitragen, adressieren, bearbeiten und auflösen

Oft führt die konventionelle Therapie mit Medikamenten und/oder sogar einer Operation bei Schilddrüsenerkrankungen weder zu einem nachhaltigen Ergebnis noch zu einer Heilung der Betroffenen. Das kleine Organ mit großem Einfluss wird nicht in Beziehung zum restlichen Organismus gesetzt und Fragen nach dem: „Wie konnte der Stoffwechsel-Taktgeber so aus dem Gleichgewicht kommen?“ werden oft nicht gestellt. Ganzheitliche Therapieansätze versuchen hier, ursächlicher zu behandeln – gerade bei einer noch nicht manifesten Überfunktion kann hier viel für Ihre Lebensqualität getan werden; auch ergänzend zu einer konventionellen Behandlung.

 

Heilpflanzen (Phytotherapie)

 Heilpflanzen können keine medikamentöse Therapie bei einer manifesten Hyperthyreose ersetzen, jedoch bei einer latenten Form kann (hier besonders dem wissenschaftlich untersuchten Wolfstrappkraut) in Absprache mit Ihrem Arzt ein Therapieversuch gewagt werden30 – sprechen Sie hierzu mit Ihrem Arzt, der regelmäßige Laborkontrollen durchführen wird.

 

  • Wolfstrappkraut: Wolfstrapp greift als eine der wenigen Pflanzen in den Hormonhaushalt ein und bewirkt eine gesteigerte Ausscheidung des Schilddrüsenhormons T4 über den Urin. Die Wirkung von Wolfstrappkraut wurde in wissenschaftlichen Studien bestätigt. Außerdem wird das Enzym, welches T4 in das aktive T3 umwandelt, von Wolfstrappkraut blockiert. Für die Wirkung von Wolfstrapp sind sekundäre Pflanzenstoffe wie die enthaltenen Flavonoide und Phenolcarbonsäuren verantwortlich.31
  • Baldrian, Lavendel, Hopfen und Melisse: Die typischen pflanzlichen „Entspannungspflanzen“ können auch bei einer Schilddrüsenüberfunktion bei nervösen Zuständen, Schlafstörungen und innerer Unruhe symptomatisch eingesetzt werden. Probieren Sie verschiedene Anwendungsmöglichkeiten aus, die Ihnen gut tun: (nicht zu warme) Entspannungsbäder, Einreibungen mit Aroma-Ölen, Teemischungen, ein Hopfen- oder Lavendelkissen oder als Tinkturen zum Einnehmen (z. B. Baldrian).
  • Salbei: Salbeitee wirkt kühlend und kann bei starkem Schwitzen getrunken oder der Körper durch Abwaschungen mit Salbeitee erfrischt werden.
  • Zitronenmelisse: Zitronenmelisse kann ebenfalls bei einer Hyperthyreose zum Einsatz kommen und zeigte teils vielversprechende regulierende Wirkung in Untersuchungen. Inhaltsstoffe der Zitronenmelisse blockieren die Aktivität der Antikörper, die vor allem bei Morbus Basedow die Schilddrüse stimulieren.

Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Beruhigende Heilkräuter wie Lavendel, Melisse und Baldrian können Sie besonders gut mit einer Teemischung in Ihr abendliches Schlafritual integrieren, mit wohltuenden ätherischen Aromaölen Ihre Schläfen sanft massieren oder eine Duftlampe im Schlafzimmer nutzen.


Hydrotherapie: Lokale Kälteeinwirkung durch Wickel und Waschungen

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion können Sie wärmeentziehende Wickel und Waschungen mit kühlenden, beruhigenden Substanzen selbst anwenden. Halswickel können z. B. mit Heilerde, Kohl oder Quark durchgeführt werden. Für Wickel benötigen Sie immer drei Tücher: Ein Leintuch (für die jeweilige Auflage oder den Sud), ein trockenes Baumwolltuch und ein Wolltuch, die übereinander angelegt werden. Bei allen Wickeln sollten Sie sich ausreichend Zeit nehmen – nicht nur die substantiellen Wirkstoffe sind entscheidend, auch die Ruhephase trägt zur Wirkung bei. Idealerweise hilft Ihnen jemand beim Anlegen der Wickel.

 

  • Halswickel mit Quark: Quark kühlt, beruhigt und lindert Entzündungen, wirkt kräftigend auf Kehlkopf- und Halsregion.

Anwendung: Streichen Sie kühlen Bio-Magerquark daumenbreit auf das Leintuch geben und schlagen dieses so um, dass der Quark in der Mitte bleibt. Wickel am Hals anlegen und für 20 Minuten dort belassen.

 

  • Halswickel mit Kohl: Kohl wirkt auch äußerlich entzündungshemmend32, antioxidativ und schmerzlindernd; Kohl-Anwendungen sind altbewährte naturheilkundliche Methoden.

Anwendung: Waschen Sie den Bio-Weißkohl/Bio-Wirsing unter lauwarmem Wasser und schneiden Sie die harte Mittelachse heraus. Anschließend walken und klopfen Sie die Kohlblätter; am besten die Kohlblätter in einer Plastiktüte mit einem harten Holzbrett als Unterlage walken, damit die wirksame Saftkomponente vollständig erhalten bleibt. Bringen Sie den Brei/die Blätter auf der Schilddrüsenregion an und umhüllen Sie diesen mit dem trockenen Baumwolltuch und abschließend mit dem Wolltuch. Eine Kohlauflage kann prinzipiell bis zu 12h angelegt bleiben – im Alltag empfiehlt sich die Anwendung einmal am Tag für 30 Minuten angelegt zu lassen.

 

  • Halswickel mit Heilerde: Heilerde enthält Silizium, Kalzium, Eisen, Kalium, Magnesium und Natrium sowie Spurenelemente wie Kupfer, Mangan, Selen und Zink. Heilerde wird traditionell bei vielen Erkrankungen eingesetzt und ihre Wirkung konnte teilweise auch in wissenschaftlichen Publikationen nachgewiesen werden. Heilerde kann durch ihre feine Konsistenz Bakterien und schädliche Stoffwechselprodukte binden.33 Bei Hyperthyreose wirkt sie vor allem kühlend und anti-entzündlich.

Anwendung: 2 EL Heilerde mit 7 EL kaltem Wasser zu einem streichfähigen Brei verrühren. Den Heilerde-Brei direkt auf die Schilddrüsenregion auftragen, mit einem feuchten Leintuch bedecken und mit einem Wolltuch umhüllen. Lassen Sie den Wickel ca. 20 Minuten wirken, bevor Sie die Heilerde sanft abwaschen.

 

  • Weitere Anwendungen: kühle Oberkörperwaschungen, kalte Wadenwickel und Wassertreten helfen bei vegetativ-nervösen Beschwerden bei Hyperthyreose – sie wirken entzündungshemmend und beruhigend.

Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Bei Heilerde sollten Sie auf hohe Qualität achten – und für Hals-Wickel ein Produkt für äußere Anwendungen wählen.


 

Darmsanierung

Immer deutlicher wurde in den letzten Dekaden der Forschung, welchen Einfluss unsere Darmgesundheit auf die Gesamtgesundheit unseres Organismus hat. Da etwa 70 % der Immunzellen im Darm sitzen, ist eine gesunde Darmschleimhaut und eine intakte Darmflora Grundlage jeder ursächlichen Therapie. Obwohl Schilddrüse und Darm lokal im Körper eher „weit auseinander“ liegen, sind sie doch sehr eng miteinander verbunden. Besonders die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow ist mit einem aus der Balance geratenen Mikrobiom assoziiert und die Darm-Schilddrüsen-Achse wird intensiv beforscht.34

 

Eine Darmsanierung kann das Mikrobiom wieder in die Balance bringen. Die Darmsanierung besteht aus einer Darmreinigung und dem Wiederaufbau der Darmflora. Durch die Sanierung der Darmflora wird die Darmbarriere gestärkt, ihre Schutzfunktion reaktiviert sowie das Immunsystem mobilisiert. Außerdem ist eine gesunde Darmflora wichtig für die optimale Aufspaltung und Verwertung der Nährstoffe.

Ausflug in die Wissenschaft

Psychobiotika und ihre Wirkung auf Körper, Geist und Seele

Der Begriff Psychobiotika ist eine wissenschaftliche Definition für bestimmte Darmbakterien, die eine positive Wirkung auf unsere Psyche haben. In der Neuropsychoimmunologieforschung ebenso wie in der Mikrobiologieforschung haben die Wissenschaftler immer mehr Erkenntnisse darüber, wie eng Bauch und Gehirn miteinander vernetzt sind – man spricht ja nicht umsonst vom Bauchhirn – und welche Auswirkungen die Darmgesundheit auf unser psychisches Wohlbefinden hat. Der Darm sendet über Nervenimpulse Informationen ans Gehirn wie zum Beispiel Hungergefühle und Verdauungsprozesse, aber auch Unbehagen oder Übelkeit.

Darüber hinaus jedoch fanden die Forscher heraus, dass es Bakterienstämme in unserer Darmflora gibt, die Neurotransmitter (= Botenstoffe, durch die Nervenimpulse weitergeleitet werden) wie Serotonin oder Dopamin, umgangssprachlich auch „Glückshormone“ genannt, produzieren und darüber mit dem Gehirn kommunizieren. Ist unsere Darmflora geschädigt, z. B. aufgrund von einer Antibiotikatherapie, dauerhaftem Stress, Fehlernährung oder einer entzündlichen Darmerkrankung, nimmt die Anzahl der „guten“ Darmbakterien ab, was zu verschiedenen Verdauungsbeschwerden, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien führen kann. Darüber hinaus sinkt auch die Produktion des Serotonins und Dopamins, was Stimmungslabilität, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder nachlassende Leistungsfähigkeit mit sich bringt. Inzwischen gehen die Wissenschaftler davon aus, dass selbst ernsthafte psychische Erkrankungen wie Depressionen teilweise ihren Ursprung im Darm haben.

 

Das Sprichwort „Du bist, was Du isst“ zeigt ganz deutlich den Zusammenhang zwischen Psyche und Darm bzw. Ernährung auf. Um unsere Darmflora zu pflegen, können wir selbst vieles tun, um die „guten“ Bakterien zu nähren und ein Milieu zu schaffen, wo diese sich vermehren und ein dichtes Netz aufbauen können. Neben einer ballaststoffreichen Ernährung mit einem großen Anteil an Frischkost freuen sich unsere Darmbakterien über fermentierte bzw. milchsauer vergorene Lebensmittel wie Sauerkraut oder Gemüsesäfte sowie eine bunte Mischung aus Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen, wie wir sie in biologisch angebautem Obst und Gemüse finden.

Entscheidend für einen erfolgreichen Aufbau der Darmflora ist die Qualität der verwendeten Bakterienstämme, deren Vermehrung im Darm und die Resistenz gegen die Magensäure sowie den Gallensaft. Eine gezielte Zufuhr von Probiotika (Darmbakterien) wirkt sich positiv auf das Darmmilieu aus. Begleitende Maßnahmen wie eine darmgesunde Ernährung unterstützen die Darmsanierung zusätzlich.

Besprechen Sie mit Ihrem Therapeuten nach einer Stuhlanalyse, welche Probiotika in Ihrem Fall substituiert werden sollten. Probiotische Lebensmittel unterstützen die Darmsanierung und pflegen Ihre Darmflora.


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Hinweis

Mikrobiologische Therapie

Eine Störung in der Zusammensetzung des Mikrobioms (Dysbiose) ist Hauptursache für geschwächte Abwehrkräfte.
Eine mikrobiologische Therapie (Symbioselenkung) setzt lebende oder abgetötete Bakterien ein, die keine krankheitserregenden Eigenschaften besitzen. Diese sollen einerseits immunstimulierend wirken, indem sie verschiedene Abwehrmechanismen aktivieren und somit zunehmend zu einer Normalisierung der natürlichen Abwehrkräfte beitragen. Auch überschießende Immunreaktionen sollen dadurch eingedämmt werden. Andererseits soll die Verabreichung lebender Bakterienkulturen bestehende Defizite in der Darmflora ausgleichen. Häufig sind die Milchsäurebakterien, die vorrangig im Dünndarm angesiedelt sind, in zu geringer Anzahl vorhanden.

Psychosomatische Behandlung

„Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.“ (Zitat C. Morgenstern). Bereits 1950 wurde die Hyperthyreose von Arzt und Psychoanalytiker Franz Alexander zu den „Holy Seven“, dem klassischen Katalog der psychosomatischen Krankheiten gezählt. Eine psychosomatische Interpretation bezieht ganzheitlich Körper, Seele und soziale Einbindung bei Findung der Krankheitsursache und Therapie mit ein und kann bei der Schilddrüsenüberfunktion Ansätze für Psychotherapien bieten.

 

Welche seelischen Ursachen können dahinterstecken, wenn der Körper permanent auf Hochtouren läuft, ständig „Hunger“ hat und doch nicht satt wird? Das Gefühl, nicht genug gesehen zu werden, „funktionieren“ und Leistung bringen zu müssen, und ähnliche Gefühle und Erlebnisse können Einfluss auf die Schilddrüse haben. Werden (verschüttete) Konflikte aufgedeckt und möglicherweise gelöst und verarbeitet, besteht die Möglichkeit, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Ein weiterer Punkt, der für eine psychosomatische Behandlung spricht, ist, dass Stress ein gewichtiger Trigger einer Hyperthyreose ist35 – falls die Stressursachen langfristig nicht beseitigt werden können, wird die Chance auf eine Heilung geringer ausfallen.

Checkliste

Checkliste

Checkliste und Empfehlungen: Das können Sie selbst tun bei einer Schilddrüsenüberfunktion

  • Gut informiert sein: Informieren Sie sich und Ihre Angehörigen so gut wie möglich über Ihre Erkrankung.
  • „Richtige“ Therapeuten: Der Draht zu Ihren Therapeuten (Ärzte, Ernährungsberater, Heilpraktiker…) muss stimmen. Die Beziehung zwischen Patienten und Therapeut muss auf Vertrauen und Sympathie aufbauen.
  • Mikronährstoffe: Achten Sie auf Ihren Mikronährstoffhaushalt. Nur wenn alle Mikronährstoffe ausreichend im Organismus vorhanden sind, können lebenswichtige Prozesse optimal ablaufen. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion stehen alle Mikronährstoffe im Fokus – eine Breitbandversorgung ist daher unerlässlich. Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.
  • Ernährung: Versuchen Sie mehr anti-entzündliche und antioxidative Lebensmittel wie grüne Gemüse, Beeren und kaltgepresste hochwertige Öle in Ihren Speiseplan zu integrieren. Vermeiden Sie zu viele Kohlenhydrate, Kaffee, Alkohol und Algenprodukte mit sehr hohem Jodgehalt.
  • Entspannungstechnik: Erlernen Sie eine Entspannungstechnik, die Ihnen Freude bereitet und die Sie regelmäßig durchführen – in Gruppen mit Anleitung oder allein.
  • Pausen: Schalten Sie, so oft es geht, einen Gang runter: Bei Hyperthyreose läuft der Organismus auf Hochtouren – steuern Sie bewusst gegen das endlose Hamsterrad an, machen Sie aktiv Pausen und fragen sich öfter, was tatsächlich wichtig in diesem Moment ist.
  • Bewegung und frische Luft: Gehen Sie täglich in einem moderaten Tempo spazieren, tanken Sie frische Luft und Sonne und atmen Sie tief und regelmäßig.
  • Naturheilkunde: Äußere kühlende Anwendungen und Heilkräuter (z. B. Wolfstrappkraut, Zitronenmelisse, Baldrian und Melisse) können bei einer latenten Schilddrüsenüberfunktion Wirkung zeigen – lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Heilpraktiker beraten. Wichtig ist auch hier Kontinuität – nur regelmäßig können z. B. Wickel etwas bewirken.

Quellenangaben

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