Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose):
Ursachen, Ernährung &
ganzheitliche Therapie

Die Schilddrüse ist ein kleines Organ, und dennoch ist sie unentbehrlich. Eingebunden in einen komplexen Regelkreis zwischen Hypothalamus und Hypophyse bildet sie zusammen mit anderen Drüsen ein komplexes Hormonsystem. Ihre Hormone wirken auf den gesamten Stoffwechsel. Sie beeinflussen nicht nur organische Vorgänge, wie Kreislauf, Verdauung und Wachstum, sondern haben auch großen Einfluss auf das seelische Gleichgewicht.

Eine Unterfunktion entwickelt sich, wenn die Schilddrüse zu wenige ihrer Hormone, Thyroxin und Trijodthyronin, bildet. Das hat direkte Auswirkungen auf den Energiestoffwechsel, das Knochengerüst, die Verdauung und häufig auch das Körpergewicht. Dann helfen nicht nur Medikamente, sondern auch eine gesunde Lebensführung und besonders eine anti-entzündliche Ernährung. Was Sie konkret selbst für Ihre Schilddrüse tun können, wenn Sie an einer Unterfunktion leiden, erfahren Sie hier.

Experte/Expertin:

Dipl. oec. troph. Melanie Wirtgen

Ökotrophologin, Expertin für Ernährungstherapie und Prävention

Letzte Aktualisierung: 18. Mai 2021

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Fakten in der Übersicht

  • Hypothyreose – was ist das? Die Hypothyreose ist eine Unterfunktion der Schilddrüse. Es gibt eine primäre, sekundäre oder tertiäre Form der Hypothyreose. Die häufigste Form ist die primäre Hypothyreose, bei der die Schilddrüse angeregt wird, Hormone zu bilden, ihrer Aufgabe aber nicht mehr ausreichend nachkommen kann. Bei einer manifesten Hypothyreose sind die Schilddrüsenwerte im Blut verändert, eine latente Unterfunktion kann lange durch Wachstum der Schilddrüse kompensiert werden.
  • Ursachen & Risikofaktoren: Ursachen für eine Unterfunktion können sein: Jodmangel, Mangel an weiteren Nährstoffen, wie Selen, Eisen, Zink, Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen, operative Eingriffe an der Schilddrüse, Strahlentherapie und Schäden durch Umwelteinflüsse oder Medikamente. Oxidativer Stress in den Zellen, eine ungesunde Lebensweise, eine genetische Veranlagung und anderweitige Störungen im Hormonregelsystem sind Risikofaktoren.
  • Symptome: Erste Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion sind körperliche Leistungsminderungen, verbunden mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und geistiger Leistungsminderung. Auftreten können trockene und schuppige Haut oder Haare, brüchige Nägel, Haarausfall, auch Schwellungen am Augenlid oder im gesamten Gesicht (Ödeme). Das Kälteempfinden ist erhöht, Patienten frieren leicht. Meist ist eine Unterfunktion auch begleitet von einer Gewichtszunahme oder Schwierigkeiten das Gewicht zu halten. In der Verdauung macht sich die Unterfunktion in der Neigung zu Verstopfung bemerkbar. Auch eine verlangsamte Sprache, eine heisere, raue Stimme, Menstruationsbeschwerden, Libidoverlust, Hör-, Riech- und Geschmacksstörungen können auf eine Unterfunktion hindeuten.
  • Diagnose und Tests:  umfangreiche Anamnese mit Fragen nach Schilddrüsenerkrankungen in der Familie, Veränderungen des Halsumfangs, Symptomen, Einnahme bestimmter Medikamente, Vorerkrankungen; Abtasten (Palpation) der Schilddrüse; körperliche Untersuchung; zur weiteren Abklärung: Ultraschalluntersuchung, Szintigraphie, Feinnadelbiopsie; Labordiagnostik: TSH, freies T3 (fT3) und freies T4 (fT4), eventuell rT3, Antikörpertest zum Ausschluss einer autoimmunbedingten Hypothyreose
  • Prognose und Verlauf: Bei fehlender Behandlung vergrößert sich die Schilddrüse immer mehr, bis hin zum Kropf (Struma) und es kommt zum deutlichen Absinken der Schilddrüsenhormongehalte im Blut. Das Fehlen an Schilddrüsenhormonen führt zum Absinken der Stoffwechselleistung im menschlichen Körper mit vielen unangenehmen Begleiterscheinungen: Der Grundumsatz sinkt. Häufig kommt es zu einer Gewichtszunahme und zu erhöhten Blutfettwerten. Das Risiko für koronare Herzerkrankungen ist erhöht. Eine frühzeitige Therapie ist sehr wichtig. Je früher mit entsprechenden Maßnahmen begonnen wird, desto besser lassen sich Stoffwechselentgleisungen beheben und Symptome abmildern.
  • Empfohlene Ernährung:
    • Eine anti-entzündliche Ernährung entspricht einer gesunden, vollwertigen Ernährung, die reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, fettem Fisch, Nüssen, Saaten und pflanzlichen Ölen ist.
    • an den niedrigen Grundumsatz angepasste Kalorienzufuhr, eiweißreich, gute Qualität an Fetten, wenig schnell resorbierbare Kohlenhydrate
    • hochwertige Lebensmittel, frisch und selbst gekocht
    • darmgesunde Ernährung mit Ballaststoffen und Probiotika
    • die Leber entlastende Kostform mit viel Eiweiß
  • Therapie und Prävention: 
    • Mikronährstoffe: optimale Zufuhr an wichtigen Mineralstoffen, Vitaminen, Antioxidantien. Die wichtigsten sind Selen, Jod, Eisen und Zink, sowie die Vitamine A, E und C.
    • Lebensstil: Stressreduktion, ausreichend Erholung, Schlaf und Entspannung, moderate Bewegung
    • Konventionelle Therapie: Hormonersatztherapie mit auf die Symptome und Blutwerte abgestimmter Dosierung
    • Ganzheitliche Therapie: Heilpflanzen, Homöopathie, Darmsanierung und Entgiftung der Leber können eine medikamentöse Therapie sinnvoll unterstützen.
  • Checkliste und Empfehlungen bei Hypothyreose: Das können Sie selbst tun

Was ist eine Hypothyreose?

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Hypothyreose in der Übersicht

  • Die Hypothyreose ist eine Unterfunktion der Schilddrüse, bei der zu wenig Schilddrüsenhormone gebildet werden.
  • Mittlerweile ist die Hashimoto-Thyreoiditis die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion. Hier richtet sich das Immunsystem des Körpers gegen das eigene Schilddrüsengewebe.
  • Die durch Jodmangel verursachte Schilddrüsenunterfunktion ist rückläufig. Durch die Jod-Anreicherung von Lebens- und Futtermitteln sind Vergrößerungen der Schilddrüse, so genannte Jodmangelstrumen, seltener geworden.
  • Frauen sind fünf Mal häufiger betroffen als Männer.
  • Man unterteilt in eine primäre, sekundäre und tertiäre Form der Hypothyreose.
  • Die primäre Form, bei der die Schilddrüse zu wenig Hormone produziert, ist die häufigste Form. Sekundäre und tertiäre Formen sind seltener. Hier liegt die Störung bei den schilddrüsenstimulierenden Drüsen Hypophyse und Hypothalamus.
  • Lange Zeit kann eine latente Unterfunktion durch einen Zuwachs an Schilddrüsengewebe kompensiert werden, bis sich eine manifeste Form ausprägt mit veränderten Schilddrüsenwerten im Blut und typischen Symptomen.

Vorkommen und Auftreten

An einer manifesten Schilddrüsenunterfunktion leidet in Deutschland etwa 1 Prozent der Bevölkerung. Neben diesen Patienten gibt es aber auch viele, die bereits von einer latenten Schilddrüsenunterfunktion betroffen sind, oft ohne es zu bemerken. Frauen sind fünfmal häufiger betroffen als Männer. Die primäre Schilddrüsenunterfunktion ist die häufigste Form, auf ihr liegt in diesem Artikel der Fokus.

 

Die Wahrscheinlichkeit an einer Hypothyreose zu erkranken, nimmt mit dem Alter zu. Im Norden Deutschlands gibt es weniger Betroffene als im Süden, was offenbar mit einem höheren Fischverzehr und der besseren Jod- und Selenversorgung zusammenhängt.1

Aktuelle Daten des Bundesinstituts für Risikobewertung zeigen, dass die Jodversorgung der Bevölkerung immer noch nicht optimal ist bzw. eine rückläufige Tendenz aufweist.2

 

Deutschland zählte lange zu den Jodmangelgebieten. Als Folge entwickelten sich Strumen und Knoten der Schilddrüse, was zu dem typischen Bild des Kropfes führte. Durch eine Jodanreicherung von Speisesalz und Futtermitteln verbesserte sich die Jodversorgung. Die jodmangelbedingte Schilddrüsenunterfunktion nimmt seither ab.

 

Heute ist die autoimmunologisch-bedingte Schilddrüsenunterfunktion auf dem Vormarsch und mittlerweile die häufigste Form der Unterfunktion. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis richtet sich das Immunsystem gegen das eigene Schilddrüsengewebe und zerstört dieses langsam.

 

Hinweis

Schilddrüsenstoffwechsel

Die Schilddrüsenhormone werden durch übergeordnete Zentren im Gehirn, dem Hypothalamus (Schaltzentrale im Zwischenhirn) und der Hypophyse (Hirnanhangdrüse), gesteuert. Der Hypothalamus schüttet das Hormon TRH (Thyreoidea-releasing-Hormon) aus. Es regt die Hirnanhangsdrüse an, das Hormon TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) freizusetzen. Dieses wiederum fördert die Produktion der Schilddrüsenhormone.

 

Bei Bedarf wird die Schilddrüse durch diesen Regelkreis zur Neubildung und Freisetzung des Schilddrüsenhormons T4 angeregt. Dazu benötigt sie Jod. T4 wird in der Leber und im Darm in T3 umgewandelt. T3 ist das aktive Schilddrüsenhormon und beeinflusst zahlreiche Körperfunktionen. Zirkulieren ausreichend Schilddrüsenhormone im Blut, wird die Freisetzung von TSH gedrosselt. Damit dieser Regelkreis ablaufen kann, benötigt die Schilddrüse bestimmte Mikronährstoffe wie Selen, Eisen und Zink.

 

In bestimmten Situationen wird aus T4 nicht T3, sondern die unwirksame Form rT3 (reverse T3) gebildet – mehr dazu im Kapitel Ursachen.

 

Differenzierung:

Primäre Hypothyreose

Bei dieser Form der Schilddrüsenunterfunktion werden zu wenig Schilddrüsenhormone gebildet. Um die Schilddrüse anzuregen, produzieren Hypothalamus und Hypophyse vermehrt TRH und TSH. Die Vorläuferhormone regen die Schilddrüse an, vermehrt Hormone zu produzieren. Um dies zu erreichen, baut die Schilddrüse neues Gewebe auf. Erste Anzeichen sind erhöhte TSH-Spiegel im Blut. Im Anfangsstadium sind noch keine Symptome vorhanden, da die Schilddrüse durch das vermehrte Gewebewachstum den Mangel an Schilddrüsenhormonen eine bestimmte Zeit ausgleichen kann. Wird nicht behandelt, entsteht aus einer latenten Unterfunktion eine manifeste Hypothyreose, bei der es zum Absinken der Schilddrüsenhormone im Blut kommt. Dies geht dann auch mit den typischen Symptomen einer Unterfunktion einher. Die Ursachen einer primären Hypothyreose werden im Weiteren noch näher beleuchtet.

 

Sekundäre Hypothyreose

Diese Form ist wesentlich seltener. Die Ursache liegt bei der Bildung des schilddrüsenstimulierenden Hormons TSH. Die Hypophyse produziert zu wenig davon, wohingegen der Hypothalamus ausreichend TRH produziert. Die TSH-Spiegel sind niedrig, TRH aber ist normal.

Grund hierfür kann ein Tumor in der Hypophyse sein, die operative Entfernung oder Bestrahlung der Drüse oder ein Schädel-Hirn-Trauma, bei dem die Hypophyse geschädigt wurde.

 

Tertiäre Hypothyreose

Diese Form der Unterfunktion entsteht, wenn zu wenig TRH aus dem Hypothalamus gebildet wird oder gänzlich fehlt. Diese Form ist sehr selten. Auch hier können Tumore oder ein Schädel-Hirn-Trauma verantwortlich sein.

 

Latente oder kompensierte Hypothyreose

Sind die TSH-Spiegel bereits erhöht, die Konzentration liegt aber noch im oberen normalen Bereich oder leicht darüber, dann handelt es sich um eine latente oder kompensierte Unterfunktion. Eine Substitution mit Hormonen ist noch nicht erforderlich. Die Spiegel sollten aber regelmäßig kontrolliert werden. Mit einer veränderten Ernährungs- und Lebensweise können die Spiegel positiv beeinflusst werden, damit es gar nicht erst zu einer manifesten Hypothyreose kommt.

 

Subklinische Hypothyreose

Die Hormon-Spiegel sind bereits verändert, aber es sind noch keine eindeutigen Symptome vorhanden. Die T3- und T4-Spiegel sind erniedrigt, TSH ist erhöht. Eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen ist meistens noch nicht nötig. Sie ist erst erforderlich, wenn ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse oder ein Vorschreiten in eine manifeste Hypothyreose besteht.

 

Manifeste Hypothyreose

Die Schilddrüsenunterfunktion hat sich deutlich ausgeprägt, was sich in veränderten Schilddrüsenwerten im Blut und typischen Symptomen zeigt.

Ursachen und Risikofaktoren

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Ursachen und Risikofaktoren in der Übersicht

  • Ernährung und Lebensstil:
    • ungesunde Ernährung (Mangel an Mikronährstoffen und Antioxidantien)
    • ungünstiger Lebensstil (viel Stress, wenig Erholung)
    • Schäden durch Medikamente und Umwelteinflüsse
    • oxidativer Stress in der Zelle (z. B. durch Strahlung, Nährstoffmangel)
    • Funktionsstörungen von Leber oder Darm
    • Autoimmunerkrankung der Schilddrüse (Hashimoto Thyreoiditis)
    • Störungen im Hormon- und Neurotransmittersystem (Östrogen, Cortisol, Serotonin)
  • Weitere:
    • Entfernung der Schilddrüse oder Strahlentherapie
    • genetisch bedingte Defekte der Schilddrüse
    • Erkrankung von Hypothalamus oder Hypophyse

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann durch Störungen der Hormonproduktion auf allen drei Ebenen des Regelkreises entstehen (Hypothalamus, Hypophyse und Schilddrüse). Die Krankheit kann angeboren sein oder sich erst im Laufe des Lebens entwickeln. Bei Erwachsenen entwickelt sie sich oft schleichend. Einige Faktoren können dazu führen, dass nicht mehr genug Schilddrüsenhormone gebildet werden. Durch eine gesunde Lebensführung hat jeder einzelne es in der Hand, die Gesundheit seiner Schilddrüse zu beeinflussen.

 

Erleidet die Schilddrüse einen Verlust an funktionsfähigem Gewebe, entsteht meist schleichend eine Unterfunktion. Ursachen hierfür sind:

 

Funktionelle Hypothyreose durch Mangel an Nährstoffen

Jodmangel

Das Spurenelement Jod wird zur Bildung der Schilddrüsenhormone benötigt. Es ist essenziell, da es nicht vom Körper selbst hergestellt werden kann. Wird die Schilddrüse dauerhaft mit zu wenig Jod versorgt und fehlen weitere Mikronährstoffe, kann es zu einer Unterfunktion kommen.

In Gebieten mit schlechter Jodversorgung tritt die Hypothyreose häufiger auf. Jod ist ein lebenswichtiger Nährstoff für den Aufbau der Schilddrüsenhormone T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin). Langjähriger schwerer Mangel führt anfänglich zu einer Zunahme des Schilddrüsengewebes, mit dem die Schilddrüse versucht, den Hormonmangel auszugleichen – es entsteht eine Jodmangelstruma, früher bezeichnet als Kropf. Nimmt der Jodgehalt der Schilddrüse ab, wächst die Schilddrüse mit oder ohne Knotenbildung.3 Ohne adäquate Jodzufuhr entwickelt sich eine Hypothyreose. In früheren Zeiten waren Jodmangelstrumen in der Bevölkerung häufig zu sehen, heute durch die Anreicherung von Lebensmitteln mit Jod ist dies seltener geworden. Jedoch kann in besonderen Lebenssituationen der Bedarf so erhöht sein, dass auch heute noch ein Mangel auftreten kann. Insbesondere in der Schwangerschaft muss auf eine ausreichende Zufuhr geachtet werden, um Folgen für Mutter und Kind zu vermeiden. Da Jod nur im Verbund mit anderen Mikronährstoffen aufgenommen werden kann, ist eine adäquate Versorgung auch mit diesen Nährstoffen wichtig.

 

Mangel an Selen und Zink

Ganz besonders wichtig sind Selen und Zink. Auch ein Mangel an diesen Nährstoffen kann zu einer Hypothyreose führen, entweder durch eine schlechte Resorption im Darm, durch erhöhten Bedarf oder mangelnde Zufuhr. Gerade Selen und Zink sind wichtig für den Schilddrüsenstoffwechsel, weil sie als Cofaktoren von Enzymen fungieren. Außerdem wirken sie als Antioxidantien. Es wurde in Studien gezeigt, dass ein Mangel dieser Spurenelemente häufig gemeinsam mit einer Unterfunktion der Schilddrüse, insbesondere der autoimmunologisch bedingten Unterfunktion, einhergeht.4

 

Besonders ein moderater Selenmangel fördert die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen wie der Hashimoto-Thyreoiditis.5 Denn zur Umwandlung des Vorläuferhormons T4 in das wirksame Schilddrüsenhormon T3 wird Selen benötigt. Selen ist Bestandteil der Jod-spaltenden Enzyme, der Dejodasen. Bei einem Mangel wird weniger T3 gebildet, was eine Unterfunktion fördern oder verstärken kann, auch wenn ausreichend Jod zur Verfügung steht.6

 

Mangel an Eisen

Bei vielen Hypothyreose-Patienten lässt sich ein Eisenmangel diagnostizieren.7,8 Eisen ist Cofaktor des Schilddrüsen-Enzyms Peroxidase (TPO) und somit an der Bildung der Schilddrüsenhormone beteiligt. Deshalb kann auch eine Unterversorgung mit Eisen eine Hypothyreose fördern oder verstärken. Gleichzeitig ist die Aufnahme von Eisen bei einer Unterfunktion verschlechtert. Besonders Frauen leiden nicht selten an einer Eisenmangelanämie. Eine gute Versorgung mit Eisen verbessert dann nicht nur die Anämie, sondern auch die Konzentration an Schilddrüsenhormonen im Blut.9 Eisen ist außerdem ein Radikalfänger und an der Energiegewinnung in der Zelle innerhalb der Atmungskette beteiligt.

 

Mangel an Vitamin A, C und E und sekundären Pflanzenstoffen

Viele Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe fungieren als Radikalfänger und schützen die Schilddrüse vor Zellschäden durch oxidativen Stress. Die Schilddrüse produziert bei normaler Funktion so viele freie Radikale wie kein anderes Organ. Sie benötigt daher einen besonders effektiven antioxidativen Schutz.

Studien konnten zeigen, dass das Risiko für eine Hypothyreose um ein Vielfaches erhöht ist, wenn der Schilddrüse bereits Jod fehlt und ein Mangel an Vitamin A hinzukommt.10

 

Besonders das Zusammenspiel der verschiedenen Vitamine, Mineralstoffe und sekundären Pflanzenstoffe, wie sie bspw. im naturbelassenen Obst und Gemüse vorkommen, erhöhen die zellschützende Wirkung deutlich im Vergleich zu isolierten Nährstoffen.

Eine Studie aus den USA hat ergeben, dass das in einem Apfel enthaltene Vitamin C eine 200-fach höhere antioxidative Aktivität besitzt als isoliertes Vitamin C.11

Der Körper kann Mikronährstoffe im natürlichen Verbund und ganzheitlicher Zusammensetzung deutlich besser verwerten als in isolierter Form.

Hinweis

Mindestens 5 Portionen Obst und Gemüse

Die DGE empfiehlt für eine gesunde Ernährungmindestens 5 Portionen Gemüse und Obst am Tag zu verzehren, was ungefähr 400 g Gemüse und 250 g Obst entspricht.

 

Außerdem sollten Lebensmittel so naturbelassen wie möglich und so wenig verarbeitet wie nötig verzehrt werden, um eine bestmögliche Versorgung mit Mikronährstoffen zu erreichen.

 

Während besonderer Belastungssituationen, Krankheiten, Stress oder Medikamenteneinnahme, steigt der Bedarf an Mikronährstoffen erheblich an. Eine optimale Versorgung wird dann oft schwierig. Nahrungsergänzungsmittel können dann die Ernährung sinnvoll ergänzen, sofern sie aus natürlichen Zutaten bestehen und die Zutaten sinnvoll miteinander ergänzt sind.

Ausflug in die Wissenschaft

Freie Radikale und oxidativer Stress

Freie Radikale entstehen als Zwischenprodukte ständig in unserem Stoffwechsel in jeder Zelle des menschlichen Körpers. Sie sind hochreaktiv, aggressiv und eine Gefahr für die Gesundheit unserer Zellen. Durch Antioxidantien werden sie jedoch umgewandelt und unschädlich gemacht.

 

Neben der Eigenbildung entstehen freie Radikale auch durch Umwelteinflüsse (Umweltgifte, wie Pestizide, Schwermetalle, aber auch durch Strahlung (UV, Röntgen) oder Kunststoffe) und durch ungesunde Lebensstilfaktoren, wie Zigarettenrauch und schlechte Ernährung.

 

Schon bestehende Entzündungen bilden ebenfalls vermehrt Radikale, die zu oxidativem Stress der Zellen führen und das Entzündungsgeschehen weiter anheizen.

Besonders wenn Radikalfänger fehlen, kann Schilddrüsengewebe weiter zerstört werden.

 

Eine gesunde Schilddrüse benötigt bestimmte Mengen an Zink, Selen und Eisen, die alle als Radikalfänger fungieren und somit die Zellen vor Schäden schützen. Auch Vitamin A, C und E und diverse sekundäre Pflanzenstoffe wirken radikalbildenden Prozessen entgegen.

Hypothyreose von Geburt an

Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann bereits im Mutterleib erworben werden. Bei einem ausgeprägten Jodmangel in der Schwangerschaft, wenn die werdende Mutter schilddrüsenhemmende Medikamente einnimmt oder Schilddrüsenantikörper der Mutter auf den Fetus übergehen, kann es bereits im Mutterleib zu einer Unterfunktion kommen. Durch eine rechtzeitige Behandlung ist dies aber wieder rückgängig machbar.

 

Genetisch bedingt kann es vorkommen, dass die Schilddrüse unter- oder fehlentwickelt ist und so fehlerhafte oder zu wenige Hormone produziert werden.

 

Entfernung der Schilddrüse oder Strahlentherapie

Eine Unterfunktion kann auch hervorgerufen werden durch einen großen Verlust an aktivem Schilddrüsengewebe durch Schilddrüsenoperationen, Bestrahlung oder Chemotherapie im Halsbereich oder als Folge einer übermäßigen Radiojodtherapie.

 

Auslöser Medikamente und Umweltgifte

Einige Medikamente können sich negativ auf die Schilddrüse auswirken, da sie die Bildung der Schilddrüsenhormone hemmen:

  • Krebsmedikamente
  • Lithium, das zur Behandlung von psychischen Erkrankungen eingesetzt wird
  • Amiodaron, ein Medikament gegen Herzrhythmusstörungen

 

Einige Medikamente haben Einfluss auf den TSH-Wert:

  • Glukokortikoide (Cortison) hemmen die TSH-Ausschüttung in der Hypophyse
  • Säureblocker (Protonenpumpeninhibitoren, PPI) lassen den TSH-Wert ansteigen. Wer Säureblocker einnimmt, sollte seine Schilddrüsenwerte engmaschiger kontrollieren lassen, besonders dann, wenn man wegen der Schilddrüse bereits in Behandlung ist.12,13

 

Weitere Medikamente, die eine Schilddrüsenunterfunktion begünstigen können:

  • Betablocker
  • manche Cholesterinsenker
  • Dopaminvorläufer (bei Parkinson oder Restless-Legs-Syndrom)
  • Antibabypille, Hormontherapien
  • manche Mittel zum Schutz der Magenschleimhaut wie z. B. Sucralfat (Aluminiumsalz)
  • Medikamente zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion hemmen die Bildung von Schilddrüsenhormonen und können eine Unterfunktion auslösen, wenn sie zu hoch dosiert sind.

 

Auch Umweltgifte bergen ein Risiko, die Schilddrüse zu schädigen:

  • polychlorierte Biphenyle (in Kühlmitteln)
  • Pflanzenschutzmittel
  • polybromierte Diphenylether (Flammschutzstoffe)
  • Perchlorate z. B. in Düngemitteln und Zigarettenrauch
  • Bisphenol-A in Plastikflaschen
  • Triclosan (antibakterieller Bestandteil in manchen Seifen)14

 

Unterfunktion durch Autoimmunprozesse

Häufig entsteht eine Schilddrüsenunterfunktion aufgrund einer chronischen Entzündung der Schilddrüse. Ein Mangel an Mikronährstoffen begünstigt die Entstehung der Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis. Der Organismus zerstört eigenes Schilddrüsengewebe, so dass weniger für die Hormonproduktion zur Verfügung steht.

 

Hypothyreose durch Östrogendominanz

Am häufigsten betroffen von einer Schilddrüsenunterfunktion sind Frauen. Etwa ein Viertel von ihnen erkrankt zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Oft beginnt die Krankheit in den Wechseljahren. Aber auch die beiden anderen großen hormonellen Übergangszeiten wie Pubertät und Schwangerschaft sind Phasen, die auffallend oft mit dem Ausbruch einer Unterfunktion zusammentreffen. Hintergrund ist ein Ungleichgewicht zwischen den beiden Hormonen Progesteron und Östrogen, wodurch eine Östrogendominanz entstehen kann. In der Pubertät hat sich der weibliche Zyklus noch nicht richtig eingestellt, am Beginn der Wechseljahre kommt es zum Abfall des Progesteronspiegels und zu einer relativen Dominanz von Östrogen, das noch normale Spiegel aufweist. Auch die Einnahme der Pille kann zu einer Östrogendominanz führen.

Östrogen kann eine funktionelle Schilddrüsenunterfunktion auslösen, denn es verhindert, dass T3 und T4 richtig von den Körperzellen verwertet werden können. Ein Hinweis kann ein erhöhter TSH-Spiegel sein, weil die Hypophyse versucht, die Schilddrüsenproduktion anzuregen. Dieser Zusammenhang zeigt, wie eng unser Hormonsystem miteinander verwoben und es deshalb sinnvoll ist, auch andere Hormondrüsen in ihrer Funktion zu untersuchen.

 

Hypothyreose durch einen Mangel an Serotonin, Dopamin oder zu viel Cortisol

Ein Mangel oder Störungen im Neurotransmitterstoffwechsel schaden der Schilddrüse. Ein Mangel an Serotonin behindert die Umwandlung von T4 in T3 und schwächt die Kommunikation mit dem Gehirn. Ein Mangelzustand führt oft zu Unterfunktionssymptomen mit niedrigen TSH-Werten und hohen T4-Werten. Das eigentliche Problem liegt aber nicht bei der Schilddrüse und lässt sich auch nicht durch Hormonsubstitution beheben. Vielmehr besteht ein Mangel an bestimmten Mikronährstoffen und Aminosäuren. Aus der Aminosäure Tryptophan wird mithilfe von Enzymen Serotonin gebildet. Bei der Synthese werden Co-Faktoren benötigt, wie Zink, Magnesium, Calcium, Eisen, Vitamin C und die B-Vitamine. Fehlt es an diesen Nährstoffen, wird weniger Serotonin produziert.

 

Zusätzlich zu den klassischen Symptomen zeigen die Patienten Anzeichen eines Serotoninmangels oder Dopaminmangels, wie Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen, schnelle Gereiztheit, depressive Verstimmung, mangelnde Lebensfreude, Antriebslosigkeit und Heißhunger auf Süßes.15

 

Lebensstilfaktoren beeinflussen den Schilddrüsenstoffwechsel

Besonders chronischer Stress durch hohe körperliche oder psychische Belastung ohne ausreichende Erholungsphasen schadet der Schilddrüse.

Anhaltender Stress führt zu einer erhöhten Produktion an Cortisol in den Nebennieren. Typisch ist ein Anstieg der Spiegel am Abend, was die Betroffenen nicht zur Ruhe kommen und schlechter schlafen lässt. Bei Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion wurden in Studien erhöhte Cortisolwerte und eine verstärkte Tendenz zu depressiven Verstimmungen festgestellt. Hypothyreose-Patienten reagieren häufig empfindlicher auf Stress.16 Cortisol hemmt die Funktion der Hypophyse, wodurch diese weniger TSH produziert und in Folge weniger Schilddrüsenhormone gebildet werden. Es können typische Symptome einer Unterfunktion auftreten, die aber, wie beim Serotoninmangel, nichts mit einer Erkrankung der Schilddrüse zu tun haben und auch nicht durch Hormonsubstitution behoben werden können.17 In Stresssituationen wandelt der Körper außerdem T3 nicht mehr in die aktive Form T4 um, sondern in die inaktive Form rT3 (reverse T3).18 Stress entsteht auch bei Schlafmangel, bestimmten Erkrankungen, Fasten und restriktiven Diäten, bei Blutzuckerschwankungen, exzessivem Sport und vielem mehr. Außerdem führt Stress immer auch zur Freisetzung von entzündungsfördernden Zytokinen aus dem Immunsystem, was der Schilddrüse ebenfalls schaden kann.19

 

Hinweis

Teufelskreis aus Gewichtszunahme und Stress

Häufig kommt es durch hohe Cortisolspiegel zu Gewichtsproblemen, da sich der Stoffwechsel verlangsamt. Die Fettreserven in der Zelle können nicht mehr so effektiv zur Energiegewinnung herangezogen werden. Gleichzeitig kommt es durch Cortisol zum Abbau von Muskelmasse. Der Körper baut Muskelprotein zu Glucose (Zucker) um, damit für die stressige Phase Energie bereitsteht. Bei körperlicher Inaktivität wird diese Energie jedoch nicht verbraucht. Stattdessen wird der Zucker in Fett umgewandelt und in der Leber und im Fettgewebe gespeichert.

Ein Teufelskreis ist in Gang gesetzt: Stress führt zur vermehrten Einlagerung von Körperfett und zum Muskelabbau. Bei gleichzeitiger körperlicher Inaktivität steigt der Blutzucker, Fettreserven können nicht mobilisiert werden, Leber und Körperzellen lagern vermehrt Fett ein. Um gegenzusteuern, beginnen dann viele Betroffene mit einer strengen Diät – der Körper wird so weiter Stress ausgesetzt und alles beginnt von vorn.20

Hypothyreose durch Entzündungen oder Fehlbesiedelungen im Darm

Die Schilddrüsenhormone unterliegen einem Kreislauf und werden im Darm zum Teil rückresorbiert. Wenn Entzündungen im Darm bestehen, bspw. bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, wie Morbus Crohn oder Zöliakie, gehen Hormone verloren. Auch eine Fehlbesiedelung im unteren Dünndarm, dem sogenannten Ileum, kann zu Störungen bei der Resorption, aber auch zu fehlender Bildung von Serotonin führen.

 

Vermehrte Bildung des inaktiven Hormons reverse T3

In bestimmten Situationen wird aus T4 nicht T3 gebildet, sondern vermehrt die unwirksame Form reverse T3. Dies kann bei Erkrankungen, in bestimmten Stoffwechsellagen, bei Stress oder anderen Auslösern hervorgerufen werden.

 

Gründe für die vermehrte Bildung von rT3:

  • Lebererkrankungen, Fettleber
  • nach Operationen, Verbrennungen
  • Schlafstörungen oder Schlafmangel
  • Alkoholabusus
  • starke andauernde Stressbelastungen
  • strenge Diäten, exzessiver Sport
  • kohlenhydratarme Kost (streng low-carb)
  • Essstörungen
  • höheres Alter

Symptome der Hypothyreose

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Symptome in der Übersicht

Eine Unterfunktion kann schleichend beginnen. Erste Anzeichen sind häufig Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit oder Gewichtszunahme.

 

Häufige Symptome sind:

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit und geistige Leistungsminderung
  • trockene und schuppige Haut oder Haare, brüchige Nägel, Haarausfall
  • Schwellungen am Augenlid oder im gesamten Gesicht (Ödeme)
  • erhöhtes Kälteempfinden
  • Gewichtszunahme oder Schwierigkeiten, das Gewicht zu halten
  • Neigung zu Verstopfung
  • verlangsamte Sprache, eine heisere, raue Stimme, große Zunge
  • Menstruationsbeschwerden
  • Libidoverlust
  • Hör-, Riech- und Geschmacksstörungen
  • niedriger Blutdruck
  • Durchblutungsstörungen
  • Muskel- und Gelenkschmerzen

 

Neugeborene, Kinder:

  • Störung des Wachstums und der Knochenreife beim Ungeborenen
  • Störung der intellektuellen/neurologischen Entwicklung beim Ungeborenen, Säuglingen und Kinder
  • Eine unbehandelte Hypothyreose führt bei Neugeborenen zu schwerwiegenden Entwicklungsstörungen – bezeichnet als Kretinismus.

Eine Hypothyreose bleibt meist über Jahre unerkannt, da sich die Symptome langsam entwickeln und ein Funktionsverlust lange kompensiert werden kann. Dabei entstehen oft Knoten oder das Schilddrüsengewebe vergrößert sich.

 

Erste Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion sind körperliche Leistungsminderungen, verbunden mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und geistiger Leistungsminderung. Auftreten können trockene und schuppige Haut oder Haare, brüchige Nägel, Haarausfall, auch Schwellungen am Augenlid oder im gesamten Gesicht (Ödeme). Das Kälteempfinden ist erhöht, Patienten frieren leicht. Meist ist eine Unterfunktion auch begleitet von einer Gewichtszunahme oder Schwierigkeiten das Gewicht zu halten. In der Verdauung macht sich die Unterfunktion in der Neigung zu Verstopfung bemerkbar. Auch eine verlangsamte Sprache, eine heisere, raue Stimme, Menstruationsbeschwerden, Libidoverlust, Hör-, Riech- und Geschmacksstörungen können auf eine Unterfunktion hindeuten.

 

Symptome im Überblick:

  • Hypotonie (niedriger Blutdruck), selten zu hoher Blutdruck
  • Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche), langsamer Puls
  • Durchblutungsstörungen
  • Kälteempfindlichkeit und verminderte Schweißproduktion
  • Gewichtszunahme (durch einen verminderten Grundumsatz)
  • Gesichtsödeme, Augenlidödeme
  • teigige, blass-gelbe Hautverdickungen, gelbliche Hautveränderungen
  • trockenes, sprödes Haar und schuppige, blasse Haut, Haarausfall
  • Heiserkeit; tiefe, raue Stimme
  • Leistungsabfall und Müdigkeit, vermehrtes Schlafen, allgemeine Schwäche, Antriebsmangel, Teilnahmslosigkeit, Atemnot bei Anstrengung
  • große Zunge
  • Verlangsamung des Achillessehnenreflexes
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Schwerhörigkeit
  • Neigung zur Verstopfung
  • vergrößerte Schilddrüse (Struma, Knotenbildung)
  • Appetitlosigkeit
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Teilnahmslosigkeit bis hin zu depressiver Verstimmung und anderen Auswirkungen auf die Psyche, bei älteren Menschen zuweilen verwechselt mit beginnender Demenz
  • Libido- /Potenzmangel
  • Menstruationsbeschwerden, Veränderungen des weiblichen Zyklus
  • Fruchtbarkeitsstörung, Schwierigkeiten schwanger zu werden

 

Symptome beim Säugling

Eine unbehandelte Hypothyreose führt bei Neugeborenen zu schwerwiegenden Entwicklungsstörungen – bezeichnet als Kretinismus. Etwa 1 von 5.000 Kindern kommt mit einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion zur Welt. Die Ursache ist meist ein Jodmangel der Mutter, seltener eine Fehlbildung der Schilddrüse.

Ab der 12. Schwangerschaftswoche ist eine ausreichende Bedarfsdeckung des Fötus mit Jod wichtig. In dieser Zeit beginnt der Fötus damit Schilddrüsenhormone zu entwickeln. Ab dem 6. Monat beginnt das Hirngewebe zu differenzieren. Besteht ein Jodmangel in dieser Zeit und es werden nur unzureichende Mengen an Schilddrüsenhormone gebildet, kommt es zu Störungen bei der Gehirn- und auch der Knochenentwicklung.

Bemerkbar macht sich das Fehlen an Schilddrüsenhormonen durch einen verminderten Stoffwechsel, was sich beim Säugling durch auffallend ruhiges Verhalten, ein großes Schlafbedürfnis, Trinkfaulheit und Verstopfung äußert.

Wird der Jodmangel nicht erkannt und behandelt, kann es bis zum Vollbild des Kretinismus kommen: mentale Wachstumshemmung, motorische Störungen, Minderwuchs und Taubstummheit. Schon wenige Wochen ohne Therapie führen zu irreversiblen Schäden.

Diagnose der Hypothyreose

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Diagnose in der Übersicht

Zu einer guten Diagnosestellung gehört eine ausführliche Anamnese, gezielte körperliche Untersuchungen und eine gute Labordiagnostik.

  • umfangreiche Anamnese mit Fragen nach Schilddrüsenerkrankungen in der Familie, Veränderungen des Halsumfanges, typischen Symptomen, Einnahme bestimmter Medikamente, Vorerkrankungen
  • Abtasten (Palpation) der Schilddrüse
  • umfangreiche körperliche Untersuchungen
  • zur weiteren Abklärung: Ultraschalluntersuchung, Szintigraphie, Feinnadelbiopsie
  • Labordiagnostik: TSH, freies T3 (fT3) und freies T4 (fT4), eventuell rT3, Antikörpertest zum Ausschluss einer autoimmunbedingten Hypothyreose

Bereits durch eine gute Anamnese können sich Hinweise für eine Hypothyreose und Anhaltspunkte für eine weiterführende Diagnostik ergeben.

 

Wichtige Punkte für die Anamnese:

  • Schilddrüsenerkrankungen in der Familie
  • Veränderungen des Halsumfangs
  • Engegefühl am Hals
  • klinische Zeichen einer Schilddrüsenfunktionsstörung
  • Einnahme bestimmter Medikamente
  • bestimmte Vorerkrankungen

 

Körperliche Untersuchungen:

  • körperlicher Eindruck und Untersuchungen auf Zeichen einer Hypothyreose
  • Abtasten (Palpation) der Schilddrüse
  • Inspektion des Rachens (einschließlich Zunge)
  • Achillessehnen-Reflexverhalten
  • Inspektion der Haut
  • Begutachtung der Augen auf Anzeichen von Lidschwellungen, Sehstörungen, Entzündungen usw.

 

Untersuchung auf Schilddrüsenvergrößerung

Eine normale Schilddrüse hat ungefähr die Größe einer Walnuss und ein Gewicht von bis zu 18 Gramm bei Frauen und bis zu 25 Gramm bei Männern.

 

Der Arzt beurteilt die Größe der Schilddrüsen durch Abtasten:

  • Grad 0: Schilddrüse weder sichtbar noch tastbar vergrößert
  • Grad 1: Schilddrüse vergrößert tastbar, bei gestrecktem Hals sichtbar
  • Grad 2: Schilddrüse sowohl sichtbar als auch tastbar vergrößert – bis Faustgröße
  • Grad 3: Vergrößerung und größere, mit Komplikationen einhergehende Knoten

 

Apparative Untersuchungen

Zur weiteren Abklärung und bei Verdacht einer Schilddrüsenvergrößerung können bildgebende Verfahren angewendet werden:

  • Ultraschalluntersuchung (Sonografie): bei vergrößerter Schilddrüse
  • Szintigrafie: nuklearmedizinisches, bildgebendes Verfahren, bei dem die Verteilung von radioaktiv markiertem Jod in der Schilddrüse dargestellt wird, um heiße und kalte Knoten zu ermitteln
  • Feinnadelbiopsie: zur Abgrenzung von gutartigen oder bösartigen Gewebeveränderungen – dient vor allem dem Ausschluss von Krebs.
  • zusätzliche Untersuchung: EKG

 

Labordiagnostik

Bei der Labordiagnostik werden die Blutspiegel für TSH, freies T3 (fT3) und freies T4 (fT4) und eventuell rT3 erhoben.

Produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone, versucht die Hypophyse durch die vermehrte Freisetzung des schilddrüsenstimulierenden Hormons TSH die Schilddrüse anzuregen, was auch zeitweise gelingt. Erhöhte TSH-Spiegel geben einen ersten Hinweis auf eine Hypothyreose, bedeuten aber nicht zwangsläufig, dass eine behandelbare Schilddrüsenunterfunktion vorliegt. Erst wenn Symptome auftreten, spricht man von einer manifesten Hypothyreose, die dann medikamentös behandelt werden muss. Liegt eine latente Unterfunktion vor, können bereits Ernährungs- und Lebensstiländerungen den weiteren Verlauf stoppen.

 

Derzeit gelten in Deutschland folgende Normwerte in Milli-Einheiten pro Liter:

 

TSH-Normbereich: 0,26-4,2 mU/l

Bestehen trotz normaler TSH-Werte typische Symptome, die in der Anamnese ermittelt wurden, können die Konzentrationen der freien Schilddrüsenhormone (fT3 und fT4) im Blut bestimmt werden:

  • fT3 Normbereich: 3,5-8 ng/l (5,4-12,3 pmol/l)
  • fT4 Normbereich: 8-18 ng/l (10-23 pmol/l)

 

 

Werte bei latenter bzw. kompensierter Hypothyreose:

  • TSH noch normal (2,8-4,2 mU/l) bis erhöht (>4,2 mU/l)
  • fT3 und fT4 normal

 

Werte bei subklinischer Hypothyreose:

  • TSH erhöht (> 4,6 mU/l)
  • fT3 und fT4 erniedrigt
  • ohne Symptome

 

Manifeste Hypothyreose:

  • TSH erhöht (> 4,6 mU/l)
  • fT3 und fT4 erniedrigt
  • mit Symptomen

 

Von Bedeutung ist auch die Erhebung der Versorgung mit Zink, Eisen, Jod, Selen, Magnesium, Vitamin B12 und Homocystein sowie Vitamin D sowie die Ermittlung von Entzündungswerten, wie CRP, BSG und Gesamteiweiß.

 

Differenzialdiagnose:

Zur Abgrenzung einer autoimmunologisch bedingten Schilddrüsenerkrankung werden Antikörper gemessen: Ergibt sich ein Nachweis von TSH-Rezeptor-Antikörpern (TRAK) oder von Thyreoperoxidase-Antikörpern (TPO-AK) deutet dies auf einen Morbus Basedow hin. Der Nachweis von TPO-AK ohne TRAK lässt eine Hashimoto-Thyreoiditis vermuten.

 

Auch rT3 kann diagnostisch bestimmt werden. Die Messung ist aber recht teuer und wird daher selten durchgeführt. Sie ist für die normale Schilddrüsendiagnostik auch unerheblich. Erst bei Problemen mit dem Gewicht, z. B. bei fehlender Gewichtsreduktion trotz Schilddrüsenmedikation, kann es sinnvoll sein, den Wert bestimmen zu lassen.

 

Krankheitsverlauf und Prognose

Das-Wichtigste-in-Kürze

Krankheitsverlauf in der Übersicht

  • Erste Anzeichen sind häufig erhöhte TSH-Werte. Die Schilddrüse wird angeregt und versucht, einen Mangel an T3 auszugleichen. Dabei entsteht meist eine Struma.
  • Die Schilddrüsenhormone T3 und T4 liegen noch im Normalbereich, da die Schilddrüse den Mangel noch ausgleicht. Bei fehlender Behandlung vergrößert sich die Schilddrüse bis hin zum Kropf, und es kommt zum deutlichen Absinken der Hormongehalte im Blut.
  • Das Fehlen an Schilddrüsenhormonen führt zum Absinken der Stoffwechselleistung im menschlichen Körper mit vielen unangenehmen Begleiterscheinungen.
  • Der Grundumsatz sinkt. Häufig kommt es zu einer Gewichtszunahme und zu erhöhten Blutfettwerten.
  • Das Risiko für koronare Herzerkrankungen ist erhöht.
  • Eine frühzeitige Therapie ist sehr wichtig. Je früher mit entsprechenden Maßnahmen begonnen wird, desto besser lassen sich Stoffwechselentgleisungen beheben und Symptome abmildern.

Entwickelt sich eine Unterfunktion der Schilddrüse, zeigt sich das zuerst in niedrigen T3- und T4-Spiegeln, woraufhin die Hypophyse vermehrt das Schilddrüsen-stimulierende Hormon TSH ausschüttet. Die Schilddrüse wird angeregt und versucht, den Mangel an T3 auszugleichen. Dabei entsteht neues Schilddrüsengewebe und die Drüse vergrößert sich, eine Struma entsteht. In diesem Stadium spricht man von einem kompensatorischen Größenwachstum der Schilddrüse. Die Schilddrüsenhormone T3 und T4 liegen noch im Normalbereich, da die Schilddrüse durch vermehrtes Wachstum den Mangel eine Zeitlang ausgleichen kann. Bei fehlender Behandlung und weiterer Mangelversorgung mit Jod und anderen wichtigen Nährstoffen vergrößert sich die Schilddrüse in diesem Stadium immer mehr, bis dies deutlich sichtbar wird und ein Kropf entsteht. Außerdem kommt es allmählich zum Absinken der Hormongehalte im Blut.

Das Fehlen an Schilddrüsenhormonen führt dann zum Absinken der Stoffwechselleistung im menschlichen Körper. Der Grundumsatz kann auf die Hälfte abfallen. Häufig lässt der Appetit nach. Gleichzeitig kann das Körpergewicht ansteigen, zurückzuführen auf einen erhöhten Wasser- und Salzrücktransport sowie den Anstieg des Körperfettanteils. Der Fettabbau, die Biosynthese von Fettsäuren sowie der Eiweißumsatz in der Leber sind reduziert. Das führt langfristig zu einer Gewichtszunahme und zu erhöhten Blutfettwerten – eine sekundäre Fettstoffwechselstörung kann entstehen. Bereits bei latenter und noch symptomfreier Hypothyreose mit TSH-Konzentrationen ab 10 mU/ l können schon deutliche Veränderungen im Cholesterin- und Lipoproteinstoffwechsel mit erhöhten Gesamt- und LDL-Cholesterinwerten auftreten.21 Durch eine Therapie mit Schilddrüsenhormonen normalisieren sich die Blutfettwerte in der Regel.

 

Aufgrund der erhöhten Cholesterinspiegel, der herabgesetzten Herztätigkeit und des verminderten Blutflusses erhöht sich das Risiko für koronare Herzerkrankungen. Bereits bei milden Formen der Unterfunktion belegen Studien eine reduzierte Herztätigkeit und einen herabgesetzten Blutdruck in den peripheren Geweben. Die erhöhten Cholesterinwerte, der gestörte Energieumsatz der Gefäßzellen und der versorgenden Nerven kommen dazu, was in Kombination zu Gefäßveränderungen führt.22 Die Hypothyreose ist damit ein eigenständiger Risikofaktor für die Ausprägung einer Atherosklerose

Eine Herzinsuffizienz infolge einer Schilddrüsenunterfunktion ist dennoch sehr selten und tritt nur bei langanhaltender unbehandelter Erkrankung auf. Meist liegt bereits eine grundlegende Störung des Herzens vor, welche durch die Hypothyreose verschlimmert wird.

Eine frühzeitige Therapie ist sehr wichtig. Je früher mit entsprechenden Maßnahmen begonnen wird, desto besser lassen sich Stoffwechselentgleisungen beheben und Symptome abmildern.

 

Ernährung bei Hypothyreose

Das-Wichtigste-in-Kürze

Ernährung in der Übersicht

  • Ob das, was wir täglich essen für uns gesund oder ungesund ist, liegt vor allem an der Ausgewogenheit der einzelnen Nährstoff-Gruppen, die wir essen.
  • Eine gesunde Ernährung ist vor allem anti-entzündlich und abwechslungsreich– das Gegenteil der Western Diet, die pro-entzündlich wirkt. Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten. Praktisch heißt das: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fetter Fisch, Nüsse, Saaten und kaltgepresste pflanzliche Öle.
  • Grundsätzlich benötigt die Schilddrüse, um optimal arbeiten zu können, eine Reihe von Nährstoffen, wie Jod, Selen, Eisen und einige Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe. Der Schilddrüse geht es am besten, wenn sie mit mikronährstoffreichen Lebensmitteln versorgt wird.
  • Frisch zubereitete Speisen aus saisonalem und regionalem Obst und Gemüse sind empfehlenswert.
  • Eine bedarfsgerechte Menge an eiweißreichen Lebensmitteln ergänzt eine schilddrüsengesunde Ernährung. Wer noch nicht gut mit Medikamenten eingestellt ist oder generell mit dem Gewicht kämpft, für den ist es ratsam, energiereduziert zu essen.
  • Die richtige Ernährung bei Schilddrüsenerkrankungen ist grundsätzlich sehr individuell. Eine spezielle Ernährungstherapie für Hypothyreose gibt es nicht, da es wenig wissenschaftlichen Konsens über einzelne Ernährungsformen gibt. Eine Reihe von Optionen ist möglich, die jeder Betroffene für sich ausprobieren kann.
  • Empfohlene Ernährung:
    • Eine anti-entzündliche Ernährung entspricht einer gesunden, vollwertigen Ernährung, die reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, fettem Fisch, Nüssen, Saaten und pflanzlichen Ölen ist.
    • Die Kalorienzufuhr sollte an den niedrigeren Grundumsatz angepasst sein: eiweißreich, hochwertige Fette, wenig schnell resorbierbare Kohlenhydrate.
    • unverarbeitete Lebensmittel, am besten frisch und selbst gekocht
    • keine radikalen Diäten, ausgewogen und regelmäßig essen
    • darmgesunde Ernährung mit Ballaststoffen und Probiotika
    • die Leber entlastende Kostform mit viel Eiweiß

Eine pro-entzündliche Ernährung ist oft Risikofaktor oder Auslöser bei zahlreichen Erkrankungen. Sie fördert eine chronische Entzündung, die Arterien verkalken lässt, unseren Darm und unser Immunsystem schwächt, unsere Psyche negativ beeinflusst und letztlich Zellstress entstehen lässt. Wie im Kapitel Ursachen ausführlich dargestellt, sind entzündliche Prozesse auch bei Hypothyreose an der Entstehung beteiligt. Mit einer gesunden, anti-entzündlichen Ernährung können Sie das Krankheitsgeschehen bei Hypothyreose in Ihrem Körper selbst mitbeeinflussen:

  • Sie können das Entzündungsgeschehen in Ihrem Körper mildern/nicht zusätzlich durch entzündungsfördernde Lebensmittel befeuern.
  • Sie versorgen Ihren Körper mit lebenswichtigen Mikronährstoffen.
  • Sie schützen sich präventiv vor Begleiterkrankungen, die sich zusätzlich negativ auf die Hypothyreose
  • Sie erreichen und halten langfristig Ihr Normalgewicht.

 

Probleme der heutigen Ernährung

Obwohl in Deutschland kein Mangel an Nahrungsmittelvielfalt herrscht, wird eine naturbelassene Ernährung mit vielen qualitativ hochwertigen und unverarbeiteten Produkten immer seltener. Volle Arbeitstage, Alltagsstress, keine Zeit zu kochen und auch der Mangel an Wissen und Fähigkeiten führen zunehmend zu einer ungesunden Ernährung.

 

Fertigprodukte statt frisch kochen: Western Diet

Diese Art der Ernährung wird oft unter dem Begriff Western Diet zusammengefasst, weil sie vor allem in den westlichen Industrieländern weit verbreitet ist und sich zunehmend auch in Ländern mit traditionell gesunder Ernährung ausbreitet – mit gravierenden Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung.

Hinweis

Merkmale der Western Diet

hochkalorisch, zuckerreich, gesättigte Fettsäuren, Transfettsäuren, salzreich, viele Konservierungsstoffe und hochverarbeitete Produkte (Fastfood, Fertigprodukte, „Junkfood“) – dagegen wenig frisches Obst und Gemüse, keine hochwertigen Pflanzenöle, wenig komplexe Kohlenhydrate, wenige Ballaststoffe, Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe

Nährstoffzufuhr aus dem Gleichgewicht

Ob das, was wir täglich essen für uns gesund oder ungesund ist, liegt vor allem an der Ausgewogenheit der einzelnen Nährstoff-Gruppen, die wir essen. Unsere Lebensmittel setzen sich zum einen aus Makronährstoffen zusammen, die uns Energie und Baumaterial liefern: Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße.

Auf der anderen Seite enthalten Lebensmittel auch unzählige Mikronährstoffe, die das Umsetzen der Makronährstoffe im Stoffwechsel erst möglich machen: Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Fettsäuren, Enzyme und sekundäre Pflanzenstoffe.

Ungesund wird eine Ernährung dann, wenn die einzelnen Gruppen nicht mehr im Gleichgewicht zueinander stehen. Arbeit findet z. B. heute sehr oft als sitzende Tätigkeit am Schreibtisch statt, wo keine bis kaum Kalorien verbrannt werden – jedoch dominieren Kohlenhydrate nach wie vor zu einem großen Anteil unsere tägliche Ernährung, was die Entwicklung einer chronischen Entzündung besonders fördert – das ständige Zuviel.

 

Anti-entzündliche Ernährung: Profitieren Sie auf allen Ebenen

Erst gravierende Erkrankungen und Ereignisse wie eine Hypothyreose lassen uns aufhorchen und führen oft zu einem Wendepunkt im Leben: Lassen Sie es gar nicht erst soweit kommen!

Sich gesund zu ernähren heißt nicht sich selbst zu kasteien, zu verzichten oder strikte Pläne einzuhalten. Es bedeutet Neues kennenzulernen, alte Wege zu verlassen und sich jeden Tag fitter, gesünder und leistungsfähiger zu fühlen statt immer müde, abgeschlagen und energielos. Sie können dabei Schritt für Schritt etwas an Ihrer Ernährung ändern, statt zu versuchen, von heute auf morgen alles auf den Kopf zu stellen. Eine gesunde Ernährung ist vor allem anti-entzündlich und abwechslungsreich– das Gegenteil der Western Diet, die pro-entzündlich wirkt.

 

Was ist eine antientzündliche Ernährung?

Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten. Eine pro-entzündliche Ernährung ist einer der Hauptauslöser für eine chronisch-schwelende Entzündung in unserem Körper, die stille Entzündung (silent inflammation).

Die folgende Tabelle stellt Ihnen wichtige anti- und pro-entzündliche Nahrungsmittelgruppen vor:

Anti-entzündliche Nahrungsmittel und pro-entzündliche Nahrungsmittel

 

Anti-entzündliche Ernährung Pro-entzündliche Ernährung
Olivenöl, Walnussöl, Leinöl, Hanfölfrittierte Lebensmittel, Margarine, Sonnenblumenöl, Schweineschmalz, Sojaöl, Maiskernöl
Obst (zuckerarme Sorten bevorzugen): Beeren, Zitrusfrüchte, Äpfel
Gemüse, mindestens „5 am Tag“: grüne Blattgemüse, Brokkoli, Spinat, Kohlsorten, Topinambur, alle Salate, Wildkräuter
Fast Food, Fertigprodukte, Süßigkeiten, industriell gefertigte Snacks
Vollkornprodukte: Getreideprodukte aus dem vollen Korn inklusive aller BallaststoffeProdukte aus Auszugsmehlen („Weiß“), Weizen
Hülsenfrüchte: Linsen, Kichererbsen, Bohnen, Tofu
Eier: moderater Konsum (mind. Bio-Freiland-Haltung)
Wurstwaren, viele Milchprodukte
fetter Seefisch: Lachs, Makrele, SardinenSchweinefleisch
frische Kräuter, antientzündliche Gewürze wie Chili, Kurkuma, Ingwer
Sulfide: Knoblauch, Zwiebeln, Meerrettich
sehr salzreich
Getränke und Tee: Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees, grüner TeeSoftdrinks, häufiger Alkoholkonsum, Milchmixgetränke
Nüsse und Saaten: Walnüsse, Leinsamen, Pinienkerne, Kürbiskerne, MacadamianüsseErdnüsse, gesalzene und aromatisierte „Knabbernüsse“
Probiotika: Kefir, Joghurt, milchsauer eingelegte Gemüse, Misopaste

Weitere Eckpunkte einer gesunden Ernährung sind:

  • Flexitarismus: Insgesamt sollte Ihre Ernährung vorwiegend pflanzenbasiert ausgerichtet sein – Fleisch, Fisch und Milchprodukte sind in Maßen zu genießen, dafür in hochwertiger Qualität.
  • Mittelmeer-Diät: Gute Orientierung bei einer anti-entzündlichen Ernährung bietet die mediterrane Ernährung – Menschen, die sich traditionell nach der Mittelmeerdiät ernähren, leiden seltener unter der chronischen Entzündung und deren Folgen, z. B. weniger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Regional und saisonal: Produkte aus der Region, die keinen weiten Anreiseweg hatten, sind frischer und oft nährstoffreicher. Viele Superfoods haben einheimische „Verwandte“ wie z. B. Leinsamen (statt Chiasamen) oder Hagebutten (statt Goji-Beeren).
  • Gesunde Fette: Fett reduzieren ist passé, viel wichtiger, ist die richtigen Fette aufzunehmen: Die optimalen Quellen sind kaltgepresste, hochwertige Öle. Dabei sollte der Anteil der Omega-3-Fettsäuren möglichst hoch sein, da sie im Gegensatz zu den Omega-6-Fettsäuren entzündungs- und schmerzhemmend wirken.
  • Kohlenhydrate reduzieren: Essen Sie insgesamt weniger Kohlenhydrate, also weniger weißes Brot, weniger weiße Nudeln und Reis. Zu viele dieser getreidehaltigen Sattmacher fördern Entzündungen und stören das Gleichgewicht der Botenstoffe.
  • Vegetarismus und Veganismus sind Ernährungsformen, die sehr gesund und ausgewogen sein können, aber nicht automatisch sind: Wenn viele oben genannte Nahrungsmittel integriert werden und auf ausreichend Mikronährstoffzufuhr geachtet wird. Auch der vegane Trend hat viele Fertigprodukte auf den Markt gebracht, die oft mit einer gesunden Ernährung nichts mehr gemeinsam haben. Achten Sie also weniger auf ein „Label“, sondern auf Ausgewogenheit.
  • Achtsamkeit beim Essen: Genuss, Freude und Langsamkeit gehören zu einer gesunden Ernährung genauso wie hochwertige Nahrungsmittel.
  • Fastenperioden: Intervallfasten oder Buchinger-Fasten können sinnvoll sein für einen Neustart oder ein jährliches Ritual, hier müssen Sie selbst abwägen, ob es zu Ihnen passt.
  • In Bewegung bleiben: Zu einer gesunden Ernährung gehört Bewegung – neben vielen anderen positiven Effekten, wirkt die Verdauung angeregt und die Darmpassage gefördert.

Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Unser Produkt-Tipp: Bio-Leinöl, reich an den Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA


 

So sollte Ihr Teller aussehen

Mit dieser Telleraufteilung versorgen Sie Ihren Organismus optimal mit wichtigen Mikronährstoffen und ausreichend Energie-Lieferanten (Fette, Kohlenhydrate und Eiweiß). Achten Sie also darauf, nicht nur Beilagen und Fleisch/ Fisch zu sich zu nehmen, sondern variieren Sie vor allem mit verschiedenen Gemüse- und Obstkombinationen. So gehen Sie Übergewicht aus dem Weg und vermeiden Speisen mit zu hohen Kalorienwerten.

 

Spezifische Ernährungsempfehlungen bei Hypothyreose

 

Energiebedarf bei Hypothyreose

Der Mangel an Schilddrüsenhormonen bei einer Unterfunktion führt zu einem herabgesetzten Grundumsatz und damit zu einem geringeren Energiebedarf. Gleichzeitig leiden Betroffene an Müdigkeit und Erschöpfung, wodurch der Leistungsumsatz häufig zurück geht. Durch weniger Bewegung bei gleichzeitig geringerem Grundumsatz kommt es schnell zu einer positiven Energiebilanz. Eine unerklärliche, teils massive Gewichtszunahme ist daher häufig das erste spürbare Symptom bei Betroffenen.

 

Deshalb sollten Patienten nach der Diagnosestellung erst einmal kalorienreduziert essen, bis sie medikamentös gut eingestellt sind oder die Ursache der Unterfunktion behoben ist. Danach kann zu einer energiemoderaten Kostform gewechselt werden, die dem Bedarf angepasst ist und zu einer ausgeglichenen Energiebilanz beiträgt.

Von drastischen Kalorienreduktionen ist abzuraten, da dies den Grundumsatz noch weiter reduziert und langfristig wieder zur Gewichtszunahme führt. Es ist besser, langsamer, aber nachhaltiger, vorzugehen, am besten mit fachkundiger Betreuung durch eine Ernährungsberatung.

 

Kalorienreduziert essen bedeutet nicht, zu hungern. Die richtige Auswahl an Lebensmitteln ist entscheidend. Geeignet sind kalorienarme, aber nährstoffreiche Lebensmittel, die möglichst frisch zubereitet und wenig verarbeitet sind. Für eine gute Sättigung braucht es ausreichend Ballaststoffe und Eiweiß. Eine zu fettarme Ernährung wird ebenfalls nicht empfohlen, da wichtige fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) sonst nicht ausreichend resorbiert werden können. Viele fettlösliche Vitamine wirken als Antioxidantien und schützen das Schilddrüsengewebe vor freien Radikalen. Außerdem sind sie wichtig bei der Immunabwehr.

 

Durch die Einnahme synthetischer Schilddrüsenhormone bessert sich die Energiebilanz in vielen Fällen. Es bedarf aber oft viel Geduld, bis die ideale Hormondosis gefunden ist. Eine Gewichtsreduktion ist daher oft langwieriger und sollte nicht zu drastisch erfolgen. Es kann auch sein, dass unter Medikamenteneinnahme eine kalorienarme Kost beibehalten werden muss, um das Gewicht dauerhaft stabil zu halten oder überhaupt eine Gewichtsreduktion zu erreichen.

 

Kohlenhydrate und Ballaststoffe

Wer Gewicht reduzieren oder halten möchte, braucht einige Kenntnisse zu der Wirkung von Kohlenhydraten auf den Stoffwechsel. Jeder Verzehr von Kohlenhydraten, ob in Form von Stärke oder Zucker, führt zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels und damit zur vermehrten Freisetzung des Hormons Insulin.

Insulin ist ein Speicherhormon. Es schleust Zucker aus dem Blut in die Zellen, fördert die Fettaufnahme in die Fettzellen und hemmt außerdem den Fettabbau in der Zelle. Häufige Zufuhr und große Mengen an Kohlenhydraten erhöhen den Blutzuckerspiegel und führen zu hohen Insulinausschüttungen und in Folge zum schnellen Blutzuckerabfall bis hin zur Unterzuckerung. Diese Hypoglykämien bedeuten für den Körper grundsätzlich Stress. Er versucht mit der Mobilisierung der Kohlenhydratspeicher den Blutzucker wieder anzuheben. Dabei wird vermehrt Cortisol gebildet und das Immunsystem aktiviert. Wenn häufig am Tag kohlenhydratreich gegessen wird, kommt es zu großen Blutzuckerschwankungen. Das hat Folgen für das Gewicht, das Immunsystem und die Entwicklung von chronischen Entzündungen.23

Insulin fördert die Fetteinlagerung im Bauchraum, der Abbau von bestehendem Übergewicht wird erschwert und langfristig sogar eine Insulinresistenz der Zellen provoziert. Dann reagieren die Zellen nicht mehr sensibel auf Insulin, und der Blutzuckerspiegel bleibt dauerhaft erhöht – eine Vorstufe von Diabetes mellitus.

 

Ziel sollte es sein, die Blutzucker- und Insulinspiegel möglichst niedrig und konstant zu halten, um Gewichtsprobleme und chronische Entzündungen zu vermeiden.

 

Das ist möglich durch die Auswahl von Lebensmitteln mit einer geringen Blutzuckerwirkung in Kombination mit guten Ballaststoff-, Eiweiß- und Fettquellen. Kohlenhydratreiche Zwischenmahlzeiten wie Brotmahlzeiten, Süßigkeiten, Kuchen, aber auch reife Bananen, süße Trauben oder gesüßte Getränke lassen den Insulinspiegel stark ansteigen und sollten eher vermieden werden.

 

Drei Hauptmahlzeiten, bestehend aus maximal einem Viertel Kohlenhydraten (Brot, Frühstücksflocken, Reis, Nudeln, Kartoffeln), sind ideal – siehe Tellermodell. Als Zwischenmahlzeit eignen sich Obst in Kombination mit eiweißreichen Produkten wie Joghurt, Skyr, Magerquark, Hüttenkäse oder auch mit Nüssen. Als Milchersatzprodukte eignen sich solche aus Hafer, Mandel oder Kokos.

 

Komplett auf Kohlenhydrate zu verzichten, ist nicht ratsam. Wie im Kapitel Ursachen beschrieben, kann eine strenge low-carb-Diät zur vermehrten Bildung des unwirksamen Hormons rT3 führen, da auch diese Ernährungsweise für den Körper Stress bedeuten kann.

 

Nicht nur eiweißreiche Lebensmittel sättigen gut und liefern wichtige Nährstoffe, auch Ballaststoffe gehören zu einer schilddrüsengesunden Ernährung. Sie wirken verdauungsfördernd, stärken die Darmflora und das darm-assoziierte Immunsystem und unterstützen die Bindung und Ausleitung von toxischen Substanzen im Darm.

 


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Zur natürlichen Regulierung des Magen-Darmtraktes eignen sich lösliche Ballaststoffe. Dazu zählen Flohsamenschalen, die aus einer indischen Pflanze gewonnen werden. Durch die Einnahme der Schalen mit reichlich Flüssigkeit quellen diese im Darm auf und bilden Schleimstoffe. Zudem haben Flohsamenschalen eine präbiotische Wirkung, sodass die Aktivität und das Wachstum von gesunden Darmbakterien angeregt werden. Wir empfehlen Ihnen:


 

Hinweis

Zufuhrempfehlung Ballaststoffe

Empfohlen werden etwa 30 g Ballaststoffe täglich. Wer es nicht gewohnt ist, ballaststoffreich zu essen, sollte den Verzehr langsam steigern und die Flüssigkeitszufuhr erhöhen. Gut verträglich sind feingemahlene Vollkornbrote, feine Haferflocken und gedünstetes Gemüse. Ansonsten ist alles erlaubt, was gut vertragen wird.

Ballaststoffe stecken auch in abgekühlten Kartoffeln, Nudeln oder Reis, in älterem Brot und eher grünlichen Bananen.

 

Eiweiß

Eiweiße bestehen aus einer Reihe verschiedener Aminosäuren. Sie sind lebensnotwendiger Grundbausteine zahlreicher Körpergewebe, Enzyme, Botenstoffe und Immunfaktoren, so auch wichtig für die Schilddrüse. Zur ausreichenden Versorgung des Körpers und zur Erhaltung des Muskelgewebes wird eine tägliche Aufnahme von 1 g Eiweiß pro kg Körpergewicht empfohlen.

Tierische Eiweißquellen liefern Aminosäuren in einem für den menschlichen Körper optimalen Verhältnis. Ein großer Teil des Eiweißbedarfs kann aber auch über pflanzliche Quellen gedeckt werden. Durch geschickte Kombination, beispielsweise von Nüssen mit Getreide oder Hülsenfrüchten und Mais, kann die niedrige biologische Wertigkeit pflanzlicher Eiweißquellen deutlich erhöht werden. Eiweiß besitzt von allen Makronährstoffen die höchste Sättigungswirkung, obwohl es pro Gramm nur 4 kcal Energie liefert. Auch Kohlenhydrate liefern 4 kcal Energie pro Gramm, aber im Gegensatz zu ihnen, erhöht Eiweiß den Insulinspiegel nur gering. Eiweißreiche Mahlzeiten sind also ideal für die Gewichtsreduktion.

 

Fette

Fette sind nicht nur Energielieferanten, mit 9 kcal/g enthalten sie sehr viele Kalorien. Sie sind auch wichtige Bausteine der Zellmembranen sowie Grundgerüst für immunologische und hormonelle Botenstoffe. Fette dienen als Geschmacksträger, wirken sättigend und werden für die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen benötigt.

 

Entscheidend ist die Qualität der aufgenommenen Fette. Besonders wichtig sind die ungesättigten, pflanzlichen Fette. Einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren wirken zellstabilisierend, cholesterinsenkend und tragen zum Schutz der Blutgefäße bei.

 

Eine besondere Gruppe bilden die in fettreichen Fischen vorkommenden Omega-3-Fettsäuren. Sie begünstigen die Bildung entzündungshemmender Botenstoffe und reduzieren damit pathologische Prozesse im Körper. Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung durch geeignete Lebensmittel.

Hinweis

Zufuhrempfehlung Omega-3-Fettsäuren

Fettreiche Fische (Thunfisch, Lachs, Makrele, Hering, Meeresfrüchte) enthalten viele Omega-3-Fettsäuren und sollten mindestens einmal pro Woche auf dem Speiseplan stehen.

Omega-3-Fettsäuren aus Fischen sind wirksamer als die pflanzlichen Omega-3-Fettsäuren, die in Nussölen, Leinöl und Hanföl enthalten sind. Diese Öle niemals erhitzen und schnell verbrauchen! Sonst verändern die wertvollen Fettsäuren ihre Struktur und sind dann sogar schädlich

Die in tierischen Produkten vorkommenden gesättigten Fettsäuren stabilisieren die Zellmembranen. Sie stehen häufig in der Kritik, cholesterinerhöhend zu sein, sind aber nur dann problematisch, wenn die Aufnahme an ungesättigten Fettsäuren vergleichsweise gering ausfällt. Bei einem ausgeglichenen Verhältnis von gesättigten und ungesättigten

Fettsäuren bleibt der cholesterinerhöhende Effekt unabhängig von der aufgenommenen Fettmenge aus.

 

Flüssigkeit

Der Körper besteht nicht ohne Grund zu einem Großteil aus Wasser. In flüssigem Medium laufen alle Stoffwechselprozesse ab, Blut und Zellflüssigkeit bestehen aus Wasser und die Ausscheidung von Abbauprodukten sowie Giftstoffen ist auf Flüssigkeit angewiesen. Die Schilddrüse ist ein sehr stoffwechselaktives Organ und benötigt natürlich für ihre Funktionsfähigkeit genügend Flüssigkeit. Der Körper benötigt täglich etwa 30 ml Flüssigkeit pro kg Körpergewicht, über Getränke und über wasserreiche Lebensmittel zugeführt.

 


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Wenn Sie sich mehr in das Wissen um die Heilkräfte des Wassers vertiefen wollen, empfehlen wir diese Lektüre:


 

Jod

Jod ist essenziell für die Bildung der Schilddrüsenhormone. Bei einer jodmangelbedingten Hypothyreose sollte deshalb jodreich gegessen werden. Empfohlen werden von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ab einem Alter von 13 Jahren 200 µg täglich, für Schwangere und Stillende sind es 230 µg, für Menschen ab 50 Jahren 180 µg.24

Dies ist am besten zu erreichen durch den regelmäßigen Verzehr (1-2 mal pro Woche) von Seefisch (Scholle, Seelachs, Kabeljau), Meeresfrüchten (Nordseegarnelen, Miesmuscheln), Eiern, Milch und Milchprodukten (am besten täglich) und dem Verzehr von mit Jodsalz angereicherten Lebensmitteln, wie Brot und Backwaren. Das Auftreten von Jodmangelstrumen kommt durch die gezielte Jodanreicherung heute deutlich seltener vor. Dennoch erreichen immer noch nur etwa zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland eine angemessene Jodversorgung.25

Damit Jod optimal vom Körper aufgenommen werden kann, sind weitere Mikronährstoffe nötig, die im Kapitel Mikronährstoffe noch weiter beleuchtet werden.

Hinweis

Gehalt von Jod in Lebensmitteln

  • Portion Kabeljau (100 g): 140 µg Jod
  • Seelachs (100 g): 225 µg Jod
  • Krabben oder Garnelen (100 g): 130 µg Jod
  • Kuhmilch (100 ml): 7-10 µg Jod
  • Milchprodukte (100 g): 6-9 µg Jod
  • 1 Ei: 8-10 µg Jod
  • Jodsalz (1 g): 20 µg Jod

Lebensmittel, die die Aufnahme von Jod erschweren: Kaffee, grüner Tee, Milch- und Milchprodukte, Grapefruit, Papaya, Haferflocken, Gerste, Flohsamen, Maniok, Kassava, Tapioka, natives Raps- und Hanföl

Biolebensmittel enthalten oft weniger Jod, da bei ihnen kein Jod zugesetzt werden darf und die Tiere kein mit Jod angereichertes Futter bekommen. Von sehr jodreichen Lebensmitteln, wie Algen, wird abgeraten, da gerade bei einer Veranlagung zur autoimmunbedingten Schilddrüsenunterfunktion die Entzündungsprozesse durch zu viel Jod weiter gefördert werden können.26

 

 

Nahrungsbestandteile, die den Schilddrüsenstoffwechsel beeinträchtigen können

Häufig wird empfohlen, auf Kohlgemüse, Zwiebeln, Meerrettich oder Mandeln komplett zu verzichten. Grund hierfür sind die sogenannten Goitrogene. Dabei handelt es sich um Substanzen, die im Verdacht stehen, den Schilddrüsenstoffwechsel zu stören und das Organ zu vergrößern.

 

Die Wirkung der einzelnen Substanzen auf den Schilddrüsenstoffwechsel ist unterschiedlich. Einige hemmen die Bildung der Schilddrüsenhormone, da sie verhindern, dass sich Jod an die Aminosäure Tyrosin binden kann. Andere hemmen die Jodaufnahme in die Schilddrüse.

Ein grundsätzlicher Verzicht diese Lebensmittel ist nicht nötig. Durch Kochen wird die hemmende Wirkung auf die Schilddrüsenhormonproduktion deutlich reduziert. Hypothyreose-Patienten sollten aber darauf achten, den Konsum roher Goitrogen-reicher Lebensmittel einzuschränken.27 Denn durch einen kompletten Verzicht würden zahlreiche wertvolle Nährstoffe verloren gehen.

 

Goitrogene Substanzen:

  • schwefelhaltige Glykoside (Kreuzblütengewächsen z. B. Kohl, Senf, Radieschen, Meerrettich)
  • Polyphenole (z. B. in Früchten, rotem Gemüse)
  • Cyanogene Glykoside (z. B. in Mandeln, Hirse, Leinsamen, Bambussprossen, Mais)
  • Disulfide (z. B. Zwiebeln, Knoblauch)
  • Nitrate und Fluoride, einige Mineralstoffe in größeren Mengen (Kalzium, Eisen, Magnesium)

 

Sojaprodukte

Sojaprodukte sind mit ähnlicher Vorsicht zu genießen. Die in Soja enthaltenen Phytoöstrogene können die Aktivität der Schilddrüsen-Peroxidase, die Jodaufnahme in die Schilddrüse sowie den Transport der Schilddrüsenhormone empfindlich stören.28

Der vollständige Verzicht auf Sojaprodukte ist aber meist nicht nötig. Abzuraten ist aber von der Aufnahme von Phytoöstrogenen in isolierter oder angereicherter Form, z. B. zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden. Menschen mit Erkrankungen der Schilddrüse sollten als Ersatz von Fleisch, Wurst und Milchprodukten besser nicht in großem Stil auf Sojaprodukte setzen – von großen Mengen Tofu und Sojaprodukten ist eher abzuraten.

 

Therapie und Prävention

Jede Behandlung enthält präventive Aspekte und jede Prävention wirkt auch als Therapie. Die Grundpfeiler jeder Vorbeugung und Therapie basieren auf unserem Lebensstil: Wie ernähren Sie sich? Ist Ihr Organismus ausreichend mit Mikronährstoffen versorgt? Wieviel Bewegung ist in Ihren Alltag integriert? Rauchen Sie und wieviel Alkohol konsumieren Sie? Bestimmt Stress Ihr ganzes Leben? Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, können sich diese Basispfeiler positiv auf Ihre Gesundheit auswirken, aber auch jahrelange Risikofaktoren für viele Erkrankungen darstellen. In diesem Kapitel werden zahlreiche ganzheitliche Methoden vorgestellt, die Ihre Gesundheit und Lebensqualität stärken können – präventiv und/oder auch als Therapie.

Mikronährstoffe

Das-Wichtigste-in-Kürze

Mikronährstoffe in der Übersicht

  • Mikronährstoffe sind unentbehrliche Mikrohelfer in unserem Organismus.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit allen Mikronährstoffen bei Hypothyreose. Besonders wichtig sind Jod, Selen, Eisen und Zink, Calcium, Vitamin D, Vitamin C, A, E und B12 und Antioxidantien wie z. B. Coenzym Q10 und die Omega-3-Fettsäuren.
  • Einige der typischen Schilddrüsen-Medikamente erhöhen zusätzlich Ihren Mikronährstoffbedarf. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, Ihren Mikronährstoffbedarf ausreichend über die Ernährung zu decken, können moderat dosierte, natürliche Mikronährstoffmischungen sinnvoll sein.
  • Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Eine wichtige Basis für alle Therapien wird oft bei der Beratung außer Acht gelassen: Eine gesunde, ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung. Der Körper muss mit Mikronährstoffen optimal versorgt sein, damit Folgen der Hypothyreose abgemildert und Nebenwirkungen der Medikamente reduziert werden können.

 

Mikronährstoffe – was ist das?

Zu den Mikronährstoffen gehören in erster Linie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die einen wichtigen Teil dazu beitragen, damit unser Organismus funktioniert. Im weiteren Sinne lassen sich auch essentielle Fettsäuren, Aminosäuren, sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme hinzuzählen. Makronährstoffe wie Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette sind unsere Energielieferanten, während die Mikronährstoffe an Prozessen wie z. B. Blutgerinnung, Immunabwehr und Knochengesundheit beteiligt sind. Einige Mikronährstoffe kann unser Körper selbst herstellen, die meisten jedoch müssen mit der Nahrung aufgenommen werden.

 

Der menschliche Organismus – ein Blick in die Zellen

Der Mensch besteht aus über 70 Billionen Zellen. Diese können alle nur optimal funktionieren, wenn sie mit Vitaminen und Spurenelementen versorgt sind. Es gibt nahezu keinen Stoffwechselschritt, an dem nicht mehrere Mikronährstoffe beteiligt sind. Dazu zählen unter anderem die:

  • Aktivierung von Enzymen und Hormonen (Stoffwechselaktivität)
  • Abwehrleistung des Immunsystems (Immunstoffwechsel)
  • Energieproduktion in den Kraftwerken unserer Zellen, den sogenannten Mitochondrien (Energiestoffwechsel)
  • Leistungsfähigkeit des Herzmuskels (Herzkraft und -rhythmus)
  • Kontraktion der Skelettmuskulatur (Muskelkraft und -koordination)
  • Impulsübertragung in und der Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen (Nerven- und Gehirnstoffwechsel)

 

Für alle Stoffwechselreaktionen im Körper sind Enzyme notwendig, sie wirken wie ein Katalysator. Enzyme können ihren Aufgaben jedoch nur mithilfe von Mikronährstoffen nachkommen. Je besser der Körper mit Nährstoffen versorgt ist, desto besser funktioniert der gesamte Organismus. Ein Mikronährstoffmangel kann sich also negativ auf den Stoffwechsel und das Immunsystem auswirken. Um Ihre Gesundheit zu schützen und Ihre weiteren Therapien zu unterstützen, sollten Sie also auf Ihren Mikronährstoffhaushalt achten.

 

Gehören Sie auch zu den Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen?

Egal ob Schmerzmittel, Blutdrucksenker, Cholesterinsenker oder die Antibabypille. Schon ein einzelnes Medikament kann unsere optimale Versorgung mit Mikronährstoffen ungünstig beeinflussen. Je mehr Medikamente gleichzeitig eingenommen werden, desto intensiver wird in den Mikronährstoffhaushalt eingegriffen, was Wechselwirkungen der Arzneimittel untereinander sowie das Auftreten von Nebenwirkungen erhöht. Hierdurch kann nicht nur die Wirkung des Medikaments negativ beeinflusst werden, sondern auch die Funktion der Mikronährstoffe.

 

Welche Lebensphasen führen noch zu einem erhöhten Mikronährstoff-Bedarf?

Aber nicht nur die regelmäßige Einnahme von Medikamenten führt zu einem erhöhten Mikronährstoffbedarf. Es gibt bestimmte Lebensphasen und Umstände, die ein erhöhtes Risiko für einen Nährstoffmangel aufweisen:

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangere und Stillende
  • ältere Menschen
  • Menschen mit Magen-Darm-Störungen
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen

 

Diesen erhöhten Bedarf zu decken, ist nicht immer einfach. Trotz des reichhaltigen Angebotes an verschiedenen Lebensmitteln verringern verschiedene Faktoren den Mikronährstoffgehalt in Lebensmitteln:

  • nicht ausgereiftes Obst und Gemüse
  • größere Erträge in der Landwirtschaft
  • Einsatz von Pestiziden

 

Es ist wichtig, die Ernährung mit einer breiten und möglichst natürlichen Basis an allen Vitaminen, Spurenelementen sowie sekundären Pflanzenstoffen zu optimieren.

 

Mikronährstoffkonzentrat als Grundlage

Gut versorgt sind Sie mit moderaten Mikronährstoffmischungen – von einzelnen hochdosierten Mikronährstoffen raten wir ohne Absprache mit Ihrem Arzt und vorherigen Untersuchungen ab.

 

Das Angebot an Mikronährstoffpräparaten ist groß und unübersichtlich. Entscheidend beim präventiven Ansatz ist die natürliche Vielfalt. Das ideale Mikronährstoffpräparat ist auf natürlicher Basis produziert, enthält neben allen klassischen Mikronährstoffen auch sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme, ist flüssig, glutenfrei und vegan. Die Bioverfügbarkeit sollte wissenschaftlich belegt sein und es sollten keine künstlichen Aroma- oder Konservierungsstoffe enthalten.

 

Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Mikronährstoffe bei Hypothyreose

Menschen mit Hypothyreose haben einen erhöhten Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen.

Vitamine und Mineralstoffe sind als Cofaktoren Bestandteil von vielen Enzymen im Schilddrüsenstoffwechsel. Ein Mangel kann den gesamten Stoffwechsel empfindlich stören. Einige Vitamine wirken als Antioxidantien und schützen die Schilddrüse vor oxidativen Schäden.

Mikronährstoffe kommen in der Natur niemals isoliert, sondern stets im Verbund mit einer Vielzahl von weiteren Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen vor. Am besten können Mikronährstoffe von der Zelle aufgenommen werden, wenn sie in ihrem natürlichen Verbund belassen werden. Die einzelnen Vitalstoffe verstärken und ergänzen einander in ihrer Wirksamkeit.

 

Jod und Selen

Die Stoffwechselabläufe von Jod und Selen stehen in einem engen Zusammenhang. Selen ist Bestandteil der Jod-spaltenden Enzyme und damit an der Umwandlung des Schilddrüsenhormons T4 in die wirksame Form T3 beteiligt. Die Umwandlung von T4 zum biologisch aktiven T3 erfolgt unter anderem in Leber und Niere durch die selenhaltigen Thyroxin-5´-Dejodasen. Bei einem Mangel wird weniger T3 gebildet, was eine Unterfunktion fördern kann.29

Selen schützt zudem die Schilddrüse vor oxidativen Prozessen. Denn bei der Produktion der Schilddrüsenhormone entsteht Wasserstoffperoxid, das das Schilddrüsengewebe schädigt. Selen inaktiviert diesen Stoff durch seine antioxidativen Eigenschaften. In Studien konnte gezeigt werden, dass ein Selenmangel bei gleichzeitigem Jodmangel eine Autoimmunthyreoiditis auslösen kann.30

 

Raucher haben einen besonders hohen Bedarf an Selen, denn Zigarettenrauch verstärkt die Bildung von freien Radikalen. Selen wird durch seine antioxidativen Eigenschaften deshalb bei Rauchern stark verbraucht.

Hinweis

Zufuhrempfehlung Selen

Laut der DGE sollten Erwachsene etwa 60-70 µg Selen pro Tag zu sich nehmen. Kinder und Jugendliche haben einen geringeren Bedarf, bei Stillenden steigt die empfohlene Zufuhr hingegen auf 75 µg pro Tag an.30

 

Selenreiche Lebensmittel sind Meeresfrüchte, Fisch, Fleisch, Innereien, Milch, Eier, Getreide und Hülsenfrüchte. Auch Paranüsse und Pistazien enthalten nennenswerte Mengen.

Ausflug in die Wissenschaft

Selen beeinflusst Schilddrüsenmedikamente positiv

Selen hat nicht nur eine positive Wirkung auf den Schilddrüsenhormonstoffwechsel, sondern auch auf Medikamente, die bei Schilddrüsenunterfunktion eingesetzt werden. Zu ihnen zählt der Wirkstoff Levothyroxin, abgekürzt L-Thyroxin. Selen verbesserte in einer klinischen Studie mit 60 Teilnehmern nachweislich die Wirksamkeit von Levothyroxin. Während eine Gruppe nur Levothyroxin erhielt, bekam die andere Gruppe zusätzlich Selen. Die Blutwerte der zweiten Gruppe waren deutlich besser als bei der reinen Monotherapie mit Levothyroxin. Zudem ist Vitamin C begleitend sinnvoll: Es verbessert die Aufnahme von Levothyroxin.

 

Unter Umständen kann also unter Selen- und Vitamin-C-Gabe die Dosierung des Medikamentes verringert werden. Wer Levothyroxin einnimmt, sollte prinzipiell seinen Selen-Spiegel kontrollieren lassen und mit seinem Arzt eine mögliche Selenunterstützung durch Supplemente besprechen.32

Eisen

Eisen ist ein wichtiger Bestandteil des Enzyms Schilddrüsen-Peroxidase und kurbelt die Umwandlung von T4 in T3 an. Die Bildung von Schilddrüsenhormonen ist also auch von Eisen abhängig. Ein Eisenmangel kann eine Unterfunktion fördern oder verstärken.33 Gleichzeitig ist aber die Aufnahme von Eisen im Darm bei einer Hypothyreose verschlechtert. Ist zu wenig Eisen vorhanden, sinken die T4- und T3-Werte. Eisen ist auch an der Energiegewinnung in den Zellen beteiligt. Es ist Bestandteil wichtiger Enzyme der Atmungskette in den Mitochondrien und sorgt mit den Schilddrüsenhormonen dafür, dass weniger Radikale gebildet werden.

Hinweis

Zufuhrempfehlung Eisen

Eisenreiche Lebensmittel sind rotes Fleisch, Innereien, grünes Gemüse und Beeren. Eisen wird aus tierischen Lebensmitteln vom Körper besser aufgenommen als aus pflanzlichen. Die Kombination mit Vitamin C (Ascorbinsäure) oder anderen organischen Säuren verbessert jedoch die Resorption aus pflanzlichen Quellen um das Doppelte bis Vierfache.34 Die Kombination von eisenhaltigen Lebensmitteln mit fördernden Substanzen optimiert somit die Eisenaufnahme.

 

Eisen in großen Mengen oder als Monopräparat kann die Jodverwertung allergings beeinträchtigen. Denn alle Mineralien stehen bei der Resorption in Konkurrenz zueinander. Deshalb sollte die Eisenaufnahme von 6 mg pro Tag nicht überschritten werden.35

Zink

Das Spurenelement Zink ist Cofaktor in den Enzymen, die Schilddrüsenhormone herstellen. Es wirkt antioxidativ und schützt die Schilddrüse vor oxidativen Schäden. In einer Studie wurde festgestellt, dass Menschen mit Hypothyreose und vergrößerter Schilddrüse häufig niedrige Spiegel aufweisen.36

 

Es gibt außerdem Hinweise, dass die Einnahme von Zink in Kombination mit Selen die Schilddrüsenfunktion bei Patienten mit einer Unterfunktion unterstützen kann. Bei einer Unterfunktion sollten Sie deshalb einen Zinkmangel vermeiden.37

Hinweis

Zufuhrempfehlung Zink

Zink sollte täglich aufgenommen werden, da es der Körper nicht speichern beziehungsweise nicht selbst herstellen kann. Es empfiehlt sich eine Zufuhr von 15 mg Zink pro Tag.38 Leistungssportler, Diabetiker und von Stress geplagte Menschen haben einen höheren Bedarf.

 

Zink ist vor allem in Rindfleisch, Seefisch, Meeresfrüchten, Eiern, Käse, Vollkornprodukten und Nüssen enthalten. Tierische Lebensmittel liefern bessere Zinkquellen als pflanzliche Lebensmittel. Zusammen eingenommen mit Vitamin C oder Eiweißen wird die Aufnahme von Zink verbessert.

Vitamin D

Vitamin D3 (Cholecalciferol) sorgt im menschlichen Organismus für die Aktivierung der Schilddrüsenhormone und deren Abgabe ins Blut. Außerdem unterstützt Vitamin D das Immunsystem und schützt gleichzeitig vor entzündlichen Prozessen.39

90 Prozent des benötigten Vitamins werden vom Körper selbst gebildet, allerdings nur unter Einfluss von Sonneneinwirkung. Deshalb ist Sonne tanken und ein regelmäßiger Aufenthalt im Freien sehr wichtig für die Schilddrüse.

 

Teilweise konnte in Studien festgestellt werden, dass Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion häufig unter Vitamin-D-Mangel leiden. Ob der Mangel ursächlich oder als Folge der Unterfunktion auftritt, konnte bisher nicht geklärt werden. Um einem Mangel vorzubeugen, sollten Hypothyreose-Patienten ihre Vitamin-D-Spiegel regelmäßig kontrollieren lassen und gegebenenfalls supplementieren.

Hinweis

Zufuhrempfehlung Vitamin D

Vitamin-D-reiche Lebensmittel sind: Eier, fetthaltige Fische, Käse, Butter, Pilze, Innereien.

Bei sehr niedrigen Vitamin-D-Spiegeln macht eine Supplementierung für eine gewisse Zeit Sinn. Vor der Einnahme von einem Mono-Präparaten sollte aber eine Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen, um die richtige Dosierung zu finden.

Calcium

Auch auf eine ausreichende Aufnahme von Calcium sollten Sie achten. Denn es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Vitamin D und dem Calcium-Stoffwechsel. Steht zu wenig Calcium zur Verfügung, kompensiert der Körper den Mangel durch einen vermehrten Verbrauch von Vitamin D.

Hinweis

Zufuhrempfehlung Calcium

Calciumreiche Lebensmittel sind Milch und Milchprodukte, grüne Gemüsesorten wie Brokkoli, Spinat, Grünkohl, Mangold, Fenchel, Hülsenfrüchte und Samen.

Bei vegetarischer Ernährung und der Verwendung von Milchalternativen achten Sie auf die Anreicherung mit Calcium.

 

Von der Einnahme von Calcium in großen Mengen oder als Monopräparat wird eher abgeraten, da Calcium die Verwertung von Jod beeinträchtigen kann.

Vitamin A

Bei einem Mangel an Vitamin A werden sowohl die Schilddrüsenunterfunktion als auch das Kropfwachstum stärker stimuliert. Aus diesem Grund sollte man auf eine ausreichende Vitamin A-Versorgung achten.

 

Das aktive Vitamin A kommt ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor. Die Vorstufe “Beta-Carotin” findet sich in pflanzlichen Lebensmitteln. Menschen, die von einer Schilddrüsenüberfunktion betroffen sind, können vielfach Vitamin A nicht aus der Vitaminvorstufe Betacarotin bilden. In diesem Fall muss es zugeführt werden.

 

Es konnte in Studien gezeigt werden, dass das Hypothyreose-Risiko bei einem Jodmangel erhöht ist, wenn gleichzeitig ein Vitamin A-Mangel vorliegt.40

Hinweis

Zufuhrempfehlung Vitamin A

Reich an Vitamin A sind Innereien, Butter und Gouda-Käse. Beta-Carotin ist enthalten in grünem und orangefarbenem Gemüse wie Karotten, Brokkoli und Grünkohl.

Der tägliche Vitamin-A-Bedarf liegt bei Frauen bei 0,7 mg, bei Männern bei 0,85 mg.41

Vitamin C

Die Zufuhr von Vitamin C ist günstig, denn Ascorbinsäure fördert die Bildung der Schilddrüsenhormone. Vitamin C fördert zudem die Eisenaufnahme und wirkt als starkes Antioxidans. Außerdem lindert Vitamin C die unangenehme Begleiterscheinung der Müdigkeit bei einer Unterfunktion.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die positive Wirkung auf Schilddrüsenmedikamente. Das Vitamin unterstützt deren Wirkung, indem es die Aufnahme verbessert.42

Hinweis

Zufuhrempfehlung Vitamin C

Der Tagesbedarf ist bei 95-110 mg festgelegt.43

Das Vitamin ist in großen Mengen enthalten in Paprika, Zitrusfrüchten, Kohlgemüse, Fenchel und Kartoffeln.

Vitamin E

Vitamin E ist als Antioxidans ebenfalls ein wichtiges zellschützendes Vitamin und schützt als Radikalfänger die Schilddrüse vor oxidativem Stress.

Hinweis

Zufuhrempfehlung Vitamin E

Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr pro Tag sind laut DGE für Erwachsene 12-15 mg Tocopherol-Äquivalente.44

Es steckt in Nüssen und Pflanzenölen, Samen und Avocados.

 

Vitamin B12

Ein Mangel an Vitamin B12 führt zu einer vermehrten Bildung von reverse T3 (rT3). Es bindet zwar an den Rezeptor und blockiert ihn, ist aber in dieser Form nicht wirksam.

 

Zudem benötigt der Körper B-Vitamine zum Abbau von Homocystein, einem oxidativ wirkenden Stoffwechselprodukt, das umgewandelt und abgebaut gemacht werden muss. Der Homocystein-Spiegel kann im Blut ermittelt werden und ist ein Indikator für die Versorgung mit Vitamin B12.

 

Coenzym Q10

Der vitaminähnliche Nährstoff wird in allen Körperzellen zur Energiegewinnung benötigt und fungiert als Antioxidans. Mit dem Alter nimmt die Konzentration an Coenzym Q10 in allen Zellen ab.

Bei Menschen mit einer Hypothyreose wurde in Studien häufig ein Mangel an Coenzym Q10 festgestellt. Bestimmte Medikamente hemmen die körpereigene Bildung von Q10. Einige Studien zeigen z. B. eine deutliche Abnahme um bis zu 50 Prozent unter der Therapie von cholesterinsenkenden Statinen.45

Lebensstil

Das-Wichtigste-in-Kürze

Lebensstil in der Übersicht

  • Zu einer schilddrüsenfreundlichen Lebensweise gehören neben einer gesunden Ernährung auch Bewegung, Verzicht auf Tabak, mäßiger Konsum von Koffein und Alkohol und eine gute Stresskompetenz sowie erholsamer Schlaf.
  • Äußere und innere Stressoren erhöhen das Erkrankungsrisiko deutlich. Entspannungstechniken, Achtsamkeitstraining und eine gute Schlafhygiene gehören deshalb zu den Grundlagen einer gesunden Lebensführung und dienen der Prävention von Schilddrüsenerkrankungen.

Ein gesunder Lebensstil verringert maßgeblich das Risiko für eine Schilddrüsenerkrankung und verbessert den Krankheitsverlauf, wenn sich bereits eine Unterfunktion manifestiert hat. Es spielen zwar auch genetische Gegebenheiten eine Rolle, jeder kann jedoch aktiv Einfluss auf die Gesunderhaltung der Schilddrüse nehmen.

 

Die richtige Art der Bewegung

Da eine Hypothyreose häufig mit einer Gewichtszunahme einhergeht, wird Bewegung zur Unterstützung bei der Gewichtsabnahme neben einer angepassten Energiezufuhr unbedingt empfohlen. Besonders effektiv ist eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining zum Aufbau von Muskelmasse. Dadurch erhöht sich der Grundumsatz und das Abnehmen fällt leichter.

 

Wichtig ist, eine Sportart für sich zu finden, die ohne Leistungsdruck und Stress mit Freude durchgeführt wird. Jegliche Form von Stress wirkt sich negativ auf die Schilddrüse aus. Deshalb gehören eine positive und entspannte Lebenseinstellung zu einer schilddrüsengesunden Lebensweise, auch in Bezug auf Bewegung und Sport. Fordern Sie sich also gerade am Anfang nicht zu sehr und achten Sie auf die Signale Ihres Körpers.


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Damit Sie Sportübungen überall und komfortabel praktizieren können, lohnt es sich, in eine hochwertige, rutschfeste Yogamatte aus abbaubaren Materialien zu investieren.


Bauen Sie Ihren Trainingsplan bewusst langsam auf. Empfehlenswert sind leichte Fitnessworkouts und Yoga sowie lockeres Ausdauertraining, wie zügiges Spazierengehen, Wandern, Radfahren, Schwimmen, Nordic Walking und lockeres Joggen. Auch durch eine vermehrte Alltagsbewegung lässt sich der Energieumsatz erhöhen. Nehmen Sie häufiger die Treppe, lassen Sie das Auto öfter mal stehen, erledigen Sie viel zu Fuß.

 

 

Gesunder Schlaf

Ein erholsamer Schlaf ist wichtig für die geistige, seelische und körperliche Regeneration des Körpers. In der Nacht werden die Eindrücke des Tages verarbeitet, Wachstumshormone ausgeschüttet und freie Radikale abgebaut. Die Zellalterung wird gebremst, und der Abbau von Fettgewebe wird angekurbelt.

 

Schilddrüsenpatienten schlafen oft schlecht. Das liegt dran, dass zum Einschlafen und Durchschlafen die „richtige“ Konzentration an Schilddrüsenhormonen im Blut vorliegen muss, was bei den Betroffenen oft gestört ist.46

 

Gesteuert werden die Vorgänge in der Nacht durch das Schlafhormon Melatonin. Wird es dunkel, wandelt das Gehirn immer mehr Serotonin in Melatonin um. Durch das Absinken des Serotoninspiegels wird die Hormonproduktion in der Schilddrüse gehemmt. Der Stoffwechsel verlangsamt sich, Blutdruck und Körpertemperatur sinken, und wir werden müde.


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Besonders hilfreich ist die Kombination aus Tryptophan, 5-HTP, pflanzlichen Melatoninquellen und Magnesium. Tryptophan ist eine essenzielle Aminosäure, die bei Bedarf in 5-HTP umgewandelt werden kann. 5-HTP wiederum erhöht das Serotonin, um den gesunden Schlafzyklus zu regulieren. Die Montmorency-Kirsche sowie Traubenschalen bieten beispielhaft eine natürliche Quelle für Melatonin. Magnesium hingegen kann die Ausschüttung von Stresshormonen verringern. Wir empfehlen Ihnen:


Schichtarbeit und Jetlag beeinflussen den Melatonin-Haushalt, aber auch Stress, intensiver Sport vor dem Schlafengehen, Alkohol, Koffein, Tabak und zu viel blaues Licht (bspw. von Smartphones und Laptops) am Abend bringen den Hormonhaushalt durcheinander.

 

Durch das einsetzende Tageslicht am Morgen sinkt die Ausschüttung von Melatonin wieder, es wird vermehrt der Neurotransmitter Serotonin gebildet, der ebenfalls wach macht und die Stimmung verbessert. Serotonin stimuliert die TSH-Sekretion im Gehirn. Es werden dadurch wieder mehr Schilddrüsenhormone gebildet. Der Stoffwechsel kommt in Schwung, und wir werden munter. Zusätzlich kommt am Morgen auch Cortisol ins Spiel, das Hormon, das uns aktiv werden lässt. Auch Cortisol unterliegt einem circadianen Rhythmus, ist am Morgen am höchsten und sinkt abends und nachts deutlich ab.

 

Bildet die Schilddrüse aufgrund einer Unterfunktion zu wenig Hormone, kommt das ganze Regelsystem aus dem Takt. Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion befinden sich gefühlt den ganzen Tag im Schlafmodus. Wird dann mit dem Medikation L-Thyroxin behandelt, kann es sein, dass der Schlaf zu Beginn gestört wird, Patienten schlechter einschlafen oder häufig aufwachen. Wenn eine gute medikamentöse Einstellung erfolgt ist, verbessert sich das Schlafverhalten meist deutlich.

 

Eine geregelter Tag-Wach-Rhythmus wirkt sich positiv auf die Schilddrüsengesundheit aus. Ebenso hilfreich ist es, ein paar Tipps zum besseren Schlafen zu beherzigen.

Tipps

Besser Schlafen bei Hypothyreose – was hilft?

  • Temperatur: Achten Sie auf eine angenehme Temperatur im Schlafzimmer – ideal sind 18,5 bis 19,5 Grad Celsius.
  • Licht: Dimmen Sie eine Stunde vor dem Schlafengehen das Licht und vermeiden Sie blaues Licht von Bildschirmen (Smartphones, Computer, Fernseher) oder installieren Sie Blaulichtfilter. Dadurch können Sie die Produktion des Schlafhormons Melatonin aktivieren. Halten Sie Ihr Schlafzimmer möglichst dunkel. Bei Dunkelheit kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung von Melatonin.
  • Ruhe und Entspannung: Gehen Sie entspannt zu Bett. Treiben Sie spät abends keinen intensiven Sport mehr und denken Sie nicht mehr an stressige oder ärgerliche Situationen. Mit Entspannungstechniken wie progressiver Muskelentspannung, Meditation oder autogenem Training können Sie lernen, besser abzuschalten. Auch ein gutes Buch, leise Musik oder ein Hörbuch helfen zu entspannen.
  • Essen: Essen Sie am Abend eine leicht verdauliche, kleine Mahlzeit. Üppige Mahlzeiten belasten die Schilddrüse und die Verdauung. Süßigkeiten oder zuckerhaltige Getränke vor dem Schlafengehen lassen den Blutzuckerspiegel stark ansteigen und rasant wieder abfallen, was Stress für die Schilddrüse bedeutet. Fetthaltige Mahlzeiten brauchen lange für die Verdauung. Der Körper muss Schwerstarbeit verrichten, anstatt sich auf die Nachtruhe vorzubereiten.
  • Genussmittel: Vermeiden Sie Alkohol, Rauchen und Koffein vor dem Schlafengehen. Durch sie wird die Melatonin-Bildung gehemmt, was den Schlaf weniger erholsam macht und das Durchschlafen erschwert.
  • Rhythmus: Gehen Sie zu ähnlichen Zeiten ins Bett – am besten vor 12 Uhr – und stehen Sie zu ähnlichen Zeiten auf. Lassen Sie am Morgen Licht und Luft ins Zimmer oder besser noch: begrüßen Sie den Tag mit einem Spaziergang oder leichten Dehnungsübungen, um in Schwung zu kommen.

Stresskompetenz durch Entspannungstechniken und Achtsamkeit

Chronischer Stress kann zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen (siehe Kapitel Ursachen) und die Symptome verstärken. Dabei ist es egal, ob Stress durch viel Grübeln und Sorgen wälzen entsteht oder durch einen hektischen Alltag, Termindruck und einen ungeregelten Tagesablauf. Selbst häufige Selbstvorwürfe und Selbstzweifel, es allen recht machen wollen und sich für alles verantwortlich fühlen, kann veränderte Stresshormonspiegel im Blut hervorrufen. Prüfen Sie für sich, welche Punkte auf Sie zutreffen und wo Sie Stress möglichst aus Ihrem Leben herausnehmen können.


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Tipps

Tipps gegen Stress im Alltag

  • Struktur: Strukturieren Sie Ihren Tagesablauf. Regelmäßige Mahlzeiten, Bewegung und Entspannung, Tageslicht tanken und geregelte Schlafenszeiten sorgen für Ruhe und Ausgeglichenheit.
  • Mahlzeitenplanung: Gestalten Sie Ihre Mahlzeiten mit Achtsamkeit. Hungerphasen und starke Blutzuckerschwankungen sind Stress für die Schilddrüse. Essen Sie regelmäßig 3-4 Mahlzeiten am Tag mit ca. 4 Stunden Abstand zueinander. Vermeiden Sie lange Esspausen und gestalten Sie Ihre Mahlzeiten so, dass der Blutzuckerspiegel nicht zu stark ansteigt, indem Sie eiweißreiche und ballaststoffhaltige Lebensmittel integrieren.
  • Stresskompetenz: Erlernen Sie Stresskompetenz, entschleunigen Sie Ihren Alltag und sorgen Sie für regelmäßige Entspannungsphasen. Stressbewältigungsprogramme und Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga, Qi Gong, Thai Chi oder Meditation können helfen, mit belastenden Situationen besser umzugehen. Auch Atemübungen und herzhaftes Lachen helfen Stress zu reduzieren.
  • Achtsamkeit: Durch Achtsamkeitstraining lässt sich eine positive Lebenseinstellung verankern, Dankbarkeit praktizieren und es sich besser mit den Widrigkeiten des Lebens zurechtkommen.

Konventionelle Therapie

Das-Wichtigste-in-Kürze

Konventionelle Therapie in der Übersicht

  • Bei ausgeprägter jodmangelbedingter Schilddrüsenunterfunktion ist eine lebenslange Substitution mit Hormonen unumgänglich. Die passende Dosis hängt von verschiedenen Faktoren ab: Körpergewicht, Alter, bestimmte Lebenssituationen, z. B. Schwangerschaft und Vorerkrankungen.
  • Die Therapie beginnt meist mit einer niedrigen Dosis L-Thyroxin von 25 Mikrogramm. Reicht das nicht aus, kann die Dosis schrittweise erhöht werden auf L-Thyroxin 50, 75, 100 oder L-Thyroxin 125 Mikrogramm. Die Höchstdosis liegt bei 200 Mikrogramm pro Tag. Während der Therapie kontrolliert der Arzt regelmäßig die Blutwerte, um den Thyroxin-Spiegel im Blut  zu erfolgen.
  • Eine Überdosierung kann sich äußern in Unwohlsein, Nervosität, Schlafstörungen, Zittern und Krämpfen. Überdosierungen können zu Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, Muskel- und Knochenverlusten führen.
  • Eine zu geringe Dosierung hingegen macht sich oft bemerkbar durch anhaltende Müdigkeit, Verstopfung, Gewichtszunahme oder Schwierigkeiten Gewicht zu reduzieren.
  • Es gibt die Möglichkeit T4 und T3 als Monopräparat oder eine Kombination aus beiden Hormonen einzunehmen. Eine Alternative zu synthetisch hergestellten Medikamenten sind Schilddrüsen-Vollextrakte.
  • Wenn Tabletten nicht wirken, können Einnahmefehler der Grund sein. Oder es liegt eine Störung oder Erkrankung zugrunde, in deren Folge eine Hypothyreose entsteht – in diesen Fällen muss die Grunderkrankung behandelt werden.

Liegt eine ausgeprägte jodmangelbedingte Schilddrüsenunterfunktion vor, ist eine lebenslange Substitution mit Hormonen erforderlich. Die richtige Dosierung zu finden, ist nicht ganz einfach, erfordert Geduld und eine gute Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient. Das Schilddrüsenhormon wird nur sehr langsam über den Darm aufgenommen. Therapieerfolge zeigen sich deshalb nicht sofort, sondern erst nach einer gewissen Behandlungsdauer.

Wenn eine Schilddrüsenunterfunktion schon lange besteht oder andere Stoffwechselstörungen oder Erkrankungen vorliegen, sollte L-Thyroxin zu Beginn sehr vorsichtig dosiert und langsam angepasst werden. Dieses Vorgehen gilt besonders für Menschen mit koronaren Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche oder Epilepsie.

Generell kann es Wochen bis Monate dauern, bis die richtige Wirkstärke von L-Thyroxin gefunden wurde, mit der sich die Schilddrüsenfunktion wieder normalisieren lässt. Die passende Dosis hängt von verschiedenen Faktoren ab: Körpergewicht, Alter, bestimmte Lebenssituationen, z. B. Schwangerschaft und Vorerkrankungen. Der optimale Hormonspiegel variiert von Mensch zu Mensch. Für Kinder gelten spezielle Hinweise zu Dosierung und Einnahme.

Die Therapie beginnt meist mit einer niedrigen Dosis von 25 Mikrogramm L-Thyroxin. Die Anfangsdosierung wird häufig nach dem Körpergewicht berechnet. Empfohlen wird eine Gabe von 1,6 µg Schilddrüsenhormon pro Kilogramm Körpergewicht. Reicht diese Dosierung nicht aus, kann die Dosis schrittweise erhöht werden. Die Höchstdosis liegt bei 200 Mikrogramm pro Tag.

Empfohlen wird die Einnahme der Hormone morgens nüchtern mit mindestens einer halben Stunde zum Frühstück, am besten mit einem Glas Wasser. Viele Nahrungsmittel und Getränke beeinflussen die Aufnahme und Wirkung von L-Thyroxin. Deshalb sollten die Tabletten nicht mit Milch, Kaffee, kalziumreichem Mineralwasser, Grapefruit- oder Orangensaft eingenommen werden. Auch bestimmte Lebensmittel können die Aufnahme von L-Thyroxin im Darm herabsetzen, z. B. Haferflocken.

Während der Therapie kontrolliert der Arzt regelmäßig die Blutwerte, um den Thyroxin-Spiegel im Blut zu verfolgen. Die Phase der Dosis-Einstellung kann bis zu mehreren Monaten dauern. Die Beschwerden sollten sich unter der Schilddrüsenmedikation deutlich bessern.

Wie intensiv L-Thyroxin wirkt, hängt auch von der Zusammensetzung des jeweiligen Präparats ab. Experten raten deshalb davon ab, zwischen verschiedenen Arzneien zu wechseln. Sollte das dennoch nötig werden: Lassen Sie den TSH-Wert erneut bestimmen!

Es kann immer wieder vorkommen, dass Zeichen von zu hoher oder zu niedriger Dosierung auftreten. Der Regelkreis zwischen Hypothalamus, Hypophyse und Schilddrüse reagiert auf kleinste Veränderungen und passt die nötige Hormonmenge genau an. Dies lässt sich mit Hormontabletten nicht exakt nachahmen. Auf einen vorübergehend erhöhten Bedarf, bspw. in Stresssituationen, kann durch Substitution deshalb nicht angemessen reagiert werden. Hypothyreose-Patienten sind daher oft anfälliger für Stressbelastungen und bekommen in anhaltend belastenden Situationen unter Umständen erneut typische Beschwerden.

 

Eine Überdosierung ist aber zu vermeiden, denn sie birgt das Risiko schwerwiegender Komplikationen und kann sich äußern in Unwohlsein, Nervosität, Schlafstörungen, Zittern und Krämpfen. Überdosierungen können zu Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, Muskel- und Knochenverlusten führen.

 

Eine zu geringe Dosierung hingegen macht sich oft bemerkbar durch anhaltende Müdigkeit, Verstopfung, Gewichtszunahme oder Schwierigkeiten Gewicht zu reduzieren. Um mit Nebenwirkungen besser umgehen zu können, die das Gewicht oder die Verdauung betreffen, haben Schilddrüsenpatienten die Möglichkeit, sich Unterstützung durch eine fachkundige Ernährungsberatung zu holen. Die Krankenkassen geben dazu in der Regel einen Zuschuss.

 

Welche Medikamente gibt es?

Es gibt die Möglichkeit T4 und T3 als Monopräparat oder eine Kombination aus beiden Hormonen einzunehmen. Meist werden Schilddrüsenpräparate als Tabletten verordnet, T4 ist auch in Tropfenform erhältlich. Diese werden direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen. Welche Hormongabe in welcher Dosierung infrage kommt, sollte immer individuell entschieden werden. Die Dosierung mit Schilddrüsenhormonen beginnt langsam, meist in 25 Mikrogramm-Schritten, bis die optimale Dosierung gefunden ist. Der Einsatz von T4 in Kombination mit T3 oder auch T3 als Monopräparat ist vor allem dann sinnvoll, wenn eine Störung bei der Umwandlung von T4 in das stoffwechselaktive T3 besteht. Hinweise darauf sind Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, depressive Verstimmung, Muskelschmerzen und starke Gewichtszunahme bzw. Schwierigkeiten das Gewicht zu reduzieren. Ein Indikator dafür ist, wenn diese Symptome trotz T4-Substitution nicht verschwinden.

 

Wenn Tabletten nicht wirken

Oft dauert es einige Wochen, bis die richtige Medikamentendosis gefunden wurde. Lassen Sie Ihre Blutwerte regelmäßig kontrollieren, am sinnvollsten alle 5 Wochen, da es etwa 4 Wochen dauert, bis die Hormonspeicher aufgefüllt sind.

 

Achten Sie auf die korrekte Einnahme der Medikamente. Einige Lebensmittel und Nahrungsergänzungen, wie Eisen- oder Calciumtabletten, aber auch Milch und Milchprodukte behindern die Aufnahme. Halten Sie deshalb unbedingt einen Abstand von mindestens 30 Minuten zum Konsum dieser ein. Auch calciumreiches Mineralwasser ist nicht gut für die Einnahme von Schilddrüsentabletten geeignet. Denn Calcium bildet mit Jod unlösliche Komplexe.

 

Bei Entzündungen im Darm oder wenn andere Gründe bestehen, weswegen die substituierten Hormone nicht richtig aufgenommen werden, können Tabletten ihre Wirkung verfehlen. Auch bei einer schlecht therapierten Laktoseintoleranz kann dies der Fall sein. Laktose zieht Wasser in den Darm und verdünnt den Speisebrei. Bei Durchfall werden Medikamente generell weniger gut aufgenommen.

 

Liegt den Symptomen eine andere Ursache als eine Hypothyreose zugrunde, wie z. B. Störungen im Hormon- oder Neurotransmittersystem oder Mikronährstoffmangel, wird die Schilddrüsensubstitution allein wirkungslos bleiben. Dann ist es wichtig, die tatsächliche Ursache für die Fehlfunktion der Schilddrüse zu behandeln. Manchmal hilft es auch das Präparat zu wechseln oder ein Alternativprodukt einzunehmen.

Hinweis

Natürlicher Schilddrüsenextrakt

Eine Alternative zu synthetisch hergestellten Medikamenten sind Schilddrüsen-Vollextrakte. Sie werden in der Regel aus den Schilddrüsen von Schweinen gewonnen und enthalten nicht nur ein einziges, sondern die beiden Hormone T3 und T4.

 

In einer Studie an 70 Patienten mit primärer Hypothyreose ergab die Behandlung mit getrocknetem Schilddrüsenextrakt eine um 1.5 kg größere Gewichtsabnahme als mit einem Präparat mit T4. Bei Befragung am Ende der Studie fühlten sich 48 % der Patienten mit Schilddrüsenextrakt besser, während T4 von 19 % bevorzugt wurde. 33 % sahen keinen Unterschied.47

 

Natürliche Schilddrüsenextrakte müssen von einem Arzt oder Heilpraktiker verordnet werden. Es gibt auch synthetische Kombipräparate, die aber in Deutschland selten verschrieben werden.

Ganzheitliche Therapie

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Ganzheitliche Therapie in der Übersicht

  • Heilpflanzen können die Schulmedizin sinnvoll ergänzen. Suchen Sie sich einen Heilpraktiker, der sich mit Schilddrüsengesundheit auskennt.
    • Eine Reihe von Heilpflanzen regen die Schilddrüse an, mehr Hormone zu produzieren. Anregend wirken z. B. das Kleine Fettblatt oder Isländisch Moos. Rosmarin und Thymian fördert die Durchblutung der Schilddrüse.
    • Viele Heilkräuter haben antientzündliche und antioxidative Eigenschaften.
    • Adaptogene können den Organismus dabei unterstützen stressresistenter zu werden.
    • Begleiterscheinungen wie Kältegefühl, Wassereinlagerungen oder Schlafstörungen können durch Heilkräuter abgemildert werden.
    • Östrogendominanz, Nebennierenschwäche und eine geschwächte Leber lassen sich mit Heilpflanzen unterstützen.
  • Mittels Homöopathie kann der Stoffwechsel in seiner Selbstheilungskraft unterstützt werden. Ein Homöopath kann einschätzen, welches Präparat geeignet ist.
  • Eine Darmsanierung mithilfe von Probiotika und Ballaststoffen bringt das Hormonsystem wieder ins Gleichgewicht. Eine gesunde Schilddrüse braucht einen gesunden Darm.
  • Eine Leberentgiftung kann hilfreich sein, wenn das Organ geschwächt oder belastet ist, z.B. im Falle einer Leberzellverfettung oder wenn viele Medikamente eingenommen werden. Die Leber ist aktiv bei der Umwandlung der Schilddrüsenhormone beteiligt.

Heilpflanzen (Phytotherapie)

Heilpflanzen können eine Ergänzung zur Schulmedizin darstellen. Sie enthalten generell viele entzündungshemmende und antioxidativ wirkende Stoffe und sind deshalb auch für die Schilddrüse sehr wertvoll.48 Einige Heilkräuter können die Schilddrüse stimulieren und unterstützen49, andere helfen Begleitsymptome einer Schilddrüsenunterfunktion zu lindern, wie Schlaflosigkeit, Kältegefühl oder Wassereinlagerungen.50

Einige Heilpflanzen, die sogenannten Adaptogene – biologisch aktive Pflanzenstoffe – können den Organismus unterstützen, sich erhöhten körperlichen und emotionalen Stresssituationen anzupassen. Sie lindern auch mentale Erschöpfung und steigern die Konzentrationsfähigkeit. Zudem helfen sie die Nebennierenfunktion zu stabilisieren.51,52

 

Heilkräuter können als Tee, Gewürz oder gezielt als Therapeutikum Verwendung finden. Sprechen Sie mit einem erfahrenen Heilpraktiker über deren Einsatzmöglichkeiten.

 

Heilpflanzen, die die Schilddrüse anregen oder Begleitsymptome mildern:

Heilpflanzen, die hohe Jodgehalte aufweisen, sollten nur in Absprache mit einem erfahrenen Therapeuten eingenommen werden, da Überdosierungen möglich sind.

  • Kleines Fettblatt: wirkt hormonstimulierend, antioxidativ, entzündungshemmend
  • Rosmarin und Thymian: wirken durchblutungsfördernd auf die Schilddrüse
  • Efeu: enthält hohe Gehalte an Jod – Vorsicht vor Überdosierung!
  • Schwarznuss: gilt als eine gute Quelle für Jod
  • Isländisch Moos: die Flechte enthält Jod und antioxidative Stoffe
  • Lavendel, Kamille, Passionsblume und Hopfen: wirken beruhigend und helfen bei Schlafstörungen

Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Die Wirkung des Lavendels beruht darauf, dass der Calciumeinstrom in unsere Zellen geregelt abläuft. Strömt zu viel Calcium in das Innere unserer Nervenzellen, werden viele erregende Botenstoffe freigesetzt, welche dann zu übererregten Nervenzellen führen. In diesen Stoffwechselvorgang greift Lavendel regulierend ein. So kann innerer Unruhe, Nervosität und Schlafproblemen vorgebeugt werden. Wir empfehlen Ihnen:


  • Zimt, Ingwer und Ginko: stärken die Nebennieren und helfen bei Kältegefühl
  • Beifuß, Frauenmantel, Mönchspfeffer, Schafgarbe: können die Wirkung von Östrogen mildern
  • Süßholz: wirkt aktivierend auf den Stoffwechsel, entzündungshemmend und gegen oxidativen Stress

 

Hilfreiche Adaptogene sind:

  • Rosenwurz: bewährt bei der Begleittherapie von Angststörungen und Depressionen und zur Förderung der Leistungsfähigkeit besonders in Stresssituationen.
  • Schlafbeere/Ashwaghanda: wirkt angst- und stresslösend, entspannt die Nerven, hat ausgleichende Wirkung auf die Schilddrüse
  • Koreanischer Ginseng: hilft gegen Müdigkeit und Erschöpfung sowie zur Erholung nach einer Erkrankung
  • Sibirischer Ginseng: hilft die Stressfähigkeit des Körpers zu steigern, da es den körpereigenen Stresshormonen ähnelt. Reguliert die Hormonspiegel.

 

Homöopathie bei Hypothyreose

Die Homöopathie setzt auf die Selbstheilungskräfte des menschlichen Körpers. Sie verfährt nach dem Simile-Prinzip, bei dem Mittel verwendet werden, die ähnliche Symptome hervorrufen, wie die Erkrankung, der sie entgegenwirken soll. Die Auswahl des richtigen Mittels hängt von vielen Faktoren ab (Konstitution, Begleiterkrankungen, Symptome etc.) und sollte immer in den Händen eines erfahrenen Homöopathen liegen.53

 

 

Darmsanierung

Schilddrüsenhormone werden nicht nur in der Schilddrüse gebildet, sondern auch in anderen Organen wie dem Darm. Bis zu 20 Prozent der Umwandlung von T4 zu T3 wird von Darmbakterien geleistet. Ein gesunder Darm ist wichtig für das Gleichgewicht im Hormonsystem. Darmentzündungen, eine gestörte Barrierefunktion (Leaky-Gut) oder eine bakterielle Fehlbesiedelung des Darms können das Hormonsystem aus dem Gleichgewicht bringen und sollten deshalb behandelt werden.

 


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

In unserem Darm befindet sich der Großteil unserer Abwehrzellen. Wichtig dabei ist, dass die Darmflora – das sogenannte Mikrobiom des Darms – intakt ist. Dieses Mikrobiom besteht aus über 400 verschiedenen Darmbakterienarten, welche sich hauptsächlich im Dickdarm aufhalten. Sie unterstützen nicht nur unsere Verdauung, sondern produzieren verschiedene Vitamine und sind besonders wichtig für unsere Immunabwehr. Eine Darmsanierung lohnt sich besonders dann, wenn Sie Ihre Abwehrkräfte stärken, Magen-Darm-Beschwerden lindern oder Ihren Körper entgiften wollen. Auch nach einer Antibiotikaeinnahme sollte das Mikrobiom wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.

Hier zwei Tipps zu bewährten Produkten zur Darmsanierung:


 

Auf der anderen Seite wirken Schilddrüsenhormone auf die glatte Muskulatur in der Darmwand und regen die Darmbewegung an. T3 soll auch die Durchlässigkeit der Schleimhaut mitregulieren. Das würde erklären, warum es bei einer Schilddrüsenunterfunktion häufig zum Leaky-Gut-Syndrom kommt.54

 

Den Darm unterstützen kann man mit Probiotika und Ballaststoffen. Besonders in Kombination sorgen sie für einen gesunden Darm.

 

Gesunder Darm mit Prä- und Probiotika

Studien konnten zeigen, dass Menschen mit Fehlfunktion der Schilddrüse eine gestörte Darmflora haben können. Sie haben weniger Bifidobakterien und Laktobazillen im Darm als Gesunde.55 Deshalb kann eine Darmsanierung mit Probiotika sinnvoll sein. Probiotika sind lebende Bakterien, die sich im Darm ansiedeln und so eine gesunde Darmflora wiederherstellen können.

Für eine Darmsanierung eignen sich Präparate, die eine Mischung aus verschiedenen Bakterien enthalten, vor allem Bifidobakterien und Laktobazillen. Damit die Bakterien lebend im Darm ankommen, ist eine Menge von mindestens einer Milliarde Bakterien (1 x 109 kolonienbildende Einheiten) notwendig.56

Für eine optimale und langfristige Wirkung müssen die Produkte über einen längeren Zeitraum eingenommen werden und ausreichend mit Ballaststoffen, sogenannten Präbiotika, ernährt werden. Andernfalls würden sie nach dem Absetzen des Probiotikums wieder aus dem Darm verschwinden.

Hinweis

Vorkommen von Ballaststoffen

Die wichtigsten Ballaststoffe für unseren Darm sind:

  • Psyllium im Flohsamenschalen
  • Beta-Glucan im Hafer
  • Inulin in Chicorée, Pastinake, Artischocke, Schwarzwurzel und Topinambur
  • Hemicellulose in Weizenkleie
  • Pektin in Apfel, Aprikose, Kirsche und Möhre
  • Zellulose in Vollkorngetreide
  • resistente Stärke in Hülsenfrüchten, erkalteten Kartoffeln, Mais und Reis

Die Leber stärken

Leber und Schilddrüse arbeiten eng zusammen. Ein Großteil der Hormone aus der Schilddrüse wird erst in der Leber in die aktive Form T3 umgewandelt. Ist die Leber geschwächt, wirkt sich das negativ auf die Tätigkeit der Schilddrüse aus. Es wird vermehrt das inaktive Hormon rT3 gebildet. Umgekehrt hat eine geschwächte Schilddrüse auch Auswirkungen auf die Leber.

Kann die Leber ihren Aufgaben nicht mehr gut nachkommen, hat das viele Folgen. Die Verdauung ist gestört, es können sich Gallensteine bilden, Blutfettwerte erhöhen sich und vieles mehr.

 

Der Leber kommt eine wichtige Rolle bei der Entgiftung zu. Jede Substanz, die dem Körper schaden könnte, wird von der Leber umgewandelt, damit sie gut entsorgt werden kann. Alkohol, Koffein, Zucker, Transfette, Medikamente, Lebensmittelzusatzstoffe, Schadstoffe, Pflanzenschutzmittel und vieles mehr belasten die Leber.

 

Wir haben großen Einfluss durch unseren Lebensstil, wie effizient unsere Leber ihrer Aufgabe nachkommen kann. Bei einer geschwächten Leber kann eine lebergesunde Ernährung dem Organ wieder auf die Sprünge helfen. Auch eine Entgiftungskur für einen Monat kann hilfreich sein.

 

Heilpflanzen und pflanzliche Lebensmittel zur Entgiftung der Leber

Bitterstoffe regen die Leber und Gallenfunktion an und kommen in vielen Lebensmitteln vor. Es gibt fertige Präparate in Kapselform, Bitterstoff-Tropfen, man kann sie als Tee zubereiten oder direkt im Salat genießen. Leider wurden Bitterstoffe aus vielen Pflanzen herausgezüchtet. Dabei haben sie eine wichtige Entgiftungsfunktion, regen die Verdauung an und können sogar den Heißhunger auf Süßes bremsen.

 

Bitterstoffe sind enthalten in:

  • Löwenzahn
  • Enzian
  • Brennnessel
  • Bärlauch
  • Schafgarbe
  • Mariendistel
  • Artischocke
  • Chicorée
  • Rucola
  • Radicchio

Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Unsere Produktempfehlung für Bitterstoffe:


 

Tipps

Tipps zur Entgiftung der Leber

  • Verzichten Sie auf Alkohol und Nikotin.
  • Meiden Sie Zucker und viele einfache Kohlenhydrate.
  • Trinken Sie reichlich Wasser.
  • Essen Sie viel Gemüse, Kräuter, Beerenobst und Nüsse – diese enthalten viele Mikronährstoffe und Antioxidantien.
  • Verwenden Sie bittere Salate, z. B. als Vorspeise um Leber und Galle anzuregen.
  • Verzichten Sie auf Fertiggerichte.
  • Meiden Sie tierische Fette in Fleisch und Wurst.
  • Ersetzen Sie Kaffee durch grünen Tee oder Kräuter- und Gewürztees.
  • Verwenden Sie Bio-Lebensmittel, kaufen Sie regional und saisonal.
  • Unterstützen Sie die Leber mit Heilpflanzen wie Mariendistel, Schafgarbe, Löwenzahn oder Enzian in Bittertropfen, Tees oder in Kapselform

Checkliste

Checkliste

Checkliste und Empfehlungen: Das können Sie selbst tun bei Hypothyreose

  • Gut informiert sein: Informieren Sie sich und Ihre Angehörigen so gut wie möglich über Ihre Erkrankung.
  • „Richtige“ Therapeuten: Der Draht zu Ihren Therapeuten (Ärzte, Ernährungsberater, Heilpraktiker…) muss stimmen. Die Beziehung zwischen Patienten und Therapeut muss auf Vertrauen und Sympathie aufbauen.
  • Mikronährstoffe: Achten Sie auf Ihren Mikronährstoffhaushalt. Nur wenn alle Mikronährstoffe ausreichend im Organismus vorhanden sind, können lebenswichtige Prozesse optimal ablaufen. Bei Hypothyreose stehen alle Mikronährstoffe im Fokus – eine Breitbandversorgung ist daher unerlässlich.
  • Frische gesunde Mahlzeiten: Essen Sie hochwertige, selbstgekochte Gerichte von guter Qualität, am besten saisonal, regional und aus Bio-Anbau.
  • Gewichtsprobleme: Reduzieren Sie Kalorien, essen Sie jedoch mikronährstoffreich.
  • Gesunder Lebensstil: Sorgen Sie für gesündere Gewohnheiten: Rauchen Sie nicht, reduzieren Sie Alkohol, Koffein, Zucker, Transfette, Schadstoffe und Umweltgifte so oft wie möglich.
  • Stressreduktion: Entspannungsmethoden, Achtsamkeitstraining, moderater Sport, Bewegung im Freien, guter Schlaf und Stressresilienz unterstützen die Schilddrüse.
  • Gesunder Darm: Ein gesunder Darm ist wichtig für das Gleichgewicht im Hormonsystem. Eine darmgesunde Ernährung oder eine Darmsanierung mit Pro- und Präbiotika kann unterstützend wirken.
  • Leberentgiftung: Entlasten Sie Ihre Leber durch eine gesunde Ernährung und wenige Genussmittel, damit unterstützen Sie auch die Schilddrüse. Eine regelmäßige Leberentgiftung kann sinnvoll sein.
  • Heilpflanzen und Homöopathie: Komplementäre Therapien können eine Ergänzung sein und unliebsame Symptome der Hypothyreose abmildern.

Quellenangaben

1Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes Schilddrüsenhormone und Schilddrüsenmedikamente bei Probanden in den Nationalen Gesundheitssurveys. (2002). https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsB/schilddruesenhormone.pdf?__blob=publicationFile

2Jodversorgung in Deutschland wieder rückläufig – Tipps für eine gute Jodversorgung – BfR. (2021, 9. Februar). https://www.bfr.bund.de. https://www.bfr.bund.de/de/jodversorgung_in_deutschland_wieder_ruecklaeufig___tipps_fuer_eine_gute_jodversorgung-128626.html -128626.html

3Gärtner, R. & Dugrillon, A. (1998). Vom Jodmangel zur Struma. Der Internist, 39(6), 566–573. https://doi.org/10.1007/s001080050212

4Kawicka, A. (2015, 2. Januar). Metabolic disorders and nutritional status in autoimmune thyroid diseases. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25614676/

5Xue, H., Wang, W., Li, Y., Shan, Z., Li, Y., Teng, X., Gao, Y., Fan, C. & Teng, W. (2010). Selenium upregulates CD4+CD25+ regulatory T cells in iodine-induced autoimmune thyroiditis model of NOD.H-2h4 mice. Endocrine Journal, 57(7), 595–601. https://doi.org/10.1507/endocrj.k10e-063

6Liontiris, M. I. (2017). A concise review of Hashimoto thyroiditis (HT) and the importance of iodine, selenium, vitamin D and gluten on the autoimmunity and dietary management of HT patients.Points that need more investigation. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28315909/

7Hu, S. (2017, 27. Mai). Multiple Nutritional Factors and the Risk of Hashimoto’s Thyroiditis. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28290237/

8Kawicka, A. (2015b, Januar 2). Metabolic disorders and nutritional status in autoimmune thyroid diseases. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25614676/

9Beard, J. L. (190–11). Impaired thermoregulation and thyroid function in iron-deficiency anemia. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2239756/

10Zimmermann, M. B. (2007, Oktober). Vitamin A supplementation in iodine-deficient African children decreases thyrotropin stimulation of the thyroid and reduces the goiter rate. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17921382/

11Eberhardt M.V., Lee C.Y., Liu R.H.: Antioxidant activity of fresh apples. Nature 2000 (405): S. 903-904)

12Sachmechi, I., Reich, D. M., Aninyei, M., Wibowo, F., Gupta, G. & Kim, P. J. (2007). Effect of Proton Pump Inhibitors on Serum Thyroid-Stimulating Hormone Level in Euthyroid Patients Treated with Levothyroxine for Hypothyroidism. Endocrine Practice, 13(4), 345–349. https://doi.org/10.4158/ep.13.4.345

13Guzman-Prado, Y. (2021). Concomitant Use of Levothyroxine and Proton Pump Inhibitors in Patients with Primary Hypothyroidism: a Systematic Review. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33469743/

14Brent, G. A. (2010, Juli). Environmental exposures and autoimmune thyroid disease. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20578899/

15Sachmechi I et al., Effect of proton pump inhibitors on serum thyroid-stimulating hormone level in euthyroid patients treated with levothyroxine for hypothyroidism. Endocrine Practice, Juli 2007

16Einfluss einer Hypothyreose auf Cortisol, Affekt und Kognition bei weiblichen Probanden mit Zustand nach Schilddrüsenkarzinom. (2016, Januar). https://docserv.uni-duesseldorf.de/. https://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DocumentServlet?id=36975

17The impact of stress on body function: A review. (2017). https://www.ncbi.nlm.nih.gov/. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5579396/

18Corssmit, E. P., Heyligenberg, R., Endert, E., Sauerwein, H. P. & Romijn, J. A. (1995). Acute effects of interferon-alpha administration on thyroid hormone metabolism in healthy men. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 80(11), 3140–3144. https://doi.org/10.1210/jcem.80.11.7593416

19Reiche, E. M. V. (2004). Stress, depression, the immune system, and cancer. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15465465/

20Weaver, L. (2016). Dr. Libby´s Stoffwechsel-Geheimnis: 9 magische Bausteine zum schlank werden & bleiben (1. Aufl.). TRIAS.

21Duntas, L. H. (2007, November). Cardiovascular risk and subclinical hypothyroidism: focus on lipids and new emerging risk factors. What is the evidence? PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17900236/

22Biondi, B. (2007, Juli). Cardiovascular effects of mild hypothyroidism. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17696831/

23Chronic inflammatory diseases are stimulated by current lifestyle: how diet, stress levels and medication prevent our body from recovering. (2012). PubMed Central (PMC). https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3372428/

24Jod. (2021). DGE. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/jod/?L=0

25Johner, S. A. (2016). Examination of iodine status in the German population: an example for methodological pitfalls of the current approach of iodine status assessment. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26031434/

26Hess, S. Y., Zimmermann, M. B., Arnold, M., Langhans, W. & Hurrell, R. F. (2002). Iron Deficiency Anemia Reduces Thyroid Peroxidase Activity in Rats. The Journal of Nutrition, 132(7), 1951–1955. https://doi.org/10.1093/jn/132.7.1951

27Kawicka, A. (2015, 2. Januar). Metabolic disorders and nutritional status in autoimmune thyroid diseases. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25614676/

28Divi, R. L. (1997, 15. November). Anti-thyroid isoflavones from soybean: isolation, characterization, and mechanisms of action. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9464451/

29Arthur, J. R., Beckett, G. J. & Mitchell, J. H. (1999). The interactions between selenium and iodine deficiencies in man and animals. Nutrition Research Reviews, 12(1), 55–73. https://doi.org/10.1079/095442299108728910.

30Jodstoffwechsel und Einflüsse auf Erkrankungen der Schilddrüse. (2015). Ernährungsumschau, 12(2015), M694–M702. https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2015/12_15/EU12_2015_M694-M703.pdf

31Selen. (2021). DGE. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/selen/?L=0

32Yu, L. et al. (2017): Levothyroxine monotherapy versus levothyroxine and selenium combination therapy in chronic lymphocytic thyroiditis. J Endocrinol Invest. 2017 Nov;40(11):1243-1250.

33Der Einfluss von Eisenmangel auf die Schilddrüsenfunktion Eine retrospektive Querschnittsstudie. (2009). https://edoc.ub.uni-muenchen.de/10485/1/Lorenz_Gernot_Johannes.pdf

34Craig WJ, Pinyan L (2001): Nutrients of concern in vegetarian diets. p. 299-332. In: Sabaté J (ed). Vegetarian nutrition. CRC Press, Boca Raton, p. 304

35Eisen: Qualität nicht Quantität ist die Frage. (2021, 23. März). Verbraucherzentrale.de. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/eisen-qualitaet-nicht-quantitaet-ist-die-frage-8026

36Ertek, S. (2010). Relationship between serum zinc levels, thyroid hormones and thyroid volume following successful iodine supplementation. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20688624/

37Mahmoodianfard, S. (2015). Effects of Zinc and Selenium Supplementation on Thyroid Function in Overweight and Obese Hypothyroid Female Patients: A Randomized Double-Blind Controlled Trial. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25758370/

38Zink. (2021). DGE. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/zink/?L=0

39Vondra, K. (2015). Vitamin D and thyroid diseases. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26680495/

40Zimmermann, M. B. (2007). Vitamin A supplementation in iodine-deficient African children decreases thyrotropin stimulation of the thyroid and reduces the goiter rate. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17921382/

41Vitamin A. (2021). DGE. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-a-b-carotin/?L=0

42Jubiz, W. (2017). Effect of vitamin C on the absorption of levothyroxine in patients with hypothyroidism and gastritis. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24601693/

43Vitamin C. (2021). DGE. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-c/?L=0

44Vitamin E. (2021). DGE. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-e/?L=0

45COENZYM Q10: ZUSATZ BEI STATINTHERAPIE ERFORDERLICH? – arznei telegramm. (2010b). https://www.arznei-telegramm.de. https://www.arznei-telegramm.de/html/2010_01/1001014_01.html

46Roberts, L. (2018, 1. Oktober). Stability of thyroid function in older adults: the Birmingham Elderly Thyroid Study. British Journal of General Practice. https://bjgp.org/content/68/675/e718

47Hoang, T. D., Olsen, C. H., Mai, V. Q., Clyde, P. W. & Shakir, M. K. M. (2013). Desiccated Thyroid Extract Compared With Levothyroxine in the Treatment of Hypothyroidism: A Randomized, Double-Blind, Crossover Study. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 98(5), 1982–1990. https://doi.org/10.1210/jc.2012-4107

48Heide, D. (2003). Flavonoids and thyroid disease. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/14757961/

49Purle, T. (2020, 3. Mai). Brahmi (Bacopa monnieri) – Merkmale, Anbau, Verwendung. kraeuter-buch.de. https://www.kraeuter-buch.de/kraeuter/Brahmi.html

50Pflanzenheilkunde bei Schilddrüsenerkrankungen – Heilpflanzenrezepte & mehr. (o. D.). https://heilpflanzenrezepte.de. Abgerufen am 6. Mai 2021, von https://heilpflanzenrezepte.de/heilpflanzengarten_anlegen/pflanzenheilkunde-bei-schilddruesenerkrankungen/

51Heepen, G. H. (2019). Hormone natürlich regulieren (GU Ratgeber Gesundheit) (3. Aufl.). GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH.

52Noveille, A. (2018). Alles über Adaptogene: Von Ashwagandha bis Rhodiola – Heilpflanzen, die den Organismus transformieren und heilen (1. Aufl.). Kopp Verlag e.K.

53Schilddrüsenunterfunktion mit Homöopathie behandeln. (2018, 17. Juli). Schilddrüsenunterfunktion – Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten. https://www.schilddruesenunterfunktion-aktuell.de/schilddruesenunterfunktion-mit-homoeopathie-behandeln/

54Yang, Z. (2003). Tri-iodothyronine supplement protects gut barrier in septic rats. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12532464/

55Zhou, L., Li, X., Ahmed, A., Wu, D., Liu, L., Qiu, J., Yan, Y., Jin, M. & Xin, Y. (2014). Gut Microbe Analysis Between Hyperthyroid and Healthy Individuals. Current Microbiology, 69(5), 675–680. https://doi.org/10.1007/s00284-014-0640-6

56Schilddrüsenunterfunktion: Behandlung effektiv unterstützen. (2020, 23. November). https://www.vitamindoctor.com. https://www.vitamindoctor.com/gesund-werden/stoffwechsel-hormonsystem/schilddruesenunterfunktion