Multiple Sklerose: Lebensqualität durch integrative Therapie maximieren

Bei der Multiplen Sklerose (MS) zerstört das Immunsystem die Isolierschicht der Nervenzellen – das kann eine Vielzahl an verschiedenen Symptomen auslösen, die Sie im Verlauf immer mehr in Ihrer Lebensqualität einschränken können. Wir stellen Ihnen in diesem Artikel alles Wichtige rund um die Erkrankung Multiple Sklerose vor, mit besonderem Augenmerk auf ganzheitliche Therapiekonzepte aus Naturheilkunde und Ernährungsmedizin – und was Sie selbst tun können, um den Verlauf der Erkrankung positiv zu beeinflussen.

Arzt diagnostiziert anhand eines Gehirnscans Multiple Sklerose

Corina Hajak Prakt. Ärztin, Expertin für integrative Medizin

Experte/Expertin:

Corina Hajak

Prakt. Ärztin, Expertin für integrative Medizin

Letzte Aktualisierung: 9. August 2021

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Fakten in der Übersicht

  • Multiple Sklerose – was ist das?  Autoimmunerkrankung, bei der das eigene Immunsystem die Mark-/Myelinscheiden des Zentralnervensystems zerstört. Typisches Erkrankungsalter: 20-40 Jahre, Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
  • Ursachen & Risikofaktoren:  Multiple Sklerose ist nicht vererbbar und nicht ansteckend, und die Ursachen sind nicht abschließend geklärt; Multiple Sklerose wird zu den Mitochondriopathien (Störung unserer „Zellkraftwerke“) gezählt; Trigger und Auslöser: Schwermetallbelastung, Rauchen, Verschiebungen im Darm-Mikrobiom (durch u. a. Fehlernährung und Mikronährstoffmangel), psychischer Stress, Vitamin-D-Mangel, hohe Homocystein-Spiegel, auf Zellebene: oxidativer und nitrosativer Stress
  • Symptome: Beschwerden und Funktionsstörungen treten häufig auf bei Empfindung, Koordination und Bewegung (Spastiken, Lähmungen) und Sehen; Blasen- und Darmfunktion, sexuelle Probleme, Schlucken und Sprechen; Auftreten der Symptome in Schüben über mind. 24h; Uhthoff-Phänomen durch Hitze
  • Diagnose und Tests:  Anamnese und körperliche Untersuchung, Blutuntersuchung zum Ausschluss von Differentialdiagnosen, bildgebende Verfahren: MRT (Kernspin), Liquoruntersuchung, evozierte Potentiale
  • Prognose und Verlauf: Krankheit verläuft in Schüben oder chronisch fortschreitend, Prognose ist stark abhängig von Alter, Therapie und Verlaufsform
  • Empfohlene Ernährung: Eine anti-entzündliche Ernährung entspricht einer gesunden, vollwertigen Ernährung, die reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, fettem Fisch, Nüssen, Saaten und pflanzlichen Ölen ist.
  • Therapie und Prävention: 
    • Mikronährstoffe: Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit allen Mikronährstoffen bei Multipler Sklerose. Besonders wichtig bei MS ist eine optimale antioxidative Versorgung mit Vitamin A, E, Coenzym Q10 und sekundären Pflanzenstoffen. Für einen reibungslosen Homocystein-Abbau sind B-Vitamine essentiell. Anti-entzündlich und antioxidativ wirken auch die Spurenelemente Zink, Selen und Kupfer, Omega-3-Fettsäuren und Magnesium.
    • Lebensstil:
        • Sport und Bewegung
        • Stressreduktion und Entspannungstechniken
        • positive Lebenseinstellung
        • Schlaf und Schlafhygiene
        • Raucherentwöhnung
    • Konventionelle Therapie: Schubtherapie, immunsupprimierende und immunmodulatorische Therapie, symptomatische Therapie
    • Ganzheitliche Therapie:
      • Entsäuerung und Entgiftung
      • Pflanzenheilkunde
      • Darmgesundheit
      • Physiotherapie
      • Ergotherapie
      • Logopädie
      • Neurofeedback
      • medizinische Cannabis
      • Psychotherapie
  • Checkliste und Empfehlungen bei Multiple Sklerose: Das können Sie selbst tun bei Multipler Sklerose

Was ist Multiple Sklerose?

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Multiple Sklerose in der Übersicht

  • Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die das ganze Gehirn und Rückenmark betreffen kann.
  • MS verläuft in Schüben, und der Krankheitsverlauf ist so unterschiedlich, dass die Diagnosestellung und Prognose oft sehr schwierig sind.
  • MS ist die häufigste Erkrankung, die selbst bei jüngeren Menschen schon zu Behinderungen und Frühberentung führen kann.
  • Die verschiedenen Therapien bei Multipler Sklerose versuchen die Symptome zu lindern, den Verlauf der Erkrankung positiv zu beeinflussen und die Lebensqualität zu verbessern.

Entstehung der Multiplen Sklerose

Multiple Sklerose (MS) gehört zu den chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankungen. Bei Autoimmunerkrankungen attackiert das Immunsystem körpereigene, gesunde Strukturen. Bei MS werden die Markscheiden (elektrische Isolierungsschicht der Nervenzellen) des Zentralnervensystems angegriffen und langfristig zerstört. Durch die Isolierung können die Nervenimpulse normalerweise um ein Vielfaches schneller weitergeleitet werden. Die Zerstörung dieser Markscheiden schränkt die normale Funktion und Steuerung betroffener Bereiche ein. Meist gibt es verschiedene (multiple) Herde im Gehirn und wie nach jeder Verletzung des Nervengewebes bilden sich Narben (Sklerose). Zerstörte und vernarbte Gewebeherde verlieren im Verlauf ihre Funktionsfähigkeit – so entstehen Symptome wie Lähmungserscheinungen, fehlende Koordination von Muskeln und Störungen der Sinneswahrnehmungen.

Multiple Sklerose ist eine Krankheit mit sehr unterschiedlichem Verlauf, und die Symptome können individuell sehr stark variieren, sie wird deshalb auch die „Krankheit der 1000 Gesichter“ genannt.

 

Vorkommen und Auftreten

In Deutschland sind ca. 200.000 Menschen betroffen, 70 % davon sind Frauen. Das typische Erkrankungsalter liegt zwischen 20 und 40 Jahren. Die Symptome sind äußerst vielfältig, und der Krankheitsverlauf ist individuell sehr verschieden. Die Therapien zielen v. a. darauf ab, die Schübe zu verhindern und das Fortschreiten so gut als möglich zu verlangsamen sowie die Lebensqualität aufrechtzuerhalten.

Die ersten Symptome treten typischerweise im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf. Zunehmend sind jedoch auch Kinder und Jugendliche betroffen und Menschen über 45 Jahre. Wie bei vielen anderen Autoimmunerkrankungen (z. B. rheumatoider Arthritis, systemischem Lupus erythematodes) sind auch bei MS 70 % der Betroffenen Frauen.

Ursachen und Risikofaktoren

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Ursachen und Risikofaktoren in der Übersicht

  • Multiple Sklerose ist nicht vererbbar und nicht ansteckend, die Ursachen sind nicht abschließend geklärt.
  • Multiple Sklerose wird zu den Mitochondriopathien (Störung unserer „Zellkraftwerke“) gezählt.
  • Trigger und Auslöser: Schwermetallbelastung, Rauchen, Verschiebungen im Darm-Mikrobiom (durch u. a. Fehlernährung und Mikronährstoffmangel), psychischer Stress, Vitamin-D-Mangel, hohe Homocystein-Spiegel, auf Zellebene: oxidativer und nitrosativer Stress

Mitochondriale Dysfunktion

Multiple Sklerose ist nicht vererbbar (kann jedoch familiär gehäuft auftreten) und ist nicht ansteckend. Die genaue Ursache für Multiple Sklerose ist bis jetzt nicht geklärt, allerdings werden eine Reihe von Risikofaktoren mit der Entstehung assoziiert. Dazu gehören Umweltfaktoren, Virusinfektionen mit neurotropen Viren (Viren, die Nerven angreifen wie z. B. Herpesviren), Rauchen, Fehlernährung und Veränderungen des Darm-Mikrobioms sowie Vitamin-D-Mangel. Alle diese Faktoren sind mit einer Schädigung unserer Mitochondrien (Zellkraftwerke) verbunden – MS wird mittlerweile zu den Mitochondriopathien gezählt. 1
Die Schädigung der Mitochondrien ist das seit langer Zeit fehlende Bindeglied zwischen Neuroinflammation (entzündliche Prozesse) und Neurodegeneration (Untergang von Nervenzellen), welches die verschiedenen Phasen der Multiplen Sklerose und weiteren Erkrankungen wie z. B. Alzheimer-Demenz verständlicher werden ließ. 2

Ausflug in die Wissenschaft

Multiple Sklerose gehört zu den Mitochondriopathien

Mitochondrien sind die Energiekraftwerke in unseren Körperzellen und produzieren Adenosintriphosphat (ATP), den Treibstoff für unseren Organismus. Jede Zelle enthält, je nach Energiebedarf, bis zu mehreren tausend Mitochondrien.

 

Neben der Energiebildung haben Mitochondrien noch mindestens zwei weitere wichtige Aufgaben für unseren Körper. Sie sind für die Entsorgung von krankhaften oder nicht mehr benötigten Zellen zuständig. Über die sogenannte Apoptose sterben diese Zellen dann ab. Zusätzlich bilden Mitochondrien sogenannte Eisen-Schwefel-Cluster. Sie werden für die Funktion zahlreicher Enzyme und der Mitochondrien selbst benötigt.

 

Werden Mitochondrien nachhaltig geschädigt, so spricht man von Mitochondriopathie. In den letzten Jahren wurde klar, dass die Schädigung der Mitochondrien an der Entwicklung praktisch aller chronischer Krankheiten (neben Multipler Sklerose auch Parkinson und Alzheimer) beteiligt ist. Organe, die viel Energie benötigen, spüren den Energiemangel in der Regel zuerst.

 

Bei einer Multiplen Sklerose sind die Axone pathophysiologischen und pathobiochemischen Veränderungen unterworfen. Eine Veränderung ist der Anstieg der Natriumkanäle, wodurch mehr ATP in den Mitochondrien verbraucht wird.3 Dieser erhöhte Verbrauch kann auf Dauer nicht kompensiert werden, vor allem nicht, wenn die Mitochondrien bereits vorgeschädigt sind.

 

Folgende Faktoren sind die häufigsten Gründe für geschädigte Mitochondrien:

  • Mangel an Mikronährstoffen mit in Folge erhöhtem oxidativem Stress und Nitrostress
  • Fehlernährung mit zu vielen Kohlenhydraten, Fastfood und hochverarbeiteten Produkten
  • Medikamente wie Antibiotika, Antiepileptika oder Zytostatika
  • latente chronische Entzündung (silent inflammation)
  • Belastung des Organismus mit Schwermetallen oder Umweltgiften
  • Viren- und DNA-Schäden

 

 

 

 


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Unser Lese-Tipp für Sie, wenn Sie Ihr Wissen um die Erkrankung der Mitochondrien noch vertiefen wollen.  


Wichtige Risikofaktoren der Multiplen Sklerose im Detail

Schwermetallbelastung: Schwermetalle fördern die Entstehung chronischer Erkrankungen wie u. a. Multiple Sklerose, aber auch Alzheimer, Parkinson, CFS und Depressionen. Das quecksilberhaltige Thiomersal oder Aluminiumhydroxid, die als Adjuvantien in Impfstoffen eingesetzt werden, werden als Auslöser von Autoimmunreaktionen assoziiert. Jedoch können auch Gold und Silber Autoimmunantworten und andere fehlgeleitete Immunantworten triggern.4,5 Schwermetalle schädigen die Mitochondrien, Zellmembranen, Enzyme und behindern Abläufe, die für einen gesunden Zellstoffwechsel wichtig sind wie Reparaturen und Kommunikation.

 

Rauchen: Nikotin und andere Giftstoffe, die im Tabakrauch enthalten sind, wirken sich negativ auf den Körperstoffwechsel und die Nervenaktivität aus. Rauchen steigert das MS-Risiko ebenfalls deutlich und sollte möglichst bei einer Diagnose völlig eingestellt werden, um den Verlauf nicht negativ zu beeinflussen.6

 

Verschiebungen im DarmMikrobiom: Experten gehen davon aus, dass bei MS wie auch bei Parkinson oder Depression die Ernährung sowie unser Darm-Mikrobiom eine Rolle sowohl bei der Entstehung als auch beim Fortschreiten der Erkrankung spielen. Darmbakterien ernähren sich von Bestandteilen unserer Nahrung und produzieren wiederum selbst Stoffwechselprodukte wie z. B. kurzkettige Fettsäuren, die mit unserem Immunsystem interagieren. Die Hypothese lautet: Durch die Umstellung der Ernährung sind bestimmte Krankheiten beeinflussbar, sowohl das Risiko für die Entstehung als auch der Verlauf. Bei MS sehen Wissenschaftler einen Zusammenhang mit der sog. Western diet, da die MS-Erkrankungen dort besonders häufig auftreten. Ein Beispiel ist Japan, wo zunehmend die typische anti-entzündliche japanische Küche durch die western diet ersetzt wird und MS-Fälle seither deutlich zunehmen.7 Die western diet ist gekennzeichnet durch folgende Komponenten: hochkalorisch, zuckerreich, viele gesättigte Fettsäuren, Transfettsäuren, salzreich, viele Konservierungsstoffe und hochverarbeitete Produkte (Fastfood, Fertigprodukte, „Junkfood“) – dagegen werden wenig Ballaststoffe, fermentierte Produkte, Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe konsumiert.

 

Psychischer Stress: Verschiedene Studien belegen, dass Stress (psychischer, physischer und oxidativer) das Risiko an MS zu erkranken erhöht und auch den Verlauf negativ beeinflusst.8,9

 

Vitamin-D-Mangel: Eine Studie aus Finnland zeigte, dass das Risiko, an einer MS zu erkranken mit nicht ausreichendem Vitamin-D-Spiegel 60 % höher war als bei gut versorgten Probandinnen.10 Auch die geografische Verteilung der Multiplen Sklerose zeigt: Je weiter vom Äquator und von einer ganzjährigen ausreichenden Vitamin-D-Versorgung entfernt, desto mehr Menschen erkranken an MS.

 

Hohe Homocystein-Spiegel im Blut: Homocystein löst eine Steigerung der Zellschädigung, Erhöhung der Radikalbildung und eine Einschränkung der Funktion der Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen) aus. Für den Abbau von Homocystein im Blutplasma sind Vitamin B2, B6, B12 und Folsäure nötig.

 

Auf Zellebene oxidativer und nitrosativer Stress: Bei Entzündungsprozessen entsteht oxidativer Stress, der wie ein Katalysator bei der Zerstörung von Nervenzellen wirkt. Eine Mangelversorgung mit Mikronährstoffen wie Antioxidantien (Vitamin A, C und E, sekundäre Pflanzenstoffe) begünstigt die destruktiven Prozesse durch die entstehenden freien Radikale. Bei nitrosativem Stress werden nicht zu viele freie Radikale gebildet, sondern es kommt zu einer Überproduktion des Botenstoffs Stickstoffmonoxid (NO).

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Oxidativer und nitrosativer Stress

Unser Körper bildet bei vielen Reaktionen freie Radikale (z. B. in der Zellatmung und bei Immunreaktionen), die in normalen Konzentrationen nicht schädlich sind. Erst bei einem Zuviel (chronische Entzündungen) entsteht der sog. oxidative Stress. Hält der oxidative Stress über einen längeren Zeitraum an, steigt das Risiko für eine Vielzahl von Erkrankungen. Damit körpereigene Strukturen wie die Bausteine der Erbsubstanz, Eiweiße wie z. B. Enzyme und besonders ungesättigte Fettsäuren der Zellwand keinen Schaden nehmen, muss die Zelle sich selbst vor Angriffen von freien Radikalen schützen. Dies übernehmen Radikalfänger, sogenannte Antioxidantien. Sie können Elektronen abgeben, dadurch freie Radikale entgiften und sich selbst in einem Kreislauf von Reaktionen regenerieren. Oxidativer Stress ist häufig ein wesentliches „Puzzlestück“ bei der Entstehung von mitochondrialen Erkrankungen.

Bei nitrosativem oder Nitro-Stress werden nicht zu viele freie Radikale gebildet, sondern es kommt zu einer Überproduktion des lebensnotwendigen Botenstoffs Stickstoffmonoxid (NO). Ähnlich wie beim oxidativen Stress ist eine geringe Grundproduktion für unsere Gesundheit wichtig, denn NO wirkt antibakteriell, reguliert den Stoffwechsel der Mitochondrien und die Weite der Blutgefäße sowie steuert die Reizweiterleitung.

Nitro-Stress ist jedoch durch das vermehrte Auftreten von NO und dessen Folgeprodukt Peroxynitrit gekennzeichnet. Verschiedene, oft nur kurz einwirkende Stressoren können eine übermäßige Produktion von NO auslösen und es beginnt ein biochemischer Teufelskreis. Dieser bleibt meist auch noch bestehen, wenn der Auslöser längst verschwunden ist. Wichtige Auslöser und Verstärker dieses Teufelskreises sind Entzündungen, Bakterien- oder Viruserkrankungen (bis zu 30-fache NO-Bildung), Medikamente, Chemikalien, Schwermetalle, körperlicher und psychischer Stress und kohlenhydratreiche Ernährung.

Symptome der Multiplen Sklerose

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Symptome in der Übersicht

  • Das Krankheitsbild kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein, die Diagnose ist deshalb oft zu Beginn schwierig und verzögert den Therapiebeginn.
  • Keines der Symptome ist ausschließlich typisch für eine MS und kann auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten – MS ist deshalb oft eine Ausschlussdiagnose.
  • Häufige Symptome sind: Koordinations- und Bewegungsstörungen, Sehstörungen, Empfindungsstörungen, chronische Erschöpfung, Blasen- und Darmstörungen, sexuelle Störungen, Sprech- und Schluckstörungen und die Verschlechterung der Symptome unter Hitzeeinwirkung.
  • Ein MS-Schub bezeichnet das Auftreten und/oder die Verschlechterung neuer oder bekannter Symptome über mindestens 24h.

Die ersten wahrgenommenen Symptome sind oft Empfindungsstörungen wie Ameisenkribbeln in Armen, Beinen oder am Rumpf und leichte Koordinationsstörungen. Vielleicht nehmen Sie wie viele Betroffene (bis zu 30 %) auch Sehstörungen durch eine Sehnervenentzündung bei sich wahr: Sehausfall im Zentrum des Auges, getrübtes Sehen wie durch ein Milchglasfenster oder Doppelbilder. Allgemeine Symptome sind auch häufig Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Konzentrationsstörungen und das chronische Erschöpfungssyndrom (CFS/Fatigue). Der Beginn der Krankheit verläuft bei über 90 % der Betroffenen in unregelmäßigen Schüben – ohne dass man vorhersehen könnte, wann der nächste kommt.

 

MS-Schub: Krankheitsschub bei Multipler Sklerose

Wenn bei Ihnen bekannte oder neue Symptome auftreten, die länger als 24 Stunden anhalten, spricht man von einem MS-Schub. Zwischen den Schüben vergehen mindestens 30 Tage und die Symptome können wieder fast vollständig verschwinden. Zu Beginn der Erkrankung bilden sich die Symptome der Schübe meist noch gut zurück, während im späteren Verlauf dies immer weniger der Fall ist und zunehmend bleibende Funktionsverluste auftreten.

Je nachdem, wo die Nervenscheiden im Gehirn (Herde, Läsionen) angegriffen wurden, liegen auch die Ausfälle – das zeigt sich in den unterschiedlichen Symptomen.

Bewegungsstörungen: Lähmungen und Spastik

Die gesunde Muskulatur hat eine normale Muskelspannung, die z. B. unseren aufrechten Gang möglich macht. Ist dieser sog. Muskeltonus erhöht, kommt es zur Muskelsteife oder Spastik. Spastiken können durch Schmerzen in Armen und Beinen – verursacht durch die Steifigkeit – beginnen, oder Sie nehmen besonders nach dem Aufstehen eine Steifigkeit in Armen und Beinen wahr. Weitere spastische Symptome sind Muskelzuckungen und Muskelkrämpfe, die später zu andauernden Einschränkungen und Behinderungen führen können. Die Muskelkrämpfe sind auch oft dafür verantwortlich, dass Sie nachts aufwachen und nicht durchschlafen können.

Lähmungserscheinungen sind häufige und frühe Symptome, die oft in Arm und Hand beginnen und später auf eine gesamte Körperhälfte übergehen können. Erster Ausfall ist oft eine beeinträchtigte Greiffunktion der Hand.

 

Schluck- und Sprechstörungen

Beim Sprechen und Schlucken arbeiten viele Muskeln gleichzeitig, außerdem muss nebenher die Atmung funktionieren – dieser komplexe Ablauf ist häufig bei Multipler Sklerose betroffen. Obwohl das Sprachvermögen nicht gestört ist, können Sie Probleme mit der Sprechmelodie, Artikulation, Atemstörungen und Regulation der Stimmlautstärke bekommen: zu laut/leise, heiser, verwaschen oder zu schnell/langsam. Wenn Probleme beim Schlucken auftreten, erhöht sich außerdem das Risiko für Mangel- und Fehlernährung und Austrocknung (Dehydrierung) des Körpers. Eine gut angepasste, gesunde Ernährung und logopädische Übungen sind essentielle therapeutische Maßnahmen bei MS (siehe Kapitel ganzheitliche Therapie).

 

Blasen- und Darmfunktionsstörungen bei MS

Ständig Harndrang? Das Gefühl, die Blase ist nach dem Toilettengang nie richtig leer? Die Schließmuskeln lassen sich nicht richtig kontrollieren? Verstopfung? Je nachdem welche Areale im Gehirn und Rückenmark betroffen sind, können diese Symptome bei Ihnen auftreten – ca. 70 % aller MS-Erkrankten haben Blasenfunktionsstörungen. Gravierende Folgen sind sozialer Rückzug, rezidivierende Harnwegsinfektionen und Zunahme der Fatigue durch das ständige nächtliche Aufwachen.

 

Sexuelle Störungen bei Multipler Sklerose

Sexuelle Störungen sind sehr häufig bei Multipler Sklerose und leider oft noch immer ein Tabu-Thema, dass viele beim Neurologen nicht ansprechen möchten. Störungen der Libido, fehlende Lust, Erektionsprobleme, Schmerzen, veränderte Körperwahrnehmung, Erschöpfung und Spastik sind nur einige Faktoren, die Sie in Ihrer Sexualität beeinflussen können.

 

Verschlechterung der Symptome bei hoher Temperatur: Das Uhthoff-Phänomen

Besonders in den heißen Sommermonaten könnten Sie diese sog. Pseudo-Schübe erleiden: Die Symptome verschlechtern sich auf einmal drastisch durch Hitze wie heiße Außentemperaturen, ein heißes Bad, Sport, Saunabesuch oder Fieber (Uhthoff-Phänomen). Es kann zu totalen Lähmungserscheinungen kommen, die sich bei Regulierung der Temperatur wieder zurückbilden. Achten Sie darauf, diese Auslöser möglichst zu vermeiden und/oder kümmern Sie sich rechtzeitig um kühlende Maßnahmen.

 

Diagnose und Tests

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Diagnose in der Übersicht

  • Um eine Multiple Sklerose festzustellen, werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt.
    • Anamnese und körperliche Untersuchung
    • Blutuntersuchung
    • bildgebende Verfahren: MRT (Kernspin)
    • Lumbalpunktion: Untersuchung der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor)
    • evozierte Potentiale
  • Viele andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome auslösen können, müssen dabei ausgeschlossen werden, z. B.: Kollagenosen, Borreliose, Sarkoidose, Vaskulitiden und HIV

Anamnese und körperliche Untersuchung

Bei einem Verdacht auf Multiple Sklerose sollten Sie einen Neurologen aufsuchen. Dieser führt zunächst eine umfassende Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und körperliche Untersuchung durch, bei der Beweglichkeit, Koordination, Sensibilität, Reflexe und Gleichgewicht überprüft werden. So werden auch andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome haben, ausgeschlossen und die weiteren diagnostischen Mittel geplant. Typische Fragen sind:

  • Hatten Sie diese Symptome bereits früher schon einmal? (Schub)
  • Wie oft gehen Sie nachts zur Toilette?
  • Sind die Muskeln nach dem Aufwachen besonders steif?
  • Sind Sie oft sehr müde und antriebslos?
  • Verschwinden die Symptome nach 24 Stunden wieder und treten an mehreren (multiplen) Stellen auf?)

 

Blutuntersuchung

Es gibt derzeit keinen spezifischen Bluttest, der eine Multiple Sklerose nachweisen kann. Blutuntersuchungen werden v. a. durchgeführt, um Differentialdiagnosen auszuschließen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck. Stoffwechselparameter wie Leber- und Nierenwerte und Entzündungswerte zeigen normalerweise keine Auffälligkeiten.

 

Bildgebende Verfahren

Für die Diagnose einer Multiplen Sklerose werden außerdem bildgebende Verfahren durchgeführt wie die derzeit wichtigste Untersuchungsmethode MRT (Kernspintomografie), um die Erkrankungsherde im Gehirn zu erfassen. Bei 85 % der Patienten können bereits in frühen Stadien der Erkrankung Veränderungen im Gehirn festgestellt werden.

Hinweis

MRT-Befund

Viele Läsionen im MRT müssen nicht gleichzeitig mit vielen Symptomen einhergehen, der MRT-Befund erlaubt also keine Prognose bezüglich des Schweregrads oder des Verlaufs.

Lumbalpunktion

Bei der Liquoruntersuchung wird über eine Lumbalpunktion Nervenwasser aus dem Spinalkanal entnommen und anschließend im Labor untersucht. Die Liquoruntersuchung wird durchgeführt, um andere Erkrankungen auszuschließen (wie z. B. Borreliose) und bestimmte Parameter wie Immunzellen, Myelinbruchstücke und Antikörper zu analysieren, die typisch für entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) sind. Spezifisch aussagekräftig für MS ist der Nachweis von sog. oligoklonalen Banden.

 

Evozierte Potentiale

Bestimmte Nerven können auch durch evozierte Potentiale elektrisch gereizt werden, um deren Leitungsfähigkeit zu untersuchen. Dies zeigt sich bei einer MS in verzögerter Reizantwort und reduzierter Reaktionsstärke durch die Zerstörung der isolierenden Markscheiden.

 

Differentialdiagnosen

Andere Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden wie eine Multiple Sklerose auslösen können und ausgeschlossen werden müssen, sind Kollagenosen, Borreliose, Sarkoidose, Vaskulitiden, Syphilis und eine HIV-Infektion.

Ausflug in die Wissenschaft

Photonik

Seit einigen Jahren rückt zunehmend auch die graue Substanz der Großhirnrinde in den Fokus der MS-Diagnostik. Die Schädigungen der Nervenzellen im Detail sind jedoch per MRT nicht zu untersuchen. Neue Projekte wollen diese Schädigungen und den Zusammenhang mit Immunzellen in der dritten Dimension (3D) erfassen und verbinden dabei Fluoreszenzmikroskopie mit moderner 3D-Elektronenmikroskopie. Die detaillierte räumliche Darstellung soll in Zukunft neue innovative Therapieansätze bei MS ermöglichen.

Krankheitsverlauf und Prognose

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Krankheitsverlauf in der Übersicht

  • Die Multiple Sklerose wird in drei Verlaufsformen eingeteilt, die sich vor allem an diesen Fragestellungen orientieren: Verläuft Ihre Krankheit schubweise, und geht es Ihnen nach dem Schub wieder wie vorher oder schlechter? Schreitet die Erkrankung ständig fort?
  • Die Lebenserwartung bei Multipler Sklerose kann bei milden Verläufen und frühem Therapiebeginn ähnlich sein wie bei gesunden Gleichaltrigen. Besonders kurze Schübe und keine bleibenden Symptome/Behinderungen sprechen eher für eine gute Prognose.

Verlaufsformen der Multiplen Sklerose

Allgemein kann eine Multiple Sklerose auf viele unterschiedliche Arten verlaufen („Krankheit der 1000 Gesichter“). Ein Schub kann auf den nächsten folgen, oder Sie leiden an einer milden Verlaufsform und sind im Alltag kaum beeinträchtigt. Es werden medizinisch verschiedene Verlaufsformen der Multiplen Sklerose definiert. Progredient bedeutet, dass die Krankheit immer weiter fortschreitet und die Symptome immer mehr zunehmen.

  • schubförmig remittierende Verlaufsform: verläuft in Schüben, zwischen den Schüben verschlechtert sich der Gesundheitszustand nicht, sehr schwierig vorhersehbarer Verlauf
  • primär progrediente Verlaufsform: schwerwiegendste Form der MS, die Symptome (neurologischen Ausfälle) entwickeln sich kontinuierlich weiter, kaum Schübe
  • sekundär progrediente Verlaufsform: verläuft in Schüben, zwischen den Schüben verschlechtert sich der Gesundheitszustand immer mehr

 

Lebenserwartung bei Multipler Sklerose

Die Zahlen machen Mut: Die Lebenserwartung bei Multipler Sklerose ist bei Erkrankten, die keine Behinderung entwickeln, etwa gleich wie bei Gesunden. Generelle Aussagen zu treffen ist jedoch sehr schwierig, da die Krankheitsverläufe stark variieren. Etwa ein Drittel der Erkrankten arbeitet auch 25 Jahre nach der Diagnose und führt ein normales Leben, ein Drittel ist durch die Krankheit beeinträchtigt und ein weiteres Drittel ist durch Behinderungen stark beeinträchtigt und nicht mehr in der Lage, autonom zu leben.

Begünstigende Faktoren sind: frühes Diagnosealter, keine Koordinationsstörungen („nur“ Kribbeln, Taubheitsgefühle, etc.), kurze Schübe mit langen Pausen und keine bleibenden Behinderungen nach fünf Jahren.

Auf dem Gebiet der Multiplen Sklerose wird viel Forschung betrieben, sowohl was die Ursachen betrifft als auch die Therapiemöglichkeiten. Es ist davon auszugehen, dass sich das Behandlungsspektrum immer mehr erweitern und verbessern wird, was die Aussicht auf ein langes, möglichst wenig beeinträchtigtes Leben zunehmend verbessert.

 

 

Diagnose Multiple Sklerose: Und jetzt? Seelische Auswirkungen

Die Diagnose Multiple Sklerose stellt das ganze Leben auf dem Kopf. Wahrscheinlich fühlen Sie sich zunächst hilflos und erschüttert und können sich kaum vorstellen, wie Ihr bisheriges Leben weitergehen soll. Der Verlauf der Erkrankung ist so vielfältig wie Ihre Symptome, es kann also kaum eine Prognose getroffen werden, wie Ihr Leben in fünf oder zehn Jahren aussehen wird – das bringt gleichzeitig Hoffnung und Unsicherheit. Werde ich behindert sein? Wird meine Beziehung das alles aushalten? Kann ich Kinder haben/kann ich meine Familie weiter versorgen? Sie werden verschiedene Phasen der Anpassung und Bewältigung durchlaufen, und ein Psychotherapeut (siehe ganzheitliche Therapie) sowie Selbsthilfegruppen können Sie dabei unterstützen.

Ernährung bei Multiple Sklerose

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Ernährung in der Übersicht

  • Ob das, was wir täglich essen für uns gesund oder ungesund ist, liegt vor allem an der Ausgewogenheit der einzelnen Nährstoff-Gruppen, die wir essen.
  • Eine gesunde Ernährung ist vor allem anti-entzündlich und abwechslungsreich– das Gegenteil der Western Diet, die pro-entzündlich wirkt. Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe. Praktisch heißt das: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fetter Fisch, Nüsse, Saaten und kaltgepresste pflanzliche Öle.
  • Es gibt bis jetzt keine bestimmte, eindeutig wissenschaftlich nachgewiesene Ernährungsform, die definitiv bei Multipler Sklerose für jeden geeignet ist, untersucht werden derzeit die Effekte von Intervallfasten und ketogener Ernährung.
  • Eine Umstellung der Ernährung bei Multipler Sklerose hin zu einer Ernährung mit reichlich anti-entzündlichen Komponenten kann den Krankheitsverlauf jedoch positiv beeinflussen, anderen Therapien unterstützend begleiten und häufige Symptome und Begleiterkrankungen mildern.
  • Bei Multipler Sklerose scheinen die Reduktion von Kohlenhydraten und die Auswahl der richtigen Fette besonders wichtig.
  • Plötzlich strikt nach Ernährungsplänen vorzugehen, ist nicht sinnvoll, eher eine langsame Umstellung, die aber Ihre persönlichen Vorlieben nicht völlig außer Acht lässt, kurz: Gesund und ausgewogen, aber schmecken muss es trotzdem.

Eine pro-entzündliche Ernährung ist oft Risikofaktor oder Auslöser bei zahlreichen Erkrankungen. Sie fördert eine chronische Entzündung, die Arterien verkalken lässt, unseren Darm und unser Immunsystem schwächt, unsere Psyche negativ beeinflusst und letztlich Zellstress entstehen lässt. Wie im Kapitel Ursachen ausführlich dargestellt, sind entzündliche Prozesse auch bei einer Multiplen Sklerose an der Entstehung beteiligt. Mit einer gesunden, anti-entzündlichen Ernährung können Sie die Symptome bei Multiple Sklerose in Ihrem Körper selbst mitbeeinflussen und eine Verschlimmerung und Ausweitung der Beschwerden vermeiden:

  • Sie können das Entzündungsgeschehen in Ihrem Körper mildern/nicht zusätzlich durch entzündungsfördernde Lebensmittel befeuern.
  • Sie versorgen Ihren Körper mit lebenswichtigen Mikronährstoffen.
  • Sie schützen sich präventiv vor Begleiterkrankungen, die sich zusätzlich negativ auf die Multiple Sklerose auswirken.
  • Sie erreichen und halten langfristig Ihr Normalgewicht.

 

Probleme der heutigen Ernährung

Obwohl in Deutschland kein Mangel an Nahrungsmittelvielfalt herrscht, wird eine naturbelassene Ernährung mit vielen qualitativ hochwertigen und unverarbeiteten Produkten immer seltener. Volle Arbeitstage, Alltagsstress, keine Zeit zu kochen und auch der Mangel an Wissen und Fähigkeiten führen zunehmend zu einer ungesunden Ernährung.

 

Fertigprodukte statt frisch kochen: Western Diet

Diese Art der Ernährung wird oft unter dem Begriff Western Diet zusammengefasst, weil sie vor allem in den westlichen Industrieländern weit verbreitet ist und sich zunehmend auch in Ländern mit traditionell gesunder Ernährung ausbreitet – mit gravierenden Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung.

Hinweis

Merkmale der Western Diet

hochkalorisch, zuckerreich, gesättigte Fettsäuren, Transfettsäuren, salzreich, viele Konservierungsstoffe und hochverarbeitete Produkte (Fastfood, Fertigprodukte, „Junkfood“) – dagegen wenig frisches Obst und Gemüse, keine hochwertigen Pflanzenöle, wenig komplexe Kohlenhydrate, wenige Ballaststoffe, Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe

Nährstoffzufuhr aus dem Gleichgewicht

Ob das, was wir täglich essen für uns gesund oder ungesund ist, liegt vor allem an der Ausgewogenheit der einzelnen Nährstoff-Gruppen, die wir essen. Unsere Lebensmittel setzen sich zum einen aus Makronährstoffen zusammen, die uns Energie und Baumaterial liefern: Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße.

Auf der anderen Seite enthalten Lebensmittel auch unzählige Mikronährstoffe, die das Umsetzen der Makronährstoffe im Stoffwechsel erst möglich machen: Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Fettsäuren, Enzyme und sekundäre Pflanzenstoffe.

Ungesund wird eine Ernährung dann, wenn die einzelnen Gruppen nicht mehr im Gleichgewicht zueinander stehen. Arbeit findet z. B. heute sehr oft als sitzende Tätigkeit am Schreibtisch statt, wo keine bis kaum Kalorien verbrannt werden – jedoch dominieren Kohlenhydrate nach wie vor zu einem großen Anteil unsere tägliche Ernährung, was die Entwicklung einer chronischen Entzündung besonders fördert – das ständige Zuviel.

 

Anti-entzündliche Ernährung: Profitieren Sie auf allen Ebenen

Erst gravierende Erkrankungen und Ereignisse wie Multiple Sklerose lassen uns aufhorchen und führen oft zu einem Wendepunkt im Leben: Lassen Sie es gar nicht erst so weit kommen!

Sich gesund zu ernähren heißt nicht, sich selbst zu kasteien, zu verzichten oder strikte Pläne einzuhalten. Es bedeutet, Neues kennenzulernen, alte Wege zu verlassen und sich jeden Tag fitter, gesünder und leistungsfähiger zu fühlen statt immer müde, abgeschlagen und energielos. Sie können dabei Schritt für Schritt etwas an Ihrer Ernährung ändern, statt zu versuchen, von heute auf morgen alles auf den Kopf zu stellen. Eine gesunde Ernährung ist vor allem anti-entzündlich und abwechslungsreich– das Gegenteil der Western Diet, die pro-entzündlich wirkt.

 

Was ist eine antientzündliche Ernährung?

Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten. Eine pro-entzündliche Ernährung ist einer der Hauptauslöser für eine chronisch-schwelende Entzündung in unserem Körper, die stille Entzündung (silent inflammation).

Die folgende Tabelle stellt Ihnen wichtige anti- und pro-entzündliche Nahrungsmittelgruppen vor:

Anti-entzündliche Nahrungsmittel und pro-entzündliche Nahrungsmittel

 

Anti-entzündliche Ernährung Pro-entzündliche Ernährung
Olivenöl, Walnussöl, Leinöl, Hanfölfrittierte Lebensmittel, Margarine, Sonnenblumenöl, Schweineschmalz, Sojaöl, Maiskernöl
Obst (zuckerarme Sorten bevorzugen): Beeren, Zitrusfrüchte, Äpfel
Gemüse, mindestens „5 am Tag“: grüne Blattgemüse, Brokkoli, Spinat, Kohlsorten, Topinambur, alle Salate, Wildkräuter
Fast Food, Fertigprodukte, Süßig-keiten, industriell gefertigte Snacks, Konservenobst und -gemüse, Tomatenprodukte
Vollkornprodukte: Getreideprodukte aus dem vollen Korn inklusive aller BallaststoffeProdukte aus Auszugsmehlen („Weiß“), Weizen
Hülsenfrüchte: Linsen, Kichererbsen, Bohnen, Tofu
Eier: moderater Konsum (mind. Bio-Freiland-Haltung)
Wurstwaren, viele Milchprodukte (v.a. Hartkäse)
fetter Seefisch: Lachs, Makrele, SardinenSchweinefleisch, Geräuchertes, Meeresfrüchte
frische Kräuter, antientzündliche Gewürze wie Chili, Kurkuma, Ingwer
Sulfide: Knoblauch, Zwiebeln, Meerrettich
sehr salzreich
Getränke und Tee: Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees, grüner TeeSoftdrinks, häufiger Alkoholkonsum, Milchmixgetränke
Nüsse und Saaten: Walnüsse, Leinsamen, Pinienkerne, Kürbiskerne, MacadamianüsseErdnüsse, gesalzene und aromatisierte „Knabbernüsse“
Probiotika: Kefir, Joghurt, milchsauer eingelegte Gemüse, Misopaste

Weitere Eckpunkte einer gesunden Ernährung sind:

  • Flexitarismus: Insgesamt sollte Ihre Ernährung vorwiegend pflanzenbasiert ausgerichtet sein – Fleisch, Fisch und Milchprodukte sind in Maßen zu genießen, dafür in hochwertiger Qualität. Auf Hartkäse wie Parmesan, Emmentaler, Pecorino etc. sollten Sie wegen des hohen Histamingehalts verzichten.
  • Mittelmeer-Diät: Gute Orientierung bei einer anti-entzündlichen Ernährung bietet die mediterrane Ernährung – Menschen, die sich traditionell nach der Mittelmeerdiät ernähren, leiden seltener unter der chronischen Entzündung und deren Folgen, z. B. weniger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Regional und saisonal: Produkte aus der Region, die keinen weiten Anreiseweg hatten, sind frischer und oft nährstoffreicher. Viele Superfoods haben einheimische „Verwandte“ wie z. B. Leinsamen (statt Chiasamen) oder Hagebutten (statt Goji-Beeren).
  • Biologisch angebaut sind in den Lebensmitteln wesentlich mehr Mikronährstoffe enthalten als in Gemüse aus Monokulturen und Massenproduktion. Auch die Transport- und Lagerzeiten sind wesentlich kürzer, was den Mikronährstoffgehalt zusätzlich Darüber hinaus wird bei der biologischen Landwirtschaft auf schädliche Spritz- und Düngemittel verzichtet.
  • Wenn die Lebensmittel möglichst roh oder schonend gedünstet verzehrt werden, bleiben die hitzeempfindlichen Inhaltsstoffe erhalten und haben eine positive Wirkung auf unseren Organismus.
  • Die verschiedenen Lebensmittelgruppen wie Obst, Gemüse, Kräuter, Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte, Getreide und – wer das möchte – in geringem Maß tierische Produkte (ebenfalls aus biologischer Erzeugung) sollten so wenige Verarbeitungsstufen wie möglich durchlaufen und idealerweise täglich in den Speiseplan integriert werden.
  • Gesunde Fette: Fett reduzieren ist passé, viel wichtiger ist, die richtigen Fette aufzunehmen: Die optimalen Quellen sind kaltgepresste, hochwertige Öle. Dabei sollte der Anteil der Omega-3-Fettsäuren möglichst hoch sein, da sie im Gegensatz zu den Omega-6-Fettsäuren entzündungs- und schmerzhemmend wirken.
  • Kohlenhydrate reduzieren: Essen Sie insgesamt weniger Kohlenhydrate, also weniger weißes Brot, weniger weiße Nudeln und Reis. Zu viele dieser getreidehaltigen Sattmacher fördern Entzündungen und stören das Gleichgewicht der Botenstoffe.
  • Vegetarismus und Veganismus sind Ernährungsformen, die sehr gesund und ausgewogen sein können, aber nicht automatisch sind: Wenn viele oben genannte Nahrungsmittel integriert werden und auf ausreichend Mikronährstoffzufuhr geachtet wird, sind diese Ernährungsformen durchaus gesundheitsfördernd. Allerdings hat auch der vegane Trend viele Fertigprodukte auf den Markt gebracht, die oft mit einer gesunden Ernährung nichts mehr gemeinsam haben. Achten Sie also weniger auf ein „Label“, sondern auf Ausgewogenheit.
  • Achtsamkeit beim Essen: Genuss, Freude und Langsamkeit gehören zu einer gesunden Ernährung genauso wie hochwertige Nahrungsmittel.
  • Fastenperioden: Intervallfasten oder Buchinger-Fasten können sinnvoll sein für einen Neustart oder ein jährliches Ritual, hier müssen Sie selbst abwägen, ob es zu Ihnen passt und welche Fastenform Ihnen gut tut.
  • In Bewegung bleiben: Zu einer gesunden Ernährung gehört Bewegung – neben vielen anderen positiven Effekten, wirkt die Verdauung angeregt und die Darmpassage gefördert.

 

So sollte Ihr Teller aussehen

Mit dieser Telleraufteilung versorgen Sie Ihren Organismus optimal mit wichtigen Mikronährstoffen und ausreichend Energie-Lieferanten (Fette, Kohlenhydrate und Eiweiß). Achten Sie also darauf, nicht nur Beilagen und Fleisch/ Fisch zu sich zu nehmen, sondern variieren Sie vor allem mit verschiedenen Gemüse- und Obstkombinationen. So gehen Sie Übergewicht aus dem Weg und vermeiden Speisen mit zu hohen Kalorienwerten.

 

Spezifische Ernährungshinweise bei Multipler Sklerose

Multiple Sklerose wird mit Entzündungsprozessen (Neuroinflammation bzw. Neurodegeneration) und Veränderungen in unserem Darm-Mikrobiom assoziiert. Menschen mit MS leiden außerdem oft in fortgeschrittenen Stadien unter Beschwerden, die eine ausreichende Aufnahme und Verstoffwechslung von gesunden Nahrungsmitteln zusätzlich erschweren: Schluckbeschwerden, Völlegefühl, fehlender Appetit und Verstopfung, aber auch Depressionen und fehlende Motivation sind häufige Begleiter, die das Risiko für eine Unter- und Fehlernährung deutlich erhöhen.

Eine Umstellung der Ernährung bei Multipler Sklerose hin zu einer Ernährung mit reichlich anti-entzündlichen Komponenten kann den Krankheitsverlauf jedoch positiv beeinflussen, andere Therapien unterstützend begleiten und häufige Symptome und Begleiterkrankungen mildern, wie z. B.:

  • Verstopfung: Da Verstopfung ein häufiges Problem ist, das durch die oft zunehmenden Bewegungseinschränkungen noch verstärkt wird, sind Ballaststoffe und andere die Darmpassage beschleunigenden Lebensmittel wichtig. Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Miso, Quark und milchsauer eingelegte Gemüse sind probiotisch und können helfen, das Darm-Mikrobiom gesund zu halten.
  • depressive Zustände: Eine antientzündliche Ernährung ist förderlich, um Depressionen vorzubeugen.11,12
  • Harnwegsinfekte: Menschen mit MS leiden häufige unter Infektionen der ableitenden Harnwege. Lebensmittel mit reichlich Senfölglykosiden (Meerrettich, Kapuzinerkresse) wirken vorbeugend und therapeutisch bei unkomplizierten Harnwegsinfekten.13

Laufende Studien untersuchen zudem die Eignung verschiedener Diäten, um in Zukunft genauere Empfehlungen zur Ernährung bei Multipler Sklerose geben zu können. Im Fokus stehen hier neben der anti-entzündlichen Ernährung therapeutisches und intermittierendes Fasten (Intervallfasten) und die ketogene Ernährung.14 Untersucht wird, wie die jeweiligen Diäten die Schubrate, Fatigue, allgemeine Lebensqualität, Blutfettwerte und das Darm-Mikrobioms beeinflussen. Allgemein gültige Aussagen können jedoch bis jetzt noch nicht getroffen werden.

 


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Anti-entzündlich kochen, das Mikrobiom gesund halten und Verdauungsprobleme lindern? Dieses Buch hilft Ihnen dabei, auch bei Multipler Sklerose wieder Freude am Kochen zu haben.


Auf zwei Punkte, die bei der Bedeutung der anti-entzündlichen Ernährung bereits vorgestellt wurden, gehen wir hier noch mal gesondert ein. Bei Multipler Sklerose scheinen die Reduktion von Kohlenhydraten und die Auswahl der richtigen Fette besonders wichtig:

 

Kohlenhydrate reduzieren und Ballaststoffe erhöhen

Häufige Zufuhr und große Mengen an Kohlenhydraten erhöhen den Blutzuckerspiegel und führen zu hohen Insulinausschüttungen und in Folge zum schnellen Blutzuckerabfall bis hin zur Unterzuckerung. Diese Hypoglykämien bedeuten für den Körper grundsätzlich Stress. Er versucht mit der Mobilisierung der Kohlenhydratspeicher den Blutzucker wieder anzuheben. Dabei wird vermehrt Cortisol gebildet und das Immunsystem aktiviert. Wenn häufig am Tag kohlenhydratreich gegessen wird, kommt es zu großen Blutzuckerschwankungen. Das hat Folgen für das Gewicht, das Immunsystem und die Entwicklung von chronischen Entzündungen.15

Ziel sollte es sein, die Blutzucker- und Insulinspiegel möglichst niedrig und konstant zu halten, um Gewichtsprobleme und chronische Entzündungen zu vermeiden.

Das ist möglich durch die Auswahl von Lebensmitteln mit einer geringen Blutzuckerwirkung in Kombination mit guten Ballaststoff-, Eiweiß- und Fettquellen. Kohlenhydratreiche Zwischenmahlzeiten wie Brotmahlzeiten, Süßigkeiten, Kuchen, aber auch reife Bananen, süße Trauben oder gesüßte Getränke lassen den Insulinspiegel stark ansteigen und sollten eher vermieden werden.

Nicht nur eiweißreiche Lebensmittel sättigen gut und liefern wichtige Nährstoffe, auch Ballaststoffe gehören zu einer anti-entzündlichen Ernährung. Sie wirken verdauungsfördernd, stärken die Darmflora und das darm-assoziierte Immunsystem und unterstützen die Bindung und Ausleitung von toxischen Substanzen im Darm.

 

Hochwertige Fette aufnehmen

Entscheidend ist die Qualität der Fette, die Sie zu sich nehmen. Besonders wichtig sind die ungesättigten, pflanzlichen Fette. Einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren wirken zellstabilisierend, cholesterinsenkend, und tragen zum Schutz der Blutgefäße bei.

Eine besondere Gruppe bilden die in fettreichen Fischen vorkommenden Omega-3-Fettsäuren. Sie begünstigen die Bildung entzündungshemmender Botenstoffe und reduzieren damit pathologische Prozesse im Körper. Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung durch geeignete Lebensmittel.

Hinweis

Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren

Als eine der Hauptursachen für die Entstehung stiller Entzündungen gilt ein verhältnismäßig hoher Verzehr an Omega-6-Fettsäuren, welche vor allem in Fleisch, Wurst und Milchprodukten enthalten sind. Meist findet sich gleichzeitig ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren, welche entzündungshemmende Eigenschaften besitzen. Je höher dabei das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren ist, desto höher fällt die Entzündungsneigung des Körpers aus.

Omega-3-Fettsäuren sind essenzielle Fettsäuren. Sie müssen also über die Nahrung aufgenommen werden, da unser Körper sie nicht selbst herstellen kann. Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sollten in einem ausgeglichenen Verhältnis im Körper vorhanden sein, mindestens aber in einem Verhältnis von 1:3. Omega-3-Fettsäuren kommen in pflanzlichen und maritimen Quellen vor.

Omega-3-Fettsäuren aus fetten Fischen sind wirksamer als die pflanzlichen Omega-3-Fettsäuren, die in Nussölen, Leinöl und Hanföl enthalten sind. Diese Öle sollten Sie niemals erhitzen und schnell verbrauchen! Sonst verändern die wertvollen Fettsäuren ihre Struktur und können dann sogar schädliche Folgen im Organismus haben.

Schluckbeschwerden bei MS

Schluckbeschwerden gehören zu den häufigen Beschwerden bei einer Multiplen Sklerose. Am Schluckvorgang selbst sind 25 Muskeln beteiligt, die bei einer MS beeinträchtigt werden können. Husten, Würgen und Verschlucken können die lästigen Folgen sein – die Freude am Essen und eine ausgewogene Zusammenstellung gesunder Lebensmittel wird so zusätzlich erschwert. Bei Schluckbeschwerden sollten Sie diese Punkte beachten:

  • kleine Mahlzeiten bevorzugen
  • bei Schluckstörungen Suppen, Dips und Saucen mit festen Bestandteilen kombinieren
  • Appetit anregen: Essen, was Ihnen schmeckt
  • viel trinken: mind. 2 L Wasser täglich
  • Lebensmittel mit fasriger oder krümeliger Konsistenz eher vermeiden
  • Hilfsmittel nutzen wie Schnabeltassen oder speziell geformte Löffel
  • Logopädie kann helfen, Schluckbeschwerden zu reduzieren

 

Therapie und Prävention

Jede Behandlung enthält präventive Aspekte und jede Prävention wirkt auch als Therapie. Die Grundpfeiler jeder Vorbeugung und Therapie basieren auf unserem Lebensstil: Wie ernähren Sie sich? Ist Ihr Organismus ausreichend mit Mikronährstoffen versorgt? Wieviel Bewegung ist in Ihren Alltag integriert? Rauchen Sie und wieviel Alkohol konsumieren Sie? Bestimmt Stress Ihr ganzes Leben? Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, können sich diese Basispfeiler positiv auf Ihre Gesundheit auswirken, aber auch jahrelange Risikofaktoren für viele Erkrankungen darstellen. In diesem Kapitel werden zahlreiche ganzheitliche Methoden vorgestellt, die Ihre Gesundheit und Lebensqualität stärken können – präventiv und/oder auch als Therapie.

Mikronährstoffe

Das-Wichtigste-in-Kürze

Mikronährstoffe in der Übersicht

  • Mikronährstoffe sind unentbehrliche Mikrohelfer in unserem Organismus.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit allen Mikronährstoffen bei Multipler Sklerose. Besonders im Fokus steht eine optimale antioxidative Versorgung mit Vitamin A, E, Coenzym Q10 und sekundären Pflanzenstoffen.
  • Für einen reibungslosen Homocystein-Abbau sind B-Vitamine essentiell.
  • Anti-entzündlich und antioxidativ wirken auch Zink, Selen und Kupfer, außerdem Omega-3-Fettsäuren und Magnesium.
  • Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Eine wichtige Basis für alle Therapien wird oft bei der Beratung außer Acht gelassen: Eine gesunde, ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung. Der Körper muss mit Mikronährstoffen optimal versorgt sein, damit langfristige Folgen der Multiplen Sklerose abgemildert und Nebenwirkungen der Medikamente reduziert werden können.

 

Mikronährstoffe – was ist das?

Zu den Mikronährstoffen gehören in erster Linie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die einen wichtigen Teil dazu beitragen, damit unser Organismus funktioniert. Im weiteren Sinne lassen sich auch essentielle Fettsäuren, Aminosäuren, sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme hinzuzählen. Makronährstoffe wie Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette sind unsere Energielieferanten, während die Mikronährstoffe an Prozessen wie z. B. Blutgerinnung, Immunabwehr und Knochengesundheit beteiligt sind. Einige Mikronährstoffe kann unser Körper selbst herstellen, die meisten jedoch müssen mit der Nahrung aufgenommen werden.

 

Der menschliche Organismus – ein Blick in die Zellen

Der Mensch besteht aus über 70 Billionen Zellen. Diese können alle nur optimal funktionieren, wenn sie mit Vitaminen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen versorgt sind. Es gibt nahezu keinen Stoffwechselschritt, an dem nicht mehrere Mikronährstoffe beteiligt sind. Dazu zählen unter anderem die:

  • Aktivierung von Enzymen und Hormonen (Stoffwechselaktivität)
  • Abwehrleistung des Immunsystems (Immunstoffwechsel)
  • Energieproduktion in den Kraftwerken unserer Zellen, den sogenannten Mitochondrien (Energiestoffwechsel)
  • Leistungsfähigkeit des Herzmuskels (Herzkraft und -rhythmus)
  • Kontraktion der Skelettmuskulatur (Muskelkraft und -koordination)
  • Impulsübertragung und der Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen (Nerven- und Gehirnstoffwechsel)

 

Für alle Stoffwechselreaktionen im Körper sind Enzyme notwendig, sie wirken wie ein Katalysator. Enzyme können ihren Aufgaben jedoch nur mithilfe von Mikronährstoffen nachkommen. Je besser der Körper mit Nährstoffen versorgt ist, desto besser funktioniert der gesamte Organismus. Ein Mikronährstoffmangel kann sich also negativ auf den Stoffwechsel und das Immunsystem auswirken. Um Ihre Gesundheit zu schützen und Ihre weiteren Therapien zu unterstützen, sollten Sie also auf Ihren Mikronährstoffhaushalt achten.

 

Gehören Sie auch zu den Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen?

Egal ob Schmerzmittel, Blutdrucksenker, Cholesterinsenker oder die Antibabypille. Schon ein einzelnes Medikament kann unsere optimale Versorgung mit Mikronährstoffen ungünstig beeinflussen. Je mehr Medikamente gleichzeitig eingenommen werden, desto intensiver wird in den Mikronährstoffhaushalt eingegriffen, was Wechselwirkungen der Arzneimittel untereinander sowie das Auftreten von Nebenwirkungen erhöht. Hierdurch kann nicht nur die Wirkung des Medikaments negativ beeinflusst werden, sondern auch die Funktion der Mikronährstoffe. Welche Medikamente welche Nebenwirkungen bei Multipler Sklerose haben können, führen wir weiter unten noch genauer aus.

 

Welche Lebensphasen führen noch zu einem erhöhten Mikronährstoff-Bedarf?

Aber nicht nur die regelmäßige Einnahme von Medikamenten führt zu einem erhöhten Mikronährstoffbedarf. Es gibt bestimmte Lebensphasen und Umstände, die ein erhöhtes Risiko für einen Nährstoffmangel aufweisen:

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangere und Stillende
  • ältere Menschen
  • Menschen mit Magen-Darm-Störungen
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen

 

Diesen erhöhten Bedarf zu decken ist nicht immer einfach. Trotz des reichhaltigen Angebotes an verschiedenen Lebensmitteln verringern verschiedene Faktoren den Mikronährstoffgehalt in Lebensmitteln:

  • nicht ausgereiftes Obst und Gemüse
  • größere Erträge in der Landwirtschaft
  • Einsatz von Pestiziden

 

Es ist wichtig, die Ernährung mit einer breiten und möglichst natürlichen Basis an allen Vitaminen, Spurenelementen sowie sekundären Pflanzenstoffen zu optimieren.

 

Mikronährstoffkonzentrat als Grundlage

Gut versorgt sind Sie mit moderaten Mikronährstoffmischungen – von einzelnen hochdosierten Mikronährstoffen raten wir ohne Absprache mit Ihrem Arzt und vorherigen Untersuchungen ab.

Das Angebot an Mikronährstoffpräparaten ist groß und unübersichtlich. Entscheidend beim präventiven Ansatz ist die natürliche Vielfalt. Das ideale Mikronährstoffpräparat ist auf natürlicher Basis produziert, enthält neben allen klassischen Mikronährstoffen auch sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme, ist flüssig, glutenfrei und vegan. Die Bioverfügbarkeit sollte wissenschaftlich belegt sein, und es sollte keine künstlichen Aroma- oder Konservierungsstoffe enthalten.

 

Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Mikronährstoffe im Fokus bei Multipler Sklerose

Antioxidantien

Bei Entzündungs- und Autoimmunprozessen kommt es verstärkt zur Bildung freier Radikale, deren destruktiver Effekt durch eine optimale Versorgung mit Antioxidantien abgefangen werden kann. Auch Multiple Sklerose ist eine entzündliche Erkrankung – Wissenschaftler vermuten, dass während eines Schubs der oxidative Stress besonders hoch im Körper ist und als Katalysator bei der Zerstörung der Nervenscheidenhüllen (axonale Schädigung und Demyelinisierung) wirkt.16 Oxidativen Stress mit einer optimalen antioxidativen Versorgung in Kombination mit weiteren Mikronährstoffen unter Kontrolle zu halten, ist grundlegende Therapiebasis für einen milderen Verlauf der Multiplen Sklerose.17

Hinweis

Oxidativer Stress

Unser Körper bildet bei vielen Reaktionen freie Radikale (z. B. in der Zellatmung und bei Immunreaktionen), die in normalen Konzentrationen nicht schädlich sind. Erst bei einem Zuviel (chronische Entzündungen) entsteht der sog. oxidative Stress. Hält der oxidative Stress über einen längeren Zeitraum an, steigt das Risiko für eine Vielzahl an Erkrankungen an, wie MS, Alzheimer, Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen und Parkinson.

Zu den wichtigsten Antioxidantien bei Multipler Sklerose gehören die Vitamine A und E, Coenzym Q10 und sekundäre Pflanzenstoffe.

  • Vitamin A und E: Die Vitamine A und E haben wichtige immunmodulierende, antientzündliche und antioxidative Eigenschaften. Eine gute Vitamin-E-Versorgung konnte ergänzend zu einer Interferon-Beta-Therapie eine verringerte Krankheitsaktivität bewirken.18 Vitamin A unterdrückt wohl neurodegenerative und entzündliche Prozesse bei MS,19 weitere hochwertige Studien sind jedoch für konkretere Aussagen nötig.
  • Coenzym Q10 ist wichtig für die Energiesynthese in den Zellen bzw. für ein störungsfrei funktionierendes Immunsystem und gehört zu den wichtigsten Antioxidantien. Auch Coenzym Q10 reduzierte laut wissenschaftlicher Untersuchungen oxidativen Stress bei MS in Kombination mit einer Interferon-Beta-Therapie20 und milderte die MS-typische Fatigue und depressive Symptome ab.21
  • sekundäre Pflanzenstoffe: Bekannt und erforscht sind v. a. Flavonoide, Phytosterine, Polyphenole, Phytoöstrogene, Sulfide, Carotinoide und Glucosinolate. Curcumin (Kurkumawurzel),22 Resveratrol (Trauben, Rotwein) und EGCG in grünem Tee23 gehören zu Gruppe der Polyphenole, deren neuroprotektive Wirkung bereits in Bezug auf Multiple Sklerose untersucht wurde.24 Auch die Carotinoide Lutein, Zeaxanthin und das Flavonoid Quercetin haben starke antioxidative Eigenschaften.

 

Tipps

Sekundäre Pflanzenstoffe sind Alleskönner

Sekundäre Pflanzenstoffe haben für Pflanzen wichtige Effekte: Sie wehren Schädlinge ab, locken Insekten an, schützen vor UV-Licht und sind Aromabildner. Die Bedeutung dieser Stoffe für den Menschen wurde erst in den letzten Jahren zunehmend bekannt. So können zahlreiche Erkrankungen präventiv durch einen hohen Gemüse- und Obstkonsum, Getreide, Nüsse und Saaten verhindert werden. Nicht nur Atherosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall stehen ganz oben auf der Liste, auch rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose, Osteoporose, Asthma und Augenerkrankungen (Makuladegeneration).25

B-Vitamine

  • B1: Vitamin B1 wurde in einer Studie mit einer Reduktion der chronischen Fatigue bei MS assoziiert, was wohl auf seine Rolle bei der oxidativen Phosporylierung in den Mitochondrien zurückzuführen ist.26
  • B6, B9 (Folsäure) und B12: Hohe Homocystein-Plasmakonzentrationen sind ein unabhängiger Risikofaktor bei einer MS – sowohl bei einer milden, als auch bei einer progressiven Verlaufsform konnten hohe Spiegel bei Erkrankten festgestellt werden.27 Homocystein, ein neurotoxischer Metabolit, wirkt auch als Verstärker des oxidativen Stresses: Steigerung der Zellschädigung, Erhöhung der Radikalbildung und Eingriff in die Funktion der Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen). Für den Abbau von Homocystein im Blutplasma sind Vitamin B2, B6, B12 und Folsäure nötig.

 

Vitamin D

Vitamin D ist der am häufigsten untersuchte Mikronährstoff bei der Entstehung und Therapie der Multiplen Sklerose. Vitamin D (eigentlich die Vorstufe eines Hormons) wird durch Sonnenlicht in unserem Körper produziert. Menschen in Ländern, die sehr weit vom Äquator entfernt liegen, können nicht ausreichend ganzjährig mit Vitamin D versorgt werden, und es wird oft eine generelle Substitution in den Wintermonaten oder angereicherte Nahrungsmittel empfohlen.

Zahlreiche Studien sehen einen Zusammenhang zwischen der Vitamin-D-Versorgung und dem Risiko, eine Multiple Sklerose zu entwickeln. Personen, die durch genügend Sonneneinstrahlung und Vitamin D in der Nahrung adäquat versorgt waren, zeigten ein geringeres Risiko, an einer MS zu erkranken. Ist Multiple Sklerose in der Familie gehäuft, ist es also besonders sinnvoll, auf einen Vitamin-D-Spiegel im Normbereich zu achten.

Studien, die Vitamin D jedoch auch als wichtigen Faktor zur Beeinflussung des Krankheitsverlaufs darstellen, sind bis jetzt oft noch klein und zu wenig aussagekräftig. Die Cochrane-Stiftung kam 2017 nach einer Analyse mehrerer Studien zum vorläufigen Ergebnis, dass Vitamin D bei Multipler Sklerose neue Herde im Verlauf nicht verhindern konnte und von isolierten hochdosierten Gaben abzuraten sei.28 Viele Studien laufen gerade und werden in den kommenden Jahren neue, vielversprechende Ergebnisse präsentieren. Extrem hohe, isolierte Vitamin-D-Gaben können in jedem Fall gefährlich sein, da sie Hypercalcämien auslösen (und in Folge z. B. Herzrhythmusstörungen).

Ausflug in die Wissenschaft

Spurenelemente bei Multipler Sklerose: Eisen, Kupfer, Selen und Zink

Metalle sind essentielle Co-Faktoren zahlreicher Enzyme im Körper. Im Gehirn sind sie u. a. an Neurotransmittersynthese und Sauerstofftransport beteiligt. Seit Dekaden fällt in der Forschung auf, dass der Mineralstoffwechsel bei neurodegenerativen Erkrankungen gestört ist. Besonders betroffen davon sind Eisen, Kupfer, Zink und Selen.

 

Erhöhte Eisenablagerungen in der grauen Substanz führen bei MS-Patienten zu Problemen bei Denkprozessen und Gedächtnisleistungen. Liegt Eisen ungebunden vor, wirkt es als Katalysator des oxidativen Stresses toxisch. Durch hochauflösende MRTs des Gehirns wurde festgestellt, dass sich Eisen ringförmig an den Rändern der MS-Läsionen im Gehirn ablagert. Wenn solche Eisenringe nicht gefunden werden, könnte das für einen milderen Verlauf der MS sprechen. Was bedeutet das für Ihre Ernährung? Auf keinen Fall ist der Schluss zu ziehen, dass eine eisenreduzierte Ernährung oder gar eine Eisenmangelanämie bei einer MS angestrebt werden sollte. Studien zeigten bereits, dass eine gute Eisenversorgung wichtig ist für einen günstigen Verlauf der Erkrankung.29 Weder ein Eisenmangel noch eine Überdosierung durch viel rotes Fleisch und Wurstwaren oder eine isolierte Substitution sollte das Ziel sein, sondern eine Versorgung mit Eisen im Normbereich.30 Eisen wird am besten in Verbindung mit Vitamin C vom Körper aufgenommen.

Kupfermangel dagegen wurde in einen direkten Zusammenhang mit Demyelinisierung gebracht. Kupfer ist an zahlreichen Prozessen im Immunsystem beteiligt und wichtiger Faktor im antioxidativen System.

 

Der Bodengehalt an Selen scheint ebenfalls ausschlaggebend für die Inzidenz einer MS zu sein: In Gegenden mit hoher Selenkonzentration im Boden erkranken weniger Menschen an Multipler Sklerose. Selen ist aufgrund seiner großen antioxidativen, entzündungshemmenden und immunmodulierenden Kapazität eines der meistbeforschten Spurenelemente.

 

Zinkmängel sind häufig bei Autoimmunerkrankungen. Zink wird antioxidativ, antientzündlich und ist an zahlreichen Vorgängen im Körper, besonders an immunmodulatorischen Prozessen, beteiligt. Bei fortgeschrittener MS kann eine gute Zinkversorgung auch das Entstehen von Wundliegegeschwüren bei längerem Verbleiben in der gleichen Position mindern.31

Magnesium: Magnesium reguliert Muskel- und Nervenfunktionen, ist an einem stabilen Blutdruck und der Knochengesundheit beteiligt. Magnesium hat außerdem eine neuroprotektive Rolle und Mängel befeuern oxidativen Stress zusätzlich. Auch an der Aktivierung von Vitamin D und für eine optimale Funktion der Mitochondrien ist Magnesium essentiell.

 

Omega-3-Fettsäuren haben ebenfalls wichtige antientzündliche Eigenschaften (mehr zum Thema Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren im Kapitel Ernährung). Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung durch geeignete Nahrungsmittel: fetter Seefisch (Thunfisch, Lachs, Makrele) und Nussöle und Leinöl sind besonders reich an Omega-3-Fettsäuren. Erste Studien geben Hinweise darauf, dass eine gute Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren v. a. in Bezug auf depressive Symptome bei MS Basistherapie sein sollte.32

 

Hinweis

Mikronährstoffe wirken am besten im natürlichen Verbund

Um eine optimale Mikronährstoffversorgung sicherzustellen, eignen sich am besten natürliche Mikronährstoffkombinationen. Laut einer US-amerikanischen Studie wirken diese 200-mal stärker antioxidativ als isolierte künstlich hergestellte Vitamine.33 Die Kombination aus Obst, Gemüse und sekundären Pflanzenstoffen kreiert den wirksamen positiven Effekt. Durch eine bessere Versorgung mit Mikronährstoffen verbessert sich der antioxidative Status und macht die freien Radikale unschädlich, die ein treibender Faktor der Multiplen Sklerose sind.

Lebensstil

Das-Wichtigste-in-Kürze

Lebensstil in der Übersicht

  • Sport und Bewegung: Sport steigert die Lebensqualität in zahlreichen Bereichen (Fitness, Stimmung, Immunsystem, soziale Kontakte) und wird, wie bei allen anderen Menschen, auch ausdrücklich bei Multipler Sklerose empfohlen. Bei Multipler Sklerose sind Ausdauersportarten wie Schwimmen, Nordic Walking, Radfahren und Tanzen genauso wichtig wie Kraftsportarten zum Muskelaufbau.
  • Besonders wichtig bei Multipler Sklerose ist ein neuer Umgang mit Stress. Viele Entspannungstechniken können Ihnen helfen, Stressabbau zu erlernen und einen gesunden Rhythmus zu finden.
  • Positive Lebenseinstellung: Doch gerade das Annehmen der Erkrankung ist entscheidend für den Verlauf und die damit verbundene Lebensqualität. Der positive Einfluss einer bejahenden Lebenseinstellung unterstützt alle anderen Therapiemaßnahmen.
  • Schlaf und Schlafhygiene: Eine etablierte Schlafhygiene kann die bei MS häufig vorkommenden, die Lebensqualität stark einschränkenden Schlafstörungen verbessern.
  • Raucherentwöhnung: Bei Rauchern verläuft die Multiple Sklerose schwerer und schreitet schneller voran als bei Nichtrauchern. Ein Rauchstopp ist in jedem Stadium der MS ratsam.

Sport und Bewegung bei Multipler Sklerose

Sport und Bewegung fördern die körperliche und geistige Gesundheit: Sport macht im Idealfall Spaß und dient auch als Ventil im Alltag, um Stress abzubauen. Wenn unser Körper unbeweglich wird, können kognitive Störungen entstehen wie Depressionen und Konzentrationsstörungen. Auch soziale Begegnungen werden durch eine eingeschränkte Beweglichkeit reduziert. Studien belegen klar, was Sie selbst spüren: Sport steigert die Lebensqualität in zahlreichen Bereichen (Fitness, Stimmung, Immunsystem, soziale Kontakte) und wird, wie allen anderen Menschen, auch ausdrücklich bei Multipler Sklerose empfohlen.34

Neben Physiotherapie ist jede körperliche Betätigung, auch im Alltag, für Sie ein Zugewinn: Gehgeschwindigkeit, Muskelmasse- und kraft, Gleichgewicht, Koordination, Haltung, Selbstbewusstsein und Erfolgserlebnisse und nicht zuletzt Ihr Energiestoffwechsel werden durch körperliche Aktivität gesteigert und verbessert.

Bei Multipler Sklerose sind Ausdauersportarten wie Schwimmen, Nordic Walking, Radfahren und Tanzen genauso wichtig wie Kraftsportarten zum Muskelaufbau. In weit fortgeschrittenem Stadium sind Training auf dem Heimtrainer oder leichte Wassergymnastik gute Optionen, um die Beweglichkeit und Lebensqualität weiter aufrechtzuerhalten.

Hinweis

Darauf sollten Sie beim Sport achten

  • Beginnen Sie langsam und schonen Sie Ihre Energieressourcen. Behalten Sie Ihre Kräfte immer im Blick und achten Sie auf Ermüdungserscheinungen.
  • Nicht von 0 auf 100: Erst die Häufigkeit und Dauer steigern, dann die Intensität Ihres Trainings.
  • Mit Begleitperson oder in der Gruppe: Achten Sie besonders zu Beginn darauf, dass Sie Ihr Training jederzeit unterbrechen können.
  • An Kühlung denken: Trinken Sie ausreichend und meiden Sie Aktivitäten in der prallen Sonne, tragen Sie angemessene Kleidung.

Wichtig ist, die Sportart nach Alter, Stadium der Erkrankung und natürlich Ihrer persönlichen Präferenz auszuwählen; Ärzte und Physiotherapeuten können Sie bei der richtigen Auswahl beraten. Vor allem Sportgruppen sind eine gute Möglichkeit, in einem sozialen Rahmen fit und beweglich zu bleiben, und wer nicht gerne allein Sport treibt: Gruppen motivieren.


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Regelmäßiger Sport ist in jeder Lebensphase ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesundheit, egal ob jung oder alt. Doch vor allem in den kalten und regnerischen Jahreszeiten fällt es uns schwer, unter freiem Himmel zu walken, zu joggen oder Rad zu fahren. Eine einfache und gleichzeitig gelenkschonende Alternative bietet ein Mini-Trampolin in den eigenen vier Wänden. Dabei sind Sie völlig autark von Regen oder Kälte und können jederzeit eine kurze Sportsession einlegen. Wir empfehlen Ihnen: 


 

Stress reduzieren – Entspannung und Achtsamkeit erlernen

Stress ist ein Auslöser und Verstärker bei Multipler Sklerose. Viele Menschen, vielleicht auch Sie, haben einen hoch verdichteten Alltag: Arbeit, Familie, Freizeitgestaltung laufen parallel und passen kaum in einen 24-Tag. Der Faktor Stress bei der Entstehung und als Schubauslöser einer Multiplen Sklerose wurde vielfach untersucht. Unterschiedliche Situationen werden von verschiedenen Menschen anders wahrgenommen: Zu hohe Ansprüche an sich selbst, Perfektionismus und Versagensängste lösen viel schneller negativen Stress aus als eine freundliche, geduldige, ja auch vergebende Haltung zu sich selbst und der Welt.

 

Stress im Alltag konkret begegnen

Hilfreich sind beispielsweise fest eingeplante Termine im Kalender, die der eigenen Regeneration dienen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der „Termin“ mit einem Hobby, einem ausgedehnten Spaziergang, Treffen mit Freunden oder einfach dem Nichtstun gefüllt wird. Jeder Mensch baut auf andere Weise Stress ab: Manche durch Aktivität und soziales Miteinander, z. B. Bewegung und Kontakt, andere durch körperliches und mentales Ruhen.

Ebenso empfehlenswert sind kleine Alltagsrituale, die uns am besten mehrmals täglich aus dem Hamsterrad aussteigen lassen. Beispiele hierzu sind die morgendliche Dusche mit der Lieblingsseife, die Viertelstunde am Nachmittag, die ausschließlich einer Tasse Tee gewidmet wird, während die Kinder oder das Handy Pause haben, die Runde um den Block bei jedem Wetter oder mehrmals am Tag kurze Pausen, in denen alles liegen bleibt und wir uns ausgiebig strecken und dehnen, mehrere Male tief atmen und erst dann wieder die nächste Aufgabe unsere Aufmerksamkeit erhält.

Tipps

Atemübungen

Unsere Atmung können wir gezielt beeinflussen und auch therapeutisch zum Stressabbau nutzen.35 Bei Stress ist die Atmung meist flach und schnell, statt die möglichen 6 Liter (!) Atemvolumen voll auszuschöpfen. Atemübungen, wie sie auch Teil der Yogapraxis sind, können Sie selbst einfach und regelmäßig durchführen:

  • Wechselatmen: ein Nasenloch beim Einatmen zuhalten, beim Ausatmen das andere; ruhig und gleichmäßig atmen, beliebig lang wiederholen (mind. 10x).
  • Bauchatmung: Legen Sie sich hin und konzentrieren Sie sich ganz auf Ihre Atmung. Die ersten Atemzüge können nur beobachtend ohne Beeinflussung sein: Wie atme ich? Dann legen Sie die Hände auf den Bauch und atmen jetzt tief und bewusst gegen die Hände ein und wieder aus. Wiederholen Sie diese Übung beliebig oft (mind. 10x).

Entspannungstechniken

Entspannungstechniken können Ihnen helfen, regelmäßige Auszeiten für sich selbst zu schaffen, eine positivere Haltung zu entwickeln, die Stress-Resilienz zu erhöhen, und gezielt Anspannung und Entspannung für Körper und Geist zu trainieren. Oft sind auch meditative Elemente integriert. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass Programme zur Stressreduzierung neue Läsionen im Gehirn im MRT bei Patienten mit schubförmiger MS verhindern konnten.36,37

Gut geeignete Techniken sind:

 

  • Meditation

Meditation (lat. meditari = nachdenken, nachsinnen, die Mitte finden) ist eine spirituelle Praxis, die in vielen Religionen und Kulturen bekannt ist. Verschiedene Wahrnehmungs-, Achtsamkeits- und Konzentrationsübungen helfen, den Geist zur Ruhe kommen zu lassen, die eigene Mitte wieder zu spüren und Kraftressourcen in sich zu entdecken. Es wird unterschieden in passive und aktive Meditationstechniken. Zu den passiven Varianten zählen die Kontemplation, Stille und Schweigen, Achtsamkeitsübungen und transzendentale Meditation. Aktive Techniken sind z. B. Yoga, Geh-Meditationen, Mantra- oder Gebetrezitationen, Tanz und Musizieren mit Rhythmusinstrumenten. Die positiven Effekte von Meditation auf Betroffene mit Multipler Sklerose konnten in zahlreichen Studien nachgewiesen werden, v. a. in Bezug auf Schmerzreduktion, antidepressive Effekte und insgesamt verbesserte Lebensqualität.38,39

 

  • Yoga

Der Begriff Yoga stammt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie „Vereinigung, Integration“ als auch „Anspannen“. Der Ursprung des Yoga liegt in Indien und ist eine philosophische Lehre, die eine Vielzahl geistiger und körperlicher Übungen bzw. Praktiken, Atemübungen und Meditationstechniken umfasst. Ziel ist es Körper und Seele auf dem Weg der Selbsterkenntnis wieder in Einklang zu bringen. Yoga hat bei uns im Westen weite Verbreitung gefunden, da das regelmäßige Praktizieren nachweislich einige positive Effekte sowohl auf die körperliche als auch auf die psychische Gesundheit hat,40 gerade auch bei Multipler Sklerose.

Gleichgewicht, Kraft, Müdigkeit und Wohlbefinden können durch regelmäßige Praxis verbessert werden, besonders morgens profitieren viele Menschen mit Multipler Sklerose von der Yogapraxis, um besser in den Tag zu starten. Ein Review konnte zeigen, dass besonders Hatha Yoga (Teil der traditionellen indischen Heilkunde Ayurveda) geeignet ist, Angespanntheit, Fatigue und Schmerzen zu reduzieren.41 Yoga kann nach Erlernen der Grundpraxis überall und unkompliziert in Gruppen oder individuell praktiziert werden.

 


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  • Autogenes Training

Das Autogene Training ist ein Entspannungsverfahren, das von einem Psychiater bereits vor fast 100 Jahren entwickelt wurde. Es geht darum, die Fähigkeit der Selbstentspannung zu entwickeln, die sich mittels autosuggestiver (sich selbst beeinflussender) Übungen verbessern soll. Über bewusste Konzentration auf die Wahrnehmung des eigenen Körpers wird ein Zustand tiefer innerer Entspannung, Ruhe und Ausgeglichenheit erzeugt. Regelmäßig angewendet, kann das Autogene Training insbesondere stressbedingte Beschwerden lindern oder sogar dauerhaft beheben.42

Autogenes Training kann Sie dabei unterstützen mit den psychischen und physischen Belastungen der Multiplen Sklerose besser zurecht zu kommen: Ziel ist es, innere Blockaden zu lösen und durch eine größere Gelassenheit dauerhafte negative Anspannung zu reduzieren. Autogenes Training erlernen Sie am besten mit einem geschulten Arzt oder Therapeuten, da das vegetative Nervensystem erheblich beeinflusst werden kann.

 

Positive Lebenseinstellung

Forscher haben festgestellt, dass sich eine positive optimistische Lebenseinstellung in vielfacher Hinsicht positiv auf die Gesundheit auswirkt – Gedanken und Gefühle haben direkten Einfluss auf unser Immunsystem.

Eine positive Haltung dem Leben gegenüber verändert nicht augenblicklich unsere Umstände und Beschwerden. Wer jedoch durch den Tag geht und seinen Blick auf all die vielen Momente richtet, die Schönes mit sich bringen, auf die netten Begegnungen, die guten Gespräche oder auf den freien Parkplatz vor dem Geschäft, verändert mit der Zeit seine Perspektive und nimmt immer mehr von dem wahr, was uns dankbar sein lässt.

Um zu lernen, die eigene Wahrnehmung auf all das Gute zu richten, das uns trotz allem Unwohlsein, trotz aller Widrigkeiten und Sorgen jeden Tag widerfährt, ist es hilfreich, ein Dankbarkeitstagebuch zu führen. Das Schreiben lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das, wofür wir dankbar sind. Widmen wir uns dem Tagebuch am Abend vor dem Schlafengehen, ist es zugleich ein schönes Ritual, das uns den Tag mit positiven Gefühlen beschließen lässt und unsere Gedanken zur Ruhe bringt.

Viele Menschen verlieren mit der Diagnose MS anfangs oft den Lebensmut. Nicht nur physische Veränderungen des Körpers müssen bewältigt werden, sondern auch die mentale Belastung ist groß. Doch gerade das Annehmen der Erkrankung ist entscheidend für den Verlauf und die damit verbundene Lebensqualität. Der positive Einfluss einer bejahenden Lebenseinstellung unterstützt alle anderen Therapiemaßnahmen. Niemand muss vorschnell seine individuellen Lebensziele wie Berufswahl oder Familienplanung aufgeben, nur die Wege dorthin müssen vielleicht anders aussehen. Auch mit Multipler Sklerose ist ein erfülltes Leben möglich.

 


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Schlaf & Schlafhygiene

Im Schlaf erholt und regeneriert sich der Körper, die Zellerneuerung läuft auf Hochtouren, der Geist kommt zur Ruhe, wir verarbeiten die Erlebnisse des Tags und nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird während der Nacht das Yin gestärkt. Ein chronischer Schlafmangel verursacht im Körper ähnliche Beschwerden wie langanhaltender Stress, da der Körper vermehrt Stresshormone ausschüttet.

Schlafbeschwerden sind häufig die Folge von Stress, Sorgen, Überarbeitung und Anstauung von emotionalem Ballast. 75 % aller MS-Patienten leiden unter Schlafstörungen, welche die Grundlage für die Entstehung der MS-Fatigue bilden. Bei vielen MS-Patienten wird der Schlaf zusätzlich oft durch Blasenstörungen, Restless-Legs-Syndrom oder Schmerzen durch spastische Bewegungsstörungen verursacht. Schlafstörungen reduzieren die Lebensqualität erheblich.

Guter Schlaf ist einer der größten Antioxidantien – bei permanent schlechter Schlafqualität und/oder zu wenig Schlaf entstehen gravierende Folgen für den ganzen Organismus. Eine etablierte Schlafhygiene kann nachgewiesen Ein- und Durchschlafstörungen verbessern.

 

Tipps

Allgemeine Tipps für einen guten Schlaf

  • morgens eine ausgiebige Lichtdusche, auch tagsüber viel Tageslicht tanken, um den Melatoninspiegel auf natürliche Weise zu regeln
  • ab dem Nachmittag keine koffeinhaltigen Getränke mehr wie Kaffee oder Colagetränke (bei Hyperthyreose sollten der Konsum insgesamt sehr moderat gehalten werden)
  • leicht verdauliche Kost am Abend
  • mäßige Bewegung am Abend wie ein gemütlicher Abendspaziergang
  • vor dem Schlafengehen Handy, Computer und Fernseher aus – das blaue Licht stört die Melatoninbildung (Schlafhormon)
  • Einschlafrituale schaffen wie ruhige Musik, eine Tasse Kräutertee, ein Buch lesen
  • störende oder kreisende Gedanken aufschreiben, um den Geist zur Ruhe zu bringen – am nächsten Tag ist noch genug Zeit, um sich damit zu beschäftigen
  • das Schlafzimmer gut lüften und abdunkeln

 


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Beruhigende Heilkräuter wie Lavendel, Melisse und Baldrian können Sie besonders gut mit einer Teemischung in Ihr abendliches Schlafritual integrieren, mit wohltuenden ätherischen Aromaölen Ihre Schläfen sanft massieren oder ein natürliches Raumspray mit ätherischen Ölen im Schlafzimmer nutzen.  


 

Raucherentwöhnung bei Multipler Sklerose

Nicht nur Lungenkrebs und Atherosklerose: Bei Rauchern verläuft die Multiple Sklerose schwerer und schreitet schneller voran als bei Nichtrauchern.43 Der Rauchstopp ist in jedem Stadium der MS ratsam, wie eine Studie zeigte: Die Gruppen, die mit dem Rauchen aufhörten, reduzierten das Risiko der Entwicklung von schweren Behinderungen durch die MS.44

Tipps

Tipps zur Raucherentwöhnung

Wenn Sie sich entscheiden sollten, mit dem Rauchen aufzuhören, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, diesen Vorsatz zu unterstützen:

  • medikamentengestützt durch Nikotinpflaster oder Nikotinkaugummis
  • Akupunktur, v. a. Ohrakupunktur, um die Entzugssymptome zu mildern und den Wunsch nach Nikotin abzuschwächen
  • Hypnose, um evtl. Verhaltensweisen, die im Unterbewusstsein schlummern, zu finden. Diese Behandlung muss meist nach ½ – 1 Jahr wiederholt werden.
  • Verhaltenstherapie, um herauszufinden, weshalb Sie rauchen

 

Sie können Ihre Raucherentwöhnung noch unterstützen, indem Sie alle Rauchertreffpunkte meiden und sämtliche Rauchutensilien wegwerfen. Am wichtigsten ist jedoch Ihr eigener Wille, wenn Sie mit dem Rauchen dauerhaft aufhören wollen.


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Konventionelle Therapie

Das-Wichtigste-in-Kürze

Konventionelle Therapie in der Übersicht

  • Häufig kommen kortisonhaltige Präparate bei akuten Schüben und Immunsuppressiva (dämpfen das Immunsystem) als Basistherapie zum Einsatz.
  • Die medikamentöse Therapie wird in First- und Second-Line-Therapie unterteilt – je nachdem, welche Medikamente (noch) Wirksamkeit zeigen. Die immunsuppressiven und immunmodulierenden Medikamente haben teilweise gravierende Nebenwirkungen.
  • Symptomatisch werden häufig Antidepressiva und Muskelrelaxantien verabreicht.

Die medikamentöse MS-Therapie basiert auf drei Säulen:

  • Schubtherapie
  • verlaufsmodifizierende Therapie
  • symptomatische Therapie

 

Schubtherapie

Ein akuter Schub wird durch Entzündungsherde im Gehirn oder Rückenmark ausgelöst, die Erkrankung „flammt auf“. Klassisch werden bei Entzündungen kortisonhaltige Präparate angewendet – bei sehr starken Schüben bei MS auch als Infusion.

Wenn diese Therapie keine Erfolge mehr erzielt, kann auch eine Blutwäsche/Plasmapherese (ähnlich der Dialyse bei Nierenerkrankungen) bei sehr schweren, akuten Schüben zum Einsatz kommen, die bei ca. 50 % der Erkrankten eine Erleichterung der Symptome bringt.

 

Verlaufsmodifizierende Therapie (Immunmodulation und Immunsuppression)

In der verlaufsmodifizierenden Therapie wird zwischen „first line“ und „second line“ unterschieden – nur wenn die medikamentöse Therapie der first line nicht mehr wirkt, wird zur second line übergegangen. Wir geben einen Überblick über die Medikamente bei Multipler Sklerose, ihre Wirkungen und Nebenwirkungen.

 

First-line-Therapie

In der First-line-Therapie kommen Medikamente zum Einsatz, die in Tablettenform oder als Injektion unter die Haut verabreicht werden und wie folgt wirken:

  • Reduktion der Entzündungszellen
  • Hemmung mitochondrialer Enzyme
  • Unterdrückung körpereigener Immunreaktionen

 

Nebenwirkungen:

  • grippeähnliche Symptome
  • Hautirritationen an der Stichstelle bei Injektionen
  • Schäden an Leber und Niere
  • Beeinträchtigung der Knochenmarksfunktion
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Immunschwäche mit erhöhter Gefahr für Infektionen
  • Entwicklung einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML)

 

Second-line-Therapie

Auch die Second-line-Therapeutika werden über Infusionen oder als Tabletten verabreicht. Sie wirken u. a. so:

  • blockieren spezifische Moleküle auf der Leukozyten-Oberfläche
  • verhindern Auswanderung der Entzündungszellen aus den Lymphknoten
  • richten sich gegen B- und T-Lymphozyten
  • hemmen aktivierte T-Lymphozyten
  • Apoptose B- und T-Lymphozyten
  • zytotoxisch, immunsupprimierend

Nebenwirkungen:

  • Entwicklung einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML)
  • erhöhtes Infektionsrisiko
  • Herzrhythmusstörungen
  • Makulaödeme
  • Basaliome
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • schwere Leberschäden wie akutes Leberversagen
  • Hirnhautentzündungen
  • Absinken der Lymphozytenzahl
  • Gürtelrose
  • Herpes labialis
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Unterdrückung der Blutbildung im Knochenmark
  • Unfruchtbarkeit
  • Blutkrebs

 

Symptomatische Therapie mit Medikamenten

Weitere Medikamente wie Muskelrelaxantien oder Botulinumtoxin kommen besonders in der symptomatischen Therapie von Spastiken zum Einsatz. Depressionen können mit Antidepressiva behandelt werden.

Begleitende Therapien, die Schluck- und Sprechstörungen, Blasenfunktionsstörungen, Depressionen, Zittern, Fatigue und Schmerzen lindern, finden Sie im folgenden Kapitel „Ganzheitliche Therapie“.

Ganzheitliche Therapie

Das-Wichtigste-in-Kürze

Ganzheitliche Therapie in der Übersicht

  • Entsäuerung und Entgiftung: Entsäuerung und Entgiftung sollten die Grundlage jeder Therapie bei Multipler Sklerose darstellen.
  • Pflanzenheilkunde: Verschiedene Heilpflanzen können besonders bei Schlafstörungen und Erschöpfung helfen, einige sogar die Entzündungsaktivität beeinflussen: Weihrauch, Ginseng, Schafgarbe, Baldrian und Lavendel.
  • Darmgesundheit: Die entzündlichen Prozesse bei einer Multiplen Sklerose beginnen u. a. im Darm – integrieren Sie möglichst viele fermentierte Produkte und Ballaststoffe in Ihren Speiseplan.
  • Physiotherapie: fördert und verbessert die bei einer Multiplen Sklerose eingeschränkte Beweglichkeit, Schmerzen und Spastiken
  • Ergotherapie: zielt v. a. darauf ab, die Selbstständigkeit der Betroffenen bei Multipler Sklerose zu verbessern und noch vorhandene Fähigkeiten zu erhalten
  • Logopädie: unterstützt die Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen
  • Neurofeedback: Durch Neurofeedback können sowohl Verbesserungen im motorischen als auch im kognitiven Bereich bei Multipler Sklerose erzielt werden.
  • Medizinische Cannabis: Das im CBD-Öl enthaltende Cannabidiol kann die spastischen Lähmungserscheinungen und Muskelkrämpfe verbessern, Schlafstörungen und depressiven Verstimmungen entgegenwirken.
  • Psychotherapie: Hilfe und Begleitung bei Annahme der Diagnose, bei Depressionen und hoher psychischer Belastung

Entsäuerung & Entgiftung

Unser Körper verstoffwechselt alles, was wir essen und trinken, je nach Zusammensetzung der Lebensmittel, zu Säuren oder Basen. Für die Gesundheit wichtig ist eine basenüberschüssige Ernährung.

Stress in Zusammenhang mit einem übersäuerten Organismus führt zu einer Überstimulation des Sympathikus und der erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen, wodurch die Neubildung von Abwehrzellen vermindert wird. Zudem führt ein Säureüberschuss im Körper zum Abbau von Eiweißen und somit zu einer Reduzierung von Antikörpern und Immunglobulinen.

 

Ein übersäuerter Organismus ist nicht mehr in der Lage adäquat auf Infektionen zu reagieren. Zudem führen Säuren zu Gewebsschädigungen und Mikroentzündungen, zur Pufferung verbraucht der Körper Mineralstoffe aus der Nahrung und greift auch körpereigene Mineralstoffspeicher an, welche beispielsweise den Zähnen entzogen werden und diese anfälliger machen für Karies. Langfristig kann die Übersäuerung zu zahlreichen Erkrankungen, allen voran Entzündungen, der Grundlage für einen Multiple-Sklerose-Ausbruch, Stoffwechselkrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose führen.

 

Ebenso werden die enzymatischen Prozesse geschwächt, da Enzyme vor allem ein neutrales bis leicht basisches Milieu benötigen, um reibungslos zu funktionieren. Im übersäuerten Milieu können ihre vielfältigen Funktionen im Stoffwechsel, zur Zersetzung von eingedrungenen Fremdkörpern oder Keimen, als Botenstoffe oder intrazelluläre Transportmittel nicht mehr reibungslos erfüllen.

Basenbildende Kost, eine Zufuhr basenbildender Nährstoffe, Reduzierung säurebildender Nahrungsmittel, Durchführung von Basenbädern, Stressreduktion und ein ausgeglichener Mikronährstoffhaushalt sorgen langfristig für eine Harmonisierung des Säure-Basen-Haushalts und damit für eine optimale Funktion des Immunsystems.

 


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Wer sich eingehender mit den Auswirkungen von Säuren und Basen auf unseren Organismus beschäftigen und auch praktisch aktiv werden möchte, empfehlen wir diese Lektüre und ein geeignetes Basensalz: 


 

Um das Säure-Basen-Gleichgewicht wiederherzustellen und damit die Immunabwehr zu stärken, gibt es einige Grundsätze, die Sie auch bei Multipler Sklerose als Grundlage für alle Therapien beachten sollten.

  • basenüberschüssige, mikronährstoffreiche Ernährung mit viel Rohkost oder schonend gedünstetem Gemüse, Zitrusfrüchten, Kartoffeln, Mandeln, Samen, Hirse, Quinoa, Amaranth, Buchweizen, frischen Kräutern und Gewürzen
  • Sport und Bewegung, die zu einer vermehrten Atmung und damit Säureausscheidung über die Lungen führt; außerdem baut Sport Stresshormone ab, die wiederum die Säureproduktion im Organismus anregen
  • basische Körperpflege wie Bäder oder tägliche Körperwaschungen mit Wasser, dem Basensalz hinzugefügt wurde
  • Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation, Qi Gong etc., die ebenfalls Stresshormone reduzieren
  • trinken von Wasser oder Kräutertees, um Säuren über die Nieren auszuscheiden
  • ausreichend Schlaf und Ruhezeiten
  • Meiden von schädigenden Umwelteinflüssen
immunbelastende Umwelteinflüsseimmunstärkende Umwelteinflüsse
Auskühlen des KörpersWärme-Kälte-Reize wie Sauna, Wechselduschen
Schadstoffe in Lebensmitteln, in der Raumluft, AbgaseBiolebensmittel, regionale Lebensmittel
Schadstoffe in KleidungKleidung, die schadstoffgeprüft ist
Schadstoffe in der Raumluftschadstoffgeprüfte Möbel, Bodenbeläge, regelmäßig und ausgiebig Lüften, Zimmerpflanzen wie Ficus und Efeutute
ElektrosmogVermeidung von WLAN und anderen Funktechnologien, vor allem während der Schlafenszeit
metallische Substanzen (Zahnersatzmetall, Aluminium, Blei)Entgiftung und Zahnsanierung
Umweltgifte in Großstätten, von Industrieanlagenviel Zeit in der Natur verbringen, im Wald, an Flüssen oder am Meer
Medikamente (Antibiotika, Cortison, Grippemittel, Impfstoffe)natürliche und immunfördernde Heilmittel

Hinweis

Entgiftung von Schwermetallen

Manche Giftstoffe, die mit dem Ausbruch einer Multiplen Sklerose in Verbindung gebracht werden, lagern sich im Körper ab, wo sie dessen Selbstheilungsbestrebungen blockieren. Das betrifft etwa Metalle wie Quecksilber, Blei oder Aluminium. Hier kann eine Entgiftungstherapie mit Substanzen wie z. B. Glutathion, Melatonin, Zeolith, Chlorella-Alge sinnvoll sein. Auch eine Unterstützung der Ausscheidung über die Leber mit galletreibenden Mitteln (z. B. Bitterstoffe) und über die Nieren mit harntreibenden Mitteln (z. B. Brennnesseltee, Birkenblättertee) kann die Entgiftungsprozesse des Körpers sanft unterstützen.

Lassen Sie sich bei einer Entgiftung von einem erfahrenen Therapeuten begleiten, da auch Nebenwirkungen möglich sein können wie Störungen in der Darmflora usw.

Pflanzenheilkunde (Phytotherapie)

Boswellia: Eine kleine Phase-II-Studie aus Deutschland zeigte bei Probanden mit schubförmiger Multipler Sklerose nach acht Monaten Einnahme von Boswellia-Extrakt eine deutliche Reduktion der Läsions-Herde im Gehirn.45 Die Entzündungsaktivität konnte also durch Boswellia deutlich verringert werden. Die Studienautoren sehen das Potential des Weihrauchs vor allem bei Personen, die am Anfang der Erkrankung stehen und einen eher milden Verlauf zeigen.

Hinweis

Weihrauchpräparate

Bitte behandeln Sie nicht auf eigene Faust mit frei verkäuflichen Weihrauchpräparaten, sondern besprechen Sie diese Behandlungsoption mit Ihrem Arzt.

Ginseng: Ginseng zeigte in aktuellen Studien vielversprechende Ergebnisse. Die „Kraftwurzel“ aus Asien oder Amerika hatte einen erheblichen positiven Effekt auf die Studienteilnehmer, die unter chronischer Erschöpfung litten.46,47

 

Schafgarbe (Achillea millefolium): Schafgarbe enthält viele sekundäre Pflanzenstoffe wie verschiedene Flavonoide, die bereits in anderen Studien bei kognitiven Defiziten Besserung erzielten. Eine Studie aus dem Iran mit einem Achillea-Extrakt kam zum Ergebnis, dass die Rezidive und das Volumen der Läsionen durch MS-Schübe signifikant gesenkt wurden.48 Auch depressive Symptome verbesserten sich unter der Einnahme des Schafgarbe-Präparats. Zahlreiche weitere wissenschaftliche Untersuchungen sind nötig, jedoch könnte die Schafgarbe vor allem adjuvant (begleitend) zur medikamentösen Behandlung eine Option in den ersten Jahren nach Erkrankungsbeginn sein mit dem Ziel, die Dosis der Standardtherapie zu verringern.

Tipps

Heilpflanzen bei Schlafstörungen

Warme Füße, ein Fußbad am Abend, Lavendelkissen oder Einreibungen und Baldriantropfen können helfen, Ein- und Durchschlafstörungen zu verringern. Empfehlenswert sind auch immer gleiche Schlafrituale und möglichst wenig Bildschirmarbeit (blaues Licht) am Abend.

Darmgesundheit fördern

Immer deutlicher wurde in den letzten Dekaden der Forschung, welchen Einfluss unsere Darmgesundheit auf die Gesamtgesundheit unseres Organismus hat. Da etwa 70 % der Immunzellen im Darm sitzen, sind eine gesunde Darmschleimhaut und eine intakte Darmflora Grundlage jeder ursächlichen Therapie. Das Darm-Mikrobiom und entsprechend die Darm-Hirn-Achse gerieten in der Multiple-Sklerose-Forschung in den letzten Dekaden immer mehr in den Fokus.  

Aktuelle Studien fanden heraus, dass sog. IgA-B-Zellen aus dem Darm sich in MS-Läsionsherden im Gehirn anreichern und dort entzündungshemmend wirken49 – gezielte Veränderungen in der Darmflora, die für eine Mobilisierung der IgA-B-Zellen sorgen, könnten neue Ansätze für Therapien liefern. Werden die Zellen jedoch durch medikamentöse Therapien unterdrückt, wurde eine Verschlimmerung der MS festgestellt.

Auch die Gabe von Propionsäure bei MS wird derzeit erforscht, um entzündliche und regulatorische Prozesse im Immunsystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen.50 Erste Ergebnisse ergaben, dass Schübe und in Folge Behinderungen reduziert werden könnten.

Auch wenn die Forschung noch am Anfang steht, sollten Sie in jedem Fall darauf achten, darmgesunde Lebensmittel in Ihren Speiseplan zu integrieren – dazu gehören bei MS v. a. fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Kombucha, Joghurt, milchsauer eingelegte Gemüse, Kimchi und Ballaststoffe v. a. aus buntem Gemüse.

 

 


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Erfahren Sie mit diesem Buch mehr über das Superorgan Mikrobiom des Darms und wie Sie selbst Ihre Gesundheit durch eine gute Darmpflege unterstützen können.  


 

Physiotherapie

Physiotherapie will Beweglichkeit erhalten und verbessern, Fehlbelastungen erkennen und ausgleichen und Alltagsbewegungen trainieren. Bewegung beeinflusst unsere körperliche und geistige Gesundheit in großem Ausmaß. Physiotherapeutische Methoden erhalten und unterstützen gezielt Muskelmasse- und kraft, Gleichgewicht, Koordination, Haltung und das Selbstbewusstsein. Falsche Bewegungen und Fehlbelastungen auf Grund von Spastik und Krämpfen werden durch Therapeuten erkannt und z. B. durch zunächst passive Bewegungen ausgeglichen. Auch helfen Ihnen Physiotherapeuten bei der besseren Einteilung Ihrer Kräfte und erstellen Tagespläne für Übungen.

 

Ergotherapie

Ergotherapie bei Multipler Sklerose zielt darauf ab, dass Sie Ihre alltäglichen Aktivitäten zuhause und/oder am Arbeitsplatz selbstständig verrichten können: Waschen, Anziehen, Toilettengänge, Hausarbeit. Auch der Umgang mit Hilfsmitteln, die z. B. bei Behinderungen nötig werden wie Rollator oder Rollstuhl, wird in der Ergotherapie erlernt.

 

Logopädie

Logopädie unterstützt Sie, wenn Sie unter Sprech- und Schluckstörungen leiden. Fast 80 % aller MS-Patienten leiden unter einer Sprechstörung (z. B. verwaschene Sprache oder monotone Sprechmelodie). Logopäden trainieren, wie Sie Ihre Stimme erfolgreich regulieren können und Rachen- und Kehlkopfmuskeln beim Schlucken einsetzen. Die Mitteilungsfähigkeit eines Menschen durch Sprache hat entscheidenden Einfluss auf die soziale Teilhabe, das Selbstwertgefühl und die gesamte Lebensqualität.

 

Neurofeedback

Beim Neurofeedback geht es darum, Zusammenhänge zwischen der Nervenfunktion und ihren Auswirkungen sichtbar zu machen. Hierdurch kann wiederum die Symptomatik und das Verhalten beeinflusst werden. Nachdem insbesondere bei Hyperaktivitätsstörungen, wie dem AD(H)-Syndrom, positive Erfahrungen mit dem Neurofeedback gemacht wurden, wird zunehmend auch bei neurologischen Erkrankungen wie dem Parkinson-Syndrom und Multipler Sklerose geforscht. Nachdem sich bei Gesunden mittels Neurofeedback Verbesserungen der Denkleistung nachweisen ließen, werden immer mehr MS-Patienten diesbezüglich behandelt.

 

Hinweis

Wie läuft Neurofeedback ab?

Der Kopf des Patienten ist mit Elektroden versehen, mit deren Hilfe ein Elektroencephalogramm (EEG) zur Messung der Hirnströme abgeleitet werden kann. Der Untersuchte erhält eine „Rückmeldung“ (Feedback) über seine Nervenaktivitäten. Was auf den ersten Blick futuristisch anmutet, ist das Prinzip des Neurofeedbacks („Rückmeldung über die Nervenzellaktivität im Gehirn“).

Studien zur Wirkung von Neurofeedback bei Multipler Sklerose registrierten vor allem langfristig Erfolge bei einer Reduzierung der Fatigue- und Depressionssymptomatik.51

 

Medizinisches Cannabis: CBD-Öl

Seit einigen Jahren gewinnt das CBD-Öl in der begleitenden MS-Therapie allmählich an Bedeutung, wodurch vermehrt Erkenntnisse über die Auswirkungen in Kurz- und Langzeitbehandlungen gewonnen wurden.

CBD  ist die Abkürzung für nichtpsychoaktives Cannabidiol, das aus der weiblichen Hanfpflanze extrahiert wird. Im Gegensatz zu THC (Tetrahydrocannabinol), welches eine berauschende und betäubende Wirkung auf die Nervenzellen im Gehirn hat, wirkt ein hoher CBD-Anteil eher sedierend und ausgleichend. Die Gefahr einer Abhängigkeit ist nicht gegeben.

Das im CBD-Öl enthaltende Cannabidiol kann die spastischen Lähmungserscheinungen und Muskelkrämpfe positiv beeinflussen, Schlafstörungen und depressiven Verstimmungen entgegenwirken. Auch überschießende Reaktionen des Immunsystems können reduziert sowie die Häufigkeit und Heftigkeit der Schübe verringert werden.

Hinweis

CBD-Öl

Zu beachten ist, dass das CBD-Öl sehr individuell und wohlüberlegt dosiert sowie die Anzahl der Tropfen nur langsam gesteigert werden sollte, um die Reaktion des Organismus beobachten zu können. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, einen erfahrenen Therapeuten zu Rate zu ziehen.

Psychotherapie

Eine Psychotherapie kann Sie dabei unterstützen, Ihre Stärken zu erkennen und zu lernen, mit der Erkrankung umzugehen. Psychologische Unterstützung hilft Ihnen auch bei depressiven Phasen, sexuellen Störungen und Schlafstörungen und stellt Ihre Ressourcen in den Mittelpunkt, um eine realistische Lebensperspektive zu erarbeiten. Wie kann ich mein Leben trotz Einschränkungen für mich lebenswert gestalten? Was hilft gegen sozialen Rückzug? Wie begegne ich Gefühlen wie Hilflosigkeit und Kontrollverlust? Besonders geeignet sind Gesprächs- und Verhaltenstherapien.

Checkliste

Checkliste

Checkliste und Empfehlungen: Das können Sie selbst tun bei Multiple Sklerose

  • Gut informiert sein: Informieren Sie sich und Ihre Angehörigen so gut als möglich über Ihre Erkrankung; auch Selbsthilfegruppen sind wichtig für den Austausch.
  • „Richtige“ Therapeuten: Der Draht zu Ihren Therapeuten (Ärzte, Physiotherapeuten, Logopäden, Ernährungsberater, Psychotherapeuten, Heilpraktiker,…) muss stimmen. Die Beziehung zwischen Patient und Therapeut sollte auf Vertrauen und Sympathie aufbauen.
  • Anti-entzündliche Ernährung: Versuchen Sie, sich gesund, frisch, ausgewogen und antientzündlich zu ernähren: Viel buntes Obst und Gemüse, fetter Seefisch und hochwertige Öle sollten regelmäßig in die Mahlzeiten integriert werden. Sortieren Sie dagegen Schritt für Schritt die typischen Komponenten der Western Diet aus (Fastfood, Süßigkeiten, Produkte aus Auszugsmehlen, viel rotes Fleisch, etc.).
  • Darmgesundheit: Achten Sie darauf, neben anti-entzündlichen Komponenten viele fermentierte Lebensmittel und Ballaststoffe in Ihren Speiseplan zu integrieren.
  • Mikronährstoffe: Achten Sie auf Ihren Mikronährstoffhaushalt. Nur wenn alle Mikronährstoffe ausreichend im Organismus vorhanden sind, können lebenswichtige Prozesse optimal ablaufen. Bei Multipler Sklerose stehen besonders im Fokus: Vitamin D, B-Vitamine, Antioxidantien, Omega-3-Fettsäuren, Zink und Selen. Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.
  • Bewegung: Bleiben Sie beweglich! Sport und Bewegung sind generell und gerade bei Multipler Sklerose essentiell, um die Lebensqualität so lange als möglich aufrecht zu erhalten. Physikalische Therapien und Entspannungsverfahren sind ebenfalls wichtige Säulen der Multiplen Sklerose-Therapie neben den konventionellen Medikamenten.
  • Rauchstopp: Eine Raucherentwöhnung beeinflusst die Multiple Sklerose in jedem Stadium positiv.
  • Positive Lebenseinstellung: Auch wenn es zu Beginn der Diagnose schwierig erscheint, den Blick auf das Positive zu lenken: Auch mit MS kann ein erfülltes Leben möglich sein – zögern Sie nicht, sich Hilfe bei der Annahme und Bewältigung der Erkrankung zu holen. Eine positive Einstellung kann den Krankheitsverlauf erheblich beeinflussen.

Quellenangaben

1Mao P et al.: Review: Is multiple sclerosis a mitochondrial disease? Biochim Biophys Acta 2010. 1802(1): 66-79.

2Di Filippo M et al. Mitochondria and the link between neuroinflammation and neurodegeneration. J Alzheimers Dis. 20 (Suppl 2) 2010: 369-379.

3Craner, MJ et al. Molecular changes in neurons in multiple sclerosis: altered axonal expression of Nav1.2 and Nav1.6 sodium chan-nels and Na+/Ca2+ exchanger. Proc Natl Acad Sci USA 101(21): 8168-8173.

4Fournie G et al. Induction of autoimmunity through bystander effects. Lessons  from  immunological  disorders induced by heavy metals 2001. J Autoimmun. 16(3): 319-326.

5Havarinasab S et al. Gold- and silver-induced murine autoimmunity-requirement for cytokines and CD28 in murine heavy  metal-induced autoimmunity. Clin Exp Immunol 2009. 155(3): 567-576.

6Ryan Ramanujam et al: Effect of Smoking Cessation on Multiple Sclerosis Prognosis. JAMA Neurol. 2015 Oct;72(10):1117-23. doi: 10.1001/jamaneurol.2015.1788.

7Kentaro Murakami et al: Thirteen-Year Trends in Dietary Patterns among Japanese Adults in the National Health and Nutrition Survey 2003–2015: Continuous Westernization of the Japanese Diet. Nutrients. 2018 Aug; 10(8): 994. Published online 2018 Jul 30. doi: 10.3390/nu10080994

8Weygandt M et al. Stress-induced brain activity, brain atrophy, and clinical disability in Multiple Sclerosis. Proceedings of the National Academy of Sciences USA. 2016. Epub ahead of print. Nov. 7th. Doi: 10.1073/pnas.1605829113.

9Salapa HE et al. Dysfunctional RNA binding proteins and stress granules in multiple sclerosis. J Neuroimmunol. 2018;324:149–156. doi:10.1016/j.jneuroim.2018.08.015

10Kassandra L Munger et al: 25-Hydroxyvitamin D Deficiency and Risk of MS Among Women in the Finnish Maternity Cohort. Neurology. 2017 Oct 10;89(15):1578-1583. doi: 10.1212/WNL.0000000000004489. Epub 2017 Sep 13.

11N. Ocean et al. (2019): Lettuce be happy: A longitudinal UK study on the relationship between fruit and vegetable consumption and well-being. Social science and medicine, Vol 222. doi: 10.1016/j.socscimed.2018.12.017

12F. Jacka et al. (2017): SMILES’ trial, BMC Medicine. https://doi.org/10.1186/s12916-017-0791-y

13Albrecht, U. et al.: Eine randomisierte, Placebo-kontrollierte Doppelblindstudie eines pflanzlichen Arzneimittels aus Kapuzinerkresse und Meerrettich in der Prophylaxe von rezidivierenden Harnwegsinfekten, Curr Med Res Opin 23(10): 2415-2422 (2007).

14A Michalsen et al. Ketogenic diet and fasting diet as Nutritional Approaches in Multiple Sclerosis (NAMS): protocol of a randomized controlled study. Trials. 2020; 21: 3. Published online 2020 Jan 2. doi: 10.1186/s13063-019-3928-9

15Chronic inflammatory diseases are stimulated by current lifestyle: how diet, stress levels and medication prevent our body from recovering. (2012). PubMed Central (PMC). https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3372428/

16Kim Ohl et al: Oxidative Stress in Multiple Sclerosis: Central and Peripheral Mode of Action. Review Exp Neurol. 2016 Mar;277:58-67. doi: 10.1016/j.expneurol.2015.11.010. Epub 2015 Nov 26.

17Elena Fetisova et al. Mitochondria-targeted Antioxidants as a Prospective Therapeutic Strategy for Multiple Sclerosis. Curr Med Chem 2017;24(19):2086-2114. doi: 10.2174/0929867324666170316114452.

18Hadžović-Džuvo A et al. Serum total antioxidant capacity in patients with multiple sclerosis; Bosn J Basic Med Sci. 2011 Feb; 11(1): 33-6

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