Nesselsucht (Urtikaria):
Diese Rolle spielt Ihre eigene Gesundheitskompetenz

Kälte, Druck, Licht, Wasser, Schweiß, Allergien oder Infektionen – trotz vieler Auslöser führt die Nesselsucht zu einem einfach erkennbaren Krankheitsbild: gerötete und juckende Quaddeln auf der Haut. Unter Fachleuten wird diese Erkrankung als Urtikaria bezeichnet. Der Begriff Nesselsucht geht auf die Brennnessel zurück, die ebenfalls die für die Erkrankung typischen Hauterhebungen auslösen kann. Etwa jeder fünfte Deutsche bekommt es mindestens einmal in seinem Leben mit dieser Hauterkrankung zu tun. Mit diesem Beitrag wollen wir Licht in den Dschungel der verschiedenen Urtikaria-Formen bringen und aufzeigen, dass man vieles selbst tun kann, um die Symptome zu lindern.

Quaddeln und gerötete Haut sind Anzeichen für Nesselsucht

Claudia Miersch Ökotrophologin, Expertin für ernährungsabhängige Erkrankungen

Experte/Expertin:

Dr. oec. troph. Claudia Miersch

Ökotrophologin, Expertin für ernährungsabhängige Erkrankungen

Letzte Aktualisierung: 17. Mai 2021

Das-Wichtigste-in-Kürze

Fakten in der Übersicht

  • Nesselsucht – was ist das?  Urtikaria ist eine Hauterkrankung, die mit geröteter Haut, juckenden Quaddeln und teilweise mit Hautschwellungen (Angioödemen) verbunden ist. Jährlich erkranken etwas weniger als 1 % der Bevölkerung an Nesselsucht, wobei Frauen bis 40 Jahre besonders häufig betroffen sind.
  • Ursachen & Risikofaktoren: Nesselsucht kann durch ganz viele verschiedene Trigger wie Infektionen, Unverträglichkeiten, Allergien und äußere Reize ausgelöst werden.
  • Symptome: gerötete Haut mit stark juckenden Erhebungen (Quaddeln), seltener Haut- und Schleimhautschwellungen (Angioödeme)
  • Diagnose und Tests: Anamnese, Hautbild, Ausschluss von Differentialerkrankungen, Ursachenforschung, Bestimmung der Krankheitsaktivität und -kontrolle, Provokation mit auslösendem Reiz
  • Prognose und Verlauf:  akut oder chronisch, selten schwere Komplikationen; Stigmatisierung und psychische Belastung durch Juckreiz häufig sehr hoch
  • Empfohlene Ernährung: Eine anti-entzündliche Ernährung entspricht einer gesunden, vollwertigen Ernährung, die reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, fettem Fisch, Nüssen, Saaten und pflanzlichen Ölen ist.
  • Therapie und Prävention: 
    • Mikronährstoffe: Vitamin C, E, A, B6 und D sowie Selen, Zink, Kupfer, Eisen, Kalzium und Magnesium und sekundäre Pflanzenstoffe (Zwiebel, Petersilie und Schwarzkümmel)
    • Lebensstil: Sport und Entspannungstechniken, Verzicht auf Genussmittel sowie Trigger-Faktoren, Anstreben des Normalgewichts und ein Symptomtagebuch führen
    • Konventionelle Therapie: Therapie der Grunderkrankung, Medikamente, Eliminationsdiäten bei Intoleranz-Urtikaria, Meiden der Auslöser bei induzierbarer Nesselsucht
    • Ganzheitliche Therapie: Heilpflanzen (Zaubernuss, Eichenrinde, Kamille, Zistrosenkraut, Ringelblume, Schwarztee, Bittersüßstängel), Lichttherapie, Akupunktur, Heilerde, Heilfasten und Darmsanierung
  • Checkliste und Empfehlungen bei Nesselsucht: Das können Sie selbst tun

Was ist Nesselsucht?

Das-Wichtigste-in-Kürze

Nesselsucht in der Übersicht

  • Urtikaria ist eine Hauterkrankung, gekennzeichnet durch gerötete Haut und juckende Quaddeln, teilweise mit Hautschwellungen (Angioödemen).
  • Sie tritt akut oder chronisch auf und wird durch verschiedene Auslöser verursacht.
  • Man unterscheidet je nach auslösendem Faktor unterschiedliche Urtikaria-Formen (spontane Urtikaria, physikalische Urtikaria und Sonderformen).
  • Im Jahr erkranken etwa 0,1-0,8 % der Bevölkerung an Nesselsucht. Auf das gesamte Leben hochgerechnet betrifft es etwa jeden 5. einmal in seinem Leben.
  • Urtikaria kann in jedem Alter auftreten, junge Frauen bis 40 Jahre bekommen jedoch besonders häufig die Diagnose. Eine Nesselsucht bei Kindern, Jugendlichen oder Schwangeren ist nicht ungewöhnlich.
  • Verschiedene Erkrankungen, die historisch bedingt zur Nesselsucht gezählt werden oder der Urtikaria sehr stark ähneln, sind Urticaria pigmentosa (Mastozytosis), Urtikariavaskulitis und familiäre Kälteurtikaria.
  • Die Nesselsucht weist ein sehr charakteristisches Hautbild auf, jedoch kann sie auch mit anderen Hautkrankheiten wie beispielsweise Krätze, Neurodermitis, Schuppenflechte, Gürtelrose, Ringelröteln und Rosazea verwechselt werden.
  • Die Erkrankung ist nicht vererbbar oder ansteckend.

Die Nesselsucht, von Experten auch als Urtikaria bezeichnet, ist eine Hautkrankheit, die charakteristisch zu geröteter Haut und juckenden Quaddeln führt. Bei einigen Erscheinungsformen kann die Haut auch anschwellen. Dann bilden sich sogenannte Angioödeme. Sie tritt akut oder chronisch auf und es sind verschiedenste Auslöser bekannt. Die Bezeichnung Nesselsucht (urtica = lateinisch “Nessel”) geht auf die Brennnessel zurück, da sie diese kleinen Hautveränderungen ebenfalls auslösen kann. Sie ist kein modernes Phänomen, sondern bereits seit Jahrtausenden bekannt. Im Volksmund spricht man auch von Nesselfieber oder Nesselausschlag.

 

Hinweis

Formen der Urtikaria

Bei Urtikaria verliert man als Betroffener sehr leicht den Überblick, denn es gibt ganz viele verschiedene Formen, bedingt durch eine ganze Reihe an auslösenden Faktoren. Mitunter haben Patienten mehr als eine Urtikaria-Form bzw. Mischformen.

 

Spontane (bzw. nicht induzierbare) Nesselsucht: Die juckenden Quaddeln kommen zum Vorschein, ohne dass der Betroffene einen Auslöser ausmachen kann. Sie zählt zu der häufigsten Urtikaria-Form – etwa 80 % der Patienten sind betroffen. Anhand der Krankheitsdauer kann die spontane Urtikaria in eine akute und eine chronische Urtikaria unterteilt werden. Etwa zwei Drittel zeigen einen akuten Verlauf; das heißt, die Beschwerden sind weniger als sechs Wochen vorhanden. Bei der chronischen Urtikaria können die Beschwerden häufig über viele Jahre bestehen. Die spontane Urtikaria wird unterteilt in:

  • autoreaktive Urtikaria: Die autoreaktive Nesselsucht wird zu der spontanen Form gezählt, wobei der Verlauf häufig chronisch ist. Werden die Mastzellen durch im Blut vorhandene Substanzen aktiviert, spricht man von Autoimmunreaktionen, die zur Quaddelbildung führen.
  • Infekt-Urtikaria: In den meisten Fällen wird eine spontane Urtikaria durch eine akute oder chronische Infektion ausgelöst. Auch ohne Krankheitszeichen kann es zur Nesselsucht kommen. Häufig sind die Infektionen im Bereich der Atemwege oder des Verdauungstraktes zu finden.
  • Intoleranz-Urtikaria: Nicht allergisch-vermittelte Unverträglichkeiten (Intoleranzen/Pseudoallergien) können die Mastzellen zur Quaddelbildung aktivieren. Substanzen, die in diesem Zuge häufig genannt werden, sind künstliche Zusatzstoffe in Lebensmitteln (Farb-, Aroma- oder Konservierungsstoffe), Medikamente oder natürliche Aromastoffe in Obst- und Gemüse.
  • Idiopathische Urtikaria: Kann die Ursache nicht ermittelt werden, sprechen Mediziner von einer idiopathischen Urtikaria.

 

Physikalische (bzw. induzierbare) Nesselsucht: Etwa 10 % der Betroffenen neigen zur Quaddelbildung, wenn sie physikalischen Reizen wie Kälte, Druck, Sonne oder Wind ausgesetzt sind. Je nach auslösendem Reiz unterscheidet man:

  • Urticaria factitia (ausgelöst durch Kratzen, Reiben oder Scheuern der Haut)
  • Druckurtikaria (Druckeinwirkung auf die Haut durch z. B. einen Rucksack oder enge Schuhe)
  • Kältekontakturtikaria (kalte Luft, Wind, Flüssigkeiten oder Gegenstände)
  • Wärmekontakturtikaria (warme Luft z. B. Föhn oder Sauna)
  • Lichturtikaria (Sonnenlicht, Solarium)
  • vibratorische Urtikaria (z. B. Arbeiten mit dem Presslufthammer)

 

Seltene Nesselsucht-Formen: Die restlichen 10 % teilen sich auf verschiedene andere Formen der Urtikaria auf.

  • aquagene Nesselsucht: Der Auslöser dieser Urtikaria-Form ist Wasser. Das kann sehr belastend sein, denn sowohl die Körperpflege als auch ein Regenschauer verursachen enorme Probleme.
  • anstrengungsinduzierte /stressinduzierte Nesselsucht: Quaddeln, die durch körperliche, seelische oder thermische Anstrengung auftreten. Neben der Hautreaktion treten auch allgemeine Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit bis zum Schock auf.
  • cholinergische (oder generalisierte) Urtikaria: Durch Erhöhung der Körpertemperatur (körperliche Anstrengung, scharfe Speisen, Fieber, Stress) entstehen sehr kleine, nur etwa stecknadelgroße Quaddeln. Sie ist ähnlich der anstrengungsinduzierten Urtikaria, jedoch verschwinden die Symptome häufig schnell wieder.
  • Kontakturtikaria: nicht-allergisch vermittelte Quaddelbildung durch Kontakt mit Reizstoffen wie Duftstoffen (Kosmetika, Putzmitteln), Konservierungsmitteln oder Pflanzeninhaltsstoffen (Brennnessel)

 

Abbildung: Einteilung der Urtikaria-Formen, adaptiert nach 1.

Vorkommen und Auftreten

Im Jahr erkranken etwa 0,1-0,8 % der Bevölkerung an einer Nesselsucht.2-3 Man vermutet jedoch eine hohe Dunkelziffer, da gerade Betroffene mit milden Symptomen eher nicht zum Arzt gehen. Forscher haben berechnet, dass die Wahrscheinlichkeit bei 10-25 % liegt, mindestens einmal in seinem Leben eine Urtikaria zu entwickeln.4 Ob jung oder alt, die Nesselsucht kann in jedem Alter ausbrechen. Junge Frauen bis 40 Jahre bekommen jedoch besonders häufig die Diagnose. Eine Nesselsucht bei Kindern und Jugendlichen ist nicht ungewöhnlich. Sie zählt neben der Neurodermitis und der Akne zu den häufigsten Hauterkrankungen.5 Durch hormonelle Veränderungen können auch Quaddeln während der Schwangerschaft auftreten, die häufig danach wieder verschwinden und ungefährlich für das Ungeborene sind.

 

Abgrenzung zu anderen Hauterkrankungen

Verschiedene Erkrankungen, die historisch bedingt zur Nesselsucht gezählt werden oder der Urtikaria sehr stark ähneln, sind Urticaria pigmentosa (Mastozytosis), Urtikariavaskulitis und die familiäre Kälteurtikaria. Die Urticaria pigmentosa ist eine seltene, angeborene Erkrankung, bei der es aufgrund einer vermehrten Ansammlung von Mastzellen in der Haut und inneren Organen zu einer Urtikaria-Symptomatik kommt. Sie tritt bereits sehr früh in der Kindheit auf (in den ersten Lebensmonaten) und kann auch spontan ausheilen. Die familiäre Kälteurtikaria ist eine angeborene autoinflammatorische Erkrankung, die im Gegensatz zur Kältekontakturtikaria nicht erworben ist. Bleiben die Quaddeln länger als einen Tag sichtbar, kann es sich um eine Urtikariavaskulitis handeln. Über eine histologische Untersuchung kann die genaue Diagnose bestätigt werden.

Die Nesselsucht weist ein sehr charakteristisches Hautbild auf, jedoch kann sie auch mit anderen Hautkrankheiten wie beispielsweise Krätze, Neurodermitis, Schuppenflechte, Gürtelrose, Ringelröteln und Rosazea verwechselt werden.

 

HautkrankheitErscheinungsbildUnterschiede zur Nesselsucht
Krätze (Skabies)- entzündlich, erhabener Hautausschlag mit starkem Juckreiz- Hautausschlag verbleibt an einer Stelle häufig länger als 24 Stunden
- verstärkter Juckreiz erst nach dem Schlafengehen durch die Bettwärme
Neurodermitis (atopisches Ekzem)- entzündete, rote und schuppige Hautflächen- häufig nur an Körperstellen, die zum Schwitzen neigen
- trockene Haut mit abgestorbenen Hautschuppen
Schuppenflechte (Psoriasis)- entzündete, rote und leicht erhabene Flecken mit Schuppen, die sich scharf von den umliegenden Hautbereichen abgrenzen- Haut ist verdickt und schuppt stärker
- größere Hautareale, weniger einzelne Quaddeln
Rosazea (Kupferrose)- Gesichtsrötungen mit Knoten und Pusteln, die brennen oder jucken können- tritt nur im Gesicht auf
- Juckreiz ist nicht sehr stark ausgebildet
Gürtelrose
(Herpes Zoster)
- schmerzhafter Hautausschlag mit Bläschen, häufig am Rumpf, aber auch im Gesicht oder Augen- streifen- oder gürtelartiges Muster
- häufig nur einseitig auf einer Körperhälfte
- schmerzhaft
Ringelröteln (Erythema infectiosum)- roter Ausschlag an den Wangen, punktuelle Veränderungen an anderen Körperstellen, die in ein Gittermuster übergehen,
- Juckreiz
- Hautausschlag verbleibt an einer Stelle länger als 24 Stunden
- Erscheinungsbild verändert sich über die Tage
Bettwanzen- juckender, insektenstich-ähnlicher Hautausschlag- selten am ganzen Körper, sind in Reihe oder in Gruppen angeordnet
- Juckreiz länger als ein Tag vorhanden

Hinweis

Gut zu wissen

Häufig haben die Menschen Angst, dass Hauterkrankungen auf andere Menschen übertragen werden können. Bei Nesselsucht ist die Sorge aber unbegründet, denn diese Erkrankung ist nicht ansteckend und wird auch innerhalb der Familie nicht vererbt.

Ursachen und Risikofaktoren

Das-Wichtigste-in-Kürze

Ursachen und Risikofaktoren in der Übersicht

  • Bei dem Auftreten von Nesselsucht-Attacken können ganz verschiedene Auslöser zum Tragen kommen.
  • Bestandteile aus dem Immunsystem (z. B. Immunglobuline), aber auch ganz viele nicht immunologische Trigger (Medikamente, Essen, oxidativer sowie nitrosativer Stress, Infektionen) können die Mastzellen aktivieren.
  • Als die häufigsten Auslöser für eine nicht-induzierbare akute Urtikaria werden Infektionen, Unverträglichkeiten gegen Medikamente oder Nahrungsmittel und sehr selten Allergien gegen Nahrungsmittel angesehen.
  • bei chronischen Verlaufsformen liegen zu 80 % eine Fehlsteuerung des Immunsystems (autoreaktive Urtikaria), eine chronische Infektion- oder Entzündungskrankheit (Infekt-Urtikaria) oder eine Unverträglichkeit gegen ein Medikament oder einen Zusatzstoff (Intoleranz-Urtikaria) vor. Selten lösen Allergien chronische Nesselsucht aus.
  • Die physikalische Nesselsucht wird durch äußere Reize ausgelöst. Wieso der Körper auf physikalische Reize reagiert, ist bisher nicht genau entschlüsselt, jedoch werden autoimmune Mechanismen vermutet.
  • Urtikaria-Ausbrüche sind häufiger bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen, Heuschnupfen, Asthma oder atrophischer Dermatitis.

Bei dem Auftreten von Nesselsucht-Attacken können verschiedene Auslöser zum Tragen kommen. Mitunter ist eine Allergie beteiligt an den Quaddeln, aber häufiger stecken Infekte, Unverträglichkeiten, autoimmune Prozesse, Stress sowie eine verminderte Toleranzschwelle gegenüber äußeren Reizen dahinter. Die Bandbreite an Triggerfaktoren ist groß und variiert je nach Urtikaria-Form, jedoch ist die eigentliche Ursache der Erkrankung immer gleich: Spezielle Zellen aus dem Immunsystem, sogenannte Mastzellen, werden durch die Auslöser aktiviert und setzen Botenstoffe wie Histamin frei. Histamin ist dafür verantwortlich, dass die Haut vermehrt durchblutet wird und die Gefäße durchlässiger werden. Das führt zu einer Wasseransammlung in der Haut – die charakteristischen Hautödeme bzw. Quaddeln werden auf der Haut sichtbar. Und Histamin bewirkt noch mehr: Auch die Hautnerven werden aktiviert, was man dann über Juckreiz wahrnimmt. Im weiteren Verlauf der Symptomatik wird durch andere Entzündungsbotenstoffe die Haut um die Quaddel gerötet (Reflexerythem).6 Verursacht Histamin zusätzlich in tieferen Hautschichten Schwellungen, spricht man von Angioödemen.

Hinweis

Mastzellen und Histamin

Mastzellen sind Immunzellen, die eine wichtige Rolle bei Allergien, bei der Wundheilung sowie bei der Abwehr von Erregern spielen. Obwohl sie den Leukozyten zugeordnet werden, sind sie nicht im Blut anzutreffen, sondern sitzen vor allem in der Haut sowie den Schleimhäuten des Verdauungstraktes und der Atemwege und in der Reichweite von Gefäßen und Nerven. In ihrem Inneren lagern sie kleine, mit Botenstoffen gefüllte Vesikel, die bei Aktivierung der Zelle freigesetzt werden. Zu den enthaltenen Substanzen gehören Histamin, Heparin, Prostaglandine und Zytokine. Mastzellen können über verschiedene Rezeptoren aktiviert werden, bei allergischen Reaktionen spielt der Rezeptor, der durch Immunglobulin E aktiviert wird, eine entscheidende Rolle. Mikronährstoffe, z. B. Vitamin D, Kalzium, Zink und Quercetin, haben eine zentrale Rolle in der Mastzellaktivierung. Mehr Infos dazu im Kapitel Mikronährstoffe.

 

Histamin ist ein Gewebshormon, das viele Prozesse im Körper reguliert und als wichtiges Signalmolekül bei Entzündungsreaktionen fungiert. Es wird von den Mastzellen in den Zellzwischenraum abgegeben und wirkt lokal auf die Nachbarzellen (Haut, Gefäße, Nerven). Histamin ist nahezu im gesamten Körper anzutreffen, jedoch sind die höchsten Konzentrationen in Mastzellen, basophilen Leukozyten und Zellen der Magenschleimhaut zu finden. Dieser Botenstoff wird jedoch nicht nur von unseren Zellen gebildet, sondern auch über die Nahrung aufgenommen. Histamin vermittelt seine Wirkung über Rezeptoren in der Zellmembran, wobei die Blutgefäße, die Magenschleimhaut, die Bronchien und das zentrale Nervensystem die wichtigsten Wirkorte sind.

Das aufgenommene und im Körper freigesetzte Histamin muss über Enzyme abgebaut werden, wobei die Diaminooxidase (DAO) das entscheidende Enzym für diesen Schritt ist. Es baut Histamin ab, das sich im Blut, im Gewebe und im Darm angesammelt hat.

 

Auch hier ist eine optimale Versorgung mit Mikronährstoffen wichtig, denn z. B. Vitamin C, Vitamin B6 und Kupfer sind wichtige Kofaktoren der DAO.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung: Viele Auslöser führen zur Mastzellaktivierung und im Folgenden zum Krankheitsbild der Nesselsucht.

 

Komplexer wird es jedoch bei den Gründen für die Mastzellaktivierung. Bestandteile aus dem Immunsystem (z. B. Immunglobuline) aber auch ganz viele nicht immunologische Trigger (Medikamente, Essen, Stress, Infektionen) können die Mastzellen auf Hochtouren bringen. Allergische Reaktionen durch Nahrungsmittel machen dabei nur einen geringen Prozentsatz aus. Nahrungsmittelunverträglichkeiten werden deutlich häufiger beschrieben.7 Einige Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass bei Nesselsucht oxidativer wie auch nitrosativer Stress für die Entstehung mitverantwortlich sind.8-10

Hinweis

Oxidativer und nitrosativer Stress

Unser Körper bildet bei vielen Reaktionen freie Radikale (z. B. in der Zellatmung und bei Immunreaktionen), die in normalen Konzentrationen nicht schädlich sind. Erst bei einem Zuviel (chronische Entzündungen) entsteht der sog. oxidative Stress. Hält der oxidative Stress über einen längeren Zeitraum an, steigt das Risiko für eine Vielzahl von Erkrankungen. Damit körpereigene Strukturen wie die Bausteine der Erbsubstanz, Eiweiße wie Enzyme und besonders ungesättigte Fettsäuren der Zellwand keinen Schaden nehmen, muss die Zelle sich selbst vor Angriffen von freien Radikalen schützen. Dies übernehmen Radikalfänger, sogenannte Antioxidantien. Sie können Elektronen abgeben, dadurch freie Radikale entgiften und sich selbst in einem Kreislauf von Reaktionen regenerieren. Oxidativer Stress ist häufig ein wesentliches Puzzlestück bei der Entstehung von chronischen Erkrankungen wie z. B. Asthma, chronischer Nasennebenhöhlenentzündung und COPD.11

 

Bei nitrosativem oder Nitro-Stress werden nicht zu viele freie Radikale gebildet, sondern es kommt zu einer Überproduktion des lebensnotwendigen Botenstoffs Stickstoffmonoxid (NO). Ähnlich wie beim oxidativen Stress ist eine geringe Grundproduktion für unsere Gesundheit wichtig, denn NO wirkt antibakteriell, reguliert den Stoffwechsel der Mitochondrien sowie die Weite der Blutgefäße und steuert die Reizweiterleitung.

Nitro-Stress ist jedoch durch das vermehrte Auftreten von NO und dessen Folgeprodukt Peroxynitrit gekennzeichnet. Verschiedene, oft nur kurz einwirkende Stressoren können eine übermäßige Produktion von NO auslösen und es beginnt ein biochemischer Teufelskreis. Dieser bleibt meist auch noch bestehen, wenn der Auslöser längst verschwunden ist. Wichtige Auslöser und Verstärker dieses Teufelskreises sind:

  • Entzündungen
  • Bakterien- oder Viruserkrankungen (bis zu 30-fache NO-Bildung)
  • Medikamente, Chemikalien, Schwermetalle
  • körperlicher Stress
  • psychischer Stress
  • kohlenhydratreiche Ernährung

Je nach Urtikaria-Form kommen verschiedene Mechanismen zur Mastzellaktivierung zum Tragen, mitunter sind noch nicht alle Zusammenhänge genau erforscht. Nachfolgend werden bekannte Ursachen für die jeweilige Urtikaria-Form vorgestellt.

 

Ursachen für eine akute spontane Urtikaria

Als die häufigsten Auslöser für eine nicht-induzierbare akute Urtikaria werden Infektionen, Unverträglichkeiten gegen Medikamente oder Nahrungsmittel und sehr selten Allergien gegen Lebensmittel, insbesondere bei Kindern mit Urtikaria, angesehen.6 Infektionen, die zu einer akuten Nesselsucht führen können, sind virale Infektionen der Atemwege oder Magen-Darm-Infekte. Man vermutet, dass 30-60 % der akuten Urtikaria-Vorfälle durch Atemwegserkrankungen ausgelöst werden.2 Eine Erkältung, die zu juckenden Quaddeln führt, ist daher nichts Ungewöhnliches.

 

Welche Medikamente und Lebensmittel können eine Nesselsucht auslösen?

  • Medikamente: nichtsteroidale Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), ACE-Hemmer (Einsatz bei Bluthochdruck und Herzschwäche), Antibiotika wie Penicillin, HIV-Medikamente
  • Nahrungsmittel: Im Verdacht stehen histaminhaltige Lebensmittel, Lebensmittel mit Zusatzstoffen (Farb-, Konservierungs- und Aromastoffen) sowie mitunter natürliche Aromastoffe in Obst und Gemüse. Welche Lebensmittel genau eine Rolle spielen, stellen wir Ihnen im Kapitel Ernährung näher vor.

 

Ursachen für eine chronische spontane Urtikaria

Chronische Verlaufsformen der spontanen Urtikaria haben im Wesentlichen drei Ursachen:

  • Unverträglichkeit gegen ein Medikament oder einen Zusatzstoff (Intoleranz-Urtikaria)
  • chronische Infektions- oder Entzündungskrankheit (Infekt-Urtikaria)
  • Fehlsteuerung des Immunsystems (autoreaktive Urtikaria)

 

80 % der auftretenden chronischen Fälle können über eine dieser Ursachen erklärt werden, bei nur etwa 20 % der Fälle liegt eine andere bzw. unbekannte Ursache vor. In diese Gruppe fällt auch die häufig überschätzte allergische Nesselsucht.6 Infektionen, die bei einer chronischen Urtikaria aufgespürt werden sollten, sind chronische Infekte wie Nasennebenhöhlen-, Mandel-, Zahnwurzelentzündungen, Infektionen mit Helicobacter pylori (Magen) oder Candida albicans (Darm) und Hepatitis A und B. Chronisch-entzündliche Erkrankungen wie Gastritis, Reflux oder Entzündungen der Gallenblase können ebenfalls eine Rolle spielen.

Die autoreaktive Urtikaria liegt in einer Fehlsteuerung des Immunsystems begründet.12 Experten vermuten, dass bei der Entstehung die Darmbakterien eine Rolle spielen. Denn Studien zeigen, dass Menschen mit chronischer spontaner Urtikaria eine veränderte Darmflora aufweisen und es durch Gabe von Probiotika (Bakterien, die die Darmflora stärken) zu einer Symptomlinderung kommt.13-15

Hinweis

Gut zu wissen

In ganz seltenen Fällen kann eine Nesselsucht durch eine Krebserkrankung, u. a. in der Schilddrüse, ausgelöst werden.16

Ursachen für die physikalische Urtikaria

Die physikalische, oder auch als induzierbar bezeichnete Nesselsucht, wird durch äußere Reize ausgelöst; das heißt, die Auslöser können von den betroffenen Patienten benannt werden. Wieso der Körper auf physikalische Reize reagiert, ist bisher jedoch nicht genau entschlüsselt, jedoch werden autoimmune Mechanismen vermutet.17

 

Auslösende Faktoren für eine physikalische Urtikaria können sein:

  • kalte Luft, Flüssigkeiten oder Gegenstände (Kälte-Urtikaria)
  • warme Luft (Wärme-Urtikaria)
  • Scherkräfte (Urticaria factitia)
  • Druckeinwirkung (verzögerte Druckurtikaria)
  • Vibrationen (vibratorische Urtikaria)
  • UV-Licht, sichtbares Licht (Licht-Urtikaria)
  • Wasser z. B. beim Duschen, Baden oder bei einem Regenschauer (aquagene Urtikaria)
  • erhöhte Körperkerntemperatur und Schwitzen (cholinergische Urtikaria)
  • Kontakt mit reizenden Substanzen (Kontakturtikaria)
  • körperliche Betätigung, seelische und thermische Belastung (anstregungsinduzierte Urtikaria)

 

Risikofaktoren

Urtikaria-Ausbrüche sind häufiger bei Patienten mit Heuschnupfen, Asthma oder atrophischer Dermatitis.2 Sie tritt auch häufig als weitere Erkrankung bei Autoimmunkrankheiten wie rheumatoider Arthritis, Lupus erythematodes (Schmetterlingsflechte), Zöliakie oder Hashimoto (autoimmune Schilddrüsenerkrankung) auf.18 Bei Patienten mit chronischer spontaner Urtikaria wurde häufiger ein Vitamin-D-Mangel beobachtet, jedoch gibt es keine Erklärungen für die zugrundeliegenden Mechanismen.19 Tätowierungen wirken sich nicht negativ auf das Auftreten der Erkrankung auf.

 

Symptome der Nesselsucht

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Symptome in der Übersicht

  • Die beiden typischen Symptome für Urtikaria sind eine gerötete Haut mit stark juckenden Quaddeln.
  • Seltener treten Haut- und Schleimhautschwellungen (Angioödeme) auf.
  • Die akute Urtikaria verschwindet in der Regel innerhalb von 24 Stunden.
  • Wird die Urtikaria chronisch, kann sie entweder permanent vorhanden sein oder wiederholt auftreten mit symptomfreien Phasen.
  • Etwa die Hälfte aller Patienten mit chronischer spontaner Urtikaria zeigen Quaddeln und Angioödeme.
  • Beim Anschwellen der Schleimhaut in den Atemwegen handelt es sich um einen medizinischen Notfall.

Die beiden typischen Symptome für Urtikaria sind eine gerötete Haut mit stark juckenden Quaddeln, die am gesamten Körper auftreten können. Seltener treten Haut- und Schleimhautschwellungen (Angioödeme) auf.

Weitere Symptome einer Nesselsucht können Müdigkeit, Fieber, Schlafstörungen, Kopf- und Gelenkschmerzen bzw. Gliederschmerzen oder gastrointestinale Symptome sein.

Wird die Urtikaria chronisch, kann sie entweder permanent vorhanden sein oder wiederholt auftreten mit symptomfreien Phasen. Etwa die Hälfte aller Patienten mit chronischer spontaner Urtikaria zeigen Quaddeln und Angioödeme auf ihrer Haut, ein Drittel hat nur Quaddeln und etwa jeder Zehnte hat ausschließlich Angioödeme.17

 

Hinweis

Was ist eine Quaddel und was ist der Unterschied zu einem Angioödem?

Eine Quaddel ist eine von einer Rötung umgebene Hauterhebung, die durch eine Wassereinlagerung in der Oberhaut zustande kommt. Sie juckt, brennt mitunter und kann am ganzen Körper auftreten – von der Kopfhaut bis zu den Füßen können alle Hautbereiche betroffen sein. Diese Hautveränderungen haben eine Größe von ein paar Millimetern bis zu mehreren Zentimetern und sind innerhalb von 24 Stunden wieder verschwunden. Im Gegensatz zur Quaddel tritt das Angioödem in tieferen Hautschichten auf. Es juckt deutlich seltener, dafür kann es aber schmerzhaft sein. Es kann in der Schleimhaut (Lippen, Rachen, Genitalien bzw. Intimbereich) sowie an den Füßen, Händen, Armen und Beinen auftreten. Bei der induzierbaren Urtikaria sind die Körperstellen betroffen, die dem Reiz ausgesetzt sind – Sonne und Kälte schlagen besonders bei den unbedeckten Körperstellen wie Hände und Gesicht zu. Ist zu viel Druck das Problem, können Füße, Hände oder auch der Po betroffen sein.

Diagnose der Nesselsucht

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Diagnose in der Übersicht

  • Durch die Schilderungen des Patienten und das typische Hautbild kann ein erfahrener Dermatologe die Diagnose ziemlich sicher stellen.
  • Über gezielte Fragen können die Urtikaria-Form und mögliche Auslöser näher eingegrenzt werden.
  • Bei einer akuten Nesselsucht wird häufig auf eine aufwendige Diagnostik verzichtet.
  • Untersuchungen bei chronischer spontaner Nesselsucht
    • Ausschluss von ähnlichen Erkrankungen (Differentialdiagnosen)
    • Ursachenforschung (Autoimmunerkrankung, chronische Infektion oder Unverträglichkeit)
    • Erfassung der Krankheitsaktivität und -kontrolle (Krankheitsaktivitäts-Scores)
  • Untersuchungen bei physikalischer Nesselsucht
    • Ausschluss von Differentialerkrankungen
    • Bestimmung der Krankheitsaktivität und -kontrolle

Anhand der Beschreibungen des Patienten und des typischen “Quaddel-Bildes” kann ein erfahrener Hautarzt (Dermatologe) die Diagnose ziemlich sicher stellen. Im persönlichen Arztgespräch können durch gezielte Fragen die Urtikaria-Form und mögliche Auslöser näher eingegrenzt werden:

  • Wie lange bestehen die Beschwerden?
  • Gab es einen Auslöser oder sind Allergien und Unverträglichkeiten bekannt?
  • Gibt es akute oder chronische Erkrankungen?
  • Werden Medikamente eingenommen?

Die Antworten auf diese Fragen wirken sich auf das weitere Vorgehen des Arztes aus. Bei einer akuten Nesselsucht wird auf eine aufwendige Diagnostik verzichtet, da sich die Erkrankung häufig von allein zurückbildet. Eine Ausnahme bilden schwere Verläufe mit Atemnot, da dann eine Allergie vom Soforttyp dahinter vermutet wird, die über allergologische Hautuntersuchungen und Antikörper-Bluttests abgeklärt wird.

 

Untersuchungen bei chronischer spontaner Nesselsucht17

Geht die akute Urtikaria in eine chronische über, kommen häufig weitere diagnostische Verfahren zum Einsatz. Die aktuelle Leitlinie für Urtikaria empfiehlt folgende Schritte:

  • Ausschluss von ähnlichen Erkrankungen (Differentialdiagnosen)
  • Ursachenforschung (Autoimmunerkrankung, chronische Infektion oder Unverträglichkeit)
  • Erfassung der Krankheitsaktivität und -kontrolle (Krankheitsaktivitäts-Scores)

In seltenen Fällen werden Quaddeln über andere Mechanismen als durch Histamin ausgelöst, was kennzeichnend wäre für eine andere Erkrankung. Die wichtigsten Differentialdiagnosen sind Entzündungskrankheiten wie das Schnitzler-Syndrom und die Urtikariavaskulitis sowie das hereditäre Angioödem. Steht fest, dass es sich um eine chronische spontane Urtikaria handelt, zieht der Arzt weitere diagnostische Verfahren hinzu, um eine mögliche Ursache zu ermitteln.

 

Ein Differentialblutbild (u. a. Entzündungswerte, Leberenzyme, Schilddrüsenhormone), die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Ärzten (Ausschluss von chronischen Infektionen) und ein autologer Serumtest bei Verdacht auf eine autoreaktive Urtikaria geben dann nähere Auskünfte.

Hinweis

Was ist ein autologer Serumtest?

Um zu ermitteln, ob die Mastzellaktivierung über körpereigene Substanzen getriggert wird, führt der Arzt einen autologen Serumtest durch. Dafür wird etwas Blut entnommen, als Serum aufgereinigt und in die Haut injiziert. Bildet sich das typische Urtikaria-Hautbild aus, enthält das Blut Moleküle (z.B. Antikörper der Klasse IgE), die die Mastzellen reizen. Dann steckt eine Fehlsteuerung des Immunsystems hinter der Nesselsucht und keine chronische Infektion oder Unverträglichkeit.

Über Krankheitsaktivitäts-Scores kann der Arzt zusätzlich eine Einschätzung über die Schwere, den Verlauf der Erkrankung und die Einschränkung der Lebensqualität bekommen.

 

Untersuchungen bei physikalischer Nesselsucht

Die Diagnosestellung bei chronisch induzierbarer Urtikaria erfolgt ähnlich zur chronischen spontanen Urtikaria über Ausschluss von Differentialerkrankungen und Bestimmung der Krankheitsaktivität und -kontrolle. Um die Diagnose zu bestätigen, werden die Symptome durch den auslösenden Reiz provoziert und eine Reizschwelle ermittelt.

Tipp

Kleiner Tipp

Heilpraktiker oder Ärzte mit einem ganzheitlichen Ansatz können über Blut- und Urinuntersuchungen den Nitro-Stress von Urtikaria-Betroffenen bestimmen lassen, um einer weiteren möglichen Ursache für diese Erkrankung nachzugehen.

Krankheitsverlauf und Prognose

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Krankheitsverlauf in der Übersicht

  • Wie sich die Nesselsucht entwickelt, hängt von der Urtikaria-Form ab.
  • Die akute Urtikaria tritt häufig anfallsartig auf und verschwindet wieder innerhalb von 24 Stunden. Sie tritt nicht länger als sechs Wochen in Erscheinung.
  • Chronische Verläufe gehen über dieses Zeitfenster hinaus und sind bei spontanen und induzierbaren Formen möglich.
  • Eine chronische Urtikaria kann anhaltend oder wiederkehrend auftreten.
  • Die psychische Belastung aufgrund von Stigmatisierung und Juckreiz sind zum Teil enorm.

Wie sich die Nesselsucht entwickelt, hängt von der Urtikaria-Form und demzufolge von den zugrundeliegenden Mechanismen ab.

Die akute Urtikaria wird häufig wie eine Attacke bzw. Anfall beschrieben, die häufig ohne besondere Ursache auftritt. Die Symptome verschwinden in der Regel innerhalb von 24 Stunden. Häufig bleibt es bei einem kurzfristigen Auftreten (kürzer als sechs Wochen), die akute Urtikaria ist 10-100-fach häufiger als die chronische Urtikaria.6

Treten die Beschwerden länger auf, spricht man von einer chronischen Urtikaria. Chronische Verläufe werden bei der spontanen und bei induzierbaren Formen beobachtet.20 Die Nesselsucht kann über viele Jahre bestehen, und die Betroffenen wissen nie genau, wann sie wieder verschwindet, insbesondere dann, wenn genaue Ursachen nie benannt wurden. Diese Ungewissheit empfinden viele Urtikaria-Geplagte als sehr belastend. Untersuchungen zeigen, dass etwa 50 % der Patienten mit chronischer Nesselsucht nach drei Monaten keinerlei Beschwerden mehr aufweisen, etwa 10 % weisen über Jahre Symptome auf.20 Die chronische Form bedeutet nicht, dass man täglich unter den juckenden Quaddeln leidet, denn sie können anhaltend oder wiederkehrend auftreten.

 

Obwohl die Quaddeln nicht weh tun, leiden viele Betroffene enorm unter dieser Erkrankung. Der unerträgliche Juckreiz beeinflusst die Konzentrationsfähigkeit und das Schlafverhalten, was sich wiederum negativ auf die Leistungsfähigkeit auswirkt – ein Teufelskreis. Zusätzlich führen Hauterkrankungen oft zu einer Stigmatisierung: Ein Hautbild geprägt durch Quaddeln und Rötungen möchten viele Leidende am liebsten vor den Mitmenschen verstecken. Laut Untersuchungen ist die psychische Belastung je nach Urtikaria-Form vergleichbar mit einer Herzerkrankung oder einer chronischen Schuppenflechte (Psoriasis).21

 

Hinweis

Komplikation der Urtikaria

Schwerwiegende Komplikationen gibt es bei der Urtikaria nur sehr selten. Durch ein Angioödem kann die Schleimhaut der Atemwege anschwellen, wodurch die Betroffenen schwer Luft bekommen. Bei plötzlicher Atemnot sollte auf jeden Fall schnelle medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.

Ernährung bei Nesselsucht

Das-Wichtigste-in-Kürze

Ernährung in der Übersicht

  • Ob das, was wir täglich essen für uns gesund oder ungesund ist, liegt vor allem an der Ausgewogenheit der einzelnen Nährstoff-Gruppen, die wir essen.
  • Eine gesunde Ernährung ist vor allem anti-entzündlich und abwechslungsreich– das Gegenteil der Western Diet, die pro-entzündlich wirkt. Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten. Praktisch heißt das: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fetter Fisch, Nüsse, Saaten und kaltgepresste pflanzliche Öle.
  • Auf folgende Ernährungsbausteine sollte man besonders achten, um Urtikaria-Schübe zu vermeiden und den Darm und das Immunsystem zu unterstützen:
    • natürliche Lebensmittel mit möglichst wenig künstlichen Zusatzstoffen
    • Ballaststoffe und Probiotika für einen stabilen Darm
    • Achtung: fermentierte Lebensmittel werden bei Nesselsucht nicht immer gut vertragen
    • viele gesunde Fette wie Omega-3-Fettsäuren, um Entzündungen entgegenzuwirken
  • Bei Verdacht auf Unverträglichkeiten bzw. Lebensmittel, die Schübe triggern, können Eliminationsdiäten eine Option sein.
    • pseudoallergenarme Diät
    • histaminarme Diät
    • Verzicht auf Fisch und Fischprodukte

Eine pro-entzündliche Ernährung ist oft Risikofaktor oder Auslöser bei zahlreichen Erkrankungen. Sie fördert eine chronische Entzündung, die Arterien verkalken lässt, unseren Darm und unser Immunsystem schwächt, unsere Psyche negativ beeinflusst und letztlich Zellstress entstehen lässt. Wie im Kapitel Ursachen  dargestellt, ist das Immunsystem sowie entzündliche Prozesse in die Entstehung der Urtikaria involviert. Mit einer gesunden, anti-entzündlichen Ernährung können Sie das Krankheitsgeschehen bei Nesselsucht in Ihrem Körper selbst mitbeeinflussen:

  • Sie können das Entzündungsgeschehen in Ihrem Körper mildern/nicht zusätzlich durch entzündungsfördernde Lebensmittel befeuern.
  • Sie versorgen Ihren Körper mit lebenswichtigen Mikronährstoffen.
  • Sie schützen sich präventiv vor Begleiterkrankungen, die sich zusätzlich negativ auf Nesselsucht
  • Sie erreichen und halten langfristig Ihr Normalgewicht.

 

Probleme der heutigen Ernährung

Obwohl in Deutschland kein Mangel an Nahrungsmittelvielfalt herrscht, wird eine naturbelassene Ernährung mit vielen qualitativ hochwertigen und unverarbeiteten Produkten immer seltener. Volle Arbeitstage, Alltagsstress, keine Zeit zu kochen und auch der Mangel an Wissen und Fähigkeiten führen zunehmend zu einer ungesunden Ernährung.

 

Fertigprodukte statt frisch kochen: Western Diet

Diese Art der Ernährung wird oft unter dem Begriff Western Diet zusammengefasst, weil sie vor allem in den westlichen Industrieländern weit verbreitet ist und sich zunehmend auch in Ländern mit traditionell gesunder Ernährung ausbreitet – mit gravierenden Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung.

Hinweis

Merkmale der Western Diet

hochkalorisch, zuckerreich, gesättigte Fettsäuren, Transfettsäuren, salzreich, viele Konservierungsstoffe und hochverarbeitete Produkte (Fastfood, Fertigprodukte, „Junkfood“) – dagegen wenig frisches Obst und Gemüse, keine hochwertigen Pflanzenöle, wenig komplexe Kohlenhydrate, wenige Ballaststoffe, Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe

Nährstoffzufuhr aus dem Gleichgewicht

Ob das, was wir täglich essen für uns gesund oder ungesund ist, liegt vor allem an der Ausgewogenheit der einzelnen Nährstoff-Gruppen, die wir essen. Unsere Lebensmittel setzen sich zum einen aus Makronährstoffen zusammen, die uns Energie und Baumaterial liefern: Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße.

Auf der anderen Seite enthalten Lebensmittel auch unzählige Mikronährstoffe, die das Umsetzen der Makronährstoffe im Stoffwechsel erst möglich machen: Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Fettsäuren, Enzyme und sekundäre Pflanzenstoffe.

Ungesund wird eine Ernährung dann, wenn die einzelnen Gruppen nicht mehr im Gleichgewicht zueinander stehen. Arbeit findet z. B. heute sehr oft als sitzende Tätigkeit am Schreibtisch statt, wo keine bis kaum Kalorien verbrannt werden – jedoch dominieren Kohlenhydrate nach wie vor zu einem großen Anteil unsere tägliche Ernährung, was die Entwicklung einer chronischen Entzündung besonders fördert – das ständige Zuviel.

 

Anti-entzündliche Ernährung: Profitieren Sie auf allen Ebenen

Erst gravierende Erkrankungen und Ereignisse wie Urtikaria lassen uns aufhorchen und führen oft zu einem Wendepunkt im Leben: Lassen Sie es gar nicht erst soweit kommen!

Sich gesund zu ernähren heißt nicht sich selbst zu kasteien, zu verzichten oder strikte Pläne einzuhalten. Es bedeutet Neues kennenzulernen, alte Wege zu verlassen und sich jeden Tag fitter, gesünder und leistungsfähiger zu fühlen statt immer müde, abgeschlagen und energielos. Sie können dabei Schritt für Schritt etwas an Ihrer Ernährung ändern, statt zu versuchen, von heute auf morgen alles auf den Kopf zu stellen. Eine gesunde Ernährung ist vor allem anti-entzündlich und abwechslungsreich– das Gegenteil der Western Diet, die pro-entzündlich wirkt.

 

Was ist eine antientzündliche Ernährung?

Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten. Eine pro-entzündliche Ernährung ist einer der Hauptauslöser für eine chronisch-schwelende Entzündung in unserem Körper, die stille Entzündung (silent inflammation).

Die folgende Tabelle stellt Ihnen wichtige anti- und pro-entzündliche Nahrungsmittelgruppen vor:

Anti-entzündliche Nahrungsmittel und pro-entzündliche Nahrungsmittel

 

Anti-entzündliche Ernährung Pro-entzündliche Ernährung
Olivenöl, Walnussöl, Leinöl, Hanfölfrittierte Lebensmittel, Margarine, Sonnenblumenöl, Schweineschmalz, Sojaöl, Maiskernöl
Obst (zuckerarme Sorten bevorzugen): Beeren, Zitrusfrüchte, Äpfel
Gemüse, mindestens „5 am Tag“: grüne Blattgemüse, Brokkoli, Spinat, Kohlsorten, Topinambur, alle Salate, Wildkräuter
Fast Food, Fertigprodukte, Süßigkeiten, industriell gefertigte Snacks
Vollkornprodukte: Getreideprodukte aus dem vollen Korn inklusive aller BallaststoffeProdukte aus Auszugsmehlen („Weiß“), Weizen
Hülsenfrüchte: Linsen, Kichererbsen, Bohnen, Tofu
Eier: moderater Konsum (mind. Bio-Freiland-Haltung)
Wurstwaren, viele Milchprodukte
fetter Seefisch: Lachs, Makrele, SardinenSchweinefleisch
frische Kräuter, antientzündliche Gewürze wie Chili, Kurkuma, Ingwer
Sulfide: Knoblauch, Zwiebeln, Meerrettich
sehr salzreich
Getränke und Tee: Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees, grüner TeeSoftdrinks, häufiger Alkoholkonsum, Milchmixgetränke
Nüsse und Saaten: Walnüsse, Leinsamen, Pinienkerne, Kürbiskerne, MacadamianüsseErdnüsse, gesalzene und aromatisierte „Knabbernüsse“
Probiotika: Kefir, Joghurt, milchsauer eingelegte Gemüse, Misopaste

Weitere Eckpunkte einer gesunden Ernährung sind:

  • Flexitarismus: Insgesamt sollte Ihre Ernährung vorwiegend pflanzenbasiert ausgerichtet sein – Fleisch, Fisch und Milchprodukte sind in Maßen zu genießen, dafür in hochwertiger Qualität.
  • Mittelmeer-Diät: Gute Orientierung bei einer anti-entzündlichen Ernährung bietet die mediterrane Ernährung – Menschen, die sich traditionell nach der Mittelmeerdiät ernähren, leiden seltener unter der chronischen Entzündung und deren Folgen, z. B. weniger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Regional und saisonal: Produkte aus der Region, die keinen weiten Anreiseweg hatten, sind frischer und oft nährstoffreicher. Viele Superfoods haben einheimische „Verwandte“ wie z. B. Leinsamen (statt Chiasamen) oder Hagebutten (statt Goji-Beeren).
  • Gesunde Fette: Fett reduzieren ist passé, viel wichtiger, ist die richtigen Fette aufzunehmen: Die optimalen Quellen sind kaltgepresste, hochwertige Öle. Dabei sollte der Anteil der Omega-3-Fettsäuren möglichst hoch sein, da sie im Gegensatz zu den Omega-6-Fettsäuren entzündungs- und schmerzhemmend wirken.
  • Kohlenhydrate reduzieren: Essen Sie insgesamt weniger Kohlenhydrate, also weniger weißes Brot, weniger weiße Nudeln und Reis. Zu viele dieser getreidehaltigen Sattmacher fördern Entzündungen und stören das Gleichgewicht der Botenstoffe.
  • Vegetarismus und Veganismus sind Ernährungsformen, die sehr gesund und ausgewogen sein können, aber nicht automatisch sind: Wenn viele oben genannte Nahrungsmittel integriert werden und auf ausreichend Mikronährstoffzufuhr geachtet wird. Auch der vegane Trend hat viele Fertigprodukte auf den Markt gebracht, die oft mit einer gesunden Ernährung nichts mehr gemeinsam haben. Achten Sie also weniger auf ein „Label“, sondern auf Ausgewogenheit.
  • Achtsamkeit beim Essen: Genuss, Freude und Langsamkeit gehören zu einer gesunden Ernährung genauso wie hochwertige Nahrungsmittel.
  • Fastenperioden: Intervallfasten oder Buchinger-Fasten können sinnvoll sein für einen Neustart oder ein jährliches Ritual, hier müssen Sie selbst abwägen, ob es zu Ihnen passt.
  • In Bewegung bleiben: Zu einer gesunden Ernährung gehört Bewegung – neben vielen anderen positiven Effekten, wirkt die Verdauung angeregt und die Darmpassage gefördert.

Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Unser Produkt-Tipp: Bio-Leinöl, reich an den Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA


 

So sollte Ihr Teller aussehen

Mit dieser Telleraufteilung versorgen Sie Ihren Organismus optimal mit wichtigen Mikronährstoffen und ausreichend Energie-Lieferanten (Fette, Kohlenhydrate und Eiweiß). Achten Sie also darauf, nicht nur Beilagen und Fleisch/ Fisch zu sich zu nehmen, sondern variieren Sie vor allem mit verschiedenen Gemüse- und Obstkombinationen. So gehen Sie Übergewicht aus dem Weg und vermeiden Speisen mit zu hohen Kalorienwerten.

 

Spezielle Ernährungstipps bei Nesselsucht

Eine gesunde Ernährungsweise kann vorbeugend, aber auch heilend auf verschiedene Erkrankungen wirken. Ernährungsempfehlungen für Urtikaria zielen besonders darauf ab, auslösende Substanzen zu vermeiden (hypoallergene Kost) und das Immunsystem sowie den Darm zu stabilisieren. Eine Nesselsucht-Diät im engeren Sinne gibt es nicht, jedoch erzielen hypoallergene Kostformen bei der chronisch-spontanen Urtikaria, die aufgrund von Unverträglichkeiten auftreten, wissenschaftlich untermauerte Verbesserungen.

Betroffene, die an anderen Urtikaria-Formen leiden, können über die oben vorgestellte anti-entzündliche Ernährungsweise ihr Immunsystem ins Gleichgewicht bringen. Wie genau die einzelnen Ernährungsbausteine der anti-entzündlichen Ernährung auf diese Erkrankung wirken, wird hier nochmal ausführlich erläutert:

 


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Ändern Sie Schritt für Schritt etwas an Ihrer Ernährung, statt zu versuchen, von heute auf morgen alles auf den Kopf zu stellen. Eine gesunde Ernährung ist vor allem anti-entzündlich. Hier ein Buchtipp, um die Umsetzung zu erleichtern:


 

Natürliche Lebensmittel mit möglichst wenig künstlichen Zusatzstoffen

Eine Gruppe von Pseudoallergenen, die im Zuge der Urtikaria immer wieder genannt werden, sind die künstlichen Zusatzstoffe. Dazu zählen:

  • Konservierungsstoffe
  • Geschmacksverstärker
  • Zuckeraustauschstoffe/Süßstoffe
  • Farbstoffe
  • Emulgatoren
  • Verdickungsmittel

In den letzten Jahren gab es immer mehr Studien, die dafür sprechen, dass sich diese Zusätze negativ auf die Darmflora auswirken und darüber Entzündungsprozesse befeuern.22 Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass Menschen mit einer Intoleranz-Urtikaria enorm von einem Verzicht auf Farb-, Konservierungs-, Aroma- und Zuckeraustauschstoffe profitieren.23-24 In einer Interventionsstudie konnte durch Weglassen von Nahrungsmittelzusätzen bei 31 % der Teilnehmer eine Symptomverbesserung erreicht werden.25 Daher ist es für Menschen mit Nesselsucht mehr als ratsam, stark verarbeitete Lebensmittel mit künstlichen Zusatzstoffen vom Speiseplan zu streichen und sich überwiegend von frischen, natürlichen Lebensmitteln zu ernähren. Eigenständige Zubereitung und Weiterverarbeitung sollten zusätzlich ganz hoch im Kurs stehen.

 

Ballaststoffe und Probiotika für einen stabilen Darm

Ein gesunder Darm ist essentiell für ein Immunsystem im Gleichgewicht und wenig unterschwellige Entzündungsprozesse (silent inflammation). Studien zeigen, dass Menschen mit einer chronisch-spontanen Urtikaria Veränderungen in ihrer Darmflora aufweisen, die sich möglicherweise negativ auf die Immunabwehr und das Entzündungsgeschehen auswirken.26 Um intakt zu bleiben, braucht unser Darm eine abwechslungsreiche Mischung aus Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Obst und besonders viel Gemüse. Diese ballaststoffreichen Lebensmittel sind gut für unsere Verdauungstätigkeit, aber noch viel wichtiger: genau das richtige “Futter” für unsere Darmbewohner. Man kann aber auch noch einen Schritt weiter gehen und die ballaststoffreichen Lebensmittel mit Bakterienkulturen fermentieren. Das Ergebnis sind sogenannte Probiotika. Joghurt und Sauerkraut gehören zu den bekanntesten Vertretern dieser Lebensmittelgruppe. Aber auch Kefir, Kombucha oder fermentierte Gemüsesorten wie Möhren, Fenchel oder Kohlrabi erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit. Der regelmäßige Verzehr von Probiotika wirkt sich aber nur dann positiv auf die Bakterienvielfalt aus, wenn die zur Fermentation benutzen Bakterien nicht abgetötet wurden.27

 

Hinweis

Achtung

Fermentierte Lebensmittel können einen hohen Histamingehalt aufweisen. Je mehr Eiweiß das Lebensmittel enthält, desto höher der Histamingehalt. Sauerkraut und fermentiertes Gemüse enthalten daher weniger als fermentierte Milchprodukte oder Hülsenfrüchte. Da Histamin mitunter eine Nesselsucht verstärken kann (siehe histaminarme Diäten), muss jeder individuell ausprobieren, wie er auf Fermente reagiert.

Viele gesunde Fette wie Omega-3-Fettsäuren, um Entzündungen entgegenzuwirken

Für die Stoffwechselvorgänge in unserem Körper spielt die Zusammensetzung der aufgenommenen Fette eine große Rolle. Gesättigte Fettsäuren sind oft in großen Mengen in tierischen Lebensmitteln, Palmöl und in industriell verarbeiteten Lebensmitteln vorhanden. Eine hohe Aufnahme dieser Fettsäuren hat in vielen Studien gezeigt, dass sie Übergewicht, Diabetes und Herzkreislauferkrankungen fördern.28 Aber auch die Haut kann betroffen sein: In der Forschungswelt gibt es erste Ergebnisse, die gesättigte Fettsäuren als Risikofaktor für Entzündungen in der Haut ausmachen.29

 

In unserer Ernährung gibt es auch Fette, die genau die gegensätzliche Wirkung haben: Omega-3-Fettsäuren. Sie sind vor allem in pflanzlichen Ölen, Nüssen, Samen oder in fetten Kaltwasserfischen zu finden. Aber Achtung bei der Wahl des richtigen Öls: Die meisten Pflanzenöle enthalten mehr Omega-6-Fettsäuren, die Entzündungen fördern. Bei Urtikaria ist es daher sinnvoll auf native Öle wie Leinöl, Hanföl, Rapsöl oder Algenöl zurückzugreifen, um die Aufnahme von Omega-6-Fettsäuren und gesättigten Fettsäuren einzudämmen. Native Öle dürfen nicht zum Braten und Erhitzen verwendet werden, da die enthaltenen Fettsäuren und Mikronährstoffe hitzeempfindlich sind und zum Teil zu gesundheitsschädlichen Verbindungen abgebaut werden. Für kalte Speisen wie Salate, Dips, Pesto und Antipasti sind sie hervorragend geeignet.

Eine weitere Fettsäure, die sich positiv auf das Entzündungsgeschehen auswirkt, ist Gamma-Linolensäure. Obwohl es sich um eine Omega-6-Fettsäure handelt, zeigt sie im Körper anti-entzündliche Wirkungen, da sie den Arachidonsäure-Stoffwechsel hemmt.30 Diese Fettsäure kommt auch nur in wenigen Pflanzenölen wie Nachtkerzenöl, Borretschöl, schwarzem Johannisbeerenöl oder Hanföl vor und wird daher auch eher zu wenig aufgenommen. Zusammen mit Omega-3-Fettsäuren hat sie ein hohes Potential in das Entzündungsgeschehen einzugreifen. Studien mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte und Akne zeigen zum Teil deutliche Verbesserungen im Hautbild durch die Einnahme dieser mehrfach ungesättigten Fettsäuren.31-32

 

Eliminationsdiäten bei Nesselsucht

Generell auf bestimmte Lebensmittel bei Urtikaria zu verzichten, wird nicht empfohlen. Hat man jedoch den Verdacht, dass sich die Quaddel-Schübe nach dem Verzehr von bestimmten Nahrungsmitteln häufen, sind Eliminationsdiäten eine Möglichkeit die Symptome zu verbessern. Beschrieben sind folgende Konzepte:

  • pseudoallergenarme Diät
  • histaminarme Diät
  • Verzicht auf Fisch und Fischprodukte

 

Alle drei Eliminationsdiäten sind nicht scharf voneinander abgegrenzt, und es gibt einige Lebensmittel, die in mindestens zwei der drei Kostformen auftauchen. Über mindestens drei Wochen sollten Betroffene zunächst alle Pseudoallergene weglassen. Tritt eine Verbesserung der Beschwerden auf, können Stück für Stück einzelne Lebensmittel wieder zugeführt und auf Verträglichkeit getestet werden. Laut wissenschaftlichen Untersuchungen konnte die Krankheitsaktivität bei mehr als einem Drittel der Patienten gesenkt werden, und 5 % waren sogar komplett beschwerdefrei. Die stärksten Erfolge konnten bei der pseudoallergen- und histaminarmen Diät erzielt werden.33-34

 

Pseudoallergenarme Diäten

Pseudoallergene lösen keine “richtigen” allergischen Reaktionen aus, können aber die Mastzellen zur Histaminfreisetzung animieren. Die genauen Mechanismen sind nicht bekannt. Hinzu kommt ein großes Problem: Es gibt eine ganze Reihe an Lebensmittelinhaltsstoffen, die den Pseudoallergenen zugeordnet werden und daher ergeben sich auch verschiedene Diätkonzepte.

 

 Inhaltsstoffeproblematische Lebensmittel
natürliche InhaltsstoffeAromastoffeTomaten, Kräuter, Wein
künstliche ZusatzstoffeFarbstoffe, Konservierungsstoffe, Aromastoffe, Zuckeraustauschstoffeindustriell verarbeitete Lebensmittel
gefäßerweiternde InhaltsstoffeAcetylsalicylsäure, Histamin, Stickstoffmonoxidviele Obst- und Gemüsesorten, Gewürze, geräucherte Fisch- und Fleischwaren, lang gereifter Käse, fermentierte Lebensmittel, Wein, Nüsse

 

Histaminarme Diäten

Histamin ist nicht nur ein Hormon in unserem Körper, sondern auch ein Inhaltsstoff in vielen Lebensmitteln. Es wird u. a. von Bakterien gebildet, die an Gär- und Reifungsprozessen beteiligt sind. Daher enthalten lang gereifte Lebensmittel (z. B. Käse, Wurst) und Fermente (z. B. Wein, Sauerkraut) viel Histamin. Normalerweise wird das über die Lebensmittel aufgenommene Histamin im Darm durch ein Enzym abgebaut. Durch Störungen im Abbauprozess (zu wenig oder zu geringe Aktivität des Enzyms) gelangt das Histamin ins Körperinnere und kann dort die Nesselsucht verstärken. Menschen, die Histamin nicht ausreichend abbauen können, besitzen eine sogenannte Histaminintoleranz. Lebensmittel, die sich auf den Histamin-Haushalt auswirken können, sind:

  • lang gereifter Käse (z. B. Hartkäse)
  • geräucherte Fleisch-, Fisch- und Wurstwaren
  • “alter” Fisch – am besten nur fangfrisch oder tiefgefroren verzehren
  • Sojaprodukte
  • Nüsse und Hülsenfrüchte
  • Tomaten, Spinat, Avocados, Auberginen und fermentiertes Gemüse
  • Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Kiwis, Bananen und Ananas
  • Schokolade und Kakaoprodukte

 

Verzicht auf Fisch und Fischprodukte

Bei Urtikaria können auch Fisch und Fischprodukte problematisch sein, denn sie sind reich an Histamin (siehe histaminarme Diäten) und können Allergien auslösen. Kann man diese Lebensmittel jedoch als Auslöser ausschließen, ist Fisch bedenkenlos auch als Urtikaria-Patient genießbar.

Therapie und Prävention

Jede Behandlung enthält präventive Aspekte und jede Prävention wirkt auch als Therapie. Die Grundpfeiler jeder Vorbeugung und Therapie basieren auf unserem Lebensstil: Wie ernähren Sie sich? Ist Ihr Organismus ausreichend mit Mikronährstoffen versorgt? Wieviel Bewegung ist in Ihren Alltag integriert? Rauchen Sie und wieviel Alkohol konsumieren Sie? Bestimmt Stress Ihr ganzes Leben? Leiden Sie unter chronischen Infektionen? Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, können sich diese Basispfeiler positiv auf Ihre Gesundheit auswirken, aber auch jahrelange Risikofaktoren für viele Erkrankungen darstellen. In diesem Kapitel werden zahlreiche ganzheitliche Methoden vorgestellt, die Ihre Gesundheit und Lebensqualität stärken können – präventiv und/oder auch als Therapie.

Mikronährstoffe

Das-Wichtigste-in-Kürze

Mikronährstoffe in der Übersicht

  • Mikronährstoffe sind unentbehrliche Mikrohelfer in unserem Organismus.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit allen Mikronährstoffen bei Nesselsucht. Besonders wichtig sind Vitamin C, E, A, B6 und D sowie Selen, Zink, Kupfer, Eisen, Kalzium und Magnesium.
  • Sekundäre Pflanzenstoffe aus Zwiebel, Petersilie und Schwarzkümmel zeigen Anti-Histamin-Effekte.
  • Einige der typischen Nesselsucht-Medikamente erhöhen zusätzlich Ihren Mikronährstoffbedarf. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, Ihren Mikronährstoffbedarf ausreichend über die Ernährung zu decken, können moderat dosierte, natürliche Mikronährstoffmischungen sinnvoll sein.
  • Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Eine wichtige Basis für alle Therapien wird oft bei der Beratung außer Acht gelassen: Eine gesunde, ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung. Der Körper muss mit Mikronährstoffen optimal versorgt sein, damit Folgen der Nesselsucht- abgemildert und Nebenwirkungen der Medikamente reduziert werden können.

 

Mikronährstoffe – was ist das?

Zu den Mikronährstoffen gehören in erster Linie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die einen wichtigen Teil dazu beitragen, damit unser Organismus funktioniert. Im weiteren Sinne lassen sich auch essentielle Fettsäuren, Aminosäuren, sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme hinzuzählen. Makronährstoffe wie Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette sind unsere Energielieferanten, während die Mikronährstoffe an Prozessen wie z. B. Blutgerinnung, Immunabwehr und Knochengesundheit beteiligt sind. Einige Mikronährstoffe kann unser Körper selbst herstellen, die meisten jedoch müssen mit der Nahrung aufgenommen werden.

 

Der menschliche Organismus – ein Blick in die Zellen

Der Mensch besteht aus über 70 Billionen Zellen. Diese können alle nur optimal funktionieren, wenn sie mit Vitaminen und Spurenelementen versorgt sind. Es gibt nahezu keinen Stoffwechselschritt, an dem nicht mehrere Mikronährstoffe beteiligt sind. Dazu zählen unter anderem die:

  • Aktivierung von Enzymen und Hormonen (Stoffwechselaktivität)
  • Abwehrleistung des Immunsystems (Immunstoffwechsel)
  • Energieproduktion in den Kraftwerken unserer Zellen, den sogenannten Mitochondrien (Energiestoffwechsel)
  • Leistungsfähigkeit des Herzmuskels (Herzkraft und -rhythmus)
  • Kontraktion der Skelettmuskulatur (Muskelkraft und -koordination)
  • Impulsübertragung in und der Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen (Nerven- und Gehirnstoffwechsel)

 

Für alle Stoffwechselreaktionen im Körper sind Enzyme notwendig, sie wirken wie ein Katalysator. Enzyme können ihren Aufgaben jedoch nur mithilfe von Mikronährstoffen nachkommen. Je besser der Körper mit Nährstoffen versorgt ist, desto besser funktioniert der gesamte Organismus. Ein Mikronährstoffmangel kann sich also negativ auf den Stoffwechsel und das Immunsystem auswirken. Um Ihre Gesundheit zu schützen und Ihre weiteren Therapien zu unterstützen, sollten Sie also auf Ihren Mikronährstoffhaushalt achten.

 

Gehören Sie auch zu den Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen?

Egal ob Schmerzmittel, Blutdrucksenker, Cholesterinsenker oder die Antibabypille. Schon ein einzelnes Medikament kann unsere optimale Versorgung mit Mikronährstoffen ungünstig beeinflussen. Je mehr Medikamente gleichzeitig eingenommen werden, desto intensiver wird in den Mikronährstoffhaushalt eingegriffen, was Wechselwirkungen der Arzneimittel untereinander sowie das Auftreten von Nebenwirkungen erhöht. Hierdurch kann nicht nur die Wirkung des Medikaments negativ beeinflusst werden, sondern auch die Funktion der Mikronährstoffe und die Nesselsucht an sich. Es ist bekannt, dass bestimmte Medikamente Triggerfaktoren für die lästigen Quaddeln sind. Dazu gehören nichtsteroidale Schmerz- und Entzündungsmedikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac.

 

Welche Lebensphasen führen noch zu einem erhöhten Mikronährstoff-Bedarf?

Aber nicht nur die regelmäßige Einnahme von Medikamenten führt zu einem erhöhten Mikronährstoffbedarf. Es gibt bestimmte Lebensphasen und Umstände, die ein erhöhtes Risiko für einen Nährstoffmangel aufweisen:

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangere und Stillende
  • ältere Menschen
  • Menschen mit Magen-Darm-Störungen
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen

 

Diesen erhöhten Bedarf zu decken, ist nicht immer einfach. Trotz des reichhaltigen Angebotes an verschiedenen Lebensmitteln verringern verschiedene Faktoren den Mikronährstoffgehalt in Lebensmitteln:

  • nicht ausgereiftes Obst und Gemüse
  • größere Erträge in der Landwirtschaft
  • Einsatz von Pestiziden

 

Es ist wichtig, die Ernährung mit einer breiten und möglichst natürlichen Basis an allen Vitaminen, Spurenelementen sowie sekundären Pflanzenstoffen zu optimieren.

 

Mikronährstoffkonzentrat als Grundlage

Gut versorgt sind Sie mit moderaten Mikronährstoffmischungen – von einzelnen hochdosierten Mikronährstoffen raten wir ohne Absprache mit Ihrem Arzt und vorherigen Untersuchungen ab.

 

Das Angebot an Mikronährstoffpräparaten ist groß und unübersichtlich. Entscheidend beim präventiven Ansatz ist die natürliche Vielfalt. Das ideale Mikronährstoffpräparat ist auf natürlicher Basis produziert, enthält neben allen klassischen Mikronährstoffen auch sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme, ist flüssig, glutenfrei und vegan. Die Bioverfügbarkeit sollte wissenschaftlich belegt sein und es sollten keine künstlichen Aroma- oder Konservierungsstoffe enthalten.

 

Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.

Mikronährstoffe bei Nesselsucht

Mit Hilfe eines Mikronährstoffkonzentrats wird der Körper ausreichend mit allen wichtigen Mikronährstoffen versorgt, die sich positiv auf das Immunsystem, die Mastzellen und die Freisetzung von Histamin auswirken können. Sie unterstützen den Körper dabei wieder ins Gleichgewicht zu kommen und können einem durch Medikamente bedingten Mangel bestimmter Mikronährstoffe vorbeugen. Folgende Mikronährstoffe können unterstützend in der Therapie von Nesselsucht eingesetzt werden:

 

Natürliche Antioxidantien gegen oxidativen Stress

Wie im Kapitel Ursachen dargestellt, hat oxidativer Stress einen Einfluss auf das Auftreten von Quaddel-Schüben. Ist unser Körper ausreichend mit natürlichen Antioxidantien wie Vitamin C, E und Selen versorgt, kann er diesen Prozessen entgegentreten. Auch antioxidativ wirkende Enzyme benötigen Cofaktoren wie Zink, Mangan, Selen, Kupfer oder Eisen.

 

Mikronährstoffe, die in den Histaminstoffwechsel eingreifen

Vitamin C, Vitamin B6 und Kupfer sind wichtige Cofaktoren für das Enzym zum Abbau von Histamin im Körper, die sogenannte Diaminoxidase (DAO).35 Je besser die Versorgung mit diesen Mikronährstoffen, desto besser kann der Histaminspiegel im Körper gesenkt werden.36 Außerdem verbessert dieses Enzym die Arbeitsweise der Mastzellen, was sich positiv auf die Schubhäufigkeit auswirken könnte. Vitamin C unterstützt nicht nur den Histaminabbau, es drosselt auch die Freisetzung von Histamin.35

 

Kalzium ist ein wichtiges Signalmolekül in den Mastzellen und kann die Freisetzung von Histamin beeinflussen.37 Außerdem senkt es die Gefäßdurchlässigkeit, wodurch die Quaddelbildung und der Juckreiz weniger stark ausgeprägt sind. Früher wurde Kalzium häufig als Antiallergikum empfohlen, heute sind seine positiven Wirkungen durch den Einsatz von modernen Medikamenten fast in Vergessenheit geraten.38

 

Eine weiterer Mikronährstoff mit Anti-Histamin-Wirkung ist Magnesium. In Tierexperimenten konnte beobachtet werden, dass bei Magnesiummangel deutlich mehr Histamin aus den Mastzellen freigesetzt wird.39 Es wird außerdem bei Asthma-Anfällen empfohlen.40

 

Zink spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung und Ausschüttung von Botenstoffen wie Histamin aus den Mastzellen. Eine ausreichende Versorgung mit Zink hemmt die Histaminausschüttung und fördert die Aktivität der DAO; ein Mangel an Zink ist assoziiert mit einem erhöhten Asthmarisiko und Entzündungsneigung.41

 

Vitamin D

Ein Vitamin, was sehr häufig im Zusammenhang mit der Urtikaria genannt wird, ist Vitamin D. Ein Defizit an Vitamin D ist deutlich häufiger bei Menschen mit Nesselsucht anzutreffen, wobei von einem massiven Mangel (< 20 ng/dl im Blut) ausgegangen wird.23 Aus experimentellen Studien weiß man, dass Vitamin D benötigt wird, um die Mastzellen zu stabilisieren.42 Erste Studien zeigen, dass eine Gabe von Vitamin D bei Urtikaria-Patienten mit sehr niedrigen Vitamin D-Spiegeln die Symptomstärke deutlich reduzieren kann.23

 

Vitamin A

Vitamin A ist dafür bekannt den Stoffwechsel zu beeinflussen und den Sehvorgang zu ermöglichen. Darüber hinaus spielt es aber auch eine wichtige Rolle bei der Modulation des Immunsystems. Wie Vitamin D stabilisiert es die Mastzellen und führt nachfolgend zu einer geringeren Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen.43 Von Studien mit Asthma- und Neurodermitis-Patienten weiß man, dass diese häufig zu geringe Vitamin A-Spiegel aufweisen.44 Die auftretende Entzündungsreaktion wird zum einen durch einen Vitaminmangel begünstigt und zum anderen verbraucht sie verstärkt Vitamin A, was sich negativ auf den Spiegel auswirkt – ein häufiges Problem bei chronischen Erkrankungen.

 

Sekundäre Pflanzenstoffe

Seit einigen Jahren gibt es immer mehr Erkenntnisse zu der Bedeutung von sekundären Pflanzenstoffen für unsere Gesundheit. Sie haben ganz unterschiedliche Wirkungen von antibakteriell, antiviral, antikanzerogen bis entzündungshemmend.45 Sie wirken auf eine Vielzahl von Stoffwechselprozessen, u. a. hemmen sie die Freisetzung von Sauerstoffradikalen und interagieren mit Enzymen und Immunzellen.46 In Bezug auf die Freisetzung von Histamin aus den Mastzellen gibt es interessante Forschungsergebnisse. Inhaltsstoffe der Zwiebel (Quercetin), der Petersilie (Luteolin) und des Schwarzkümmels (Thymochinon) haben antihistaminische Effekte, da sie die Mastzellen stabilisieren und die Produktion und/oder die Freisetzung von Histamin hemmen.47-48 Ob diese sekundären Pflanzenstoffe auch die Urtikaria-Symptome lindern können, muss jedoch noch explizit untersucht werden.

Lebensstil

Das-Wichtigste-in-Kürze

Lebensstil in der Übersicht

  • Lebensstilfaktoren, die besonders im Fokus stehen, sind Sport und Entspannungstechniken.
  • Stress ist ein wichtiger Triggerfaktor der Urtikaria und durch Sport, Bewegung, Entspannung und Stressbewältigung kann der richtige Umgang mit Stress erlernt oder zumindest verbessert werden.
  • Verzicht auf Genussmittel sowie triggernde Faktoren, Anstreben des Normalgewichts und das Führen eines Symptomtagebuchs helfen zusätzlich im Alltag mit Urtikaria.

Stress abbauen durch Sport & Entspannungstechniken

Mentale Belastungen und emotionaler Stress sind wichtige Triggerfaktoren bei Urtikaria.49 Außerdem ist bekannt: Stress fördert Entzündungen. Oft entsteht dieser Stress durch chronische Überbelastung im Arbeits- und Privatleben, aber auch durch soziale Stigmatisierung. Vielleicht fühlen Sie sich durch Ihre Erkrankung ausgegrenzt, ausgeliefert und/oder schämen sich. Folgen dieser psychischen Belastungen sind erhöhte Entzündungsparameter im Blut (Zellstress), Angststörungen und depressive Verstimmungen. Der erste Schritt aus diesem Teufelskreis ist das Bewusstsein, dass Stress die Symptome verschlimmert. Mit Sport und Entspannungstechniken kann man Stress zusätzlich den Kampf ansagen.

 


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Vielleicht finden Sie in diesem Buch ein paar Anregungen zum Stressabbau:


 

Sport und Bewegung

Sport und Bewegung fördern die körperliche sowie geistige Gesundheit und spielen eine wichtige Rolle bei der Prävention und Behandlung von verschiedenen Krankheiten. Die Betonung liegt dabei auf „regelmäßig“, denn für unseren Körper ist es viel gesünder, immer wieder ein wenig Bewegung als lange nichts zu tun und sich dann bis zur Erschöpfung zu verausgaben.

Im Zusammenhang mit Hauterkrankungen können Sport und Bewegung die Leistungsfähigkeit verbessern, die Körper- und Erkrankungsakzeptanz erhöhen und das Selbstwertgefühl verbessern, was letztlich alles zur Besserung des Hautbildes beitragen kann.50

 


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Damit Sie Sportübungen überall und komfortabel praktizieren können, lohnt es sich, in eine hochwertige, rutschfeste Yogamatte aus abbaubaren Materialien zu investieren.


 

Hinweis

Achtung

Aber Achtung bei Menschen mit cholinerger bzw. anstrengungsinduzierter Urtikaria: Bei diesen Urtikaria-Formen kann durch die sportliche Betätigung und Schwitzen die Quaddelbildung einsetzen. Wer trotzdem nicht auf Sport verzichten möchte, kann durch kühle Umschläge und die richtige Medikation vor dem Sport für Linderung sorgen.

Stressbewältigung und Entspannungstechniken

Stress abzubauen und sich nach einem anstrengenden Tag zu entspannen, ist sehr wichtig. Gerade in der heutigen Zeit ist es nicht immer möglich dem Stress aus dem Weg zu gehen, aber versuchen Sie durch Entspannung, Pausen und Bewegung diesem weitestgehend vorzubeugen.

Hilfreich sind beispielsweise ein strukturierter Alltag und fest eingeplante Termine im Kalender, die der eigenen Regeneration dienen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der „Termin“ mit einem Hobby, einen ausgedehnten Spaziergang, Treffen mit Freunden oder einfach dem Nichtstun gefüllt wird.

 

Entspannungstechniken wie Achtsamkeitstraining, Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung können wahre Wunder bewirken; nicht nur beim Abbau von Stress, sondern beim Umgang mit der Erkrankung. Ist man entspannt, stören die kleinen juckenden Quaddeln deutlich weniger. Erste Studien bestätigen, dass durch Achtsamkeitstraining das Immunsystem und entzündliche Botenstoffe positiv beeinflusst werden.51

Ebenso empfehlenswert sind kleine Alltagsrituale, die uns am besten mehrmals täglich aus dem Hamsterrad aussteigen lassen. Beispiele hierzu sind die morgendliche Dusche mit der Lieblingsseife, die Viertelstunde am Nachmittag, die ausschließlich einer Tasse Tee gewidmet wird, während die Kinder oder das Handy Pause haben, die Runde um den Block bei jedem Wetter oder mehrmals am Tag kurze Pausen, in denen alles liegen bleibt und wir uns ausgiebig strecken und dehnen, mehrere Male tief atmen und erst dann wieder die nächste Aufgabe in Angriff nehmen.

 

Normalgewicht halten und Bluthochdruck vermeiden

Sein Gewicht in einem normalen Bereich zu halten, wirkt sich in vielerlei Weise positiv auf den Körper aus. Es schont die Gelenke, fördert einen gesunden Stoffwechsel und reduziert das Risiko für Zivilisationskrankheiten. Übergewicht und das metabolische Syndrom sind verbunden mit einem höheren Entzündungslevel im Körper. Denn das überschüssige Fettgewebe produziert sehr viele entzündungsfördernde Hormone wie Leptin und Adiponektin. Diese tragen dazu bei, dass es immer wieder zu niederschwelligen Entzündungen im Körper kommt. Außerdem ist bekannt, dass Urtikaria-Schübe bei Menschen mit Bluthochdruck länger andauern.49

 

Verzicht auf Nikotin und Alkohol

Dass diese Genussmittel nicht gut für unsere Gesundheit sind, ist allgemein bekannt. Aber gerade bei Nesselsucht werden durch den Konsum von Alkohol und Zigaretten Quaddel-Schübe unnötig getriggert.33 Alkohol setzt Histamin frei und hemmt den Abbau von Histamin im Körper, was die Symptome deutlich verschlimmern kann.52

 

Triggerfaktoren möglichst reduzieren

Fachleute gehen davon aus, dass bei Urtikaria-Patienten die Reizschwelle für die Freisetzung von Histamin bei den Mastzellen herabgesetzt ist. Kommen mehrere Störfaktoren auf einmal zusammen, kann die Wirkung weiter verstärkt werden. Um die Nesselsucht nicht weiter zu verschlimmern, kann man folgende Dinge im Alltag beachten: 53

  • beengende und reibende Kleidung meiden
  • Hitze und heiße Bäder umgehen, da sie die Gefäßdurchlässigkeit erhöhen
  • bestimmte Medikamente können die Lage noch verschlimmern (z. B. nichtsteroidale Schmerz- und Entzündungsmedikamente wie Aspirin, Ibuprofen und Diclofenac)
  • Pseudoallergene in Nahrungsmitteln (siehe Kapitel Ernährung)
  • Infektionen
  • Stress (siehe Sport- und Entspannungstechniken)
  • Genussmittel (siehe Verzicht auf Alkohol und Nikotin)

 

Tipp

Nesselsucht-Tagebuch für eine bessere Schubkontrolle

Für Urtikaria-Betroffene, die die Ursache ihrer Schübe nicht kennen, kann es dennoch sinnvoll sein, das Auftreten der Quaddeln, die Nahrungsaufnahme und weitere Alltagsumstände in einem Tagebuch festzuhalten. Mitunter ergeben sich Zusammenhänge, die einem ohne die Dokumentation nicht aufgefallen wären.

Konventionelle Therapie

Das-Wichtigste-in-Kürze

Konventionelle Therapie in der Übersicht

  • Zentrales Ziel der Urtikaria-Behandlung ist es die Quaddelbildung möglichst zu unterdrücken bzw. zu vermeiden.
  • eventuelle Therapie der Grunderkrankung
  • Medikamente zur Unterdrückung der Quaddelbildung (H1-Antihistaminika, Kortison-Tabletten, Biologika, Ciclosporin)
  • Eliminationsdiäten bei chronischer Intoleranz-Urtikaria
  • Meiden der Auslöser bei induzierbarer Nesselsucht

Zentrales Ziel der Urtikaria-Behandlung ist es die Quaddelbildung möglichst zu unterdrücken bzw. zu vermeiden, um den Leidensdruck der Patienten erträglich zu gestalten. Je nach Urtikaria-Form gibt es zum Teil individuelle Anpassungen in der Therapie.

 

Eventuelle Therapie der Grunderkrankung

Ist eine akute oder chronische Infektionskrankheit bekannt, sollte diese möglichst gut behandelt werden, wodurch sich die Beschwerden der Nesselsucht bessern können. Es ist aber auch möglich, dass sich die Urtikaria zunächst nicht bessert.

 

Medikamente zur Unterdrückung der Quaddelbildung

  • H1-Antihistaminika (der zweiten Generation)

Antihistaminika blockieren die durch Histamin in Gang gesetzten Hautreaktionen. Dabei verhindern sie, dass Histamin an seine Zielrezeptoren andocken kann. Als gut verträglich und wirksam werden die Wirkstoffe Cetirizin und Loratadin beschrieben. Viele Präparate sind in der Apotheke frei verkäuflich. Im Gegensatz zu den Antihistaminika der ersten Generation, wirken die neuen Präparate nicht mehr sedierend. Wichtig ist die kontinuierliche Einnahme der Tabletten über mindestens 2-4 Wochen. Laut Leitlinie kann bei bestehenden Symptomen die Dosierung weiter gesteigert werden – maximal bis zur vierfachen Menge der Standarddosierung.17

 

  • Kortison-Tabletten

Ist der Patient durch die Gabe von Antihistaminika nicht beschwerdefrei, können Glukokortikoide für eine kurzfristige Behandlung hinzugezogen werden. Bei Patienten mit Angioödemen im Bereich der Atemwege werden häufig Antihistaminika und Glukokortikoide kombiniert über eine Infusion gegeben bis sich der Zustand stabilisiert.

 

  • Biologika

In den letzten Jahren ist eine neue Gruppe von Medikamenten auf den Markt gekommen, die sogenannten Biologika (der Begriff hat nichts mit „bio“ oder „natürlich“ zu tun), die sich gegen Entzündungsmediatoren oder direkt gegen Immunzellen richten. Für Nesselsucht gibt es ein Wirkstoffpräparat, das körpereigene Immunglobuline der Gruppe E hemmt und darüber die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen aus den Mastzellen reduziert. Biologika werden zusammen mit einem Antihistaminikum bei Patienten verabreicht, die vorab keine Verbesserung bei einer hochdosierten isolierten Gabe von Antihistaminika gezeigt hatten. In klinischen Studien sprachen viele Patienten sehr gut auf diese Behandlung an, jedoch ist sie bisher nur für die chronische spontane Urtikaria zugelassen.17

 

  • Ciclosporin

Bleiben alle medikamentösen Behandlungsoptionen ohne nennenswerte Erfolge kann in Einzelfällen Ciclosporin gegeben werden. Es ist ein hochwirksamer Immunhemmer, der in Studien mit chronischen Nesselsucht-Patienten deutliche Erleichterung brachte, jedoch bisher nicht für diese Indikation zugelassen ist.17

 

Eliminationsdiäten bei chronischer Intoleranz-Urtikaria

Ist eine Intoleranz-Urtikaria diagnostiziert worden, können sich die Symptome durch Weglassen der Nahrungsmittel bzw. Medikamente bessern oder gar verschwinden. In Absprache mit dem behandelnden Arzt und einem guten Ernährungsberater ist eine Eliminationsdiät eine gute Therapieoption mit Aussicht auf deutlich geringere Krankheitsaktivität. Mehr Informationen dazu, finden Sie in unserem Kapitel Eliminationsdiäten bei Nesselsucht.

 

Meiden der Auslöser bei induzierbarer Nesselsucht

Insbesondere bei den physikalischen Urtikaria-Formen und bei medikamenten-bedingter Urtikaria empfiehlt es sich den Auslösern aus dem Weg zu gehen. Häufig ist dann eine medikamentöse Therapie nicht notwendig. Ist dies nur schwer möglich, wie beispielsweise bei der aquagenen Urtikaria, können auch hier Medikamente unterstützen.

 

Ausflug in die Wissenschaft

Hemmung der Blutgerinnung kann chronische Urtikaria verbessern

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass bei Patienten mit chronischer Urtikaria die Blutgerinnung aktiviert ist.55-56 Was genau als Erstes ausgelöst wird, ist bisher nicht bekannt, jedoch wird vermutet, dass die verstärkte Gerinnungsneigung die Nesselsucht weiter triggert. Urtikaria-Patienten mit aktivierter Gerinnung sprachen schlechter auf die Antihistamin-Behandlung an und hatten eine schlechtere Kontrolle über die Quaddelschübe. Durch die Gabe von gerinnungshemmenden Medikamenten, sogenannten Antikoagulanzien wie Heparin, konnte bei einem Großteil der Patienten eine Besserung erzielt werden.57

Ganzheitliche Therapie

Das-Wichtigste-in-Kürze

Ganzheitliche Therapie in der Übersicht

In der ganzheitlichen Nesselsucht-Therapie stehen eine ganze Reihe von Behandlungsoptionen zur Verfügung:

  • Wasser und Kälte
  • Phytotherapie mit Heilpflanzen (Zaubernuss, Eichenrinde, Kamille, Zistrosenkraut, Ringelblume, Schwarztee, Bittersüßstängel)
  • Lichttherapie
  • Heilerde
  • Darmsanierung
  • traditionelle chinesische Medizin (Akupunktur, chinesische Arzneipflanzen)
  • Heilfasten

Neben den konventionellen Therapiemöglichkeiten gibt es für die Urtikaria auch ganzheitliche Therapieansätze, die ergänzend eingesetzt werden können oder bei akuten Schüben zusätzlich Linderung bringen.

 

Wasser und Kälte – zwei gute Alternativen zum Kratzen

Der Juckreiz ist häufig das unangenehmste Symptom der Urtikaria. Um nicht zu kratzen, können auch feucht-kalte Umschläge, Kühlakkus oder Kneippsche Wechselbäder eingesetzt werden. Patienten, die unter einer aquagenen Urtikaria oder Kälteurtikaria leiden, sind diese beiden Hausmittel natürlich nicht zu empfehlen.

 

Phytotherapie mit Heilpflanzen

Die Pflanzenheilkunde gehört in nahezu allen Kulturen der Welt zu den ältesten medizinischen Behandlungen. Sie kann bei verschiedensten chronischen Erkrankungen eingesetzt werden. Im Gegensatz zu konventionellen Medikamenten werden keine isolierten Einzelstoffe verwendet, sondern ganze Pflanzen oder Pflanzenteile mit verschiedenen Wirkstoffkombinationen. In Bezug auf die Nesselsucht können folgende Pflanzen für Linderung sorgen:

 

  • Virginische Zaubernuss (Hamamelis virginiana)

Die Zaubernuss wird als Zier- und Heilpflanze verwendet und ist hauptsächlich in Nordamerika und Ostasien beheimatet. Sie wirkt entzündungshemmend, juckreizlindernd und blutstillend. Diese als Strauch wachsende Pflanze wird daher bei kleineren Hautverletzungen und Entzündungen der Haut bzw. Schleimhaut eingesetzt.

 

  • Extrakte aus Eichenrinde (Quercus robur)

Die Rinde der Stieleiche ist eine beliebte Heilpflanze, weil die enthaltenen Gerbstoffe die Haut zusammenziehen lassen (verfestigende und blutstillende Wirkung) und die Reizweiterleitung hemmen (juckreizstillender Effekt). Die Rindenextrakte kommen besonders häufig bei Hämorrhoiden zum Einsatz und bei juckenden Hauterkrankungen wie der Nesselsucht.

 

  • Kamille (Matricaria chamomilla oder Matricaria recutita)

Dass Kamille eine hilfreiche Heilpflanze gegen Erkältungssymptome und Magen-Darm-Probleme ist, wissen viele Menschen. Aber sie hat auch eine entzündungshemmende, reizlindernde und wundheilungsfördernde Wirkung auf Haut und Schleimhäute. Welche Inhaltsstoffe sind für diese Effekte verantwortlich? Den enthaltenen ätherischen Ölen (Bisabolol, Matricin) sowie dem sekundären Pflanzenstoff Apigenin werden vielerlei gesundheitliche Wirkungen nachgesagt. Kamille ist ein Universalmittel für viele Hautkrankheiten von Neurodermitis, über Schuppenflechte bis zur Nesselsucht.

 

  • Zistrosenkraut (Cistus incanus herba)

Die Zistrose wurde bereits seit mehreren tausend Jahren im Mittelmeerraum als Heilpflanze eingesetzt, insbesondere bei Erkältungs-, Verdauungs- und Hautkrankheiten. Sie enthält sehr viele Polyphenole, die eine antivirale und entzündungshemmende Wirkung haben. Besonders gerne wird daher der Cistus-Tee zum Auftragen auf die Haut bei Akne, Neurodermitis und Nesselsucht verwendet.

 

  • Ringelblume (Calendula officinalis)

Die Ringelblumenblüten sehen nicht nur ansprechend aus, sie enthalten auch viele bioaktive Stoffe wie ätherische Öle, Saponine, Flavonoide, Triterpene und Bitterstoffe. Als Extrakt wirken sie entzündungshemmend und unterstützen die Heilung von Wunden. Ekzeme und Entzündungen auf Haut und Schleimhaut gehen dadurch deutlich zurück.

 

  • Schwarzer Tee (ohne Aroma, Camellia sinensis)

Ähnlich wie die Eichenrinde enthält auch der Schwarztee sehr viele Gerbstoffe, die antientzündlich und juckreizlindernd wirken. Dermatologen empfehlen Teeaufbereitungen für Patienten mit Ekzemen, Neurodermitis oder Nesselsucht. In einer wissenschaftlichen Studie mit Neurodermitis-Patienten konnten die Symptome durch eine 3-tägige Behandlung um 70 % gesenkt werden.58


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Unser Tipp für Schwarztee:


  • Bittersüßstängel (Solanum Dulcamara)

Bittersüßstängel-Extrakte haben eine sehr gute anti-entzündliche Wirkung und können sich auch positiv auf den Juckreiz auswirken. Die Kletterpflanze wird daher gerne bei wiederkehrenden Ekzemen und Neurodermitis eingesetzt. Da es die Pflanze in Salben, Tropfen oder Tabletten gibt, kann sie äußerlich wie innerlich angewendet werden und eignet sich daher auch sehr gut für Patienten mit einer aquagenen Urtikaria oder Kälte-Urtikaria.

Hinweis

Anwendung der Heilpflanzen

Bereiten Sie sich kalte Aufgüsse für Kompressen und Umschläge vor. Auch Fuß- oder Sitzbäder sind zu empfehlen. Die Umschläge legen Sie dann für mindestens 20 Minuten auf die betroffenen Hautareale.

Lichttherapie (Phototherapie)

Lichttherapie wird sehr häufig bei Ekzemerkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte oder Kontaktekzemen als zusätzliche Therapieoption genutzt. Es setzt in der Haut entzündungshemmende Botenstoffe frei und bekämpft den lästigen Juckreiz. Es gibt verschiedene Arten von Lichttherapie, die zum Teil unterschiedliche Wirkungen entfalten. Erste wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen auch eine positive Wirkung bei Urtikaria-Patienten. Hier zeigten insbesondere UVB Schmalband-Lampen die besten Ergebnisse.59 Bitte beachten: Hitze und Sonne können auch Auslöser der Nesselsucht sein.

 

Heilerde

Heilerde ist ein natürliches Pulver, das aus Ablagerungen von Löss, Lehm- und Tonerden gewonnen wird und hauptsächlich aus Aluminium-Silikaten besteht. Heilerde reinigt den Darm von Giftstoffen wie Schwermetallen, Weichmachern und Toxinen. Es bindet auch Histamin und biogene Amine. Es entlastet das histaminabbauende Enzym DAO und ist auf jeden Fall eine Behandlungsoption für Patienten, die Probleme mit histaminhaltigen Lebensmitteln haben.


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Unser Tipp für Heilerde:


Darmsanierung

Dass der Darm und seine bakteriellen Bewohner sich enorm auf das Immunsystem auswirken können, ist spätestens seit dem Buchklassiker “Darm mit Charme” in aller Munde. Eine Darmsanierung ist sehr sinnvoll, um ein fehlgesteuertes Immunsystem wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Sie setzt sich aus einer Darmreinigung und dem Wiederaufbau der Darmflora zusammen.

Durch die Sanierung der Darmflora wird die Darmbarriere gestärkt und ihre Schutzfunktionen wiederhergestellt sowie das Immunsystem mobilisiert. Entscheidend für einen erfolgreichen Aufbau der Darmflora ist die Qualität der verwendeten Bakterienstämme, deren Vermehrung im Darm und die Resistenz gegen die Magensäure sowie den Gallensaft. Eine gezielte Zufuhr von Probiotika (Darmbakterien) wirkt sich nachweislich positiv auf das Darmmilieu und chronisch-entzündliche Hautkrankheiten aus.60 Den Darm einmal im Jahr, nach Antibiotika-Behandlungen auch häufiger, zu sanieren ist eine Investition in seine Haut und als zusätzliche Therapieoption auf jeden Fall zu empfehlen. Welche Bakterien über welchen Zeitraum eingenommen werden sollten, besprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt oder Therapeuten.


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

In unserem Darm befindet sich der Großteil unserer Abwehrzellen. Wichtig dabei ist, dass die Darmflora – das sogenannte Mikrobiom des Darms – intakt ist. Dieses Mikrobiom besteht aus über 400 verschiedenen Darmbakterienarten, welche sich hauptsächlich im Dickdarm aufhalten. Sie unterstützen nicht nur unsere Verdauung, sondern produzieren verschiedene Vitamine und sind besonders wichtig für unsere Immunabwehr. Eine Darmsanierung lohnt sich besonders dann, wenn Sie Ihre Abwehrkräfte stärken, Magen-Darm-Beschwerden lindern oder Ihren Körper entgiften wollen. Auch nach einer Antibiotikaeinnahme sollte das Mikrobiom wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.

Hier zwei Tipps zu bewährten Produkten zur Darmsanierung:


 

Traditionelle chinesische Medizin

  • Akupunktur

Die Akupunktur ist eine ganzheitliche Therapie aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Grundlage der Jahrtausende alten chinesischen Medizin ist die Annahme, dass der Körper von Energiebahnen, den so genannten Meridianen, durchzogen ist. Ein gleichmäßiger Energiefluss sorgt für einen gesunden, vitalen Körper und psychische Ausgeglichenheit. Störungen im Energiefluss führen dazu, dass es in manchen Körperbereichen zu Energiestauungen kommt (Fülle-Zustände), in anderen dagegen ein Energiemangel (Leere-Zustand) vorliegt. Dieses Ungleichgewicht ist die Grundlage für die Ausprägung von Funktionsstörungen bis hin zu manifesten Krankheiten. Mit Hilfe der kleinen Nadeln lassen sich diese Ungleichgewichte behandeln, was den Energiefluss wieder in Gang bringt und sich positiv auf Schmerzen und Juckreiz auswirken kann. Wissenschaftlich konnte bereits nachgewiesen werden, dass sich die Stimulation bestimmter Akupunktur-Punkte präventiv auf die Quaddelbildung auswirken und zur Juckreiz-Beruhigung beitragen kann.61-62

 

  • Chinesische Arzneipflanzen

Die traditionelle chinesische Medizin hat neben der Akupunktur noch mehr zu bieten. Insbesondere die Gabe von pflanzlichen Arzneipflanzen hat hier einen hohen Stellenwert. Bei Urtikaria kommen Heilpflanzen wie Teichlinsenkraut, Ledebouriellawurzel oder Katzenminzkraut zum Einsatz, die die “Oberfläche” öffnen und dadurch Juckreiz und Hautausschläge mindern.63

 

Heilfasten

Beim Heilfasten wird über mehrere Tage auf Nahrung verzichtet, wodurch viele Ungleichgewichte im Stoffwechsel und im Immunsystem aufgehoben werden können. Chronische Entzündungen und Autoimmunerkrankungen gehen häufig deutlich in ihrer Aktivität zurück.64-65 Bisher fehlen Studien zur Wirkung von Heilfasten auf Nesselsucht, aber in Bezug auf die bisher bekannte antientzündliche Wirkung von Nahrungsentzug ist es auf jeden Fall ein Versuch wert.

Checkliste

Checkliste

Checkliste und Empfehlungen: Das können Sie selbst tun bei Nesselsucht

  • Gut informiert sein: Informieren Sie sich und Ihre Angehörigen so gut wie möglich über Ihre Erkrankung
  • „Richtige“ Therapeuten: Der Draht zu Ihren Therapeuten (Ärzte, Ernährungsberater, Heilpraktiker…) muss stimmen. Die Beziehung zwischen Patienten und Therapeut sollte auf Vertrauen und Sympathie aufbauen.
  • Mikronährstoffe: Achten Sie auf Ihren Mikronährstoffhaushalt. Nur wenn alle Mikronährstoffe ausreichend im Organismus vorhanden sind, können lebenswichtige Prozesse optimal ablaufen. Bei Nesselsucht stehen alle Mikronährstoffe im Fokus – eine Breitbandversorgung ist daher unerlässlich. Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.
  • Gesunde Ernährung: anti-entzündlich, überwiegend ballaststoffreich und pflanzlich mit wenig künstlichen Zusatzstoffen, gesunde Fette aus Omega-3 reichen Ölen und Fisch fermentierte Lebensmittel (wenn sie vertragen werden)
  • Bei Verdacht auf Lebensmittel-Unverträglichkeiten können Eliminationsdiäten wie Pseudoallergenarme und histaminarme Diäten eine Option sein.
  • Triggerfaktoren und auslösende Reize möglichst meiden
  • regelmäßige Bewegung, Entspannungs- und Stressbewältigungstechniken, um besser mit dem Urtikaria-Triggerfaktor Stress umzugehen.
  • Ganzheitliche bzw. alternative Behandlungsansätze tragen zu einer stärkeren Linderung der Nesselsucht-Beschwerden bei, daher sind Heilpflanzen (Zaubernuss, Eichenrinde, Kamille, Zistrosenkraut, Ringelblume, Schwarztee, Bittersüßstängel), Lichttherapie, Akupunktur, Heilerde, Heilfasten oder eine Darmsanierung hervorragende ergänzende Therapiebausteine.

Quellenangaben

1Urticaria Network e.V., https://www.urtikaria.net/en/forms-of-urticaria/overview.html (abgerufen Mai 2021)

2Zuberbier T. Urticaria. Allergy. 2003 Dec;58(12):1224-34. doi: 10.1046/j.1398-9995.2003.00327.x. PMID: 14616095.

3Zuberbier T, Balke M, Worm M, Edenharter G, Maurer M. Epidemiology of urticaria: a representative cross-sectional population survey. Clin Exp Dermatol. 2010 Dec;35(8):869-73. doi: 10.1111/j.1365-2230.2010.03840.x. PMID: 20456386.

4Champion RH, Roberts SO, Carpenter RG, Roger JH. Urticaria and angio-oedema. A review of 554 patients. Br J Dermatol. 1969 Aug;81(8):588-97. doi: 10.1111/j.1365-2133.1969.tb16041.x. PMID: 5801331.

5Storm, A: Kinder und Jugendreport 2019 https://www.dak.de/dak/download/dak-kinder–und-jugendreport-2019-2168336.pdf (abgerufen Mai 2021)

6Maurer M, Grabbe J: Urtikaria – gezielte Anamnese und ursachenorientierte Therapie. Dtsch Arztebl 2008; 105(25): 458-65; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0458.

7Jaros J, Shi VY, Katta R. Diet and Chronic Urticaria: Dietary Modification as a Treatment Strategy. Dermatol Pract Concept. 2019 Dec 31;10(1):e2020004. doi: 10.5826/dpc.1001a04. PMID: 31921491; PMCID: PMC6936629.

8Sagdic A, Sener O, Bulucu F, Karadurmus N, Yamanel L, Tasci C, Naharci I, Ocal R, Aydin A. Oxidative stress status in patients with chronic idiopathic urticaria. Allergol Immunopathol (Madr). 2011 May-Jun;39(3):150-3. doi: 10.1016/j.aller.2010.06.012. Epub 2011 Jan 13. PMID: 21236552.

9Konaka A, Nishijima M, Tanaka A, Kunikata T, Kato S, Takeuchi K. Nitric oxide, superoxide radicals and mast cells in pathogenesis of indomethacin-induced small intestinal lesions in rats. J Physiol Pharmacol. 1999 Mar;50(1):25-38. PMID: 10210152.

10Ahmad R, Hussain A, Ahsan H. Peroxynitrite: cellular pathology and implications in autoimmunity. J Immunoassay Immunochem. 2019;40(2):123-138. doi: 10.1080/15321819.2019.1583109. Epub 2019 Mar 7. PMID: 30843753.

11Sahiner UM, Birben E, Erzurum S, Sackesen C, Kalayci Ö. Oxidative stress in asthma: Part of the puzzle. Pediatr Allergy Immunol. 2018 Dec;29(8):789-800. doi: 10.1111/pai.12965. Epub 2018 Oct 1. PMID: 30069955.

12Varghese R, Rajappa M, Chandrashekar L, Kattimani S, Archana M, Munisamy M, Revathy G, Thappa DM. Association among stress, hypocortisolism, systemic inflammation, and disease severity in chronic urticaria. Ann Allergy Asthma Immunol. 2016 Apr;116(4):344-348.e1. doi: 10.1016/j.anai.2016.01.016. Epub 2016 Feb 20. PMID: 26905640.

13Bansal CJ, Bansal AS. Stress, pseudoallergens, autoimmunity, infection and inflammation in chronic spontaneous urticaria. Allergy Asthma Clin Immunol. 2019 Sep 11;15:56. doi: 10.1186/s13223-019-0372-z. PMID: 31528163; PMCID: PMC6737621.

14Su YJ, Luo SD, Hsu CY, Kuo HC. Differences in gut microbiota between allergic rhinitis, atopic dermatitis, and skin urticaria: A pilot study. Medicine (Baltimore). 2021 Mar 5;100(9):e25091. doi: 10.1097/MD.0000000000025091. PMID: 33655988; PMCID: PMC7939153.

15Bi XD, Lu BZ, Pan XX, Liu S, Wang JY. Adjunct therapy with probiotics for chronic urticaria in children: randomised placebo-controlled trial. Allergy Asthma Clin Immunol. 2021 Apr 17;17(1):39. doi: 10.1186/s13223-021-00544-3. PMID: 33865434; PMCID: PMC8052813.

16Fahrenhold, M. Krebsinduzierte Nesselsucht? Allergo Journal Ausgabe 7/2018

17Maurer M, Zuberbier T, Siebenhaar F, Krause K. Chronische Urtikaria – Was bringt die neue Leitlinie? J Dtsch Dermatol Ges. 2018 May;16(5):585-595. doi: 10.1111/ddg.13531_g. PMID: 29750471.

18Immel-Sehr, A. Wandernde Quaddeln.  https://www.pharmazeutische-zeitung.de/wandernde-quaddeln/ (abgerufen Mai 2021)

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20Maurer M, Weller K, Bindslev-Jensen C, Giménez-Arnau A, Bousquet PJ, Bousquet J, Canonica GW, Church MK, Godse KV, Grattan CE, Greaves MW, Hide M, Kalogeromitros D, Kaplan AP, Saini SS, Zhu XJ, Zuberbier T. Unmet clinical needs in chronic spontaneous urticaria. A GA²LEN task force report. Allergy. 2011 Mar;66(3):317-30. doi: 10.1111/j.1398-9995.2010.02496.x. Epub 2010 Nov 17. PMID: 21083565.

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23Jaros J, Shi VY, Katta R. Diet and Chronic Urticaria: Dietary Modification as a Treatment Strategy. Dermatol Pract Concept. 2019 Dec 31;10(1):e2020004. doi: 10.5826/dpc.1001a04. PMID: 31921491; PMCID: PMC6936629.

24Cornillier H, Giraudeau B, Samimi M, Munck S, Hacard F, Jonville-Bera AP, Jegou MH, d’Acremont G, Pham BN, Chosidow O, Maruani A. Effect of Diet in Chronic Spontaneous Urticaria: A Systematic Review. Acta Derm Venereol. 2019 Feb 1;99(2):127-132. doi: 10.2340/00015555-3015. PMID: 30085322.

25Di Lorenzo G, Pacor ML, Mansueto P, Martinelli N, Esposito-Pellitteri M, Lo Bianco C, Ditta V, Leto-Barone MS, Napoli N, Di Fede G, Rini G, Corrocher R. Food-additive-induced urticaria: a survey of 838 patients with recurrent chronic idiopathic urticaria. Int Arch Allergy Immunol. 2005 Nov;138(3):235-42. doi: 10.1159/000088724. Epub 2005 Oct 6. PMID: 16215324.

26Wang D, Guo S, He H, Gong L, Cui H. Gut Microbiome and Serum Metabolome Analyses Identify Unsaturated Fatty Acids and Butanoate Metabolism Induced by Gut Microbiota in Patients With Chronic Spontaneous Urticaria. Front Cell Infect Microbiol. 2020 Feb 21;10:24. doi: 10.3389/fcimb.2020.00024. PMID: 32154184; PMCID: PMC7047433.

27Renkawitz A und Keim U Diabetes besiegen mit einem gesunden Darm TRIAS-Verlag 2020

28Wali JA, Jarzebska N, Raubenheimer D, Simpson SJ, Rodionov RN, O’Sullivan JF. Cardio-Metabolic Effects of High-Fat Diets and Their Underlying Mechanisms-A Narrative Review. Nutrients. 2020 May 21;12(5):1505. doi: 10.3390/nu12051505. PMID: 32455838; PMCID: PMC7284903.

29Herbert D, Franz S, Popkova Y, Anderegg U, Schiller J, Schwede K, Lorz A, Simon JC, Saalbach A. High-Fat Diet Exacerbates Early Psoriatic Skin Inflammation Independent of Obesity: Saturated Fatty Acids as Key Players. J Invest Dermatol. 2018 Sep;138(9):1999-2009. doi: 10.1016/j.jid.2018.03.1522. Epub 2018 Mar 30. PMID: 29605673.

30Adam, O. Günstige Ernährung bei Morbus Bechterew. Wien Med Wochenschr 158, 294 (2008).

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