Die Pille - Pro und Contra im Überblick

Pille

Letzte Aktualisierung: 18. August 2020

Mit der Markteinführung der Pille in den 60er Jahren begann die sexuelle Revolution der Frauen. Nun konnten Frauen dank der Pille endlich über ihren Körper selbst bestimmen und ihre eigene Sexualität auch außerhalb der Ehe genießen. Heute sehen viele Frauen die Dinge differenzierter. Auch die Pille hat – wie die meisten pharmazeutischen Produkte – Nebenwirkungen. Sie beeinflusst aber nicht nur den Hormonhaushalt der Frau, sondern auch das eigene Körpergefühl der Frau.

Die Pille – so wirkt sie

Der Zyklus der Frau wird von Östrogenen und Gestagenen geregelt. Östrogene sorgen für die Reifung des Eis im Eierstock, den Eisprung und die Bildung des follikelstimulierenden Hormons FHS. Falls es zur Befruchtung einer Eizelle kommt, sorgen Gestagene dafür, dass keine weiteren Eizellen gebildet werden. Sie unterdrücken die Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut und sorgen dafür, dass sich der Embryo entwickelt. Übliche Kombinations-Pillenpräparate enthalten entsprechende Hormone, die diesen FHS-Spiegel senken.

Die heute weit verbreitete Minipille enthält dagegen kein Östrogen, sondern das Hormon Gestagen, welches den Schleimpfropf im Gebärmutterhals verdickt. Somit sorgt die Minipille dafür, dass sich befruchtete Eier nicht einnisten können. Pille und Minipille haben also zwei unterschiedliche Mechanismen. Bei der Pille kommt es erst gar nicht zur Befruchtung. Bei der Minipille kann es zu Befruchtungen kommen, das Ei wird jedoch an der Weiterentwicklung gehindert.

Neuere Sorten von Minipillen unterdrücken jedoch zusätzlich den Eisprung. Eine ähnliche Wirkung hat die Mikropille. Mini- und Mikropillen müssen sehr präzise zu bestimmten Zeitpunkten eingenommen werden, während es bei der normalen Pille einen etwas größeren Spielraum gibt.

Die Pille und ihre Vorteile

Wer sich an die Einnahmeverordnungen hält, braucht dank Pille keine Angst vor einer unerwünschten Schwangerschaft zu haben. Die Pille führt außerdem zu abgeschwächten Monatsblutungen. Bei einigen Präparaten, die ohne Pause durchgehend genommen werden, fallen sie sogar ganz aus. Bei jungen Frauen führt die Pille oft zu einer reineren Haut. Besonders Akne geht in vielen Fällen dank des künstlich niedrig gehaltenen Hormonspiegels zurück.

Medizinische Nebenwirkungen

Obwohl die Pharma-Industrie die Pille seit den 60er Jahren ständig verbessert hat, gibt es immer noch eine lange Reihe von Nebenwirkungen. Der künstlich beeinflusste Hormonspiegel führt natürlich zu einer Reihe von Veränderungen und Reaktionen. Manchen Frauen ist oft übel, andere klagen über Kopfschmerzen und Migräne. Viele Frauen nehmen an Gewicht zu, leiden unter Stimmungsschwankungen oder Brustspannungen.

Es können unerwartete Zwischenblutungen auftreten, auch Schmierblutungen sind – vor allem bei der Mini-Pille – durchaus üblich. Zudem kann die Libido, also das sexuelle Lustempfinden, durch die Einnahme der Pille eingeschränkt werden. Sowohl das Risiko für Thrombosen und Embolien, als auch das Brustkrebsrisiko für Frauen mit Veranlagung steigt.

Soziologische und biologische Fremdbestimmung

Soziologische und seelische Nebenwirkungen sind oft erst nach einiger Zeit oder sogar erst nach Jahren erkennbar. Viele Frauen verlieren aufgrund des künstlich erzeugten Zyklus das Gefühl für ihren eigenen Körper. Was passiert eigentlich mit meinem Körper während des Zyklus und welche Anzeichen weisen auf den Beginn meiner Monatsblutung hin? Dies sind Fragen, die Frauen nur ohne hormonelle Verhütung beantworten können.

Außerdem führt die Pille bei vielen Männern zu der Erwartungshaltung, dass sie sich selbst um die Verhütung nicht zu kümmern brauchen. Gerade Mädchen und junge Frauen sind häufig in einer Situation, in der sie sich dazu gezwungen fühlen, die Pille zu nehmen. Zu guter Letzt schützt die Pille zwar vor unerwünschten Schwangerschaften, jedoch nicht vor Geschlechtskrankheiten. Auch deshalb wählen junge Frauen heute häufig das Kondom als Verhütungsmittel. Es hat keinen Einfluss auf den Hormonhaushalt, zieht den männlichen Partner in die Verantwortung mit ein und schützt bei richtiger Anwendung nicht nur perfekt vor Schwangerschaften, sondern auch für Infektionen.