Superfoods – Eine kritische Betrachtung

Superfood

Letzte Aktualisierung: 5. August 2020

Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde: Superfoods. Angeblich machen sie gesund, munter und fit. Handelt es sich hier nur um einen Marketing-Gag oder sollten wir Superfoods wirklich in unseren täglichen Speiseplan aufnehmen? Wir zeigen Ihnen was es damit wirklich auf sich hat und welche Alternativen es gibt.

Studien belegen Wirksamkeit

Eine genaue Definition von Superfoods gibt es nicht. Man versteht darunter generell Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen und Co. Aufgrund dieser reichhaltigen Inhaltsstoffe sollen sie sich wohltuend auf Körper, Geist und Seele auswirken. Außerdem sind Superfoods in der Regel nur wenig verarbeitet und relativ kalorienarm.

Dazu zählen beispielsweise: Acai-Beeren, Chia-Samen, Mandeln, Ingwer, Gerstengrassaft, Papaya, Kürbiskerne, Granatapfel, Moringa, Kurkuma, Leinsamen und viele andere. Werfen wir zunächst einen genaueren Blick auf beliebte Superfoods, denen nachgesagt wird, positiv auf die Gesundheit zu wirken.

Beeren: Im Gegensatz zu anderen Frucht- und Obstsorten sind Beeren noch wenig überzüchtet und ähneln den einstigen Wildformen noch sehr. Sie sind bis heute voll von Antioxidantien, welche der Körper zur Abwehr von freien Radikalen benötigt. Kann der Körper seine Zellen nicht ausreichend vor diesen Radikalen schützen, entsteht oxidativer Stress, was wiederrum Erkrankungen wie Krebs, Bluthochdruck sowie Diabetes begünstigt.

Granatapfel: Bisher sind zwei Stoffe im Granatapfel bekannt, welche als Heilmittel verwendet werden können. Dazu zählen Polyphenole im Saft sowie ein wertvolles Öl aus den Kernen, das zur Behandlung von Wechseljahrbeschwerden gegeben wird. Die Polyphenole haben in Studien bereits eine krebshemmende sowie entzündungshemmende Wirkung bewiesen. Das ist aber noch nicht alles. Besonders im Verbund mit Datteln gilt der Granatapfel als perfekte Unterstützung des Herz-Kreislaufsystems. Die Kombination der beiden Lebensmittel lässt Cholesterinwerte fallen und verringert gleichzeitig durch Arteriosklerose bedingte Ablagerungen in den Gefäßen.

Kürbiskerne: Sie sind zusammen mit Mohnsamen der Rekordhalter was den Zinkgehalt angeht. Außerdem decken bereits etwa 50 Gramm Kürbiskerne pro Tag den halben Magnesiumbedarf eines Erwachsenen. Des Weiteren hat kein anderes Lebensmittel so eine positive Auswirkung auf die Harnwege sowie Blase und Prostata.

Papaya: Die Frucht aus der Südsee hat es in sich – besonders ihre Kerne. Bereits wenige davon täglich schützen vor Infektionen und Parasiten. Allerdings hat die Frucht einen Nachteil: Je unreifer sie ist desto größer ist die Wirkung.

Mandeln: Bereits seit langer Zeit ist bekannt, dass Nüsse in gewisser Menge äußerst gesund sind. Doch die Mandel übertrumpft sie alle. Einige positive Eigenschaften der Mandel sind unter anderem: hochwertige ungesättigte Fettsäuren; Ballaststoffe mit probiotischen Eigenschaften; viele Vitalstoffe wie Vitamin B sowie Magnesium und Calcium

Sauerkraut: Besonders rohverzehrtes Sauerkraut ist eine wahre Wohltat für den Magen und den Verdauungstrakt. Die zahlreich enthaltenen probiotischen Kulturen wirken schon kurz nach dem Verzehr antibakteriell. Vor allem Magengeschwüren sowie Magenschleimhautentzündungen kann dadurch effektiv vorgebeugt werden.

Andere erwähnenswerte Superfoods sind: Kreuzblütler (Brokkoli, Blumenkohl, Rucola, Senf etc.), Green Food (Gräser, Algen, Kräuter etc.), Ingwer und Trauben. Bisher scheinen die genannten Superfoods also allen Zweifeln erhaben zu sein.

Studien vs. wahres Leben – Superfoods im Alltag

Lassen sie uns jedoch einen genaueren Blick auf die Studien werfen, welche eine Wirksamkeit bewiesen haben. Eines wollen wir zunächst noch erwähnen: die Wirkungen, die nachgewiesen worden sind, lassen sich nicht von der Hand weisen. Wie sich diese Ergebnisse jedoch im wahren Leben anwenden lassen, steht auf einem anderen Blatt.

Generell unterscheiden sich die Bedingungen, in denen ein Superfood im Labor getestet wird, deutlich von der herkömmlichen Anwendung des Lebensmittels. Ein wesentlicher Kritikpunkt sind dabei die große Konzentration von Nährstoffen, welche bei Labortests verwendet werden. Zum anderen halten die nachgewiesenen Wirkungen nur kurz an, das heißt, entsprechende Lebensmittel müssen häufig verzehrt werden.

Je nach Superfood kann dies kontraproduktiv sein. Am stärksten dürfte jedoch der Kritikpunkt wiegen, dass ein Großteil der Studien an Tieren oder isolierten menschlichen Zellen durchgeführt wird. Dadurch besteht keine hundertprozentige Sicherheit, dass auch beim Menschen gleiche Ergebnisse eintreten.

Im wahren Leben lassen sich bestimmte Faktoren nur schwer isolieren. Betrachten wir nur einmal unsere täglichen Mahlzeiten. Kaum jemand wird sich nur von einer Sorte Superfood ernähren, schon gleich gar nicht dreimal am Tag.

Fazit

Was heißt das nun für die Superfoods? Alles nur ein Hype oder doch die Zukunft der Ernährung? Wie immer sind alle Studienergebnisse und Versprechungen mit Vorsicht zu genießen. Ein Begriff wie Superfoods hört sich in der Tat super an. Wer würde nicht gerne hier und da ein paar Beeren oder Nüsse essen und sich dann keine Gedanken mehr um die Gesundheit machen. So einfach ist es aber in der Realität leider nicht.

Eine fettige Mahlzeit oder ein zuckerreiches Müsli werden durch ein paar Beeren oder Samen nicht gesünder. Superfoods können der Gesundheit zuträglich sein, allerdings nur wenn man sich auch sonst gesund ernährt und sich ausreichend bewegt. Auch mit regionalen Produkten kann man sich entsprechend ausgewogen und deutlich günstiger gesund ernähren. Es muss nicht immer eine exotische Frucht aus Übersee sein, die eine halbe Weltreise hinter sich hat.