Giftige Pflanzenstoffe in Kräutertees

Pflanzenstoffe in Kräutertees

Letzte Aktualisierung: 4. August 2020

Obwohl Kräutertees normalerweise als gesund gelten, haben Forscher nun unerwartet hohe Konzentrationen an Pyrrolizidin-Alkaloiden nachgewiesen. Stichproben haben ergeben, dass viele der Teegetränke giftige Stoffe enthalten, die bei regelmäßiger Aufnahme zu Krebs führen können. Von einer akuten Gesundheitsschädigung ist bei vereinzeltem Konsum nicht auszugehen. Trotzdem raten Experten zur Vorsicht, besonders bei Kindern, die regelmäßig Tees trinken. In diesem Fall kann es längerfristig durchaus zu einer Schädigung der Gesundheit kommen.

Pflanzenstoffe als Gefährdung?

Die sogenannten Pyrrolizidin-Alkaloide sind sekundäre Pflanzenstoffe, welche von den Gewächsen selbst, zum Schutz vor Fraßfeinden, gebildet werden. Der Gehalt des Stoffes hängt stark vom jeweiligen Pflanzenteil ab. Eine besonders aggressive Variante sind die 1,2-ungesättigten Pyrrolizidin-Alkaloide, welche in Tierversuchen gezeigt haben, dass sie die Bildung von Krebs unterstützen. Setzt man sich länger einer hohen Dosierung dieses Stoffes aus, so kann dieser auch erbgut- sowie leberschädigend wirken.

Für viele Wissenschaftler kamen diese Erkenntnisse relativ überraschend, da es bisher kaum möglich war die schädlichen Stoffe nachzuweisen. Giftige Pflanzenstoffe in Kräutertees konnten erst vor Kurzen zum ersten Mal, von Forschern des Bundesinstituts für Risikobewertung nachgewiesen werden. Im Rahmen der Tests wurden mehr als 200 verschiedene Produkte auf den Gehalt von 1,2-ungesättigten Pyrrolizidin-Alkaloiden untersucht. Darunter befanden sich auch beliebte Sorten wie: Kamillentee, Pfefferminztee, Kräutertee oder Babyfencheltee.

Gefahr für Schwangere und Kinder durch giftige Pflanzenstoffe in Kräutertees

Laut BfR-Präsident Andreas Hensel, wurden in einigen Kräuterteeproben unerwartet hohe Werte der Pyrrolizidin-Alkaloide gefunden. Die Studie hat gezeigt, dass teilweise bis zu 3,4 Milligramm pro Kilogramm Trockenmasse enthalten sind. Da sich die nachgewiesenen Stoffe als genotoxische Kanzerogene erwiesen haben, ist es besonders wichtig, dass die Belastung schnellstmöglich sinkt. Bei den Tests wiesen konventionell angebaute Produkte keine Unterschiede zu Bio-Produkten auf.

Obwohl die Werte der genommenen Proben überraschend hoch waren, liegt laut Ansicht der BfR-Experten keine akute Gefahr bei kurzfristiger Aufnahme vor. Erfolgt ein langfristiger Verzehr von Tee, so kann es, wie neuste Studien zeigen, durchaus zu einer Gefährdung der Gesundheit kommen. Dabei sind insbesondere Kinder und Schwangere betroffen. Deshalb wird Eltern empfohlen ihren Kindern nicht nur Tees als Getränke zu geben. Auch Schwangere und Stillende sollten den Teekonsum einschränken.

Bessere Kontrollen gefordert

Aufgrund der hohen Schwankung des Pyrrolizidin-Alkaloid-Gehalts, selbst innerhalb der gleichen Teesorte, ist es kaum möglich, verbindliche Aussagen zum gesundheitlichen Risiko bei regelmäßigem Teekonsum zu treffen. Die bei der Studie gewonnenen Daten müssen nun, im Rahmen des Lebensmittelmonitorings, erst noch überprüft werden, bevor allgemeingültige Empfehlungen ausgesprochen werden können.

Sollten sich die ersten Ergebnisse bestätigen, so müssen, laut den BfR-Experten, verstärkte Anstrengungen erfolgen, um die Werte auf ein Normalmaß zu senken. Das Bundesinstitut für Risikobewertung fordert verstärkte Kontrolle zur Überprüfung des Giftgehalts vor der Weiterverarbeitung des Rohproduktes, um so eventuell auf die Ursachen hoher Belastungen zu schließen. Allgemein rät die BfR zu einer vielfältigen Ernährung, um eine einseitige Belastung durch eventuell schädliche Lebensmittel zu vermeiden.