Neue Erkenntnisse in der Krebsforschung:

Neue Erkenntnisse in der Krebsforschung

Letzte Aktualisierung: 9. August 2020

Forschern ist es gelungen die Zellstrukturen in Tumoren zu identifizieren, welche ein erneutes Wachsen der Krebszellen auslösen. Die sogenannten Krebsstammzellen. Drei voneinander unabhängige Studien in denen an Mäusen geforscht wurde beweisen, dass der Tumorwachstum durch eben diese Krebsstammzellen ausgelöst wird.

Ein großer Schritt für die Krebsforschung, für die diese Thematik lange eine Kontroverse unter Experten hervorrief und nun wohl durch die neuen Erkenntnisse einen Paradigmenwechsel erfährt.Die bahnbrechenden Studien wurden in den Fachzeitschriften Nature und Science veröffentlicht.

Die Wurzel der Tumore

Behandelnde Ärzte schaffen es oft nur, Wachstum und Ausmaß von Tumoren und Krebszellen durch verschiedenste Therapieansätze, wie der Chemotherapie, zu verringern. Oftmals beginnen jedoch die Tumore und Zellen erneut zu wuchern und der Erkrankte erleidet einen Rückfall. Einige Krebsexperten sind nun der Überzeugung, dass die Wurzel dieser Rückfälle die Krebsstammzellen sind, welche, falls sie bei der Behandlung nicht beseitigt werden, das Tumorwachstum wieder anfachen. Um einen Tumor effektiv auszulöschen, sollte man sich direkt auf diese Zellen konzentrieren damit dem Krebs auf lange Sicht Einhalt geboten wird, so Experten.

Drei unabhängige Teams aus der Wissenschaft fanden nun parallel zueinander medizinische Indizien für die vorher kaum bewiesenen Krebstammzellen. Die Studien berufen sich auf die Krebsentwicklung bei Darmkrebs, Hirnkrebs und Hautkrebs. Es ist aber davon auszugehen, dass Krebsstammzellen bei jedem Krebs, welche Tumore bildet, zu finden sind und den Tumorwachstum regulieren.

Die Wissenschaftler hoffen auf völlig neue Behandlungsstrategien und Therapiemöglichkeiten gegen die Krebsstammzellen, welche auf den neuen Erkenntnissen fußen. „Sind diese Zellen wirklich diejenigen, die das Tumorwachstum auslösen, dann kann man vielleicht auch direkt auf diese abzielen“ meint ein Studienleiter.

Ähnlichkeit der Krebszelle mit embryonalen Stammzellen verblüffend

Die gesunden menschlichen Stammzellen, welche das Gewebe erneuern und für das Wachstum des Körpers zuständig sind, gleichen den aktuell gefundenen Krebsstammzellen sehr stark. Therapien, die den Fokus auf die Zerstörung der Krebsstammzellen legen, könnten daher auch intakte Zellen angreifen. Darum ist es nun das höchste Ziel der Forscher zu ergründen, ob es eindeutige Unterschiede zwischen den tumorauslösenden Krebsstammzellen und den essentiellen, normalen Stammzellen gibt.

Der holländische Leiter der Studie zu Darmtumoren Hugo Snippert beteuert die Bedeutung ihrer Entdeckung für die Krebsforschung: „Viele haben argumentiert, dass diese Zellen nicht existieren. Wir haben erstmals nachgewiesen, dass es Krebsstammzellen gibt und dass die Tumore von ihnen aufrechterhalten werden.“

Luis Parada von der University of Texas, welcher sich mit Gehirntumoren bei Mäusen beschäftigt hat, sieht die neuen Errungenschaften beinahe revolutionär: „Die Krebsstammzellen verändern das Paradigma. Das Ziel, Tumore zu verkleinern, könnte sich als das weniger Wichtige als das Abzielen auf die Krebstammzellen im Tumor erweisen.“