Wissenschaftler finden das Migräne-Gen

Migräne-Gen

Letzte Aktualisierung: 25. August 2020

Die Wissenschaft ist endlich einen Schritt weiter bei der Erforschung der Migräne. Sie konnten herausfinden, welche Mutation eines Genes die gefürchteten Migräneattacken auslöst.Es war schon lange Jahre bekannt, dass die Migräne im genetischen Code eines Menschen verankert sein muss, da die Symptome – Kopfschmerzen, Übelkeit und visuelle Störungen – gehäuft in Familien auftreten und offenbar vererbbar sind. Gefunden hat man das lang vermisste Auslöser-Gen für Migräne nun bei einer Forschungsreihe mit zwei Familien, welche in besonderes großem Maße an Migräne litt. Bahnbrechend ist das gefundene Gen deshalb, dass man sich durch dessen Entdeckung erhofft die Abläufe und Ursachen von Migräne besser zu ergründen und auf dieser Basis möglicherweise neue Therapieansätze und Behandlungsmethoden entwickeln zu können. Veröffentlicht wurde die Studie im renommierten Fachmagazin Science Translational Medicine“.

Migräne weit verbreitet

Schätzungen zufolge leiden zehn bis 20 Prozent aller Menschen an einer unregelmäßig wiederkehrenden Migräne. Die meisten Betroffenen klagen über die klassischen Migräne Symptome wie starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und allgemein erhöhter Schmerzanfälligkeit. Zusätzlich zu dieser Migräne treten bei ungefähr einem Drittel der Migränepatienten noch sogenannte Aura Symptome auf, welche sich in visuellen Störungen, optischen Verzerrungen und verschiedensten Sehstörungen bemerkbar machen. Dass Migräne erblich bedingt ist, wurde schon lange angenommen, da normalerweise mehrere Mitglieder einer Familie, also eines ähnlichen Genpools, betroffen sind. Es konnten jedoch bisher die genauen Gene, welche zu einer Migräne führen nicht ermittelt werden.

Erste Einblicke in den Migräne Mechanismus gewährt

Die genauen Genkombinationen, welche zu Migräne führen, waren bis her bis auf eine Ausnahme unbekannt. Und diese Ausnahme ist eine sehr selten auftretende Variation einer Migräne, welche mit einer temporären halbseitigen Lähmung einhergeht. Nun ist es den Forschern gelungen eine Gen Mutation zu finden, welche eine typische, verbreitete Migräneform auslöst. Höchstwahrscheinlich ist diese Genvaration nicht das einzige Gen, welches zur typischen Migräne führt, jedoch ein erster Einblick und Erklärungsansatz der bisher noch sehr unbekannten Migräne Ursachen.

Um eine aussagekräftige Studie zu liefern, untersuchten die Forscher zunächst das Erbgut und den genetischen Code der Mitglieder zweier Familien, bei denen ein Großteil unter Migräne litt. Die Forschungen ergaben, dass bei fast allen Familienangehörigen und Migränebetroffenen ein bestimmtes Gen eine Mutation aufzeigte. Das veränderte Gen nennt sich Casein Kinase-1 delta-Gen. Dieser Genkomplex kodiert und steuert damit normalweise die „innere Uhr“ und damit einhergehend den Schlaf-Wach-Rhythmus bei Menschen. Daher konnten die Studienväter Parallelen zu den ungewöhnlichen Tagesrhythmen der Familienmitgliedern ziehen, bei denen es auffällig war, dass sie bereits am frühen Abend sehr müde wurden, dafür jedoch meist schon vor Morgengrauen wieder wach und aktiv waren.

Weitere Experimente und Beobachtungen nötig

Um auszuschließen, dass die gefundene Gen-Mutation nicht nur Zufall sondern tatsächlich eine Ursache von Migräne ist, führten die Forscher ihre Studie an Mäusen weiter. Sie versahen einen Mäusestamm mit der gleichen Mutation und führten einige Tests mit ihnen durch, um eine ausgelöste Migräne feststellen zu können. Zeigen konnten sie die tatsächlich hervorgerufene Migräne über die deutlich leichter sinkbare Schmerzschwelle, als bei Mäusen der Kontrollgruppe.

Doch nicht nur dadurch ließ sich die Migräne bei den Mäusen nachweisen. Auch im Hirn der Tiere zeigten sich Veränderungen, die für eine Migräne typisch sind. Denn ähnlich den Menschen, enstammt unter dem Einfluss gewisser Reize eine sogenannte Cortical Spreading Depression (CSD). Dies ist eine messbare Welle von anormal geringer Aktivität, welche sich über das Gehirn ausbreitet. Bei den Messungen an den Migräne-Mäusen ließ sich dieses starke Abflachen des Wellenmusters eindeutig ermitteln.

Auch auf zellulärer Ebene konnten die Wissenschaftler Beweise und Parallelen für eine durch das neu eingefügte Gen feststellen. Bestimmte Gehirnzellen, die sogenannten Astrozyten, reagierten bei den mutierten Mäusen deutlich intensiver und häufiger, spontan sowie auf Reize von außen, in dem sie Kalzium ausschütteten. Dies wird besonders dadurch bedeutend, da Forscher schon lange einen engen Zusammenhang zwischen der Funktion dieser Astrozyten und Migräne vermuten.

Die Ergebnisse der Forscher sind deswegen so erwähnenswert, da sie für das medizinische Ziel, dem molekularen Signalweg der Migräne zu entschlüsseln, einen großen Schritt weiter bringen. Ist dieser einmal soweit entschlüsselt, dass die Mediziner und Forscher in verstehen und nachvollziehen können öffnet das die Pforten für neuartige, hocheffektive Migränetherapien.