Neue Therapie gegen Neurodermitis

Neutrodermitis

Letzte Aktualisierung: 24. August 2020

Etwa 10 – 20 Prozent aller Kinder sind von Neurodermitis (atopisches Ekzem) betroffen. Symptome wie trockene und gerötete Haut in Verbindung mit Entzündungen sind ständiger Begleiter der Krankheit. Am schlimmsten ist für die zahlreichen Betroffenen jedoch der rund um die Uhr präsente Juckreiz, welcher immer wieder zu Kratzanfällen verleitet, wodurch sich die Gesamtsituation nur weiter verschlechtert. In den Industrieländern leidet etwa jedes 5. Kind und jeder 30. Erwachsene an der chronisch-entzündeten Hautkrankheit (auch atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis genannt). Laut Johannes Ring, dem Direktor der Hautklinik der TU München wird die Anzahl der Erkrankungen in den nächsten Jahren noch deutlich steigen. Rund die Hälfte der Patienten wird ihr ganzes Leben lang von der Krankheit begleitet.

Große Erwartungen, wenig Erfolg

Obwohl Neurodermitis noch nicht geheilt werden kann, gibt es zahlreiche Therapiemethoden, wobei der Erfolg mancher Behandlungen unter den Medizinern umstritten ist. Beispielsweise wird die Behandlung mit Borretsch- und Nachtkerzenöl häufig als sehr hilfreich beschrieben. In den aktuellen Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft tauchen die Wundermittel jedoch weder als geeignete Nahrungsergänzung noch als Mittel zur Anwendung auf der Haut auf, was nicht verwunderlich ist.

US-Wissenschaftler haben 27 Studien, die sich mit verschiedenen Ölen als Nahrungsergänzung zur Bekämpfung von Neurodermitis beschäftigen, analysiert. Dabei hat sich herausgestellt, dass die vermeintlichen Heilmittel keine medizinische Wirkung nachweisen konnten. Lediglich ein Placebo-Effekt konnte festgestellt werden. Generell wollen die Forscher aber nicht von den Ölen abraten, da es immer wieder vereinzelt Patienten gibt, die durch die Verwendung der verschiedenen Mittel zumindest eine geringe Verbesserung ihrer Situation erreichen konnten.

Therapie gegen Neurodermitis hilft der Haut sich zu schützen

Obwohl die Wirksamkeit vieler anderer Therapieansätze eindeutiger belegt sind, gibt es nicht die generell beste Methode zur Behandlung, denn die Krankheit ist so individuell wie die Person, die von ihr betroffen ist. Alleine die Gründe für einen Neurodermitis-Schub sind so zahlreich, dass eine einzige Therapie nicht alle Faktoren abdecken könnte. Deshalb ist der einzige Weg zu einer dauerhaften Verbesserung die Kenntnis über seine Auslösefaktoren. Führende Mediziner empfehlen vor jeder neuen Therapie eine ausführliche Diagnose durchführen zu lassen um möglich wenig entzündungshemmende Medikamente zu sich nehmen zu müssen.

Dabei gründet jede Behandlung auf einer sogenannten Basistherapie, welche auch in der beschwerdefreien Zeit angewendet wird, um die Haut optimal auf Phasen der Belastung vorzubereiten. So kann die Schutzfunktion der Haut aufrecht erhalten werden, wodurch Viren, Bakterien und Pilze leichter abgewehrt werden können. Ebenso verringert sich die Intensität der Neurodermitis-Schübe. Dabei ist es wichtig, dass die Basispflege individuell auf den Patienten zugeschnitten ist. Desweiteren raten Experten zu sogenannten Schlauchverbänden, die ähnlich wie ein Strumpf über die Haut ziehen lassen und so die Symptome wie beispielsweise Juckreiz lindern.

Ebenso wirksam ist die Behandlung der gereizten Stellen mit Schwarztee. Bei Patienten die eine stärkere Wirkung benötigen, eignen sich Salben mit antibiotischen und antimykotischen Wirkstoffen.

Entzündungen müssen gestoppt werden

Kommt es zu akuten Schüben, sind niedrig dosierte entzündungshemmende Kortisonpräparate nach wie vor das meistverwendete Mittel zur Behandlung. Es ist aber Vorsicht geboten, denn neben der entzündungshemmenden Wirkung, verursacht Kortison eine vorzeitige Alterung der Haut. Als Alternative bei der Behandlung von Neurodermitis können Inhibitoren wie eine Tacrolimus-Salbe und Pimecrolimus-Creme eingesetzt werden. Diese Mittel haben den Vorteil, dass sie auch im Gesicht angewendet werden können. Ihre Wirkung ist zwar nicht so stark, allerdings eigenen sie sich bei einer langfristig angelegten Therapie. Liegen schwere Fälle von Neurodermitis vor, können auch immunsystemunterdrückende Wirkstoffe wie Ciclosporin und Azathioprin verwendet werden.