Ursachen für die Entstehung von Neurodermitis

Letzte Aktualisierung: 18. August 2020

Die Ursachen für die Entstehung von Neurodermitis sind bislang nicht völlig geklärt. Experten sehen in den komplexen Symptomen und ihrem sehr individuellen Verlauf ein Zusammenspiel aus vererbten Faktoren, immunologischen Veränderungen sowie Ernährungs- und Umwelteinflüssen. Neurodermitis gehört zu den atopischen, also allergischen Hauterkrankungen, die sich dadurch auszeichnen, dass das Immunsystem überschießend auf Reize aus der Umwelt sogenannte Provokationsfaktoren reagiert.

Schutzfunktion der Haut durch Allergien gestört

Auf jeden Fall ist die Schutzfunktion der Haut durch verschiedene Veränderungen beeinträchtigt. Dadurch ist die Haut anfälliger für äußere und innere Einflüsse und entzündet sich leichter. Als mögliche Auslöser werden häufigere Allergien – wewegen man bei Neurodermitis von einer atopischen Krankheit spricht – , veränderte Lebensumstände und verbesserte Hygiene (Hygienehypothese) diskutiert. Spezielle Abwehrmoleküle unseres Körpers (Immunglobulin E, IgE) rufen dabei zusammen mit Botenstoffen des Körpers (z. B. Histamin) Entzündungen vor allem in der Haut in Form von juckenden Stellen hervor, welche man als Ekzeme bezeichnet.

Atopischer Teufelskreis durch Juckreiz und Kratzen

Nach derzeitigem Verständnis steht am Beginn eine genetisch bedingte Störung der Barrierefunktion der Haut. Ein Mangel an bestimmten Eiweißen führt dazu, dass die Haut ihre schützende Hornschicht nur schlecht aufbauen kann und leicht austrocknet, atopische Ekzeme entstehen. Sie wird damit besonders anfällig für äußere Einflüsse, reagiert schnell empfindlich, entzündet sich und juckt. Hier entsteht bereits derTeufelskreis der Hauterkrankung. Durch Kratzen nimmt die ohnehin schon gestörte Barrierefunktion weiteren Schaden. Das Immunsystem wird dadurch verstärkt mit Substanzen aus der Umwelt konfrontiert, beispielsweise mit Pollen, Tierhaaren oder den Ausscheidungen von Hausstaubmilben.

In der dritten Welt nahezu unbekannt

Die Veranlagung zu jeder Allergie wird vererbt, so auch unter Neurodermitiker. Die steigende Zahl der Erkrankungen wird durch die Zunahme der Hygiene und die Steigerung der Aggressivität von Allergien und Atopien durch Schadstoffe sowie durch veränderte Lebensgewohnheiten erklärt. Augenscheinlich ist, dass in Ländern der Dritten Welt atopische Hauterkrankungen fast unbekannt sind. Die Hygiene-These besagt, dass die arbeitslosen Abwehrkörper sich neue Feinde schaffen, zum Beispiel eingeatmete Pollen oder Lebensmittel. Auch in Deutschland leiden Kinder vom Lande, die mit Tieren und Blüten aufwachsen, generell seltener unter atopischen Hauterkrankungen.

Wichtige Provokationsfaktoren und Ursachen für die Entstehung von Neurodermitis sind:

    • Kein oder zu kurzes Stillen (kürzer als 4 Monate)
    • Übergewicht als Kind
    • Passivrauchen als Kind, Belastungen mit Ozon und Abgasen
    • Zu starke Hygiene (Desinfektionsmittel im Haushalt)
    • Faktoren, die die Haut austrocknen (z. B. häufiges Waschen)
    • Darmstörungen (so genanntes Leaky-Gut-Syndrom, erkennbar an einem hohen α1-Antitrypsin-Wert im Stuhl)
    • Psychische Belastung, Stress

Noch ein Rat für alle Eltern, die befürchten, ihre Allergieneigung an Ihre Kinder weiterzuvererben. Die Veranlagung allein macht noch nicht krank, sondern nur anfällig. Kommen ungünstige Umwelteinflüsse hinzu und greifen mehrere Mechanismen ineinander, kann die Hauterkrankung jedoch ausbrechen.