Vegetarische Ernährung bei Kindern

Vegetarische Ernährung Kinder

Letzte Aktualisierung: 20. August 2020

Wenn sich Erwachsene gegen Fleisch entscheiden, ist das ihre Sache. Aber wie ist das bei Kindern? Beeinträchtigt eine fleischlose Ernährung die Gesundheit? Viele Eltern befürchten Entwicklungsstörungen und Mangelernährung ihrer Kinder. Unter Nicht-Vegetariern und einigen Kinderärzten ist oft die Rede von Eisenmangel und allgemeiner Fehlernährung. Doch es kann Entwarnung gegeben werden – Ernährungswissenschaftler und Mediziner können diese Sorgen nicht bestätigen.

Vegetarische Ernährung zur Prävention vieler Krankheiten

Eine vegetarische Ernährung ist gesünder als man annimmt. Menschen, die sich auf diese Weise ernähren, verzichten vollständig auf Fisch und Fleisch. Im Gegensatz zu Veganern essen Vegetarier jedoch tierische Produkte wie Eier, Käse und Milch. Bei ausgewogener und vitaminreicher Kost mangelt es Vegetariern kaum an etwas. Gleichzeitig sind Auslöser diverser Zivilisationskrankheiten wie gesättigte Fettsäuren und Cholesterin so gut wie gar nicht in pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten. Auch die Tatsache, dass Vegetarier später seltener an Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhten Blutfettwerten leiden und somit auch weniger anfällig für Herzkrankheiten oder Diabetes sind, bestätigt die vegetarische Lebensweise.

Nach der Kiggs-Studie (Studie des RKI zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) haben sich drei Prozent der unter 18-Jährigen für eine fleischlose Ernährung entschieden. Bei Mädchen im Alter zwischen 14 und 17 sind es sogar ganze sechs Prozent. Dass die Entscheidung, sich vegetarisch zu ernähren nicht erst in späten Jahren erfolgen muss, beweist ein Video auf Youtube. Kinder verzichten nicht immer nur aus einer Laune heraus auf Fleisch und Fisch, sondern oftmals aus Überzeugung.

Dass eine ausgewogene, vitaminreiche und eben vegetarische Ernährung heutzutage jedoch nicht immer möglich ist, ist kein Geheimnis. Laut einer weiteren Studie des Robert-Koch-Instituts essen nur in etwa die Hälfte der deutschen Kinder und Jugendlichen täglich Obst und Gemüse. Lediglich drei Prozent der Kinder schaffen die empfohlenen fünf Portionen pro Tag. Im Gegensatz dazu essen rund 20 Prozent regelmäßig Süßigkeiten. „Es ist natürlich keine sinnvolle Lösung, auf Fisch und Fleisch zu verzichten, dafür aber Süßspeisen, Kuchen und Pommes zu essen.“, erklärt die Ernährungsforscherin Ute Alexy.

Nicht weglassen sondern ersetzen

Wer also komplett auf tierische Nahrungsmittel verzichten möchte, muss bestimmte Vitamine, Eiweiß und Spurenelemente ausreichend ersetzen. Dies ist besonders wichtig für eine normale körperliche und geistige Entwicklung. Vitamin B12, Eisen, Zink und Omega-3-Fettsäuren sind überwiegend in tierischen Produkten wie Fisch oder Rindfleisch enthalten. Meidet man diese Lebensmittel sollte man als Vegetarier auf Vollgetreide, Hülsenfrüchte, Ölsaaten und Nüsse zurückgreifen um sich ausreichend damit zu versorgen. Auch Butter, Käse und Milch sind reich an Vitamin B12, Omega-3-Fettsäuren und Zink.

Vor allem Eisen ist in der Pubertät enorm wichtig. Gerade Mädchen verlieren aufgrund der einsetzenden Menstruation große Mengen dieses Spurenelementes. Um die Eisenzufuhr zu gewährleisten empfiehlt sich besonders Gemüse wie Fenchel und Feldsalat. In Kombination mit einem Vitamin-C-haltigen Saft lässt sich Eisen vom Körper am besten aufnehmen.

Eltern tragen die Verantwortung

Wenn sich ein Kind dazu entscheidet sich zukünftig vegetarisch zu ernähren, sollten Eltern dies akzeptieren und zugleich darauf achten, dass es ihrem Kind nicht an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen mangelt. Um dies sicher zu stellen, empfehlen Ernährungswissenschaftler und Ärzte, das Blut von Kindern, die sich über einen längeren Zeitraum vegetarisch ernähren, regelmäßig kontrollieren zu lassen. Wird ein Mangel festgestellt, so kann der Einsatz von natürlichen Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll sein.

Insgesamt gesehen, spricht also nichts gegen eine vegetarische Ernährung bei Kindern. Denn laut Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) decken Mischkostler ihren Energiebedarf durch Fleisch und Wurst meist im Übermaß. Dies sei nicht nötig und schadet der Entwicklung des Kindes nicht nur, sondern fördert auch Übergewicht und Stoffwechselkrankheiten.