Zöliakie wenn glutenfreie Ernährung Pflicht ist

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Letzte Aktualisierung: 9. August 2020

Zöliakie ist in Deutschland die häufigste Art der Eiweißunverträglichkeit. Etwa vier von Tausend Bundesbürgern vertragen das Getreide Eiweiß Gluten nicht oder schlecht. Nur 10-20 Prozent davon weisen die typischen Symptome auf und müssen Gluten dringend in der Ernährung vermeiden. Die restlichen 80-90 Prozent haben untypische oder auch keine Symptome und wissen oft nichts von ihrer Erkrankung.

Glutenfrei, getreidefrei – Leben mit Zöliakie

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die auf einer Unverträglichkeit gegen das Klebereiweiß Gluten basiert. Gluten ist in Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Hafer, Grünkern, Kamut, Einkorn, Getreide und Emmer enthalten. Die Ursache der Zöliakie ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Neben erblichen Faktoren, die die wichtigsten Ursache darstellen, können auch Störungen des Immunsystems, Umwelteinflüsse und Ernährung an der Entstehung bzw. an Ausbrechen und Ausmaß der Erkrankung Zöliakie beteiligt sein.

Der Beginn von Zöliakie kann sich vom Säuglingsalter bis ins hohe Erwachsenenalter einstellen. Bei Säuglingen treten die Symptome ab drei Monate nach Beginn der Zufütterung von Kost mit Getreide (z. B. Brei, Zwieback) auf. Die ersten Symptome können sich aber auch erst später, teilweise erst nach Jahren zeigen.

Was passiert bei Zöliakie / Sprue?

Unser Dünndarm hat die Aufgabe, die Ernährung aufzuschlüsseln und die einzelnen Nährstoffe über die Schleimhäute aufzunehmen. Um eine sorgfältige Aufnahme zu ermöglichen ist eine große Oberfläche der Dünndarmschleimhaut notwendig. Dies erreicht der Darm durch Faltungen, Ausstülpungen, so genannte Zotten, und darauf sitzende winzige Flimmerhärchen. Dadurch nimmt unsere gesamte Darmoberfläche die enorme Größe eines Fußballfeldes ein.

Bei von Zöliakie Betroffenen verursacht das Gluten über noch ungeklärte Mechanismen Entzündungen der Dünndarmschleimwand sowie eine Ablösung der Dünndarmzottenzellen. Die Darmzotten werden durch das Gluten regelrecht zer¬stört. Der Mediziner stellt in diesem Fall eine so genannte „Zotten-Atrophie“ fest. Die dadurch verkleinerte Oberfläche des Dünndarm ist nicht mehr in der Lage, ausreichend Nährstoffe zu verdauen. Es kommt zu einer Mangelversorgung an praktisch allen Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen durch die Glutenunverträglichkeit. Ab diesem Zeitpunkt wird es essentiel sich glutenfrei zu ernähren.

Auswirkungen, Verlaufsform und Diagnose von Zöliakie

Die Verlaufsform der Krankheit ist unterschiedlich schwer. Meist zeigt sich die Erkrankung in Form von Bauchkrämpfen, häufigen Durchfällen, hellem fettglänzendem Stuhl und einem dicken aufgeblähten Bauch. Dazu können viele weitere Symptome auftreten wie rasche Gewichtsabnahme, Blässe, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Zahnschmelzdefekte, Gelenkprobleme oder fahle Haut. Nicht selten sind Begleiterkrankungen bei Sprue wie z. B. Diabetes Typ I oder Schilddrüsenerkrankungen. Bei Kindern treten neben Durchfällen, einem aufgeblähtem Bauch sowie dünnen Gliedmaßen auch Wachstumsstörungen durch die Glutenunverträglichkeit auf. Weiterhin können Interessen- und Antriebslosigkeit sowie eine weinerliche Grundstimmung Zeichen für eine Zöliakie Erkrankung sein.

Diese Vielzahl der möglichen Symptome machen das Erkennen einer Zöliakie-Erkrankung für die Ärzte sehr schwierig. Dazu kommt, dass der Erkrankung in der medizinischen Lehre lange Zeit nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Dadurch wurde die Krankheit häufig nicht oder erst spät erkannt. Für die ärztliche Diagnose werden die Vitamine und Mineralstoffe im Blut sowie der Fettanteil im Stuhl ermittelt. Außerdem werden Antikörper gegen Gluten im Blut bestimmt. Erhärtet sich bei diesen Untersuchungen der Verdacht, kann mittels einer Gewebeprobe aus dem Dünndarm eine sehr sichere Diagnose, ob eine Zöliakie vorliegt, gestellt werden.

Behandlung und Ernährungstipps bei Zöliakie

Zöliakie kann bis heute nicht medizinisch behandelt werden. Die einzige und wirkungsvollste Maßnahme ist das Vermeiden von Gluten . Für den Betroffenen bedeutet dies oft eine extreme Umstellung der Ernährung auf glutenfreie Produkte und vieler damit verbundenen Gewohnheiten. Plötzlich sollen keine Lebensmittel mehr verzehrt werden, die Gluten in irgendeiner Form enthalten sondern nur noch glutenfreie. Dazu zählen in erster Linie die Getreide Sorten wie Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer, Gerste,Grünkern, Kamut, Einkorn und Emmer sowie alle daraus hergestellten Produkte wie Brot, Brötchen, Kuchen, Grieß, Graupen oder Nudeln.

Ebenso verboten sind Nahrungsmittel mit dem Zusatz von Getreide, insbesondere Mehl. Darunter fallen viele industriell hergestellten Fertigprodukte, wie Suppen, Soßen, Konserven, manche Wurstsorten oder kakaohaltige Getränke, die Getreidebestandteile enthalten können. Der Blick auf das Etikett ist beim Einkauf Pflicht. Praktische Hilfe beim Einkauf bieten z. B. die Listen der Deutschen Zöliakiegesellschaft um glutenfreie bzw. glutenhaltige Nahrungsmittel besser zu finden.

Größte Vorsicht ist auch beim Außer-Haus-Verzehr geboten: Gemüsegerichte, Suppen und Soßen werden häufig mit Mehl zubereitet, viele Fleischgerichte werden paniert und sind damit nicht glutenfrei sondern glutenhaltig. Achten Sie hier noch sorgfältiger als sonst auf ihre Ernährung.Besonders schwerwiegend ist für Zöliakie Erkrankte wohl der vollkommene Verzicht auf normale Backwaren. Statt dessen müssen Betroffene seine Kuchen oder Kleingebäcke aus Mais-, Reis-, Hirse-, Sojabohnen- oder reinem Stärkemehl unter Zusatz von Eier-Eiweiß oder Johannisbrotkernmehl selbst herstellen. In der Familie müssen die glutenfreien Lebensmittel sogar von den glutenhaltigen getrennt aufbewahrt und mit eigenen Messern geschnitten werden. Denn oft reichen nur geringste Spuren Gluten, um die Symptome auszulösen.

Trotz aller Einschränkungen – eine konsequente Ernährung mit glutenfreier Kost ist heute gut möglich. Und sie lohnt sich, da sich die geschädigten Dünndarmzotten allmählich wieder erholen. Eine vollständige Heilung der Schleimhaut ist allerdings ein langwieriger Prozess. Daher muss die glutenfreie Diät in der Regel sorgfältig ein Leben lang damit die Ernährungstherapie eingehalten werden, damit sie Wirkung zeigt. Größte Vorsicht ist auch beim Außer-Haus-Verzehr geboten: Gemüsegerichte, Suppen und Soßen werden häufig mit Mehl zubereitet, viele Fleischgerichte werden paniert.

Ernährungstipps für eine glutenfreie Kost

Erlaubte, glutenfreie Lebensmittel: alle von Natur aus glutenfreie Nahrungsmittel, wie Fleisch, Fisch, Eier, Milch, Naturkäse, Mozzarella in Salzlake, Fette und Pflanzenöle, Obst, Gemüse, Kartoffeln, Mais, Reis, Hirse, Buchweizen, Amaranth, Quinoa, Sojabohnen, Esskastanien, Säfte, Honig, Zucker, Wein, Sekt Fertigprodukte mit dem Herstellerhinweis „glutenfrei“ sowie speziell für eine glutenfreie Ernährung hergestellte Produkte, die mit einer durchgekreuzten Ähre gekennzeichnet sind.

Nahrungsmittel mit Gluten: Alle gängigen Sorten von Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel) und Urgetreidesorten (z. B. Kamut, Einkorn) und alle daraus hergestellten Produkte wie Mehl, Graupen, Grieß, Flocken, Grütze, Keime, Kleie, Schrot und Grünkern alle handelsüblichen Brotsorten, Torten, Gebäck, Zwieback, Paniermehl und Teigwaren, Soja- und Leinsamenbrote Kaffee-Ersatz, Bier sind glutenhaltig.

Vorsicht bei: Wurstwaren, Fischerzeugnissen, Streichkäsezubereitungen und anderen Milcherzeugnissen (vor allem Kräutervarianten und Light-Produkte können glutenhaltige Bindemittel enthalten), Roquefort (Schimmelpilz wird auf Brot gezüchtet), Fertiggerichten wie Kartoffelprodukte, Suppen, Soßen, Ketchup, Senf, Desserts, Schokolade, Süßigkeiten, Eis ( Diese Lebensmittel können unter Umständen glutenhaltig sein)