Reizdarm-Syndrom:
Ernährungsumstellung ist
essentieller Grundpfeiler der Therapie

Das Reizdarmsyndrom gehört mittlerweile zu den häufigsten Erkrankungen des Verdauungstraktes. Wer schon einmal Verdauungsbeschwerden hatte, weiß, wie sehr Durchfall, Blähungen, Schmerzen oder Verstopfung die Lebensqualität einschränken können. Bei einem Reizdarm sind die Symptome oft unspezifisch, können variieren, sich mit anderen Erkrankungen und Störungen überschneiden und bestehen oft über Jahre hinweg. Nicht selten werden längere Reisen, Restaurantbesuche und Treffen mit Freunden aufgrund der Beschwerden gemieden. Viele Betroffene klagen darüber, dass die Verdauung ihren kompletten Tagesablauf bestimmt.

Wer am Reizdarmsyndrom leidet, sollte sich auf jeden Fall mit dem eigenen Ernährungsverhalten und Lebensstil auseinandersetzen. Es gibt viele Wege zur Linderung und Besserung der Beschwerden. Es gilt aber herauszufinden, welche Optionen für den Einzelnen in Betracht kommen. Wir stellen Ihnen hier eine Vielzahl an Handlungsfeldern und Therapiemöglichkeiten vor, aus denen Sie für sich Ihren ganz persönlichen Therapieleitfaden entwickeln können.

Frau leidet an Reizdarm Symptom

Melanie Wirtgen - Ökotrophologin, Expertin für Ernährungstherapie und Prävention

Experte/Expertin:

Dipl. oec. troph. Melanie Wirtgen

Ökotrophologin, Expertin für Ernährungstherapie und Prävention

Letzte Aktualisierung: 2. März 2021

Das-Wichtigste-in-Kürze

Fakten in der Übersicht

  • Reizdarm-Syndrom – was ist das? Der Reizdarm ist eine funktionelle Darmerkrankung ohne erkennbare organische Ursache, die die Lebensqualität sehr stark einschränken kann.
  • Ursachen & Risikofaktoren: Diskutiert werden als Ursachen und Risikofaktoren eine Fehlbesiedelung des Darms mit ungünstigen Keimen, eine Störung der Barrierefunktion des Darms, Entzündungen der Darmschleimhaut, eine fehlgeleitete Darmmuskulatur und ein empfindliches darmeigenes Nervensystem, zudem Ernährungs- und Lebensstilfaktoren sowie psychische Belastungen und Stress.
  • Symptome: Stuhlgangveränderungen (Durchfall, Verstopfung, wechselnde Stuhlkonsistenz, Schleim im Stuhl etc.), Blähungen, Schmerzen, aufgetriebener Bauch, Völlegefühl und verschiedene zusätzliche Symptome
  • Diagnose und Tests: Der Reizdarm wird über eine sogenannte Ausschlussdiagnostik festgestellt. Alle für die Symptome in Frage kommenden Erkrankungen sollten medizinisch abgeklärt werden. Eine gute Anamnese und das Führen eines Symptomtagebuchs bringen wichtige Hinweise. Einen Test, mit dem ein Reizdarm zweifelsfrei feststellbar wäre, gibt es nicht.
  • Prognose und Verlauf: So unterschiedlich die Ausprägung und die Symptome sein können, so verschieden ist auch der Verlauf eines Reizdarms. Fakt ist, dass die Symptome sehr einschränkend werden können, es aber kein erhöhtes Risiko für Darmkrebs oder andere schwerwiegende Erkrankungen gibt.  
  • Empfohlene Ernährung: Eine anti-entzündliche Ernährung entspricht einer gesunden, vollwertigen Ernährung, die reich an Gemüse, Obst, Vollwertprodukten, fettem Fisch, Nüssen, Saaten und pflanzlichen Ölen ist. Eine darmgesunde Ernährung orientiert sich an den Beschwerden und zusätzlichen Unverträglichkeiten. Essen Sie so wenig einschränkend wie möglich, dafür abwechslungsreich sowie frisch und bekömmlich zubereitet.
  • Therapie und Prävention: 
    • Mikronährstoffe: Sie sind wichtige Unterstützer einer gesunden Darmschleimhaut, wirken antientzündlich, antioxidativ, und ihr Bedarf ist u. a. bei Stress erhöht. Wichtig sind vor allem:
      • Mineralstoffe: Zink, Selen, Magnesium, Eisen
      • die fettlöslichen Vitamine A, D, und E
      • die wasserlöslichen Vitamine C und B-Vitamine
      • weitere Antioxidantien und Omega-3-Fettsäuren
    • Ballaststoffe und Probiotika: Verstopfung, Durchfall und Blähungen lassen sich mit löslichen Ballaststoffen und auf die Symptome abgestimmten Probiotika gut behandeln.
    • Spezielle Ernährungsformen und -diäten: Antientzündliche Ernährung, angepasste Vollkost, Low-FODMAP-Diät, Darmsanierung, Heilfasten: All diese Ernährungsformen und Diäten bringen Vorteile mit sich und können Symptome lindern. Manche sind jedoch nur als vorübergehende Diät oder zur Entlastung des Darms gedacht und nicht als Dauerernährung geeignet. Finden Sie eine gut umsetzbare und verträgliche Ernährung, die Sie dauerhaft beibehalten können.
    • Lebensstil: Patientenschulung, Basispflege, und Erlernen von Entspannungstechniken, guter Schlaf
    • Konventionelle Therapie: antiallergisch wirkende Medikamente, lokale Glucocorticoide
    • Ganzheitliche Therapie: Darmsanierung, pflanzliche Medikamente/Salben, bewährte Hausmittel
  • Checkliste und Empfehlungen bei Reizdarm-Syndrom: Das können Sie selbst tun.

Was ist das Reizdarm-Syndrom?

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Reizdarm-Syndrom in der Übersicht

  • Unter dem Begriff Reizdarm werden eine Reihe von Darmbeschwerden zusammengefasst, gekennzeichnet durch wiederkehrende Schmerzen, Blähungen und/oder Veränderungen des Stuhlgangs.
  • Etwa jeder siebte Bundesbürger leidet an dem Beschwerdebild. Frauen sind häufiger betroffen.
  • Weil viele Betroffenen aus Scham nicht zum Arzt gehen, wird eine hohe Dunkelziffer angenommen.
  • Auch Kinder können bereits einen Reizdarm entwickeln.
  • Der Reizdarm wird auch als funktionelle Darmerkrankung bezeichnet, da keine organische Ursache vorliegt.
  • Die Diagnose wird gestellt, wenn alle in Frage kommenden organischen Erkrankungen ausgeschlossen wurden, wie z. B. Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Divertikulitis u. a.
  • Die Beschwerden können sehr ausgeprägt sein und die Lebensqualität stark einschränken.

Vorkommen und Auftreten

Das Reizdarmsyndrom ist in westlichen Industriestaaten weit verbreitet. Etwa jeder siebte Bundesbürger leidet an dem Beschwerdebild. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Ärzte gehen davon aus, dass die Erkrankung unterdiagnostiziert ist, es also mehr Betroffene gibt, als die Zahlen nahelegen. Aus Scham meiden viele den Gang zum Arzt. Zunehmend erkranken auch immer mehr jüngere Menschen, vor allem zwischen 20 und 30 Jahren, wie neuere Zahlen belegen.1

Auch Kinder können an einem Reizdarmsyndrom leiden. Etwa 22-45 % der Kinder mit häufigen Bauchschmerzen sind betroffen. Eine Diagnosestellung ist jedoch schwieriger als bei Erwachsenen, da Veränderungen des Stuhlgangs bei Kindern meist fehlen.

Kinder klagen bei einem Reizdarm vielmehr über immer wiederkehrende leichte bis mittelstarke Schmerzen im Bereich des Bauchnabels. Dies kann ein Hinweis auf ein Reizdarmsyndrom sein und sollte medizinisch abgeklärt werden. (2, 3)

 

Differenzierung

Einige Patienten mit Reizdarmsyndrom haben entweder ursächlich oder als Folge des Reizdarms Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Hierzu zählen:

  • Laktoseintoleranz
  • Fruktosemalabsorption
  • Glutenunverträglichkeit bzw. -überempfindlichkeit
  • Unverträglichkeit auf Zuckeralkohole (Sorbit u. a.)
  • Unverträglichkeit auf Süßungsmittel (Aspartam etc.)
  • Histaminintoleranz

 

Auch Nahrungsmittelallergien sind möglich, wenn auch seltener. Am häufigsten sind Allergien gegen:

  • Kuhmilch
  • Huhn
  • Soja
  • Nüsse

 

Liegt den Beschwerden lediglich eine Unverträglichkeit oder Allergie zugrunde, verschwinden diese, wenn die auslösenden Lebensmittel gemieden werden. Sind aber nach einer vierwöchigen Karenz immer noch Symptome vorhanden, ist nicht die Allergie oder die Unverträglichkeit allein für die Beschwerden verantwortlich. Dann sollte an weitere Auslöser gedacht und auch ein Reizdarm in Betracht gezogen werden.

 

Ausgeschlossen werden sollten auch Darmerkrankungen, wie Zöliakie, Divertikulose/- itis, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Darmkrebs. Dazu mehr im Kapitel Diagnostik.

Ursachen und Risikofaktoren

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Ursachen und Risikofaktoren in der Übersicht

  • Welche Ursachen und Risikofaktoren zu einem Reizdarm führen, ist noch nicht allumfassend bekannt.
  • Die meisten Wissenschaftler und Ärzte gehen davon aus, dass es sich bei der Entstehung eines Reizdarms um ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren handelt, die über Jahre zur Ausprägung des Beschwerdebildes führen.
  • Diskutiert werden Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, durchgemachte Darminfekte, Störungen des Gleichgewichts im Immunsystem, dem Mikrobiom und dem Nervensystem des Darms, psychische Faktoren wie Stress, Angst, traumatische Erlebnisse und Depressionen. Auch eine genetische Veranlagung ist häufig feststellbar.
  • Oft ist nicht klar erkennbar, was Auslöser und was Verstärker ist.
  • Wichtig zu wissen ist, dass der Reizdarm nicht durch einen Infektionserreger übertragen wird, nicht ansteckend ist und in keinem Zusammenhang mit bösartigen Erkrankungen oder deren Entstehung steht.

 

Faktoren, die vermutlich an der Entstehung des Krankheitsbildes Reizdarm beteiligt sind:

  • Störungen der Darmmikrobiota / bakterielle Fehlbesiedelung
  • erhöhte Darmdurchlässigkeit (Leaky Gut) / Störung der Barrierefunktion
  • leichtgradige Entzündungsprozesse in der Darmschleimhaut und erhöhte Aktivität des darmeigenen Immunsystems
  • veränderte Darmbeweglichkeit und gesteigerte Aktivität der Darmmuskulatur
  • erhöhte Serotoninspiegel im Magen-Darm-Trakt, die zu einer erhöhten Stressreaktion und Schmerzwahrnehmung führen

 

Faktoren, die die Symptomatik aufrechterhalten und verschlimmern können:

  • Depressionen, Angststörungen, Stress, wenig Entspannung, Stress
  • häufiger Verzehr reizender, blähender und entzündungsfördernder Nahrungsbestandteile, Zusatzstoffe, Genussmittel, ungesunde Ernährungs- und Lebensweise
  • nicht behandelte Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien
  • schwere Darminfekte, Medikamente

Faktor Barrierefunktion des Darms / Immunsystem

Ein wichtiger Mechanismus bei der Entstehung eines Reizdarms ist vermutlich die gestörte Barrierefunktion des Darms. Der Darm ist mit einer eigenen Haut, der Darmschleimhaut, ausgekleidet. Sie übernimmt eine wichtige Schutzfunktion, schirmt zum einen das Körperinnere vor Giftstoffen, Allergenen und Krankheitserregern ab, und ermöglicht andererseits, dass Nährstoffe hindurchdringen und in den Blutkreislauf gelangen. Für eine funktionierende Darmbarriere sorgen auch protektive Bakterienstämme.

 

Ist die Darmbarriere gestört, kann das Entzündungen begünstigen, die Funktion des Darms beeinträchtigen und ein Reizdarmsyndrom hervorrufen.

 

Faktor Darmmuskulatur und Nervensystem

Ein weiterer Faktor, der an der Krankheitsentstehung beteiligt sein kann, ist eine Störung der Muskelkontraktion und der Muskelkoordination des Darms. Das Zusammenspiel der Darmmuskeln ist bei gesunden Menschen fein aufeinander abgestimmt. Kommt jedoch das System aus dem Takt, führt das entweder dazu, dass der Speisebrei zu schnell oder zu langsam weiter transportiert wird. Es können Durchfälle oder Verstopfung auftreten, auch im Wechsel, aber auch Blähungen, Völlegefühl und Bauchschmerzen – alles sind Reizdarmsymptome.

 

Weiterhin kann es sein, dass die Schmerzschwelle im Nervensystem des Magen-Darm-Traktes bei den Betroffenen herabgesetzt ist. Diese erhöhte Empfindlichkeit gegenüber der Dehnung der Darmmuskulatur kann Unwohlsein oder sogar Schmerzen zur Folge haben in Situationen, die andere als völlig beschwerdefrei erleben.

 

Faktor Ernährung und Lebensstil

Großen Einfluss auf die Beschwerden hat die Ernährung. Diskutiert wird aber auch, ob eine ungesunde Ernährung die Ursache für einen Reizdarm ist. Eine Kost mit viel tierischen und gehärteten Fetten, Zucker und raffinierten Kohlenhydraten, wenig pflanzlichen Lebensmitteln bzw. gesunden Fetten sowie wenig Mikronährstoffen verändert die Zusammensetzung des Mikrobioms im Darm, verschlechtert dadurch die Barrierefunktion und fördert Entzündungen. Auch nicht behandelte Nahrungsmittelunverträglichkeiten können durch die permanente Reizung der Darmschleimhaut die Entstehung begünstigen. Umgekehrt kann ein Reizdarm Nahrungsmittelunverträglichkeiten nach sich ziehen, da durch die Entzündungen immer weniger vertragen wird.

Hinweis

Die Bedeutung des Darmmikrobioms

Ein gesunder Darm beheimatet eine Reihe wichtiger Mikroorganismen. Sie bilden protektive Stoffe (kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, Schleimstoffe etc.), die eine Schutzschicht über den Darmzellen bilden und diesen sogar als Nährstoff dienen. Außerdem sorgen die Stoffwechselprodukte der Bakterien für einen günstigen pH-Wert im Darm, bei dem sich auch andere günstige Bakterien gerne ansiedeln und Pilze und schädliche Bakterien verdrängt werden. Einige Arten selbst haben einen deutlichen antimikrobiellen Effekt, indem sie sogenannte Lipopeptide bilden, die gegen die schädlichen Mikroorganismen wirksam sind.

Fehlen protektive Bakteriengattungen, wird das Wachstum schädlicher Keime gefördert und das Eindringen von Erregern, Giftstoffen und Allergenen durch die Darmschleimhaut erleichtert. Eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut ist die Folge. Schädliche Bakterien bilden zudem Stoffwechselprodukte und Toxine, die Entzündungen auslösen. Nehmen diese überhand, kann es zu chronischen Entzündungsprozessen kommen.

 

Neueste Studien zeigen sogar, dass Darmbakterien und deren Stoffwechselprodukte die Serotoninproduktion der Darmzellen unterstützen. Das ist eine spannende Erkenntnis, denn der größte Teil des Serotonins in unserem Körper wird im Darm produziert – etwa 90 %. Serotonin fungiert als Überträger von Informationen zwischen den Nervenzellen.4

 

Ernährung, Lebensstil und Gesundheitsstatus beeinflussen maßgeblich die Funktion des Mikrobioms. Denn unsere Nahrungsbestandteile sind für die Darmbakterien die wesentlichen Wachstumstreiber. Eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten beeinflusst das Darmmikrobiom bereits innerhalb kürzester Zeit.

Wer an Reizdarm leidet, hat im Vergleich zu Gesunden häufig eine höhere Schmerzwahrnehmung im Darm. Bestimmte Nahrungsbestandteile können den Druck und die Darmbewegung zusätzlich verstärken. Zucker und raffinierte Kohlenhydrate erhöhen im Darm nachweislich die bakterielle Gärung und somit den Druck auf die Darmwand. Vollkorn, Hülsenfrüchte und Zusatzstoffe können dasselbe bewirken. Völlegefühl und Blähungen werden stärker wahrgenommen und führen zur ständigen nervalen Reizung des Darms.

 

Einige Lebensmittel können die Darmbewegung steigern und Durchfall verursachen. Ungesunde Fette, Kaffee, Nikotin und Alkohol, scharfe Gewürze und sehr kalte oder sehr heiße Speisen haben diese Wirkung und können es einem gereizten Darm zusätzlich schwer machen.

 

Faktor psychische Belastung und erhöhte Schmerzwahrnehmung

Ein enger Zusammenhang bei der Entstehung eines Reizdarms besteht mit Stress und psychischen Belastungen. Psychische Faktoren können die Reizdarmproblematik verschlechtern. Die Symptome im Verdauungstrakt verstärken wiederum die psychische Belastung. Besonders Menschen, die dafür eine Veranlagung tragen oder bereits gestresst oder hoher psychologischer Belastung ausgesetzt sind, sind empfänglich für die Entwicklung eines Reizdarms. Psychischer Stress in Form von ständigem Gedankenkreisen, Ängsten, Sorgen und Nöten setzt eine Spirale in Gang, in dessen Folge Muskelverkrampfungen im Darm zunehmen, Entzündungsgeschehen gefördert werden und die Schmerzwahrnehmung steigt.

 

Viele kennen es auch, wenn eine Prüfung ansteht oder ein wichtiges Gespräch mit dem Chef: Der Darm reagiert empfindlich und der häufige Gang zur Toilette ist vorprogrammiert. Durchfall ist eine direkte Reaktion des Körpers auf eine beängstigende Situation und kommt noch aus Urzeiten, als es besser war sich allem Überflüssigen zu entledigen und vor der Gefahr weg zu laufen. Fortlaufen ist bei heutigen „Gefahren“ nicht mehr die richtige Lösung, den Sorgen und Ängsten der heutigen Zeit entkommt man dadurch nicht. Die Reaktionen des Körpers auf Stress sind aber nach wie vor die gleichen. Was an sich nicht weiter schlimm ist, vorausgesetzt man findet immer wieder innerlich zur Ruhe und schafft es, den Geist wieder zu beruhigen. Das wirkt sich auch positiv auf den Darm aus. Wer jedoch permanent einem hohem Stresslevel ausgesetzt ist – auch durch Gedankenkreisen oder Sorgen – kann dies mit der Zeit nicht mehr kompensieren, und es können sich körperliche Symptome entwickeln. Sogar viele Jahre nach Stress-Ereignissen können Auswirkungen noch durch Reizdarmbeschwerden spürbar sein.5

 

Stress wirkt sich langfristig auf das Immunsystem und die Darmfunktion aus, was eine Folge des komplexen Zusammenspiels zwischen Darm und Gehirn ist, der sogenannten Darm-Hirn-Achse.

Hinweis

Die Darm-Hirn-Achse

Sie besteht aus enterischem Nervensystem (das darmeigene Nervensystem), Vagusnerv, Darm-Mikrobiota und Gehirn. Dabei ist die Informationsflut vom Darm zum Gehirn wesentlich größer als der Informationsweg von Gehirn zum Darm. 90 % der Informationen gelangen vom Darm zum Gehirn und nur 10 % in umgekehrter Richtung.

Bei Reizdarmpatienten wird häufig auch eine Verschiebung innerhalb der Mikrobengemeinschaft im Darm festgestellt. Besonders die butyratbildenden Mikroben sind häufig nur in geringer Zahl vorhanden. Mikrobielles Butyrat jedoch stimuliert die Bildung der tight-junction-Proteine der Darmzellen und dient als Nährstoff für bestimmte Darmzellen. Eine funktionierende Darmbarriere ist auf eine ausreichende Butyratbildung angewiesen. Ist dies nicht der Fall, kommt es vermehrt zum Durchtritt von Allergenen, pathogenen Keimen und Giftstoffen. Entzündliche Prozesse werden in Gang gesetzt, in deren Folge verstärkt Signale an das Nervensystem übermittelt werden. Die Schmerzwahrnehmung steigt, Schmerzen verursachen wiederum Stress. Die Beschwerden erhalten sich auf diese Weise selbst, und das erklärt, warum Menschen, die chronischen Stresszuständen ausgesetzt sind, oft Reizdarmbeschwerden entwickeln. Sowohl bei Reizdarmpatienten als auch bei Menschen mit Angststörungen werden oft hohe Cortisolspiegel gemessen – ein Indikator für chronische Stressbelastung.

Auch Emotionen können Reaktionen im Bauchraum auslösen. So kann allein die Erwartung kommender Schmerzen die Beschwerden verstärken.

Hinweis

Enterisches Nervensystem

Es wird auch Bauchhirn genannt, da es sich zwischen den verschiedenen Zellen und Muskelschichten der Darmwand befindet. Das enterische Nervensystem ist nach dem Zentralnervensystem die größte Ansammlung von Nervenzellen und agiert völlig selbstständig. Es ist an der Regulation der Resorption von Nährstoffen, Elektrolyten und Wasser beteiligt und generiert und koordiniert die Darmbewegung. Dabei kommuniziert es mit allen Zellen des gesamten Verdauungstraktes (Muskelzellen, Epithelzellen, Blutgefäßen, Verdauungsenzyme produzierende Zellen, Immunzellen) und ist in der Lage, auf Temperatur, Druck, schädliche bzw. unverträgliche Substanzen, aber auch auf zentrale Impulse des Gehirns (z. B. Stress, Ekel, Emotionen) zu reagieren.

Faktor Darminfekte

Darminfektionen durch Bakterien, Parasiten oder Viren können langwierige Entzündungsreaktionen im Darm verursachen. Wenn die Darmschleimhaut nicht die Gelegenheit hat, sich nach einem Infekt angemessen zu erholen und weitere Faktoren hinzukommen, kann sich ein Reizdarm entwickeln.

 

Studien belegen, dass Magen-Darm-Infektionen mit dem Auftreten des Reizdarmsyndroms in Verbindung stehen. Insbesondere nach einer durch Campylobacter-Bakterien hervorgerufenen Durchfallerkrankung tritt bei etwa jedem vierten Betroffenen anschließend ein Reizdarm auf. Bei ihnen bleibt Durchfall häufig das Hauptsymptom. (6, 7)

Hinweis

Was genau passiert bei einem Darminfekt?

Erreger durchdringen die Schutzbarriere der Darmzellen besonders leicht, wenn diese bereits geschwächt ist, gelangen in die Epithelzellen und setzen dort eine Entzündungsreaktion in Gang. Da meist auch die tight-junctions (enge Zwischenräume zwischen den Darmzellen) beeinträchtigt sind, ist die Durchlässigkeit des Darms (intestinale Permeabilität) gestört und weitere Erreger, aber auch Allergene, können leichter eindringen. Das Entzündungsgeschehen wird so immer weiter angefeuert. Zusätzlich können tiefer liegende Zellen in der Submucosa durch einen Serotoninüberschuss fehlreguliert werden und zu einer Überempfindlichkeit beitragen. Steigt die Schmerzempfindlichkeit, verursacht dies weiteren Stress. Ein Teufelskreis ist in Gang gesetzt.

Symptome und Anzeichen eines Reizdarm-Syndroms erkennen

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Symptome in der Übersicht

Typische Beschwerden eines Reizdarms sind:

  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Wechsel von Durchfall und Verstopfung
  • Blähungen, aufgetriebener Bauch
  • Schmerzen im Bauchraum, Krämpfe
  • häufiger Toilettengang mit Stuhldrang und Druckgefühl
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
  • veränderte Stuhlfarbe, übelriechender Stuhlgang, klebriger oder flockiger Stuhlgang, Schleimabgang

 

Hinzukommen können:

  • Übelkeit
  • Völlegefühl
  • mangelnder Appetit
  • Abgeschlagenheit
  • anderweitige Schmerzen

Die Symptome des Reizdarms sind unspezifisch, was die Abgrenzung zu anderen Darmerkrankungen erschwert. Eine gute Differenzialdiagnostik ist sehr wichtig, um ernsthafte Erkrankungen auszuschließen. Typische Zeichen für einen Reizdarm sind, wenn die Beschwerden in der Nacht, bei Entspannung und nach dem Toilettengang besser werden.

 

Unterteilt wird in verschiedene Formen, bei denen einzelne Beschwerden vorherrschen:

  • Durchfall-Typ: (breiiger bis wässriger Stuhl, häufiger als 3x pro Tag)
  • Verstopfungs-Typ: Stuhlgang seltener als alle drei Tage, Pressen beim Stuhlabsetzen
  • Mischtyp: wechselndes Stuhlverhalten
  • Schmerz- und / oder Bläh-Typ: Schmerzen, Blähungen oder eine Kombination dieser Symptome dominieren
  • unspezifischer-Typ: vielfältige, wechselhafte gastrointestinale Beschwerden, die keinem der Typen zugeordnet werden können.

 

Gastrointestinale Begleitsymptome:

  • Schleimbeimengungen im Stuhl oder reine Schleimstühle
  • Fettstühle, klebriger oder flockiger Stuhl, helle Stuhlfarbe
  • starker Stuhldrang und Druckgefühl, Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
  • übelriechender Stuhlgang (faulig, stechend, beißend)
  • starke Darmgeräusche
  • Übelkeit, Völlegefühl, Appetitlosigkeit

 

Weitere Begleiterscheinungen:

  • Migräne, Kopfschmerzen
  • Becken- und Rückenschmerzen
  • Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Leistungsschwäche, Schlafstörungen
  • psychische Beschwerden wie Depressionen
  • Menstruationsbeschwerden

 

Beschwerden, die auf eine andere Erkrankung hindeuten und der Arzt abklären sollte:

  • Blut im Stuhl oder schwarz gefärbter Stuhlgang – Hinweis auf Blutungen (mögliche Ursache: Colitis ulcerosa, Tumore im Verdauungstrakt)
  • Bauchschmerzen, die nach dem Toilettengang nicht besser werden – können auf Analfisteln (kleine Wunden im Analbereich) oder entzündete Ausstülpungen der Darmwand (Divertikulitis) hinweisen
  • Schmerzen im Bauchraum, die auch nachts und bei völliger Entspannung bestehen – akute Entzündung, z. B. Blinddarmentzündung, Divertikulitis, aber auch Nierensteine und Nierenbeckenentzündungen können dahinterstecken. Auch Endometriose und Eileiterentzündungen sollten bei Frauen abgeklärt werden.
  • Bauchschmerzen, die innerhalb kurzer Zeit sehr stark werden und bei denen man keine Haltung findet, in der der Schmerz nachlässt – akute Entzündung, Darminfarkt oder DarmverschlussNotarzt!
  • Krämpfe und Bauchschmerzen, die von Übelkeit, Erbrechen, Abgeschlagenheit und Fieber begleitet sind – möglicher Darminfekt oder Blinddarm- oder Bauchfellentzündung
  • Schmerzen, die in den Rücken ausstrahlen – mögliche Beteiligung weiterer Organe (an die Abklärung von Nieren, Harnblase, Prostata, Eileiter denken)

Diagnose und Test: Reizdarm-Syndrom feststellen

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Diagnose in der Übersicht

  • Diagnostiziert wird der Reizdarm nicht direkt, dazu fehlen sichere Testmethoden, sondern über den Ausschluss organischer Erkrankungen, die für die Symptome in Frage kommen können.
  • Ausgeschlossen werden sollten chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Darm-Infektionen, Divertikel, Darmkrebs, Zöliakie, fehlende Verdauungsenzyme aufgrund von Leber-, Gallen- oder Bauchspeicheldrüsenschwäche, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien und Störungen der Schilddrüsenfunktion.
  • Die Ausschlussdiagnose wird ergänzt durch eine gute Ernährungs-, Lebensstil- und Familienanamnese und das Führen eines Symptomtagebuchs.

Einen Test, mit dem ein Reizdarm sicher diagnostiziert werden könnte, gibt es nicht. Entscheidend bei der Diagnose ist, dass alle sonstigen für die Symptome in Frage kommenden Erkrankungen ausgeschlossen werden können. Es handelt sich also um eine Ausschlussdiagnose, die auch auf einer guten Ernährungs-, Lebensstil- und Familienanamnese eines erfahrenen Therapeuten basiert.

 

Folgende Kriterien müssen laut aktueller Reizdarm-Leitlinie erfüllt sein, um die Diagnose Reizdarm zu stellen:

  • Es bestehen chronische, d. h. länger als 3 Monate anhaltende oder wiederkehrende Beschwerden, die auf den Darm bezogen sind (z. B. aufgetriebener Bauch, Blähungen, Schmerzen) und häufig mit Stuhlgangveränderungen einhergehen (Veränderungen in Häufigkeit und Konsistenz, Beschwerden vor / während / kurz nach dem Stuhlabsetzen, Schleimbeimengungen).
  • Die Beschwerden schränken die Lebensqualität stark ein, weswegen ein hoher Leidensdruck besteht und nach Hilfe gesucht wird.
  • Es sind andere Krankheitsbilder ausgeschlossen, die für die Symptome verantwortlich sein können.

 

Die Schilderung des Beschwerdebildes durch den Patienten ermöglicht einen Abgleich mit möglichen Symptomen eines Reizdarmsyndroms. Es werden dabei die Art, Dauer und Ausprägung der Beschwerden erfasst sowie die möglichen Auslöser und Verstärker ermittelt.

 

Auslöser und Verstärker können sein:

  • Genuss bestimmter Nahrungsmittel
  • Medikamenteneinnahme
  • vorausgegangene Erkrankungen/Infektionen (v. a. im Magen-Darm-Bereich)
  • Begleiterkrankungen, wie Allergien, Unverträglichkeiten, Überempfindlichkeiten
  • Stress, belastende Umweltfaktoren, Ängste, Depressionen, Traumata
  • Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich in der Familie

 

Um den Auslösern auf die Spur zu kommen, ist es sinnvoll ein Symptomtagebuch über einige Wochen zu führen. Alle Ernährungs- und Stressfaktoren sollten dabei berücksichtigt werden und die Art und Dynamik der Beschwerden charakterisieren. Ein gut geführtes Symptomtagebuch ermöglicht es, Anhaltspunkte auf Ursachen zu erkennen, die dann eine weitere gezielte Diagnostik ermöglichen.

 

Als Basis- und Differenzialdiagnostik wird folgendes empfohlen:

  • Blutuntersuchung: um Entzündungen festzustellen oder die Beteiligung anderer Organe oder Hormonsysteme auszuschließen
  • kleines Blutbild
  • Entzündungsmarker
  • Schilddrüsenwerte
  • Leber– und Nierenwerte
  • Diaminoxidasebestimmung (DAO-Wert): gibt erste Hinweise auf eine Verwertungsstörung von Histamin und muss mittels Karenz und Symptomtagebuch überprüft werden

 

Ultraschall des Bauchraums:

Hier lässt sich häufig erkennen:

  • ob Veränderungen an der Darmwand auftreten (Verdickungen oder Ausstülpungen, die dann weiter untersucht werden müssen),
  • ob zu viel Luft im Darm ist (weitere Ursachenforschung nötig)
  • ob Leber, Bauchspeicheldrüse und Nieren unauffällig sind

 

Gastroskopie und Koloskopie mit Gewebebiopsie:

Zum Ausschluss von:

  • chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn)
  • Zöliakie
  • Divertikeln/Divertikulitis
  • Gastritis, Enteritis, Morbus Whipple, Lamblien

 

Stuhluntersuchung auf folgende Marker:

  • Alpha-1-Antitrypsin oder Zonulin (Hinweise auf einen Leaky-Gut)
  • Calprotectin (Hinweis auf Entzündungen im Darm)
  • Verdauungsrückstände (Hinweis auf eine Verdauungsstörung von Fetten, Eiweiß oder Kohlenhydraten)
  • Pankreas-Elastase 1 (Abklärung einer Schwäche der Bauchspeicheldrüse),
  • Gallensäuren (Abklärung eines Gallensäureverlustsyndroms)
  • pH-Wert und evtl. Mikrobiombestimmung der wichtigsten Leitkeime (zur Beurteilung der Bakterien-Besiedelung des Darms)

 

Rektale Untersuchung, gynäkologische Untersuchung bei Frauen:

Zum Ausschluss von:

  • Endometriose, Eileiterentzündung, Abknickung der Gebärmutter oder Uterusmyom bei Frauen
  • Prostataveränderungen bei Männern

 

H2-Atemtest bei Verdacht auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten:

  • Laktose
  • Fruktose
  • Sorbit
  • Abklärung einer bakteriellen Fehlbesiedelung des Dünndarms

 

Allergologische Diagnostik:

Prick-Test oder IgE-Bestimmungen

 

Tipps

Selbsttest Reizdarm

Können Sie mehrere der Fragen mit ja beantworten, ist ein Reizdarm wahrscheinlich:

  1. Haben Sie Krämpfe, krampfhafte Bauchschmerzen, Blähungen, aufgetriebenen Bauch, Völlegefühl oder Schleimabgang?
  2. Bemerken Sie eine Veränderung der Stuhlhäufigkeit und /oder der Stuhlkonsistenz?
  3. Bessern sich Ihre Beschwerden nach dem Stuhlgang?
  4. Treten die Beschwerden immer wieder seit mindestens drei Monaten auf (Unterbrechungen eingeschlossen)?
  5. Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen Ihren Beschwerden und Stress (Ärger, Aufregung, Druck, Frustration) oder seelischen Belastungen (Traumata, Grübeln, Depressionen, Ängsten)?
  6. Hatten Sie in der Vergangenheit einen schweren Magen-Darm-Infekt oder eine Lebensmittelvergiftung?
  7. Treten in Ihrer Familie gehäuft Magen-Darm-Probleme oder -Erkrankungen auf?
  8. Konnte durch bisherige Untersuchungen keine Ursache für Ihre Beschwerden ermittelt werden?

Krankheitsverlauf und Prognose

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Krankheitsverlauf in der Übersicht

  • Ein Reizdarm kann sich über Jahre hinweg entwickeln. Wird nichts unternommen, werden die Beschwerden meist schlimmer.
  • Bei Auseinandersetzen mit der Erkrankung und einer individuellen Behandlung können die Symptome gut beeinflusst werden. Heilbar ist ein Reizdarm nicht, es wird immer eine Sensibilität im Darm bestehen bleiben. Das anzuerkennen ist ein wichtiger Schritt im Leben mit einem Reizdarm.
  • Ein gesunder Lebensstil, spezielle Nahrungsergänzung, die Behandlung mit Medikamenten oder mittels Naturheilkunde und Methoden zur Stressreduktion helfen, mit der Erkrankung gut leben zu können.

So unterschiedlich die Ursachen und Verstärker bei einem Reizdarmsyndrom sein können, so wenig kann man über die Prognose des Krankheitsverlaufs eine allgemeingültige Aussage treffen. Fakt ist, die Beschwerden sind maßgeblich durch unseren Lebensstil geprägt und deshalb auch gut beeinflussbar. Umstellungen bei der Ernährung, Veränderungen beim Bewegungsverhalten, Stressreduktion und Unterstützung durch Medikamente und Naturheilkunde oder die Ergänzung durch Mikronährstoffe können die Beschwerden deutlich verbessern.

 

Wenn Sie sich mit Ihrer Krankheit auseinandersetzen, den Ursachen und Verstärkern Ihrer Beschwerden auf den Grund gehen und bereit sind für Veränderungen und neue Behandlungsstrategien, können Sie den Reizdarm gut in den Griff bekommen.

 

Bei fehlender Behandlung und Auseinandersetzung, können sich die Beschwerden jedoch ausweiten und verschlimmern. Wird nichts gegen die Beschwerden unternommen, gehen sie selten von allein weg. Unverträglichkeiten können hinzukommen und die Symptome erhalten sich aufgrund der Störung der Darm-Hirn-Achse, der veränderten Schmerzwahrnehmung, Mikrobiomveränderungen und der gestörten Darmpermeabilität selbst. Psychische Faktoren verstärken die Problematik zusätzlich. Deshalb ist es wichtig, möglichst früh zu intervenieren und den Teufelskreis von Triggern und Symptomen zu durchbrechen.

 

In den weiteren Kapiteln werden alle Behandlungsmöglichkeiten detailliert beschrieben. Vieles davon ist durch Eigeninitiative umsetzbar. Empfehlenswert ist, einen vertrauensvollen Arzt oder Ernährungstherapeuten hinzuzuziehen. Naturheilkundliche Therapeuten können die Therapie sinnvoll ergänzen.

 

Ernährung bei Reizdarm-Syndrom

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Ernährung in der Übersicht

  • Ob das, was wir täglich essen für uns gesund oder ungesund ist, liegt vor allem an der Ausgewogenheit der einzelnen Nährstoff-Gruppen, die wir essen.
  • Eine gesunde Ernährung ist vor allem anti-entzündlich und abwechslungsreich – das Gegenteil der Western Diet, die pro-entzündlich wirkt. Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten. Praktisch heißt das: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fetter Fisch, Nüsse, Saaten und kaltgepresste pflanzliche Öle.
  • Insbesondere bei Reizdarm sollte auf eine Ernährung geachtet werden, die Entzündungen entgegenwirkt, verträglich gestaltet und ausgewogen ist und so wenige Lebensmittelgruppen wie möglich einschränkt.
  • Was verträglich ist, kann individuell sehr unterschiedlich sein und muss im Einzelnen ermittelt werden. Von strikten Diäten ist dauerhaft abzuraten, da diese Mangelerscheinungen nach sich ziehen können, was die Reizdarmbeschwerden langfristig verstärkt.
  • Kurzfristige Interventionen zur Beruhigung des Darms mit anschließendem langsamen Kostaufbau können hilfreich sein. Hierzu zählen das FODMAP-Prinzip, eine Darmsanierung oder Heilfasten. Oft erzielt aber schon die Umstellung zur Angepassten Vollkost sehr gute Erfolge. Besonders empfohlen werden Probiotika, am sinnvollsten in Kombination mit löslichen Ballaststoffen.

Eine pro-entzündliche Ernährung ist oft Risikofaktor oder Auslöser bei zahlreichen Erkrankungen. Sie fördert chronische Entzündungen, die Arterien verkalken lässt, unseren Darm und unser Immunsystem schwächt, unsere Psyche negativ beeinflusst und letztlich Zellstress entstehen lässt. Wie im Kapitel Ursachen ausführlich dargestellt, spielen entzündliche Prozesse auch bei Reizdarm-Syndrom eine Rolle. Mit einer gesunden, anti-entzündlichen Ernährung können Sie das Krankheitsgeschehen bei Reizdarm-Syndrom in Ihrem Körper selbst mitbeeinflussen:

 

  • Sie können das Entzündungsgeschehen in Ihrem Körper mildern/nicht zusätzlich durch entzündungsfördernde Lebensmittel befeuern.
  • Sie versorgen Ihren Körper mit lebenswichtigen Mikronährstoffen.
  • Sie schützen sich vor Begleiterkrankungen, die sich zusätzlich negativ bei Reizdarm-Syndrom auswirken.
  • Sie erreichen und halten langfristig Ihr Normalgewicht.

 

Probleme der heutigen Ernährung

Obwohl in Deutschland kein Mangel an Nahrungsmittelvielfalt herrscht, wird eine naturbelassene Ernährung mit vielen qualitativ hochwertigen und unverarbeiteten Produkten immer seltener. Volle Arbeitstage, Alltagsstress, keine Zeit zu kochen und auch der Mangel an Wissen und Fähigkeiten führen zunehmend zu einer ungesunden Ernährung.

 

Fertigprodukte statt frisch kochen: Western Diet

Diese Art der Ernährung wird oft unter dem Begriff Western Diet zusammengefasst, weil sie vor allem in den westlichen Industrieländern weit verbreitet ist und sich zunehmend auch in Ländern mit traditionell gesunder Ernährung ausbreitet – mit gravierenden Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung.

 

Hinweis

Merkmale der Western Diet

hochkalorisch, zuckerreich, gesättigte Fettsäuren, Transfettsäuren, salzreich, viele Konservierungsstoffe und hochverarbeitete Produkte (Fastfood, Fertigprodukte, „Junkfood“) – dagegen wenig frisches Obst und Gemüse, keine hochwertigen Pflanzenöle, wenig komplexe Kohlenhydrate, wenige Ballaststoffe, Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe

Nährstoffzufuhr aus dem Gleichgewicht

Ob das, was wir täglich essen für uns gesund oder ungesund ist, liegt vor allem an der Ausgewogenheit der einzelnen Nährstoff-Gruppen, die wir essen. Unsere Lebensmittel setzen sich zum einen aus Makronährstoffen zusammen, die uns Energie und Baumaterial liefern: Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße.

Auf der anderen Seite enthalten Lebensmittel auch unzählige Mikronährstoffe, die das Umsetzen der Makronährstoffe im Stoffwechsel erst möglich machen: Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Fettsäuren, Enzyme und sekundäre Pflanzenstoffe.

Ungesund wird eine Ernährung dann, wenn die einzelnen Gruppen nicht mehr im Gleichgewicht zueinander stehen. Arbeit findet z. B. heute sehr oft als sitzende Tätigkeit am Schreibtisch statt, wo kaum Kalorien verbrannt werden – jedoch dominieren Kohlenhydrate nach wie vor zu einem großen Anteil unsere tägliche Ernährung, was die Entwicklung einer chronischen Entzündung besonders fördert – das ständige Zuviel.

 

Anti-entzündliche Ernährung: Profitieren Sie auf allen Ebenen

Erst gravierende Erkrankungen und Ereignisse wie Reizdarm-Syndrom lassen uns aufhorchen und führen oft zu einem Wendepunkt im Leben: Lassen Sie es gar nicht erst so weit kommen!

Sich gesund zu ernähren heißt nicht sich selbst zu kasteien, zu verzichten oder strikte Pläne einzuhalten. Es bedeutet Neues kennenzulernen, alte Wege zu verlassen und sich jeden Tag fitter, gesünder und leistungsfähiger zu fühlen statt immer müde, abgeschlagen und energielos. Sie können dabei Schritt für Schritt etwas an Ihrer Ernährung ändern, statt zu versuchen, von heute auf morgen alles auf den Kopf zu stellen. Eine gesunde Ernährung ist vor allem anti-entzündlich und abwechslungsreich– das Gegenteil der Western Diet, die pro-entzündlich wirkt.

 


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Ein wunderbares Kochbuch gegen die heimliche Entzündung in unserem Körper:


 

Was ist antientzündliche Ernährung?

Anti-entzündlich heißt, es sind reichlich Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Mikronährstoffe enthalten. Eine pro-entzündliche Ernährung ist einer der Hauptauslöser für eine chronisch-schwelende Entzündung in unserem Körper, die stille Entzündung (silent inflammation).

Zahlreiche Gewürze, Kräuter und pflanzliche Lebensmittel – einheimische wie exotische – haben sehr gesunde, entzündungshemmende Inhaltsstoffe. Die richtige Ernährung kann viel dazu beitragen, Entzündungen einzudämmen. Täglich drei Hände voll Gemüse – gegart, als Rohkost oder Salat – dazu eine Handvoll gemischtes Obst ist eine wichtige Basis. In Gemüse und Obst, aber auch in Nüssen, Samen, Kräutern und Gewürzen, stecken eine Vielzahl sekundärer Pflanzenstoffe, die entzündungshemmend wirken – viele davon noch kaum erforscht. Bei den tierischen Lebensmitteln stechen die fettreichen Fische hervor, die ebenfalls entzündungshemmende Eigenschaften haben.

Die folgende Tabelle stellt Ihnen wichtige anti- und pro-entzündliche Nahrungsmittelgruppen vor:

Anti-entzündliche Nahrungsmittel und pro-entzündliche Nahrungsmittel

 

Anti-entzündliche Ernährung Pro-entzündliche Ernährung
Olivenöl, Walnussöl, Leinöl, Hanfölfrittierte Lebensmittel, Margarine, Sonnenblumenöl, Schweineschmalz, Sojaöl, Maiskernöl
Obst (zuckerarme Sorten bevorzugen): Beeren, Zitrusfrüchte, Äpfel
Gemüse, mindestens „5 am Tag“: grüne Blattgemüse, Brokkoli, Spinat, Kohlsorten, Topinambur, alle Salate, Wildkräuter
Fast Food, Fertigprodukte, Süßigkeiten, industriell gefertigte Snacks
Vollkornprodukte: Getreideprodukte aus dem vollen Korn inklusive aller BallaststoffeProdukte aus Auszugsmehlen („Weiß“), Weizen
Hülsenfrüchte: Linsen, Kichererbsen, Bohnen, Tofu
Eier: moderater Konsum (mind. Bio-Freiland-Haltung)
Wurstwaren, viele Milchprodukte
fetter Seefisch: Lachs, Makrele, SardinenSchweinefleisch
frische Kräuter, antientzündliche Gewürze wie Chili, Kurkuma, Ingwer
Sulfide: Knoblauch, Zwiebeln, Meerrettich
sehr salzreich
Getränke und Tee: Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees, grüner TeeSoftdrinks, häufiger Alkoholkonsum, Milchmixgetränke
Nüsse und Saaten: Walnüsse, Leinsamen, Pinienkerne, Kürbiskerne, MacadamianüsseErdnüsse, gesalzene und aromatisierte „Knabbernüsse“
Probiotika: Kefir, Joghurt, milchsauer eingelegte Gemüse, Misopaste

Ausflug in die Wissenschaft

Omega-3-Fettsäuren für die Darmflora

In einer Studie der University of Nottingham aus dem Jahr 2017 wurde der Zusammenhang zwischen Omega-3-Fettsäuren und der Vielfalt und Zusammensetzung der Darmflora untersucht. Es nahmen 876 weibliche Zwillinge mittleren Alters daran teil.

Die Analysen ergaben, dass hohe Omega-3- Spiegel im Blut signifikant mit der Vielfalt und Anzahl der guten Darmbakterien korreliert. Das bedeutet, die Teilnehmerinnen mit hohen Omega-3-Spiegeln wiesen eine deutlich vielfältigere und gesündere Darmflora auf.
Zudem war die Anzahl der Bakterien, die entzündungshemmend wirken, erhöht, wenn ein hoher Omega-3-Konsum vorlag.9

Weitere Eckpunkte einer gesunden Ernährung sind:

  • Flexitarismus: Insgesamt sollte Ihre Ernährung vorwiegend pflanzenbasiert ausgerichtet sein – Fleisch, Fisch und Milchprodukte sind in Maßen zu genießen, dafür in hochwertiger Qualität.
  • Mittelmeer-Diät: Gute Orientierung bei einer anti-entzündlichen Ernährung bietet die mediterrane Ernährung – Menschen, die sich traditionell nach der Mittelmeerdiät ernähren, leiden seltener unter der chronischen Entzündung und deren Folgen, z. B. weniger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Regional und saisonal: Produkte aus der Region, die keinen weiten Anreiseweg hatten, sind frischer und oft nährstoffreicher. Viele Superfoods haben einheimische „Verwandte“ wie z. B. Leinsamen (statt Chiasamen) oder Hagebutten (statt Goji-Beeren).
  • Gesunde Fette: Fett reduzieren ist passé, viel wichtiger, ist die richtigen Fette aufzunehmen: Die optimalen Quellen sind kaltgepresste, hochwertige Öle. Dabei sollte der Anteil der Omega-3-Fettsäuren möglichst hoch sein, da sie im Gegensatz zu den Omega-6-Fettsäuren entzündungs- und schmerzhemmend wirken.
  • Kohlenhydrate reduzieren: Essen Sie insgesamt weniger Kohlenhydrate, also weniger weißes Brot, weniger weiße Nudeln und Reis. Zu viele dieser getreidehaltigen Sattmacher fördern Entzündungen und stören das Gleichgewicht der Botenstoffe.
  • Vegetarismus und Veganismus sind Ernährungsformen, die sehr gesund und ausgewogen sein können, aber nicht automatisch sind: Wenn viele oben genannte Nahrungsmittel integriert werden und auf ausreichend Mikronährstoffzufuhr geachtet wird. Auch der vegane Trend hat viele Fertigprodukte auf den Markt gebracht, die oft mit einer gesunden Ernährung nichts mehr gemeinsam haben. Achten Sie also weniger auf ein „Label“, sondern auf Ausgewogenheit.
  • Achtsamkeit beim Essen: Genuss, Freude und Langsamkeit gehören zu einer gesunden Ernährung genauso wie hochwertige Nahrungsmittel.
  • Fastenperioden: Intervallfasten oder Buchinger-Fasten können sinnvoll sein für einen Neustart oder ein jährliches Ritual, hier müssen Sie selbst abwägen, ob es zu Ihnen passt.
  • In Bewegung bleiben: Zu einer gesunden Ernährung gehört Bewegung – neben vielen anderen positiven Effekten, wirkt die Verdauung angeregt und die Darmpassage gefördert.

 

So sollte Ihr Teller aussehen

Mit dieser Telleraufteilung versorgen Sie Ihren Organismus optimal mit wichtigen Mikronährstoffen und ausreichend Energie-Lieferanten (Fette, Kohlenhydrate und Eiweiß). Achten Sie also darauf nicht nur Beilagen und Fleisch/ Fisch zu sich zu nehmen, sondern variieren Sie vor allem mit verschiedenen Gemüse- und Obstkombinationen. So gehen Sie Übergewicht aus dem Weg und vermeiden Speisen mit zu hohen Kalorienwerten.

 

 

Essen Sie verträglich

Was verträglich ist, muss individuell ermittelt werden. Da Reizdarmsymptome sehr unterschiedliche Ursachen und Verstärker haben, ist es für Ärzte und Therapeuten oftmals schwer, allgemeingültige Ernährungsratschläge zu geben. Ernährungstipps können zwar vielen Betroffenen helfen, doch ersetzen sie nicht eine individuelle und professionell angeleitete Ernährungsumstellung. Das heißt, jeder Patient sollte zunächst einmal herausfinden, welche Lebensmittel ihm guttun und in welchen Situationen er mit typischen Beschwerden reagiert.

 

Hilfreich ist das Führen eines Ernährungstagebuchs über einen gewissen Zeitraum.

Mithilfe einer professionellen Ernährungsberatung kann dann gemeinsam eine individuelle Reizdarm-Ernährung gefunden werden. Die Empfehlungen leiten sich aus der Krankengeschichte, der Ernährungsanamnese, der Ausschluss-Diagnostik und den Leitsymptomen ab.

 

Selbst wenn diagnostisch nichts feststellbar ist, können bestimmte Kohlenhydrate (Lactose, Fruktose, Sorbit), Gluten, Histamin oder Süßstoffe Beschwerden verursachen und eine ca. 2-wöchige Karenz der verdächtigen Lebensmittel versucht werden. In jedem Fall ist es sinnvoll, eine ernährungstherapeutische Begleitung hinzuzuziehen, um ein strukturiertes Vorgehen zu gewährleisten und Mangelsymptome zu verhindern.

 

Das Konzept der Angepassten Vollkost (ehemals Leichte Vollkost)

Die Praxiserfahrung zeigt, dass die meisten Reizdarm-Patienten schon von kleinen Korrekturen profitieren. Bereits die Anwendung einiger Grundregeln zur besseren Bekömmlichkeit kann eine Linderung herbeiführen. Die wichtigsten Empfehlungen sind:

  • regelmäßige, kleine Mahlzeiten (4-5 am Tag), statt seltene, unregelmäßige und üppige Portionen
  • langsam und in Ruhe essen, Hektik vermeiden
  • gut kauen (denn im Mund beginnt bereits die Verdauung)
  • reizende und unverträgliche Lebensmittel identifizieren und meiden (sehr heiße oder kalte Speisen, sehr salzig und stark gewürzt)
  • Speisen frisch und schonend zubereiten
  • verarbeitete Lebensmittel möglichst selten verzehren
  • Konsum von Süßigkeiten und vieler einfacher Kohlenhydrate reduzieren
  • sehr fettreiche Speisen meiden, gesunde Fette verwenden

 

Manche Menschen kommen gut mit 3 Hauptmahlzeiten zurecht, zwischen denen mindestens 3 Stunden Abstand liegen. Bei akuten Beschwerden ist es jedoch ratsam, häufigere, aber dafür kleinere Mahlzeiten zu sich zu nehmen (3 kleinere Hauptmahlzeiten mit ca. 2-3 Zwischenmahlzeiten). Hierdurch werden Magen und Darm pro Mahlzeit entlastet.

 

Zucker begünstigt das Wachstum schädlicher Keime im Darm. Auch verschiedene Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Xylit (z. B. in zuckerfreien Kaugummis oder Bonbons) können in größeren Mengen abführend wirken – wer unter Durchfall leidet, sollte besser darauf verzichten. Zu große Mengen an stärkehaltigen Lebensmitteln wie Brot und Nudeln haben den gleichen Effekt und führen oft zu Blähungen und Schmerzen im Darm. Bei der Angepassten Vollkost wird daher empfohlen, Zucker und Weißmehlprodukte einzuschränken.

 

Aber auch die Verarbeitungs- und Zubereitungsart bestimmt die Verträglichkeit. Vollkorn wird in feinkrumiger oder geschroteter Form oft besser vertragen als die Ganzkornvariante, sehr frisches oder zu schnell gebackenes Brot schlechter als ausgebackene Brote mit langer Teigführung.

 

Schonendes Garen und ein geringer Fettgehalt verbessern die Verträglichkeit. Besonders sehr fett- und zuckerreiche Lebensmittel werden oft schlecht vertragen. Essen Sie aber nicht vollkommen fettarm, denn ein gewisser Anteil in der Nahrung ist für unsere Verdauung wichtig. Setzen Sie auf die richtigen Fette! Bevorzugen Sie gute Öle sowie Ölsaaten und Nüsse und verwenden Sie weniger tierische Fette.

 

Scharfe Gewürze, Zwiebel- oder Knoblauchpulver (häufig auch in Fertiggerichten enthalten) werden von vielen Reizdarmpatienten nicht gut vertragen. Kohlensäurehaltige Getränke und Alkohol lösen ebenfalls oft Beschwerden aus. Auch Kaffee (mit oder ohne Koffein) kann reizen, denn hier kommt es eher auf den Säuregrad des Kaffees und die Röstung an.

 

Auf die Mengen und Kombinationen achten!

Mit entscheidend für eine bauchgesunde Ernährung ist nicht nur was, sondern auch in welcher Kombination gegessen werden. Natürlich spielt auch die Menge eine Rolle. Ein Lebensmittel komplett zu meiden, ist selten nötig. Besser ist es, die richtige Menge im Blick zu haben.

 

 

Süßes immer mit Fett/Eiweiß

Essen Sie Lebensmittel mit schnell resorbierbaren Kohlenhydraten (hohem glykämischen Index) – Obst, Süßes, Gerichte mit hellen Auszugsmehlen, Desserts – immer in Kombination mit Fett oder Eiweiß, also z. B. den Keks mit einem Glas Milch, damit der Zucker nicht so „schnell ins Blut fließen kann“, oder den Obstsalat mit Sahne, Früchte mit Quark oder Joghurt. Auch wenn Sie das süße Dessert unmittelbar nach der Hauptmahlzeit verzehren, dämpft die Mischung im Magen mit der vorher gegessenen Speise den glykämischen Index der Süßigkeit und die Verträglichkeit wird verbessert.

Eine gesunde Darmkost benötigt bestimmte Mengen an Fett. Denn Fett bindet entstehende Gase im Darm und verhindert damit Blähungen. Zudem erhöht Fett die Verweildauer im Magen-Darm-Trakt, was bei Durchfallbeschwerden wünschenswert ist. Einfache Kohlenhydrate aus Getränken, Kuchen, Keksen, Brot und zu viel Obst sollten jedoch deutlich reduziert werden.

 

Weizen- /Glutenfrei

Seit einiger Zeit ist die glutenfreie Kost zu einer „Modediät” geworden. Gerade bei Reizdarm wird gerne Gluten für die Beschwerden mitverantwortlich gemacht. Glutenhaltige Getreidesorten oder Weizenprodukte müssen aber nicht generell gemieden werden. Wichtig ist es, eine Zöliakie sicher auszuschließen, da für Betroffene nur der lebenslange Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel Linderung schafft. Dies kann über einen Antikörpertest im Blut geschehen, der jedoch eine hohe falsch-positiv-Rate aufweist. Genauere Ergebnisse liefert eine Stufenbiopsie bei der Gastroendoskopie. Um ein aussagekräftiges Ergebnis zu bekommen, darf Gluten vorab jedoch nicht gemieden werden.

 

Ist der Befund negativ, kann eine Nicht-Zöliakie-Gluten-/Weizensensitivität dahinterstecken. Hierzu sind noch nicht alle Einzelheiten geklärt, man weiß aber, dass bestimmte Substanzen (Gluten, Phytinsäure) im Getreide Entzündungsreaktionen triggern können. Auch dies lässt sich mittels Symptomprotokoll mit Begleitung eines erfahrenden Therapeuten herausfinden.

 

Oft spielt bei Brot und Backwaren mehr der Backprozess als das Gluten selbst eine Rolle. Denn viele reizende Stoffe bauen sich bei langer Teigführung ab (mehrstufiger Sauerteig oder langes „gehen lassen“ bei Hefeteig) und lösen dann keine Beschwerden mehr aus. Ein handwerklich hergestelltes Brot ist daher viel bekömmlicher als ein Brot, dem man nicht genug Zeit zum „Reifen“ gegeben hat.

 

Generell auf Gluten zu verzichten, ohne dass es Hinweise auf einen Benefit gibt, ist jedenfalls nicht hilfreich. Der vermeintliche Nutzen einer glutenfreien Kost für Gesunde ist fraglich bis hin zu kontraproduktiv. Das Risiko von Verstopfungen, einer veränderten Stuhlzusammensetzung und einer Vielzahl von Enddarmerkrankungen steigt bei einer dauerhaft glutenfreien Kost.

 

Denn die meisten glutenfreien Produkte enthalten vor allem Stärke aus Mais, Reis und/oder Kartoffeln, also viele einfache Kohlenhydrate und zu wenige Ballaststoffe. Durch die fehlenden unlöslichen Ballaststoffe, die vorwiegend in Vollkornprodukten enthalten sind, kann der Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel folgenreich sein: Es lassen sich zwar zu Beginn der Kostumstellung einige gastrointestinale Symptome (Durchfall und Blähungen) verbessern. Allerdings „kippt“ das Beschwerdebild dann meist und verkehrt sich ins Gegenteil. Es fehlt der Verdauung der Schwung und die Stuhlmasse. Infolge der fehlenden Darmbewegung bei gleichzeitig hoher Kohlenhydratzufuhr steigt die Gefahr einer bakteriellen Fehlbesiedlung bei übermäßigem Verzehr dieser Produkte.

 

Essen Sie daher hochwertiges, handwerklich hergestelltes Brot, z. B. feinkrumiges Vollkornbrot und finden Sie die für Sie richtige Menge heraus. Kombinieren Sie eine Brotmahlzeit immer mit eiweißreichen Lebensmitteln und moderaten Mengen an gesunden Fetten. Das steigert die Bekömmlichkeit enorm.

 

 

Das FODMAP-Konzept:

Bei der FODMAP-armen Kostform werden alle Lebensmittel ausgeschlossen, die Blähungen und Schmerzen durch erhöhte Gasbildung im Darm verursachen können. Es gibt widersprüchliche Studien zu diesem Konzept. (10, 11)

 

Die sechs Buchstaben stehen für die englischen Begriffe: „fermentable, oligo-, di-, monosaccharides and polyols“ Dazu gehören verschiedene Kohlenhydrate (Laktose, Fruktose, Fruktane, Galaktane und Zuckeralkohole – Mannitol, Sorbitol oder Xylitol) die in vielen Lebensmitteln enthalten sind (siehe Tabelle unten). Diese fermentierbaren Kohlenhydrate werden im Dünndarm nicht oder nur wenig resorbiert, sie gelangen in den Dickdarm und werden dort von Bakterien abgebaut. Dadurch können vermehrt Gase entstehen.

Kritisch zu bewerten sind die übermäßigen Verbote, die in vielen low-FODMAP-Listen unreflektiert an Betroffene weitergegeben werden. Denn es kann sein, dass bspw. Laktose und Fruktose vertragen werden oder auch die Laktose- oder Fruktosemenge bereits in einer akzeptablen Menge verzehrt werden, trotzdem wird bei den low-FODMAP-Empfehlungen eine komplette Karenz nahegelegt. Wichtige präbiotische Substanzen wie Inulin, Fruktane und Galaktooligosaccharide, die den Bakterien in einem gesunden Darm als „Futter“ dienen, werden bei den Kostvorschlägen aus Vorsichtsgründen eliminiert, obwohl diese Substanzen signifikant die Reizdarmsymptomatik verbessern können. Deshalb ist eine fachliche Begleitung, die individuelle Anpassungen vornimmt, sehr zu empfehlen, denn sonst bleiben Listenempfehlungen fehlerhaft und wirkungslos.

Ein gut begleitetes Low-FODMAP-Konzept besteht aus 3 Phasen. In den ersten beiden Wochen werden FODMAP-Lebensmittel komplett gemieden, sofern nicht klar ist, woher die Beschwerden kommen. Ist bekannt, dass bspw. Lactose oder Gluten keine Beschwerden verursacht, kann es weiter verzehrt werden.

In der 2. Phase wird ausgetestet, welche Lebensmittel in welchen Mengen vertragen werden.

Abschließend wird in Phase 3 eine individuelle Ernährung festgelegt. Ziel sollte es sein, mit möglichst wenigen Nahrungseinschränkungen die Beschwerden zu verbessern. Als Dauerkost ist das Konzept nicht geeignet, da sich beim Fehlen von Ballaststoffen langfristig Veränderungen im Darmmikrobiom einstellen und ein Reizdarm weiter gefördert würde. Außerdem besteht das Risiko einer Mangelernährung, da es schwierig ist, genug Vitamine und Mineralstoffe aufzunehmen.

meiden bzw. austesten meist verträglich
Früchte:
Apfel, Aprikose, Avocado,
Birne, Brombeere, Feigen,
Granatapfel, Grapefruit, Johannisbeeren, Kirschen, Mango, Mirabellen, Nektarinen, Pfirsich, Pflaumen, Wassermelone, Zwetschgen
Früchte:
Ananas, Banane, Blaubeeren, Clementinen, Erdbeeren, Himbeeren, Honigmelone, Kaktusfeige, Kiwi, Limette, Mandarine, Maracuja, Maronen, Netzmelone, Orange, Rhabarber, Weintrauben, Zitrone
Gemüse:
Artischocke, Blumenkohl, Bohnen (alle außer grüne Stangenbohnen), Erbsen, Frühlingszwiebel (weißer Teil), Knoblauch, Kraut/Kohl, Lauch/Porree (weißer Teil), Linsen, Pilze, Rote Beete, Schalotte, Schwarzwurzel, Sojabohne, Spargel, Süßkartoffel, Wirsing, Zwiebel
Gemüse:
Aubergine, Brokkoli, Chicorée-Salat, Chilischoten, Chinakohl, Fenchel, Frühlingszwiebel (grüner Teil), grüne Stangenbohnen, Gurke, Karotte, Kartoffel, Kohlrabi, Lauch/Porree (grüner Teil), Mais, Oliven, Paprika, Radieschen, Rosenkohl, Rotkohl, Salat, Schnittlauch, Sojasprossen, Spinat, Tomate, Zucchini
Milchprodukte:
junger Käse, Milch, milder Joghurt, Eiscreme
Milchprodukte:
alle lactosefreien Produkte,
Käse, der länger als 4 Monate gereift ist,
stichfester, säuerlicher Joghurt
Getreide:
Roggen, Weizen, Weißbrot, Nudeln
Getreide/Pseudogetreide:
Reis, Hafer, Hirse, Polenta, Quinoa, Amaranth, Buchweizen
Proteine:
Linsen, Soja- und Milchprodukte:
junger Käse, Milch, milder Joghurt, Eiscreme Kidneybohnen, Kichererbsen
Proteine:
Fleisch, Fisch, Geflügel, Nüsse, Eier, Samen
Süßigkeiten:
helle Schokolade, Honig, künstliche Süßstoffe, Sirup mit hohem Fruchtzuckeranteil (Agavendicksaft, Dattelsirup…)
Süßigkeiten:
dunkle Schokolade, Zucker, Nüsse, Ahornsirup, Reissirup
Getränke:
Fruchtsäfte, Limonaden mit Süßstoff, Bier
Getränke:
Tee, Kaffee, Rotwein, Wasser

Hinweis

low-FODMAP-Diät lindert Symptome

Die Wissenschaft ist sich nicht einig darüber, ob eine low-FODMAP-Diät einen Benefit für Betroffene bringt. Einige Studien sprechen dafür, dass konventionelle Ernährungstipps, wie unter dem Punkt ‚Angepasste Vollkost‘ vorgestellt, ebenso wirksam sind, wie die low-FODMAP-Diät.

In einer schwedischen Studie aus dem Jahr 2015 wurden die Symptome in der Studiengruppe mit der klassischen Ernährungsumstellung bei 46 % der Teilnehmer vermindert. Im Vergleich dazu konnten bei 50 % der Betroffenen die Reizdarmsyndrom Symptome effektiv durch die low-FODMAP-Diät reduziert werden. Das Ergebnis zeigten keinen signifikanten Unterschied, was bedeutet, dass klassische, lange bekannte Ernährungsempfehlungen ebenso wirksam sind, wie die low-FODMAP-Diät.12

Heilfasten und strenge Diäten:

Ursprünglich war Fasten ein religiöser Brauch, aus dem viele Varianten hervorgegangen sind. Ziel des Heilfastens ist es, den Stoffwechsel in Schwung zu bringen und den Darm zu entlasten. Dabei wird über einen bestimmten Zeitraum teilweise oder komplett auf feste Nahrung verzichtet. Es gibt einige Einschränkungen, wann Fasten nicht empfohlen wird. Deshalb sollte das Vorhaben mit einem Arzt oder kompetenten Therapeuten besprochen werden. Wer sich beispielsweise bereits einseitig ernährt, was wegen Unverträglichkeiten oder Verunsicherung bei Reizdarmbeschwerden häufig der Fall ist, für den ist Fasten oder eine strenge Diät über einen längeren Zeitraum nicht ratsam, da Mangelerscheinungen auftreten können.

Die sehr eingeschränkte Lebensqualität vieler Betroffener macht empfänglich für strikte Ernährungspläne und Verbote. Dabei wird gerne vergessen, dass durch das immer strengere Weglassen von Lebensmitteln provoziert wird, dass immer weniger vertragen wird. Außerdem ist es sehr schwer, strenge Vorgaben lange einzuhalten, darunter leidet die Lebensqualität ebenso wie die Psyche.

 

Heilfasten für eine kurze Zeit (individuell zu bewerten) kann eine anschließend geplante Ernährungsumstellung jedoch erleichtern. Ob ein Fastenprogramm zur Linderung führt, hängt davon ab, wie danach vorgegangen wird. Ziel sollte immer eine ausgewogene, mikronährstoffreiche, bedarfsgerechte und entzündungshemmende Ernährung sein.

 

Hinweis

Heilfasten bei Reizdarm

Eine vorübergehende Entlastung der Verdauungsorgane durch Heilfasten mit anschließender Wiedereinführung aller auf Verträglichkeit getesteter Lebensmittel kann hilfreich sein. Langfristige, einseitige Diäten sind nicht zielführend und dauerhaft sogar schädlich. Fasten Sie deshalb nie allein bei Reizdarm, sondern nur mit ärztlicher oder therapeutischer Begleitung.

Spezielle Empfehlungen bei Reizdarm

Sauermilchprodukte und Probiotika:

Die Darmflora wird positiv unterstützt durch milchsauer vergorene Lebensmittel wie Naturjoghurt, Kefir, Sauerkraut, Kimchi, Salzgurken, Brottrunk oder andere milchsauer vergorene Gemüsesorten. Auch Ayran, Butter-, Schweden- und Dickmilch/Sauermilch (Süß-) Molke, Quark und (saure) Sahne enthalten noch aktive Milchsäurebakterien. Auch Schmand, Crème fraîche, Sahne oder Hüttenkäse beinhalten noch nennenswerte Mengen, sofern sie nicht anschließend wärmebehandelt werden. Wärmebehandelt sind z. B. fast immer Fruchtjoghurts, um sie haltbarer zu machen. Deshalb stets auf die Herstellungsweise achten!

 

Bei regelmäßigem Verzehr können diese Produkte die Bildung eines gesunden Darmklimas unterstützen. Empfohlen werden 2 Portionen davon am Tag zu verzehren und auf Abwechslung zu achten. Denn unterschiedliche Produkte enthalten auch unterschiedliche Keime und sorgen so für die wünschenswerte Vielfalt im Darm.13

 

Auch Frisch-Milch kann zu einem gesunden Mikrobiom beitragen, vorausgesetzt sie ist nicht wärmebehandelt und somit keimfrei gemacht. ESL-Milch (lange haltbar gemachte Milch) oder H-Milch ist für den Darm ungünstig, da in ihr keine aktiven Bakterienkulturen mehr enthalten sind.

 

Probiotika sind Produkte, die definierte lebende Mikroorganismen enthalten, die in ausreichender Menge in aktiver Form in den Darm gelangen und dadurch positive gesundheitliche Wirkungen erzielen. Probiotische Joghurts enthalten solche robusten Keime, die von der Magensäure nicht abgetötet werden und im Darm lebend ankommen.

 

Bestimmte Bakterienstämme wurden in zahlreichen Studien hinsichtlich ihrer Wirkung bei Reizdarm untersucht und es kommen immer neue hinzu. Die Symptome des Reizdarms lassen sich in vielen Fällen durch die Unterstützung des Mikrobioms positiv beeinflussen. Die einzelnen Stämme haben unterschiedliche Eigenschaften und sollten symptomorientiert eingesetzt werden.

 

Manche Produkte werden anfänglich nicht gut vertragen, denn ein verarmtes und durcheinander geratenes Mikrobiom wird empfindlich und muss erst langsam wieder aufgebaut werden. Normale Joghurts reichen da oft nicht aus, es braucht höhere Dosierungen, damit genug lebende Bakterien im Darm ankommen. Manchmal braucht es Zeit und Geduld, bis das richtige Produkt gefunden ist. Wichtig ist die regelmäßige Einnahme am besten in Kombination mit einem geeigneten Ballaststoff. (14, 15, 16, 17)

 

Für folgende Stämme gibt es eine nachgewiesene Wirkung:

 

bei Verstopfung

  • coli Nissle 1917
  • Lactobacillus (L.) casei Shirota, L. reuteri, L. plantarum, und L. rhamnosus, L. acidophilus, L.paracasei, Lactococcus lactis
  • Bifidobacterium animalis ssp lactis DN-173 010 (B.), B. bifidum, B. infantis und B. longum, B. lactis

 

bei Durchfall

  • casei DN-114 001, L. rhamnosus GG, L. acidophilus, L. plantarum W21, L. salivarius W24, L. lactis W58
  • animalis W53, B. bifidum W23, B. lactis W51, B. lactis W52
  • Enterococcus faecium W54

 

bei Blähungen und Schmerzen

  • infantis, B. animalis ssp. lactis DN-173 010, B. infantis 35624
  • casei Shirota, L. plantarum, L. casei DN-114 001, L. thermophilus, L. bulgaricus
  • rhamnosus GG – Wirkung bei Kindern belegt
  • reuteri DSM 17938 bei Koliken bei Säuglingen

 

bei entzündlichen Prozessen

  • Akkermansia muciniphila
  • Faecalibacterium prausnitzii

 

Ballaststoffe:

Für Patienten mit Bauchbeschwerden ist die Unterscheidung nach der Struktur in unlösliche und lösliche Ballaststoffe sowie in resistente Stärke wichtig. Wenn viele Ballaststoffe aufgenommen werden, wird der Nahrungsbrei zäher und gelangt langsamer aus dem Magen in den Dünndarm. Manche Ballaststoffe beeinflussen zudem die Stuhlkonsistenz und binden Luft und Gase im Verdauungstrakt. Ballaststoffe können sowohl Verursacher als auch Hilfsmittel bei der Linderung von Beschwerden sein.17

 

Unlösliche Ballaststoffe (Lignine, Cellulose, Hemicellulose)

Eigenschaften: faserig, festigend, strukturgebend, können Blähungen verursachen

Sie binden im Verdauungstrakt nur wenig Luft und werden fast unverändert ausgeschieden. In erster Linie leisten sie einen Beitrag zur Stuhlmasse und dienen als „Besen“ im Darm. Durch ihren Fülleffekt wird die Bewegung im gesamten Darm angeregt und der Speisebrei schnell weitertransportiert.

 

Vorkommen: Leinsamen, Getreide-, Gemüse-, Obstschalen, in fast allen Pflanzen, v. a. Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Blatt- und Wurzelgemüse.

 

 

Lösliche Ballaststoffe (Beta-Glucane, Pektine, Inulin, Oligofruktose, Psyllium a.)

Eigenschaften: wasser- und gasbindend, gelbindend, viskös (zähflüssig)

Sie binden im Speisebrei Wasser und dienen als Quellstoff oder Gelbildner. Sie sind wichtig für eine gleichmäßige und gleitfähige Stuhlkonsistenz. Sie können ebenfalls nicht von unseren Verdauungsenzymen abgebaut werden, dafür aber von den Darmbakterien, v. a. den „guten“ Milchsäurebakterien. Diese bauen sie zu kurzkettigen Fettsäuren ab.

 

Davon profitieren Darmmilieu und Darmschleimhaut, denn es verändert sich das Milieu in den gewünschten leicht sauren Bereich, der das Wachstum schädlicher Bakterien hemmt.

Ein saures Darmmilieu begünstigt außerdem die Resorption von Mineralstoffen, v. a. von Calcium. Schließlich können die Zellen der Darmschleimhaut aus kurzkettigen Fettsäuren noch Energie gewinnen. Das ist eine wichtige Voraussetzung für eine gesunde, abwehrstarke Darmschleimhaut.

 

Vorkommen: Hafer, Gerste, Hefe, Obst (v. a. Apfel, Birne, Quitte, Zitrusfrüchte), Leinsaat, Flohsamenschalen, Getreidekeime, wasserreiche Gemüse, Möhren, Artischocken, Chicorée, Schwarzwurzel, Topinambur, Zwiebeln, Lauch, Hülsenfrüchte, Johannisbrot, Agar, Algen, Carrageen

 

Resistente Stärke

Resistente Stärke besteht im Vergleich zu normaler Stärke (bspw. in Weißmehlprodukten) aus Molekülen, die nicht vom Verdauungssystem gespalten werden können, aber Darmbakterien als Nahrung dienen. Diese bauen sie ebenfalls zu kurzkettigen Fettsäuren ab. Außerdem erhöhen sie das Stuhlvolumen und helfen so bei der Bildung eines gesunden Mikrobioms und Darmschleimhaut.

 

Resistente Stärke bildet sich z. T. in erhitzten und wieder abgekühlten stärkehaltigen Produkten, wie z. B. gekochten und abgekühlten Nudeln, Kartoffeln oder Reis. Bratkartoffeln aus Kartoffeln vom Vortag, Kartoffelsalat, Nudelsalat und Sushi sind günstige Lieferanten von resistenter Stärke, aber auch Brot. Auch in noch unreifen, leicht grünen Bananen ist resistente Stärke enthalten.

 

Aber Vorsicht: Nicht jede resistente Stärke ist für Personen mit Bauchbeschwerden empfehlenswert. Das muss individuell ausgetestet werden.

 

Vorkommen: ganze Getreidekörner, Hülsenfrüchte, Samen, unreife, leicht grüne Bananen, gekochte und abgekühlte, stärkehaltige Lebensmittel

 

Besonders die löslichen Ballaststoffe entfalten bei allen Reizdarm-Typen eine lindernde Wirkung. Dennoch sollten Reizdarmpatienten vorsichtig mit Ballaststoffen umgehen und sie sehr behutsam und langsam steigern, andernfalls können Beschwerden wie Blähungen und Schmerzen auftreten. Außerdem sollte die Trinkmenge deutlich erhöht werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 30 g Ballaststoffe pro Tag aufzunehmen.18

 

Das kann erreicht werden durch:

3 Scheiben Vollkornbrot (12 g Ballaststoffe)

200 g Kartoffeln (3 g BS)

150 g Brokkoli (4,5 g BS)

100 g Paprika (2 g BS)

150 g gemischter Salat (3 g BS)

1 Apfel (2,5 g BS)

150 g Beerenobst (3 g BS)

 

Therapie und Prävention

Jede Behandlung enthält präventive Aspekte und jede Prävention wirkt auch als Therapie. Die Grundpfeiler jeder Vorbeugung und Therapie basieren auf unserem Lebensstil: Wie ernähren Sie sich? Ist Ihr Organismus ausreichend mit Mikronährstoffen versorgt? Wieviel Bewegung ist in Ihren Alltag integriert? Rauchen Sie und wieviel Alkohol konsumieren Sie? Bestimmt Stress Ihr ganzes Leben? Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, können sich diese Basispfeiler positiv auf Ihre Gesundheit auswirken, aber auch jahrelange Risikofaktoren für viele Erkrankungen darstellen. In diesem Kapitel werden zahlreiche ganzheitliche Methoden vorgestellt, die Ihre Gesundheit und Lebensqualität stärken können – präventiv und/oder auch als Therapie.

Mikronährstoffe

Das-Wichtigste-in-Kürze

Mikronährstoffe in der Übersicht

  • Mikronährstoffe sind unentbehrliche Mikrohelfer in unserem Organismus.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit allen Mikronährstoffen bei Reizdarm. Besonders wichtig sind die Mineralstoffe: Zink, Selen, Magnesium, Eisen, die fettlöslichen Vitamine A, D, und E und die wasserlöslichen B-Vitamine und Vitamin C.
  • Es gibt viele weitere Nährstoffe und bioaktive Substanzen (sekundäre Pflanzenstoffe) zur Unterstützung eines gesunden Darms, wie bspw. L-Glutaminsäure, Flavonoide und Omega-3-Fettsäuren.
  • Der Bedarf vieler Mikronährstoffe ist bei Stress erhöht.
  • Einige der typischen Reizdarm-Medikamente erhöhen zusätzlich Ihren Mikronährstoffbedarf. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, Ihren Mikronährstoffbedarf ausreichend über die Ernährung zu decken, können moderat dosierte, natürliche Mikronährstoffmischungen sinnvoll sein.

Eine wichtige Basis für alle Therapien wird oft bei der Beratung außer Acht gelassen: Eine gesunde, ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung. Der Körper muss mit Mikronährstoffen optimal versorgt sein, damit Folgen des Reizdarms abgemildert und Nebenwirkungen der Medikamente reduziert werden können.

 

Mikronährstoffe – was ist das?

Zu den Mikronährstoffen gehören in erster Linie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die einen wichtigen Teil dazu beitragen, damit unser Organismus funktioniert. Im weiteren Sinne lassen sich auch essentielle Fettsäuren, Aminosäuren, sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme hinzuzählen. Makronährstoffe wie Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette sind unsere Energielieferanten, während die Mikronährstoffe an Prozessen wie z. B. Blutgerinnung, Immunabwehr und Knochengesundheit beteiligt sind. Einige Mikronährstoffe kann unser Körper selbst herstellen, die meisten jedoch müssen mit der Nahrung aufgenommen werden.

 

Der menschliche Organismus – ein Blick in die Zellen

Der Mensch besteht aus über 70 Billionen Zellen. Diese können alle nur optimal funktionieren, wenn sie mit Vitaminen und Spurenelementen versorgt sind. Es gibt nahezu keinen Stoffwechselschritt, an dem nicht mehrere Mikronährstoffe beteiligt sind. Dazu zählen unter anderem die:

  • Aktivierung von Enzymen und Hormonen (Stoffwechselaktivität)
  • Abwehrleistung des Immunsystems (Immunstoffwechsel)
  • Energieproduktion in den Kraftwerken unserer Zellen, den sogenannten Mitochondrien (Energiestoffwechsel)
  • Leistungsfähigkeit des Herzmuskels (Herzkraft und -rhythmus)
  • Kontraktion der Skelettmuskulatur (Muskelkraft und -koordination)
  • Impulsübertragung in und der Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen (Nerven- und Gehirnstoffwechsel)

 

Für alle Stoffwechselreaktionen im Körper sind Enzyme notwendig, sie wirken wie ein Katalysator. Enzyme können ihren Aufgaben jedoch nur mithilfe von Mikronährstoffen nachkommen. Je besser der Körper mit Nährstoffen versorgt ist, desto besser funktioniert der gesamte Organismus. Ein Mikronährstoffmangel kann sich also negativ auf den Stoffwechsel und das Immunsystem auswirken. Um Ihre Gesundheit zu schützen und Ihre weiteren Therapien zu unterstützen, sollten Sie also auf Ihren Mikronährstoffhaushalt achten.

 

Gehören Sie auch zu den Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen?

Egal ob Schmerzmittel, Blutdrucksenker, Cholesterinsenker oder die Antibabypille. Schon ein einzelnes Medikament kann unsere optimale Versorgung mit Mikronährstoffen ungünstig beeinflussen. Je mehr Medikamente gleichzeitig eingenommen werden, desto intensiver wird in den Mikronährstoffhaushalt eingegriffen, was Wechselwirkungen der Arzneimittel untereinander sowie das Auftreten von Nebenwirkungen erhöht. Hierdurch kann nicht nur die Wirkung des Medikaments negativ beeinflusst werden, sondern auch die Funktion der Mikronährstoffe.

 

Welche Lebensphasen führen noch zu einem erhöhten Mikronährstoff-Bedarf?

Aber nicht nur die regelmäßige Einnahme von Medikamenten führt zu einem erhöhten Mikronährstoffbedarf. Es gibt bestimmte Lebensphasen und Umstände, die ein erhöhtes Risiko für einen Nährstoffmangel aufweisen:

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangere und Stillende
  • ältere Menschen
  • Menschen mit Magen-Darm-Störungen
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen

 

Diesen erhöhten Bedarf zu decken, ist nicht immer einfach. Trotz des reichhaltigen Angebotes an verschiedenen Lebensmitteln verringern verschiedene Faktoren den Mikronährstoffgehalt in Lebensmitteln:

  • nicht ausgereiftes Obst und Gemüse
  • größere Erträge in der Landwirtschaft
  • Einsatz von Pestiziden

 

Es ist wichtig, die Ernährung mit einer breiten und möglichst natürlichen Basis an allen Vitaminen, Spurenelementen sowie sekundären Pflanzenstoffen zu optimieren.

 

Mikronährstoffkonzentrat als Grundlage

Gut versorgt sind Sie mit moderaten Mikronährstoffmischungen – von einzelnen hochdosierten Mikronährstoffen raten wir ohne Absprache mit Ihrem Arzt und vorherigen Untersuchungen ab.

Das Angebot an Mikronährstoffpräparaten ist groß und unübersichtlich. Entscheidend beim präventiven Ansatz ist die natürliche Vielfalt. Das ideale Mikronährstoffpräparat ist auf natürlicher Basis produziert, enthält neben allen klassischen Mikronährstoffen auch sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme, ist flüssig, glutenfrei und vegan. Die Bioverfügbarkeit sollte wissenschaftlich belegt sein und es sollten keine künstlichen Aroma- oder Konservierungsstoffe enthalten.

 

Das Angebot an Mikronährstoffpräparaten ist groß und unübersichtlich. Entscheidend beim präventiven Ansatz ist die natürliche Vielfalt. Das ideale Mikronährstoffpräparat ist auf natürlicher Basis produziert, enthält neben allen klassischen Mikronährstoffen auch sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme, ist flüssig, glutenfrei und vegan. Die Bioverfügbarkeit sollte wissenschaftlich belegt sein und es sollten keine künstlichen Aroma- oder Konservierungsstoffe enthalten.

Mikronährstoffe bei Reizdarm

In unserem Darm werden ständig neue Zellen gebildet und differenziert, Botenstoffe werden ausgeschüttet und enzymatische Reaktionen laufen ab. Alle 3 Tage erneuert sich unsere Darmschleimhaut. Dies alles erfordert eine kontinuierliche Versorgung mit Nährstoffen, allen voran mit Mikronährstoffen. Sie sind Cofaktoren in Enzymen und bei allen Erneuerungs- und Stoffwechselprozessen beteiligt. Besonders in Stressphasen ist der Bedarf einiger Mikronährstoffe erhöht.

 

Folgende Mikronährstoffe sind für die normale Immunfunktion von besonderer Bedeutung, wirken antientzündlich und sind für eine normale Funktion unserer Schleimhäute besonders wichtig:

  • Mineralstoffe: Zink, Selen, Magnesium, Eisen
  • fettlösliche Vitamine A, D, und E
  • wasserlösliche Vitamine C, B6, B12 und Folsäure, Biotin und Niacin
  • Omega-3-Fettsäuren

 

Selen und Zink unterstützen das Immunsystem und tragen dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Die beiden Spurenelemente spielen auch bei Entzündungsprozessen im Darm eine wichtige Rolle. So wurde nachgewiesen, dass schon ein geringfügiger Zinkmangel bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen einen Entzündungsschub auslösen kann.19

 

Zu wenig Magnesium kann zu Beschwerden im Verdauungstrakt führen, wie Blähungen, erhöhte Krampfneigung und Verstopfung. Magnesium wirkt krampflösend und entspannend.

Magnesium spielt für die Muskelentspannung eine wichtige Rolle, aber auch bei der Reizweiterleitung im Nervensystem. Es wirkt sich daher lindernd auf Schmerzsymptome und muskuläre Anspannung aus – beides wichtig beim Reizdarmsyndrom.

Bei Durchfall wird Magnesium vermehrt ausgeschieden und es kann leicht ein Mangel entstehen. Deshalb ist es bei Reizdarmsymptomen mit Durchfall besonders wichtig, auf die Magnesiumzufuhr zu achten.

Magnesium zieht Wasser in den Dickdarm und hilft den Stuhlgang zu erweichen. Fehlt Flüssigkeit verbunden mit Magnesiummangel kann es zu Verstopfung kommen.20

 

Die Zellen des Immunsystems brauchen genügend Eisen für ihre Ausreifung und Funktion; ein Zuviel wirkt sich jedoch negativ aus.21

Außerdem ist Eisen erforderlich für die Bildung des Neurotransmitters Serotonin, der im Volksmund auch als „Glückshormon“ bekannt ist. Serotonin hat eine entspannende Wirkung und dämpft das Schmerzempfinden.

Eisenmangel ist häufig eine Begleiterscheinung von chronisch-entzündlichen Erkrankungen und dem Reizdarmsyndrom, da es hier über Blutungen zu Eisenverlusten kommen kann und der Bedarf erhöht ist.

 

Vitamin C, A und E tragen zur normalen Funktion des Immunsystems bei.

Sie wirken antioxidativ und schützen die Zellen vor oxidativem Stress. Vitamin A sorgt auch für den Erhalt der Schleimhäute und so auch der Darmschleimhaut.

 

Die B-Vitamine sind an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt. Sie spielen eine wichtige Rolle im Nervensystem bei der Erregungsleitung, der Regeneration und der Neubildung. Sie stärken die Darmschleimhaut und sind bedeutend für die Energiegewinnung. Sie sind besonders wichtig bei der Zellteilung. Da die Zellen im Darm sich häufiger teilen, als andere ist eine ausreichende Vitamin-B-Versorgung unerlässlich. Dadurch können Schäden leichter heilen und die Resorptionsfähigkeit der Darmschleimhaut wird verbessert.

Vitamin B6 ist erforderlich um ausreichend Neurotransmitter zu bilden, die für die Reizweiterleitung zwischen den Nervenzellen erforderlich sind. Vitamin B6 hat außerdem in Verbindung mit Magnesium eine krampflösende Wirkung. B6, B12 und Folsäure sind essentiell für den Abbau des Stoffwechselabbauprodukts Homocystein, das u. a. an der Entwicklung von Entzündungen beteiligt ist.

 

Omega-3-Fettsäuren

Das Öl von fetthaltigen Fischen enthält die besonders wirkungsvollen Varianten der Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Beide stärken die Immunabwehr und wirken entzündungshemmend (siehe Ernährung). Weniger gut sind die Effekte bei Leinöl, Hanföl und Rapsöl. Diese enthalten die Omega-3-Fettsäure alpha-Linolensäure (ALA), die vom Körper erst in die beiden wirksamen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA umgewandelt werden muss. Für diese enzymatische Umwandlung werden ausreichende Mengen bestimmter Mikronährstoffe benötigt, vor allem Vitamin B6, Biotin, Calcium, Magnesium, Zink und Vitamin E. Ein Mangel führt zu einer geringeren Enzymaktivität und eingeschränkter Umwandlung dieser Fettsäure. Faktoren wie Stress, ungesunde Ernährung und bestimmte Erkrankungen (Virusinfekte, Diabetes, erhöhte Cholesterinwerte) hemmen ebenfalls die Umwandlung zu alpha-Linolensäure.22

 

Die DGE empfiehlt eine tägliche Zufuhr von 0,5 Prozent der täglichen Energiezufuhr für Omega-3-Fettsäuren. Bei Erwachsenen entspricht dies durchschnittlich 1 g Omega-3-Fettsäure pro Tag. EPA und DHA sollten dabei den größeren Anteil haben, nämlich 3,5 Prozent der Energiezufuhr. Das entspricht 2 bis 3 Fischmahlzeiten von etwa 200 g pro Woche. Entscheidet man sich für eine Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren, ist die tägliche Zufuhr wichtig und die Ergänzung mit Antioxidantien.23

Ausflug in die Wissenschaft

Vitamin D könnte die Gesundheit des Magen-Darm-Trakts positiv beeinflussen.

Forscher der Universität Sheffield haben den Zusammenhang von niedrigen Vitamin D-Spiegeln und Reizdarm untersucht. Erste Hinweise zeigen, dass Reizdarm-Patienten häufiger zu geringe Vitamin D-Werte haben. Es konnte sogar ein signifikanter Zusammenhang zwischen den Vitamin-D-Spiegel und dem Schweregrad der Symptome festgestellt werden. In der Studie wurden die Vitamin-D-Spiegel von 51 Patienten mit Reizdarm getestet. Bei 82 % der Probanden wurden niedrige Vitamin-D-Spiegel diagnostiziert.

Die Forscher schlagen deshalb vor, neben den üblichen Untersuchungen bei Reizdarm-Patienten auch den Vitamin D-Status zu bestimmen. Eine Supplementierung mit Vitamin D könnte möglicherweise zur Besserung der Symptome beitragen, wenngleich noch weitere Studien nötig sind, um die Beziehungen näher zu erforschen.24

Weitere Nährstoffe und bioaktive Substanzen (sekundäre Pflanzenstoffe) zur Unterstützung eines gesunden Darms

 

L-Glutamin

L-Glutamin ist eine Vorläufersubstanz von Gamma-Amino-Buttersäure (GABA) und Glutathion. Beide dienen der Darmzelle als Energiesubstrat. L-Glutamin ist ein bedeutender Baustein der Darmbarriere. In Studien zeigte sich die Verringerung einer bereits erhöhten Permeabilität bei regelmäßigen Gaben von L-Glutamin. Weiterhin stärkt L-Glutamin das Immunsystem durch die Bildung von Immunglobulinen und Antikörpern.

 

Tryptophan

Die Aminosäure ist Vorläufersubstanz für das Vitamin Niacin und den Neurotransmitter Serotonin, der den Schlaf-Wach-Rhythmus regelt und als Stimmungsaufheller fungiert. Ein Mangel äußert sich daher in Stimmungsschwankungen und Müdigkeit.

 

Flavonoide

Sie sind als Pflanzenfarbstoffe verantwortlich für die rote, blaue, hellgelbe und violette Farbe vieler Gemüse- und Obstarten und sind beispielsweise in Äpfeln und Zwiebeln sowie in Soja und Tee enthalten. Sie kommen ebenfalls vor in Beeren, Rotwein, Äpfeln, Nüssen und Schokolade und sind für ihre entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt. Außerdem können sie das Immunsystem stimulieren und haben eine antibakterielle Wirkung.

 

ß-Carotinoid und Xanthophylle

ß-Carotinoid kommt vor in orange-gelb-rotem Gemüse und Obst. Xanthophylle finden sich überwiegend in grünblättrigem Gemüse. Bei den Xanthophyllen kann es abhängig von der Erhitzungsdauer zu Nährstoffverlusten kommen; Carotine hingegen sind hitzestabil. Insgesamt reagieren die sekundären Pflanzenstoffe labil auf Licht und Sauerstoff. Sie haben entzündungshemmende Eigenschaften, stimulieren das Immunsystem und stärken unsere Abwehr. Zudem wirken sie antibakteriell

 

Sulfide und Saponine

Die schwefelhaltigen Verbindungen sorgen bei vielen Gemüsesorten für den scharfen und beißenden Geruch. Sie sind enthalten in Zwiebeln, Lauch, Knoblauch, aber auch in Erbsen, Bohnen, Sojabohnen und Linsen. Neben ihrer antibakteriellen Wirkung stimulieren sie das Immunsystem und stärken unsere Abwehr. Sie fangen freie Radikale im Körper ab und reduzieren damit oxidativen Stress in den Zellen.

 

 

Warum sind Mikronährstoff-Kombinationen besser als einzelne Mikronährstoffe?

Es zeigen sich deutliche synergistische Effekte bei einer Kombination von Vitaminen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen, so wie es die Natur vormacht. Im Kampf gegen freie Radikale haben sich natürliche Antioxidantien-Mischungen deutlich besser bewährt als einzelne, synthetische Mikronährstoffe. Eine Studie aus den USA hat gezeigt, dass Vitamine aus Obst oder Gemüse zusammen mit den darin enthaltenen sekundären Pflanzenstoffen mehr als 200-mal stärker schützend wirken als einzelne Vitamine.25

Dazu kommt, dass für diese Vitalstoffmischungen auch deutlich entzündungshemmende Wirkungen im Darm nachgewiesen sind.26

 

Das Besondere an sekundären Pflanzenstoffen ist, dass sie sich in höherer Konzentration in den Darmzellen anreichern als in jedem anderen Gewebe des Körpers.27

Hinweis

Der Reizdarm ist häufig auch mit wiederkehrenden, oft sogar chronischen Schmerzen verbunden.

Durch chronische Schmerzen werden vermehrt Stresshormone freigesetzt. Der dadurch veränderte Stoffwechsel braucht deutlich mehr Mikronährstoffe.28 Die Einnahme einer komplexen Mikronährstoffkombination hat bei einer 30-tägigen Placebo-kontrollierten Studie nachweislich die Stress-Toleranz der Teilnehmer verbessert und die Schäden, die der Stress im Körper anrichtet, verringert.29

Lebensstil

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Lebensstil in der Übersicht

  • hilfreich bei Reizdarm ist ein gesunder und entspannter Lebensstil
  • wichtige Grundpfeiler: gutes Stressmanagement, gesunder und erholsamer Schlaf, regelmäßige Anwendung von Entspannungstechniken: Meditation, Progressive Muskelentspannung oder Yoga
  • unterstützen können: Bauchmassagen, Bauchübungen und lockere Bewegung, Wärme: Wärmflasche, Auflagen, Wickel

Stressmanagement, Entspannungstechniken, Schlaf

Als Ursache für einen Reizdarm gelten unter anderem Stress und psychische Belastung. Diese können Entzündungen fördern und schlimmstenfalls die Darmschleimhaut reizen. Hier können Sie prophylaktisch eingreifen und im stressigen Alltag zum Ausgleich ein wohltuendes, entspannendes Bad nehmen.

 


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Wir empfehlen Ihnen besonders die Bade-Essenz Tiefenentspannung von Kneipp. Es enthält ätherisches Patchouliöl und Sandelholzextrakt. Es wurde eine umfangreiche wissenschaftliche Untersuchung des Instituts für angewandte Psychophysiologie GmbH durchgeführt und eine intensiv entspannende Wirkung bestätigt. Der leicht holzige Duft und die blaue Farbe beruhigten und unterstützen Ihren Entspannungsmoment:


Da der Darm sehr empfindlich auf Stress reagiert, sind ein effektives Stress-Management und wirksame Entspannungstechniken wichtig. Yoga, Meditation, Thai-Chi, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Achtsamkeit und vieles mehr kann helfen, Stress besser zu bewältigen und entspannter zu werden.30

 


Das Gesundheitskompass Team empfiehlt


 

Auch von Stressbewältigungsstrategien (Zeitmanagement, Konfliktmanagement, Einüben von Stressresilienz) können Reizdarmpatienten profitieren. Die Studienlage für den Effekt von Entspannungstechniken beim Reizdarm-Syndrom ist noch dürftig, positive Effekte zeichnen sich aber deutlich ab. Finden Sie ein Angebot, das Ihnen zusagt, bei dem Sie sich wohlfühlen und das zu Ihnen passt. Eine Methode, bei der Sie nicht entspannen können, hilft Ihnen nicht, sondern erzeugt mitunter erneuten Stress.

 


Das Gesundheitskompass Team empfiehlt

Entspannungsübungen und Entspannungstipps für Körper, Geist und Seele


 

Eine weitere effektive Waffe gegen Stress ist gesunder Schlaf. Optimale Schlafdauer und gute Schlafqualität – beides ist wichtig, um effektiv abschalten zu können und dem Körper die Möglichkeit zu geben, die im Schlaf stattfindenden Regenerationsprozesse anzukurbeln.31

Tipps

Tipps für einen erholsamen Schlaf

  • ab dem Nachmittag keine koffeinhaltigen Getränke mehr wie Kaffee oder Colagetränke trinken
  • leicht verdauliche Kost am Abend
  • mäßiger Sport am Abend, möglichst keine aufputschenden Workouts
  • mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen Handy, Computer und Fernseher aus – das blaue Licht stört die Melatoninbildung (Schlafhormon), besser gedimmtes Licht am Abend
  • Einschlafrituale schaffen wie ruhige Musik, eine Tasse Kräutertee, im Buch lesen
  • störende oder kreisende Gedanken aufschreiben, um den Geist zur Ruhe zu bringen – am nächsten Tag ist noch genug Zeit, um sich damit zu beschäftigen
  • das Schlafzimmer lüften – in einem kühlen Raum von ca. 18-19 Grad Celsius Raumtemperatur schläft man besser

Bauchmassage

Neben der Bewegung kann auch eine Bauchmassage bei Reizdarmbeschwerden hilfreich sein, vor allem bei Verstopfung und trägem Darm. Eine Bauchmassage verbessert die Durchblutung der Verdauungsorgane, was zu einer besseren Nährstoff- und Sauerstoffversorgung führt. Außerdem entspannt sich die Muskulatur rund um den Darm, wodurch Blähungen leichter abgehen und die Darmbewegung gefördert wird.

 

Streichende Bewegungen im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel herum für 10-15 Minuten lassen den Bauch schon spürbar weicher werden. Unterstützen können Sie die sanften Bewegungen mit ätherischen Ölen, wie Kümmel oder Pfefferminzöl. Täglich durchgeführt, kann eine Bauchmassage echte Linderung bringen.

 

Bewegung

Bewegung und Sport regen die Darmbewegung und die Durchblutung der Verdauungsorgane an – sehr hilfreich bei Verstopfung und um Gase besser los zu werden. Außerdem hat Bewegung einen positiven Einfluss auf die Psyche und unser Darmmikrobiom.

 

Sanfte Bewegungen mit leichtem Druck auf die inneren Organe oder ein Anspannen der Bauchmuskulatur findet sich bei vielen Bewegungsabläufen z. B. beim Yoga, bei Fitnessübungen (z. B. Crunches) und sogar bei einem wiederentdeckten Trend aus den 50er Jahren, dem Bauchkreisen mit einem Hula-Hoop-Reifen. Der Druck auf den Bauch massiert die inneren Organe und kann sehr anregend für die Verdauung sein, Verspannungen lösen und Winde besser abgehen lassen.

 

Ausdauersportarten wie Walking, Schwimmen, Radfahren oder Joggen sind ebenfalls günstig, aber auch der tägliche Spaziergang an der frischen Luft wirkt schon heilsam. Tägliche moderate Bewegung macht sogar unsere Darmbakterien glücklich: Studien zeigen, dass das Darmmikrobiom von Sportlern artenreicher ist als von Bewegungsmuffeln.32

 


Das Gesundheitskompass Team empfiehlt

Soforthilfe gegen Reizdarm


 

Wärme

Bei Bauchschmerzen und Krämpfen hilft oft Wärme. Ob Wärmflasche oder Kirschkernkissen, ob feucht-warme Wickel oder ein warmes Bad mit entspannenden Badezusätzen – alles, was wärmt, ist hilfreich. Für Badezusätze eignen sich Lavendel oder Melisse. Einen warmen Wickel kann man sich ganz einfach mit einer Wärmflasche in ein feuchtes Handtuch eingeschlagen auf den Bauch legen. Das hilft besonders auch gegen Blähungen.

 


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Bei akuten Schmerzen tut Wärme auf dem Bauch gut, zum Beispiel durch eine Wärmflasche, ein Kirschkernsäckchen oder ein Dinkelkissen. Wärmeanwendungen wirken krampflösend und entspannend auf den Darm. Eine Wärmflasche (Achtung: Nicht wärmer als 50°C), ein Körnerkissen oder ein warmes Bad können leicht zuhause bei akuten Beschwerden Einsatz finden. Unser Tipp für Kirschkernkissen:


 

Konventionelle Therapie

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Konventionelle Therapie in der Übersicht

  • Zahlreiche Medikamente können bei Reizdarmbeschwerden Linderung schaffen. Eine Heilung ist durch sie jedoch nicht möglich. Daher nehmen Sie Medikamente immer nur bei Bedarf und im akuten Fall ein. Die Einnahme sollte immer mit einem Arzt besprochen werden.
  • Sofern die Psyche beteiligt ist, können auch Psychopharmaka zur Anwendung kommen. Diese werden meist gering dosiert. Hilfreich ist auch eine psychotherapeutische Behandlung bei einem auf Reizdarm spezialisierten Therapeuten.

Helfen Medikamente bei Reizdarm?

Verschiedene Medikamente können Reizdarmbeschwerden lindern. Welcher Wirkstoff sinnvoll ist, hängt davon ab, welche Beschwerden im Vordergrund stehen. Krampflösende Medikamente, Durchfallpräparate oder Schmerzmittel sollten nur zeitlich begrenzt bei starken Beschwerden zur Linderung verwendet werden. Es kann erforderlich sein, nacheinander unterschiedliche Medikamente zu probieren, wenn sich kein Therapieerfolg einstellt. Ein erfolgloser Therapieversuch mit einem Medikament sollte nach allerspätestens drei Monaten abgebrochen werden. Kombinationen verschiedener Medikamente oder mit alternativen Therapien sind grundsätzlich möglich. So individuell die Beschwerden, so individuell ist auch die Behandlung. Eine gute ärztliche Betreuung ist daher sehr wichtig.33

 

Medikamente bei Durchfall

Bei häufigen Durchfällen hat sich der Wirkstoff Loperamid als am wirkungsvollsten erwiesen, eine Substanz, die die Darmtätigkeit verringert und den Darm beruhigt. Loperamid wirkt an Opioid-Rezeptoren im Darm, an die bestimmte Hormone, z. B. Endorphine, andocken und welche die Darmpassage verlangsamen. Durch die abgeschwächten Bewegungen des Dickdarms kommt es zu einer vermehrten Aufnahme von Wasser aus dem Verdauungsbrei, wodurch dieser eingedickt und Durchfall gestoppt wird.

 

Für sehr starke Durchfälle mit Schmerzen wird neu Eluxadolin empfohlen. Fluxadolin ist ebenfalls ein Opioid-Rezeptor-Modulator. Hinzu kommt der schmerzlindernde Effekt. In seltenen Fällen können bei den sogenannten Peristaltikhemmern Verstopfungen auftreten.

 

Wenn der Verdacht eines Gallensäureverlustsyndroms besteht, kann ein Versuch mit verschiedenen Gallensäurebindern gemacht werden. Bei der Störung kommt es durch die beeinträchtigte Reabsorption (Wiederaufnahme) von Gallensäuren im Dünndarm zu Durchfällen, Blähungen und Fettstühlen.

 

Eine Empfehlung gibt es auch für 5-HT3-Antagonisten in Einzelfällen. Der Wirkstoff blockiert die 5-HT3-Rezeptoren im Verdauungstrakt, was zu gesteigerten Flüssigkeits- und Elektrolytresorption im Dünndarm führt. Außerdem wird die Darmbewegung beruhigt. Dadurch bessert sich Stuhldrang und Durchfall.

 

Bei sehr starkem Durchfall oder Durchfall über mehrere Tage sind Glukose-Elektrolyt-Lösung zum Ausgleich von Mineralstoff- und Wasserverlusten sehr wichtig. Diese gibt es als Fertiglösungen aus der Apotheke, können aber auch selbst hergestellt werden. Geeignet sind auch gesalzene Brühe, kaliumreiche Fruchtsäfte oder gezuckerter Tee.

Tipps

Herstellung einer Glukose-Elektrolyt-Lösung

3,5 g Kochsalz, 1,5 g Kaliumchlorid, 2,5 g Natriumhydrogenkarbonat (= Backnatron) und 20 g Traubenzucker in 1 Liter abgekochtem Wasser (alternativ Tee, Gemüse- oder Fruchtsaft) auflösen.

Die tägliche Menge hängt von den Wasserverlusten ab und beträgt bei Erwachsenen etwa 2 bis 3 Liter.

Medikamente bei Verstopfung

Die höchste Evidenz in der Behandlung vom Verstopfungs-Typ haben wasserlösliche Ballaststoffe wie z. B. Flohsamenschalen (Psyllium).

 


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Lösliche Ballaststoffe, wie sie in indischen Flohsamenschalen (plantago ovata) vorkommen, quellen im Darm auf, binden Reizstoffe, aktivieren die Darmtätigkeit und wirken somit Verstopfung entgegen. Die Wirksamkeit von Flohsamenschalen wurde in einer Studie nachgewiesen. Wichtig: Trinken Sie immer ausreichend Flüssigkeit, da andernfalls die Flohsamenschalen im Darm dem Körper Wasser entziehen, was die Verstopfung fördern würde. Unser Tipp für lösliche Ballaststoffe:


 

Unlösliche Ballaststoffe sind weniger effektiv und haben den Nachteil, dass häufig Blähungen auftreten – siehe Kapitel Ernährung /Ballaststoffe.

Lactulose, ein Milchzucker, kann ebenfalls versucht werden, kann aber ebenfalls zu Blähungen führen und ist bei Verdacht auf Lactoseintoleranz nicht geeignet. Bei allen Ballaststoffarten ist auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme zu achten. Wirkungsvoll sind auch Probiotika – siehe Kapitel Ernährung / Probiotika.

 

Werden Ballaststoffe nicht vertragen, kann beim Verstopfungs-Typ Macrogol verwendet werden. Es bindet Wasser, was das Stuhlvolumen erhöht und den Stuhl weicher macht. Insbesondere bei Kindern ist es Mittel der Wahl.

Empfohlen wird auch Prucaloprid – insbesondere bei chronischer Verstopfung. Der Wirkstoff ist ein Serotonin-Rezeptoragonist, der die Motilität des Darms erhöht.

 

Laxantien sollten nicht langfristig angewendet werden, da sie dem Körper Wasser und Mineralstoffe entziehen und eine Gewöhnung nach sich ziehen können. Deshalb immer in Absprache mit dem Arzt und nur nach Bedarf anwenden.

 

 

Medikamente bei krampfartigen Bauchschmerzen

Bei Krämpfen mit Schmerzen werden häufig Spasmolytika (entkrampfende Mittel) verordnet. Auch Pfefferminzöl oder Kümmelöl kann empfohlen werden, die besonders wirksam in Kombination sind.

Keine gute Idee ist die Einnahme von ASS, Paracetamol, NSAR und Metamizol, da die Wirkung nicht belegt ist, aber Nebenwirkungen wie Verstopfung auftreten können.

Für eine Behandlung von starken Schmerzen werden in Einzelfällen 5-HT3-Antagonisten, wie Eluxadolin empfohlen.

Auch lösliche Ballaststoffe und Probiotika haben sich bei Schmerzen als wirksam erwiesen.

 

Medikamente bei Schmerzen mit psychosomatischer Komponente

Wenn neben dem Reizdarmsyndrom auch eine psychische Begleitproblematik besteht, können Medikamente, die die Psyche positiv beeinflussen zum Einsatz kommen, allerdings unterhalb der üblichen Dosis für Depressionen oder Angststörungen. Hierzu zählen Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) und trizyklische Antidepressiva. Wie in der aktuellen Reizdarm-Leitlinie empfohlen, sollten SSRI nicht zur Behandlung von Blähungen/Meteorismus eingesetzt und trizyklische Antidepressiva nicht beim Obstipationstyp verschrieben werden, da sie die Verstopfung als Nebenwirkung verstärken können.

 

Medikamente bei Blähungen und aufgetriebenem Bauch

Carminativa, sogenannte Entschäumer, wie Simeticon und Dimeticon können in der Reizdarm-Behandlung bei übermäßiger Gasbildung, Blähbauch und Blähungen probiert werden. Ihre Wirksamkeit ist aber umstritten. Die Wirkstoffe sollen die Oberflächenspannung von blasig aufgetriebenem Darminhalt verringern. Gasansammlungen im Darm können so möglicherweise schneller abgehen. Allerdings ist darauf zu achten, dass die Mittel hoch genug dosiert werden.

 

Medikamente bei unregelmäßigem Stuhlverhalten

Auch hier werden Spasmolytika laut aktueller Leitlinie empfohlen und können wirksam sein. Sehr hilfreich sind auch lösliche Ballaststoffe, besonders der indische Flohsamen, da er sowohl bei Durchfall als auch bei Verstopfung wirksam ist. Probiotika können ebenfalls zum Einsatz kommen.

 

Wegen der Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Anwendungsbeschränkungen sind synthetische Medikamente zur Langzeitanwendung problematisch. Unterstützend können daher eine Reihe von gut verträglichen und für die Langzeitanwendung geeignete pflanzliche Arzneimittel zum Einsatz kommen.

 

Psychotherapie bei Reizdarm – wann sinnvoll?

Da sich ein Reizdarm sehr häufig durch psychische Belastungen verschlimmert oder diese ursächlich mitverantwortlich sind, können psychotherapeutische Verfahren sehr effektiv sein und eine medikamentöse und ernährungstherapeutische Behandlung ergänzen. Anwendbar sind darmbezogene Hypnosen, kognitive Verhaltenstherapien oder psychodynamische Therapien. Die Darm-Hypnose soll die normale Kommunikation zwischen Bauch und Kopf wiederherzustellen und hat in Studien vielversprechende Ansätze gezeigt. (34, 35, 36)

 

Ganzheitliche Therapie

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Ganzheitliche Therapie in der Übersicht

  • Mit Heilpflanzen und altbewährten Hausmitteln lassen sich viele Beschwerden des Reizdarms erfolgreich behandeln. Dies sollte in jedem Fall ergänzend versucht werden. Wichtig ist auch hier, genau zu schauen, welche Symptome vorherrschen und das Heilmittel danach auszuwählen.
  • Heilkräuter können als Tee, Wickel und Auflagen oder in fertig gemischten Präparaten zur Anwendung kommen.
  • Heilerde hat sehr günstige Effekte auf die Darmschleimhaut und bindet entzündungsfördernde Stoffe im Darm.
  • Cannabis und Akupunktur können einen guten Beitrag bei der Bewältigung von Schmerzen leisten.
  • Auch die Homöopathie kann bei Reizdarm zur Anwendung kommen.

Heilpflanzen (Phytotherapie)

 

Je nachdem, welche Art der Beschwerden bei Ihnen vorherrschen, können unterschiedliche Heilpflanzen und alte Hausmittel angewendet werden, deren Wirksamkeit in verschiedenen Studien belegt ist. Die Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen sind breit gefächert. Tees, Pflanzenöle, Kapseln und Tinkturen in Reinform oder als Mischpräparate für Wickel und Auflagen und leichte Massagen – es gibt viele Möglichkeiten, wie Sie Ihren Darm durch Kräuterheilkunde unterstützen können. (37, 38, 39, 40, 41)

 

Bei Krämpfen, Schmerzen und Blähungen:

  • Bei krampfartigen Bauchbeschwerden mit Blähungen wird eine Mischung aus Kümmel, Fenchel, Anis empfohlen.
  • Besonders der Kümmel ist hervorzuheben. Er verringert Schäume und Blasen im Nahrungsbrei und hindert bestimmte Mikroben, im Darm Gase zu bilden.
  • Pfefferminzöl wirkt hemmend auf die glatte Darmmuskulatur und aktiviert Kälterezeptoren, wodurch Schmerzsignale blockiert werden. Somit hat Pfefferminzöl eine krampflösende und schmerzlindernde Wirkung.
  • Melissen-, Pfefferminz– und Kümmelöl (v. a. in Kombination und in konzentrierter Form) können durch die krampflösende und schmerzlindernde Wirkung eine Besserung der Beschwerden bringen, v. a. als feuchtwarme Auflagen oder zum Einreiben.
  • Ingwer wirkt blähungshemmend und regt die Bildung von Verdauungssäften und die Darmbewegung an.
  • Passionsblume, Baldrian und Lavendel wirken entspannend und stresslösend.
  • Myrrhe wirkt entzündungshemmend, desinfizierend und pilzhemmend, sie zieht die äußeren Schichten der Schleimhaut zusammen und senkt den Spannungszustand der glatten Darmmuskulatur. Zudem verringert sie die Zahl der Darmkontraktionen und lindert so Darmkrämpfe. Bei Krämpfen im Unterleib ist sie die ideale Langzeittherapie.
  • Die echte Kamille hilft bei Krämpfen, Schmerzen und Entzündungen der Schleimhaut. Sie wirkt antibakteriell, entzündungshemmend, entblähend sowie wundheilungsfördernd.
  • Sehr effektiv kann der Pflanzenmix aus 9 Heilkräutern sein: Bittere Schleifenblume, Angelikawurzel, Kamillenblüten, Kümmelfrüchte, Mariendistelfrüchte, Melissenblätter, Pfefferminzblätter, Schöllkraut und Süßholzwurzel.

 


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Die Süßholzwurzel enthält vor allem Saponine, Flavonoide und Cumerine. Diese Pflanzenstoffe wirken antiviral und antibakteriell, können Entzündungen hemmen und Schleim lösen. Sie wird deshalb nicht nur effektiv bei Heiserkeit und Husten, sondern auch bei Blähungen und entzündlichen Magen- und Darmbeschwerden eingesetzt. Falls Sie unter Bluthochdruck, Diabetes oder Nierenproblemen leiden oder schwanger sind, sollten Sie die Süßholzwurzel nur in sehr geringen Mengen zu sich nehmen. Durch eine langfristig hohe Dosierung über 15 Gramm pro Tag kann sich ein blutdrucksteigender Effekt einstellen. Wir empfehlen Ihnen die Einnahme der Süßholzwurzel in Form eines wohltuenden Tees:


 

 

 

Tipps

Wickel bei Blähungen und Bauchkrämpfen

Verreiben Sie 5 Tropfen 2-prozentiges Kümmelöl auf dem Bauch und legen Sie ein in nicht zu heißes Wasser getränktes und ausgewrungenes Leinen- oder Baumwolltuch auf den Bauch. Mit einem zweiten Tuch abdecken und einem breiten Wollschal oder ähnlichem umschließen. Darüber kommt eine Wärmflasche. 30-45 Minuten damit ruhen.

Bei Verstopfung und Darmträgheit:

  • Leiden Sie am Reizdarm vom Verstopfungstyp helfen Wirkstoffe, die die Darmtätigkeit ankurbeln, wie Lein– und Flohsamen oder Kleie. Diese Quell- und Faserstoffe nehmen viel Wasser auf und fördern die Darmpassage. Auch Konjak-Pulver regt die Darmperistaltik an und verhilft so zu einem leichter abgehenden Stuhlgang. Wichtig ist bei den löslichen Ballaststoffen sehr viel Wasser (etwa 2 bis 2 ½ Liter) über den Tag verteilt zu trinken.
  • Ein altes Hausmittel gegen Verstopfung ist Dörrpflaumensaft, bevorzugt in Bio-Qualität oder selbst gemacht. Dörrpflaumen können über Nacht in Wasser eingeweicht und am nächsten Morgen gegessen und das Einweichwasser getrunken werden. Auch Feigen sind geeignet.
  • Da die heutigen Toiletten nicht mehr die natürliche Hocksitzhaltung ermöglichen, in der sich der Mensch über Jahrtausende hinweg erleichtert hat, kann auch dieser Aspekt zu Verstopfung oder Schwierigkeiten beim Stuhlabsetzen beitragen. Durch eine veränderte Haltung auf der Toilette, z. B. indem man die Füße hochstellt (bspw. auf einen Hocker) und sich nach vorne beugt, entspannt sich der Schließmuskel und der Stuhlgang fällt leichter.
  • Kefir, Joghurt, probiotische Joghurts, aber auch Sauerkraut oder Sauerkrautsaft haben über die darin enthaltene Milchsäure eine sanft abführende Wirkung.

 

Bei Durchfall

  • Das wichtigste bei Durchfall ist Trinken, um Flüssigkeit und Elektrolyte auszugleichen – so viel wie möglich. Pfefferminz-, Fenchel-, Kamillen- und Schwarztee sind geeignet.
  • Achten Sie darauf, dass Sie auch Natrium aufnehmen, zum Beispiel in Form einer leichten Brühe, einer gesalzenen Schleimsuppe oder Salzstangen.
  • Pektinkost (geriebener Apfel, Möhrensuppe)
  • Reisschleim, Haferschleim
  • geschlagene Banane (ungünstig bei Histaminintoleranz – reife Banane!)
  • Heidelbeeraufguss
  • getrocknete Heidelbeeren (gut kauen)
  • Wasserkakao (1EL stark entöltes Kakaopulver mit 1/4l Wasser
    aufkochen) und dunkle Schokolade (nicht bei Verdacht auf Histaminintoleranz)
  • gerbstoffhaltige Kräuter wie Brombeerblätter oder Blutwurz wirken stopfend
  • Kaffeekohle führt zu einer Verminderung der Flüssigkeitsbildung im Darm. Durch ihre große Oberfläche können auch schädliche Stoffe gebunden und ausgeschieden werden.
  • Lösliche Ballaststoffe, wie Flohsamenschalen, können auch bei Durchfall eingesetzt werden, da sie das Wasser der Umgebung aufnehmen und so den Nahrungsbrei eindicken. Bei Durchfall muss nicht, wie bei Verstopfung empfohlen, zusätzlich zur Einnahme Flüssigkeit aufgenommen werden.

Tipps

WHO-Trinklösung für Erwachsene selbst hergestellt

1 l frisch abgekochtes Trinkwasser

40 g (8-10 Teel.) Zucker

1 Teel. Kochsalz

½ Teel. Backpulver (enthält Kalium)

Bei Stuhlunregelmäßigkeiten

  • Curcumin, Erdrauchkraut, Schleifenblume
  • Flohsamenschalen oder andere lösliche Ballaststoffe
  • Probiotika und Sauermilchprodukte

 

Heilerde

Studien belegen die Wirkung von Heilerde bei Reizdarmbeschwerden. Heilerde bindet im Darm Schadstoffe, Histamin und Gallensäuren – alles Stoffe, die den Darm reizen können.

Die mineralische Struktur von Heilerde bietet eine große innere Oberfläche. Die Erde bindet im Darm Bakterien und deren schädliche Stoffwechselprodukte, die dann besser ausgeschieden werden können. Der Körper nimmt auch die enthaltenen Mineralien und Spurenelemente auf. Besonders gut werden Calcium und Magnesium herausgelöst, aber auch Natrium, Kalium und Chlorid. Außerdem ist sie reich an Eisen, Kupfer, Mangan, Nickel, Selen, Zink und Silizium. Die Mineralien der Heilerde neutralisieren auch überschüssige Magensäure und helfen gegen Sodbrennen und Blähungen. Auch bei Durchfall ist Heilerde empfehlenswert.

 


Das Gesundheitskompass-Team empfiehlt

Heilerde bindet im Darm Reizstoffe und wirkt somit Blähungen, Durchfall oder Verstopfung entgegen. Trinken Sie ausreichend Wasser, um die Ausscheidung über den Darm anzuregen.
Unser Tipp für Heilerde:


 

Ausflug in die Wissenschaft

Heilerde bei Reizdarm

Ziel einer Anwendungsbeobachtung an der Abteilung Naturheilkunde der Charité Berlin war es, die Wirksamkeit von Heilerde bei Patienten mit Reizdarm zu untersuchen. Ein Großteil der Patienten hatte bereits jahrelang Beschwerden.

Als Ergebnis wurde festgestellt, dass sich Reizdarmbeschwerden nach einer längeren Behandlungsdauer von ca. sechs Wochen deutlich besserten. Es ist daher sinnvoll, Heilerde mindestens zwei Monate anzuwenden.42

Darmsanierung

Immer beliebter bei der Behandlung eines Reizdarm ist die Darmsanierung. Sie soll Blockaden im Verdauungstrakt lösen, das Darmmilieu normalisieren und durchfallverursachende Keime aus dem Darm spülen. Im Zusammenhang mit einer Darmsanierung wird auch immer wieder von „Schlacken“ gesprochen, die sich angeblich im Darm sammeln sollen. Das ist wissenschaftlich jedoch nicht belegt.

 

Die Darmsanierung ist eine Kombination aus Darmreinigung (Entleerung des Darms mittels Bittersalz oder Glaubersalz) und anschließender Ernährungs- und Bewegungstherapie sowie verschiedener manueller Therapieverfahren. Sie kann als Kur bis zu vier Wochen durchgeführt werden.

 

Phase 1: In der Phase der Darmreinigung wird der Darm regelmäßig mittels Abführmittel vollständig entleert. Auch abführende Lebensmittel können zum Einsatz kommen, wie Flohsamen, Leinsamen, naturtrüber Apfelsaft, Pflaumensaft, Sauerkrautsaft, Trockenobst und Weizenkleie. Eine Unverträglichkeit auf diese Lebensmittel sollte zuvor ausgeschlossen werden. Die Darmreinigung kann mit dem Prinzip des Heilfastens kombiniert werden. Um Wasserverluste auszugleichen, muss die Trinkmenge deutlich erhöht werden. Mindestens drei Liter pro Tag werden empfohlen.

 

Phase 2: Nach ca. einer Woche der aktiven Darmreinigung wird in der 2. Phase die Entgiftung durchgeführt. Es sollte weiterhin viel getrunken und der Darm durch moderate Bewegung wie Spaziergänge oder Yoga unterstützt werden. Das Einüben von Entspannungstechniken ist in dieser Phase sehr günstig. Auch die Aromatherapie kann hierzu ihren Beitrag leisten. Professionell durchgeführte Colon-Massagen sorgen für eine Entspannung der Darmmuskulatur.

 

Phase 3: In der 3. Phase gilt es nun den Darm dauerhaft zu stärken und das Mikrobiom wieder aufzubauen. Die Ernährung sollte leicht verdaulich sein, ähnlich der Leichten Vollkost. Prä- und Probiotika spielen eine wichtige Rolle beim Aufbau des Darmmilieus. Um den Darm langsam wieder an Nahrungsmittel zu gewöhnen, sollte in Stufen vorgegangen und mit kleinen Portionen begonnen werden. Wichtig ist nach einer Darmsanierung, nicht bei einer einseitigen Ernährung zu bleiben, sondern in langsamen Schritten entsprechend der Verträglichkeit immer mehr Lebensmittel gezielt in den Speiseplan einzuführen.

 

Um eine Darmsanierung erfolgreich durchzuführen, ist die Begleitung durch einen auf Darmsanierung spezialisierten Therapeuten empfehlenswert.

 

 

Cannabis: CBD (Cannabidiol) und THC (Tetrahydrocannabinol)

Wie wir heute wissen, produziert unser Körper Cannabinoide selbst, so genannte Endocannabinoide – endo steht für innerlich – und besitzt an vielen Zellen Rezeptoren, über die Informationen vermittelt werden. Endocannabinoide wirken wie THC und CBD schmerzstillend, euphorisierend und regeln Appetit und Schlaf. Im Darm reguliert das sogenannte Endocannabinoid-System die Darmaktivität und Entzündungsreaktionen.

 

Eine wichtige Aufgabe ist die Aufrechterhaltung der inneren Balance – Homöostase genannt – in der alle biologischen Prozesse einen idealen Gleichgewichtszustand erreichen. Ist die Homöostase gestört, kommt es zu Beschwerden und Erkrankungen. Ein Mangel an Endocannabinoiden wird heute mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht, die alle mit einer erhöhten Schmerzwahrnehmung und einem veränderten Serotonin-Stoffwechsel in Zusammenhang stehen. Dazu zählt auch das Reizdarmsyndrom.

 

Cannabinoide sind in der Lage, einen Mangel an Endocannabinoiden auszugleichen, da sie an die gleichen Rezeptoren binden. Cannabinoide können deshalb bei chronischen Schmerzen sehr hilfreich sein und auch bei der Behandlung von Depressionen, Ängsten, Verdauungsbeschwerden und Energielosigkeit eingesetzt werden. Insgesamt können sie zu einer ganzheitlichen Heilung führen, bei der Körper, Geist und Psyche gesunden.

 

Homöopathie

Da Reizdarmbeschwerden viele unterschiedliche Ursachen haben können, muss bei der Empfehlung des passenden homöopathischen Mittels die individuelle Symptomatik und Konstitution des Patienten genau berücksichtigt werden. Am besten lässt man sich von einem erfahrenen Homöopathen beraten.

Diese Auswahl an homöopathischen Mitteln kann bei Reizdarmbeschwerden helfen:

  • Nux vomica (Brechnuss): bei Übelkeit, Blähungen, Verstopfung und Völlegefühl, begleitet von innerer Anspannung, Überarbeitung und Stress
  • Chamomilla (Kamille): bei Darmkrämpfen mit Durchfall, schmerzenden Blähungen, schmerzempfindlichen Bauch, gereizter Stimmung, Ungeduld, auch bei Magenbeschwerden
  • Aloe: bei chronischen Darmentzündungen, aufgetriebenem Bauch, Stuhldrang, Durchfall
  • Okoubaka (Rindenbaum): geeignet zur Darmsanierung und Entgiftung, bei wechselndem Stuhlgang von Durchfall und Verstopfung, andauernden Blähungen, allgemeiner Leistungsschwäche
  • Asa foetida (Stinkasant): bei mangelnder Verdauung, trägem Darm, aufgetriebenem Bauch und übel riechenden Blähungen, geeignet bei entzündlichen Prozessen
  • Staphisagria (Rittersporn): bei Schmerzen und Krämpfen im Bauchraum nach Ärger oder anderen emotional belastenden Situationen.
  • Magnesium phosphoricum (Magnesiumphosphat): bei krampfartigen Schmerzen durch Muskelverkrampfung

 

Akupunktur

Akupunktur kann bei Reizdarm eine sinnvolle Ergänzung zur konventionellen Therapie sein. Laut Traditioneller Chinesischer Medizin ist es möglich, damit Energie-Blockaden im Darm zu lösen und die Ausschüttung des körpereigenen Stresshormons Cortisol zu verringern. Außerdem kann die Tätigkeit des Parasympathikus gestärkt werden, was Entspannung fördert. Bisher fehlen allerdings Studien, die die Wirksamkeit der Akkupunktur wissenschaftlich belegen.

Checkliste

Checkliste

Checkliste und Empfehlungen: Das können Sie selbst tun bei einem Reizdarm-Syndrom

  • Gut informiert sein: Informieren Sie sich und Ihre Angehörigen so gut wie möglich über Ihre Erkrankung.
  • „Richtige“ Therapeuten: Der Draht zu Ihren Therapeuten (Ärzte, Ernährungsberater, Heilpraktiker…) muss stimmen. Die Beziehung zwischen Patienten und Therapeut muss auf Vertrauen und Sympathie aufbauen.
  • Mikronährstoffe: Achten Sie auf Ihren Mikronährstoffhaushalt. Nur wenn alle Mikronährstoffe ausreichend im Organismus vorhanden sind, können lebenswichtige Prozesse optimal ablaufen. Bei Reizdarm stehen alle Mikronährstoffe im Fokus – eine Breitbandversorgung ist daher unerlässlich.  Eine Checkliste mit Kriterien zur Auswahl des richtigen Produktes finden Sie hier.
  • Ausprobieren: Finden Sie die für Sie richtige Therapie – Reizdarmbeschwerden sind sehr individuell.
  • Ernährung: Sorgen Sie für eine ausgewogene, antientzündliche und für Sie verträgliche Ernährung.
  • Ganzheitliche Behandlung: Unterstützen können Sie Ihre Darmgesundheit durch Heilpflanzen, Probiotika, Ballaststoffe und Heilerde.
  • Gesunder Lebensstil: Bleiben Sie in Bewegung, sorgen Sie für Entspannung und einen guten Schlaf, erlernen Sie Stressbewältigungsstrategien.
  • Medikamente: Greifen Sie nur selten zu Medikamenten und immer in Absprache mit Ihrem Arzt – sie sind keine Dauerlösung.
  • Psychotherapie: Holen Sie sich Hilfe, wenn Ihre Psyche bei Reizdarm leidet oder psychische Probleme ihre Beschwerden verschlechtern.

 




Quellennachweise

1BARMER-Arztreport 2019. (2019). https://www.barmer.de/blob/192574/68afa7f846c9d2adf1af7b57ddd77c94/data/dl-pressemappe.pdf

2D. R. Ä. D. Ä. (2011, 29. April). Chronische Bauchschmerzen bei Kindern und Jugendlichen. Deutsches Ärzteblatt. https://www.aerzteblatt.de/archiv/87642/Chronische-Bauchschmerzen-bei-Kindern-und-Jugendlichen.de

3Bauchschmerzen durch „Reizdarm“: Flohsamen und Entspannungsübungen können helfen: www.kinderaerzte-im-netz.de. (2020). www.kinderaerzte-im-netz.de. https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/bauchschmerzen-durch-reizdarm-flohsamen-und-entspannungsuebungen-koennen-helfen/

4Yano, J. M., Yu, K., Donaldson, G. P., Shastri, G. G., Ann, P., Ma, L., Nagler, C. R., Ismagilov, R. F., Mazmanian, S. K. & Hsiao, E. Y. (2015). Indigenous Bacteria from the Gut Microbiota Regulate Host Serotonin Biosynthesis. Cell, 163(1), 258. https://doi.org/10.1016/j.cell.2015.09.017

5Fadgyas-Stanculete, M., Buga, A.-M., Popa-Wagner, A. & Dumitrascu, D. L. (2014). The relationship between irritable bowel syndrome and psychiatric disorders: from molecular changes to clinical manifestations. Journal of Molecular Psychiatry, 2(1), 4. https://doi.org/10.1186/2049-9256-2-4

6Marshall, J. K., Thabane, M., Garg, A. X., Clark, W. F., Moayyedi, P. & Collins, S. M. (2010). Eight year prognosis of postinfectious irritable bowel syndrome following waterborne bacterial dysentery. Gut, 59(5), 605–611. https://doi.org/10.1136/gut.2009.202234

7Litleskare, S., Rortveit, G., Eide, G. E., Hanevik, K., Langeland, N. & Wensaas, K.-A. (2018). Prevalence of Irritable Bowel Syndrome and Chronic Fatigue 10 Years After Giardia Infection. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 16(7), 1064-1072.e4. https://doi.org/10.1016/j.cgh.2018.01.022

8Verma, R., Lee, C., Jeun, E.-J., Yi, J., Kim, K. S., Ghosh, A., Byun, S., Lee, C.-G., Kang, H.-J., Kim, G.-C., Jun, C.-D., Jan, G., Suh, C.-H., Jung, J.-Y., Sprent, J., Rudra, D., De Castro, C., Molinaro, A., Surh, C. D. & Im, S.-H. (2018). Cell surface polysaccharides of Bifidobacterium bifiduminduce the generation of Foxp3+regulatory T cells. Science Immunology, 3(28), eaat6975. https://doi.org/10.1126/sciimmunol.aat6975

9Menni, C., Zierer, J., Pallister, T., Jackson, M. A., Long, T., Mohney, R. P., Steves, C. J., Spector, T. D. & Valdes, A. M. (2017). Omega-3 fatty acids correlate with gut microbiome diversity and production of N-carbamylglutamate in middle aged and elderly women. Scientific Reports, 7(1), https://www.nature.com/articles/s41598-017-10382-2. https://doi.org/10.1038/s41598-017-10382-2

10Halmos, E. P., Power, V. A., Shepherd, S. J., Gibson, P. R. & Muir, J. G. (2014). A Diet Low in FODMAPs Reduces Symptoms of Irritable Bowel Syndrome. Gastroenterology, 146(1), 67-75.e5. https://doi.org/10.1053/j.gastro.2013.09.046

11Schumann, D., Klose, P., Lauche, R., Dobos, G., Langhorst, J. & Cramer, H. (2018). Low fermentable, oligo-, di-, mono-saccharides and polyol diet in the treatment of irritable bowel syndrome: A systematic review and meta-analysis. Nutrition, 45, 24–31. https://doi.org/10.1016/j.nut.2017.07.004

12Böhn, L., Störsrud, S., Liljebo, T., Collin, L., Lindfors, P., Törnblom, H. & Simrén, M. (2015). Diet Low in FODMAPs Reduces Symptoms of Irritable Bowel Syndrome as Well as Traditional Dietary Advice: A Randomized Controlled Trial. Gastroenterology, 149(6), 1399-1407.e2. https://doi.org/10.1053/j.gastro.2015.07.054

13AGRAWAL, A., HOUGHTON, L. A., MORRIS, J., REILLY, B., GUYONNET, D., GOUPIL FEUILLERAT, N., SCHLUMBERGER, A., JAKOB, S. & WHORWELL, P. J. (2009). Clinical trial: the effects of a fermented milk product containingBifidobacterium lactisDN-173 010 on abdominal distension and gastrointestinal transit in irritable bowel syndrome with constipation. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 29(1), 104–114. https://doi.org/10.1111/j.1365-2036.2008.03853.x

14Dimidi, E., Christodoulides, S., Fragkos, K. C., Scott, S. M. & Whelan, K. (2014). The effect of probiotics on functional constipation in adults: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. The American Journal of Clinical Nutrition, 100(4), 1075–1084. https://doi.org/10.3945/ajcn.114.089151

15Ducrotté, P. (2012). Clinical trial: Lactobacillus plantarum299v (DSM 9843) improves symptoms of irritable bowel syndrome. World Journal of Gastroenterology, 18(30), 4012. https://doi.org/10.3748/wjg.v18.i30.4012

16Guglielmetti, S., Mora, D., Gschwender, M. & Popp, K. (2011). Randomised clinical trial: Bifidobacterium bifidum MIMBb75 significantly alleviates irritable bowel syndrome and improves quality of life — a double-blind, placebo-controlled study. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 33(10), 1123–1132. https://doi.org/10.1111/j.1365-2036.2011.04633.x

17Rodiño-Janeiro, B. K., Vicario, M., Alonso-Cotoner, C., Pascua-García, R. & Santos, J. (2018). A Review of Microbiota and Irritable Bowel Syndrome: Future in Therapies. Advances in Therapy, 35(3), 289–310. https://doi.org/10.1007/s12325-018-0673-5

18Kohlenhydrate, Ballaststoffe. (2020). DGE. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/kohlenhydrate-ballaststoffe/?L=0#:%7E:text=Ballaststoffe%20(Nahrungsfasern),Referenzwerte%20f%C3%BCr%20die%20Energiezufuhr).

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20Murakami, K., Sasaki, S., Okubo, H., Takahashi, Y., Hosoi, Y. & Itabashi, M. (2006). Association between dietary fiber, water and magnesium intake and functional constipation among young Japanese women. European Journal of Clinical Nutrition, 61(5), 616–622. https://doi.org/10.1038/sj.ejcn.1602573

21Nielsen, P. (2020). Die Rolle des Eisens bei Infektionen. MMW – Fortschritte der Medizin, 162(16), 22–24. https://doi.org/10.1007/s15006-020-4320-0

22Lichtenstein A.H., Jones P.J. (2001). Lipids: absorption and transport. In J.P.J. (Hrsg.), Present Knowledge in Nutrition (8. Aufl., S. 93–103). Bowman BA, Russel RM.

23Fett, essenzielle Fettsäuren. (2020). DGE. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/fett/

24Williams, C. E., Williams, E. A. & Corfe, B. M. (2018). Vitamin D status in irritable bowel syndrome and the impact of supplementation on symptoms: what do we know and what do we need to know? European Journal of Clinical Nutrition, 72(10), 1358–1363. https://doi.org/10.1038/s41430-017-0064-z

25Eberhardt, M. V., Lee, C. Y. & Liu, R. H. (2000). Antioxidant activity of fresh apples. Nature, 405(6789), 903–904. https://doi.org/10.1038/35016151

26Scrimgeour, A. G. & Condlin, M. L. (2009c). Zinc and micronutrient combinations to combat gastrointestinal inflammation. Current Opinion in Clinical Nutrition and Metabolic Care, 12(6), 653–660. https://doi.org/10.1097/mco.0b013e3283308dd6

27Biasi, F., Astegiano, M., Maina, M., Leonarduzzi, G. & Poli, G. (2011). Polyphenol Supplementation as a Complementary Medicinal Approach to Treating Inflammatory Bowel Disease. Current Medicinal Chemistry, 18(31), 4851–4865. https://doi.org/10.2174/092986711797535263

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29Carroll, D., Ring, C., Suter, M. & Willemsen, G. (2000). The effects of an oral multivitamin combination with calcium, magnesium, and zinc on psychological well-being in healthy young male volunteers: a double-blind placebo-controlled trial. Psychopharmacology, 150(2), 220–225. https://doi.org/10.1007/s002130000406

30Taneja, I., Deepak, K. K., Poojary, G., Acharya, I. N., Pandey, R. M. & Sharma, M. P. (2004). Yogic Versus Conventional Treatment in Diarrhea-Predominant Irritable Bowel Syndrome: A Randomized Control Study. Applied Psychophysiology and Biofeedback, 29(1), 19–33. https://doi.org/10.1023/b:apbi.0000017861.60439.95

31Entspannungstherapie | Yoga | Autogenes Training | Reizdarm | Colon Irritabile – ernaehrung.de. (2020). http://www.ernaehrung.de. http://www.ernaehrung.de/tipps/colon_irritabile/coloni13.php

32Allen, J. M., Mailing, L. J., Cohrs, J., Salmonson, C., Fryer, J. D., Nehra, V., Hale, V. L., Kashyap, P., White, B. A. & Woods, J. A. (2017). Exercise training-induced modification of the gut microbiota persists after microbiota colonization and attenuates the response to chemically-induced colitis in gnotobiotic mice. Gut Microbes, 9(2), 115–130. https://doi.org/10.1080/19490976.2017.1372077

33Schmidt, S. (2021, 17. Januar). Aktualisierte Leitlinie zum Reizdarmsyndrom (2021). DGVS – Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. https://www.dgvs.de/wissen/leitlinien/dgvs-leitlinien/reizdarmsyndrom/

34Flik, C. E., Laan, W., Zuithoff, N. P. A., van Rood, Y. R., Smout, A. J. P. M., Weusten, B. L. A. M., Whorwell, P. J. & de Wit, N. J. (2019). Efficacy of individual and group hypnotherapy in irritable bowel syndrome (IMAGINE): a multicentre randomised controlled trial. The Lancet Gastroenterology & Hepatology, 4(1), 20–31. https://doi.org/10.1016/s2468-1253(18)30310-8

35Plante, W. A. & Mark, J. D. (2012). Hypnosis for Functional Abdominal Pain and IBS. AAP Grand Rounds, 28(1), 2. https://doi.org/10.1542/gr.28-1-2

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37Albrecht, U., Müller, V., Schneider, B. & Stange, R. (2014). Efficacy and safety of a herbal medicinal product containing myrrh, chamomile and coffee charcoal for the treatment of gastrointestinal disorders: a non-interventional study. BMJ Open Gastroenterology, 1(1), e000015. https://doi.org/10.1136/bmjgast-2014-000015

38Rahimi, R. (2012). Herbal medicines for the management of irritable bowel syndrome: A comprehensive review. World Journal of Gastroenterology, 18(7), 589. https://doi.org/10.3748/wjg.v18.i7.589

39Shi, J., Tong, Y., Shen, J.-G. & Li, H.-X. (2008). Effectiveness and safety of herbal medicines in the treatment of irritable bowel syndrome: A systematic review. World Journal of Gastroenterology, 14(3), 454. https://doi.org/10.3748/wjg.14.454

40Stockman, J. A. (2010). Effect of fibre, antispasmodics, and peppermint oil in the treatment of irritable bowel syndrome: systematic review and meta-analysis. Yearbook of Pediatrics, 2010, 135–136. https://doi.org/10.1016/s0084-3954(09)79360-1

41Bijkerk, C. J., Muris, J. W. M., Knottnerus, J. A., Hoes, A. W. & De Wit, N. J. (2004). Systematic review: the role of different types of fibre in the treatment of irritable bowel syndrome. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 19(3), 245–251. https://doi.org/10.1111/j.0269-2813.2004.01862.x

42Innovatives Heilerde-Granulat bei Reizdarm und Reizmagen. (2013). JOURNAL FÜR PHARMAKOLOGIE UND THERAPIE, Ausgabe 3-2013. https://issuu.com/verlag-perfusion/docs/journal-3-2013